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C8beta

1874.

lfflerhanr-S

Mittwoch d.
Testdender
30
. Sept.


Abreise 8 12 früh vom Anhaltiner-Bahnhof. Ankunft gegen 12 in Leipzig. Messe. Flanirt durch die Stadt und um die Stadt. Die alten Plätze besucht. Diese die alten geblieben; sonst alles sehr verändert; ein ungeheurer Aufschwung überall sichtbar. – Gegessen im Restaurant Stephan. Nach Gohlis; im Schillerschlößchen Kaffe getrunken. Durch das Rosenthal Uva or Ova Si vor piace bei Kinschi und Bonorand vorbei, in die Stadt. Nach Schoenfeld zu Lazarus hinausgefahren. Vier sehr angenehme Stunden daselbst zugebracht. Oberstlieutenant Reese zugegen. Um 11 auf den bairischen Bahnhof zur Abreise.

Donnerstag d.
dender
1. Ok tober

In der Nacht auf Eger zu. Gegen 7 in Eger. In der Ferne, im ersten Sonnenlicht, Schloß Eger (so weit ich es nach einer Photographie controlliren kann) deutlich gesehn. il train ove lo train Von Eger bis Regensburg. Die Landschaft trist; nur dann und wann, ein feines Landschaftsbild, aber immer klein, lokal begrenzt. Erst der Blick von der Eisenbahnbrücke, die kurz vor Regensburg über die Donau führt, ist schön und groß. Nach rechts hin die Stadt mit dem prächtigen Dom, nach links schöngeformte Ufer und in einiger Entfernung, sehr gut erkennbar, die hoch auf einem vorspringenden Berge gelegene Walhalla. Mächtige Treppengänge führen hinauf. – Bald nach 4 Uhr Nachmittags in München. Quartir genommen im Hôtel Marienbad. Gut. Versuch Paul Heyse zu finden. Erst gescheitert. Dann bei v. Schack es erfahren.
Paul Heyse
P. H.
wohnt in der Louisenstraße 49 in unmmittelbarer Nähe der Propyläen. Anderthalb Stunden angenehm mit ihm geplaudert. Müde nach den Strapatzen von Leipzig und Nachtfahrt zu Bett.

Freitag d.
dender
2. Oktob er
.

München zu Fuß und zu Wagen durchstreift. Basilika, Ludwigskirche, Treppenhaus der Bibliothek, alte und neue Residenz, Arkaden, Ruhmeshalle, Wachtparade, Post, Bahnhof (Billets für Rom) Frauenkirche, in ihr das wunderschöne Grabdenkmal, über das Weiteres nachzulesen ist. Bei Dell’Armi, dicht an der Frauenkirche, gut und preiswürdig gegessen. Auf den Marienplatz. Dieser Platz wirklich höchst intressant, sowohl durch seine ganze Anlage, wie durch seine Einzelnheiten: Der benachbarte (mitwirkende) gothische Thorthurm mit den charakteristischen Bildern und Inschriften, neues gothisches Rathhaus, Rathhausbrunnen (modern; reizend), die Mariensäule selbst etc. Sonderbar ist es, daß sich – unmittelbar außerhalb – des Thores in einem ehemaligen Heiligen Geist-Hospital, das noch Fresken aus der Zeit her an der Wand trägt, jetzt die Fleischhalle ist. Man sieht also über den Ladenthüren kranke Greise, die in wenig delikatem Zustande herangeschleppt werden und darunter Fleischmassen von Rind und Kalb, die doch wo möglich mit Appetit verzehrt werden sollen.

Die Stadt ist reich an Renaissancebauten aller Arten; über ein beinah kirchlich aussehendes Gebäude, das neben dem ehemaligen großen Klostergebäude (jetzt Magazin) steht,bin ich in Zweifel geblieben. Es hat eine lateinische Inschrift, nach der ein Herzog Wilhelm von Rheinpfalz und Baiern, diesen Bau gegründet hat (fundavit.) – Um 4 bei Paul Heyse zum Kaffe en famille; das Geplauder vom Tage vorher fortgesetzt. Um 6 fort. Noch ’mal v. Schacks Haus gemustert; dann ins Hôtel; gepackt, geschrieben. Um 10 Uhr Abend Abfahrt nach Innsbruck.

Sonnabend d.
dender
3. Okt ober


Der Zug ging nicht Abends am 2. Oktober. So denn Abfahrt am 3. um 9 Uhr 10 Minuten. Anfänglich höchstens Gegend à la Luckenwalde; erst bei Rosenheim wird es schöner, – plötzlich hat man die bairischen Alpen vor sich und im nächsten Moment ist man drin und fährt, Berge links und rechts, das Inn hinauf. Die Bergparthien bleiben an Grandiosität hinter den Schweizer-Bergen weit zurück, doch treten sie, der Zahl nach, massenhafter an einen heran. Das Einzelne wirkt nicht bewältigend, aber das Ganze macht einen bedeutenden Eindruck. Kuffstein, Grenzfestung, liegt
Von München nach Verona.
  • 1. Che ora parte il train per Venezia?
  • 2. Che ora arriva il train nella Venezia?
  • 3. (Fiacre) Quanto costa un ora?
  • 4. La ferróvia.
  • 5. Un Billeto, due Billeti per Venezia. Quanto costa?
ähnlich imposant wie Bellegarde, das den Jurapaß zwischen Schweiz und Frankreich schließt. Nach Kuffstein kommen die Städte Schwaz und Hall, hübsch gelegen; dann Innsbruck, das einen eminent langweiligen Eindruck macht. Einen desto beßren machte die Bouillon mit Leberknödel seines Bahnhofs. Hinter Innsbruck beginnen die Tunnel und die Bahn klettert, über den Iselberg hinweg, bis zum Brenner-Paß hinauf. Hier scheiden sich Deutschland und Italien, wenigstens geographisch wenn auch nicht politisch; Südtirol beginnt. Man kommt nach Sterzing, dem Geburtsort Speckbachers (auch Passeier [Hofer ] in der Nähe) und fährt nun im Etsch-Thal hinab, wie man vorher das Inn-Thal hinauffuhr. Erst Brixen, weiß mit Schindel oder Schieferdächern, dann Franzensfeste, wo eine Bahn nach Triest abzweigt, dann Botzen. Franzensfeste ist ein ziemlich bedeutender Bau, modern, Gasometer-? artige Rundthürme mit Geschützöffnungen. Botzen lag da, wie ich Dover zu sehen pflegte: ein paar Schattenstreifen am Berge hin und die Schattenstreifen durch hundert Lichter belebt. Das Botzener Obst wurde am Bahnhof durch eine harte Birne repräsentirt, die ich für 6 Kreuzer acquirirte. Dann Trient, dann Rovoredo. Um etwa 11 Uhr Ankunft in Verona. Unterkunft gefunden in Colomba d’oro. Zimmer 36 machte anfangs einen so bedenklichen Eindruck, daß ich es mit dem Licht in der Hand absuchte und einiges Kleinzeug (Spinnen, Spinnweb, Ohrwürmer, Gnitzen) verbrannte. Die gefürchtete Störerin meiner Nächte, das kastanienbraune Plattthier blieb aber aus. Ich gebrauchte die Vorsicht in die Klinse der wenig geöffneten Thür ein brennendes Licht zu stellen. Dies rettete uns vor Gnitzen und gab mir die Befriedigung ein Licht verschwinden zu sehn, das ich doch bezahlen mußte.

Sonntag den 4. Oktober
In Verona.

Frühstück im Hôtel. Auf die Piazza Brà (Brà) mit dem römischen Amphitheater. Großartig und vollendet; Triumph geschmackvoller Technik; von Kunst, die vom Himmel stammt, keine Rede.
Porta Borsari; auch altrömisch.
Dann auf die Piazza Erbe oder d’Erbe. Gemüsemarkt. Höchst intressantes, italienisches Treiben, heiter, lachend, laut, bunt, policinellhaft.

Dicht dabei die Piazza dei Signori der Hauptplatz der Stadt. Hier sind einzelne Gebäude von Bedeutung, dazu die neuerdings restaurirte „Veronesische Ruhmeshalle“, Statuen von Dante in Mitte des Platzes und dahinter, höher angebracht, eine zweite andren italienischen oder veronesischen Celebrität, von einer, ein Arrangement was höchst glücklich wirkt. Etwa so:
Grundriss; Piazza dei SignoriPiazzadeiSignoriVeronaPiazza dei Signori (Verona) mit der Dante- und der Fracastoro-Statue. c a b

  • a und b sind zwei Hälften ein und derselben Straße, die durch den Platz so zu sagen unterbrochen wird.
  • C ist die Dante Statue in Mitten des Platzes; bei a ist die Höhe von 30 Fuß oder mehr die Straße durch einen Bogen überspannt und auf diesem Bogen steht um die zweite Statue, die über dem Kopf Dantes hinwegblickt.

Dicht an diesem Platz eine kleine Straße mit Kirche und Kirchhof; letztre beiden umgittert. Auf diesem kleinen umgitterten Kirchhof stehen die beiden Grabdenkmäler zweier Scaliger. Höchst interessant. Etwa so
Vorderansicht; Scaligergräber, Grabdenkmäler zweier Mitglieder ScaligerScaligergraeberGrabdenkmaelerzweierMitgliederScaligerVeronaGrabdenkmal der Scaliger (Verona, Friedhof S. Maria Antica).
Ebenfalls in unmittelbarer Nähe der Piazza dei Signori ist ein andrer Kirchplatz, mit einer großen alten Kirche, in der „Indulgenza plenaria“ auf einer Eintrittstafel angekündigt war. Die Kirche drückend voll. Ein Geistlicher predigte. Das Ganze wie eine Parade-Cour; man kam und ging.

Flanirt in der Stadt. Dies und das gesehn. Alte Brücke, Kirchen, Plätze, römische Ueberreste. An der Piazza Brà erbärmlich gegessen. Dann in einen Wagen nach Giardino Giusti; drei hundert Jahr alte Cypressen; 120 Fuß hoch, kostbare Trauerweide. Anblick von der Höhe des Gartens.
Adolphe
A.
Thiers
u. Böck lin im Fremdenbuch. Dann in den Palazzo Capulet (jetzt eine Art Aussparung) vorbei nach einem Vorstadts-Garten in dem sich Tomba di Giulia befindet. Sackgasse, Thorweg, langer Festungsgang, langer Gartengang, dann rechtswinklig abbiegen, dann eine Art Gartenhaus mit gelbrothem Zimmeranstrich, Verkaufstisch von Kinkerlitzchen, und auf einer oder zwei Treppenstufen die tomba selbst in halber Höhe. Unten etwas ausgehöhlt. An der Wand ein kostbarer Immortellenkranz mit englischer Visitenkarte. Im Zurückgehen
Adolphe
A.
Thiers, Frau und Schwägerin.

Gegen 6 Uhr nach Venedig. Fahrt über Vicenza, Padua, Mantua und die colossale Lagunen Brücke. Ankunft gegen 10. In einer Gondel den Canal Grande hinunter, unterm Rialto fort, bis zum Hôtel Bauer.

Montag den 5.
Oktober
Oktob.

