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C8beta

1874.

  • Ueber Leipzig, Eger unRegensburg nach MünchenVon München über Innsbrucnach VeronaVerona. Venedig. FlorenzVon Florenz nach Rom
lfflerhanr-S

Mittwoch d.
Testdender
30
. Sept.

Abreiſe 8 1/2 früh voAnhaltiner-Bahnhof. Ankunfgegen 12 in LeipzigMeſſe. Flanirt durch diStadt und um die StadtDie alten Plätze beſuchtDieſe die alten geblieben; ſonſt alles ſehverändert; ein ungeheurer Aufſchwung überalſichtbar. – Gegeſſen iReſtaurant StephanNach Gohlis; im Schiller-ſchlößche Kaffe getrunkenDurch das RoſenthaUva or OvSi vopiac bei Kinschi und Bono-ran vorbei, in diStadt. Nach Schoenfelzu Lazarus hinausgefahren. Vier ſehr angenehme Stunden daſelbſzugebracht. OberſtlieutenantRees zugegen. U11 auf den bairiſchen Bahn-ho zur Abreiſe

Donnerstag d.
dender
1. Ok tober

In der Nacht auf Egezu. Gegen 7 in EgerIn der Ferne, im erſteSonnenlicht, Schloß Ege(ſo weit ich es nach einePhotographie controllirekann) deutlich geſehnil train ove lo traiVon Eger bis Regens-bur. Die Landſchaft triſtnur dann und wann, eifeines Landſchaftsbild, abeimmer klein, lokal begrenzt. Erſt der Blicvon der Eiſenbahnbrückedie kurz vor Regensburüber die Donau führtiſt ſchön und groß. Nacrechts hin die Stadt midem prächtigen Domnach links ſchöngeformte Ufer und ieiniger Entfernung, ſehgut erkennbar, dihoch auf einem vorſpringenden Berge gelegen Walhalla. MächtigTreppengänge führehinauf. – Bald nach Uhr Nachmittags in München. Quartir genommeim Hôtel MarienbadGut. Verſuch Paul Heyſzu finden. Erſt geſcheitertDann bei v. Schack eerfahren. P. H.Paul Heyse wohnt ider Louiſenſtraße 49 iunmmittelbarer Nähe dePropyläen. AnderthalStunden angenehm miihm geplaudert. Müdnach den Strapatzen voLeipzig und Nachtfahrt zBett

Freitag d.
dender
2. Oktob er
.

München zu Fuß und zWagen durchſtreift. Baſi-lik, Ludwigskirche, Treppenhaus der Bibliothek, altund neue Reſidenz, ArkadenRuhmeshalle, WachtparadePoſt, Bahnhof (Billets füRom) Frauenkirche, in ihdas wunderſchöne Grabdenkmal, über daWeiteres nachzuleſen iſtBei Dell’Armi, dichan der Frauenkirche, guund preiswürdig gegeſſenAuf den MarienplatzDieſer Platz wirklichöchſt intreſſant, ſowoh durch ſeine ganze Anlagewie durch ſeine Einzelnheiten: Der benachbart(mitwirkende) gothiſche Thorthurm mit den charakteriſtiſcheBildern und Inſchriften, neuegothiſches Rathhaus, Rathhausbrunnen (modern; reizend), die Marienſäulſelbſt etc. Sonderbaiſt es, daß ſich – unmittelbaaußerhalb – des Thorein einem ehemaligeHeiligen Geiſt-Hospitaldas noch Fresken auder Zeit her an der Wanträgt, jetzt die Fleiſchhalliſt. Man ſieht alſo übe den Ladenthüren krankGreiſe, die in wenidelikatem Zuſtande herangeſchleppt werden und darunteFleiſchmaſſen von Rinund Kalb, die docwo möglich mit Appetiverzehrt werden ſollen
Die Stadt iſt reich aRenaiſſancebauten alleArten; über ein beinah kirchlich ausſehendes Gebäudedas neben dem ehemaligegroßen Kloſtergebäud(jetzt Magazin) ſtehtbin ich in Zweifel gebliebenEs hat eine lateiniſche Inſchriftnach der ein Herzog Wilhelvon Rheinpfalz und Baiern, dieſe Bau gegründet hat (fundavit.) – Um 4 bePaul Heyse zum Kaffen famille; das Geplaudevom Tage vorher fortgeſetztUm 6 fort. Noch ’mav. Schacks Haus gemuſtertdann ins Hôtel; gepacktgeſchrieben. Um 10 UhAbend Abfahrt nach Inns⸗bruc

Sonnabend d.
dender
3. Okt ober

Der Zug ging nicht Abendam 2. Oktober. So denAbfahrt am 3. um 9 Uh10 Minuten. Anfänglichöchſtens Gegend à lLuckenwalde; erſt beRosenheim wird es ſchöner, plötzlich hat man die bairiſchen Alpen vor ſich und inächſten Moment iſt madrin und fährt, Berglinks und rechts, das Inn hinauf. Die Bergparthien bleiben aGrandioſität hinter deSchweizer-Bergen weizurück, doch treteſie, der Zahl nach, maſſenhafter an einen heranDas Einzelne wirkt nichbewältigend, aber daGanze macht einen bedeutenden Eindruck. Kuffstein, Grenzfeſtung, lieg
Von Münchenach Verona
  • 1. Che ora parte itrain per Venezia
  • 2. Che ora arrivil train nellVenezia
  • 3. (Fiacre) Quantcosta un ora
  • 4. La ferróvia
  • 5. Un Billeto, duBilleti per VeneziaQuanto costa
ähnlich impoſant wiBellegarde, das deJurapaß zwiſchen Schweiund Frankreich ſchließt. NacKuffstein kommen die StädtSchwaz und Hall, hübſcgelegen; dann Innsbruck, das einen eminent langweiligen Eindrucmacht. Einen deſto beßremachte ſeine die Bouillomit Leberknödel ſeineBahnhofs. Hinter Inns-bruc beginnen diTunnel und die Bahklettert, über den Iſel-ber hinweg, bis zuBrenner⸗Paß hinauf. Hieſcheidetn ſich Deutſchland unItalien, wenigſtens geographiſch wenn auch nicht politiſch; Südtirol beginntMan kommt nach Sterzingdem Geburtsort Speckbacher(auch Paſſeier [Hofer] ider Nähe) und fährt nuim Etſch-Thal hinab, wiman vorher das Inn⸗Tha hinauffuhr. Erſt Brixenweiß mit Schindel odeSchieferdächern, dann Franzens-feſt, wo eine Bahn nacTrieſt abzweigt, danBotzen. Franzensfeſte iſein ziemlich bedeutendeBau, modern, Gaſometer artige Rundthürme miGeſchützöffnungen. Botzelag da, wie ich Dovezu ſehen pflegte: eipaar Schattenſtreifen aBerge hin und die Schattenſtreifen durch hunderLichter belebt. DaBotzener Obſt wurde aBahnhof durch eine hartBirne repräſentirt, diich für 6 Kreuzer acquirirte. Dann Trientdann Rovoredo. Unetwa 11 Uhr Ankunfin Verona. Unterkunfgefunden in Colombd’oro. Zimmer 36 macht anfangs einen ſo bedenklicheEindruck, daß ich es midem Licht in der Hanabſuchte und einiges Kleinzeug (Spinnen, SpinnwebOhrwürmer, Gnitzen) verbrannte. Die gefürchtetStörerin meiner Nächtedas kaſtanienbraune Plattthier blieb aber ausIch gebrauchte die Vorſichin die Klinſe der wenig geöffneteThür ein brennendes Lichzu ſtellen. Dies rettetuns vor Gnitzen ungab mir die Befriedigunein Licht verſchwindezu ſehn, das ich docbezahlen mußte

Sonntag den 4. Oktobe
In Verona

Frühſtück im HôtelAuf die PiazzaBr (Brà) midem römiſchen AmphitheaterGroßartig und vollendet; Triumph geſchmackvoller Technikvon Kunſt, die voHimmel ſtammt, keinRede
Porta Borsariauch altrömiſch Dann auf die PiazzaErb oder d’ErbeGemüſemarkt. Höchſintreſſantes, italieniſcheTreiben, heiter, lachendlaut, bunt, policinellhaft
Dicht dabei diPiazza dei Signorder Hauptplatz der StadtHier ſind einzelne Gebäudvon Bedeutung, dazdie neuerdings reſtaurirte „VeroneſiſcheRuhmeshall“, Sta-tuen von Dant auf in Mitte dePlatzes und dahinterhöher angebracht, einzweiteandren italieniſchenoder veroneſiſchen Cele-brität, von eine, ein Arrangement was höchſglücklich wirktEtwa ſo
Grundriss; Piazza dei SignoriPiazzadeiSignoriVeronaPiazza dei Signori (Verona) mit der Dante- und der Fracastoro-Statue.

  • a und b ſind zweHälften ein und derſelbeStraße, die durch dePlatz ſo zu ſageunterbrochen wird
  • C iſt die DanteStatu in Mittedes Platzes; bei iſt die Höhe von 3Fuß oder mehr diStraße durch einen Bogeüberſpannt und audieſem Bogen ſtehum die zweitStatue, die über deKopf Dantes hinwegblickt

Dicht an dieſePlatz eine kleinStraße mit Kirche unKirchhof; letztre beideumgittert. Audieſem kleinen umgitterten Kirchhoſtehen die beideGrabdenkmäler zweieMitglieder ScaligerHöchſt intereſſant. Etwſ
Vorderansicht; Scaligergräber, Grabdenkmäler zweier Mitglieder ScaligerScaligergraeberGrabdenkmaelerzweierMitgliederScaligerVeronaGrabdenkmal der Scaliger (Verona, Friedhof S. Maria Antica).
Ebenfalls in unmittelbareNähe der Piazza deiSignor iſt ein andreKirchplatz, mit einegroßen alten Kirche, ider „Indulgenza plenaria“ auf eineEintrittstafel angekündigt war. DiKirche drückend vollEin Geiſtlicher predigteDas Ganze wie einParade⸗Cour; makam und ging
Flanirt in der Stadt Dies und das geſehnAlte Brücke, KirchenPlätze, römiſche Ueberreſte. An der PiazzBrà erbärmlich gegeſſen. Dann ieinen Wagen nacGiardino Giustidrei hundert Jahr altCypreſſen; 120 Fuhoch, koſtbare Trauerweide. Anblick voder Höhe des GartensA.AdolpheThiers u. Böck⸗li im FremdenbuchDann in den PalazzoCapule (jetzt einArt Ausſparung) vorbenach einem VorſtadtsGarten in dem ſicTomba di Giulibefindet. SackgaſſeThorweg, langer Feſtungsgang, langer Gartengangdann rechtswinkliabbiegen, daneine Art Gartenhaumit gelbrotheZimmeranſtrich, Verkaufstiſch von Kinker litzchen, und aueiner oder zweTreppenſtufen ditomba ſelbſin halber HöheUnten etwas ausgehöhlt. An der Wanein koſtbarer Immortellenkranmit engliſcher Viſitenkarte.Im Zurückgehen A.AdolphThiers, Frau unSchwägerin
Gegen 6 Uhnach Venedig. Fahrüber Vicenza Padua, Mantua undie coloſſale Lagunen Brücke. Ankunfgegen 10. In eineGondel deCanal Grande hinunter, unterm Rialtfort, bis zuHôtel Bauer

