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Mittwoch d.
dender
18. August.

(Genua. Fortsetzung ausBuch II.) Der PalazzoBalbi ist wohl der schön-ste; Palazzo rosso wirktnur originell durch seinenrothen Anstrich; Palazzo delMunicipio ist sehr hübsch,durch die Art wie dieFlanken-Anlagen sind. DerPalast steht hoch, aufeinem 15 bis 20 Fußhohen Unterbau; dieserUnterbau trägt nun nichtblos den Palast, sondernauch rechts und links danebenColonnaden, Gartenanlagen,Treppen, Springbrunnen, wassich inmitten einer raum-beengten Straße und mitHülfe des Unterbaus (wo-durch es eine Art fliegenderGarten wird) sehr gutausnimmt. In einemdieser Gärten, oder dochin einem angrenzenden,gleichgearteten Garten-stück befindet sich eingutes Café Restaurant,wohl das erste der Stadt.
Der Pallazzo rosso (Brig-nole-Sale) enthält einesehr gute Bildergallerie,in der sich namentlich vor-zügliche Guido Renis undVan Dycks befinden. [Meine Notizen darübersiehe Buch II. ]
Von Palazzo rossonach dem Hôtel zurück.Briefe geschrieben. ZurTable d’hôte. Nach dem Di-ner Fahrt nach dem Colum-busplatz am Bahnhof, nachPalazzo Doria, dem Molonuovo (mit Porta nuovaund vecchia) und der großen„Lanterna“, Leuchtthurm).Zurück bis zum Hôtel. Gangdurch die Stadt. Café Rossi-ni an der Piazza dellaFontana Morosa. Nach Haus.

Donnerstag d.
dender
19. August.

Früh auf. Frühstück im CaféRossini. Die benachbartenKirchen San Lorenzo undSan Ambrogio, dann San Ste-fano besucht. Die beiden letztern,besonders San Ambrogio, ent-halten gute Bilder vonGuido Reni und Giulio Ro-mano. [Siehe darüber meineNotizen in Buch II.] Hieraufnochmals Fahrt durch Via Balbi,am Columbusplatz vorbei, biszum Palazzo Doria
et cetera
etc
,um die Stelle an der Dar-sena reale (oder so ähnlich)zu entdecken, wo Fiescoertrank. Diese Stelle liegtungefähr halben Wegs zwischendem Palazzo Doria unddem Hôtel de la Ville, in wel-chem ich wohnte.Wo sich das Thomas-Thorbefindet, durch das Fiescoeindrang, hab ich nicht er-fahren. Vielleicht ist esdie Porta vecchia, diezwischen dem Palazzo Doriaund der „Lanterna“ liegt.Heyden wird dies viel-leicht wissen.
Ins Hôtel. Geschrieben.Etwa um 1 12 Abfahrtnach Spezzia und Pisa. Spez-zia ist halber Weg; manfährt am Meere hin, oderpassirt Tunnel. Alles inallem wird man ziemlichebenso lange im Tunnel-Dunkel, wie im Freienfahren. An einem heißenTage ist diese beständigeKeller-Erfrischung sehr ange-nehm. Von Spezzia ausbiegt die Bahn ein weniglandeinwärts, so daß mandas Meer nicht mehr sieht.Am Apennin hin geht dieFahrt, ziemlich ähnlich derFahrt von Florenz bis Folig-no. Bedeutende Höhenzüge mit Städtenund Schlössern gekrönt. Sehrbrillant nehmen sich Carraraund Massa aus, an denenman ziemlich dicht vorüberkommt. Das Bild ist anbeiden Stellen verwandt: die Vorberge thun sichan einer bestimmten Stellethorartig auf und mitHülfe dieses Thors wirdeine weiter zurückgelegene,höhere, mächtigere Felspartiesichtbar. Diese Felspartie bestehtaus Kalkstein und in diesemKalkstein steckt der Mar-mor. Das Bild dasMassa gewährt, ist schönerals das von Carrara. –Bei guter Zeit, etwa um8, traf ich in Pisa ein,nachdem ich schon vorherden Dom, das Baptiste-rium und den „schiefenThurm“ hatte begrüßenkönnen. Ich nehme Quartirin dem angenehmen undempfehlenswerthen HôtelLungarno, das in ersterReihe Restaurant ist, ganzwie das Hôtel Bauer inVenedig.