In Venedig (1. Tag)

Hôtel Bauer ist ein großes Etablissement: Hôtel, Pension, Chambre garni, Restaurant, alles zusammen, aber in drei, vier Häusern vertheilt, die alle an einem Seitenkanal des Canal grande in unmittelbarer Nähe der Kirche San Moisé und in ziemlicher Nähe (300 Schritt) des Marcusplatzes liegen. Besonders ausgezeichnet ist das Restaurant. Hier herrscht von früh 9 Uhr an das regste Leben in einem etwas rustrigem, aber geräumigem Lokal, so recht ein gutes deutsches Kneipenlokal. Bedienung prompt und freundlich, alles was man genießt sehr gut, das Bier ausgezeichnet. Wir haben sehr angenehme Stunden an dieser Stelle zugebracht. Gleich am Sonntag Abend, unmittelbar nach unsrer Ankunft, nahmen wir hier eine gute Abendmahlzeit. Alle Deutsche finden sich hier zusammen.

Am Montag früh, nach einem Frühstück im Hôtel selbst, an San Moisé Marcus-platz vorbei auf den und die Piazzetta. Der Anblick Beider ist bewältigend. Welcher der schönre von beiden, ist schwer zu sagen. Man sollte, so weit Landschaft und Architektur in Betracht kommen, geneigt sein der Piazetta den Vorzug zu geben. Sie hat den überaus malerischen Dogenpalast, hat eine Flanke der Marcuskirche, nimmt an dem Campanile (der an der Ecke beiderPlätze steht) Theil und hat zu dem allem die wundervolle Aussicht auf die Lagune und die Inseln San Giorgio maggiore und La Giudecca. Dennoch ist der Marcusplatz, der außer der Front der Marcuskirche nur mächtige, aber einförmige Colonnaden zu beiden Seiten hat, der bevorzugtere Aufenthalt und wie mir x scheinen will mit Recht. Ob das was ihn anziehender macht die Schönheit und Größe seiner Verhältnisse, oder eine günstigere Beleuchtung, oder die Marcus-Façade oder die lachende Heiterkeit seiner Läden und seines Lebens und Treibens ist, stehe dahin; aber es ist eine Thatsache, er gefällt mehr und absorbirt alles Fremden-Leben.
Grundriss; Markusplatz, Piazza, MarcusplatzMarkusplatzPiazzaMarcusplatzLaguneMarkusplatz in Venedig. Marcus Kirche Dogen-Palast Uhr-Thurm Campanile Die drei Flaggenstangen Piazetta Markus Löwe Heilige Theodor. Die alten Procuratien Marcus-Platz Die neuen Procuratien Palazzo reale, der das Hinterstück der Garten mit Gittern Bibliothek Quai Quai Quai
Mauer, durch Napoleon I. hinzugefügter Flügel der Palazzo reale, den das Hinterstück der neuen Procuratien bildet.
Die Piazetta mündet auf einen Quai, an dessen kleinen Landungsbrücken zahllose Gondeln liegen; nach links hin läuft dieser Quai erst an der einen Flanke des Dogenpalastes hin, überbrückt dann einen Canal (Ponte delladi Paglia) und nimmt nun weiterhin den Namen Riva delli Schiavoni an. Nach rechts hin läuft der Quai nur noch eine kurze Strecke an Garten und Gitter des Palazzo reale hin; hier hat der Quai ebenfalls einen eigenen Namen, den ich jedoch vergessen habe. – An der Riva liegen die Dampf Schiffe, die nach Triest, Chioggia und dem Lido fahren. Hier singen Abends die Schiffer volksthümliche Weisen, hier ist noch ächtes venetia

nisches Leben, während auf dem Marcusplatze meist nur Fremde aller Nationen getroffen werden. – Links von der Ponte della Paglia, den schmalen Kanal zwischen Dogenpalast und dem Gefängnißgebäude überbrückend ist die Seufzerbrücke, Ponte dei Sospiri. – Der Rialto ist mitten in der Stadt und
Grundriss; Markusplatz, Piazza, MarcusplatzMarkusplatzPiazzaMarcusplatzLaguneMarkusplatz, San Giogrio Maggiore und La Giudecca in Venedig. Cafe orientale Riva delli Schiavoni Marcus ✝ Dogenpalast
San Giorgio Maggiore
La Giuadecca
überbrückt mit einem mächtigen Bogen den Canal grande, gerade halben Wegs zwischen dem Bahnhof und der Piazzetta.

Die Post, die sich früher in einem alten Palast am Canal Grande befand, ist jetzt in verhältnißmäßig geringe Entfernung vom Marcusplatz. Man biegt in die Gasse neben dem Uhrthurm ein und gelangt dann sehr bald an den ersehnten Platz der Poste restante-Briefe. Ich fand daselbst die Correkturfahnen vor, die mir Goldiner getreulich nachgeschickt hatte.

Flanirte abwechselnd Eis, Absinth, Kaffe.

Um 6 ins Hôtel zum Diner. Frau v. Noville und Tochter an der Table d’hôte getroffen. – Um 9 mit Novilles auf den Marcusplatz. Um 10 mit Emilie zu Biere im Restaurant Bauer.

Dinstag d.
dender
6. Oktober
.

Zweiter Tag in Venedig.

Emilie mit Novilles ausgeflogen. Ich im Hôtel geblieben um die Fahnen zu corrigiren. – Um 2 aus. Erst Frühstück im Restaurant. Dann in die Kirche Santa Maria dei Frari. Sie enthält die Grabdenkmäler einer Anzahl von Dogen und andren Größen der Republik, namentlich auch die Grabdenkmäler Tizians und Canovas, beide einander gegenüber. Ich finde beide nicht besonders; sie verschwinden neben den großartigen Leistungen der Peter Vischerschen Kunst und Schule in Nürnberg, München, Innsbruck. Das dem Tizian errichtete Grabdenkmal ist kümmerlich; in der Rundbogenhalle einer Renaissance Architektur sitzt der alte Meister zwei symbolische Figuren neben sich, während hinter und neben ihm drei seiner berühmtesten Bilder in Basrelief wiedergegeben sind. Darunter als Hauptbild die Assunta. Dies ist die billigste Manier sich loszukaufen. So kann man 12 Denkmäler in einer Stunde componiren; immer eine Büste oder Statue und die Werke des zu feiernden Meisters in Copie drum umher. – Das Denkmal Canovas ist nicht viel besser, wenn ihm auch Geist und Eigenthümlichkeit nicht abzusprechen ist. Man sieht eine Grab-Pyramide (die Façade derselben reliefartig vorspringend) und drei trauernde Frauen-Gestalten, unter ihnen als 4. Figur ein Fackelträger, schreiten auf die halbgeöffnete Thür des Grabes zu. Von der andern Seite ein geflügelter Löwe, wie er scheint in stillem Schmerz entschlummert und neben ihm ein trauernder Genius. Dies alles klingt ganz gut und könnte bedeutend wirken, wenn nicht die Gestalten selbst alle tief in süße Weinerlichkeit getaucht wären. Es ist modern-sentimental und wirkt beinah unangenehm. Nur im ersten Moment wirkt die Eigenthümlichkeit der Composition sehr günstig.

Von Santa Maria dei Frari zur Academia delle belle Arti am Canal Grande. Ich hatte nur noch Zeit zu einer flüchtigen Besichtigung der hier aufgehäuften Schätze, die bei diesem ersten Besuch einen geringeren Eindruck auf mich machten, als ich erwartet hatte. Die beiden berühmten Tizians : Maria’s erster Gang in den Tempel (als etwa 10 jähriges Kind) und selbst die „Assunta“ nahmen mein Herz nicht gefangen. Erstres wirkte ein klein wenig komisch, letztres schien mir hinter der Himmelfahrt Mariäs desselben Meisters in Verona zurückzubleiben. (Ich wurde aber später total bekehrt.)

Von der Academie auf den Marcusplatz. Den Campanile bestiegen; Sonnenuntergang. Kostbares Landschaftsbild, das

Donnerstag 8. Oktob er
Vierter Tag in Venedig.

Im Restaurant Bauer gut gefrühstückt; dann in den Dogen-Pallast. Man steigt die berühmte, ich glaube von PallaIch gebaute Scala dei Giganti bis zur gothisch-saracenischen Innen-Gallerie hinauf und kann nun wie Wichmann in seinen Notizen sehr richtig bemerkt, nicht wieder vergessen werden kann. Im Nordwesten sank die Sonne hinter den Tiroler Alpen unter und vergoldete diese. – Vom Campanile an die Riva delli Schiavoni. Platz genommen im Café Orientale. Eis, Absinth. Musik aller Art. Aecht venetianisches Volkstreiben: Kaufleute, Juden, liederliche Frauenzimmer, Matrosen, Soldaten, Tassengeklapper und Guitarren-Geklimper; dazwischen wundervoller, gutgeschulter Gesang von zehn, zwölf Schiffern, die, Kreis schließend in Nähe des Cafés sich aufstellten. – Um 8 Uhr nach Haus. Mit Emilie im Restaurant Bauer gegessen.
Umgebungsplan; La GiudeccaLaGiudeccaLaguneLa Giudecca in der Lagune von Venedig. Die Berge von Südtirol Murano Eisenbahn Brücke Giudecca San Giorgio Lido Adriatische Meer

Mittwoch den 7. Okt ober Dritter Tag in Venedig
.


Mit Novilles im Hôtel gefrühstückt. – Um 10 zu Antonio Salviati Salviati am Canal grande, dem Wiederhersteller der alt-venezianischen Glas- und Mosaik-Kunst.
Anton
A.
v. Werner
Bild gesehn, an dessen Ausführung in Mosaik ein halbes Dutzend Künstler beschäftigt war. Drei Stunden dort geblieben. Das Ganze sehr lehrreich und sehr interessant. – Von Salviati in die Academie delle belle Arti. Nur 10 Minuten vor der „Assunta“ geblieben, diesmal mit einem guten Glas bewaffnet. Die erhabene Schönheit dieses Bildes ging plötzlich vor mir auf. Es ist ganz und gar
Numero
No
I; ein Triumph der Kunst; die alte Phrase von der „Göttlichkeit der Kunst“ die jeder braucht der 3 Leberwürste malen kann, hier hört sie auf Phrase zu sein; dies ist ein Göttliches und faßt das Menschenherz ganz anders als 7 Bände Predigten. Ich kann mich nicht entsinnen durch irgend eine Gestalt je so berührt worden zu sein, selbst die sixtinische Madonna kaum ausgenommen. In letztrer ist etwas Fremdes, über das Menschliche schon Hinausgehende; hierin mag ihre besondre Größe liegen, aber was unser Herz am tiefsten bewegt, muß immer wieder ein Menschliches sein und das haben wir in dieser Tizianischen Maria. Bei allem Selig-sein im Schauen Gottes, verbleibt der Gestalt doch etwas Schön-Menschliches. Es ist immer noch ein Weib, keine Himmelskönigin. Darin steckt der Reiz. Der Unterschied zwischen dieser Tizianischer Assunta und der in Verona (die auch außerordentlich schön ist) liegt äußerlich darin; daß die letztre zu den Jüngren hinunter, jene zu Gott hinauf sieht. Daraus entwickelt sich alles Weitre. Freilich mußte es ein Tizian sein, um die Aufgaben so zu lösen. In dem einen Bilde giebt sie, in dem andren empfängt sie; in jenem lächelt und beseeligt sie, in diesem wird sie beseeligt in demüthigem Aufschauen zu Gott.