Montag den 5. Oktob.Oktobe
In Venedig (1. Tag

Hôtel Bauer iſt eigroßes EtabliſſementHôtel, Penſion, Chambrgarni, Reſtaurant, allezuſammen, aber in dreivier Häuſern vertheiltdie alle an einem Seitenkanal des Canal grandin unmittelbarer Nähe deKirche San Moisé und iziemlicher Nähe (30Schritt) des Marcusplatzeliegen. Beſonders ausgezeichnet iſt das Reſtau-ran. Hier iſtherrſcht vofrüh 9 Uhr an das regſte Leben in eineetwas ruſtrigem, abegeräumigem Lokal, ſrecht ein gutes deutſcheKneipenlokal. Bedienunprompt und freundlich, allewas man genießt ſehgut, das Bier ausgezeichnet. Wir habeſehr angenehme Stundean dieſer Stelle zugebrachtGleich am Sonntag Abend, unmittelbar nach unſrer Ankunft, nahmen wir hieeine gute AbendmahlzeitAlle Deutſche finden ſich hiezuſammen
Am Montag früh, naceinem Frühſtück im Hôteſelbſt, an San MoiséMarcus- vorbei auf denplatz und die PiazzettaDer Anblick Beider iſbewältigend. Welcheder ſchönre von beideniſt ſchwer zu ſagenMan ſollte, ſo weit maLandſchaft und Architektuden Ausſchlag gäben,in Betracht kommengeneigt ſein der Piazettden Vorzug zu geben. Sihat den überaus maleriſcheDogenpalaſt, hat einFlanke der Marcuskirchenimmt an dem Campanil(der an der Ecke beidePlätze ſteht) Theil unhat zu dem allem diwundervolle Ausſichauf die Lagune undie Inſeln San Giorgiomaggior und La GiudeccaDennoch iſt der Marcusplatz, der außer deFront der Marcuskirchnur mächtige, aber einförmige Colonnadezu beiden Seiten hat, debevorzugtere Aufenthalund wie mir ſcheinen wilmit Recht. W Ob dawas ihn anziehender Machmacht die Schönheit und Größſeiner Verhältniſſe, odeeine günſtigere Beleuchtungoder die Marcus-Façadoder die lachende Heiterkeiſeiner Läden und ſeineLebens und Treibens iſt, ſtehdahin; aber es iſt eine Thatſache, er gefällt mehr unabſorbirt alles Fremden-Leben
Grundriss; Markusplatz, Piazza, MarcusplatzMarkusplatzPiazzaMarcusplatzLaguneMarkusplatz in Venedig. MarcusKirchDogen-PalasUhr⸗ThurCam⸗pa⸗nilDie drei FlaggenstangePiazettMarkusLöwHeiligeTheodoDie alten ProcuratieMarcus⸗PlatDie neuen ProcuratiePalazzo reale, dedas Hinterstück deGarten mit GitterBibliotheQuaQuaQua
Mauer, durcNapoleon Ihinzugefügter Flügel der Palazzoreal, den das Hinterſtücder neuen Procuratien bildet
Die Piazetta mündeauf einen Quai, an deſſekleinen Landungsbrücken zahlloſe Gondeln liegen; naclinks hin läuft dieſer Quai erſan der einen Flanke deDogenpalaſtes hin, überſchreitetbrückt dann einen Cana(Ponte di della Paglia) und nimmnun weiterhin den NameRiva delli Schiavoni anNach rechts hin läuft deQuai nur noch einkurze Strecke b an Garteund Gitter des Palazzo realhin; hier hat der Quaebenfalls einen eigeneNamen, den ich jedoch vergeſſen habe. – An der Rivliegen die Dampf⸗ Schiffe, die nacTrieſt, Chioggia und deLido fahren. Hier ſingen Abenddie Schiffer volksthümliche Weiſenhier iſt noch ächtes venetia

niſches Leben, währenauf dem Marcusplatzmeiſt nur Fremde alleNationen getroffen werden. – Links von dePonte della Paglia, deſchmalen Kanal zwiſcheDogenpalaſt und dem Gefängnißgebäude überbrückend iſdie Seufzerbrücke, Ponte deSospiri. – Der Rialtiſt mitten in der Stadt un
Grundriss; Markusplatz, Piazza, MarcusplatzMarkusplatzPiazzaMarcusplatzLaguneMarkusplatz, San Giogrio Maggiore und La Giudecca in Venedig. CaforientalRiva delliSchiavonMarcus Dogen-palaſ
SanGiorgioMaggior
La Giuadecc
überbrückt mit einemächtigen Bogen den Ca-nal grand, gerade halbeWegs zwiſchen derm Bahn-ho und der Piazzetta
Die Poſt, die ſich frühein einem alten Palaſam Canal Grande befandiſt jetzt in verhältnißmäßigeringe Entfernung vom Marcus-plat. Man geht biegt idie Gaſſe neben dem Uhrthurein und gelangt dann ſehbald an den erſehnten Platder Poste reſtante-BriefeIch fand daſelbſt die Correk-turfahne vor, die miGoldiner getreulich nachgeſchickt hatte
Flanirte abwechſelnd EisAbſinth, Kaffe
Um 6 ins Hôtel zuDiner. Frau v. Novillund Tochter an der Table d’hôtgetroffen. – Um 9 mit No-ville auf den MarcusplatzUm 10 mit Emilie zu Bierim Reſtaurant Bauer

Dinstag d.dender 6. Oktober
Zweiter Tag in Venedig

Emilie mit Novilles ausgeflogen. Ich im Hôtel geblieben um die Fahnen zcorrigiren. – Um 2 aus. ErſFrühſtück im Reſtaurant. Danin die Kirche Santa Mariadei Frar. Sie enthält diGrabdenkmäler einer Anzahvon Dogen und andren Größeder Republik, namentlicauch die GrabdenkmäleTizians und Canovasbeide einander gegenüber. Icfinde beide nicht beſondersſie verſchwinden neben degroßartigen Leiſtungen dePeter Vischerſchen Kunſt unSchule in Nürnberg, MünchenInnsbruck. Das demTizian errichtete Grabdenk-ma iſt kümmerlich; in demRundbogenhalle einer RenaiſſancArchitektur ſitzt der altMeiſter zwei ſymboliſchFiguren neben ſich, währenhinter und neben ihm dreidreiſeiner berühmteſten Bilde iBasrelief wiedergegebeſind. Darunter als Hauptbildie Aſſunta. Dies iſt dibilligſte Manier ſich loszukaufen. So kann ma12 Denkmäler in eineStunde componiren; immeeine Büſte oder Statue undie Werke des zu feierndeMeiſters in Copie druumher. – Das Denk-mal Canova iſt nichviel beſſer, wenn ihm aucGeiſt und Eigenthümlichkeit nichabzuſprechen iſt. Man ſieheine Grab⸗Pyramide (diFaçade derſelben reliefartivorſpringend) und drei trauerndFrauen⸗Geſtalten, unter ihneals 4. Figur ein Fackelträger, ſchreiten auf die halbgeöffnete Thür des Grabezu. Von der andern Seitein geflügelter Löwe, wier ſcheint in ſtillem Schmerentſchlummert und neben ihein trauernder Genius. Diealles klingt ganz gut unkönnte bedeutend wirkenwenn nicht die Geſtalten ſelbſalle tief in ſüße Weinerlichkeit getaucht wären. Eiſt modern-ſentimental unwirkt beinah unangenehmNur im erſten Moment wirkdie Eigenthümlichkeit der Compoſition ſehr günſtig
Von Santa Maria deiFrar zur Academia delle belle Art am Canal GrandeIch hatte nur noch Zeit zeiner flüchtigen Beſichtigunder ihrhier aufgehäuften Schätzedie bei dieſem erſten Beſuceinen geringeren Eindruck aumich machten, als ich erwartehatte. Die beiden berühmtenTizian: Maria’s erſterGang in den Tempe (aletwa 10 jähriges Kind) und ſelbſdie „Aſſunta“ nahmen meiHerz nicht gefangen. Erſtrewirkte ein klein wenikomiſch, letztres ſchien mihinter der „Himmelfahrt Mariäsdeſſelben Meiſters in Veronzurückzubleiben. (Ich wurdaber ſpäter total bekehrt.
Von der Academie auf deMarcusplatz. Den Campanilbeſtiegen; SonnenuntergangKoſtbares Landſchaftsbild, da

Donnerstag 8. Oktobe
Vierter Tag in Venedig

Im Reſtaurant Bauegut gefrühſtückt; danin den Dogen⸗PallaſtMan ſteigt die berühmteich glaube von PallaIchich glaube von PallaIchgebaute Scala dei Gi⸗gant bis zur gothiſchſaraceniſchen InnenGallerie hinauf und kannu wie Wichmann in ſeineNotizen ſehr richtig bemerkt, nicht wieder vergeſſen werden kann. INordweſten ſank die Sonnhinter die den Tiroler Alpen unteund vergoldete dieſe. – VoCampanile an die Riva delliSchiavon. Platz genommeim Café Orientale. EisAbſinth. Muſik aller Art. Aechvenetianiſches VolkstreibenKaufleute, Juden, liederlichFrauenzimmer, Matroſen, Soldaten, Taſſengeklapper und Guitarren-Geklimper; dazwiſchewundervoller, gutgeſchulteGeſang von zehn, zwölf Schifferndie, Kreis ſchließend in Nähe deCafés ſich aufſtellten. – U8 Uhr nach Haus. Mit Emiliim Reſtaurant Bauer gegeſſen
Umgebungsplan; La GiudeccaLaGiudeccaLaguneLa Giudecca in der Lagune von Venedig. Die Berge von SüdtiroMuranEisenbahnBrückGiudeccSanGiorgiLidAdria-tiſcheMee

Mittwoch den 7. Oktobe
Dritter Tag in Venedig

Mit Novilles im Hôtel gefrühſtückt. – Um 10 zu AntonioSalviat am Canal grandedem Wiederherſteller dealt-venezianiſchen Glas⸗ unMoſaik-Kunſt. A.Anton v. WernerBil geſehn, das eben adeſſen Ausführung in Moſaiein halbes Dutzend Künſtlebeſchäftigt war. Drei Stundedort geblieben. Das Ganzſehr lehrreich und ſehr intereſſant. – Von Salviatin die Academie delle belleArt. Nur 10 Minutevor der „Aſſunta“ gebliebendieſmal mit einem guteGlas bewaffnet. Die erhabene Schönheit dieſes Bildeging plötzlich vor mir aufEs iſt ganz und gar NoNumero Iein Triumph der Kunſt; dialte Phraſe von der „Göttlichkeit der Kunſt“ die jedebraucht der 3 Leberwürſtmalen kann, hier hörſie auf Phraſe zu ſein; dieiſt ein Göttliches und faßdas Menſchenherz ganz anderals 7 Bände PredigtenIch kann mich nicht entſinnedurch irgend eine Geſtalt je ſo berührt worden zu ſein, ſelbſdie ſixtiniſche Madonna kauausgenommen. In letztreiſt etwas Fremdes, übedas Menſchliche ſchon Hinausgehende; hierin mag ihrbeſondre Größe liegenaber was unſer Heram tiefſten bewegt, muimmer wieder ein Menſchliches ſein und das habewir in dieſer TizianiſcheMaria. Bei allem Seligſein im Schauen Gottesverbleibt der Geſtalt docetwas Schön⸗MenſchlichesEs iſt immer noch eiWeib, keine Himmelskönigin. Darin ſteckt deReiz. Der Unterſchied zwiſchedieſer Tizianiſcher Aſſunta under in Verona (die aucaußerordentlich ſchön iſt) liegäußerlich darin; daß die letztrzu den Jüngren hinunterjene zu Gott hinauf ſiehtDaraus entwickelt ſich alleWeitre. Freilich mußtes eine Tizian ſein, udie Aufgaben ſo zu löſenIn dem einen Bilde giebſie, in dem andren empfängt ſie; in jenem lächelund beſeeligt ſie, in dieſewird ſie beſeeligt in demüthigem Aufſchauen zu Gott
Am Nachmittage miden Damen zuſammen nacSan Giovanni e Paoloeine Kirche die mit der SchuleSan Marc einen rechteWinkel bildet. Auf dekleinen Platz in Front unFlanke der Kirche ſtehdie berühmte Reiterſtatuedes Generals Colleonein Meiſterwerk erſteRanges. Schön, eigenthümlichlebensvoll. Die KirchSan Giovanni e Paolo ſelbſenthält ſehr viele Dogen⸗Grabmäle; einzelne ſitzezu Roß, andre liegeauf dem Sarkophag, dociſt mir keines dieſer Stein-bilde als etwas ganz Beſondres im Gedächtniß geblieben. Man muß in deGeſchichte Venedigs feſtermit den einzelnen Trägerberühmter Namen vertrauteſein, um dieſen Denkmälerein größres Intreſſe abzugewinnen
Um 6 mit Novilles inHôtel zum Diner. Bei Tiſctrifft die Nachricht von GrafArnim Verhaftung ein. Partielle Aufregung. – Um 9 auden Marcusplatz. Gelato beFlorian. Militair Muſik

