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C14beta

1875
III

Padua.

Sanct Antonis.


Ueber den Bau selbst später. Façaden schmuck: Frescen und Statue langweilig, gar nichts. Taufbecken : Christus und Johannes (Marmor) nicht viel. Die ersten Bilder nichts. Interessant ist die 1. Kapelle rechts, mit vielen Bronce-Arbeiten Donatellos. Das was Baedecker nicht nennt, gefällt mir am besten: die schöne Broncethür, die in der Mitte einer Marmorba lustrade, an die Kapelle einführt, und der Renaissance-Tempietto (Marmor weiß, Säulen grün und schwarzgefleckt, und zahlreiche Bronce-Statuetten in den Nischen) der als Sacramentenhäuschen dient; ähnlich wie der berühmte „Tempietto“ in der einen Sankt-Peters-Kapelle. Die Reliefs (Bronze) die den Altar umziehn und die Wunder des heil. Antonius darstellen, waren nicht klar zu sehn. Erforderte ein Spezialstudium. Ob übrigens der „Tempietto“ auch von Donatello ist, steht dahin.

Es folgt nun rechts die große Kapelle San Felice, ganz mit Fresken überdekt, ähnlich wie die „Kapelle dei Spagnuoli in Santa Mar Novella in Florenz. Ihren Inhalt zu mustern. war nicht möglich Aber die ganze Anlage, die mehr den Charakter einer nach vorn hin von 6 Säulen getragenen, offnen freien Halle hat, ist eigenthümlich und anmuthig. Es fehlt das eng Bedrückende, freilich auch das Abgeschlossene und dadurch Geschliffene und Concentrirte.

Der Kreuzgang hübsch, aber nichts besonderes.

Das Sanctuarium, hinter, dem Chor, 1690 angebaut, schon Barockstyl, sehr reich, in seiner Art sehr schön, mit wundervoll gearbeiteten Marmorstatuen, die in ihrer technisch musterlichen Behandlungsweise an die stofflich abweichenden Arbeiten in Cassel erinnern.
Gebäudegrundriss; Sanktuarium, SanctuariumSanktuariumSanctuariumSant'Antonio, San Antonio, Sanct AntonisSanktuarium in Sant’Antonio.
Gebäudegrundriss; Sanktuarium, SanctuariumSanktuariumSanctuariumSant'Antonio, San Antonio, Sanct AntonisSanktuarium in Sant’Antonio.

Vergoldete, mit Silberfresken gezierte 3 Thürme, die wahrscheinlich die reichen Goldarbeiten-Schätze, auch die Zunge
des heiligen Antonius enthalten.

Das Ganze sehr eigenthümlich, und mit nichts zu vergleichen, das ich bisher gesehn. Die Statuen der Heiligen auf der abgerundeten Vorder-Wandung sehr schön, namentlich der Heilige mit dem Crucifix in der Hand
Die Hauptkapelle
der Kirche ist natürlich die des heiligen Antonius selbst. Sie befindet sich der weiter oben beschriebenen Kapelle San Felice gerade gegenüber. Es ist diese ähnlich wie in Sankt Peter, wie sich auf die beiden Hauptkapellen, in denen auch meist celebrirt wird, gegenüber befinden. Diese Kapelle des heil. Antonius hat ganz die Verhältnisse und Grund-Einrichtungen von San Felice. was aber dort Farbe und Bild ist, ist hier weißer Marmor und Relief. Die Wunder Sankt Antoni sind in solchen 9 ReliefsHoch dargestellt. Die Decke reich vergoldet. Es wirkt alles sehr gut und vornehm, doch möcht ich der braungetönten, reichbemalten San Felice-Kapelle den Vorzug geben. Auf Details kann man sich gar nicht einlassen. Das erfordert wieder ein Spezialstudium entweder dieser oder jener Kirche, dieses oder jenes Meisters. – Im Altar ruhen die Gebeine des Heiligen, seine Zunge (siehe weiter oben und im Baedeker) befindet sich dagegen im Sanctuarium.

Die Candelaber, silbern, aus einer Masse von Engelsköpfen, die das Untergestell bilden, emporwachsend, sind sehr schön; besonders dies Operiren mit Engelsköpfen:


Das große Denkmal General Contarinis (siehe Baedeker) ist sehr bemerkenswerth. Es befindet sich im Mittelschiff am 2. Pfeiler links. Das Fries des Sarkophages, ein Salat von Gefangenen und Gefallenen unter Waffen, Helmen, Schilden und dem siegreichen Löwen Venedigs ist eigenthümlich. Die Giottesken Fresken in dem gewölbten Durchgang, der aus der Kirche in den Kreuzgang führt, sind gut, besonders Christus und Maria. Uebrigens ist nur noch 1 Bild da; das andre unerkennbar; das dritte ganz weg.

Die „Grablegung Christi“ von Donatello an der hintren Chorwand ist nicht mehr deutlich zu erkennen, auch nicht mit dem Glase.

Mit dem Sanctuarium hat es seine Richtigkeit.

In den vielen Kuppeln, ich glaube
Sant'Antonio, San Antonio, Sanct AntonisSant'AntonioSanAntonioSanctAntonisPaduaKuppeln von Sant'Antonio in Padua.
erinnert es an San Marco, entbehrt aber der Farben
und
u
Goldzauberei des letztren. Das Schönste war doch der junge, schöne, ganz schwarze Mönch unter dem celebrieden Altar schließlich im hohen Chor und die eindrucksvolle Musik dazu.
Außer diesen Lebens- Bild- und Musik-Effekt wirk te folgendes wundervoll. Wenn man durch das Hauptportal ins Mittelschiff tritt, ist die Hinterwand des Chors durchbrochen. In dieser offnen Fensternische erhebt sich ein (ich glaube ein Donatello oder aus seiner Schule); dies Kreuz steht nicht blos in hellem Lichtschein, der von dem eingebauten Sanctuarium aus hineinfällt, sondern man sieht auch den Oberabschnitt dieses Sanctuariums: die weiße Taube des heiligen Geistes und Engelgestalten. Ein goldner Schein darüber. Sehr schön. Sankt Peter mit dem Bernini -Chorabschluß wirkt ähnlich; noch ähnlicher ist die Reimser Cathedrale. An letztrem Ort ist es ein wundervolles
gothisches
goth.
Fenster des Chorrundganges, was diesen Effekt schafft.

Eremitani.

