nächste Seite

C14beta

1875
III

Padua.

Sanct Antonis.

Ueber den Bauselbst später. Façadenschmuck: Frescenund Statue langweilig,gar nichts. Tauf-becken: Christus undJohannes (Marmor) nichtviel. Die ersten Bildernichts. Interessantist die 1. Kapellerechts, mit vielenBronce-ArbeitenDonatellos. Daswas Baedecker nichtnennt, gefällt miram besten: die schöneBroncethür, die in der Mitte einer Marmorba- lustrade, an die Kapelle einführt,und der Renaissance-Tempietto (Marmorweiß, Säulen grün undschwarzgefleckt, undzahlreiche Bronce-Statuetten in denNischen) der alsSacramentenhäuschen dient; ähnlich wieder berühmte„Tempietto“ in dereinen Sankt-Peters-Kapelle. Die Reliefs(Bronze) die denAltar umziehn unddie Wunder des heil.Antonius darstellen,waren nicht klarzu sehn. Erforderteein Spezialstudium.Ob übrigens der„Tempietto“ auch vonDonatello ist, stehtdahin.
Es folgt nun rechtsdie große KapelleSan Felice, ganzmit Fresken überdekt,ähnlich wie die „Kapelledei Spagnuoli inSanta Mar Novellain Florenz. Ihren In-halt zu mustern.war nicht möglichAber die ganze Anlage,die mehr den Charaktereiner nach vorn hinvon 6 Säulen ge-tragenen, offnenfreien Halle hat, ist eigenthümlich undanmuthig. Es fehltdas eng Bedrückende,freilich auch dasAbgeschlossene und dadurchGeschliffene und Con-centrirte.
Der Kreuzganghübsch, aber nichtsbesonderes.
Das Sanctuarium,hinter, dem Chor, 1690 angebaut, schonBarockstyl, sehrreich, in seiner Art sehr schön, mit wunder-voll gearbeiteten Mar-morstatuen, diein ihrer technisch mu-sterlichen Behandlungs-weise an die stofflich abweichenden Ar-beiten in Casselerinnern.
Gebäudegrundriss; Sanktuarium, SanctuariumSanktuariumSanctuariumSant'Antonio, San Antonio, Sanct AntonisSanktuarium in Sant’Antonio.
Gebäudegrundriss; Sanktuarium, SanctuariumSanktuariumSanctuariumSant'Antonio, San Antonio, Sanct AntonisSanktuarium in Sant’Antonio.

Vergoldete, mitSilberfreskengezierte 3Thürme, die wahr-scheinlich die reichen Goldarbeiten-Schätze,auch die Zunge
des heiligen An-tonius enthalten.
Das Ganze sehreigenthümlich, undmit nichts zu ver-gleichen, das ichbisher gesehn.Die Statuen derHeiligen aufder abgerundetenVorder-Wandungsehr schön, namentlichder Heilige mitdem Crucifix inder Hand
Die Hauptkapelle
der Kirche ist natür-lich die des heiligenAntonius selbst.Sie befindet sich derweiter oben beschrie-benen Kapelle SanFelice gerade gegen-über. Es ist diese ähnlichwie in Sankt Pe-ter, wie sich aufdie beiden Haupt-kapellen, in denen auch meist cele-brirt wird, gegen-über befinden.Diese Kapelle desheil. Antonius hatganz die Verhältnisseund Grund-Einrichtungenvon San Felice.was aber dortFarbe und Bild ist,ist hier weißerMarmor und Relief.Die Wunder SanktAntoni sind in solchen 9 ReliefsHoch-dargestellt. DieDecke reich ver-goldet. Es wirktalles sehr gut undvornehm, dochmöcht ich derbraungetönten,reichbemaltenSan Felice-Kapelleden Vorzug geben.Auf Details kannman sich gar nicht einlassen. Daserfordert wiederein Spezialstudiumentweder dieseroder jener Kirche,dieses oder jenesMeisters. – ImAltar ruhen dieGebeine desHeiligen, seineZunge (siehe weiteroben und im Baedeker)befindet sich dagegen im Sanctuarium.
Die Candelaber,silbern, aus einerMasse von Engels-köpfen, die dasUntergestell bilden,emporwachsend,sind sehr schön;besonders diesOperiren mit En-gelsköpfen:

Das große Denk-mal GeneralContarinis(siehe Baedeker) istsehr bemerkenswerth.Es befindet sichim Mittelschiff am2. Pfeiler links.Das Fries des Sar-kophages, ein Salatvon Gefangenen undGefallenen unterWaffen, Helmen, Schil-den und dem siegreichenLöwen Venedigsist eigenthümlich. Die Giottes-ken Fresken indem gewölbten Durch-gang, der aus derKirche in den Kreuz-gang führt, sind gut,besonders Christus undMaria. Uebrigensist nur noch 1Bild da; dasandre unerkenn-bar; das dritteganz weg.
Die „Grablegung Christi“ von Do-natello an derhintren Chorwandist nicht mehr deut-lich zu erkennen,auch nicht mit demGlase.
Mit dem Sanc-tuarium hat esseine Richtigkeit.

In den vielenKuppeln, ich glaube
Sant'Antonio, San Antonio, Sanct AntonisSant'AntonioSanAntonioSanctAntonisPaduaKuppeln von Sant'Antonio in Padua.
erinnert es an SanMarco, entbehrtaber der Farben-
und
u
Goldzaubereides letztren. DasSchönste war dochder junge, schöne,ganz schwarze Mönchunter dem cele-brieden Altar schließlich imhohen Chor unddie eindrucksvolleMusik dazu.
Außer diesen Lebens- Bild- undMusik-Effekt wirk- te folgendes wundervoll.Wenn man durch dasHauptportal ins Mittel-schiff tritt, ist dieHinterwand des Chorsdurchbrochen. Indieser offnen Fenster-nische erhebt sich ein (ich glaube einDonatello oder ausseiner Schule); dies Kreuzsteht nicht blos inhellem Lichtschein, dervon dem eingebautenSanctuarium aus hineinfällt, sondernman sieht auchden Oberabschnittdieses Sanctuariums: die weiße Taubedes heiligen Geistes undEngelgestalten. Eingoldner Schein darüber.Sehr schön. SanktPeter mit dem Berni-ni-Chorabschluß wirktähnlich; noch ähnlicherist die Reimser Ca-thedrale. An letztremOrt ist es ein wunder-volles
gothisches
goth.
Fenster desChorrundganges, wasdiesen Effekt schafft.