Donnerstag d.dender 8. Oktob.Oktobe
Vierter Tag in Venedig

Um 10 Uhr in den Dogen⸗Palaſ. Ein wunderbareBau,. ein Märchen-Palaſt| Dikurzen Säulen des Erdgeſchoſſesdie phantaſtiſch ornamentirtedes 1. Stockes, dann endlich der nur von ſechs viebreiten gothiſchen Fenſterunterbrochen, in längliche Vierecke abgetheilte Rieſen⸗BackſteinMarmor würfel, der von deSäulengängen des Erdgeſchoſſes und 1. Stockes getragen wird, wirken zauberhaft. Es erinneran Bilder, auf deneſchwebende Genien Luftgeſtalten irgenetwas Schweres und Maſſiges, einen prächtigeSarkophag, einen Reliquienſchrein oder einen Tempetragen
Der Eingang iſt von dePiazzetta aus. Man ſteigdie Scala dei Giganti hinaund iſt nun auf der Gallerie, deren Säulen den erſteStock umziehn. Zwei dieſeSäulen ſind roth. Von dieſeStelle aus wurden diTodesurtheile verkündet, odevielleicht auch nur angekündigt, daß ſie vollzogeſeien. Geht man bis adas Ende der Gallerie, ſo haman einen prächtigen Blicauf das Waſſer und SanGiorgio Maggior
Von dieſer Gallerie deerſten Stockes aus, führezwei Treppen in das InnerdePalaſtes hinein. Die erſtdieſer beiden Treppen iſt diScala d’oro. An ihr vorbeiweil ſie geſchloſſen iſt, ſteigman weiterhin eine zweitemit der Scala d’oro parallelaufende Treppe hinan, dereNamen ich vergeſſen habe
Iſt man dieſe Trepphalb hinauf, ſo hat mannach der einen Seite hindas Archäologiſche MuſeumArchäologiſche Muſeumnach der andern Seite hin deSaal des Großen Rathesan den der Saal der Wahl⸗ſtimme anſchließt, neben ſich
Archäologisches Museum.
Hier intereſſirte mich nuder Saal der Landkartenin dem ſich die berühmtWeltkarte des Fra Mau⸗r (aus der Zeit vor deEntdeckung Amerikaseine Karte von VenedigKarte von Venedig audem Jahre 1500 und einAnzahl andrer Karten audem 16. bis 18. Jahrhunderbefindet
Der Saal des Großen Raths.
Dieſer, wie ſchon hervorgehobeniſt in gleicher Höhe mit deArchäologiſchen Muſeum unnur durch einen kleinen Fluoder vielleicht nur durch einebreiten Treppenabſatz von ihm (deArchäologiſchen Muſeum) getrennt
Der Saal des „GroßenRathes iſt einer der größteexiſtirenden Sääle; ſeine Fenſte – in der Mitte ein großesauf den Balkon führendeThürfenſter – blicken auden Quai: und San GiorgioMaggior hinaus. Er enthält die Kataloge zur Biblio-the und iſt im Uebrigen derarmit Gold und Bildern geſchmücktdaß kaum ein Zollbreit Wanunbedeckt bleibt
Gebäudegrundriss; Saal des großen Rats (ital.: Sala del Maggior Consiglio), Saale des Großen RathsSaaldesgroßenRats(italADogenpalast, Dogenpallast, Dogen-Palast, Paläste alter DogenSaal des großen Rats im Dogenpalast. TintorettoDie Glorie desParadieſeP.Paolo VeronesDer DogeAndrea Conta-rini von Chioggiazurückkehren
12 Bilder von Jacopo undDomenico Tintorett, voPalma, Bassano, VicentinoP.Paolo Veroneses Erben etc. Dieſ12 Bilder ſtellen dar, wie ſich Papſt Alexander III. unVenedig gegen Barbaroſſa verbünden, wie ſie ſiegen, deKaiſers Sohn gefangen nehmen und wie Alexander III. deDogen für den geleiſteten Beiſtand belohnt. Etwa 1170 –808 Bilder8 Bilder (weil hier diFenſter ſind) von VecellioVecellioVicentino, D.Domenico Tintorettetc. Sie ſtellen dar wiſich, etwa von 1200 bis 1210Venedig den Kreuzfahrern verbündet und mit ihnen Zara unConſtantinopel (2 mal) erobert
Ebenſo reich iſt die Deckmit Bildern geſchmückt
  • 1. Sechs Bilder die Sceneaus den Kämpfen Venedigmit Mailand, Ferrarund dem Hauſe Este darſtellen. (Von P.Paolo VeroneseBassano, J.Jacopo Tintoretto.
  • 2. Sechs Bilder die Scenen auden Kämpfen mit Mailanund den Viscontis, ſo wie mit deArragoneſern und den Kaiſerlichen darſtellend. (Von PalmaBaſſano, J.Jacopo Tintoretto.
  • 3. Drei Bilder (in der Mitte)der Ruhm Venedigs von P.Paolo VeroneseVenedig vom Siege gekrönt, von PalmaVenedig zwiſchen den Gott⸗heite, von J.Jacopo Tintoretto
Neben dem Saal des GroßenRath befindet ſich, wie ſchon erwähnt, ein andregroßer Saal, der Saal der Wahl-ſtimme. Hier ſetzen ſich an Wanund Decke die VerherrlichungeVenedigs durch dieſelben Meiſtefort. Einige rühren von anderher, doch iſt dies nicht zu erkennen; alles kommt aus demſelben Topf. Die dargeſtellteKämpfe reichen von PipinsSZeiten a bis zur Schlacht vonLepant (1571) und bis zuDardanellen-Schlacht 1698Dardanellen-Schlacht 1698
An die Stelle des großeBildes von Tintoretto „die Glo-rie des Paradieſes tritt hievon Palma dem Jüngeren „dasjüngſte Gericht. Letztres nichvoll aber doch faſt eben ſo langweilig wie jenes. Uebedie Bedeutung dieſer Tableauhabe ich mich in meinem Briefan Zoellner ausgeſprochen. Al„Tableaux“ gut, dekorativ ausgezeichnet, ſonſt langweilig. Diegilt auch von TintorettoRieſenbilde „die Glorie desParadieſes. Es iſt ohne allTiefe, ohne jeden geiſtigen Gehalt. Flott zuſammengeſchmiert
Am anſprechendſten iſ(im Saal der Wahlſtimmen) dezu Ehre Francesco Moroſi-ni
bloßFaçad { , des Peleponnes-Erobererarchitektoniſch errichtete, mi
Oelbildern ausgeſchmücktTriumphbogen. Das Bildauf dem Moroſini diegefeſſelte Peloponneſia derauf ihrem Thron ſitzenden Vene-tia überliefer, iſt ſehr anſprechend. Es rührt von Grego-rio Lazzarin her

Auf den breiten Treppenabſatz zwiſchen Saal desGroßen Rath und ArchäologiſchemMuſeu zurückkehrend, führin ein höher gelegeneStockwerk, in dem ſiceine Flucht der intereſſanteſten Zimmer befindet. Eſind dies
    Saal der Büchſe (della Bussola.Saal der Drei (dei tre Capi.Saal des Raths der ZehnSaal der vier ThürmeSaal des SenatsSaal des VorcollegiumsSaal des CollegiumsKapelle des Dogen
Alle dieſe Zimmer ſind miGemälden angefüllt, docfällt hier die Verherrlichunder Thaten Venedigs iGroßen und Ganzen fort untritt an Stelle derſelbeein gewiſſes Element deDemuth, des ſich Beugenvor Gott. „Der DogePaſchal Cicogna zu denFüßen des Erlöſers von Palma d.dem Jüngeren „PietroLoredan die heilige Jungfrauum Hülfe für Venediganflehend von Jacopo Tin-torett; „die Abnahmevom Kreuz; zwei Dogendavor knieend (Tintorettoſo lauten die Titel deBilder, namentlich deredie ſich im „Saale des Senatsvorfinden. Dazwiſchedann, zumal in den anderangrenzenden Säälen, vieandres. Der Werth dehier angehäuften Schätzerſcheint mir größer als deim „Saale des Großen Raths.Es iſt nicht ſo völlig Fabrikarbeit; Einiges – namentlicin den kleineren Zimmern – maſelbſt von Bedeutung ſein. Eitieferes Intereſſe wird einejedoch durch keines eingeflößt
Deſto intereſſanter ſindie Räume ſelbſt. Hier iSaal der Drei und der Zehwurde die Geſchichte Venediggemacht. Im Saal derBüchſe (della Bussola ſiehman noch eine der Oeffnungen, jetzt durch eine kleinKlappthür geſchloſſen, durcwelche die geheimen Briefgeworfen, die Denunciationen gemacht wurdenZugleich war es Vorzimmerin das, auf dieſe oder jenheimliche Anzeige hin, die Bürgeder Republik citirt wurdenum vor dem Rath derDre oder der Zehn Redund Antwort zu ſtehn, Gelegentlich ließ man ſieohne ſie vorzulaſſen, dreiviermal erſcheinen und ſteigerte dadurch die bange Erwartunbis zur äußerſten TodesfurchtSehr eigenthümlich iſt der eineder Ausgänge / aus dieſem Salledella Bussol. Er gleicheinem ſchrägſtehenden Eckſchrank, der durch einScheidewand halbirt iſt undeſſen beide Thürme offeſtehn. Alſo etwa ſo
So iſt es richtigerdieſe kurzen Gängenur mannsbereitführen in deniSääle der Dreund Zeh
Gebäudegrundriss; Sala della Bussola, Bussola, Saal der BüchseSaladellaBussolaBussolaSaalderBuechseDogenpalast, Dogenpallast, Dogen-Palast, Paläste alter DogenSala della Bussola im Dogenpalast. Oeffnunfür diBriefeThüThüFenſte Fenſte

In unmittelbarer Nähe dieſedrei unheimlichen Räume (diaber keineswegs den Eindrucdes Unheimlichen machen) alſdes Saales der Buſſola, der Dreund der Zehn, liegt auch eiſchmaler kleiner Corridound an demſelben eine zugeriegelte kleine Thüre, didie zu den Gefängniſſehinabführende Treppe ſchließtMit Hülfe dieſer Treppe wurdedie in den „Pozzi’s“ gefangen Sitzenden von alleWelt unbemerkt vor deRath der Drei oder zehn geführt und empfingen ihr UrtheilSpäter befanden ſich die Gefangenen ſeltener in de„Pozzi’s“ auch nicht in de„Bleikammern“, die nach obezu, unterm Dach, dieſelbeSchreckniſſe boten, wie diPozzis, nach unten zu, iden Kellergewölben, ſondern ſie waren in deverhältnißmäßig neuen Gefäng-nißba untergebracht, deſich, Newgate⸗artig, ader andern Seite jenes ſchmaleKanals erhebt, der die Rückſeite des Dogenpalaſtebegrenzt. Wurden diGefangenen von dieſem neuenGefängni aus vor ihrRichter geführt, ſo mußteſie nun die SeufzerbrückePonte dei Sospiri paſſiren, die den ſchmaleKanal etwa in Höhe dezweiten Stockes überbrückt. Schaut man aus deFenſtern des Saales der „vierThüren hinaus, ſo hat madie Seufzerbrücke, eiwenig nach rechts hin, dichhinterunter ſich. Die ganze Lokalität: Buſſola, Saal derDre, der Corridor mit deverſchloſſenen Thür und diSeufzerbrücke, ruft ſehähnliche Empfindungen wacwie Traitors Gate iTower. Doch ſind diEindrücke im Tower ſtärker. Dieſem Venetianiſchehaftet doch, bei hunderSchönheit Vorzügen, dimeiſt nach der Seite dePhantaſtiſchen und Schönheitlichehin liegen, etwas relatiKleines an. Man fühlt diStadt ſtatt des Staates heraus.
Aus dem Dogenpalaſtnach 4 ſtündigem Durchſtöbern, in das Café Orientalan der Riva. – Um 4 Uhmit Novilles und Schwechte(der am Abend vorher mit ſeineFreunde, dem Banquier Königangelangt war) nach deLido. Hübſche Fahrt, hübſcher Blick aufs adriatiſcheMee; ſonſt eigentlich langweilig. Um 6 zurückVon 6 bis 7 Gondelfahrauf dem Canal grandeUm 7 1/2 ins ReſtaurantBaue. Um 9 mit Novilleauf den Marcusplatz. U10 mit Schwechten „zu Biere“