Einschiffige Basilica; sehr lehrreich; jede Säulenstellung fehlt; einfacher großer Oblong-Saal mit Apsis oder Chornische und Seitenaltären links und rechts an den Wänden sich hinziehend. Die Decke ist ganz eigenthümlich und schwer zu beschreiben. Das Nachstehende giebt
Eremitani-Kirche, Kirche EremitaniEremitani-KircheKircheEremitaniPaduaDecke der Eremitani-Kirche in Padua. a b

a und b sind ein Ballen, die etwa immer 8 bis 10 Fuß von einander abstehend in diesem seltsamen, blau mit Goldsternen bemalten Wölbungen und Halbwölbungen
etwa den Durchschnitt; aber es giebt nicht das Ganze, was viel complicirter ist. sich hinziehn.
Am merkwürdigsten aber ist, daß wenn man nun einen Längsdurchnitt der ganzen Decke nimmt, wieder andre, zu den Wölbungen des Querdurchschnitts, quer oder rechtwinklig stehende kleine Wölbungen in großer Zahl herauskommen. Etwa so
Eremitani-Kirche, Kirche EremitaniEremitani-KircheKircheEremitaniPaduaDecke der Eremitani-Kirche in Padua.

Klar zu beschreiben ist es nicht, und es zu zeichnen auch sehr schwer, wenn man es auch besser versteht als ich. Der Apsis sich nähernd, wird, auf eine ganze Strecke hin, dieser Deckenbau noch complicirter. Das Ganze durchaus eigen
thümlich und sehr lehrreich.

Die Kapelle S. Jacopo e Cristoforo

in der Kirche Eremitani.
[Dies ist die berühmte Mantegna-Kapelle.]

1. Rechts. Geschichte des heiligen Christophorus.

Es sind fünf Bilder, wie folgt gegliedert
Gemäldekomposition; Geschichte des Heiligen Christopherus [Freskenzyklus, 1944 teilw. zerstört]GeschichtedesHeiligenChristopherus[Freskenzyklus1944teilwAfalse14311506ital. Maler und KupferstecherMantegnaAndreaMantegna, AndreaFresko zur Geschichte des Heiligen Christopherus. a b c d e f.

a, b, c, und d sind wirklich vier selbstständige Bilder, die ein Schüler Mantegnas gemalt hat;
e und f rühren von Mantegna selbst her, und bilden trotz der Theilung, die die mehr oder weniger ionische Säule giebt, doch ein Ganzes.
Die 4 oberen, darunter der bekannte Moment, wie Christophorus das Christkind trägt, flößen mir kein Interesse ein, aber auch Mantegnas eigne Leistung, die wie es scheint die Marter des heil. Christophorus darstellt, bietet – ganz abgesehn davon, daß es halbzerstört ist – nicht allzuviel. Er ist enthauptet. Sein Haupt ist nur noch ein Ding wie der schwache Umriß einer Kanonenkugel. Sie schleppen ihn weg; ein Bein ruht noch am Boden, das andre ist in einer Art rechtem Winkel
Gemäldeausschnitt; Geschichte des Heiligen Christopherus [Freskenzyklus, 1944 teilw. zerstört]GeschichtedesHeiligenChristopherus[Freskenzyklus1944teilwAfalse14311506ital. Maler und KupferstecherMantegnaAndreaMantegna, AndreaFresko zur Geschichte des Heiligen Christopherus.

bereits durch Kriegsknechte in die Höhe gehoben und diese Behandlung der andren Gliedmaßen, in so schwieriger Situation, scheint
wieder meisterhaft zu sein. Aber dies ist auch alles. Von den vorhandenen vielen Kriegsknechtkämpfen intressirt kaum einer. Die Architektur aber, die vollständig erhalten ist, ist in Säulenstellung, Façaden, Fenster-Ein fassung, Friesen, Rundbögen,
perspektivische
perspektiv:
Durchblicke, auch in dem Weingang, der das schöne Haus umzieht, wundervoll. Die Art wie dies alles behandelt ist, zeigt allerdings ganz den Mann der Renaissance; alles, bis aufs kleinste Ornament, ist Renaissance Styl.

2. Links. Geschichte des heiligen Jacobus.
Die Eintheilung ist genau dieselbe und auch hier hat Mantegna selbst nur e und f gemalt. e und f stellen dar, – so weit ich es abnehmen kann – wie er predigt und wie er mit einem Holzhammer erschlagen resp. hingerichtet wird.

Er predigt in einer Stadt, namentlich vor Soldaten, Kriegsknechten. Es kann aber auch so sein, daß er gepredigt hat, daß Soldaten abgeschickt werden ihn gefangen zu nehmen, daß sie aber selbst zum Theil blos erschrecken; er selbst lehnt ab, sieht aber bedrückt, erbangend, erschrocken aus, sein Schicksal ahnend, diese Erklärung ist wahrscheinlich die richtigere. Das 2. Bild (f.) die Erschlagung mit dem Hammer – er liegt an der Erde, mit dem Leib nach unten, mit dem Rücken nach oben und ein Scheusal hämmert nun drauf los – ist nicht nur häßlich im Stoff wie alle diese Märtyrer-Greuel-Geschichten, sondern scheint oder auch künstlerisch bedeutend unter dem e Bild zu stehn, das höchst vorzüglich componirt, viel Kraft, Charakter, Wahrheit, Leben ist. So z. B. der Kriegsknecht, der einem eine Art Glaubensfahne tanzenden Anhängers (die Fahne oben mit Weltkugel und Wage) mit seinem Waibelstock zurückdrängt. Landschaft und Architektur wieder bedeutend.

Im Ganzen kann ich nicht sagen, daß diese Sachen irgend einen bedeutenden Eindruck auf mich gemacht haben. Wenn man es weiß, so findet man schließlich einzelnes Bedeutendes und selbst Großes (so das links erhobene Bein des Christophorus) heraus; F wird angekuckt aber, wird man schließlich durch diese Sache auf der Stelle erobert werden und das Gesicht der Größe aus ihm gewinnen.

. . . .dell Arena Ueber die Maske später schreiben. Das Weltgericht : Christus sehr gut, auch die Heiligen im Himmel; das andre nicht viel.