Freitag d.
dender
20. August.

Früh auf. Frühstückim Restaurant. Fahrtdurch die Stadt – die, wenig-stens am Arno hin, ganzan Florenz erinnert – nachdem neben niedergelegenenComplex berühmter Baulich-keiten: Dom, Baptisterium,Campanile (schiefer Thurm)und Campo Santo. Das ganze wirkt öde undgroßartig zugleich, etwa wieSphinxe die sich plötzlich ausder Wüste erheben. Kahl,sonnig, schattenlos liegtder weite Platz amRande der Stadt da undauf ihm diese Bauten.Daß sie durch Schönheit
Grundriss; Piazza del DuomoPiazzadelDuomoPisaPiazza del Duomo in Pisa. db.ac
sofort den Sinn ge-fangen nähmen, kannman nicht sagen. Es wirktgroß, eigenartig, wunder-sam, aber nicht gerade wohl-thuend. Der Dom selbstist schön, während derschiefe Thurm den Eindruckeines Curiosums, derCampo Santo, an den kahlen Außenwänden hin, den einerReitschule, das Baptiste-rium, so weit seineKuppel in Betracht kommt,den des beinah Häßlichenmacht. [Siehe meine No-tizen in dem kleinenBuch III.] Im Innernwirken aber all dieseBaulichkeiten sehr bedeutend,jede auf ihre Weise.Der Dom ist schön, innerlich wie äußerlich, da-zu durch eine Fülle vonKunstschätzen sehr interessant.Das Campo Santo bietetden Stoff für wochen-langes Studium; einzelneseiner Fresken sind durchinnerlichen Gehalt erstenRanges. Die Größtenhaben eine Anlehnung andas hier Gebotene nichtverschmäht. [Ueber alldies hab ich in demBüchelchen III ausführlichgeschrieben.] Den Cam-panile bestieg ich nicht.Er wirkt märchenhaft,aber doch zugleich auch,wie schon hervorgehoben,mehr oder minder alsCuriosum. – Ins Hôtelzurück. Dejeuner. Ab-fahrt nach Pistojar (zweiStunden Rast) und Bolog-na. Ankunft um Mitter-nacht. Abgestiegen imHôtel Brun.

Sonnabend den 21. August.