Freitag d.
dender
9. Oktobe r Fünfter und letzter Tag in


Mit NovillesSchwechten und Königs auden Marcusplatz bei Qua⸗dr gefrühſtückt. – Danmit Emilie Canalfahrt nacder Scuola San Rocco, diin einer untern und oberHalle, ebenſo an den Treppenwänden hin mit Tableauvenetianiſcher Meiſter, namentlicwieder Tintorettos gepflaſtert iſt. Letztrer dominirt hier durchaus; nocviel mehr als im Dogen-palaſ. Auch hier ließ emich kalt. Im obreStockwerk, neben degroßen Halle, befindet ſicſein berühmteſtes Bild, di„Kreuzigung“. Es iſt großfigurenreich, voll Bewegung, Leben, Handlungeinige Gruppen ſind nichohne Intereſſe; dem Chriſtuskopf iſt eine Liebe und eiFleiß zugewendet, deſich in den wenigſten ſei-ne Arbeiten findet. Dennoch iſt dieſer Chriſtuskopnur relativ anzuerkennenwährend die Frauengeſtalteunterm Kreuz vollendwieder in Trivialität unZerrbildlichkeit verſinken
Von Scuola San Rocczum dritten und letzteMal in die AkademieAlle Hauptſtücke nochmals ernſthaft gemuſtertAußer der „Aſſunta“, dimich auch dieſmal wiedeergriff, finden ſich iSaal XV und XVI einMenge ſehr ausgezeichneteSachen vor. Man kanhier die venetianiſche Schulſtudiren und lernt außeden bekannten drei Nummern: Tizian, P.Paolo Veroneſe unTintoretto ein ganzes Dutzend andrer Größen kennenunter denen viele ſinddie ſich neben P.Paolo Veroneſbehaupten und den Tinto-rett übertreffen. Icnenne nur Palma vecchiund Palma giovino, Porde-non, Carpaccio, CagliariGèntile Bellini (ſehintreſſant), Giorgionund Bonifacio VenezianoVon allen dieſen ſinvorzügliche Sachen ſda. Folgende Bilder haben mibeſonders gefallen
    Tizian: Marias erſter TempelgangCagliari: Mariä Verkündigung
  • Bonif. Veneziano: Das Gaſtmahl des Praſſers mit ſeineCourtiſanen
  • Tintoretto: Die Ehe⸗brecherinTintoretto: Die Ehe⸗brecheri. (in Saal XIII
  • Bonifaz. Veneziano: DerErlöſer auf dem Thron, umihn David, Ludwig, Domi-nicus und Ann; auden Stufen des Throneein Engel mit eineLaute
  • Cagliari: Die heilige Jung-, ST. Joſeph, St. Johannder Täufer auf einemPiedeſtalCagliari: Die heilige Jung-, ST.Sankt Joſeph, St. Johannder Täufer auf einemPiedeſtalfra; unter diheilige Juſtine, Franciscus und Hieronymus
  • Carpaccio: Der Sohndes Königs von England,von ſeinem Vater Abſchiednehmen. Auf der andern Seite ſieht maden Prinzen, welcheder heiligen Urſul(ſeiner Braut) begegnet.und am Hintergrundnimmt das königlichBrautpaar Abſchievom König von Englan[muß wahrſcheinlich heiße„vom König Maurusdem Vater der Urſula,] unſchifft ſich ein. – Hiezgehören noch zweandre Bilder von dem-ſelben Meiſte, die ſicalle auf dieſelbe Werbung beziehn. Siſind von großeIntereſſe, naiv ider Compoſition undoch wiederum feiund kunſtvoll. Dabeſauberſte Ausführung
  • Gentile Bellini: DasWunder des heiligenKreuze. Man erzähltdaß bei einer Prozeſſioein Stück des
    heiligen
    heil.
    Kreu-zes in den Kanal fielMehrere Ordensbrüdewarfen ſich hineiund retteten die Reliquie. Andrea Vendra⸗mi, Guardian voS. Giovanni Evangelistahatte das Glück die Reliquie aufzufinden
  • Gentile Bellini: Prozeſſionauf dem Marcusplatz(1491). Ein Kaufheraus Brescia war zugegen. Er kniete niederals die Bruderſchaft voSt. Marcus die Reliquides
    heiligen
    heil.
    Kreuzes vorüber-trug und machte eiGelübde für deFall, daß ſein krandaheim gebliebeneSohn genäſe. Dieſegenas
  • Cagliari: Das Gaſtim HauſeLeviCagliari: Das Gaſt- im HauſeLevimah. (Sehr großeBild, an verwandtArbeiten P.Paolo Verone-ſe erinnernd; nacmeinem Geſchmack indedieſe faſt übertreffend.
Ebenſo iſt mir BonifaciVeneziano als ein bedeutender Maler erſchienenAn den Arbeiten Carpacciound Gentile Bellinis, dieine gewiſſe Verwandtſchafhaben, intereſſirt deStoff, die Naivetät undie ſorgfältige Durchführung. Alles „Flotte“ fehltdafür tritt jene Liebein, die uns die deutſcheArbeiten, namentlich Dü-rer, ſo werth macht
Ganz beſonders werthvoliſt mir noch ein „todterChriſtus erſchienenBologneſer Schule, Namdes Meiſters unbekanntNeben der „Aſſunta“ hadieſer „todte Chriſtusmich am meiſten intereſſirt; wozu ſich zweiStück aus der Kapelldes Dogenpallaſtegeſellen; „ein Chriſtus mitder Dornenkrone vonvonDüre, und „Chriſtus imHades das Kreuz aufrich-tend von Giorgione
Aus der „Akademieins Hotel zurück. Rechnung bezahlt. Billig; nu80 Francs. Frühſtücim Reſtaurant; dannin entzückender Gondelfahrt, bis zum Bahn-ho. Abfahrt 2 Uh35. Ueber PaduaRovigo, Ferrara (lada wie Weimar), Bolog-n, Piſtoja nach Flo-ren. Ankunft in Florenz 1Uhr Abend

Sonnabend d.dender 10. Oktober
Erſter Tag in Florenz

Am Freitag Abend iCasa Nardini, BorgSanti Apoſtoli, abgeſtiegenGroßes Zimmer, nebſt Cabinet, für 4 Francs täglichAlles gut und geräumigdie Leute prompt und freundlich. – Poste restantBriefe von George unMete empfangen; in dieſeBriefen leider auch die Nachricht von dem plötzlicheTode unſres guten Four⸗nie. – Den Vormittaüber Briefe geſchrieben unein dickes Convolu(zwei Briefe an den Cheva-lie, 1 an Hertz, 1 adie Kinder) zur Poſt gegeben. – Erſter Ganauf die Piazza dellaSignori; den Palazzovecchi und die Loggiadei Lanz aufrichtibewundert. Als Bauwernamentlich den erſtrenEr rührt vonher, der auch deDom zu bauen begannEr muß ein Genie erſteRanges geweſen ſein
Dann in die Tratto-ria delle anticche Ca-rozz, Ecke derund von Borgo S. S. Aposto⸗l. Gut und billig gegeſſen
Nach Tiſch flaniert. Erſdurch diebis zum Dom und deBaptiſterium. In deDom hinein. Dandurch diebis zur Chiesa SantaAnnunziat; von dieſezur Kirche San Marcoausgeruht auf einer Bandes vorgelegenen hübſchePlatzes; dann durch diVia Cavour, in deſich der koſtbare PalazzoRiccard befindet, nacdem Platz am Dom unendlich nach der Piazza dellaSignori zurück. Kaffgenommen; einen Guidgekauft; noch eiwenig flanirt; Blicin die Uffizien; dannach Haus. Thee. Geplaudert, geſchrieben, geleſen

Sonntag d.dender 11. Oktober
Zweiter Tag in Florenz

Um 10 auf die Piazzadella Signori; den Palazzovecchi abermals bewundert; die Loggia deiLanz und ſeineihre Skulpturen ernſthaft durchgenommen. Es ſind
    zwei Löwen am Eingang
  • ſechs Veſtalinnen im Hinter-ſechs Veſtalinnen im Hinter-grund (alt-griechiſch
  • der ſterbende Ajax (griechiſch)der ſterbende Ajax (griechiſch)der Raub der SabinerinnenHerkules beſiegt den Centaur
  • der Perſeus (von BenvenutoCellin) un
  • GianBolog⸗n { der Raub der Polixen(von Feddi; modern
Alle dieſe Sachen ſind ſehbedeutend. Der ſterbendeAja läßt mich ziemlickalt; dagegen habeder „Raub der Sabinerinnenund der „Perſeus“ eineſtarken Eindruck aumich gemacht
Von der Loggia deiLanz, durch das Gewiralter Straßen hindurch, audie entzückende Pontevecchi zu, die imancher Beziehung deRialto in Schatten ſtelltund dann über die Brückfort bis zum PalazzoPitt. Zunächſt nur ſeinFaçade und den großeHof in Augenſchein genommenDie Boboli-Gärten warenoch geſchloſſen. – Zurücnach Palazzo vecchioVon dort aus, nacAnhören der ſonntäglicheWachparaden⸗Muſik in den Uffi⸗zie, in die Gallerieder Uffizie und daſelbſgute zwei Stundeverweilt. Die Galleriiſt im oberſten Stockwerk, d zu dem voden erſten Pfeilerdes linken Flügelaus (vom Palazzo vecchiaus gerechnet) eine Trepphinaufführt
dDie Hauptſchätze dieſegroßen „Gallerie der Uffi-zie“ befinden ſich ieinem ziemlich kleineRaum, einem überkuppelten Oktogon, das deNamen „die Tribuna“ führtHier ſtehen zunächſt fünantike Skulpturwerke erſten Ranges
    1. die mediceiſche Venus2. ein junger Apoll
  • 3. der tanzende Fau(Kopf und Armdurch Buonarotterſetzt)
  • 4. die Ringer5. der Schleifer
Die letztgenannten beidenSkulpture intereſſirtemich mehr, als die erſtendre; beſonders ſchön findich den „Schleifer“, der übrigens ſicher einen andreNamen verdient. Auch di„Ringer“ ſind wundervoll
Unter den Bildern deTribuna ſind ſo ziemlich alle berühmteNamen vertreten: Man-tegn, Perugino, Domeni-chin, Fra BartolomeoGuercino, F.Francesco FranciaMichel Angelo, RafaelAndrea del Sarto, TizianGuido Reni, Giulio RomanoPPaolo Veroneſe, CorreggioSpagnoletto, CaracciDürer, Kranach, RubensVan Dyck
Nicht alle ſcheinen miWerke erſten Ranges zſein
Die Bilder von GuidoRen (deſſen Madonnmehr „himmelt“ als himmliſciſt), P.Paolo Veroneſe, GiulioRoman, Caracci, FraBartolome (den ich ſonſſehr liebe), Michel Angelund theilweis auch Correg⸗gi ließen mich kaltdagegen gefielen miaußerordentlich
  • 1. Mantegna: die Anbetungder drei Könige; dieBeſchneidung und die Himmel⸗fahrt (dreigetheiltes Bild.
  • 2. Domenichino: CardinalAqucchia’s Portrai(Aqucchia.
  • 3. Tizian: MonſignorBeccadellis Portraiauch zwei ruhendeVenuſſ, wiewohich in Dulwich etcbeſſre geſehn
  • 4. Guercino: der ſchlafendeEndymio
  • 5. A.Albrecht Dürer: Anbetung derdrei König (ſehr ſchön.
  • 6. Correggio: das Hauptdes Täufers auf der Schal
  • 7. Van Dyck: Johann vonMontfor
  • 8. Raphael
    • a. Portrait einer Fra(ſehr ſchön
    • b. Fornarina (imeinen Augeweniger feſſelnd
    • c. Papſt Julius II. (ſehr ſchön
    • d. die Madonna amBrunne
    • e. die Madonnamit dem Goldfinke
    • f. Johannes in derWüſt; halb Knabnoch; (ſehr berühmt
Die Portraits, ſowohl dader unbekannten Frau, widas des Papſtes Julius II.ſind ſehr ſchön; die Madonnamit dem Goldfinke würdmir vielleicht durch Schönheit auffallen; an dedrei andern Bildern würd’ icmuthmaßlich vorübergehnwenn mir nicht der Katalog zuriefe: „halt, ſiſind von Raphael.“ DeSinn für dieſen größteMeiſter will mir immenoch nicht recht aufgehn
Unter den anderBildern, die die Uffizien-Galleri enthält, intereſſirten mich die der Toskaniſchen Schule am meiſtenMan macht die Bekanntſchaft vieler neuer Nameund findet, daß alles waan der Wende des 15. und 16Jahrhunderts und in den unmittelbar folgenden Jahrzehnten gemalt wurdebedeutend iſt. Da iſt einAnbetung der Könige voFilippino Lippi, eine Anbe-tung der Weiſe von Leo-nardo da Vinc, einheilige Jungfrau von Botti-cell, ein St.Sankt Sebaſtiavon Sodoma, ein Mar-tyrium des heiligen Stephavon Cigoli (ſehr ſchön)eine Krönung der heiligenJungfra von Angelicoeines alten Mannes Por-trai von Masaccio unvieles andre noch. Dabedeutendſte Stück waſich hier noch vorfindeiſt ein abgeſchlagenesMeduſenhaup von Leonardoda Vinc. Außerordentlich ſchön
Was ich im Uebrigeſah, darunter eine Gallerivon Maler⸗Portraits, waziemlich intereßlos. Over⸗beck Portrait fiel midurch eine unangenehmHäßlichkeit auf, in denoch mehr Beſchränktheit als Asceſe ſich ausſprach. Wie ledern alldieſe Köpfe, neben dewas Tizian, RafaelVelasquez, Van Dyckſpeziell auch auf dieſeGebiet geleiſtet haben
Dann und wann traten wir aus den Zimmerauf die Corridore hinausdie den Innenraum deUffizien von 3 Seiteher einfaſſen; die Fenſteſtanden auf und maſah nun theils auden Palazzo vecchio iFront, theils auf deUffizien⸗Hof unten, audem eine Militairkapellnach wie vor musicirtund eine bunte Menſchenmaſſauf und ab wogte
Um 2 zu Tiſch. U3 nach Haus. GeſchriebenFrüh zu Bett