Die Zierde ist aber allerdings hinter dem ALtar, wo bescheidene Nischenbilder gewesen sind, das Bild der Maria mit dem Kinde. Die ganze Süße und Schönheit, die Raphael zu geben wußte, ist hier voll und herzgewinnend verstanden und zu gleicher Zeit fehlt jeder moderne Anklang, alles ist keusch, rein, jungfräulich und in dieser hohen Reinheit nicht bloß lieblich sondern auch groß. Grabmal Dante’s.

Colonieen


Die Oestreicher, als sie noch italienische Regimenter hatten, pflegten von ihnen zu sagen: wenn sie gut sind, sind sie sehr gut.“ So geht es mir mit meinen deutschen Landsleuten so oft ich ihnen im Auslande begegne! „wenn sie gut, sind sie sehr gut.“ Aber leider muß ich hinzusetzen, dieser Fall tritt nur sehr unwahrscheinlich ein. Immer wieder fühlt man sich durch seine Landsleute genirt, nicht weil man ein schiefes Auge für ihre Fehler hat, sondern weil sie in der großen Mehrheit wirklich genable sind. Ich würde ein Mißtrauen in diese immer wiederkehrende Wahrnehmung setzen und blutenden Herzens die Sache auf sich beruhen lassen, wenn nicht eben jene Ausnahmefälle mir den sichren Beweis gäben, daß es mit meiner Beobachtung nur allzu richtig ist. Da war ich vor einigen Wochen in Verona im Bahnhofs-Salon.. Am oberen Ende der Tafel saßen sechs der sieben Deutsche, lauter Ostsee-Söhne, die sich, unter einander vorstellend, als Gutsbesitzer, Justizräte, Assessoren aus der Rostock-Greifswald-Stralsunder Gegend begrüßten. Nie hab ich stattlichere Leute gesehn. Groß, stark, heiter von wohlthuender Sicherheit ohne jede Spur von Arroganz oder Renommisterei. Aechte freie Menschen, ohne Gethue und Gehabe, frei, sicher, heiter, stark. Mir lachte das Herz im Leibe. Aber wie selten ist solcher Anblick! Die Meisten, zu allermeist aber ich bitte um Entschuldigung – die Damen machen einen wehmüthigen Eindruck. Allen fehlt die Gewohnheit des Herrschens und Befehlens, wenn man ihr begegnet, ist sie meist sehr unangenehm, weil spießbürgerlicher und auf Comtoir, Werkstatt oder Bureau beschränkter Natur. Und nun gar die Frauen! Schon rein äußerlich genommen bewegen sie sich abwechselnd in der Sphäre der zusammengesuchten Garderobe oder der kleinstädtischen Putzsucht, die sich mit Schmuck und Ketten behängt, ihrem ganzen Auftreten, der Aengstlichkeit mit der sie sich in wirklich guter Gesellschaft begegnen, merkt man es an, daß sie sich nur in Schlaf- und Kinderstuben bewegt und das bekannte Dienstmädchen-Gespräch mit Vorliebe gepflegt haben. Etwas Inferiores, Klein- und Spießbürgerliches zieht sich durch die ganze deutsche Welt, so wie man ihr im Auslande begegnet, so traurig auffällig, daß man die Vermuthung hegen möchte, alle diejenigen, die reisen und repräsentiren können und sollten, alle diese bleiben zu Haus auf ihren Gütern und überlassen es einer x---x sehr unrepräsentablen Gesellschaft, Deutschland im Auslande zu repräsentiren.

Woran liegt das: wir haben keine dem Adel in Bildung, (worunter ich nicht das traurige „Wissen“ meine) Haltung und feinem Ehrgefühl verwandte Mittelklassen. Herr v. G. sagte einmal sehr richtig: es ist Grund falsch immer von der Bedeutung des englischen Adels zu sprechen; die Bedeutung und die Präponderanz Englands über alle Völker der Erde liegt die der Macht und Stellung der reichen, Mittel. Dies ist durchaus richtig. –

Die Frage ist, wie schaffen wir sie uns, damit es besser werde. Der Hinweis ist leicht gegeben. Da, wo durch Befehlsgewohnheit sich von selber ein aristokratisches Fühlen ausbildet, da begegnen wir diesen Vorzügen auch bei uns also beim Gutsbesitzer und Offizier, gleichviel ob adlig oder bürgerlich von Geburt. Aber dies ist genug, ganz abgesehen davon, daß die Kümmerlichkeit unsrer Verhältnisse auch in diesen Klassen viele Ausnahmen entstehen läßt. Der einzige Weg zur Heranziehung einer Aristokratie, d. h. eines aristokratischen Fühlens in einer herrschenden Race ist das Colonniewesen. Wir wollen nichts davon wissen, weil es handels und nationalökonomisch verwerflich, weil es reines in Pound, Shilling, Pencen nicht vortheilhaft sei. Mag sein, wieoft auch dies anzufechte sein würde. Aber zugegeben einmal, bringen wir uns durch diese national-ökonomische Rücksicht um ein moralisches Element, das weit mehr werth und politisch wichtiger für uns ist, als eine bloße Gewinn- oder Verlust-Frage. Wer offne Augen dafür hat und die Dinge unbefangen ansieht, kann leicht wahrnehmen, daß man uns trotz aller unsrer Siege, ganz unverändert als die Proletarier der Weltgeschichte, um nicht noch ein härteres Wort zu gebrauchen, ansieht. Und leider mit Recht ansieht. Es fehlt überall. Wir haben zwei traurige Stolze: das beste Schulwesen und die beste Drillung. Gut, dies ist etwas. Aber man täusche sich doch nicht über die Tragweite dieser Dinge. Man lacht zum Theil darüber und mit Recht. Wir sind der Schulmeister, der Feldwebel der Weltgeschichte, der am besten dekliniren, conjegiren und exerciren kann, aber als die Achsel angesehen wird, wenn er in der Gesellschaft vornehmer Leute erscheint. Es giebt eben ein viel, viel Höheres als das; all dies ist nur Unterlage. Aber dies grobe Feldstein-Fundament als eine ebenbürtige Burg ausgeben wollen, geht nicht.

Sorgen wir für die Beseitigung unsrer Stigmen, verweigern uns selbst ein Armuthszeugniß einer stillen Spießbürgerei. Wie hab ich zu zeigen, anzudeuten versucht.