Eremitani.

Einschiffige Basilica;sehr lehrreich; jedeSäulenstellung fehlt;einfacher großer Ob-long-Saal mitApsis oder Chornischeund Seitenaltärenlinks und rechts anden Wänden sich hin-ziehend. DieDecke ist ganz eigen-thümlich und schwerzu beschreiben. DasNachstehende giebt
Eremitani-Kirche, Kirche EremitaniEremitani-KircheKircheEremitaniPaduaDecke der Eremitani-Kirche in Padua. ab

a und b sind ein Ballen,die etwa immer 8 bis10 Fuß von einanderabstehend in diesemseltsamen, blau mitGoldsternen bemalten Wölbungen undHalbwölbungen
etwa den Durchschnitt;aber es giebt nichtdas Ganze, was vielcomplicirter ist. sich hinziehn.
Am merkwürdigstenaber ist, daß wennman nun einenLängsdurchnitt derganzen Deckenimmt, wiederandre, zuden Wölbungen desQuerdurchschnitts,quer oder recht-winklig stehendekleine Wölbungenin großer Zahlherauskommen. Etwa so
Eremitani-Kirche, Kirche EremitaniEremitani-KircheKircheEremitaniPaduaDecke der Eremitani-Kirche in Padua.

Klar zu beschreibenist es nicht, und eszu zeichnen auchsehr schwer, wennman es auch besserversteht als ich. DerApsis sich nähernd,wird, auf eine ganzeStrecke hin, dieserDeckenbau nochcomplicirter. DasGanze durchaus eigen-
thümlich und sehrlehrreich.

Die KapelleS. Jacopo e Cristoforo
in der Kirche Eremi-tani.
[Dies ist die berühmteMantegna-Kapelle.]
1. Rechts. Geschichtedes heiligen Christo-phorus.
Es sind fünfBilder, wiefolgt gegliedert
Gemäldekomposition; Geschichte des Heiligen Christopherus [Freskenzyklus, 1944 teilw. zerstört]GeschichtedesHeiligenChristopherus[Freskenzyklus1944teilwAfalse14311506ital. Maler und KupferstecherMantegnaAndreaMantegna, AndreaFresko zur Geschichte des Heiligen Christopherus. abcdef.

a, b, c, und dsind wirklich vierselbstständige Bilder,die ein Schüler Man-tegnas gemalt hat;
e und f rührenvon Mantegna selbsther, und bilden trotzder Theilung, die diemehr oder wenigerionische Säule giebt,doch ein Ganzes.
Die 4 oberen,darunter der bekannteMoment, wie Christophorusdas Christkind trägt,flößen mir keinInteresse ein, aberauch Mantegnas eigne Leistung, diewie es scheintdie Marter des heil.Christophorus darstellt,bietet – ganz abgesehndavon, daß es halb-zerstört ist – nichtallzuviel. Er istenthauptet. Sein Hauptist nur noch einDing wie der schwache Umriß einer Kano-nenkugel. Sieschleppen ihn weg;ein Bein ruht noch am Boden,das andre ist ineiner Art rechtemWinkel
Gemäldeausschnitt; Geschichte des Heiligen Christopherus [Freskenzyklus, 1944 teilw. zerstört]GeschichtedesHeiligenChristopherus[Freskenzyklus1944teilwAfalse14311506ital. Maler und KupferstecherMantegnaAndreaMantegna, AndreaFresko zur Geschichte des Heiligen Christopherus.

bereits durch Kriegs-knechte in dieHöhe gehobenund diese Behandlungder andren Gliedmaßen,in so schwierigerSituation, scheint
wieder meisterhaftzu sein. Aber diesist auch alles. Vonden vorhandenen vielenKriegsknechtkämpfenintressirt kaum einer.Die Architektur aber,die vollständig erhaltenist, ist in Säulenstellung,Façaden, Fenster-Einfassung, Friesen, Rund-bögen,
perspektivische
perspektiv:
Durchblicke, auch indem Weingang, der das schöne Hausumzieht, wunder-voll. Die Art wiedies alles behandeltist, zeigt allerdingsganz den Mannder Renaissance; alles,bis aufs kleinsteOrnament, ist Re-naissance Styl.
2. Links. Geschichtedes heiligen Jaco-bus.
Die Eintheilung istgenau dieselbe und auch hier hatMantegna selbstnur e und f ge-malt. e und fstellen dar, – soweit ich es abneh-men kann – wieer predigt und wieer mit einem Holz-hammer erschlagenresp. hingerichtet wird.
Er predigt in einerStadt, namentlich vorSoldaten, Kriegs- knechten. Es kannaber auch so sein,daß er gepredigt hat,daß Soldaten abge-schickt werden ihngefangen zu nehmen,daß sie aber selbstzum Theil blos er-schrecken; er selbstlehnt ab, sieht aberbedrückt, erbangend,erschrocken aus,sein Schicksal ahnend, diese Erklärung ist wahr-scheinlich die richtigere.Das 2. Bild (f.)die Erschlagung mitdem Hammer – erliegt an der Erde, mitdem Leib nach unten,mit dem Rückennach oben und einScheusal hämmert nundrauf los – ist nichtnur häßlich im Stoffwie alle dieseMärtyrer-Greuel-Geschichten, sondern scheint oder auchkünstlerisch bedeutendunter dem e Bildzu stehn, dashöchst vorzüglichcomponirt, vielKraft, Charakter,Wahrheit, Lebenist. So z. B. derKriegsknecht, dereinem eine ArtGlaubensfahnetanzenden An-hängers (die Fahne oben mit Welt-kugel und Wage)mit seinem Waibel-stock zurückdrängt.Landschaft und Archi-tektur wiederbedeutend.
Im Ganzen kannich nicht sagen, daßdiese Sachen irgendeinen bedeutendenEindruck auf michgemacht haben.Wenn man es weiß, sofindet man schließ-lich einzelnes Bedeu-tendes und selbstGroßes (so daslinks erhobeneBein des Christo-phorus) heraus;F wird ange-kuckt aber, wirdmanschließlichdurch diese Sacheauf der Stelle er-obert werden unddas Gesicht derGröße aus ihmgewinnen.

. . . .dell ArenaUeber die Maske später schreiben.Das Welt-gericht: Christussehr gut, auchdie Heiligenim Himmel; das andre nichtviel.
Die Zierdeist aber allerdingshinter demALtar, wo be-scheidene Nischen-bilder gewesensind, das Bildder Maria mitdem Kinde. Dieganze Süße und Schönheit, dieRaphael zu ge-ben wußte, isthier voll undherzgewinnendverstanden undzu gleicher Zeitfehlt jeder mo-derne Anklang,alles ist keusch,rein, jungfräulichund in dieser hohen Reinheitnicht bloß lieb-lich sondernauch groß. GrabmalDante’s.