Montag den 12. Oktobe
Dritter Tag in Florenz

Um 12 ausgeflogen, uSanta Croce aufzuſuchendas ich mit der Chiesadel Carmin verwechſelte und deshalb an ganfalſcher Stelle ſuchte
Anm Südufer des Arnhin von Ponte dellealla Gra-zie Carrai, an PonteSanta Trinit und Pontevecchi vorbei, bis zuPonte alle Gràziedie, wegen Neubausunpaſſirbar war, weshalwir in einem Boo(Fährgeld 5 Centesimi) überſetzten. – Nun wiederuin den alten Stadttheilen flanirt, Paläſte gemuſtert, die allentweder im Kaſtellſtides Palazzo vecchio odein dem eigenthümlicheflorentiniſchen Rieſenwürfel⸗ Stile gebauſind, jene vielleicht de14. und 15. Jahrhundertdiese dem 16 Jahrhunderangehörig, die einenoch halb gothiſch, diandren volle Renaiſſance. Welcher von deRenaiſſance-Paläſten deälteſte iſt und nun alMuſter diente, ſtehe dahinich möchte vermutheder Palazzo Strozzi ider Via Tornabuonideſſen Bau ſchon 148begann. Dieſe Paläſtſehen ſich untereinander ſehähnlich. Es ſind in braunem oder grauem Kalkſtein (ſo vermuthe ich) aufgeführte Kubusbautenmeiſt an der Ecke eineStraße oder ein ganzeStadtviertel bildend; bizum 1.,erſten, /immer ſehr hocgelegenen Stock hieine mächtige Ruſticadie gegitterte Parterrefenſter und ein Entreſoenthält; dann folge1. und 2. Stock meiſmit großen Rundbogenfenſtern. Das Dacweit vorſpringend. DiWirkung iſt außerordentlichSolidität, VornehmheitSchönheit der Verhältniſſevor allem fehlt alles Kleine. Noble Einfachheit, diden Putz verſchmäht. DieſWirkung bleibt auch; abeman giebt ſeine Bewunderung den vielen Nachahmungen gegenüber docinſoweit auf, daß einedas Gefühl beſchleichtdie Imitirung, um die eſich ſchließlich doch blohandelte, konnte nicht allzuſchwer ſein. In deThat wird auch jetznoch vielfach in demſelben Stile weitergebautEtwa um 3 Uhr zu Doney& Nepot, einem feineengliſchen Reſtaurant in deVia Tornabuoni. Bouillongebackene Soles, Beefſteakund eine Flasche
Saint
St.
Julien;alles ſehr gut; etwa 4 Reichstalebezahlt, was mit Rückſichauf die Feinheit des Platzenicht zu viel war. Docbeſchloſſen wir, andreTags wieder mit unsre„antica carozza“ zfahren, wo man für devierten Theil nicht ebeſchlechter ißt
Von Doney auSanto Croce geſuchtWieder nicht recht gefunden und zuerſt bei SanLorenz gelandet; vodort aus dann, auf Umwegen und mit Hülfe voimmer wiederholten Anfragen, nach dem „florenti-niſchen Pantheon wiSanta Croce genannwird
Auf der Piazza SantaCroc ſteht natürlich eiDante. Er iſt viel ſchlechteals der in Verona. Dieſerflorentiniſch hat die Attitüdeines Generals, der delinken Fuß energiſch vorſetzend undie Rechte an den Degelegend, ſich anſchickt eiBataillon perſönlich vorzuführen. So undantehaft wie möglich. Wärnicht der Lorbeerkranz undie große Naſe, ſo würdman ihn, in Folge dieſefalſchen Charakteriſirung, kauerkennen
Santa Croce, im gothiſcflorentiniſchen Stil gebautworunter man ſich denken kann was mawill, hat eine miMarmormoſaik überkleideteüberhaupt außerordentlicreich geſchmückte FaçadeBeſonders ſchönheitliche Eindrücke empfing ich nichtIm Innern folgen ſind diGrabmonumente wie folgt vertheilt
  • 1. im linken Seitenſchiffhart am Eingang, GalileoGalile
  • 2. im rechten Seitenſchiffdem Galilei gegenüber, MicheAngelo
  • 3. auch ebenfalls im rechten Seitenſchif(wie auch die beiden folgenden) Dante
  • 4. Alfieri5. Macchiavell

All dieſe fünf Denkmäler, wiewohl von deverſchiedenſten Künſtlern herrührend, ſind gedanklicſehr übereinſtimmend; voGeiſt oder gar Genius keinSpur. Ein Sarkophagauf dem die Figudes zu Feiernden ſitztoder ſeine Büſte ſteht; daneben dann einigſymboliſche Geſtalten: diAſtronomie, die Geometriedie Muſe, die Kunſtdie Geſchichte, die StadFirenze mit der Mauerkrone. Es verlohnſich nicht in Detailzu gehn. Wie tieſteht dies alles, nichblos unter den PeterViſcherſche und AdamKraftſche Arbeiten, neiauch unter dem, wovodie Kirchen in St.Saint DenisRouen, Roeſkilde etcgefüllt ſind. AlfieriGrabmal rührt von Cano⸗v her; dieſe Arbeit iſunter den fünfen diweitaus beſte; die Geſtalder trauernden Firenze iſſogar gut zu nennenSchön und würdig in Haltungund – ohne SentimentalitätVon den Inſchriften habich zwei notirt. Dantmuß ſich mit den dreWorten begnügen„Onorate l’altissimpoeta“. Bei Machia⸗vel heißt es: „TantNomini Nullum paElogium.
Die Kirche Santa Croce enthält noch eine Menge voSehenswürdigkeiten. Die Denkmäler Cherubinis und RaphaelMorghen habe ich nicht geſehn. Eine Bronzetafel enthält die Namen aller Toskaner, die 1848 bei Montanare unCurtatone für die Unabhängigkeit Italiens fielen. – In der Baron⸗celli-Kapitr iſt überlebensgroß ein in Marmor ausgeführter todteChriſtus. Der Guide nennt ihn mediocre. Ich finde den Kopf, freilich nudieſen, ſehr ſchön. – Daneben befindet ſich eine andre, ziemlich große Kapellewahrſcheinlich die Bardi-Kapelle. Hier haben einige vornehme Polinnen ihrGrabdenkmäler. Eins – ich glaube, das der Gräfin Zamoyska – iſt ſehr ſchönnamentlich die Geſtalt der Trauernden, die neben der Todten kniet. Hiebefinden ſich auch einige zwei Abt⸗ oder Mönchsfiguren, etwa dreFuß hoch, in Terra cotta. Sehr ſchön, wie alle die zahlreichen Terra cottArbeiten, die ſich – meiſt von Luca della Robbia und ſeiner Schulherrührend – in faſt allen Florenz⸗Kirchen zerſtreut vorfinden

Von Santa Croce auauf die Piazza dellaSignori zurück. BeGilli Letta Kaffe getrunken und die KölniſcheZeitun geleſen. HübſcheArtikel über die ArnimBismarck-Frage. – NacHaus. Thee und Uva. Geplaudert. Geſchrieben

Dinstag d.dender 113. Oktobe
Vierter Tag in Florenz

Um 10 ausgeflogen. Uebedieen Ponte Vecchio bis zuPalaſt Pitti. In vieStunden die 6 großenSäal: den Venus⸗, Apollo⸗ Mars⸗, Jupiter⸗, Saturnund Ilias-Saal durchgemuſtert. Meine Aufzeichnungen darüber ſteheauf Blättern ziemlich aSchluß dieſes Buches. DiSammlung iſt außerordentlicſchön und wird gewiß zden beſten zählen, die exiſtiren. Die Gallerie in denUffizie, die „Tribunamiteingeſchloſſen, verſchwindet daneben. DenMeiſterſtücke wie ſidie Tribuna 10 oder 2an der Zahl hat, findeſich in der Pitti⸗Galleriverzehnfacht. Alle großeNamen ſind nicht nuüberhaupt vertretenſondern ſind vielfacvertreten und zum Theimit allerbeſten StückenAuch hier wieder ſtelledie Portraits, wenn maein halbes Dutzend Sacheabſolut erſten Ranges ausnimmt, alles andre iSchatten. Auch hier wiedemacht man die Bekanntſchaft glänzender neueNamen. Von hervorragendſter Bedeutunerſchienen mir
  • Rafaels Madonnadel Granducdell
  • Murillos Madonnamit dem Kin (iApollo-Saal). Diin demſelben Saabefindliche Murilloſche „Madonna mitdem Roſenkranz iſweniger entzückend
Andrea del SartoFra BartolomeoCigoli, – jeder mieiner KreuzabnahmeDaran reiht ſich eiDutzend ganz ausgezeichneter Sachen voPalma Vecchio, da Carpi, RubensSalvator Rosa, RosselliManfredi, San Gio⸗vann, Spagnolettund andern. Im Ganzeaber – immer von deFülle herrlichſter Portraitabgeſehn – ſtellt ſicfür mich, nach deBeſuche von VeronaVenedig und Florenz, dieSache ſodaß ich in meineWiſſen und meinem Gemütnur um 45 Bilder reichegeworden bin
    1. Tizians „Assunta“ in Veron2. Tizians „Assunta“ in Venedi
  • 3. Rafaels Madonna delGranduc
  • 4. Murillos Madonna iApollo-Saa
  • 5. Leonardo da Vincis Meduſen-Haup in deUffizien-Gallerie
Die Madonna della Sediawie ſchon hervorgehobenläßt mich kalt. – An di5 vorgenannten ſchließen ſichaber doch erſt in zweiteReihefolgende zum Theil ſchoerwähnte Sachen an
Uffizien-Gallerie {
  • Mantegna. Anbetungder 3 Könige; Beſchnei-dung und Himmelfahr
  • Dürer: Anbetung derdrei König
  • Pitt { Da Carpi: Grablegung
    AkademieinVenedi {
  • Bologneser Schule: eitodter Chriſtus (ider Akademie zu Venedig
  • Cagliari: das Gaſtmahlim Hauſe Lev (ebendſelbſt
  • Alles andre Geſehne die wundervollen Portraits und diStatuen, einerſeits in de„Tribuna“ andrerſeitin der Loggia deiLanz – außer Betrachgelaſſen –, war nicht derartdaß der Beſtand andreGallerieen dadurch ſonderlich in den Schatten geſtellt würde. Diberühmten Gallerieeim Louvre, in Dres-de, in München, di„National-Gallery“ iLondon und die Gallerieen der HerzögeDevonſhireWeſtminſter unMarquis’ von, Northum⸗berlan und Hertfordbeſtehen, in ungeſchwächteGlanze, daneben fort
    Aus der „Pitti Galle-rie in die Trattoriadelle antiche Carozzan der Ecke der SantiGhiberti-ſche; guund billig gegeſſen. Flanirt. Ins BaDptiſte-riu; einer Taufe beigewohnt. Die Ghiberti-ſche SThüren genau durchſtudirt. In einen Liquorista-Laden; 2 Kucheund 3 Maraschino’s fü4 Silbergroſchen. – Midem Omnibus, an SantaMaria Novell und ſeinezwei Obelisken vorbeibis zur Porta Pratgefahren. Spatzierganbis zu „Le Cascine“, dihalb Rotten Row im Hyde-Par, halb unſre HofjägerAlle ſind. Nur iſt unſeThiergarten unendlich viehübſcher. Dann aLung’Arno hin bis zuBrücke San Trinità; durcVia Tornabuoni, ader Säule mit der Statuder Gerechtigkeit vorbei, nacHaus. Thee; Uva. Geſchrieben