Hineinzuarbeiten: Man vergleiche einen schottischen Obersten a. D., der 20 Jahr in Indien war, und durch Neuralgie oder gelbes Fieber dienstunfähig wurde, mit einem Obersten a. D. unsrer Armee. Und der Unterschied ist gegeben. Einige Rasseler werden dies bestreiten; aber man täuscht sich doch darüber nicht, daß die „forsche Schnauzbärtigkeit“ eine der niedrigsten Formen der Vornehmheit ist. Einige fürchten sich davor; wer sich nicht davor fürchtet, dem gegenüber schlägt es ins Gegentheil um.
Jede Stunde 1 12 Franken. | Baptisterium
und
u
Dom liegen zusammen. | 5. Apollinais und der vitale liegen auch zusammen. Dom. Baptisterium. | St. Vitalis
und
u
San Nazario. | San Apollinare nuovo und | zuletzt Rotonda. Dom ist wichtig. Baptisterium: die Fresken. San Vitali: Passionsköpfe und X---xx---x Künstler. Rotonda: Grabmal Theoderichs.

Pisa

Dom


Siehe meine Notizen im Baedeker; alles was er angiebt, hab ich gesehn; doch fehlen viele Sachen. So z. B. gleich beim Eintritt in das Mittelschiff rechts und links 2 Taufbecken; in dem einen steht ein Bronce Christus eben in den Jordan zur Taufe steigend, Quer-lagen an St Lorenzo in Genua erinnert. Der in der Behandlung von Schwarz und weiß in
in dem andern Johannes der Täufer. Vielleicht sind es übrigens sehr alte Nachbildungen berühmter Originale (in Venedig in St. Marcus glaub’ ich Aehnliches gesehn zu haben) wie aber dem auch sei, beide sind schön.

Sehr schön sind die Intarsien in Holz namentlich im Mittelschiff, ein halb chorstuhl-halb thronartiger Holzbau, wie ich solchem noch nicht begegnet bin.
Dom (Santa Maria Assunta)Dom(SantaMariaAssunta)PisaBischofsstuhl im Dom von Pisa. A b c d e f g


Alles ist nur ausgelegte Arbeit, zum Theil nur orna
    mentativ; aber
  • A. b. c.
  • d, e, f, g
  • , sind
  • b.
    und
    u
    g. Kelch und Bischofsmütze,
  • c.
    und
    u
    f. Landschaften
  • d. und e. Ein Papagei oder Kreuzschnabel der auf einem umgestürzten Kruge sitzt und auf dem andern Traube, Schwalbe und Kreuz. In der Mitte des Ganzen (A.) als Rücklehne des Bischofsstuhls denn ein solcher soll das Ganze wohl sein – eine Anbetung der Könige.
Alles sehr schön, vielleicht den Arbeiten in Bergamo (in Santa Maria Maggiore wenn ich nicht irre) noch überlegen, wenn schon die letztern farblich noch überraschender ich mag nicht sagen schöner – wirken. Hier operirt der Künstler herkömmlich mit Gelb und Braun, dort der
betreffende
betr.
Meister mit einer Art Citronengelb und Rothbraun.

Sehr schön sind die Andre del Sarto’s. St. Agnes, St. Marguerite et St. Catharina. Johannes des Täufers und San Pietro Eine wahre Sünde des Doms (des Chors) sinddie Sachen von Sodoma: Auf dem zweiten Bilde ist Christus, die ohnmächtig zusammenbrechende Maria und eine Hintergrundsfigur (wahrscheinlich Josephvon Arimathia) sehr schön. Der Rest passirt.

Etwas Wundervolles, geradezu Michel-Angelo ’s Würdiges ist aber das Bild
Numero
No
1.
Abraham hat eben, mit dem Ausdruck des höchsten Schmerzes aber auch der tiefsten Ergebung das Schwert gezückt und holt zum Hiebe aus. Vor ihm auf einem Altar kniet Isaac, schön und reizend, von der Seite auf den Vater schauend, die Arme über der Brust gekreuzigt. In diesem Augenblick erscheint der Engel des Herrn und legt seine Fingerspitze auf die Spitze des Schwerts. Es macht einen großartigen, erschütternden Eindruck, wie kein andres Bild, das ich während dieser an schönen Bildern wieder so reichen Reise gesehn habe. Anfechtbar ist die Figur Isaacs; ein Glück, daß man seinen zierlichen kleinen Geschlechtstheil sieht, sonst müßte man ihn für eine schöne junge Ehebrecherin halten, die von dem alten empörten Gatten, resp. Vater hingerichtet wird.

Zwei Riesen-Mosaiken, nach Angaben oder Zeichnungen Cimabues. Das eine im Chor, noch größer als das im rechten Querschiff, enthält die Gestalten Christi, Mariä und des Johannes. Das kleine im Querschiff, das viel reiner, schöner, poetischer wirkt, nur die Gestalt der Maria (alles weiß, auch die Hauptbekleidung mit zwei Engeln. Wunderbar ist auf dem großen Bilde das Aeußerliche: dasX---x, die Kissen, die Löwen-Verzierung, die Gewandung behandelt. Immer wieder intressiren mich diese Schöpfungen aufs höchste und sie haben den ganzen Zauber des Naiven, des Innerlichen bei ausreichendem Können, was z. B. einen Dienstmädchen-Brief an ihren Schatz oder ihre Herrschaft so reizend macht, viel reizender als den bestgeschriebensten Durchschnitts-Brief. Dennoch scheint es mir unsinnig, dergleichen wiederherzustellen zu wollen, ebenso wenig wie ein Schriftsteller es gut macht, wenn er im Dienstmädchen-Styl schreiben will.
Die Façade des Doms sieht man am besten vom Baptisterium aus, wenn dies aufgeschlossen ist und man nun eintritt und sich wendet. So muß eine Basilica aussehn; ein wahres Meisterstück, außen und innen.

Baptisterium

Famoser Kuppelbau; die untre Rundung trägt auch ihren Pfeilern nach eine Hoch-Gallerie; dann erst beginnt die Kuppel.
Kanzel sehr interessant, auf 7 Säulen au fond, die ihrerseits wieder –, wenigstens zum Theil, von Lx---x getragen werden. Reiche Reliefs.

Ein Altar. Vor demselben, in der Mitte, auf 3 Stufen das riesige 8 eckige Taufbecken, in vier der inneren Ecken stehen kleine steinerne Rundbaue, die wie moderne runde Nachttische aussehn. Was sie wollen weiß ich nicht; 2 sind hohl. Rosetten, von Marmor-Mosaik umgeben, bilden nach außen hin die 8 Seiten des Taufbeckens
Die Reliefs an der Kanzel sehr reich und intressant. Christus als Weltrichter, rechts die Gesegneten, links die Verdammten. Vorher Kreuzigung; vorher; vorher Anbetung der 3 Könige; vorher eine ruhende schöne Gestalt, allerlei Schafe zur Seite, ein Kind in der Wiege links neben ihr; im Vordergrund eine Taufe. Etwas schwer verständlich.