Am Nachmittage mit den Damen zusammen nach San Giovanni e Paolo, eine Kirche die mit der Schule San Marco einen rechten Winkel bildet. Auf dem kleinen Platz in Front und Flanke der Kirche steht die berühmte Reiterstatue des Generals Colleoni, ein Meisterwerk ersten Ranges. Schön, eigenthümlich, lebensvoll. Die Kirche San Giovanni e Paolo selbst enthält sehr viele Dogen-Grabmäler; einzelne sitzen zu Roß, andre liegen auf dem Sarkophag, doch ist mir keines dieser Steinbilder als etwas ganz Besondres im Gedächtniß geblieben. Man muß in der Geschichte Venedigs fester, mit den einzelnen Trägern berühmter Namen vertrauter sein, um diesen Denkmälern ein größres Intresse abzugewinnen.

Um 6 mit Novilles ins Hôtel zum Diner. Bei Tisch trifft die Nachricht von Graf Arnims Verhaftung ein. Partielle Aufregung. – Um 9 auf den Marcusplatz. Gelato bei Florian. Militair Musik.

Donnerstag d.
dender
8.
Oktober
Oktob.

Vierter Tag in Venedig.


Um 10 Uhr in den Dogen-Palast. Ein wunderbarer Bau. Die kurzen Säulen des Erdgeschosses, die phantastisch ornamentirten des 1. Stockes, dann endlich der nur von sechs breiten gothischen Fenstern unterbrochen, in längliche Vierecke abgetheilte Riesen- Marmor würfel, der von den Säulengängen des Erdgeschosses und 1. Stockes getragen wird, wirken zauberhaft. Es erinnert an Bilder, auf denen Luftgestalten irgend etwas Schweres und Massiges, einen prächtigen Sarkophag, einen Reliquienschrein oder einen Tempel tragen.

Der Eingang ist von der Piazzetta aus. Man steigt die Scala dei Giganti hinan und ist nun auf der Gallerie, deren Säulen den ersten Stock umziehn. Zwei dieser Säulen sind roth. Von dieser Stelle aus wurden die Todesurtheile verkündet, oder vielleicht auch nur angekündigt, daß sie vollzogen seien. Geht man bis an das Ende der Gallerie, so hat man einen prächtigen Blick auf das Wasser und San Giorgio Maggiore.

Von dieser Gallerie des ersten Stockes aus, führen zwei Treppen in das Innere des Palastes hinein. Die erste dieser beiden Treppen ist die Scala d’oro. An ihr vorbei, weil sie geschlossen ist, steigt man weiterhin eine zweite, mit der Scala d’oro parallel laufende Treppe hinan, deren Namen ich vergessen habe.

Ist man diese Treppe halb hinauf, so hat man, nach der einen Seite hin, das Archäologische Museum, nach der andern Seite hin den Saal des Großen Rathes, an den der Saal der Wahlstimmen anschließt, neben sich.
Archäologisches Museum.
Hier interessirte mich nur der Saal der Landkarten, in dem sich die berühmte Weltkarte des Fra Mauro (aus der Zeit vor der Entdeckung Amerikas) eine Karte von Venedig aus dem Jahre 1500 und eine Anzahl andrer Karten aus dem 16. bis 18. Jahrhundert befindet.
Der Saal des Großen Raths.
Dieser, wie schon hervorgehoben, ist in gleicher Höhe mit dem Archäologischen Museum und nur durch einen kleinen Flur oder vielleicht nur durch einen breiten Treppenabsatz von ihm (dem Archäologischen Museum) getrennt.
Der Saal des „Großen Rathes“ ist einer der größten existirenden Sääle; seine Fenster – in der Mitte ein großes, auf den Balkon führendes Thürfenster – blicken auf den Quai: und San Giorgio Maggiore hinaus. Er enthält die Kataloge zur Bibliothek und ist im Uebrigen derart mit Gold und Bildern geschmückt, daß kaum ein Zollbreit Wand unbedeckt bleibt.
Gebäudegrundriss; Saal des großen Rats (ital.: Sala del Maggior Consiglio), Saale des Großen RathsSaaldesgroßenRats(italADogenpalast, Dogenpallast, Dogen-Palast, Paläste alter DogenSaal des großen Rats im Dogenpalast. Tintoretto. Die Glorie des Paradieses
Paolo
P.
Veronese
Der Doge Andrea Contarini von Chioggia zurückkehrend.
12 Bilder von Jacopo und Domenico Tintoretto, von Palma, Bassano, Vicentino,
Paolo
P.
Veroneses
Erben etc. Diese 12 Bilder stellen dar, wie sich Papst Alexander III. und Venedig gegen Barbarossa verbünden, wie sie siegen, des Kaisers Sohn gefangen nehmen und wie Alexander III. den Dogen für den geleisteten Beistand belohnt. Etwa 1170 –80. 8 Bilder (weil hier die Fenster sind) von Vecellio, Vicentino,
Domenico
D.
Tintoretto
etc. Sie stellen dar wie sich, etwa von 1200 bis 1210, Venedig den Kreuzfahrern verbündet und mit ihnen Zara und Constantinopel (2 mal) erobert.

Ebenso reich ist die Decke mit Bildern geschmückt. Neben dem Saal des Großen Raths befindet sich, wie schon erwähnt, ein andrer großer Saal, der Saal der Wahlstimmen. Hier setzen sich an Wand und Decke die Verherrlichungen Venedigs durch dieselben Meister fort. Einige rühren von andern her, doch ist dies nicht zu erkennen; alles kommt aus demselben Topf. Die dargestellten Kämpfe reichen von Pipins Zeiten an bis zur Schlacht von Lepanto (1571) und bis zur Dardanellen-Schlacht 1698.

An die Stelle des großen Bildes von Tintoretto die Glorie des Paradieses tritt hier von Palma dem Jüngeren das jüngste Gericht Letztres nicht voll aber doch fast eben so langweilig wie jenes. Ueber die Bedeutung dieser Tableaux habe ich mich in meinem Briefe an Zoellner ausgesprochen. Als „Tableaux“ gut, dekorativ ausgezeichnet, sonst langweilig. Dies gilt auch von Tintorettos Riesenbilde „die Glorie des Paradieses“. Es ist ohne alle Tiefe, ohne jeden geistigen Gehalt. Flott zusammengeschmiert.

Am ansprechendsten ist (im Saal der Wahlstimmen) der zu Ehre Francesco Morosinis
bloße Façade { , des Peleponnes-Eroberers architektonisch errichtete, mit
Oelbildern ausgeschmückte Triumphbogen. Das Bild auf dem Morosini die gefesselte Peloponnesia der auf ihrem Thron sitzenden Venetia überliefert , ist sehr ansprechend. Es rührt von Gregorio Lazzarini her.


Auf den breiten Treppenabsatz zwischen Saal des Großen Raths und Archäologischem Museum zurückkehrend, führt in ein höher gelegenes Stockwerk, in dem sich eine Flucht der interessantesten Zimmer befindet. Es sind dies:
Alle diese Zimmer sind mit Gemälden angefüllt, doch fällt hier die Verherrlichung der Thaten Venedigs im Großen und Ganzen fort und tritt an Stelle derselben ein gewisses Element der Demuth, des sich Beugens vor Gott. „Der Doge Paschal Cicogna zu den Füßen des Erlösers“ von Palma
dem
d.
Jüngeren
„Pietro Loredan die heilige Jungfrau um Hülfe für Venedig anflehend“ von Jacopo Tintoretto; „die Abnahme vom Kreuz; zwei Dogen davor knieend“ (Tintoretto) so lauten die Titel der Bilder, namentlich derer die sich im „Saale des Senats vorfinden. Dazwischen dann, zumal in den angrenzenden Säälen, viel andres. Der Werth der hier angehäuften Schätze erscheint mir größer als der im „Saale des Großen Raths. Es ist nicht so völlig Fabrikarbeit; Einiges – namentlich in den kleineren Zimmern – mag selbst von Bedeutung sein. Ein tieferes Interesse wird einem jedoch durch keines eingeflößt.

Desto interessanter sind die Räume selbst. Hier im Saal der Drei und der Zehn wurde die Geschichte Venedigs gemacht. Im Saal der Büchse (della Bussola) sieht man noch eine der Oeffnungen, jetzt durch eine kleine Klappthür geschlossen, durch welche die geheimen Briefe geworfen, die Denunciationen gemacht wurden. Zugleich war es Vorzimmer, in das, auf diese oder jene heimliche Anzeige hin, die Bürger der Republik citirt wurden, um vor dem Rath der Drei oder der Zehn Rede und Antwort zu stehn, Gelegentlich ließ man sie, ohne sie vorzulassen, drei, viermal erscheinen und steigerte dadurch die bange Erwartung bis zur äußersten Todesfurcht. Sehr eigenthümlich ist einer der Ausgänge / aus diesem Salle della Bussola. Er gleicht einem schrägstehenden Eckschrank, der durch eine Scheidewand halbirt ist und dessen beide Thürme offen stehn. Also etwa so.
So ist es richtiger; diese kurzen Gänge, nur mannsbereit, führen in die Sääle der Drei und Zehn
Gebäudegrundriss; Sala della Bussola, Bussola, Saal der BüchseSaladellaBussolaBussolaSaalderBuechseDogenpalast, Dogenpallast, Dogen-Palast, Paläste alter DogenSala della Bussola im Dogenpalast. Oeffnung für die Briefe. Thür Thür Fenster Fenster


In unmittelbarer Nähe dieser drei unheimlichen Räume (die aber keineswegs den Eindruck des Unheimlichen machen) also des Saales der Bussola, der Drei und der Zehn, liegt auch ein schmaler kleiner Corridor und an demselben eine zugeriegelte kleine Thüre, die die zu den Gefängnissen hinabführende Treppe schließt. Mit Hülfe dieser Treppe wurden die in den „Pozzi’s“ gefangen Sitzenden von aller Welt unbemerkt vor den Rath der Drei oder zehn geführt und empfingen ihr Urtheil. Später befanden sich die Gefangenen seltener in den „Pozzi’s“ auch nicht in den „Bleikammern“, die nach oben zu, unterm Dach, dieselben Schrecknisse boten, wie die Pozzis, nach unten zu, in den Kellergewölben, sondern sie waren in dem verhältnißmäßig neuen Gefängnißbau untergebracht, der sich, Newgate-artig, an der andern Seite jenes schmalen Kanals erhebt, der die Rückseite des Dogenpalastes begrenzt. Wurden die Gefangenen von diesem neuen Gefängniß aus vor ihre Richter geführt, so mußten sie nun die Seufzerbrücke, Ponte dei Sospiri passiren, die den schmalen Kanal etwa in Höhe des zweiten Stockes überbrückt. Schaut man aus den Fenstern des Saales der „vier Thüren“ hinaus, so hat man die Seufzerbrücke, ein wenig nach rechts hin, dicht unter sich. Die ganze Lokalität: Bussola, Saal der Drei, der Corridor mit der verschlossenen Thür und die Seufzerbrücke, ruft sehr ähnliche Empfindungen wach wie Traitors Gate im Tower. Doch sind die Eindrücke im Tower stärker. Diesem Venetianischen haftet doch, bei hundert Vorzügen, die meist nach der Seite des Phantastischen und Schönheitlichen hin liegen, etwas relativ Kleines an. Man fühlt die Stadt statt des Staates heraus. –

Aus dem Dogenpalast, nach 4 stündigem Durchstöbern, in das Café Orientale an der Riva. – Um 4 Uhr mit Novilles und Schwechten (der am Abend vorher mit seinemFreunde, dem Banquier Königs angelangt war) nach dem Lido. Hübsche Fahrt, hübscher Blick aufs adriatische Meer; sonst eigentlich langweilig. Um 6 zurück. Von 6 bis 7 Gondelfahrt auf dem Canal grande. Um 7 12 ins Restaurant Bauer. Um 9 mit Novilles auf den Marcusplatz. Um 10 mit Schwechten „zu Biere“.

