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Arbeits-
Notizen.

<Schreiberhand Friedrich Fontane> <Schreiberhand Theodor Fontane>
Forstrath Pfeil. – InNeustadt erfragen. Der fa-mose Aufsatz in der Kreuz-
Zeitung
Ztng
über ihn. Pfeils eigne Bücher,besonders das was Geßner besitzt.

Die Poëten vom „Figaro.

Das Lokal in der Adler-Straße.Die Klause in der O. Hoffmannsteckte; seine Persönlichkeit, seineSchicksale.
Einiges über den „Figaro“selbst; seine Mitarbeiter, seineRichtung, seine Honorare. DasBlatt ist insofern merkwürdig,als jeder, der es aus denBerliner Literatur- und Studenten-kreisen später zu etwas gebrachthat, hier (im Figaro) begann. Um-gekehrt aber stellt sich ebenso sicher heraus,daß fast jeder dieser Figaro-Poëtenhinterher etwas wurde, so daßsich das englische Examinations-Prinzip rechtfertigte, daß still-schweigend (natürlich dürfen die Betreffenden nie davon hören) auf dieVersemachung Gewicht legt.Wer es thut, selbst wennsie schlecht sind, hat immer eineAmbition, die, richtig behandeltzur Mutter staatlicher Brauch-barkeit wird. | Dannnoch einiges über die „Verse-machung“ – die absoluteWerthlosigkeit und doch wiederder Werth dieser Kunst, ihrUeberschätztwerden und worinsie nicht überschätzt werdenkann.
Im Durchblättern des„Figaro“ finden wir fol-gende Namen: . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . Von allen diesen erzählenwollen, hieße ein StückLiteraturgeschichte schreiben. Wirscheiden deshalb schon vieleNamen aus, weil wir nunvon den „Märkern“ sprechenwollen und nur von den Todten. Es sind dies: Es sind auch dieselben, dieHeine die „hinterpommersche)Dichterschule“ zu nennenliebte.
Wegen Figarounsren Ernst Schultze und Petrarca fragen.
Ebenso dieselbenbeiden (auch Spinoza)wegen Ferrand undMinding.
Wegen Mindingauch an Frau v. Zobelschreiben; vielleichtweiß auch Soltmannvon ihm.
Eduard Ferrand.
Eigentlich Eduard Schultzgeb. zu Landsberg
an der Warthe
a. W.

Die Schriftsteller jenerEpoche (Adami. Beta.
et cetera
etc
)kennen ihn alle, wissen aberwenig von ihm zu erzählen.
Es scheint er hatte hierstudirt und poëtisirt, besaß einkleines Vermögen und lebteallergemüthlichst in den Taghinein. In der Kronenstraßewar eine Bierkneipe wo siezusammen kommen: Cornelius (eingroßer schwarzer Kerl, milita-ry-looking, wüst aber talentvoll)Hermann Marggraff. Hugo Hagen-dorff,Arthur Müller (später vonder ewigen Lampe) und derkleine Krücken-Hoffmann vomFigaro.
Es ging mitunter sehr laut,sehr lustig, sehr wüst her; Hoff-mann wurde betrunken gemacht,dann auf die Schultern derBeiden gelegt, wie Träger dieeinen Todten tragen, und sounter Trauermusik die siemit dem Munde wie Trom-pete und Posaune bliesen, nachHause getragen.
Ferrand saß dabei, freutesich lächelnd des Unsinns,nahm aber wenig daranTheil. Er war von Mittel-figur, tornister- blond, mit blauen Augenund einem kleinen elegantenSchnurrbart,dabei ziemlich breitschultrigund von gesunden Farben.Als Student oder etwas späterhatte er eine Nähmamsellkennen gelernt, ein hübschesKind, liebenswürdig und unbe-deutend. Dieser gab er selberUnterricht und als ihre Bildung „standes-gemäß“ geworden war, hei-rathete er sie. Gutzkownannte diese blonde Näh-erin die Ferrand geheirathethatte „die Muse der pommer-schen Dichterschule“. (Siehe inden literarischen Beiblättern zumDulterschen Phönix, wovonübrigens nur wenige erschienensind, also vielleicht nicht allzu-schwer zu finden.)Ferrand dichtete, gingspatzieren, besuchte die Kneipe(so früh wie möglich) undtrank. Er begann mit Wein,dann kamen die Bier-jahre,zuletzt hielt er es mit Grog.Es wurde schließlich zu vielund eines Tages blieb seinPlatz in der Kneipe leer. Erwar todt. Still wie ergelebt und getrunken hatte,so war er auch gestorben;blond, lyrisch, gemüthlich inLeben und Tod.
Hugo Hagendorff bildetesich als Poët nach ihm; sowie er denn, in dem gan-zen Kreise, als Dichter einesgewissen, übrigens sehr verdien-ten Ansehens genoß.