Diese Form der Kuppel des Baptisteriums ist doch mehr apart als schön, im Uebri
Grundriss; Camposanto Monumentale, Campo SantoCamposantoMonumentaleCampoSantoPisaCamposanto Monumentale in Pisa. N.
NordNorden
Westliche Schmalseite mit den Ketten. S.
SüdSüden
Oestliche Schmalseite

Westliche Seite, wo die Ketten des Hafens von Pisa hängen und alte und neue Skulpturen und Grabdenkmale stehn, enthält keine Bilder von Bedeutung. Was da ist, ist sehr zerstört.
  • d. die Ketten.
Nördliche Seite

Etwa ein Drittel der ganzen nördlichen Längswand, an der restaurirt wird, war durch einen mächtigen Holzverschlag verstellt, so daß ich nur die zwei andern Drittheile dieser Längswand sehen konnte. Es sollen im Ganzen 23 Darstellungen von Benozzo Gozzoli aus Florenz sein. Etwa die ersten fünf oder sieben, worunter gerade besonders berühmte sind, hab ich nicht gesehn (der Holzwand halber) die anderen 16 oder
Gemäldekomposition. 1 2 3 4 5 6 7 8

sondern vertikal:
Gemäldekomposition; Szenen aus dem Alten Testament [Freskenzyklus]SzenenausdemAltenTestament[Freskenzyklus]falseetwa 1420etwa 1497ital. MalerGozzoliBenozzoGozzoli, BenozzoFresken mit Szenen aus dem Alten Testament. 1 3 5 7 2 4 6 8

Baedeker giebt dies nicht genau; man merkt immer: es ist von Personen geschrieben,
18 aber alle durchgenommen. Sie laufen nicht in zwei Horizontalreihen fort, so die es aus Büchern und nicht aus dem Augenschein genommen haben.
Die 16 oder 18, die ich sah, beginnen mit der Geschichte Abrahams (Gott in der Flamme; nicht im feurigen Busch, Nachsehen), seinen Auszuge aus Mesopotamien nach Canaan, die abermalige Erscheinung Gottes und seine Verheißung
et cetera
etc
etc. Es sind 20, die ich gesehen habe.
Dann folgt die Geschichte Abrahams, Isaacs, Jacobs, Josephs, Moses
et cetera
etc
etc.
mit allen Details; viel reicher als es auf den ersten Blick erscheint, da sich jedes Bild aus drei, vier Bildern auch aus fünf und sechs zusammensetzt. Manches erscheint einem als alte Schwarte und ist auch nicht viel anders, aber ganz abgesehn von der Colossalität der rein äußerlichen Leistung (23 solche Riesenbilder al fresco Baedeker spricht von Tempera – zu malen) sind auch Sachen von völliger Erhabenheit und künstlerischer Schönheit darin. So bespielsweise der Untergang Sodoms : der Feuerregen, die Engel die Flammen werfen, die Sodomiter, die schon auf Erden in der Hölle sitzen und die Gruppe Loths, seine Frau u. seine Töchter sind bewundernswerth. So auch die vielfach wiederkehrende Gestalt Abrahams. Ueberall ist die Fülle der Phantasie, der glücklichen Einfälle und die klare, übersichtliche, sofort verständliche Composition zu bewundern. Die letzten drei Bilder sind halb und mehr als halb zerstört. Sie reichen bis zur Einnahme von Jericho.
Ostwand
Die linke Hälfte unklar und schwach. Die rechte Hälfte enthält von einem Nachfolger Giottos:
Die „Kreuzigung“ hat sehr gelitten; es ist ein großes Wandbild, so groß wie die 3 andern zusammengenommen. Nur der Kopf Christi und einige Frauen zur Linken sind noch klar. Die drei andern sind vorzüglich erhalten und stehen so recht zwischen den Byzantinern und den Malern der großen Epoche (Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert) mitteninne. In Auffassung und Composition sieht man doch wie die einen aus dem andern entstanden. Auferstehung und Himmelfahrt sind ganz componirt wie zur Raphaelzeit, man glaubt geradezu Anklängen, wenigstens Vorbildlichen zu begegnen und doch welcher Unterschied!
Gemäldekomposition; Himmelfahrt [Fresko]Himmelfahrt[Fresko]falseAnonym/nicht ermitteltHimmelfahrt-Fresko auf dem Camposanto Monumentale.