Frühstück im Hôtel. Aufdie Piazza Vittorio Ema-nuele oder Piazza maggiore mit dem PalazzoPubblico, dem Palazzodel Podestà und demPortico de’ banchi.[Siehe Büchelchen III]. Dannin die große Kirche SanPetronio, ebenfalls ander Piazza Maggiore. SieheBaedecker und meine daselbst ange-fügten Notizen. VonSan Petronio, in langerFahrt durch die Stadt, bisnach dem, eine gute Viertel-meile vorm Thore gelegenenCampo Santo von Bologna. Die Kreuzgänge eines alten Klosterbaus, seit-dem umgebaut und erwei-tert, wurden dazu benutzt.Es hat keine Spur vonAehnlichkeit mit dem CampoSanto in Pisa, jeder Bilder-schmuck fehlt. Lange hallen-artige Räume, die, recht-winklig auf einanderstehend, wieder großeVierecke mit einemHofraum in der Mittebilden, enthalten in dembreiten, kirchenschiffartigen Mittelgange dieGewölbe in denen dieSärge stehn, währendrechts und links an denWänden hin sich die Mar-mor-tafeln mit den In-schriften in langer, langer Reihe befinden. Nurmitunter werden dieseTafeln unterbrochenund das Auge begegnetnur einem Marmor-monument. Einzelnedavon sind schön, andremehr eigenthümlich oderitalienisch-naiv. Das schönsteund zugleich wunderlichsteist das, das die EnkelMurats (Pepolis) ihrerMutter, einer TochterMurats, errichteten. DieMutter ist Nebensache,und der Großvater: roiMurat ist alles. Soerhebt sich denn das pom-pöseMarmorbild diesesletztren (lebensgroß, inHusaren-Uniform) aufdem Grabe seiner Tochter.Ein wenig sonderbar. Mensch-liche Eitelkeit. Die Weltsoll erfahren: unsre Mutterwar König MuratsTochter. So denn seinBildniß. Verzeihlich ist esinso weit, als den An-verwandten Murats keinerechte Gelegenheit anderweitig gegebenwar, ihrem berühmtenVater resp. Großvaterein Denkmal zu errich-ten. In Neapel, woer erschossen wurde, inFrankreich, wo die Bour-bons wieder einzogen,überall verbot es sich,so mußte es dennauf einem Umwegegeleistet werden unddas Grab seiner Tochterbot wohl oder übeldie Gelegenheit dazu. DasBologneser „Campo Santo“(„Certosa“, Karthause)ist allgemeiner Friedhof,Begräbnißstätte für jeder-mann, auch für dieArmen, welche letzterenin den verschiedenen Hof-räumen, unter Aufrichtungeines Holzkreuzes, begra-ben werden. Das Ganzemacht einen außerordentlichvornehmen Eindruck, istluftig, kühl, schattig,der Wirkung der Monumente günstig und con-servirt dieselben mehrals jede andre, frei dalie-gende Begräbnißstätte. –Von der Certosa indie Stadt zurück; einenImbiß genommen, dann indie Academia delle belleArti. In dieser immer-hin schönen Sammlung befin-den sich vorzugsweise: Guido Renis und Caraccis,außerdem Einiges vonDomenichino, FrancescoFrancia, Perugino etc.Ich nahm mir nur dieZeit die Guido Renisund weniges andre durch-zunehmen. [Meine Auf-zeichnungen darüber inBüchelchen III.] DannFahrt durch die Stadt,noch in einige Kirchenhineingesehn und diebeiden „schiefen Thürme“besichtigt, die, theilsin ihrer Einfachheit, theilsdurch ihr Zusammenstehn,mehr auf mich wirktenals der schiefe Thurm inPisa. Der größere
Gebäudeansicht; Torre AsinelliTorreAsinelliBolognaTorre GarisendaTorreGarisendaBolognaTorre Garisenda und Asinelli in Bologna.

gewährt ganz den Anblickeines modernen Fabrik-ganz geringe Zuthatan seiner Krönung hatausgereicht, eine durchauskünstlerische Schöpfung ausihm zu machen. Beide Thür-me sind in Backsteinausgeführt, während in Pisaalles Marmor ist. – DieStadt selbst – auch in denHof der Universität blicktich hinein – ist reich anmächtigen Bauten und Ar-kaden; es ist eine vor-nehme Stadt, intelligentund patriotisch, die in denBefreiungskämpfen desLandes eine hervorra-gende Rolle gespielt hat.Die Arkaden, vielmehrnoch als in Modena,laufen durch die meistenStraßen hin. – Ins Hôtelzurück. Geschrieben. ZurTable d’hôte, an dernur Engländer theilnahmen,die sämmtlich auf dem Wegenach Ostindien waren.Café im Hofe des Hôtelsgenommen; früh zu Bett.

Sonntag den 22. Aug ust.

Früh auf. Um 6 nachRavenna. Ankunft (ver-spätet) um 10 Uhr. Soblieben mir nur zweiStunden für die alteberühmte Stadt, die übri-gens nicht blos denEindruck der Stille undZurückgezogenheit, sondernauch der Armuth und Ver-kommenheit macht. Nocheh wir die Stadt erreich-ten, zeigte mir einitalienischer Mitreisender vomCoupé aus das Grabmaldes Königs Theodorich,was mir sehr lieb war,da ich nicht Zeit genug hatte,diesem Mausoleum eineneignen Besuch zu machen.Es schien mir folgendeForm zu haben:
Gebäudeaufriss; Grabmal Theoderichs des Großen, RotondaGrabmalTheoderichsdesGroßenRotondaRavennaGrabmal Theoderichs des Großen in Ravenna.