Freitag d.
dender
9. Oktobe r Fünfter und letzter Tag in


Mit Novilles, Schwechten und Königs auf den Marcusplatz bei Quadri gefrühstückt. – Dann mit Emilie Canalfahrt nach der Scuola San Rocco, die in einer untern und obern Halle, ebenso an den Treppenwänden hin mit Tableaux venetianischer Meister, namentlich wieder Tintorettos gepflastert ist. Letztrer dominirt hier durchaus; noch viel mehr als im Dogenpalast. Auch hier ließ er mich kalt. Im obren Stockwerk, neben der großen Halle, befindet sich sein berühmtestes Bild, die „Kreuzigung“. Es ist groß, figurenreich, voll Bewegung, Leben, Handlung; einige Gruppen sind nicht ohne Interesse; dem Christuskopf ist eine Liebe und ein Fleiß zugewendet, der sich in den wenigsten seiner Arbeiten findet. Dennoch ist dieser Christuskopf nur relativ anzuerkennen, während die Frauengestalten unterm Kreuz vollends wieder in Trivialität und Zerrbildlichkeit versinken.

Von Scuola San Rocco zum dritten und letzten Mal in die Akademie. Alle Hauptstücke nochmals ernsthaft gemustert. Außer der „Assunta“, die mich auch diesmal wieder ergriff, finden sich in Saal XV und XVI eine Menge sehr ausgezeichneter Sachen vor. Man kann hier die venetianische Schule studiren und lernt außer den bekannten drei Nummern: Tizian,
Paolo
P.
Veronese
und Tintoretto ein ganzes Dutzend andrer Größen kennen, unter denen viele sind, die sich neben
Paolo
P.
Veronese
behaupten und den Tintoretto übertreffen. Ich nenne nur Palma vecchio und Palma giovino, Pordenone, Carpaccio, Cagliari, Gèntile Bellini (sehr intressant), Giorgione und Bonifacio Veneziano. Von allen diesen sind vorzügliche Sachen da. Folgende Bilder haben mir besonders gefallen.
  • Gentile Bellini: Prozession auf dem Marcusplatze (1491). Ein Kaufherraus Brescia war zugegen. Er kniete nieder, als die Bruderschaft von St. Marcus die Reliquie des
    heiligen
    heil.
    Kreuzes vorübertrug und machte ein Gelübde für den Fall, daß sein krank daheim gebliebener Sohn genäse. Dieser genas.
  • Cagliari: Das Gast im Hause Levi mahl. (Sehr großes Bild, an verwandte Arbeiten
    Paolo
    P.
    Veroneses
    erinnernd; nach meinem Geschmack indeß diese fast übertreffend.)
Ebenso ist mir Bonifacio Veneziano als ein bedeutender Maler erschienen. An den Arbeiten Carpaccios und Gentile Bellinis, die eine gewisse Verwandtschaft haben, interessirt der Stoff, die Naivetät und die sorgfältige Durchführung. Alles „Flotte“ fehlt, dafür tritt jene Liebe ein, die uns die deutschen Arbeiten, namentlich rers, so werth macht.
Ganz besonders werthvoll ist mir noch ein todter Christus erschienen; Bologneser Schule, Name des Meisters unbekannt. Neben der „Assunta“ hat dieser „todte Christus“ mich am meisten interessirt; wozu sich zwei Stücke aus der Kapelle des Dogenpallastes gesellen; „ein Christus mit der Dornenkrone“ von Dürer, und „Christus im Hades das Kreuz aufrichtend“ von Giorgione.

Aus der „Akademie“ ins Hotel zurück. Rechnung bezahlt. Billig; nur 80 Francs. Frühstück im Restaurant; dann, in entzückender Gondelfahrt, bis zum Bahnhof. Abfahrt 2 Uhr 35. Ueber Padua, Rovigo, Ferrara (lag da wie Weimar), Bologna, Pistoja nach Florenz. Ankunft in Florenz 11 Uhr Abends

Sonnabend d.
dender
10. Oktober
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Erster Tag in Florenz.


Am Freitag Abend in Casa Nardini, Borgo Santi Apostoli, abgestiegen. Großes Zimmer, nebst Cabinet, für 4 Francs täglich. Alles gut und geräumig; die Leute prompt und freundlich. – Poste restante Briefe von George und Mete empfangen; in diesen Briefen leider auch die Nachricht von dem plötzlichen Tode unsres guten Fournier. – Den Vormittag über Briefe geschrieben und ein dickes Convolut (zwei Briefe an den Chevalier, 1 an Hertz, 1 an die Kinder) zur Post gegeben. – Erster Gang auf die Piazza della Signoria; den Palazzo vecchio und die Loggia dei Lanzi aufrichtig bewundert. Als Bauwerk namentlich den erstren. Er rührt von her, der auch den Dom zu bauen begann. Er muß ein Genie ersten Ranges gewesen sein.

Dann in die Trattoria delle antiche Carozze, Ecke der und von Borgo S. S. Apostoli. Gut und billig gegessen.

Nach Tisch flaniert. Erst durch die bis zum Dom und dem Baptisterium. In den Dom hinein. Dann durch die bis zur Chiesa Santa Annunziata; von dieser zur Kirche San Marco; ausgeruht auf einer Bank des vorgelegenen hübschen Platzes; dann durch die Via Cavour, in der sich der kostbare Palazzo Riccardi befindet, nach dem Platz am Dom und endlich nach der Piazza della Signoria zurück. Kaffe genommen; einen Guide gekauft; noch ein wenig flanirt; Blick in die Uffizien; dann nach Haus. Thee. Geplaudert, geschrieben, gelesen.

Sonntag d.
dender
11. Oktobe r. Zweiter Tag in Florenz
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Um 10 auf die Piazza della Signoria; den Palazzo vecchio abermals bewundert; die Loggia dei Lanzi und ihre Skulpturen ernsthaft durchgenommen. Es sind:
  • zwei Löwen am Eingang;
  • sechs Vestalinnen im Hintergrund (alt-griechisch);
  • der sterbende Ajax (griechisch);
  • der Raub der Sabinerinnen;
  • Herkules besiegt den Centaur;
  • der Perseus (von Benvenuto Cellini) und
  • Gian Bologna. { der Raub der Polixena (von Feddi; modern)
Alle diese Sachen sind sehr bedeutend. Der sterbende Ajax läßt mich ziemlich kalt; dagegen haben der „Raub der Sabinerinnen“ und der „Perseus“ einen starken Eindruck auf mich gemacht.

Von der Loggia dei Lanzi, durch das Gewirr alter Straßen hindurch, auf die entzückende Ponte vecchio zu, die in mancher Beziehung den Rialto in Schatten stellt, und dann über die Brücke fort bis zum Palazzo Pitti. Zunächst nur seine Façade und den großen Hof in Augenschein genommen. Die Boboli-Gärten waren noch geschlossen. – Zurück nach Palazzo vecchio. Von dort aus, nach Anhören der sonntäglichen Wachparaden- Musik in den Uffizien, in die Gallerie der Uffizien und daselbst gute zwei Stunden verweilt. Die Gallerie ist im obersten Stockwerk, zu dem von den ersten Pfeilern des linken Flügels aus (vom Palazzo vecchio aus gerechnet) eine Treppe hinaufführt.

Die Hauptschätze dieser großen „Gallerie der Uffizien“ befinden sich in einem ziemlich kleinen Raum, einem überkuppelten Oktogon, das den Namen „die Tribuna“ führt. Hier stehen zunächst fünf antike Skulpturwerke ersten Ranges: Die letztgenannten beiden Skulpturen interessirten mich mehr, als die ersten drei; besonders schön find’ ich den „Schleifer“, der übrigens sicher einen andren Namen verdient. Auch die „Ringer“ sind wundervoll.

Unter den Bildern der Tribuna sind so ziemlich alle berühmten Namen vertreten: Mantegna, Perugino, Domenichino, Fra Bartolomeo, Guercino,
Francesco
F.
Francia
, Michel Angelo, Rafael, Andrea del Sarto, Tizian, Guido Reni, Giulio Romano,
Paolo
P
Veronese
, Correggio, Spagnoletto, Caracci, Dürer, Kranach, Rubens, Van Dyck.

Nicht alle scheinen mir Werke ersten Ranges zu sein.

Die Bilder von Guido Reni (dessen Madonna mehr „himmelt“ als himmlisch ist),
Paolo
P.
Veronese
, Giulio Romano, Caracci, Fra Bartolomeo (den ich sonst sehr liebe), Michel Angelo und theilweis auch Correggio ließen mich kalt; dagegen gefielen mir außerordentlich:
Die Portraits, sowohl das der unbekannten Frau, wie das des Papstes Julius II., sind sehr schön; die Madonna mit dem Goldfinken würde mir vielleicht durch Schönheit auffallen; an den drei andern Bildern würd’ ich muthmaßlich vorübergehn, wenn mir nicht der Katalog zuriefe: „halt, sie sind von Raphael.“ Der Sinn für diesen größten Meister will mir immer noch nicht recht aufgehn.

Unter den andern Bildern, die die Uffizien-Gallerie enthält, interessirten mich die der Toskanischen Schule am meisten. Man macht die Bekanntschaft vieler neuer Namen und findet, daß alles was an der Wende des 15. und 16. Jahrhunderts und in den unmittelbar folgenden Jahrzehnten gemalt wurde, bedeutend ist. Da ist eine Anbetung der Könige von Filippino Lippi, eine Anbetung der Weisen von Leonardo da Vinci, eine heilige Jungfrau von Botticelli, ein
Sankt
St.
Sebastian
von Sodoma, ein Martyrium des heiligen Stephan von Cigoli (sehr schön), eine Krönung der heiligen Jungfrau von Angelico, eines alten Mannes Portrait von Masaccio und vieles andre noch. Das bedeutendste Stück was sich hier noch vorfindet ist ein abgeschlagenes Medusenhaupt von Leonardo. Außerordentlich schön.

Was ich im Uebrigen sah, darunter eine Gallerie von Maler-Portraits, war ziemlich intereßlos. Overbecks Portrait fiel mir durch eine unangenehme Häßlichkeit auf, in der noch mehr Beschränktheit als Ascese sich aussprach. Wie ledern alle diese Köpfe, neben dem was Tizian, Rafael, Velasquez, Van Dyck, speziell auch auf diesem Gebiet geleistet haben.