Colonieen

Die Oestreicher, als sie nochitalienische Regimenter hatten,pflegten von ihnen zu sagen: „wenn sie gut sind, sindsie sehr gut.“ So geht esmir mit meinen deutschenLandsleuten so oft ich ihnenim Auslande begegne! „wennsie gut, sind sie sehr gut.“ Aberleider muß ich hinzusetzen, dieserFall tritt nur sehr unwahr-scheinlich ein. Immer wiederfühlt man sich durch seine Lands-leute genirt, nicht weil manein schiefes Auge für ihre Fehlerhat, sondern weil sie inder großen Mehrheit wirklichgenable sind. Ich würdeein Mißtrauen in diese immer wiederkehrende Wahrnehmungsetzen und blutenden Herzens dieSache auf sich beruhen lassen,wenn nicht eben jene Aus-nahmefälle mir den sichrenBeweis gäben, daß es mitmeiner Beobachtung nur allzurichtig ist. Da war ichvor einigen Wochen in Vero-na im Bahnhofs-Salon.. Am oberen Ende derTafel saßen sechs dersieben Deutsche, lauter Ostsee-Söhne, die sich, unter einandervorstellend, als Gutsbesitzer,Justizräte, Assessoren ausder Rostock-Greifswald-Stralsunder Gegend begrüßten.Nie hab ich stattlichere Leutegesehn. Groß, stark, heiter von wohlthuender Sicherheit ohnejede Spur von Arroganz oder Renom-misterei. Aechte freieMenschen, ohne Gethue undGehabe, frei, sicher, heiter,stark. Mir lachte dasHerz im Leibe. Aber wieselten ist solcher Anblick! DieMeisten, zu allermeist aber– ich bitte um Entschuldigung –die Damen machen einenwehmüthigen Eindruck. Allenfehlt die Gewohnheit desHerrschens und Befehlens, wennman ihr begegnet, ist siemeist sehr unangenehm,weil spießbürgerlicher undauf Comtoir, Werkstattoder Bureau beschränkter Natur.Und nun gar die Frauen! Schon reinäußerlich genommen bewegensie sich abwechselnd in derSphäre der zusammengesuchtenGarderobe oder der klein-städtischen Putzsucht, die sichmit Schmuck und Ketten behängt,ihrem ganzen Auftreten,der Aengstlichkeit mit der siesich in wirklich guter Gesellschaftbegegnen, merkt man es an,daß sie sich nur in Schlaf- undKinderstuben bewegt und dasbekannte Dienstmädchen-Gesprächmit Vorliebe gepflegt haben.Etwas Inferiores, Klein- undSpießbürgerliches zieht sich durchdie ganze deutsche Welt, sowie man ihr im Aus-lande begegnet, so traurig auf-fällig, daß man die Vermu-thung hegen möchte, alle die-jenigen, die reisen und repräsentiren können undsollten, alle diese bleiben zuHaus auf ihren Gütern undüberlassen es einer x---xsehr unrepräsentablen Gesell-schaft, Deutschland im Auslandezu repräsentiren.
Woran liegt das: wirhaben keine dem Adelin Bildung, (worunterich nicht das traurige „Wissen“meine) Haltung und feinemEhrgefühl verwandte Mittel-klassen. Herr v. G. sagteeinmal sehr richtig: es ist Grundfalsch immer von der Bedeutungdes englischen Adels zu sprechen;die Bedeutung und die PräponderanzEnglands über alle Völker derErde liegt die der Macht undStellung der reichen, Mittel. Dies istdurchaus richtig. –
Die Frage ist, wie schaffenwir sie uns, damit es besserwerde. Der Hinweis istleicht gegeben. Da, wodurch Befehlsgewohnheit sich vonselber ein aristokratisches Fühlenausbildet, da begegnen wirdiesen Vorzügen auch bei unsalso beim Gutsbesitzer undOffizier, gleichviel ob adligoder bürgerlich von Geburt.Aber dies ist genug, ganzabgesehen davon, daß die Kümmer-lichkeit unsrer Verhältnisseauch in diesen Klassenviele Ausnahmen entstehenläßt. Der einzigeWeg zur Heranziehung einerAristokratie, d. h. eines aristo-kratischen Fühlens in einer herr-schenden Race ist das Colonnie-wesen. Wir wollen nichtsdavon wissen, weil es handels und nationalökonomisch verwerflich, weil es rein-es in Pound, Shilling, Pencennicht vortheilhaft sei. Magsein, wieoft auch dies anzu-fechte sein würde. Aber zu-gegeben einmal, bringen wiruns durch diese national-ökono-mische Rücksicht um einmoralisches Element, dasweit mehr werth und politischwichtiger für uns ist, alseine bloße Gewinn- oderVerlust-Frage. Wer offneAugen dafür hat und die Dingeunbefangen ansieht, kannleicht wahrnehmen, daß manuns trotz aller unsrer Siege,ganz unverändert als die Proleta-rier der Weltgeschichte, umnicht noch ein härteres Wortzu gebrauchen, ansieht. Undleider mit Recht ansieht.Es fehlt überall. Wirhaben zwei traurige Stolze: das beste Schulwesen unddie beste Drillung. Gut, diesist etwas. Aber man täuschesich doch nicht über die Trag-weite dieser Dinge. Manlacht zum Theil darüber undmit Recht. Wir sind derSchulmeister, der Feldwebelder Weltgeschichte, der ambesten dekliniren, conjegirenund exerciren kann, aberals die Achsel angesehenwird, wenn er in derGesellschaft vornehmerLeute erscheint. Es giebteben ein viel, viel Höheresals das; all dies ist nurUnterlage. Aber diesgrobe Feldstein-Fundamentals eine ebenbürtige Burgausgeben wollen, gehtnicht.
Sorgen wir für dieBeseitigung unsrer Stigmen,verweigern uns selbst einArmuthszeugniß einer stillenSpießbürgerei. Wiehab ich zu zeigen, anzu-deuten versucht.
Hineinzuarbeiten: Man vergleicheeinen schottischen Obersten a. D., der20 Jahr in Indien war, unddurch Neuralgie oder gelbesFieber dienstunfähig wurde,mit einem Obersten a. D. unsrerArmee. Und der Unterschiedist gegeben. Einige Rasseler werden dies bestreiten; aberman täuscht sich doch darübernicht, daß die „forsche Schnauz-bärtigkeit“ eine der niedrigstenFormen der Vornehmheitist. Einige fürchten sich davor;wer sich nicht davor fürchtet,dem gegenüber schlägt esins Gegentheil um.
Jede Stunde 1 12 Franken. | Baptisterium
und
u
Domliegen zusammen. | 5. Apollinais und der vitale liegenauch zusammen.Dom. Baptisterium. | St. Vitalis
und
u
San Nazario. | San Apollinarenuovo und | zuletzt Rotonda.Dom ist wichtig.Baptisterium: die Fresken.San Vitali: Passionsköpfe undX---xx---x Künstler.Rotonda: Grabmal Theoderichs.