vielleicht ist auch das Unter-stück ein Rundthurm undnicht quadratisch. Die obereHälfte sah ich ganz klar;die flache Kuppelung wirkteeigenthümlich. StattlicheAvenuen schienen aufden Grab-Bau zuzuführen.In der Stadt selbst begnügteich mich mit Der Dom liegt aufeinem Platz; das Bap-tisterium in einer neben-hinlaufenden Gasse ganzversteckt. Etwa so.
Grundriss; DomDomRavennaPiazza DuomoPiazzaDuomoRavennaDom und Piazza Duomo in Ravenna. abcaA.
A. Platz; b. Dom; a aeine ganz schmale, winklig eckige Gassedie neben dem Dom sich hin-zieht; c Baptisterium. DiesBaptisterium steckt in denHäusern der Gasse derartdrin, daß man von der einenSeite her gar nichts vonihm sieht, von der Dom-und Platz-Seite her aberein mehr-eckig vorspringendesStück. Der Dom sollauch ein sehr alter Bausein; er wirkte nicht soauf mich; in Details zugehn, hatt’ ich keine Zeit.[Ueber Baptisterium, San – das ebenfalls ganzversteckt liegt und äußerlichvöllig unscheinbar ist –so wie über das GrabmalDante’s siehe meine Noti-zen in Büchelchen III.] BeideBauten sind sehr interessant,das Baptisterium durch seineFresken, San Vitale bau-lich als Tochter der SantaSophia und Mutter des Aach-ner Münsters. Ob auchdas Baptisterium architek-tonisch eine vorbildlicheBedeutung hat, oder obandre in gleicher Formund Einrichtung älter sind,weiß ich nicht. Auf die Mosaiken paßt genau das,was Gregorovius überdie ältesten Mosaiken (etwa aus der Mitte des5. Jahrhunderts) in SantaMaria Maggiore sagt.Sie sind noch nicht by-zantinisch versteinert,noch nicht starr undleblos, haben nochBewegung und selbst Grazie.Es klingt noch etwasvon antiker Kunst darinnach, eh dieselbe durch dienahezu künstlichen byzanti-nischen Formen verdrängtwurde. Es stimmt das auchmit den Zeitangaben. „Ausdem 5. Jahrhundert“ sagendie Nachschlagebücher, also dieselbeZeit, vielleicht dasselbe Jahr-zehnt, in dem die Mosaikenin Santa Maria Maggioreentstanden. Die Mosaikenin San Vitale sind schonschwächer, aber fast nochbesser erhalten. Ravennahat noch vier, fünfandre Bauten: Kirchen,Baptisterium (S. Maria inCosmedin), (S. Maria inCosmedin) Rotonda (Grab-mal Theodorichs) und Resteeines Palastes von KönigTheodorich, die alle dem5. und 6. Jahrhundert ange-hören, also historisch undarchitektonisch höchst in-teressant sind, ich fandaber nicht mehr Zeitetwas davon zu sehen,was auch nicht sonderlichzu beklagen ist, dadas Baptisterium (nebendem Dom) und San Vitaledoch wohl die Haupt-bauten bleiben, oderdoch im Wesentlichendasselbe zeigen wie dieandern
kirchlichen
kirchl:
Bautenjener merkwürdigenRavenna-Epoche. Nurscheinen sie nicht aus-schließlich Kuppelbauten zusein, sondern theils 3 schiffigeBasiliken, theils Kreuzkirchen.Die
architektonische
architekt:
Bedeutung Ravennassteckt aber in den Kuppeln.Um 12 12 nach Bolognazurück; Ankunft um 4;Abfahrt nach Padua um5 oder 5 12; Ankunftin Padua (im Stellad’oro) 9 Uhr.