Dann und wann traten wir aus den Zimmern auf die Corridore hinaus, die den Innenraum der Uffizien von 3 Seiten her einfassen; die Fenster standen auf und man sah nun theils auf den Palazzo vecchio in Front, theils auf den Uffizien-Hof unten, auf dem eine Militairkapelle nach wie vor musicirte und eine bunte Menschenmasse auf und ab wogte.

Um 2 zu Tisch. Um 3 nach Haus. Geschrieben. Früh zu Bett.

Montag den 12. Oktobe r
Dritter Tag in Florenz.


Um 12 ausgeflogen, um Santa Croce aufzusuchen, das ich mit der Chiesa del Carmine verwechselte und deshalb an ganz falscher Stelle suchte.

Am Südufer des Arno hin von Ponte alla Carraia, an Ponte Santa Trinità und Ponte vecchio vorbei, bis zur Ponte alle Gràzie, die, wegen Neubaus, unpassirbar war, weshalb wir in einem Boot (Fährgeld 5 Centesimi) übersetzten. – Nun wiederum in den alten Stadttheilen flanirt, Paläste gemustert, die alle entweder im Kastellstil des Palazzo vecchio oder in dem eigenthümlichen florentinischen Riesenwürfel- Stile gebaut sind, jene vielleicht dem 14. und 15. Jahrhundert, diese dem 16 Jahrhundert angehörig, die einen noch halb gothisch, die andren volle Renaissance. Welcher von den Renaissance-Palästen der älteste ist und nun als Muster diente, stehe dahin; ich möchte vermuthen der Palazzo Strozzi in der Via Tornabuoni, dessen Bau schon 1489 begann. Diese Paläste sehen sich untereinander sehr ähnlich. Es sind in braunem oder grauem Kalkstein (so vermuthe ich) aufgeführte Kubusbauten, meist an der Ecke einer Straße oder ein ganzes Stadtviertel bildend; bis zum ersten, immer sehr hoch gelegenen Stock hin eine mächtige Rustica, die gegitterte Parterrefenster und ein Entresol enthält; dann folgen 1. und 2. Stock meist mit großen Rundbogenfenstern. Das Dach weit vorspringend. Die Wirkung ist außerordentlich. Solidität, Vornehmheit, Schönheit der Verhältnisse; vor allem fehlt alles Kleine. Noble Einfachheit, die den Putz verschmäht. Diese Wirkung bleibt auch; aber man giebt seine Bewunderung den vielen Nachahmungen gegenüber doch insoweit auf, daß einen das Gefühl beschleicht: die Imitirung, um die es sich schließlich doch blos handelte, konnte nicht allzuschwer sein. In der That wird auch jetzt noch vielfach in demselben Stile weitergebaut.
Etwa um 3 Uhr zu Doney & Nepoti, einem feinen englischen Restaurant in der Via Tornabuoni. Bouillon, gebackene Soles, Beefsteaks und eine Flasche
Saint
St.
Julien; alles sehr gut; etwa 4
Reichstaler
bezahlt, was mit Rücksicht auf die Feinheit des Platzes nicht zu viel war. Doch beschlossen wir, andren Tags wieder mit unsrer „antica carozza“ zu fahren, wo man für den vierten Theil nicht eben schlechter ißt.

Von Doney aus Santo Croce gesucht. Wieder nicht recht gefunden und zuerst bei San Lorenzo gelandet; von dort aus dann, auf Umwegen und mit Hülfe von immer wiederholten Anfra gen, nach dem „florentinischen Pantheon“ wie Santa Croce genannt wird.

Auf der Piazza Santa Croce steht natürlich ein Dante. Er ist viel schlechter als der in Verona. Dieser florentinische hat die Attitüde eines Generals, der den linken Fuß energisch vorsetzend und die Rechte an den Degen legend, sich anschickt ein Bataillon persönlich vorzuführen. So undantehaft wie möglich. Wäre nicht der Lorbeerkranz und die große Nase, so würde man ihn, in Folge dieser falschen Charakterisirung, kaum erkennen.
Santa Croce, im gothisch florentinischen Stil gebaut, worunter man sich denken kann was man will, hat eine mit Marmormosaik überkleidete, überhaupt außerordentlich reich geschmückte Façade. Besonders schönheitliche Eindrücke empfing ich nicht. Im Innern sind die Grabmonumente wie folgt vertheilt:

All diese fünf Denkmäler, wiewohl von den verschiedensten Künstlern herrührend, sind gedanklich sehr übereinstimmend; von Geist oder gar Genius keine Spur. Ein Sarkophag, auf dem die Figur des zu Feiernden sitzt, oder seine Büste steht; – daneben dann einige symbolische Gestalten: die Astronomie, die Geometrie, die Muse, die Kunst, die Geschichte, die Stadt Firenze mit der Mauerkrone. Es verlohnt sich nicht in Details zu gehn. Wie tief steht dies alles, nicht blos unter den Peter Vischerschen und Adam Kraftschen Arbeiten, nein auch unter dem, wovon die Kirchen in
Saint
St.
Denis
, Rouen, Roeskilde etc. gefüllt sind. Alfieris Grabmal rührt von Canova her; diese Arbeit ist unter den fünfen die weitaus beste; die Gestalt der trauernden Firenze ist sogar gut zu nennen. Schön und würdig in Haltung, und – ohne Sentimentalität. Von den Inschriften habe ich zwei notirt. Dante muß sich mit den drei Worten begnügen: „Onorate l’altissimo poeta“. Bei Machia-vell heißt es: „Tanto Nomini Nullum par Elogium.“
Die Kirche Santa Croce enthält noch eine Menge von Sehenswürdigkeiten. Die Denkmäler Cherubinis und Raphael Morghens habe ich nicht gesehn. Eine Bronzetafel enthält die Namen aller Toskaner, die 1848 bei Montanare und Curtatone für die Unabhängigkeit Italiens fielen. – In der Baron-celli-Kapitre ist überlebensgroß ein in Marmor ausgeführter todter Christus. Der Guide nennt ihn mediocre. Ich finde den Kopf, freilich nur diesen, sehr schön. – Daneben befindet sich eine andre, ziemlich große Kapelle, wahrscheinlich die Bardi-Kapelle. Hier haben einige vornehme Polinnen ihre Grabdenkmäler. Einsich glaube, das der Gräfin Zamoyska – ist sehr schön, namentlich die Gestalt der Trauernden, die neben der Todten kniet. Hier befinden sich auch zwei Abt- oder Mönchsfiguren, etwa drei Fuß hoch, in Terra cotta. Sehr schön, wie alle die zahlreichen Terra cotta Arbeiten, die sich – meist von Luca della Robbia und seiner Schule herrührend – in fast allen Florenz-Kirchen zerstreut vorfinden.


Von Santa Croce aus auf die Piazza della Signoria zurück. Bei Gilli Letta Kaffe getrunken und die Kölnische Zeitung gelesen. Hübscher Artikel über die Arnim- Bismarck-Frage. – Nach Haus. Thee und Uva. Geplaudert. Geschrieben.

Dinstag d.
dender
13. Oktob er

Vierter Tag in Florenz.

Um 10 ausgeflogen. Ueber den Ponte Vecchio bis zum Palast Pitti. In vier Stunden die 6 großen Säale : den Venus-, Apollo-, Mars-, Jupiter-, Saturn- und Ilias-Saal durchgemustert. Meine Aufzeichnungen darüber stehen auf Blättern ziemlich am Schluß dieses Buches. Die Sammlung ist außerordentlich schön und wird gewiß zu den besten zählen, die existiren. Die Gallerie in den Uffizien, die „Tribuna“ miteingeschlossen, verschwindet daneben. Denn Meisterstücke wie sie die Tribuna 10 oder 20 an der Zahl hat, finden sich in der Pitti-Gallerie verzehnfacht. Alle großen Namen sind nicht nur überhaupt vertreten, sondern sind vielfach vertreten und zum Theil mit allerbesten Stücken. Auch hier wieder stellen die Portraits, wenn man ein halbes Dutzend Sachen absolut ersten Ranges ausnimmt, alles andre in Schatten. Auch hier wieder macht man die Bekanntschaft glänzender neuer Namen. Von hervorragendster Bedeutung erschienen mir: Andrea del Sarto, Fra Bartolomeo, Cigoli, – jeder mit einer Kreuzabnahme. Daran reiht sich ein Dutzend ganz ausgezeichneter Sachen von Palma Vecchio, da Carpi, Rubens, Salvator Rosa, Rosselli, Manfredi, San Giovanni, Spagnoletto und andern. Im Ganzen aber – immer von der Fülle herrlichster Portraits abgesehn – stellt sich für mich, nach dem Besuche von Verona, Venedig und Florenz, dieSache so, daß ich in meinem Wissen und meinem Gemüth nur um 5 Bilder reicher geworden bin: Die Madonna della Sedia, wie schon hervorgehoben, läßt mich kalt. – An die 5 vorgenannten schließen sich, aber doch erst in zweiter Reihe, folgende zum Theil schon erwähnte Sachen an:
Uffizien-Gallerie. {
  • Mantegna . Anbetung der 3 Könige; Beschneidung und Himmelfahrt;
  • Dürer: Anbetung der drei Könige;
  • Pitti {
  • Da Carpi: Grablegung;
  • Akademie in Venedig {
  • Bologneser Schule: ein todter Christus (in der Akademie zu Venedig)
  • Cagliari: das Gastmahl im Hause Levi (ebenda selbst)

  • Alles andre Gesehne – die wundervollen Portraits und Statuen, einerseits in der „Tribuna“ andrerseits in der Loggia dei Lanzi außer Betracht gelassen –, war nicht derart, daß der Bestand andrer Gallerieen dadurch sonderlich in den Schatten gestellt würde. Die berühmten Gallerieen im Louvre, in Dresden, in München, die „National-Gallery“ in London und die Gallerieen der Herzöge Devonshire Westminster und Marquis’ von,, Northumberland und Hertford, bestehen, in ungeschwächtem Glanze, daneben fort.

    Aus der „Pitti Gallerie“ in die Trattoria delle Carozze an der Ecke der Santi Ghibertischen Ghibertischen; gut und billig gegessen. – Flanirt. Ins Baptisterium; einer Taufe beigewohnt. Die Ghibertischen Thüren genau durchstudirt. In einen Liquorista-Laden; 2 Kuchen und 3 Maraschino’s für 4 Silbergroschen. – Mit dem Omnibus, an Santa Maria Novella und seinen zwei Obelisken vorbei, bis zur Porta Prato gefahren. Spatziergang bis zu „Le Cascine“, die halb Rotten Row im Hyde-Park, halb unsre Hofjäger Allee sind. Nur ist unser Thiergarten unendlich viel hübscher. Dann am Lung’Arno hin bis zur Brücke San Trinità; durch Via Tornabuoni, an der Säule mit der Statue der Gerechtigkeit vorbei, nach Haus. Thee; Uva. Geschrieben.

    Mittwoch d.
    dender
    14. Okto ber

    Fünfter und letzter Tag in Florenz.