    Mittwoch d.dender 14. Oktobe
    Fünfter und letzter Tag iFlorenz

    Um 10 ausgeflogenFlanirt. Das Innere dePalazzo vecchio geſehnebenſo den Hofraum dePalaſtes in dem ſich jetzdas Museum nationalbefindet. Nach Torna-buon, um den PalazzoStrozz, der mich beſonders intereſſirte, nochmals in Augenſchein znehmen. Der Palazzovecchi, wie ich ſpäte – bei unsrer Rückkehvon Fieſole wahrnahm ſcheint, wenn ich rechgeſehn habe, aus dreiwenigſtens aus zweverſchiedenen Theilen zbeſtehn: aus dealten caſtell⸗artigeBau an der Piazzadella Signori, aueinem ſpätren „florentiniſchen Palaſte“ iStile des Palazzo Strozzund aus einem kapellenartigen Bau, der zwiſcheden beiden Paläſten, diVorder⸗ und Rückenfront bildenſteht. Hab ich hierin Rechtſo kann man allStudien die ſich auf degothiſchen⸗ und RenaiſſancePalaſt Stil der florentiniſchen Paläſte beziehnſehr gut allein ſchon am Palazzovecchi machen
    Umhergeſucht, um einDiligence-Gelegenheinach Fieſole zu findenEndlich entdeckt und zwain einer Sackgaſſe ader Paiazza del DuomoDieſe Fahrgelegenheiaber doch aufgegebenweil ſie erſt vo4 Uhr Nachmittags a(wohl des Sonnenuntergangs halber) ins Lebetritt. Bei Wital ider von Ponte vecchinach der Piazza dellaSignori führenden Straßdejeunirt, am Dom⸗plat eine BeſchreibunFiesoles gekauft, dabeeinen wehmüthigeBlick auf die ebeerſchienenen „Viole;Poesie di Tomaso Toma⸗ſino geworfen, danin einem angenehmeGefährt nach Fiesolhinauf. Preis: 10 Francswas ich nach der beuns geltenden Taxe fübillig anſehen mußdenn wir fuhren übe5⁄4 Stunde hinauf, dan1 Stunde warten, danwieder zurück. Die Hinauffahrt iſt ſehr ſchwierig
    Fieſole iſt jetzt ein ziemlicverkommener Flecken, (Näheres ſiehe das italieniſchBüchelchen) was ihm abeauch jetzt noch ein Intereſſe ſichert, das iſt ſeinuralte, ich glaube audem 11. Jahrhundert herrührendKathedrale und der wundervolle Blick, den es auden weiten Bergkeſſegewährt, in dem deArno fließt und in welcheFlorenz gelegen iſt. Wiwaren eine Stunde zfrüh oben, aber nichtnichtsdeſtoweniger warezelnen Seiten hin ſieht mavierfachen, hier und dormit Kaſtells beſetzteBergkranz den Keſſeeinſchließen. Der Ueberblick über die Stadt iſvon den Fenſtern des PalaſtePitti aus klarer und orientirender, wenn auch weniger umfaſſend
    In der K nur kleineKathedrale intereſſirtemic
    • 1. die noch auf etruriſchen Säulen ruhendCrypt-Kirche
    • 2. ein von Giott
    • Befinden ſich azwei Säulenpfeilern, die zum Cho { al fresco gemaltealter Mann (werunbeſtimmt)
    • 3. ein von Peruginherrührender heil.heiliger Sebaſtianebenfalls al fresco
    • 4. ein von Mino daFiesol herrührendeMarmor-Altar, diJungfrau, zwei Heilige, daChriſtkind und den Johannedarſtellend; letztre beidezu Füßen der Mariſpielend, entzückend
    • 5. Das Marmorbildniß– knappes Bruſtſtück – desBiſchofs Salutat, midem Vermerk „Mini Opus“Es zählt zu dem vollendetſten, liebenswürdig-einſchmeichelndſten waich innerhalb der PortraitSkulptur geſehen haben
    hinanführen, ich weiß nicht mehgenau, ob in der Crypt⸗ odeder Oberkirche Die andren BildwerkeFresken und Skulpturenſind von viel geringereIntereſſe
    Um 4 Uhr zurück, aVillen und Kloſtergebäudevorbei, von denen eine(Dominikaner) ein ausgezeichnetes Bild von BeatoAngel [da Fiesole muthmaßlich] enthalten ſollAuch ſei noch bemerktdaß der höchſte Punkdes Berges, auf deFiesole gelegen iſt, eimächtiges Kloſtergebäudträgt
    Im Zurückfahren eineetwas andren Weg eingeſchlagen, der uns, ſtatnach der Porta San Gallzur Porta Pinti führtevor der der proteſtantiſcheKirchho gelegen iſtWir ließen halten unbeſuchten Herrn ChriſtianGreve Grab. Er ruhzwiſchen einem Poleund einem Engländervon denen jener einWoche vor, der andreine Woche nach ihſtarb. Wir nahmeeinige Buxbaum⸗ und Kleeblätter mit, das Einzigewas ſich von Grün auſeinem Grabe fand
    Um 5 wieder aDom⸗Platz. Noch eimain den Dom, der aucdiesmal bedrückend auuns wirkte. Zu Gilli& Lett; dann nach HausGeſchrieben; gepackt. U9 noch einmal auf dePonte vecchio unvon da aus auf durch diUffizien auf die Piazzadella Signori, um unalles einzuprägen und Abſchied zu nehmen. Ziemlich ſpät zu Bett

    Donnerstag den 15. Oktobe
    Reiſe von Florenz nacRom

    Um 8 1/2 Abreiſe von FlorenzWährend der erſten Viertelſtundhat man immer noch davon ſeinem alten Kloſterbagekrönte Fiesole zur Seite
    Dieſem Bilde entſprechenbleibt nun 8 Stunden landie Fahrt. Die Unterſchiedſind nicht ſehr erheblich. DeApennin läuft in hoher, kahleKette zur Linken und ſtellzwei, drei Reihen von Vorbergen in ſeine Front. Divorderſten Berge die niedrigſtenAuf dieſen liegen die Kaſtelledie Flecken, die Städte. EiKaſtell, ein Kloſter, eine Kirchkrönt meiſtens die Spitzewährend die Ortſchaften ſelbſmal höher mal tiefer aAbhang liegen und entwedein einer einfachen Schrägliniin der Flanke des Berges oder in Terraſſein der Front deſſelben aufſteigen. Die Linien ſind voaußerordentlicher Schönheit, mitunte(namentlich gegen Abend) auch diFarben; im Ganzen hat maaber doch, ganz abgeſehevon dem Verfallenen unHeruntergekommenen, auch deEindruck des Kahlen, Verbrannten, Ungemüthlichen. Es heimelnicht an. Keinen Augenblichab ich die Empfindung gehabt„hier möchteſt Du auch nur 2Stunden ſein.“ Es iſt geradgut genug zum Vorbeifahrenzum Mit-Nachhauſenehmen voeinem Dutzend Oswald Achen⸗bach. Je mehr der Reiſendweiß, je beſſer er die römiſche undie italieniſche Geſchichte kenntdeſto entzückter und bewegtewird er auf eine Landſchafblicken, die von 100 Schritt z100 Schritt ihm wenigſtens eineberühmten Todten herausgiebtHier focht Hannibal, hier fieFlaminius, hier dichtete Properzhier malte Perugino, hier wurdTacitus, hier Lucretia Borgigeboren. So geht es endloweiter. ich bin der Letzte, dedie Zauber verkennt, die dadurceiner Gegend erwachſen. Aberbei genaurer Prüfung, wirdempfindet madoch immer wieder, daß es vorzugsweiſe ein poetiſch-geheimnißvoll über der Landſchaft ſchwebendes Etwas, die hiſtoriſche odehiſtoriſch-romantiſche Reminisceniſt, die alle die Bilder, die ſicvor uns entrollen, ſo ſchön, ſeinzig in ihrer Art erſcheineläßt. Die Bilder ſelbſt ſindbewirkeesdies höchſtens nur zur kleinereHälfte. Natur, Geſchichte, Kunſunterſtützen ſich einander; weaber einfach auf das angewieſeiſt, was die Landſchaftsbilde – von denen ich ſagen möchtedaß ſie einen Architektur-Charaktehaben – ihm bieten, der wirdwenn er einigermaßen diWelt kennt und nicht direkaus Treuenbrietzen nach Perugiverſetzt wurde, einräumen müſſendaß es ſchönere, namentlich abewohlthuendere, herzerquickenderGegenden giebt. Die Fahrt voBonn bis Mainz, von Berbis Interlaken, von Genbis Lauſanne, von St. Germaibis St. Denis, von Londobis Richmond, von Kopenhagebis Helſingör – iſt ſchöner, erhebender. Das Herz geht einemehr auf
    Die Ortſchaften, die wizu paſſiren hatten und von denewir um ſo klarere Bilder gewinnen konnten, als die Bahimmer in einiger Entfernung adehochgelegenen Städten und Fleckevorübergeht, waren, mit Umgehung geringerer Namen, die folgendenArezzo, Cortona, PerugiaAſſiſi, Spello, Foligno, Trevi, SpoletoTerni, Narni, Orte,und Passodi Cores. Dann Rom. Aſſi⸗ſ und Spoleto machen den bedeutendſten Eindruck; doch liegeeinige der kleineren Ortſchaftenoch maleriſcher. Orte iſt, wenman von Rom nach Florenz dem Norden fährtGabelpunkt, von wo aus link(weſtlich) eine zweite Bahn abzweigt, die über FOrvieto unSiena ebenfalls nach Florenführt. – Der Traſimeniſche Seeder 10 Stunden Umfang hatliegt zwiſchen Cortona und Peru-gi. Er iſt ſehr ſchön, ganbeſonders durch die 3 Inſeldie in ihm liegen. Eine, wenich nicht irre, trägt ein Kaſtelleine andre ein Kloſter, didritte (kleinſte) iſt bewaldetAn einer Stelle iſt die Schiebung ſo, daß die beidekleineren Inſeln wie eibreites mächtiges Thor wirken, durcdas hindurch man die drittebereits ziemlich weit zurückliegende kaſtellgekrönte Inſelwie ein in Grau gemalteBild erblickt. Kennt madas Terrain, ſo ergiebt ſich deVerlauf der Schlacht, der den Römern 15,000 Todte gekoſtehaben ſoll, ſehr leicht
    Lageplan des Schlachtfelds; Trasimenischer SeeTrasimenischerSeeUfer des Trasimenischen Sees. ArezzPerugi
      a. Dorf TecroBorghettb. Passignano

    Hannibal kam von Oberitalien unüberſchritt den Apennin. Conſul Flam⸗iniu ſtand bei Arezzo. Hannibabewerkſtelligte einen Flankenmarſchmarſpchirte an Arezzo vorbei und nahStellung auf den Hügeln und Bergen zwiſchea und b, will ſagen zwiſcheBorghetto und Passignano. BeidPunkte treten dicht an den Seheran und bilden eine DefiléeFlaminius, als er wahrnahmdaß Hannibal auf Rom zu gingdrängte nach. Als er (Flaminius) auf deTerrain zwiſchen Borghetto unPassignano angekommen war, machte Hannibal diMauſefalle zu; von den Bergein zwei Mächtigen Colonnen niederſteigend ſchloß er das Defiléin Nord und Süd, zugleicvon Norden her gegen Südevordringend. Ein Theil der Römeſchlug ſich bei Passignano durcund entkam. Flaminius fiel
    Dieſe Parthie am traſimeni-ſchen Se intreſſirte mich landſchaftlich und hiſtoriſch am meiſten. Na-poleon I hat dieſen See, dean den meiſten Stellen ziemlicflach iſt, austrocknen laſſewollen. Ein brutaler PlanEin Stück Geſchichte und ein StücSchönheit würde dem Lande dadurch verloren gegangen ſein
    Großartig wirktAſſiſi durcſeine koloſſalen Kloſter⸗ und Kirchenbauten, namentlich durch daFranziskanerkloſter (Franz voAſſiſi) ziemlich am Fuße der hochanſteigenden Stadt. – Spoleto iſSitz eines Erzbiſchofs. – Terni unNarni ſehr hübſch. – Der Soractwirkt bedeutend. Es iſt einſechskuppige, einzeln daſtehendeaber mehrere Meilen lange Bergparthie, etwa wie der Zobtender Kyffhäuſer, der Hörſelbergder Harz. Viel bedeutender aldie erſtgenannten drei, iſer doch kleiner als der letztr(der Harz.) BrSeine Contureſind ſehr ſchön. Er wirkt gutwenn man an ihm vorüberfährt, aber faſt noch mehan einer Stelle, vielleichvier, fünf Meilen von Romwo man nur ſeine höchſtKuppe ein vorgelegenes Plateau überragen ſieht
    Unſre Hoffnungen die Peters⸗kuppe am Abendhimmeauftauchen zu ſehn, wurdegetäuſcht. Es war bereits zdunkel und die ganz kleinMondſichel reichte nicht ausdas Deficit an Tageslicht zdecken. Entzückend waredie großen Feuer, die übedie weiten, ſchließlich völliflach gewordenen Felder hibrannten; einige dicht nebeder Eiſenbahn. Geſtalten hockten drum umher, deren Thuund Treiben wir nicht erkennekonnten
    Um 6 1/2 fuhren wir iden Bahnhof ein; um 7 warewir im Hôtel du Sud