Christus in einer Glorie, die grün die ganze Gestalt umgiebt; acht Engel; ein neunter kniet links am Berge und weist mit der Linken nach oben. Die Jünger sämtlich mit sehr charakteristisch, sehr gut und sehr korrekt (so weit ich es beurtheilen kann) nach hinten gebogenem Haupt blicken empor. Man ist später von der Allgemeinheit dieses nach oben Blickens abgegangen; aber schwerlich mit Recht. Es ist das einzig Wahre u. Natürliche.
Nord-Längs Wand.
Süd-Längs-Wand.
  • 1. Triumph des Todes. Wunderbare großartige Leistung.
    • a) Eine Gruppe Frommer sitzt engel-geschützt unter Friedensbäumen
    • b) eine Gruppe Armer, Blinder streckt dem Tode bittend die Hände entgegen
    • c) eine Gruppe Todter liegt Pêle mêle ausgestreckt da, zur Auswahl für die guten und bösen Engel. Die guten Engel führen fast nur Kinder heim; alles aber was jung, namentlich weiblich-jung ist, ist in den Krallen der Höllen-Boten. Für eine bittet der gute Engel, sie wieder los zu geben, ebenso bataillirt ein guter und böser Engel um einen dickbärtigen, gutmüthig aussehenden, nackten Pfaffen; der eine zieht an den Händen nach oben, der andre an den Beinen nach unten. Höchst amüsant; nicht ohne Humor. Die Hauptgruppe ist aber doch der das Taschentuch gezogen hat, um dem Modergeruch zu entgehn. W. hat ’mal Aehnliches zum Entsetzen der Berliner u. Ruppiner gemalt. Und mit Recht zum Entsetzen. Als alte Schwarte ist dergleichen sans phrase und voll größter Aufrichtigkeit zu bewundern, aber wir können und dürfen dergleichen nicht mehr machen. Es wirkt doch halb barbarisch, halb ridikül.
  • 2. Weltgericht, links daneben Himmel, rechts Hölle (Vom Beschauer aus ; vom Christus ausgerechnet, natürlich umgekehrt.) Dies früher dem Orcagna zugeschriebene Bild (warum plötzlichaberkannt?) voll naiver Erhabenheit, hat den Michel Angelo gewiß beeinflußt. Der Höllen-Salat ist nicht nach meinem Geschmack; der ganze Breughel steckt hier drin; aber wunderbar ist fast alles andre, so die Gruppe der Seligen – darunter wunderbar schöne Mönchsköpfe – wie die Gruppe derer die voll schlechten Gewissens und deshalb in der entsetzlichen Pein der Ungewißheit sind, ob es nach rechts oder nach links mit ihnen gehen wird. Die Hauptsache aber sind die Gestalten der Maria und des Heilands und sie beide sind es vorzugsweise, die auf dem Michel-Angelo-Fresco in der Sixtina wiederkehren, aber, trotzdem es der große Michel-Angelo, nicht zum Vortheil verändert. Er hat den hier vorhandenen, wundervollen Ausdruck Beider in Minen und Haltung gesteigert und da scheint mir der Fehler zu stecken. Christus ist hier ganz klarer leuchtender Ernst, voller Weiche, Versöhnliche, Werbende ist abgethan, er ist nicht mehr Kronprinz, er ist König und beginnt mit andrer Mine. Heinrich V. der die Falstaffs fallen läßt. Süß, mild, weich, in alles ergeben, aber doch leise erschreckt, sitzt Maria daneben, Liebe und Bewunderung im Auge, dadurch ihm leise entfremdet, daß sie ihn in dieser seiner Größe nicht mehr ganz versteht. Erst jetzt ist er ihr unter den Händen fort, ganz entwachsen. Diese beiden wundervollen Ausdrücke hat nun M. Angelo dahin gesteigert, daß er den Christus wie einen zornigen Wetterer operiren läßt, dem es nun entspricht, daß Maria sich ihm nicht blos leise entfremdet fühlt, sondern daß sie sich bangt, ängstlich, fast entsetzt. Ich finde, das hier Gegebene schöner, edler, wahrer, größer. – Die Köpfe der Apostel und Erzväter im Himmel wundervoll; welcher Reichthum der Charakteristik. 3. Das Leben der Einsiedler etc. Nur ein Schafskopf kann sagen, daß die Maler, zwei Brüder, dieses Bildesvielleicht auch die beiden vorigen gefertigt hätten.“ O Kunstschriftstellerei. Die Maler dieses Bildes waren vergleichsweise Nachtwächter; der Maler der Weltgericht-Bilder war einfach ein Genie
Rest siehe deker; fast alles zerstört; was noch erkenntlich ist, nicht interessant.

Als letztes an der langen Südwand:
  • Algarotto Ovi
    dii Aemulo
  • Newtoni Discipulo
  • Fridericus Magnus.


Dies steht oben im
Grabmal; Camposanto Monumentale, Campo SantoCamposantoMonumentaleCampoSantoPisaGrabmal auf dem Camposanto Monumentale in Pisa. Inschrift. Relief-Gestalt
Algarottus non omnis
Westwand
schräg links uner den Pisa-Ketten.
Grabmal; Camposanto Monumentale, Campo SantoCamposantoMonumentaleCampoSantoPisaGrabmal auf dem Camposanto Monumentale in Pisa. elf Apostel Heinrich VII.
lateinische
lat.
X---x Inschrift

Bologna.


Piazza Vitt. Emanuele Piazza maggiore
Grundriss; Piazza Maggiore, Piazza Vittorio Emanuele IIPiazzaMaggiorePiazzaVittorioEmanueleIIBolognaPiazza Maggiore in Bologna. Piazza del Podestà Dies ist „certo“! San Petronio. Palazzo publico.
Dies Hallengebäude wußten sie nicht. Es ist, wie derselbe freundliche Mann, nach eingezogenen Erkundigung schließlich sagt: Palazzo de banchi oder Portico de Banchi. (Die Angaben im Baedeker sind doch sehr unsicher.) Der Portico etc. ist langweilig. Palazzo publico gut, del Podestà sehr anziehend durch Backstein-Façade, Halle unten und Thurm.

Academia delle belle Arti.

Vorzugsweise sind Guido Reni, Domenichino,, vertreten. Ich habe mich auf die erstren beschränkt.
Guido Reni.
Riesengroßes Bild No 134. Die Madonna della Pietà. Schön eigenthümlich; eine Art Ober- und Altar-Bild:
Gemäldekomposition; Beweinung Christi und Schutzheilige von Bologna [Gemälde]BeweinungChristiundSchutzheiligevonBologna[Gemaelde]false15751642ital. MalerReniGuidoReni, GuidoRenis „Madonna della Pietà“.

  • Auf einer Tischplatte: Christi Leichnam im Sarkophag, Maria dahinter und Engelsgestalten. Der Maria haftet ein wenig Fremdes, Modernes, weiblich Schönes an; vergleichend mit dem X---xx---x ist es eben Abfall. Unter der Tischplatte einige Heilige, Kirchenväter etc. San Franciscus, San Domenicus (?) und andre; lauter kleine, kindliche Engelgestalten
  • 135. Bethlemetische Kindermord. Gut, aber nicht bedeutend berührend.
  • 137. Simson trinkt aus dem Eselskinnbacken Eselskinnbacken. Dafür hab ich gar kein Verständniß. Er steht da wie ein Tanzmeister, oder doch günstigsten Falls wie ein schwebender Merkur und trinkt sehr graziös, während sein linker Fuß nach einen todten Philister tritt. Gut gemalt. Weiter nichts.
  • 138. Madonna del Rosario. Der ächte, herkömmliche Guido Reni aus dem ich mir früher so wenig machte und nun erst durch seine großen Arbeiten in Genua und auch hier bekehrt worden bin. Die Madonna sitzt in einer gelb-orange-farbenen Gloriete mit allerhand Engeln, die Rosenkrüge halten und bringen und unten sind Kirchenvater, Heilige, die anbeten. In keiner Beziehung nach meinem Geschmack.
  • 139. Ein Bischof, vielleicht auch ein Kirchenvater. Nur eine Figur. Sehr gut.