Pisa

Dom

Siehe meine Notizenim Baedeker; alleswas er angiebt, habich gesehn; doch fehlenviele Sachen. So z. B.gleich beim Eintrittin das Mittelschiffrechts und links2 Taufbecken;in dem einen stehtein Bronce Christuseben in den Jordanzur Taufe steigend,Quer-lagenan St Lorenzoin Genua er-innert.Der inder Behand-lung vonSchwarz undweiß in
in dem andernJohannes der Täufer.Vielleicht sind es übrigens sehr alteNachbildungen berühmterOriginale (in Venedigin St. Marcus glaub’ich Aehnliches gesehn zuhaben) wie aber demauch sei, beide sindschön.
Sehr schön sind dieIntarsien in Holznamentlich im Mittel-schiff, ein halb chor-stuhl-halb thronartigerHolzbau, wie ichsolchem nochnicht begegnet bin.
Dom (Santa Maria Assunta)Dom(SantaMariaAssunta)PisaBischofsstuhl im Dom von Pisa. Abcdefg

Alles ist nur ausgelegteArbeit, zum Theil nur orna-
    mentativ; aber
  • A. b. c.
  • d, e, f, g
  • , sind
  • b.
    und
    u
    g. Kelch undBischofsmütze,
  • c.
    und
    u
    f. Land-schaften
  • d. und e. EinPapagei oder Kreuz-schnabel der aufeinem umgestürztenKruge sitzt undauf dem andernTraube, Schwalbeund Kreuz. Inder Mitte desGanzen (A.)als Rücklehne desBischofsstuhlsdenn ein solchersoll das Ganze wohlsein – eine Anbetungder Könige.
Allessehr schön, vielleichtden Arbeiten inBergamo (inSanta Maria Maggio-re wenn ich nichtirre) noch überle-gen, wenn schon dieletztern farblichnoch überraschender– ich mag nichtsagen schöner –wirken. Hier ope-rirt der Künstler herkömmlichmit Gelb und Braun,dort der
betreffende
betr.
Mei-ster mit einer ArtCitronengelb undRothbraun.
Sehr schönsind die Andredel Sarto’s. St.Agnes, St. Mar-guerite et St.Catharina.Jo-hannes des Täufers undSan PietroEine wahreSünde des Doms(des Chors) sinddie Sachen vonSodoma: Auf dem zweitenBilde ist Christus,die ohnmächtig zu-sammenbrechende Maria und eineHintergrundsfigur(wahrscheinlich Josephvon Arimathia)sehr schön. DerRest passirt.
Etwas Wunder-volles, geradezuMichel-Angelo’sWürdiges istaber das Bild
Numero
No
1.
Abrahamhat eben, mitdem Ausdruck des höchsten Schmer-zes aber auchder tiefsten Er-gebung das Schwertgezückt und holtzum Hiebe aus.Vor ihm aufeinem Altarkniet Isaac,schön und reizend,von der Seiteauf den Vaterschauend, die Arme über der Brustgekreuzigt. Indiesem Augenblickerscheint der Engeldes Herrn undlegt seine Finger-spitze auf dieSpitze des Schwerts.Es macht einengroßartigen,erschütterndenEindruck, wiekein andres Bild, das ich währenddieser an schönenBildern wiederso reichen Reisegesehn habe.Anfechtbar istdie Figur Isa-acs; ein Glück,daß man seinenzierlichen kleinenGeschlechtstheilsieht, sonst müßteman ihn für eine schöne jungeEhebrecherinhalten, dievon dem altenempörten Gatten,resp. Vater hin-gerichtet wird.

Zwei Riesen-Mosaiken,nach Angabenoder ZeichnungenCimabues. Daseine im Chor, noch größer als dasim rechten Quer-schiff, enthält dieGestalten Christi,Mariä und desJohannes. Daskleine imQuerschiff, dasviel reiner,schöner, poetischerwirkt, nur dieGestalt derMaria (allesweiß, auch die Hauptbekleidungmit zweiEngeln. Wunder-bar ist aufdem großenBilde das Aeu-ßerliche: dasX---x,die Kissen, dieLöwen-Verzierung,die Gewandung behandelt. Immerwieder intressirenmich diese Schöpfun-gen aufs höchsteund sie habenden ganzen Zauberdes Naiven, desInnerlichen beiausreichendemKönnen, wasz. B. einen Dienst-mädchen-Briefan ihren Schatzoder ihre Herr-schaft so reizendmacht, viel rei-zender als den bestgeschriebenstenDurchschnitts-Brief. Dennochscheint es mirunsinnig, derglei-chen wiederherzu-stellen zu wollen,ebenso wenigwie ein Schrift-steller es gutmacht, wenner im Dienst-mädchen-Stylschreiben will. Die Façade desDoms siehtman am bestenvom Baptisteriumaus, wenn diesaufgeschlossen istund man nuneintritt und sichwendet. So mußeine Basilicaaussehn; einwahres Meister-stück, außenund innen.