    Unterwegs von Florennach Rom laſen wir eine Kölni-ſche Zeitun, die wir noch audem Bahnhofe in Florenz kaufekonnten. Wir fanden darin folgendes aus Guizots Teſtamentwas wir mit Bewegungund einzelnes abgerechnet, miZuſtimmung laſen
    266. Ein Raphael. MadonnaKnieſtück, oblong; nuMutter
    und
    u
    Kind. Unter allendie ich von ihm kennedie lieblich-ſchönſte ohneine Spur zu weich zu ſein Hall of Iliad. Außeſchönen Portraits enthält dieſeSaal weniges von großeBedeutung. EineZwei„Aſſunta’s“ voAndrea del Sarto iſtſind ſehr reſpektabel, aber doch auch nichmehr; ſie hängen, in gleicheGröße, einander gegenüber. Ein„Taufe Chriſti“ von P.Paolo Veronesiſt intreſſirt etwas mehr aldie Mehrzahl ſeiner ArbeitenBrillante Portraits voVelasquez, Tizian, Salva-tor Roſ (eins der Salv.SalvatorRoſ Portraits iſt ein jungerKrieger in Rüſtun, das andriſt er ſelbſt.) Hier aucein ausgezeichnetes Portraivon P.Paolo Veroneſe deDaniel Barbaro darſtellendPortraitiren konnten ſialle wunderbar. Langweilig ſind immer: G.Guido ReniCarlo Dolci, Tintoretto, P.Paolo Veroneſ Hall of Saturn. Enthälein halbes Dutzend wundervolleSachen. Zuerſt drei voRafael herrührende Portraits
    • 1. Papſt Julius II. (dunkleals das in den Uffizien). 2
    • 2. Thomas Fedra Inghiramwahrſcheinlich ein Cardinal; 3. Cardi-nal Dovizi von Bibbien. Außerdem befindet ſich hier voRaphael die Viſion des Ezechiel
    Andre ausgezeichnete Sachen ſin
      Perugino: Abnahme vom KreuCampagnola: Adam und EvaSchiavone: AKain erſchlägt Abel (brillantGiorgione: Moſes aufgefunden
    • Seb.Sebastiano del Piombo. Martyrium derheilig.heiligen Agath. (Ihr werden die Titten ab-geknipſ
    • Andrea del Sarto: Disput überdie heilige Dreieinigkei. (IVordergrunde rechts eine weibliche Figur mit einer Büchſe oder Schachtel ider Hand, als wolle ſie dem Sieger eine Makronreichen
    Hall of Jupiter.
    Auch dieſer Saal ſteht de2. Saal weit nach. Er enthält einige gute Schlachtenbildevon Salvator Rosa und Borgogne,einen brillanten, großartig ausgeführten Sankt Marcus voFra Bartolomeo, eine heiligeKripp von Lelio dellada No-vellar, einen todtenChriſtus, wie er eben in ſeinGrab gebettet wir | voda Carpi (brillant), Nym-phen von Satyrn überfallevon Rubens und einigintreſſante Portraits voSubstermans, SpagnolettoMorone, Tintoretto unAndrea del Sarto (letztregiebt auf einem Blatt ſein undſeiner Frau Por-trai.Ausgezeichnet iſt ferner ein ziemlich großes Bilvon Giov.Giovanni da San Giovanni: Sechs, ſieben Jägerauf der Jag. Wundervolle Köpfe
      A.Andrea del Sarto KreuzabnahmeFra Bartolomeo Abnahme vom KreuzCigoli Abnahme vom Kreuz
    • Palma Vecchio das Abendmahl zuEmmau(Chriſtus, Petrus uund einAlter, weißbärtiger; eine Frauengeſtalt; Petrus vorzüglich.
    Dazu kommen
    zwei Murilloſche Madonnendie eine wunderſchön, erſteRanges, im nicht⸗vaporoſeStil; die andre die „Madonnamit dem Roſenkranz wenigebedeutend. – Die eigentliche Bedeutung dieſes Saales beſteht aber in den Portraits. Sie ſind beinaſämtlich wundervoll. Rafael: Angelo Doni; Magda-lena Strozzi Don; Papſt Leo X. Tizian: PaterAretin. Carl.Carlo Dolci: Diogenes. Rembrandt: erſelbſ. Schiavone: verſchiedene. P.Paolo Veroneseſeine Frau
    H all of Mars. Dieſer Saal iſt im Ganzen minder bedeutend als der vorige. Hiebefindet ſich die berühmte, ewig kopirte, aucjetzt wieder auf zwei Staffeleien verarbeitetMadonna della Sedia. Sie ließ mich auch hiewieder kalt. Eine ſchöne, junge Frau von freundlicheGeſinnung; nichts Hohes, Großes, Tiefes, Ewiges.. Ein ſich anklagender, weinender Petrus iſt 2 mada; einmal von Guido Reni, einmal von CarloDolc, beide gut; namentlich der erſtre. Bedeutend iſt Cigoli’s Ecce Homo; eigenthümlicAndrea del Sartos heilige Familie. Bedeuteniſt auch C.Christofano Allori’s Judith, mit dem Kopf desHoloferne wie einen Pompadour in deHand. (Hiernach hat, glaub ich, der ſelige Wacſein Judith-Bild vor einigen 30 Jahren gemalt.Bedeutend ſind ferner 3 Bilder von Rubens
  • 1. die Folgen des Krieges (der Krieg, mißgeſtaltet, mit Fackel vorauf; die Künſte aBoden liegend, zertretend; der geharniſchtKrieger führt die Braut heim; die ſich ziemlich willfährig drin und ergiebt; Amorettenecken und ſchäkern mit der Entführtenals wollten ſie ſagen: uns gilt egleich; unſer Reich blüht immer, in Kriewie in Frieden.) 2. Der heilige Franciscu
  • 3. Portraitbild. Er ſelbſt, ſein Bruder, Lipsius und Grotius. – Portraits von VanDyc und Tizian (ausgezeichnet). – FerneFerner Guido Reni (Rebecca am Brunnen) und Gior-dan (Empfängniß Mariä.
    • 1. die Folgen des Krieges (der Krieg, mißgeſtaltet, mit Fackel vorauf; die Künſte aBoden liegend, zertretend; der geharniſchtKrieger führt die Braut heim; die ſich ziemlich willfährig drin und ergiebt; Amorettenecken und ſchäkern mit der Entführtenals wollten ſie ſagen: uns gilt egleich; unſer Reich blüht immer, in Kriewie in Frieden.) 2. Der heilige Franciscu
    • 3. Portraitbild. Er ſelbſt, ſein Bruder, Lipsius und Grotius. – Portraits von VanDyc und Tizian (ausgezeichnet). – FerneFerner Guido Reni (Rebecca am Brunnen) und Gior-dan (Empfängniß Mariä.
    Hall of Venus. Die bedeutendeSachen in dieſem Saal ſind: zweDürer (Adam u. Eva), zwei Marievon Salv.Salvator Rosa, zwei Landſchaftevon Rubens, 1 Portrait voRembrandt, 1 Portrait voTizian (im Stich bekannt), 1 Spag-nolett den St.Sankt Bartholomäus darſtellend, 1 Ruſtichino Todder heilig.heiligen Magdalen,(die Figuder Magdalene iſt ſchön; ſonſnicht), 1 Manrfredi GoodLuc, anzüglich, hogarthiſchaber ſehr hübſch und lebensvoll; 1 Rosselli deTriumph Davids; Tambourin unCymbel rührende Frauen führen ihn heim (ſehr ſchön.Hall of Apollo. In dieſeSaale iſt nahezu alles bedeutend und ſelbſt das was zurückſteht, iſt immer noch höchſreſpektabel. Schöne Sachen von 6Palma Vecchio, Perugino, Cigo-l, Pesarese, GuercinomeoPordenone, Fra Bartolo, Andrea del Sarto etcDie Hauptſtücke, von den Portraits abgeſehen, ſcheinen mizu ſein
      Via Tornabuoni: Corsi, Larderel, Strozzi
    • Lungarno Corsini (zwiſchen den 2 Brücken linkvon Ponte Vecchio): CorsiniDiesehat einabweichendForm
    • Via della Vigna nuova (links von TornabuoniRucellai
    • Via della Scala (von Piazza S. Mar: Santa Maria Novelllinks auslaufend): Stiozzi⸗Ridolf
    • Via Cavour: Riccardi Palace
    Stadtplan (Ausschnitt); Florenz, FirenzeFlorenzFirenzeFlorenz. CascinSusperioBridgVia della VignanuovTornabuonVia CorsoDoVia CavouP.Porta RossPiazzaDella SignoriaViamercatonuo⸗voPor. S.Porta SantaMariVia CondottVia delPro⸗con⸗solPiazzadelMercatVia della SpadSanTrinitallaCarrajVecchialle Grazi
    Der Lung Arno läuft vorzugsweiſe an der Nordſeite des Fluſſes
    Zwiſchen dieſen 4 Brückeliegt, nach Norden zu, die ganzGeſchichte und zwar zwiſcheden 2. mittleren das Hauptſtück. – Die Hauptſtraße iſeine etwas unregelmäßig gehendFortſetzung von Ponte Vecchio und heißVia Calzaiolidieſe iſbeideVierecken gemeinſchaftlichDas eine Viereck wirvon der Via Tornabuonidas andre von eineunwichtigen Via flankirt. Den Fuß bildeVia Porta Rossund Via Condottanach Norden zP.Piazza del MercatoVia CorsoDoetc tllio Dr. Klugmann. 7
    Gebäudeaufriss; venezianisches Gebäude. MoſaiMoſaiGolStei