Der Saal neben dem Guido-Reni-Saal enthält eine ganze Anzahl Francesco Francias, einen Perugino und einen Rafael (heilige Cäcilie.)

An der einen Längswand hängen hintereinander weg, ein Fr. Francia, ein Perugino und wieder ein Francia. So:
Madonna mit Johannes dem Täufer und Hieronymus [Gemälde]MadonnamitJohannesdemTaeuferundHieronymus[Gemaelde]false14501518ital. Goldschmied, Bildhauer und MalerFranciaFrancesco(eigtlAFrancia, Francesco (eigtl. Francesco di Marco di Giacomo Raibolini)Francias Gemälde. Fr. Francia 1.
Madonna col Bambino in gloria e i Santi Giovanni Evangelista, Apollonia, Caterina d'Alessandria e Michele Arcangelo [Gemälde]MadonnacolBambinoingloriaeiSantiGiovanniEvangelistaApolloniaCaterinad'AlessandriaeMicheleArcangelo[Gemaelde]false1445 oder 14481523ital. MalerPerugino(eigtlAPerugino (eigtl. Pietro di Cristoforo Vannucci)Peruginos Gemälde. Perugino 2.
Maria mit dem Christuskind auf dem Thron [Gemälde]MariamitdemChristuskindaufdemThron[Gemaelde]false14501518ital. Goldschmied, Bildhauer und MalerFranciaFrancesco(eigtlAFrancia, Francesco (eigtl. Francesco di Marco di Giacomo Raibolini)Francias Gemälde. Fr: Francia 3.
  • 1. Madonna, neben ihr ein Kirchenvater und Johannes der Täufer.
  • 2. Madonna im Himmel von Engeln umgeben. Unten 4 Gestalten: Joseph, St. Georg, die heilige Catharina und eine andre Heilige..
  • 3. Maria mit dem Christkind auf einem Thronsessel in der Halle. Johannes der Täufer und Sankt Sebastian links und rechts neben ihr; außerdem zwei Kirchenväter und 2 andre Figuren.

Alle drei sind sehr schön. Es wäre ein Glück solch Bild zu besitzen, gleichviel welches, und sich immer wieder daran zu erfreuen. Aber zu unterscheiden sind sie nicht; wer behauptet, daß er das könne, der hört Gras wachsen.

Dem zweiten Bilde, also dem Perugino gegenüber, hängt die berühmte heilige Cäcilie von Rafael, anders als ich sie bisher in Stichen gesehn. Oder ich irre mich wohl und eine andre die mir vorschwebt ist wohl von Carlo Dolci. Es ist alles ganz gut und schön, eine noble Leistung, aber es macht gar keinen Eindruck auf mich. Die männliche Figur links, wohl Apostel Paulus mit dem Schwert, der um versenken in die Schönheit himmlischer Musik sich auf das Schwert stützt, als wäre es nur eine Stütze, ist sehr schön. Aber alles andre läßt mich kalt.

Der daran folgende Saal enthält eine Menge Caraccis raccis (zu denen ich keine Zeit fand) und zwei mäßige Domenichinos: 1. sein Massacre of the Innocents (so scheint es)Maria darüber Rosen steuend in der Glorie und 2. eine andre große Ermordungsscene aus der heiligen Geschichte. Beide virtuos und stellenweis bedeutend wie alles was er machte, aber im Ganzen äußerlich, langweilig. Nichts ergreift und wirkt.


Im Hinausgehen glücklicherweise noch eine Bleistift- und Kreidezeichnung mit aufgesetzter rother Farbe (in den Augen, Lippen und Blut) von Guido Reni wahrgenommen. Ein Christus mit der Dornenkrone Brillante, sehr ausgeführte Skizze, wenn Skizze überhaupt. Es ist nur dieser Kopf, der dem berühmten Correggio nicht nachsteht, lieber als alle Bilder von ihm in dieser Gallerie.

Ravenna

1. Baptisterium

In einer
kleinen
kl.
Gasse ganz vertraut. Man tritt durch einen miserablen Flur; wendet sich links und steht drin. Ein Bau wie das Pantheon aber sehr X---x, mal klarer: immerhin groß genug, wo oben das Loch ist, ist hier ein Christbild. Unten entsprechen den acht Seiten acht Rundbögen auch kurzum Säulen, alles schwarz mosaikartig eingefaßt mit Sprüchen und goldx---x Ornamenten; Engelgestalten in den Ecken; alles merkwürdig gut.

Darüber im ersten StockwerkX---x, wieder 8 Rundbögen, hier ist alles braun und weiß, braun der Grund, weiß die Reliefe Figuren; ersichtlich sehr viel später gemacht, oder doch durch Farben überstreicht ganz condensirt. Dann kommt die Kuppeldecke, die Hauptsache. a. Immer vier goldne Säulen, unter denen ein Thronsessel steht, abwechselnd mit reich mit Kissen geschmückten immer ein weißes Kreuz tragenden größeren Throne. Aber auch andre Ornamente und namentlich Lorbeer Zweige, die ebenfalls unter 4 goldnen Säulen stehn, schieben sich ein oder wechseln ab damit. Dann kommen darüber b schon dem Mittelpunkt zu, 12 schreitende Apostelgestalten. Dann c.) Johannes der den Christus im Jordan tauft. Der Jordan als Flußgott. Alles relativ merkwürdig gut.
Man sieht deutlich, es hat damals noch Reste der alten griechisch- römischen Kunst gegeben. Die die Leute befähigten relativ sehr Gutes zu leisten, wenn auch ein starker Abfall ist gegen pompejanische Mosaiken. Aber später, als das beginnt, was als byzantinische Kunst spukt, werden die Sachen viel schlechter und erst zur Cimabue -Zeit ist man etwa wieder ebenso weit wie im 5. Jahrhundert, aber doch auch noch nicht voll.
Die Jünger sind entschieden das Beste; das Mittelbild: „Johannes tauft Christus im Jordan“ steht erheblich daneben zurück; nur das so zu sagen ergeben still haltende in der Gestalt Christi ist gut. Ausdruck des Kampfes unbedeutend.

Das 8 eckige Marmor-Taufbecken, der Kanzel-Apparat, wo der Geistliche steht und mit einer uralten Kelle (Wasserkelle) dasWasser aus einem Lamm-geschmückten kleinen Bottich schöpft um die Taufe zu besorgen.