Baptisterium

Famoser Kuppel-bau; die untreRundung trägtauch ihren Pfei-lern nacheine Hoch-Gallerie;dann erst be-ginnt die Kuppel.
Kanzel sehrinteressant, auf7 Säulen au fond, die ihrerseits wieder –, wenigstens zumTheil, von Lx---xgetragen werden.Reiche Reliefs.
Ein Altar.Vor demselben,in der Mitte,auf 3 Stufendas riesige 8eckige Taufbecken,in vier der innerenEcken stehenkleine steinerne Rundbaue, diewie modernerunde Nacht-tische aussehn.Was sie wollenweiß ich nicht;2 sind hohl.Rosetten, vonMarmor-Mosaikumgeben, bildennach außen hindie 8 Seitendes TaufbeckensDie Reliefsan der Kanzelsehr reich undintressant. Christusals Weltrichter,rechts die Geseg-neten, links dieVerdammten.Vorher Kreuzi-gung; vorher; vorherAnbetung der3 Könige; vorher eineruhende schöneGestalt, allerleiSchafe zur Seite,ein Kind inder Wiege linksneben ihr; imVordergrund eineTaufe. Etwasschwer ver-ständlich.
Diese Formder Kuppel desBaptisteriumsist doch mehrapart alsschön, im Uebri-
Grundriss; Camposanto Monumentale, Campo SantoCamposantoMonumentaleCampoSantoPisaCamposanto Monumentale in Pisa. N.
NordNorden
West-licheSchmal-seite mitden Ketten. S.
SüdSüden
OestlicheSchmal-seite

Westliche Seite, wo die Ketten desHafens von Pisa hängen und alte undneue Skulpturen und Grabdenkmalestehn, enthält keine Bilder vonBedeutung. Was da ist, istsehr zerstört.
  • d.dieKetten.
Nördliche Seite
Etwa ein Drittel derganzen nördlichen Längs-wand, an der restaurirt wird,war durch einen mächtigen Holz-verschlag verstellt, so daß ichnur die zwei andern Dritthei- le dieser Längs-wand sehen konnte.Es sollen imGanzen 23 Dar-stellungen von Benoz-zo Gozzoliaus Florenz sein.Etwa die erstenfünf oder sieben,worunter geradebesonders berühmtesind, hab ich nichtgesehn (der Holz-wand halber) dieanderen 16 oder
Gemäldekomposition. 12345678

sondern vertikal:
Gemäldekomposition; Szenen aus dem Alten Testament [Freskenzyklus]SzenenausdemAltenTestament[Freskenzyklus]falseetwa 1420etwa 1497ital. MalerGozzoliBenozzoGozzoli, BenozzoFresken mit Szenen aus dem Alten Testament. 13572468

Baedeker giebtdies nicht genau;man merkt immer: es ist von Perso-nen geschrieben,
18 aber alledurchgenommen.Sie laufen nichtin zwei Horizontal-reihen fort, so die es aus Büchernund nicht aus demAugenschein ge-nommen haben.
Die 16 oder 18,die ich sah, beginnenmit der GeschichteAbrahams (Gottin der Flamme;nicht im feurigenBusch, Nachsehen),seinen Auszugeaus Mesopotamiennach Canaan, dieabermalige ErscheinungGottes und seineVerheißung
et cetera
etc
etc.Es sind 20, die ich gesehen habe.
Dann folgt dieGeschichte Abrahams,Isaacs, Jacobs, Jo-sephs, Moses
et cetera
etc
etc.
mit allen Details;viel reicher alses auf den erstenBlick erscheint, dasich jedes Bild ausdrei, vier Bildernauch aus fünf undsechs zusammensetzt.Manches erscheinteinem als alteSchwarte und istauch nicht viel anders, aber ganzabgesehn von derColossalität derrein äußerlichenLeistung (23 solcheRiesenbilder al frescoBaedeker spricht vonTempera – zu malen)sind auch Sachen vonvölliger Erhabenheitund künstlerischerSchönheit darin.So bespielsweiseder Untergang So-doms: der Feuer-regen, die Engel die Flammen wer-fen, die Sodomiter,die schon auf Erdenin der Hölle sitzenund die Gruppe Loths,seine Frau u. seineTöchter sind be-wundernswerth.So auch die vielfachwiederkehrende GestaltAbrahams. Ueberallist die Fülle derPhantasie, der glück-lichen Einfälle unddie klare, über- sichtliche, sofortverständliche Com-position zubewundern.Die letzten dreiBilder sind halbund mehr als halbzerstört. Siereichen bis zurEinnahme vonJericho.
Ostwand
Die linke Hälfteunklar und schwach.Die rechte Hälfte enthält von einemNachfolger Giottos: Die „Kreuzigung“hat sehr gelitten;es ist ein großesWandbild, so großwie die 3 andernzusammengenommen.Nur der KopfChristi und einigeFrauen zur Linkensind noch klar. Die drei andernsind vorzüglicherhalten und stehenso recht zwischenden Byzantinernund den Malernder großen Epoche(Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert)mitteninne.In Auffassung undComposition siehtman doch wiedie einen ausdem andernentstanden. Aufer-stehung und Himmelfahrtsind ganz compo-nirt wie zurRaphaelzeit, manglaubt geradezuAnklängen, wenig-stens Vorbildlichenzu begegnenund doch welcherUnterschied!
Gemäldekomposition; Himmelfahrt [Fresko]Himmelfahrt[Fresko]falseAnonym/nicht ermitteltHimmelfahrt-Fresko auf dem Camposanto Monumentale.