    Vêtre e Moſcaico
    Venezia e
    Murano
    Salviati & CompagnieIm ersten
    und
    u
    2. Stock vierMedaillons Cadoro. Grimai(früher Poſt),. PisaniBarbarigo. Pecuro VVendraminCalerg. CornerSpinelli. ToscaniDue TurcheReuleaux’s Aufſatüber Dr. Salviati ſtehSpenerſche Zeitung vo19. 20. und 21. Novembe187
    Casa Nardin
    Borgo S. Apostoli 17secondo piantocasa Santi
    Gilli u. Letta. piazza dellSignoria
    2 früh StücBieretcet cetera..
    Wital. 1 Kaffee.
    delle antiche carrozze.Mittag. (Barile. Die Noth zur Tugend gemacht ſamkeit; außerdem ſinddie Sachen voll Geiſt unglücklicher AnspielungeSDahin rechne ich, daTizian ſeine Hauptwerkim Hintergrunde hatbei Canova, daß deMarcuslöwe, geflügeltſden Eingang zu ſeineGrabthür bewacht undoch zugleich zu trauern ſcheint. Abeman kann vielleichſagen: Er ruhtin trübem, ſchmerzmüden Schlummer a
    The accompanyinis placed herby the Wife oan Enkel (Chiloder Gebr) whis
    Mister
    Mr.
    TalbotShakespeadescendant othe immortaPoet Veron4. Juni 1874 Ich kann beide nichſehr bedeutend findenSie wirken gut unauch eigenthümlich dadurchdaß man das, waman in voller Plaſtizu ſehen gewohnt iſ(Pyramide und St DeniDenkmäler) hier Hautreliefartig, ſo weit diArchitektur in Betrachkommt, auftritt. Eſind bloße Façadeder Dinge. Dieiſt nicht ihre Wirkder Eingangsthür, dieiſt geiſtvoll. Abeim Uebrigen ſinbeide Sachen durcund durch modernCanova’s (grade voihm ſelbſt mittelbaherrührend) gradezſtörend, weichlich, ſentimental. Tizianweniger, aber dafüdoch auch genaueredenn der Gedanke diAssunta im Hintergrund zu geben iſſo zu ſagen die kraft der Pauvreté
    Die Reiſe begann damit, daß icnoch, 5 Minuten vor
    der
    d.
    Abfahrt, ein„Reiſebuch für Italien fand“, dafüaber meine Ordre vergaß. Ich habſie mir poste restante nachſchickelaſſen. Hörnchen Düte miitalieniſchen Vocabeln unPhraſen. Dick. Man ſiehwas geſchieht, wenn eineder Spiegel der WahrheifehltPaul wohnt Luiſentraße; muthmaßlicNoNumero 49
      1. Droſchke nehmen 7
    • 2. Poſt
        Brief nachtragenCorrespondenzkarten
    • 3. Eiſenbahn
      • Wegen Innsbrucfragen
      • Billets nehmebis Rom
    • 4. Flaniren. Alt⸗MünchenLudwigsſtraße. Lud-wigskirch. Glyptothek
    • 5. Wieder fahren
    Rom. Ehlert empfiehldie Straßen in der Nähdes ſpaniſchen Platzes
    Pietſch ſagte: In unmittelbarer Nähe voFontana di Trevi iſein ZimmervermiethungsComtoir, das gut bedient. Er ſelbſt wohnte Piazza Poli NoNumero 8Zimmer pro 2 FranctäglichNeapel. Pietſch empfiehlt im Hotel deGenèv oder im HôtelPlebiscit abzuſteigen, dann aber möblirte Zimmer in deSeitenſtraßen des To-led ſuchen. Odeauch in Santa LuciaUlrico HöplBuchhändler iNeapelPompeji. In El SolSehr gut
    Sgr.Silbergroschen Pagano auf CapriPenſion täglich 5 FrancsMan miethet tageweis
    Die Fahrt macht man ſoVon Neapel (Santa Luciaim Dampfer nach Capri. Gleicblaue Grotte etc. vom Dampfeaus. Dann hinauf zu Pagano. Dort 2 Tage. Danin der Poſtbarke nacSorrent. Im Wagevon Sorrent für 3 1/Francs nach CastelamareDann gleich nach Pom⸗pej. (Oder die ganzTour auch umgekehrt.
    Verona.
    ie goldne Taube. 2. R.Reichstaler
    a Torre di London. 1. R.Reichstaler
    Geld wechſeln in Veronauf der Piazza d’ErbeGeldwechsler. 100 Reichstaler erhälman 400 Francs. ImmeBanca national; die großeStadtbanken reichen nufür nahgelegene Streckeaus. Ganz kleines Geldzeug muß man ſicgefallen laſſen in Lokalpapieren zu erhalten
    Sehenswürdigkeit. GroßeAmpthitheate. – Marktplatz. Drei Kirche. – Giardino Giusti. (Siehe Wichmann’s Notizen
    Venedig
    Die Luna. 2. RangesPietſch empfiehlt: HôtelBaue (wahrſcheinlich) eineHerrn Grünwald gehörigEs liegt an einem kleinen Kanal, dicht bei deKirche San Moyse
    Florenz.
    Ehlert empfiehltPenſion der MadameLauren, 11 Viadel Polito Santo Spi-rit 3° p.° Penſionsprei6 Francs pro Tag
    Pietſch empfiehlt
    Lungarno AccjuoliNoNumero 12 1 TreppeDickes
    italienisches
    ital:
    Paar, das
    französisch
    franz:
    spricht. Wohnung 2Francs täglich. Café 25 Centime
    Briefe die in München geſchriebewerden ſollen: Rodenberg, LindaFrenzel, Adami, Foſs, Pietsch, BraunStadtger. R.Stadtgerichts Rat Lessing (er u. ſie), Hahn, HoltzSchneider, Gentz, Frl. v. Rohr, FrauLübk, Blumenthal, Remy, Herrlic

    X Paris, 9. Oct.Oktober Das proteſtantiſche Blatt Le Chriſtianisme au XIXSiècle bringt folgende Stelle aus dem Teſtamente Guizot’s: „Ich ſterbe ider chriſtlich⸗reformirten Kirche, in welcher ich geboren bin, und in der geboren zu ſein ich mir Glück wünſche. Indem ich immer mit ihr vereinigblieb, machte ich von der Gewiſſensfreiheit Gebrauch, welche ſie ihren Gläubigen in ihren Beziehungen zu Gott geſtattet, und die ſie ſelbst bei ihrer Gründung anrief. Ich habe geprüft; ich habe gezweifelt; ich glaubte an die genügende Kraft des menſchlichen Geiſtes, um die Probleme zu löſen, welchedas Weltall uns Menſchen ſtellt, und an die genügende Kraft des menſchlichenWillens, um das Leben des Menschen nach ſeinem Geſetz und ſeinem moraliſchen Ende zu löſen. Nachdem ich lange Zeit gelebt, gehandelt und nachgedacht habe, bin ich überzeugt geblieben und bleibe überzeugt, daß weder daWeltall noch der Menſch genügt, um ſich durch die einzige Kraft der immerwährenden Geſetze, die dort herrſchen, und des menſchlichen Willens, der ſich dorentwickelt, auf natürliche Weiſe und aus ſich ſelbſt erklären und regeln zu laſſenEs iſt mein tiefer Glaube, daß Gott, der das Weltall und den Menſchen geſchaffen, ſie regiert und ſie bewahrt, oder ſie entweder durch jene allgemeineGeſetze, welche wir natürliche nennen, oder durch ſpecielle, gleich den natürlichen Geſetzen, aus seiner vollkommenen und freien Weisheit und ſeiner Allmacht hervorgegangenen Handlungen verändert, welche wir übernatürlichnennen, die in ihren Wirkungen zu erkennen uns geſtattet iſt, welche in ihreWeſenheit und in ihren Abſichten zu erkennen uns vorenthalten iſt. Ich bin alſzurückgekehrt in meine Wiege, immer feſt anhaltend an der von Gott erhaltenenVernunft und Freiheit, die meine Ehre wie mein Recht auf dieſer Erde ſinaber mich wieder als Kind fühlend unter der Hand Gottes, und in mein ſgroßes Theil der Unwiſſenheit und der Schwäche aufrichtig ergeben. Icglaube an Gott, und ich bete ihn an, ohne den Verſuch zu machen, ihn zu begreifen. Ich ſehe ihn anweſend und handelnd, nicht allein in der fortdauernden Regierung des Weltalls und in dem innern Leben der Seelen, ſonderauch in der Geſchichte der menſchlichen Geſellſchaft, namentlich in dem alteund neuen Teſtament, den Denkmälern der göttlichen Offenbarung und Waltung durch die Vermittlung und das Opfer unſeres Herrn Jeſus Chriſtufür das Heil des menſchlichen Geſchlechts. Ich beuge mich vor den Myſterieder Bibel und des Evangeliums und bleibe außerhalb der wiſſenſchaftlicheDiscussionen und Löſungen, durch welche die Menſchen ſie zu erklären verſuchhaben. Ich habe das Vertrauen, daß Gottt mir geſtattet, mich einen Chriſtezu nennen; und ich bin überzeugt, daß in dem Lichte, in welches ich bald eintreten werde, wir den rein menſchlichen Urſprung und die Eitelkeit des größteTheils unſerer irdiſchen Erörterungen über göttliche Dinge einſehen werden.
    ganzen Tone, in deſchön anderweit bei ihenden Staatseinrichtungedem ſind und ihre Partekönnen. Und was hieutoritäten geſchieht, gehen Proceß gegenübenfalls pſychologiſch ervon der Verhaftung deGedanke an irgenund im Zuſammenichkeiten des Fürſteeinander gegenüberie Kreuzzeitung thutſein muß, daß dienommen im regelan eine Art Zweiten ſucht und darapreis der politiſchht mehr als klaraum einer ChanceKreuzzeitung muund dabei auhaftung nicht dehat, zuzuſchreibechtfertigter Weiſden kann. Eein Hebel angenbekümmert uiſt, ſie hat ſicicke hat ſie ewird, ſich zumilienzimmersſtändig überng vor ſicaus dem ganzen Tone, in deder Artikel geſchrieben, in der That die auch ſchon anderweit bei ihhervorgetretene Abſicht hervor, jetzt an den beſtehenden Staatseinrichtungeund deren Autorität im Volke zu rütteln, nachdeder Artikel geſchrieben, igervorgetretene Abſicht heund deren Autorität inicht mehr die Herrſchafgegen öffentliche Einrichtuhieht bei den Betrachtuner hervorragenden Perärbar, daß im erſteGrafen Arnim in nichein hochpolitiſches Unternhange mit früheren VBismarck und des Grtehend erſchienen. Wenuch jetzt noch, wo JedeVerhaftung ein reicmäßigſten Geſchäftsgangampf zwiſchen Bismarce Folgerung fortwährnfluß auf dem Spieluf dieſem Beſtreben wdie Launenhaftigkeit ihReichskanzler ſonderei und der erſtere avorgenommen wäre, enügte ihr, einen Putzt werden konnte, upolitiſche Ehrlichkeit. erlebt und fühlt eslbſt geſagt. Nun auhe zu begeben, wilWir wollen hoffen, dannen wird und da
    Insgesamt sind an Tizians Grabmal fünf seiner Gemälde als Reliefs wiedergegeben: oben links die Pietà, oben rechts die Heimsuchung, unten links Petrus Martyr, unten rechts die Marter des St. Laurentius und in der Mitte die Assunta. Vermutlich meint Fontane neben der Assunta die unteren beiden. Die Erläuterung in HFA III, Bd. 3/2, es handele sich um „die Assunta, de[n] Petrus Martyr und die Pieta“, also neben der Assunta die beiden linken Bilder, ist in jedem Fall unwahrscheinlich; vgl. HFA III, Bd. 3/2, S. 1516.Die Scala dei Giganti wurde nicht von Palladio, sondern von Antonio Rizzo erbaut; vgl. Thieme/Becker, s.v. Rizzo, Antonio.Dieses Museum befindet sich heute nicht mehr im Dogenpalast; vgl. Reclam, Bd. 2: Oberitalien Ost, S. 977.Vermutlich ist das Exemplar von Jacopo de’ Barbaris Venedigplan im Besitz der Biblioteca Marciana gemeint, deren Bestände sich damals im Dogenpalast befanden. Bei diesem handelt es sich um den zweiten Zustand, der zwar die Jahreszahl MD trägt, aber auf ca. 1514 datiert wird; vgl. Pignatti 1964, S. 41.An dieser Wand befinden sich nur sieben Gemälde, während das achte aus diesem Zyklus sich an der angrenzenden Querseite des Raumes befindet; vgl. Wolters 2010, S. 140-144.Keines der acht Gemälde stammt von einem Vecellio. Neben den von Fontane genannten Domenico Tintoretto und Andrea Vicentino waren Jean Leclerc, Palma il Giovane und Antonio Vassillacchi gen. l’Aliense an diesem Zyklus beteiligt; vgl. Wolters 2010, S. 140-144.Die Seeschlacht bei den Dardanellen fand 1656 statt; vgl. Wolters 2010, S. 169.Dieses Werk wird mittlerweile Hans Rottenhammer zugeschrieben; vgl. Radecke 2002, S. 108.Dieses Werk stammt nicht von Benedetto Caliari, der sonst mit „Cagliari“ gemeint ist, sondern von seinem Bruder Paolo Caliari gen. Veronese; vgl. Baedeker Venedig, S. 205.Dieses Werk stammt nicht von Benedetto Caliari, der sonst mit „Cagliari“ gemeint ist, sondern von seinem Bruder Paolo Caliari gen. Veronese; vgl. Baedeker Venedig, S. 203.Dieses Werk wird mittlerweile Quentin Massys zugeschrieben; vgl. Börsch-Supan 2004, S. 77.Drei dieser Statuen wurden als Porträts von Mitgliedern römischer Kaiserfamilien identifiziert, eine vierte als gefangene Barbarin; vgl. iDAI.objects arachne, https: //arachne.dainst.org/search?q=places.gazetteerId: 2089104.Diese Skulpturengruppe ist eine römische Kopie nach einem griechischen Original und stellt nicht den sterbenden Ajax dar, sondern Menelaos (oder Ajax) die Leiche des Patroklos (oder des Achilles) bergend; vgl. iDAI.objects arachne, https: //arachne.dainst.org/search?q=places.gazetteerId: 2089104 sowie Weis 1998, .