Die sieben Weisenvom Hippelschen Keller.


Max Stirner. Der Einzigeund sein Eigenthum
. Die wohl-habende Anverwandte die gehei-rathet wird, um Geld zuhaben. Die Anlegung desMilch-Bureaus in der Bern-burger-Straße (Keller). DerAufkauf en masse; dieLieferungs-Contrakte. KeineKunden. Die Milch wirdendlich in die Rinnen gelassen. –Max Stirners Tod. – SeineFrau mit Techow in London,dann in Adelaide oder Mel-bourne, dort als unglück-liche Person untergegangen.
Edgar Bauer. (Siehe JulianSchmidts
Literatur-Geschichte;vielleicht auch die Halleschenund die Deutschen Jahrbüchervon, Ruge und Echter-meyer)
Erste Begegnung in Londonam Strand, mit Faucher;Faucher stellt mich ihm vor;der Rebhühner-Einkauf unterBauer’s Direktion. Eisensachenbei
Mister
Mr:
Stone
am New-Road. – Edgar Bauer’s Woh-nung am Fuß der Hügel vonHamptead und Highgate; ichglaube da, wo der FavoriteOmnibus hielt, also da wo Isling-ton, Holloway etc. etc. zusammenstoßen. Seine Leit- Artikel beim Volks-Blatt (z. B. im vierten Quartal 1862) sind lesenswerth, oft sehrwitzig. Z. B. „Der politischeWachenhusen“ worin Herrv. Kirchmann behandelt wird,erst wie er (in der Kammer)an ballon hoch oben ist unddann wie er ( nach derKammerauflösung) als gewöhnlicherSterblicher wieder unten inBreslau ankommt.

Die Rehberger von 1862.

Herr Grabow hat in den Abschiedsworten, welcheer in der Sitzung vom 13. October den Abgeordnetennachrief, die Arbeitsamkeit seiner Collegen gerühmt.Im Sommer, sagte er, in täglichen Vor-, Nachmit-tags- und Abendsitzungen, und noch dazu in Räumenwie sie für ein Preußisches Abgeordnetenhaus kaumunwürdiger gedacht werden könnten, hätten die Herreneine große Summe von Arbeiten vollendet. DieBudget-Commission allein habe hundert Sitzungengehalten. Wir wollen dieses Lob vervollständigen, in-dem wir den Fortschrittlern das Zeugnis geben, daßsie in der That gearbeitet haben wie die Rehberger.
Die Rehberger des Jahres 1848 waren die Kin-der, die Lieblinge und zugleich die Opfer der Revo-lution. In ihnen stellten sich am treusten die Er-rungenschaften der Bewegung vor Augen. DasVolk, welches die Fesseln abgeschüttelt, sah ein, daßes seinen Sieg verherrlichen müsse, indem es für die
Seine Art zu leben und zuarbeiten dort; wie ersich einrichtete; wovon erlebte; alles selbst eingekauft: Tisch, Stühle, Fleisch, Bier, immerFrau und Familie hinter sich.Seine Liebe zu seiner Frau.Die Abstrafung des nebenanwohnenden Engländers, dener über den Zaun legt undihm hinten aufzählt; – der Engländerzieht aus. Sein Erscheinenund seine Mitgliedschaft inder Babel-society. EineBeschreibung dieser Gesellschaft,ihrer seltsamlichen Elemente,wie es darin herging,Anderson’s Hôtel; die
Männer sorge, welche bisher zurückgesetzt, verwahrlostund nur ihrem stillen Bewußtsein, daß in ihnen dasMark der Gesellschaft zu finden sei, überlassen wor-den waren. Das Volk schuf die Rehberger, gabihnen Arbeit und bewilligte ihnen täglich einen hal-ben Thaler.
Und die Rehberger machten sich mit dem Ernste,welcher Patrioten geziemt, an das Werk. Täglichzogen sie hinaus. Im Sommer, des Vormittags, desNachmittags, des Abends arbeiteten sie. Sand schau-felten sie empor, daß Gräben entstanden und Hohl-wege und Wälle und Sandberge, und wenn sie sorecht von dem Gefühl ihrer hohen Bestimmung durch-glüht wurden, so waren sie wohl auch im Stande,die Gräben wieder zuzuschaufeln, die Hohlwege wiederzu ebenen, die Wälle und Sandberge wieder abzutra-gen, um diese Denkmale ihres Fleißes bald daraufnach einem anderen Punkte zu verpflanzen.
Auch unterließen es die Rehberger nicht, Probenihres vaterlandsliebenden Sinnes abzulegen. Nochspät Abends von den wüsten Flächen, welche sich vorder Jungfernhaide ausbreiten, zurückkehrend, über-wanden sie ihre Ruhesehnsucht so weit, daß sie zuden Zelten wallfahrteten und bei den Volksversamm-lungen den Chor bildeten. Wer rief den lautestenBeifall, wenn es galt zu decretiren, daß das souve-räne Berlinerthum an die Stelle der Regierungtreten müsse? Die Rehberger. Wer stellte sich mitHacke und Schaufel in Reih und Glied, wenn esgalt, eine Demonstration zu machen? Die Rehberger.
Sie waren beliebt, die Rehberger, und meistenslagerte wohl auf ihnen eine stille Vergnügtheit. Aberes kamen auch Stunden, wo ein gerechter Mißmuthsie packte. Wir, klagten sie, wir, die legitimenSprossen des Volkes, wir, in denen das Recht derMassen sich abspiegelt, wir, das Mundwerk der Re-volution, wir, die Zukunftsmacht, sind verurtheilt,für einen Lohn, der uns gleich einem Almosenhingeworfen wird, uns abzuplagen. Nicht einZeugniß der Gerechtigkeit sind wir, sondern einlebender Beweis der Unverantwortlichkeit, mit welcherMacht und Reichthümer vertheilt sind. Wir bildendie ehrenwerthe, unverwelkliche Blüthe der Nation,wir fühlen auch jenen gerechtfertigten Ehrgeiz in uns,welcher der Bruder des Edelmuthes ist. Gleichwohlbehandelt man uns stiefmütterlich. Und von unseremWerke — was bleibt am Ende übrig? Der Windwird kommen, es umzublasen.
Danish society nebenan.der französische „Rothe“ (Nameim Tagebuch), Mosabini, endlichFaucher und Bauer. DerNachhausemarsch mit ihm durchGray’s Inn Lane; dasEinkneipen; die musikalischeNegerbande; der Fuß aufdem er mit diesen Kerlenstand. Sein Umherkneipenüberhaupt, mit den englischenPhilistern, dann mit denDeutschen Socialisten, Commu-nisten, Marxianern etc.Die Vorträge die er hielt. Dieeigenthümliche politische Position.Die Verachtung gegen den