    Um 10 ausgeflogen. Flanirt. Das Innere des Palazzo vecchio gesehn, ebenso den Hofraum des Palastes in dem sich jetzt das Museum nationale befindet. Nach Tornabuoni, um den Palazzo Strozzi, der mich besonders interessirte, nochmals in Augenschein zu nehmen. Der Palazzo vecchio, wie ich später – bei unsrer Rückkehr von Fiesole wahrnahm – scheint, wenn ich recht gesehn habe, aus drei, wenigstens aus zwei verschiedenen Theilen zu bestehn: aus dem alten castell-artigen Bau an der Piazza della Signoria, aus einem spätren „florentinischen Palaste“ im Stile des Palazzo Strozzi und aus einem kapellen-artigen Bau, der zwischen den beiden Palästen, die Vorder- und Rückenfront bilden, steht. Hab ich hierin Recht, so kann man alle Studien die sich auf den gothischen- und Renaissance- Stil der florentinischen Paläste beziehn, sehr gut allein schon am Palazzo vecchio machen.

    Umhergesucht, um eine Diligence-Gelegenheit nach Fiesole zu finden. Endlich entdeckt und zwar in einer Sackgasse an der Piazza del Duomo. Diese Fahrgelegenheit aber doch aufgegeben, weil sie erst von 4 Uhr Nachmittags an (wohl des Sonnenuntergangs halber) ins Leben tritt. Bei Wital in der von Ponte vecchio nach der Piazza della Signoria führenden Straße dejeunirt, am Domplatz eine Beschreibung Fiesoles gekauft, dabei einen wehmüthigen Blick auf die eben erschienenen Viole; Poesie di Tomaso Tomasino“ geworfen, dann in einem angenehmen Gefährt nach Fiesole hinauf. Preis: 10 Francs, was ich nach der bei uns geltenden Taxe für billig ansehen muß, denn wir fuhren über 5⁄4 Stunde hinauf, dann 1 Stunde warten, dann wieder zurück. Die Hinauffahrt ist sehr schwierig.
    Fiesole ist jetzt ein ziemlich verkommener Flecken, (Näheres siehe das italienische Büchelchen) was ihm aber auch jetzt noch ein Interesse sichert, das ist seine uralte, ich glaube aus dem 11. Jahrhundert herrührende Kathedrale und der wundervolle Blick, den es auf den weiten Bergkessel gewährt, in dem der Arno fließt und in welchem Florenz gelegen ist. Wir waren eine Stunde zu früh oben, aber nichtsdestoweniger waren zelnen Seiten hin sieht man vierfachen, hier und dort mit Kastells besetzten Bergkranz den Kessel einschließen. Der Ueberblick über die Stadt ist von den Fenstern des Palastes Pitti aus klarer und orientirender, wenn auch weniger umfassend.

    In der nur kleinen Kathedrale interessirten mich hinanführen, ich weiß nicht mehr genau, ob in der Crypt- oder der Oberkirche. Die andren Bildwerke, Fresken und Skulpturen, sind von viel geringerem Interesse.

    Um 4 Uhr zurück, an Villen und Klostergebäuden vorbei, von denen eines (Dominikaner) ein ausgezeichnetes Bild von Beato Angelo [da Fiesole muthmaßlich] enthalten soll. Auch sei noch bemerkt, daß der höchste Punkt des Berges, auf dem Fiesole gelegen ist, ein mächtiges Klostergebäude trägt.

    Im Zurückfahren einen etwas andren Weg eingeschlagen, der uns, statt nach der Porta San Gallo zur Porta Pinti führte, vor der der protestantische Kirchhof gelegen ist. Wir ließen halten und besuchten Herrn Christian Greves Grab. Er ruht zwischen einem Polen und einem Engländer, von denen jener eine Woche vor, der andre eine Woche nach ihm starb. Wir nahmen einige Buxbaum- und Kleeblätter mit, das Einzige, was sich von Grün auf seinem Grabe fand.

    Um 5 wieder am Dom-Platz. Noch eimal in den Dom, der auch diesmal bedrückend auf uns wirkte. Zu Gilli & Letta; dann nach Haus. Geschrieben; gepackt. Um 9 noch einmal auf den Ponte vecchio und von da aus durch die Uffizien auf die Piazza della Signoria, um uns alles einzuprägen und – Abschied zu nehmen. Ziemlich spät zu Bett.

    Donnerstag den 15. Oktob er
    Reise von Florenz nach Rom.


    Um 8 12 Abreise von Florenz. Während der ersten Viertelstunde hat man immer noch das von seinem alten Klosterbau gekrönte Fiesole zurSeite.

    Diesem Bilde entsprechend bleibt nun 8 Stunden lang die Fahrt. Die Unterschiede sind nicht sehr erheblich. Der Apennin läuft in hoher, kahler Kette zur Linken und stellt zwei, drei Reihen von Vorbergen in seine Front. Die vordersten Berge die niedrigsten. Auf diesen liegen die Kastelle, die Flecken, die Städte. Ein Kastell, ein Kloster, eine Kirche krönt meistens die Spitze, während die Ortschaften selbst mal höher mal tiefer am Abhang liegen und entweder in einer einfachen Schräglinie in der Flanke des Berges oder in Terrassen in der Front desselben aufsteigen. Die Linien sind von außerordentlicher Schönheit, mitunter (namentlich gegen Abend) auch dieFarben; im Ganzen hat man aber doch, ganz abgesehen von dem Verfallenen und Heruntergekommenen, auch dem Eindruck des Kahlen, Verbrannten, Ungemüthlichen. Es heimelt nicht an. Keinen Augenblick hab ich die Empfindung gehabt: „hier möchtest Du auch nur 24 Stunden sein.“ Es ist gerade gut genug zum Vorbeifahren, zum Mit-Nachhausenehmen von einem Dutzend Oswald Achenbachs. Je mehr der Reisende weiß, je besser er die römische und die italienische Geschichte kennt, desto entzückter und bewegter wird er auf eine Landschaft blicken, die von 100 Schritt zu 100 Schritt ihm wenigstens einen berühmten Todten herausgiebt. Hier focht Hannibal, hier fiel Flaminius, hier dichtete Properz, hier malte Perugino, hier wurde Tacitus, hier Lucretia Borgia geboren. So geht es endlos weiter. ich bin der Letzte, der die Zauber verkennt, die dadurch einer Gegend erwachsen. Aber, bei genaurer Prüfung, empfindet man doch immer wieder, daß es vorzugsweise ein poetisch-geheimnißvoll über der Landschaft schwebendes Etwas, die historische oder historisch-romantische Reminiscenz ist, die alle die Bilder, die sich vor uns entrollen, so schön, so einzig in ihrer Art erscheinen läßt. Die Bilder selbst bewirken dies nur zur kleineren Hälfte. Natur, Geschichte, Kunst unterstützen sich einander; wer aber einfach auf das angewiesen ist, was die Landschaftsbilder – von denen ich sagen möchte, daß sie einen Architektur-Charakter haben – ihm bieten, der wird, wenn er einigermaßen die Welt kennt und nicht direkt aus Treuenbrietzen nach Perugia versetzt wurde, einräumen müssen, daß es schönere, namentlich aber wohlthuendere, herzerquickendere Gegenden giebt. Die Fahrt von Bonn bis Mainz, von Bern bis Interlaken, von Genf bis Lausanne, von St. Germain bis St. Denis, von London bis Richmond, von Kopenhagen bis Helsingör – ist schöner, erhebender. Das Herz geht einem mehr auf.

    Die Ortschaften, die wir zu passiren hatten und von denen wir um so klarere Bilder gewinnen konnten, als die Bahn immer in einiger Entfernung an den hochgelegenen Städten und Flecken vorübergeht, waren, mit Umgehung geringerer Namen, die folgenden: Arezzo, Cortona, Perugia, Assisi, Spello, Foligno, Trevi, Spoleto, Terni, Narni, Orte und Passo di Corese. Dann Rom. Assisi und Spoleto machen den bedeutendsten Eindruck; doch liegen einige der kleineren Ortschaften malerischer. Orte ist, wenn man von Rom nach dem Norden fährt, Gabelpunkt, von wo aus links (westlich) eine zweite Bahn abzweigt, die über Orvieto und Siena ebenfalls nach Florenz führt. – Der Trasimenische See, der 10 Stunden Umfang hat, liegt zwischen Cortona und Perugia. Er ist sehr schön, ganz besonders durch die 3 Inseln die in ihm liegen. Eine, wenn ich nicht irre, trägt ein Kastell, eine andre ein Kloster, die dritte (kleinste) ist bewaldet. An einer Stelle ist die Schiebung so, daß die beiden kleineren Inseln wie ein breites mächtiges Thor wirken, durch das hindurch man die dritte, bereits ziemlich weit zurückliegende kastellgekrönte Insel, wie ein in Grau gemaltes Bild erblickt. Kennt man das Terrain, so ergiebt sich der Verlauf der Schlacht, der den Römern 15,000 Todte gekostet haben soll, sehr leicht.
    Lageplan des Schlachtfelds; Trasimenischer SeeTrasimenischerSeeUfer des Trasimenischen Sees. a b Arezzo Perugia

    Hannibal kam von Oberitalien und überschritt den Apennin. Consul Flaminius stand bei Arezzo. Hannibal bewerkstelligte einen Flankenmarsch, marschirte an Arezzo vorbei und nahm Stellung auf den Hügeln und Bergen zwischen a und b, will sagen zwischen Borghetto und Passignano. Beide Punkte treten dicht an den See heran und bilden ein Defilée. Flaminius, als er wahrnahm, daß Hannibal auf Rom zu ging, drängte nach. Als er (Flaminius) auf dem Terrain zwischen Borghetto und Passignano angekommen war, machte Hannibal die Mausefalle zu; von den Bergen in zwei Mächtigen Colonnen niedersteigend schloß er das Defilée in Nord und Süd, zugleich von Norden her gegen Süden vordringend. Ein Theil der Römer schlug sich bei Passignano durch und entkam. Flaminius fiel.

    Diese Parthie am trasimenischen See intressirte mich landschaftlich und historisch am meisten. Napoleon I. hat diesen See, der an den meisten Stellen ziemlich flach ist, austrocknen lassen wollen. Ein brutaler Plan. Ein Stück Geschichte und ein Stück Schönheit würde dem Lande dadurch verloren gegangen sein.

    Großartig wirktAssisi durch seine kolossalen Kloster- und Kirchenbauten, namentlich durch das Franziskanerkloster (Franz von Assisi) ziemlich am Fuße der hochansteigenden Stadt. – Spoleto ist Sitz eines Erzbischofs. – Terni und Narni sehr hübsch. – Der Soracte wirkt bedeutend. Es ist eine sechskuppige, einzeln dastehende, aber mehrere Meilen lange Bergparthie, etwa wie der Zobten, der Kyffhäuser, der Hörselberg, der Harz. Viel bedeutender als die erstgenannten drei, ist er doch kleiner als der letztre (der Harz.) Seine Conturen sind sehr schön. Er wirkt gut, wenn man an ihm vorüberfährt, aber fast noch mehr an einer Stelle, vielleicht vier, fünf Meilen von Rom, wo man nur seine höchste Kuppe ein vorgelegenes Plateau überragen sieht.
    Unsre Hoffnungen die Peterskuppel am Abendhimmel auftauchen zu sehn, wurden getäuscht. Es war bereits zu dunkel und die ganz kleine Mondsichel reichte nicht aus, das Deficit an Tageslicht zu decken. Entzückend waren die großen Feuer, die über die weiten, schließlich völlig flach gewordenen Felder hin brannten; einige dicht neben der Eisenbahn. Gestalten hockten drum umher, deren Thun und Treiben wir nicht erkennen konnten.