Christus in einerGlorie, die gründie ganze Gestaltumgiebt; achtEngel; ein neunter kniet linksam Berge und weistmit der Linkennach oben. DieJünger sämtlichmit sehr charakte-ristisch, sehr gutund sehr korrekt(so weit iches beurtheilen kann) nach hintengebogenemHaupt blickenempor. Man istspäter von derAllgemeinheit diesesnach oben Blickensabgegangen; aberschwerlich mit Recht.Es ist das einzigWahre u. Natür-liche.
Nord-LängsWand.
Süd-Längs-Wand.
  • 1. Triumph desTodes. Wunderbaregroßartige Leistung.
    • a) Eine Gruppe Frommersitzt engel-geschütztunter Friedensbäumen
    • b) eine Gruppe Armer,Blinder streckt demTode bittend dieHände entgegen
    • c) eine GruppeTodter liegt Pêlemêle ausgestrecktda, zur Auswahlfür die guten undbösen Engel. Dieguten Engel führenfast nur Kinderheim; alles aberwas jung, namentlichweiblich-jung ist,ist in den Krallender Höllen-Boten.Für eine bittetder gute Engel, siewieder los zugeben, ebensobataillirt einguter und böserEngel um einendickbärtigen, gut-müthig aussehenden,nackten Pfaffen;der eine ziehtan den Händennach oben, derandre an denBeinen nachunten. Höchstamüsant; nichtohne Humor.Die Hauptgruppeist aber dochder das Taschentuchgezogen hat, umdem Modergeruchzu entgehn. W. hat ’malAehnliches zumEntsetzen derBerliner u. Ruppinergemalt. Und mitRecht zum Entsetzen.Als alte Schwarteist dergleichen sansphrase und vollgrößter Aufrichtigkeitzu bewundern,aber wir könnenund dürfen der-gleichen nichtmehr machen. Eswirkt doch halb bar-barisch, halb ridikül.
  • 2. Welt-gericht, links danebenHimmel, rechts Hölle(Vom Beschauer aus ; vom Christus ausgerechnet, natürlichumgekehrt.) Diesfrüher dem Or-cagna zuge-schriebene Bild(warum plötzlichaberkannt?)voll naiver Erha-benheit, hat denMichel Angelogewiß beein-flußt. Der Höllen-Salat ist nichtnach meinem Ge-schmack; der ganzeBreughel steckthier drin; aberwunderbar ist fastalles andre, sodie Gruppe derSeligen – darunterwunderbar schöneMönchsköpfe –wie die Gruppederer die vollschlechten Gewissensund deshalb inder entsetzlichen Peinder Ungewißheitsind, ob es nachrechts oder nachlinks mit ihnengehen wird. DieHauptsache abersind die Gestaltender Maria unddes Heilands undsie beide sind esvorzugsweise, dieauf dem Michel-Angelo-Frescoin der Sixtinawiederkehren,aber, trotzdemes der großeMichel-Angelo,nicht zum Vor-theil verändert.Er hat den hiervorhandenen, wunder-vollen AusdruckBeider in Minenund Haltung gestei-gert und dascheint mir derFehler zu stecken.Christus ist hierganz klarer leuchtenderErnst, vollerWeiche, Versöhnliche,Werbende ist ab-gethan, er istnicht mehr Kron-prinz-, er istKönig und beginntmit andrer Mine.Heinrich V. derdie Falstaffsfallen läßt.Süß, mild, weich,in alles ergeben,aber doch leiseerschreckt, sitztMaria daneben,Liebe und Bewunderungim Auge, dadurchihm leise ent-fremdet, daß sieihn in dieser seinerGröße nicht mehrganz versteht. Erstjetzt ist er ihrunter den Händenfort, ganz ent-wachsen. Diesebeiden wunder-vollen Ausdrückehat nun M. An-gelo dahin gestei-gert, daß er denChristus wieeinen zornigenWetterer operi-ren läßt, demes nun entspricht,daß Maria sichihm nicht blosleise entfremdetfühlt, sonderndaß sie sich bangt,ängstlich, fastentsetzt. Ichfinde, das hierGegebene schöner,edler, wahrer,größer. – Die Köpfeder Apostel und Erz-väter im Himmelwundervoll; welcherReichthum der Cha-rakteristik.3. Das Lebender Einsiedler etc.Nur ein Schafs-kopf kann sagen,daß die Maler,zwei Brüder, diesesBildesvielleichtauch die beidenvorigen gefertigthätten.“ O Kunst-schriftstellerei.Die Maler diesesBildes waren vergleichs-weise Nacht-wächter; der Malerder Weltgericht-Bilder wareinfach ein Genie
Rest siehe Bä-deker; fast alleszerstört; wasnoch erkenntlichist, nicht inte-ressant.
Als letztesan der langenSüdwand:
  • Algarotto Ovi-
    dii Aemulo
  • Newtoni Discipulo
  • Fridericus Magnus.

Dies steht oben im
Grabmal; Camposanto Monumentale, Campo SantoCamposantoMonumentaleCampoSantoPisaGrabmal auf dem Camposanto Monumentale in Pisa. Inschrift.Relief-Gestalt
Algarottus non omnis
Westwand
schräg links unerden Pisa-Ketten.
Grabmal; Camposanto Monumentale, Campo SantoCamposantoMonumentaleCampoSantoPisaGrabmal auf dem Camposanto Monumentale in Pisa. elf ApostelHeinrich VII.
lateinische
lat.
X---x Inschrift

Bologna.


Piazza Vitt. Emanueleiazza maggiore
Grundriss; Piazza Maggiore, Piazza Vittorio Emanuele IIPiazzaMaggiorePiazzaVittorioEmanueleIIBolognaPiazza Maggiore in Bologna. Piazza delPodestàDies ist„certo“!San Petronio.Palazzo publico.
Dies Hallengebäudewußten sie nicht. Es ist, wie derselbe freundlicheMann, nach eingezogenen Erkundigungschließlich sagt: Palazzo de ban-chi oder Portico de Banchi.(Die Angaben im Baedekersind doch sehr unsicher.) DerPortico etc. ist langweilig. Palazzopublico gut, del Podestà sehranziehend durch Backstein-Façade, Halleunten und Thurm.

Academiadelle belleArti.

Vorzugsweisesind Guido Reni,Domenichino,,vertreten. Ichhabe mich aufdie erstren beschränkt.
Guido Reni.
Riesengroßes Bild No 134. DieMadonna dellaPietà. Schöneigenthümlich;eine Art Ober- undAltar-Bild:
Gemäldekomposition; Beweinung Christi und Schutzheilige von Bologna [Gemälde]BeweinungChristiundSchutzheiligevonBologna[Gemaelde]false15751642ital. MalerReniGuidoReni, GuidoRenis „Madonna della Pietà“.