San Vitale


Innenansicht von San Vitale, St. VitalisSanVitaleStARavennaSan Vitale in Ravenna. Pfeiler Säule Säule Pfeiler
Im Wesentlichen ebenso wie unten.
Alles gewölbt, darüber beginnt dann die eigentliche Kuppel. Aus 8 solchen Stücken

setzt sich dann der ganze Bau zusammen und hat nun noch eine ebenso geformte
Schale, die einen breiten Umgang um das innere Achteck bildet. Dadurch entstehen, wenn man so will, innerhalb des Umgangs oder richtiger zwischen Kern und Schale 8 kapellenartige Räume, die auch nach hinten zu, in das tiefe Mauerwerk des Umbaus hinein, wirklich vorhanden sind. Aber sie sind unbedeutend und nur eine, wo der Altar und die Mosaiken sind, ver sich. Diese ist – von der Architektur des Ganzen abgesehen die Hauptkapelle. Wenn man will dem Chor entsprechend. Die ganze Kapelle ist mit Mosaiken gefüllt und erinnert stellenweis noch mehr an X---x in San Marco als an das Ravennesische Baptisterium. Sie sind merkwürdig gut erhalten, ganz frisch, ganz unverbraucht ganz lebhaftester Farbe; das Arabeskenwesen an der Decke bleibt nicht erheblich hinter dem Baptisterium zurück; aber die Köpfe werden schon starr, todt, langweilig, handwerksmäßig; der Spiritus ist fort. Selbst das Bild in der eigentlichen Chornische, in der Apsis: Christus 2 Engel neben sich, dann Sankt Vitalis und Sankt Lesiusepius Im Baedeker steht Sanct Ecclesius, ich glaube aber richtig gelesen u. abgeschrieben zu haben. sind nur würdig repräsentirend und insofern immerhin sehr gut; sie drücken fast gar nichts aus, was damals vielleicht auch anfing Zweck zu sein, menschlicher Geist, Auffassung, Fühlen, sollte nicht hineingelegt werden. Alles andre ist relativ moderne Pinselei und sehr unwirksam. Eigentlich gar nichts.
Eins der Mosaiken stellt Abel mit dem Lamm und Melchisedeck dar; über einen gedeckten Tisch die Hand Gottes von oben her. Inhaltlich: inteteressant, aber wenig mehr als das.

Die andre Seite giebt als Pendant dazu: Abraham, die drei Engel die zu ihm kommen, einen Alten der ein Lamm bringt (wahrscheinlich denEngeln) und unter dem Tisch vor dem die Engel stehn, liegt schon der Untergangs-Engel. Rechts daneben soll Abraham den Isaak opfern, aber die Hand Gottes hält ihn zurück.

Il Sepolcrodi Dante Kleiner Kapellenbau und 5 bis 6 Schritt im Quadrat, rundbogig und gekuppelt Vorne Thür, zu beiden Seiten lange Inschriften, der Thür gegenüber etwas wie eine vorspringende Sarghälfte aber wohl nur zum Schein, auch mit langer Inschrift Jura Monarchae Superos etc.
In den Ecken die durch Kuppe und Rundbogen entstehn kleine Medaillons, & Virgil und Prunettus latinus. Auf dem Sargstück ein verwelkter Lorbeerkranz und an der Wand darüber ein sehr mäßiges Relief von Dante, lebensgroß, halbe Figur, mit Lorbeerkranz und abgestoßener Nase. Das Ganze machte gar keinen Eindruck.

Innsbruck

Die berühmte Franziskanerkirche mit den zahlreichen (28) Erz-Statuen und dem Grabdenkmal Maximilians.

Die 28 Statuen sind:
An der linken Seite. Rechte Seite König Theodorich scheint mir keineswegs der Beste; im Gegentheil er ist gemacht, geschraubt. Vorzüglich sind die Sachen von direktem Portraicharakter da wo er Anlehnung an Bilder hatte. Ich würde Friedrich III (das alte Weib) für die vorzüglichste Natur halten, auch Rudolf von Habsburg, aber nicht so gut. Clodwig ist jedenfalls besser als Theodorich. Auch unter den Frauengestalten einige sehr gut, und wunderbar in der reichen, immer wechselnden Behandlung des Costüms.

Grabdenkmal.
Eisengitter, bronzefarben mit Goldblättern; im Ganzen nicht sehr nach meinem Geschmack.

Oben auf dem ganzen Bau der betende Kaiser Max sehr gut.

Nun die 24 Marmorreliefs. Es erinnert sehr an die Grabdenkmäler (besonders an das König Ludwigs XII. und wenn ich nicht irre auch Franz I) in St. Denis. Die Leistung ist colossal. Alles hier ist zarter, flacher, durchbrochener, blattartiger, weniger Hautrelief als die Sachen in St. Denis, die dadurch prächtiger, voller wirken. Doch ist die eigentliche Hauptenthaltung, namentlich nach der technischen Seite hin, hier wohl viel größer. Welcher Reichthum! Schlachten, Belagerungen, Staatsaktionen, fürstliche Besuche, Eheschließungen, Belehnungen und Versöhnungen – alles x---x auf einander. Eins stellt wohl die Begegnung zwischen dem Kaiser und dem König Heinrich VIII von England dar. Unmittelbar in Nähe des Kaisers stehen von seinem Hofgefolge einige vornehme Herrn und thuen das Ihrige zum Empfang. Unter diesen (namentlich einer, sehr elegant, mit X---x Schnurrbart) sind wundervolle Gestalten. So auf jedem Bilde. Es
ist eine Kolossal-Leistung und man fragt wie billig: wer leistet das noch?! wundervoll ist auf einem andern Tableau der im Geschwindmarsch, fast wie im Sturm erfolgend. Auszug eines ganzen Landknecht-Regiments aus einem Festungsthor. 137. 138. 135. 139. 140. 141.
134. 135. 36. 37. 38. 39. 40
und
u
41. Acht Guido Renis,

Ab aus Bologna 6 Uhr 6 Minuten
Ankunft
Ank:
in Castell Bologn. 7. 40
Abgang 7. 55.
Ank. in Ravenna 9. 28.

Abfahrt aus Rav: 12. 10.
Ankunft 1 Uhr 55.
Abfahrt 2. 10 Ank. 3. 45.
Noch im Auftrage von
Th. Fontane.
Potsdamer Strasse 134c.
erinnert an Nutrimontum Spiritus.