    Um 6 12 fuhren wir in den Bahnhof ein; um 7 waren wir im Hôtel du Sud.


    Unterwegs von Florenz nach Rom lasen wir eine Kölnische Zeitung, die wir noch auf dem Bahnhofe in Florenz kaufen konnten. Wir fanden darin folgendes aus Guizots Testament, was wir mit Bewegung, und einzelnes abgerechnet, mit Zustimmung lasen.
    266. Ein Raphael. Madonna, Kniestück, oblong; nur Mutter
    und
    u
    Kind. Unter allen die ich von ihm kenne, die lieblich-schönste ohne eine Spur zu weich zu sein.
    Hall of Iliad.
    Außer schönen Portraits enthält dieser Saal weniges von großer Bedeutung. Zwei„Assunta’s“ von Andrea del Sarto sind sehr respektabel, aber doch auch nicht mehr; sie hängen, in gleicher Größe, einander gegenüber. Eine „Taufe Christi“ von
    Paolo
    P.
    Veronese
    intressirt etwas mehr als die Mehrzahl seiner Arbeiten. Brillante Portraits von Velasquez, Tizian, Salvator Rosa (eins der
    Salvator
    Salv.
    Rosa
    Portraits ist ein junger Krieger in Rüstung, das andre ist er selbst.) Hier auch ein ausgezeichnetes Portrait von
    Paolo
    P.
    Veronese
    den Daniel Barbaro darstellend. Portraitiren konnten sie alle wunderbar. Langweilig sind immer:
    Guido
    G.
    Reni
    , Carlo Dolci, Tintoretto,
    Paolo
    P.
    Veronese
    Hall of Saturn.
    Enthält ein halbes Dutzend wundervoller Sachen. Zuerst drei von Rafael herrührende Portraits: Andre ausgezeichnete Sachen sind
    Hall of Jupiter.
    Auch dieser Saal steht dem 2. Saal weit nach. Er enthält einige gute Schlachtenbilder von Salvator Rosa und Borgogne,; einen brillanten, großartig ausgeführten Sankt Marcus von Fra Bartolomeo, eine heilige Krippe von Lelio da Novellara, einen todten Christus, wie er eben in sein Grab gebettet wird | von da Carpi (brillant), Nymphen von Satyrn überfallen von Rubens und einige intressante Portraits von Substermans, Spagnoletto, Morone, Tintoretto und Andrea del Sarto (letztrer giebt auf einem Blatt sein und seiner Frau Portrait.) Ausgezeichnet ist ferner ein ziemlich großes Bild von
    Giovanni
    Giov.
    da San Giovanni
    : Sechs, sieben Jäger auf der Jagd. Wundervolle Köpfe. Dazu kommen:
    zwei Murillosche Madonnen
    , die eine wunderschön, ersten Ranges, im nicht-vaporosen Stil; die andre die „Madonna mit dem Rosenkranz“ weniger bedeutend. – Die eigentliche Bedeutung dieses Saales besteht aber in den Portraits. Sie sind beinah sämtlich wundervoll. Rafael: Angelo Doni; Magdalena Strozzi Doni; Papst Leo X. Tizian: Pater Aretino.
    Carlo
    Carl.
    Dolci
    : Diogenes. Rembrandt: er selbst. Schiavone: verschiedene.
    Paolo
    P.
    Veronese
    : seine Frau.
    H all of Mars.
    Dieser Saal ist im Ganzen minder bedeutend als der vorige. Hier befindet sich die berühmte, ewig kopirte, auch jetzt wieder auf zwei Staffeleien verarbeitete Madonna della Sedia. Sie ließ mich auch hier wieder kalt. Eine schöne, junge Frau von freundlicher Gesinnung; nichts Hohes, Großes, Tiefes, Ewiges.. – Ein sich anklagender, weinender Petrus ist 2 mal da; einmal von Guido Reni, einmal von Carlo Dolci, beide gut; namentlich der erstre. Bedeutend ist Cigoli’s Ecce Homo; eigenthümlich Andrea del Sartos heilige Familie. Bedeutend ist auch
    Christofano
    C.
    Allori’s
    Judith, mit dem Kopf des Holofernes wie einen Pompadour in der Hand. (Hiernach hat, glaub ich, der selige Wach sein Judith-Bild vor einigen 30 Jahren gemalt.) Bedeutend sind ferner 3 Bilder von Rubens:
  • 1. die Folgen des Krieges (der Krieg, mißgestaltet, mit Fackel vorauf; die Künste am Boden liegend, zertretend; der geharnischte Krieger führt die Braut heim; die sich ziemlich willfährig drin ergiebt; Amoretten necken und schäkern mit der Entführten, als wollten sie sagen: uns gilt es gleich; unser Reich blüht immer, in Krieg wie in Frieden.) 2. Der heilige Franciscus
  • 3. Portraitbild. Er selbst, sein Bruder, Lipsius und Grotius. – Portraits von Van Dyck und Tizian (ausgezeichnet). – Ferner Ferner Guido Reni (Rebecca am Brunnen) und Giordano (Empfängniß Mariä.)
    • 1. die Folgen des Krieges (der Krieg, mißgestaltet, mit Fackel vorauf; die Künste am Boden liegend, zertretend; der geharnischte Krieger führt die Braut heim; die sich ziemlich willfährig drin ergiebt; Amoretten necken und schäkern mit der Entführten, als wollten sie sagen: uns gilt es gleich; unser Reich blüht immer, in Krieg wie in Frieden.) 2. Der heilige Franciscus
    Hall of Venus.
    Die bedeutenden Sachen in diesem Saal sind: zwei Dürer (Adam u. Eva), zwei Marien von
    Salvator
    Salv.
    Rosa
    , zwei Landschaften von Rubens, 1 Portrait von Rembrandt, 1 Portrait von Tizian (im Stich bekannt), 1 Spagnoletto den
    Sankt
    St.
    Bartholomäus
    darstellend, 1 Rustichino Tod der
    heiligen
    heilig.
    Magdalene
    (die Figur der Magdalene ist schön; sonst nicht), 1 Manfredi Good Luck, anzüglich, hogarthisch, aber sehr hübsch und lebensvoll; 1 Rosselli der Triumph Davids; Tambourin und Cymbel rührende Frauen führen ihn heim (sehr schön.)
    Hall of Apollo.
    In diesem Saale ist nahezu alles bedeutend und selbst das was zurücksteht, ist immer noch höchst respektabel. Schöne Sachen von Palma Vecchio, Perugino, Cigoli, Pesarese, Guercino meo, Pordenone, Fra Bartolo, Andrea del Sarto etc. Die Hauptstücke, von den Portraits abgesehen, scheinen mir zu sein:
    Stadtplan (Ausschnitt); Florenz, FirenzeFlorenzFirenzeFlorenz. Cascine Susperior Bridge Via della Vigna nuova. Tornabuoni Via Corso. Dom Via Cavour
    Porta
    P.
    Rossa
    Piazza Della Signoria. Via merca to nuovo.
    Porta Santa
    Por. S.
    Maria
    Via Condotta Via del Proconsolo. Piazza del Mercato Via della Spada San Trinita alla Carraja Vecchio alle Grazie
    Der Lung Arno läuft vorzugsweise an der Nordseite des Flusses.

    Zwischen diesen 4 Brücken liegt, nach Norden zu, die ganze Geschichte und zwar zwischen den 2. mittleren das Hauptstück. – Die Hauptstraße ist eine etwas unregelmäßig gehende Fortsetzung von Ponte Vecchio und heißt Via Calzaioli; diese ist beiden Vierecken gemeinschaftlich. Das eine Viereck wird von der Via Tornabuoni, das andre von einer unwichtigen Via flankirt. Den Fuß bilden Via Porta Rossa und Via Condotta; nach Norden zu
    Piazza
    P.
    del Mercato
    , Via Corso, Dom etc.
    ta l. lio. Dr. Klugmann.
    Gebäudeaufriss; venezianisches Gebäude. Mosaik Mosaik Gold Stein

    Vêtre e Mosaico.
    Venezia e
    Murano.
    Salviati & Compagnie. Im ersten
    und
    u
    2. Stock vier Medaillons. Cadoro. Grimain (früher Post). Pisani. Barbarigo. Pecuro Vendramin Calergi. Corner Spinelli . Toscani. Due Turche. Reuleaux’s Aufsatz über Dr. Salviati steht Spenersche Zeitung vom 19. 20. und 21. November 1873
    Casa Nardini
    Borgo S. Apostoli 17. secondo pianto. casa Santi.
    Gilli u. Letta. piazza della Signoria.
    2 früh Stück Bier
    et cetera
    etc
    ...
    Wital. 1 Kaffee. –
    delle antiche carrozze.| Mittag. (Barile.) Die Noth zur Tugend gemacht. samkeit; außerdem sind  die Sachen voll Geist und glücklicher Anspielungen Dahin rechne ich, daß Tizian seine Hauptwerke im Hintergrunde hat, bei Canova, daß der Marcuslöwe, geflügelt, den Eingang zu seiner Grabthür bewacht und doch zugleich zu trauern scheint. Aber man kann vielleicht sagen: Er ruht, in trübem, schmerzmüden Schlummer an
    The accompanying is placed here by the Wife of an Enkel (Child oder Gebr ) who is
    Mister
    Mr.
    Talbot Shakespear descendant of the immortal Poet Verona 4. Juni 1874. Ich kann beide nicht sehr bedeutend finden. Sie wirken gut und auch eigenthümlich dadurch, daß man das, was man in voller Plastik zu sehen gewohnt ist (Pyramide und St Denis Denkmäler) hier Hautreliefartig, so weit die Architektur in Betracht kommt, auftritt. Es sind bloße Façaden der Dinge. Dies ist nicht ihre Wirkder Eingangsthür, dies ist geistvoll. Aber im Uebrigen sind beide Sachen durch und durch modern. Canova ’s ( von ihm selbst mittelbar herrührend) gradezu störend, weichlich, sentimental. Tizians weniger, aber dafür doch auch genauerer denn der Gedanke die Assunta im Hintergrund zu geben ist so zu sagen die x---xkraft der Pauvreté.
    Die Reise begann damit, daß ich noch, 5 Minuten vor
    der
    d.
    Abfahrt, ein Reisebuch für Italien fand“, dafür aber meine Ordre vergaß. Ich habe sie mir poste restante nachschicken lassen. Hörnchen Düte mit italienischen Vocabeln und Phrasen. Dick. Man sieht was geschieht, wenn einem der Spiegel der Wahrheit fehlt. Paul wohnt Luisentraße; muthmaßlich
    Numero
    No
    49.
    Rom.
    Ehlert empfiehlt die Straßen in der Nähe des spanischen Platzes.
    Pietsch sagte: In unmittelbarer Nähe von Fontana di Trevi ist ein Zimmervermiethungs-Comtoir, das gut bedient. Er selbst wohnte Piazza Poli
    Numero
    No
    8; Zimmer pro 2 Francs täglich.
    Neapel.
    Pietsch empfiehlt im Hotel de Genève oder im Hôtel Plebiscito abzusteigen, dann aber blirte Zimmer in den Seitenstraßen des Toledo suchen. Oder auch in Santa Lucia. Ulrico Höpli Buchhändler in Neapel.
    Pompeji.
    In El Sol. Sehr gut.
    Silbergroschen
    Sgr.
    Pagano auf Capri. Pension täglich 5 Francs. Man miethet tageweis.