  • Auf einer Tischplatte: Christi Leichnamim Sarkophag, Mariadahinter und Engels-gestalten. Der Maria haftet ein wenig Fremdes,Modernes, weiblich Schönes an; vergleichendmit dem X---x-x---x istes eben Abfall. Unterder Tischplatte einigeHeilige, Kirchenväteretc. San Franciscus,San Domenicus (?)und andre; lauter kleine, kindliche Engelgestalten
  • 135. BethlemetischeKindermord. Gut,aber nicht bedeutendberührend.
  • 137. Simsontrinkt aus demEselskinnbackenEselskinnbacken.Dafür hab ichgar kein Verständniß.Er steht da wieein Tanzmeister,oder doch günstigstenFalls wie einschwebender Mer-kur und trinktsehr graziös, währendsein linker Fuß nacheinen todtenPhilister tritt. Gutgemalt. Weiternichts.
  • 138. Madonnadel Rosario. Derächte, herkömmlicheGuido Reni ausdem ich mir früherso wenig machte undnun erst durch seinegroßen Arbeiten inGenua und auch hierbekehrt worden bin.Die Madonna sitztin einer gelb-orange-farbenen Glorietemit allerhand En-geln, die Rosen-krüge halten undbringen und untensind Kirchenvater, Heilige,die anbeten. Inkeiner Beziehung nachmeinem Geschmack.
  • 139. Ein Bischof,vielleicht auch einKirchenvater. Nureine Figur. Sehrgut.
Der Saalneben demGuido-Reni-Saalenthält eine ganzeAnzahl FrancescoFrancias, einenPerugino undeinen Rafael(heilige Cäcilie.)
An der einenLängswand hängen hintereinanderweg, ein Fr. Fran-cia, ein Peruginound wieder ein Fran-cia. So:
Madonna mit Johannes dem Täufer und Hieronymus [Gemälde]MadonnamitJohannesdemTaeuferundHieronymus[Gemaelde]false14501518ital. Goldschmied, Bildhauer und MalerFranciaFrancesco(eigtlAFrancia, Francesco (eigtl. Francesco di Marco di Giacomo Raibolini)Francias Gemälde. Fr.Francia1.
Madonna col Bambino in gloria e i Santi Giovanni Evangelista, Apollonia, Caterina d'Alessandria e Michele Arcangelo [Gemälde]MadonnacolBambinoingloriaeiSantiGiovanniEvangelistaApolloniaCaterinad'AlessandriaeMicheleArcangelo[Gemaelde]false1445 oder 14481523ital. MalerPerugino(eigtlAPerugino (eigtl. Pietro di Cristoforo Vannucci)Peruginos Gemälde. Peru-gino2.
Maria mit dem Christuskind auf dem Thron [Gemälde]MariamitdemChristuskindaufdemThron[Gemaelde]false14501518ital. Goldschmied, Bildhauer und MalerFranciaFrancesco(eigtlAFrancia, Francesco (eigtl. Francesco di Marco di Giacomo Raibolini)Francias Gemälde. Fr: Fran-cia3.
  • 1. Madonna, nebenihr ein Kirchenvaterund Johannes derTäufer.
  • 2. Madonna imHimmel von Engelnumgeben. Unten4 Gestalten: Joseph,St. Georg, die heiligeCatharina und eineandre Heilige..
  • 3. Maria mit demChristkind auf einemThronsessel in derHalle. Johannes derTäufer und Sankt Sebastianlinks und rechts nebenihr; außerdem zweiKirchenväter und 2andre Figuren.

Alle drei sindsehr schön. Eswäre ein Glücksolch Bild zu besit-zen, gleichviel wel-ches, und sich immerwieder daran zuerfreuen. Aberzu unterscheidensind sie nicht; werbehauptet, daß er das könne, der hörtGras wachsen.
Dem zweitenBilde, also demPerugino gegen-über, hängt dieberühmte heiligeCäcilie vonRafael, andersals ich sie bisherin Stichen gesehn.Oder ich irremich wohl und eine andre die mirvorschwebt istwohl von CarloDolci. Es istalles ganz gut undschön, eine nobleLeistung, aber esmacht gar keinen Ein-druck auf mich.Die männlicheFigur links, wohlApostel Paulusmit dem Schwert,der um versenken in die Schönheithimmlischer Musiksich auf das Schwertstützt, als wärees nur eine Stütze,ist sehr schön.Aber alles andreläßt mich kalt.
Der daranfolgende Saalenthält eineMenge Ca-raccisraccis (zu denen ich keineZeit fand) undzwei mäßigeDomeni-chinos: 1. seinMassacre ofthe Innocents(so scheint es)Maria darüberRosen steuendin der Glorieund 2. eineandre großeErmordungssceneaus der heiligenGeschichte. Beidevirtuos und stellen-weis bedeutendwie alles waser machte, aberim Ganzen äußer-lich, langweilig.Nichts ergreiftund wirkt.

Im Hinaus-gehen glücklicher- weise nocheine Bleistift- undKreidezeichnungmit aufgesetzterrother Farbe (inden Augen, Lippenund Blut) vonGuido Reniwahrgenommen.Ein Christusmit derDornenkrone Brillante, sehrausgeführte Skizze,wenn Skizzeüberhaupt. Esist nur dieserKopf, der demberühmten Correggionicht nachsteht,lieber alsalle Bildervon ihm indieser Gallerie.

Ravenna

1. Baptisterium

In einer
kleinen
kl.
Gasse ganzvertraut. Mantritt durch einenmiserablen Flur;wendet sich linksund steht drin.Ein Bau wiedas Pantheonaber sehr X---x, mal klarer: immer-hin groß genug, wooben das Lochist, ist hier einChristbild. Untenentsprechen denacht Seiten achtRundbögenauch kurzum Säu-len, alles schwarz mosaikartig eingefaßt mitSprüchen und gold-x---x Ornamenten; Engel-gestalten inden Ecken; allesmerkwürdig gut.
Darüber imersten StockwerkX---x, wieder8 Rundbögen,hier ist allesbraun undweiß, braun der Grund,weiß die Reliefe Figuren; ersichtlichsehr viel spätergemacht, oderdoch durch Farbenüberstreicht ganzcondensirt.Dann kommt dieKuppeldecke, dieHauptsache. a.Immer vier goldneSäulen, unter denenein Thronsessel steht,abwechselnd mit reich mit Kissengeschmücktenimmer ein weißesKreuz tragendengrößeren Throne. Aber auch andreOrnamente undnamentlich LorbeerZweige, dieebenfalls unter 4goldnen Säulenstehn, schiebensich ein oder wechseln abdamit. Dannkommen darüber bschon dem Mittel-punkt zu, 12schreitende Apostel-gestalten. Dannc.) Johannesder den Christusim Jordan tauft.Der Jordan alsFlußgott. Allesrelativ merkwürdig gut.
Man sieht deutlich,es hat damalsnoch Reste deralten griechisch- römischenKunst gegeben. Diedie Leute befähigtenrelativ sehr Guteszu leisten, wennauch ein starkerAbfall ist gegenpompejanische Mo-saiken. Aberspäter, als dasbeginnt, wasals byzantinischeKunst spukt, werden die Sachen viel schlechterund erst zur Cima-bue-Zeit ist manetwa wieder eben-so weit wie im 5. Jahrhundert, aberdoch auch nochnicht voll.
Die Jünger sindentschieden das Beste;das Mittelbild: „Johannes tauft Christusim Jordan“ stehterheblich danebenzurück; nur das sozu sagen ergeben still haltende inder Gestalt Christiist gut. Aus-druck des Kampfesunbedeutend.

Das 8 eckigeMarmor-Taufbecken,der Kanzel-Appa-rat, wo der Geistlichesteht und mit eineruralten Kelle(Wasserkelle) dasWasser aus einemLamm-geschmückten kleinen Bottich schöpft um die Taufe zubesorgen.