Montag d.
dender
23. August

Frühstück im Hôtel. Fahrtnach San Antonio. ZweiStunden in dieser großen,kuppelreichen Kirche,die in mancher Beziehungwie ein nüchternes,geweißtes San Marcowirkt, verweilt. [Siehedarüber meine Notizenin Büchelchen III.] Dannnach der Kirche Eremi-tani, die, in einer ihrerKapellen, zwei berühmteFresken Mantegnasenthält; von der KircheEremitani nach derbenachbarten, im Tonnen-gewölbe erbautenKapelle Madonnadell’ Arena, diemit Giotto’schen Fres-ken an all ihrenWänden überdeckt ist.Die Masse dieser Fres-ken ist von sehr zwei-felhaftem Werth undkann nur kunsthistorischinteressiren; wunderschönaber ist in der Chor-nische eine Madonna mitdem Kind (worauf michschon Prof. Steinleaufmerksam machte) undgegenüber derselbenein sehr ähnliches Bild,wahrscheinlich ..... mitdem Johannes darstellend.Die junge Person, diemich umherführte, be-zeichnete das zweiteals eine einfache Wie-derholung des ersten,was nur beweist,wie wenig scharfdie Menschen hinkucken,denn bei aller Aehn-lichkeit sind dochstarke Abweichungen,z. B. in der Haltungdes Kopfes da. „Dasjüngste Gericht“ an derSchmalwand des Ein-gangs konnte michnicht interessiren. [Nä-heres siehe meine Notizenin Büchelchen III undden Photographien-Kata-log, den ich in derKapelle erstand.] InsHôtel zurück. Um2 Abfahrt nach Verona,Ankunft 5 Uhr. Ab-fahrt von Verona 6 12.Verona lag prächtigim Schein der Abend-sonne da. Bei Dunkel-werden in Ala. Ge-päck-Revision.

Dinstag d.
dender
24. August.

Um 6 oder 7 Uhr frühAnkunft in Innsbruck.Noch zwei Stundengeschlafen (im Hôtel del’Europe.) Flanirt inder Stadt. Besuch derFranziskanerkirche, diedas berühmte Grab-denkmal Kaiser Maxi-milians und des An-dreas Hofer enthält.[Siehe meine Notizenin Büchelchen III.] Zwischen3 und 4 Abfahrt nachMünchen. Ankunft gegen10. Quartir genommenim „Englischen Hof“, früher„Blaue Traube.“

Mittwoch d.
dender
25. Aug ust
.

In der Stadt untererheblicher Langeweileumhergetrieben. Um4 Uhr Emilie am Bahn-hof in Empfang genommen.Zurück ins Hôtel.Soupirt.

Donnerstag d.
dender
2 6.
August

In die neue Pinakothek.Piloty, Kaulbach, Schorn. Zur Tabled’Hôte. Um 2 12 inden Circus Meyer.Flanirt. Am Abend inden Rathhauskeller.

Freitag d.
dender
27. August
.

In die Glyptothek. ZuPaul Heyse. Gegen Er-warten ihn und sie ge-troffen. Zur Table d’Hôte.In die Schacksche Gallerie.Ins Hôtel zurück. Be-such von Frau Heyse.Am Abend in den„Don Juan“. Soupirt:

Sonnabend d.
dender
28. August
.

Abreise nach Salzburg undBerchtesgaden. In Salz-burg in einer interessan-ten Kneipe einen Im-biß genommen, das Haydn-Stübchen und den nichtsonderlich interessantenDom besucht. Dannin einem Einspännerreizende Fahrt nachBerchtesgaden. Abge-stiegen in Hôtel Belle-vue. Noch am selbenAbend Wohnung gemie-thet, am Markt, gegen-über der Apotheke.

Sonntag d.
dender
29. Augus t
.

Im Hôtel gefrühstückt.Dann Uebersiedlungin unsre Wohnung. Spat-zirgang. Gelesen. ImHôtel Bellevue gegessen.Nach Haus. Thee ge-nommen. Am Nach-mittag, während wirim Hôtel waren,hatte es zu regnenbegonnen.

Montag d.
dender
30. Augu st
.

Es regnet immer noch.Wir setzen uns frö-stelnd (ich krank)auf unsren Balkonund beginnen zu lesen.Um Mittag nach demHôtel „zum Neuhaus“.Sehr mäßige Spei-sung. Vor Frost eineStunde zu Bett gegan-gen. In einer regen-freien halben StundeSpatziergang. Nach Haus.Thee. Gelesen.