    Die Fahrt macht man so. Von Neapel (Santa Lucia) im Dampfer nach Capri. Gleich blaue Grotte etc. vom Dampfer aus. Dann hinauf zu Pagano. Dort 2 Tage. Dann in der Postbarke nach Sorrent. Im Wagen von Sorrent für 3 12 Francs nach Castelamare. Dann gleich nach Pompeji. (Oder die ganze Tour auch umgekehrt.)
    Verona.
    Die goldne Taube. 2.
    Reichstaler
    R.

    La Torre di London. 1.
    Reichstaler
    R.

    Geld wechseln in Verona auf der Piazza d’Erbe. Geldwechsler. 100
    Reichstaler
    erhält man 400 Francs. Immer Banca national; die großen Stadtbanken reichen nur für nahgelegene Strecken aus. Ganz kleines Geldzeug muß man sich gefallen lassen in Lokalpapieren zu erhalten.
    Sehenswürdigkeit. Große Ampthitheater. – Marktplatz. – Drei Kirche. – Giardino Giusti. – (Siehe Wichmann’s Notizen)
    Venedig

    Die Luna. 2. Ranges. Pietsch empfiehlt: Hôtel Bauer (wahrscheinlich) einem Herrn Grünwald gehörig. Es liegt an einem kleinen Kanal, dicht bei der Kirche San Moyse.
    Florenz.
    Ehlert empfiehlt: Pension der Madame Laurent, 11 Via del Polito Santo Spirito p.° Pensionspreis 6 Francs pro Tag.
    Pietsch empfiehlt:
    Lungarno Accjuoli
    Numero
    No
    12.
    1 Treppe. Dickes
    italienisches
    ital:
    Paar, das
    französisch
    franz:
    spricht. Wohnung 2 Francs täglich. Café 25 Centimes
    Briefe die in München geschrieben werden sollen: Rodenberg, Lindau Frenzel, Adami, Foss, Pietsch, Braun,
    Stadtgerichts Rat
    Stadtger. R.
    Lessing (er u. sie), Hahn, Holtz Schneider, Gentz, Frl. v. Rohr, Frau Lübke, Blumenthal, Remy, Herrlich

    X Paris, 9.
    Oktober
    Oct.
    Das protestantische Blatt Le Christianisme au XIX. Siècle bringt folgende Stelle aus dem Testamente Guizot’s: „Ich sterbe in der christlich-reformirten Kirche, in welcher ich geboren bin, und in der geboren zu sein ich mir Glück wünsche. Indem ich immer mit ihr vereinigt blieb, machte ich von der Gewissensfreiheit Gebrauch, welche sie ihren Gläubigen in ihren Beziehungen zu Gott gestattet, und die sie selbst bei ihrer Gründung anrief. Ich habe geprüft; ich habe gezweifelt; ich glaubte an die genügende Kraft des menschlichen Geistes, um die Probleme zu lösen, welche das Weltall uns Menschen stellt, und an die genügende Kraft des menschlichen Willens, um das Leben des Menschen nach seinem Gesetz und seinem moralischen Ende zu lösen. Nachdem ich lange Zeit gelebt, gehandelt und nachgedacht habe, bin ich überzeugt geblieben und bleibe überzeugt, daß weder das Weltall noch der Mensch genügt, um sich durch die einzige Kraft der immerwährenden Gesetze, die dort herrschen, und des menschlichen Willens, der sich dort entwickelt, auf natürliche Weise und aus sich selbst erklären und regeln zu lassen. Es ist mein tiefer Glaube, daß Gott, der das Weltall und den Menschen geschaffen, sie regiert und sie bewahrt, oder sie entweder durch jene allgemeinen Gesetze, welche wir natürliche nennen, oder durch specielle, gleich den natürlichen Gesetzen, aus seiner vollkommenen und freien Weisheit und seiner Allmacht hervorgegangenen Handlungen verändert, welche wir übernatürliche nennen, die in ihren Wirkungen zu erkennen uns gestattet ist, welche in ihrer Wesenheit und in ihren Absichten zu erkennen uns vorenthalten ist. Ich bin also zurückgekehrt in meine Wiege, immer fest anhaltend an der von Gott erhaltenen Vernunft und Freiheit, die meine Ehre wie mein Recht auf dieser Erde sind aber mich wieder als Kind fühlend unter der Hand Gottes, und in mein so großes Theil der Unwissenheit und der Schwäche aufrichtig ergeben. Ich glaube an Gott, und ich bete ihn an, ohne den Versuch zu machen, ihn zu begreifen. Ich sehe ihn anwesend und handelnd, nicht allein in der fortdauernden Regierung des Weltalls und in dem innern Leben der Seelen, sondern auch in der Geschichte der menschlichen Gesellschaft, namentlich in dem alten und neuen Testament, den Denkmälern der göttlichen Offenbarung und Waltung durch die Vermittlung und das Opfer unseres Herrn Jesus Christus für das Heil des menschlichen Geschlechts. Ich beuge mich vor den Mysterien der Bibel und des Evangeliums und bleibe außerhalb der wissenschaftlichen Discussionen und Lösungen, durch welche die Menschen sie zu erklären versucht haben. Ich habe das Vertrauen, daß Gottt mir gestattet, mich einen Christen zu nennen; und ich bin überzeugt, daß in dem Lichte, in welches ich bald eintreten werde, wir den rein menschlichen Ursprung und die Eitelkeit des größten Theils unserer irdischen Erörterungen über göttliche Dinge einsehen werden.“
    ganzen Tone, in dem schön anderweit bei ihr enden Staatseinrichtungen dem sind und ihre Partei können. Und was hier utoritäten geschieht, gehen Proceß gegenüber nfalls psychologisch ervon der Verhaftung des Gedanke an irgend und im Zusammenichkeiten des Fürsten einander gegenüberie Kreuzzeitung thut, sein muß, daß die enommen im regelan eine Art Zweiten sucht und daran preis der politische ht mehr als klar, aum einer Chance, Kreuzzeitung muß und dabei auf haftung nicht dem hat, zuzuschreiben chtfertigter Weise den kann. Es ein Hebel angenbekümmert um ist, sie hat sich icke hat sie es wird, sich zur milienzimmers. ständig überng vor sich aus dem ganzen Tone, in dem der Artikel geschrieben, in der That die auch schon anderweit bei ihr hervorgetretene Absicht hervor, jetzt an den bestehenden Staatseinrichtungen und deren Autorität im Volke zu rütteln, nachdem der Artikel geschrieben, in gervorgetretene Absicht her und deren Autorität im nicht mehr die Herrschaft gegen öffentliche Einrichtun hieht bei den Betrachtung er hervorragenden Pers ärbar, daß im ersten Grafen Arnim in nicht ein hochpolitisches Unterne hange mit früheren Vo Bismarck und des Gra tehend erschienen. Wenn uch jetzt noch, wo Jeder Verhaftung ein reich mäßigsten Geschäftsgange ampf zwischen Bismarck e Folgerung fortwähre nfluß auf dem Spiele uf diesem Bestreben wi die Launenhaftigkeit ihr Reichskanzler sondern ei und der erstere al vorgenommen wäre, n enügte ihr, einen Pun tzt werden konnte, un politische Ehrlichkeit. D erlebt und fühlt es. lbst gesagt. Nun ab uhe zu begeben, will Wir wollen hoffen, da annen wird und das
    Insgesamt sind an Tizians Grabmal fünf seiner Gemälde als Reliefs wiedergegeben: oben links die Pietà, oben rechts die Heimsuchung, unten links Petrus Martyr, unten rechts die Marter des St. Laurentius und in der Mitte die Assunta. Vermutlich meint Fontane neben der Assunta die unteren beiden. Die Erläuterung in HFA III, Bd. 3/2, es handele sich um „die Assunta, de[n] Petrus Martyr und die Pieta“, also neben der Assunta die beiden linken Bilder, ist in jedem Fall unwahrscheinlich; vgl. HFA III, Bd. 3/2, S. 1516.Die Scala dei Giganti wurde nicht von Palladio, sondern von Antonio Rizzo erbaut; vgl. Thieme/Becker, s.v. Rizzo, Antonio.Dieses Museum befindet sich heute nicht mehr im Dogenpalast; vgl. Reclam, Bd. 2: Oberitalien Ost, S. 977.Vermutlich ist das Exemplar von Jacopo de’ Barbaris Venedigplan im Besitz der Biblioteca Marciana gemeint, deren Bestände sich damals im Dogenpalast befanden. Bei diesem handelt es sich um den zweiten Zustand, der zwar die Jahreszahl MD trägt, aber auf ca. 1514 datiert wird; vgl. Pignatti 1964, S. 41.An dieser Wand befinden sich nur sieben Gemälde, während das achte aus diesem Zyklus sich an der angrenzenden Querseite des Raumes befindet; vgl. Wolters 2010, S. 140-144.Keines der acht Gemälde stammt von einem Vecellio. Neben den von Fontane genannten Domenico Tintoretto und Andrea Vicentino waren Jean Leclerc, Palma il Giovane und Antonio Vassillacchi gen. l’Aliense an diesem Zyklus beteiligt; vgl. Wolters 2010, S. 140-144.Die Seeschlacht bei den Dardanellen fand 1656 statt; vgl. Wolters 2010, S. 169.Dieses Werk wird mittlerweile Hans Rottenhammer zugeschrieben; vgl. Radecke 2002, S. 108.Dieses Werk stammt nicht von Benedetto Caliari, der sonst mit „Cagliari“ gemeint ist, sondern von seinem Bruder Paolo Caliari gen. Veronese; vgl. Baedeker Venedig, S. 205.Dieses Werk stammt nicht von Benedetto Caliari, der sonst mit „Cagliari“ gemeint ist, sondern von seinem Bruder Paolo Caliari gen. Veronese; vgl. Baedeker Venedig, S. 203.Dieses Werk wird mittlerweile Quentin Massys zugeschrieben; vgl. Börsch-Supan 2004, S. 77.Drei dieser Statuen wurden als Porträts von Mitgliedern römischer Kaiserfamilien identifiziert, eine vierte als gefangene Barbarin; vgl. iDAI.objects arachne, https: //arachne.dainst.org/search?q=places.gazetteerId: 2089104.Diese Skulpturengruppe ist eine römische Kopie nach einem griechischen Original und stellt nicht den sterbenden Ajax dar, sondern Menelaos (oder Ajax) die Leiche des Patroklos (oder des Achilles) bergend; vgl. iDAI.objects arachne, https: //arachne.dainst.org/search?q=places.gazetteerId: 2089104 sowie Weis 1998, .