San Vitale


Innenansicht von San Vitale, St. VitalisSanVitaleStARavennaSan Vitale in Ravenna. PfeilerSäuleSäulePfeiler
Im Wesentlichenebenso wieunten.
Alles gewölbt,darüber beginntdann die eigentlicheKuppel. Aus8 solchen Stücken

setzt sich dannder ganze Bauzusammen undhat nun nocheine ebensogeformte
Schale, die einenbreiten Umgangum das innereAchteck bildet.Dadurch entstehen,wenn man sowill, innerhalbdes Umgangs oderrichtiger zwischenKern und Schale8 kapellenartigeRäume, die auchnach hinten zu, in das tiefeMauerwerkdes Umbaushinein, wirklichvorhanden sind.Aber sie sind un-bedeutend und nureine, wo derAltar und dieMosaiken sind,ver sich.Diese ist – vonder Architekturdes Ganzen abgesehen die Hauptkapelle.Wenn man willdem Chor ent-sprechend. Dieganze Kapelle istmit Mosaikengefüllt und erinnertstellenweis nochmehr an X---xin San Marco alsan das Ravennesi-sche Baptisterium.Sie sind merkwürdiggut erhalten,ganz frisch, ganz unverbrauchtganz lebhaftesterFarbe; dasArabeskenwesenan der Deckebleibt nicht er-heblich hinterdem Baptisteriumzurück; aberdie Köpfe werdenschon starr,todt, langweilig,handwerksmäßig;der Spiritusist fort. Selbstdas Bild in dereigentlichen Chor-nische, in derApsis: Christus2 Engel nebensich, dann SanktVitalis und SanktLesiusepiusIm Baedeker steht Sanct Ecclesius,ich glaube aber richtig gelesen u. abgeschriebenzu haben.sind nur würdigrepräsentirend undinsofern immerhinsehr gut; siedrücken fastgar nichts aus,was damalsvielleicht auchanfing Zweckzu sein, mensch-licher Geist, Auf-fassung, Fühlen,sollte nichthineingelegtwerden.Alles andre istrelativ moderne Pinselei und sehrunwirksam. Ei-gentlich garnichts.
Eins der Mosaikenstellt Abel mitdem Lamm undMelchisedeckdar; übereinen gedecktenTisch die HandGottes vonoben her. In-haltlich: inte- teressant, aberwenig mehr alsdas.
Die andreSeite giebt alsPendant dazu: Abraham, diedrei Engel diezu ihm kommen,einen Alten derein Lamm bringt(wahrscheinlich denEngeln) und unterdem Tisch vor demdie Engel stehn, liegt schon derUntergangs-Engel.Rechts danebensoll Abrahamden Isaakopfern, aberdie Hand Gotteshält ihn zurück.

Il Sepol-crodiDante Kleiner Kapellenbau und5 bis 6 Schritt imQuadrat, rundbo-gig und gekuppeltVorne Thür, zu beidenSeiten lange In-schriften, der Thürgegenüber etwaswie eine vorsprin-gende Sarghälfteaber wohl nurzum Schein, auch mit langer InschriftJura MonarchaeSuperos etc.
In den Eckendie durch Kuppeund Rundbogenentstehn kleineMedaillons, & Virgilund Prunettuslatinus. Aufdem Sargstückein verwelkter Lorbeerkranz undan der Wand da-rüber ein sehrmäßiges Reliefvon Dante, lebensgroß, halbeFigur, mit Lor-beerkranz undabgestoßenerNase. DasGanze machtegar keinen Eindruck.

Innsbruck

Die berühmte Fran-ziskanerkirchemit den zahlreichen(28) Erz- Statuen unddem GrabdenkmalMaximilians.
Die 28 Statuensind:
An der linken Seite. Rechte Seite König Theodorichscheint mir keines-wegs der Beste; imGegentheil er istgemacht, geschraubt.Vorzüglich sind dieSachen von direktemPortraicharakter dawo er Anlehnung anBilder hatte. Ich würdeFriedrich III (das alteWeib) für die vor-züglichste Natur halten, auch Rudolfvon Habsburg, aber nicht so gut. Clod-wig ist jedenfallsbesser als Theodorich.Auch unter den Frauen-gestalten einige sehrgut, und wunderbarin der reichen, immerwechselnden Behandlungdes Costüms.

Grabdenkmal.
Eisengitter, bronze-farben mit Gold-blättern; im Ganzennicht sehr nach meinemGeschmack.
Oben auf dem ganzenBau der betende KaiserMax sehr gut.
Nun die 24 Mar-morreliefs. Eserinnert sehr an dieGrabdenkmäler (be-sonders an dasKönig Ludwigs XII.und wenn ich nichtirre auch Franz I)in St. Denis. DieLeistung ist colossal.Alles hier ist zarter,flacher, durchbrochener,blattartiger, wenigerHautrelief als dieSachen in St. Denis,die dadurch prächtiger,voller wirken. Dochist die eigentliche Haupt-enthaltung, namentlichnach der technischenSeite hin, hier wohlviel größer. WelcherReichthum! Schlachten,Belagerungen, Staats-aktionen, fürstliche Besuche,Eheschließungen, Belehnun-gen und Versöhnungen –alles x---x auf einander.Eins stellt wohl dieBegegnung zwischendem Kaiser und demKönig Heinrich VIII vonEngland dar. Unmittel-bar in Nähe desKaisers stehen vonseinem Hofgefolgeeinige vornehmeHerrn und thuen dasIhrige zum Empfang.Unter diesen (namentlicheiner, sehr elegant,mit X---xSchnurrbart) sindwundervolle Ge-stalten. So aufjedem Bilde. Es
ist eine Kolossal-Leistung und man fragtwie billig: wer leistet das noch?!wundervoll ist auf einem andern Tableauder im Geschwindmarsch, fast wie im Sturmerfolgend. Auszug eines ganzen Landknecht-Regiments aus einem Festungsthor. 137. 138. 135.139. 140. 141.
134. 135. 36. 37. 38.39. 40
und
u
41.Acht Guido Renis,

Ab aus Bologna6 Uhr 6 Minuten
Ankunft
Ank:
in CastellBologn. 7. 40
Abgang 7. 55.
Ank. in Ravenna 9. 28.

Abfahrt aus Rav: 12. 10.
Ankunft 1 Uhr 55.
Abfahrt 2. 10Ank.3. 45.
Noch im Auftrage von
Th. Fontane.
Potsdamer Strasse 134c.
erinnert an Nu-trimontum Spiritus.