Dinstag d.
dender
31. August

Es regnet immernoch. Auf demBalkon ist es nochkälter, und wir lesennoch hitziger alsam Tage zuvor. Ichbin total krank, Emi-lie halb; wir könnenbeide keinen Bissengenießen und gehen da-durch der einzigen Zer-streuungsmöglichkeitverloren. EinzigeFreude: eine vonTheo eintreffende Post-karte; er hat dasExamen glücklich über-standen. Mittag-essen fällt aus.Kurzer Spatziergang.Thee. Gelesen. Wieimmer um 8 zu Bett.

Mittwoch d.
dender
1.
September
Septeb.

Es regnet immer noch,ja viel toller alszuvor; überall Tüm-pel: kein Menschzu sehn, dann undwann ein Wagen,in dem einige Glück-liche abreisen. Wiraber halten aus.Auf dem Balkongeht es nicht mehr,so ziehen wir unsin den „Salon“ zurück,und kriechen dannund wann ins Bett,um wieder warmzu werden. Magen-zustände erbärmlich;man lebt von dünnemThee und matzenartigerSemmel. Wie wü-thend wird gelesen;der 1. Band Gregoro-vius ist fast schondurch; aber alle Greuelder Vandalen-Plün-derung machen keinenEindruck auf uns undangesteckte Städteerscheinen uns wün-schenswerth. Plänezur Abreise werdengemacht. Am Sonnabendsoll es nach Wiengehen.

Donnerstag 2. Sept.

Sedanfeier, Böllerschüsse,Glockenläuten, Trommel-wirbel, aber allesbei strömendem Regen.Wir beschließen sofortabzureisen, um dieserQual ein Ende zumachen. Gepackt.Trauriges Diner vonzähem Rindfleisch. Um5 Uhr Nachmittagsim Post-Omnibusnach Salzburg. Ankunft8 12. Nachtquartir im Goldnen Schiff. Furcht-bare Nacht, wo meineZustände zur Krisiskommen.

Freitag d.
dender
3.
September
Septmbr.

Bis 10 im Bett; halb-genesen aufgestanden.Um 2 Abfahrt nachWien über Linz,Mölk
et cetera
etc
; Ankunft10 Uhr Abends. Abgestie-gen im Hôtel Müller,Ecke von Graben undKohlmarkt.

Sonnabend d.
dender
4. Septem ber

Frühstück im Hôtel. Gangin die Stadt: Die Burg, der Ring, einigeParks, Aspern-Brücke,Leopoldstadt und wiederins Hôtel. Am Abendins Theater; UrielAcosta, Fräulein Frankals Judith.

Sonntag d.
dender
5.
September
Septemb
.

Wie am Tage vorherflanirt, Kaffe ge-trunken und Eis gegessen.In die Hofkapelle zumHochamt; nach St. Stephan;in die Kapuziner-Gruft;nach dem Belvedere;nach dem Prater; insTheater: Arria undMessaline, Frl. Wolter als Messaline. Theegetrunken im CaféDaum. Nach Haus.

Montag d.
dender
6. Sept.

Gepackt. Gefrühstücktbei Daum; kleineEinkäufe; wieder Regen-wetter. Ins Hôtel,gefrühstückt, gezahlt.Abreise von Wien1 Uhr 48
Minuten
Min.
überBrünn, Prag, Dres-den. Ankunft inBerlin am 7. Sep-tember 8 12 Uhr früh.


Gnädigste Frau,die späte Stunde (10 14) zu derWilbrandts Messalineschloß wie auch der zufälligeUmstand, daß ich ohne Mantelund Umhang war, ließen unsgleich nach der Vorstellung nachHause eilen. Mit derBitte unser Ausbleibenam Rendezvous: Dreher gütigst entschuldigen zuwollen zugleich in derHoffnung Sie und Ihren HerrnGemahl in Berlin wieder zu sehn,gnädigste Frau, Ihreergebenste
E. F.

Servant 1 Fl.
Portier 1 Fl.
Facchino 1 Fl.