So zwischen Pein und Beseligung lebten die Reh-berger dahin. So lebten nnd webten sie täglich, desVormittags, des Nachmittags, des Abends, bis imHerbste wirklich der Sturmwind der Reaction eintratund sie selber hinwegwehte.
Nun, im Jahre 1862, waren sie uns wieder er-standen. Statt der Blouse von 1848 trugen sie dies-
mal den Frack und den Paletot. Aber das Kostümabgerechnet, waren auch sie die Kinder, die Lieblingeund die Opfer der Bewegung. Auf’s Neue haben sieGruben aufgeschaufelt, Sandhügel emporgeführt, siehaben gearbeitet zu jeglicher Stunde, des Vormittags,des Nachmittags und des Abends; sie haben gelachtund geklagt; sie haben Beifall geklatscht und Unwillengedonnert; sie haben für kleinen Lohn den großenHerren Demonstrationen gemacht. Das fleißigsteCorps war die Budget-Commission, die allerdings inihren „hundert Sitzungen“ einen Sandhaufen aufge-worfen hat, welcher die herbstlichen Wirkungen derReaction überdauern wird. Unter diesem Sandhaufenaber ruhet der Fortschritt und die fortschrittliche Con-stitution.

Pielchen.

England besaß seinen Peel, wie besitzen unserPielchen. Auch verdienen wir nicht mehr. Die Eng-länder, welche in Australien Gold graben, am Capder guten Hoffnung nach Caffern jagen, in CanadaMais bauen, in Indien Revolutionen besiegen, undin China den Leuten den Zopf abschneiden, um ihneneinen englischen Zopf anzusetzen — die Engländer,sagen wir, waren eines Robert Peel werth; wir aber,die wir es nur verstehen, unsere Armee, das Werk-zeug unserer Größe, zu schwächen, wir mögen frohsein, wenn wir ein Pielchen haben. Der britischePeel erschloß den Engländern neue Kräfte zur Er-oberung und Behauptung des Weltmarktes, und aufder Grundlage dieses Strebens versöhnte er dieStände im englischen Reiche. Unser Pielchen sichertdem Herrn Julian Schmidt die Freiheit des Wortes,und verschafft uns somit den ununterbrochenen Genuß,bei der Lesung der Schmidt’schen Artikel uns einersanften Gedankenlosigkeit in die Arme zu werfen.
Liberalismus, Gothaismusund ihre Anstands- und Vor-nehmthuerei. Daher dieAnlehnung – ganz aufrichtig – an Man-teuffel und die Kreuzzeitungs-Par-thei, ob überhaupt mit arsières pensées und mit welchenist schwer zu sagen, daman auf einzelne Räthsel-worte (die ich mehr denneinmal hörte) nicht zuvielGewicht legen darf. Wahr-scheinlich sind es ganz aufrichtige Männer des aut-aut;so oder so, Manteuffel oderwirkliches Volks-Regime – d’Esterund noch weiter ’runter.
Berlin, 26. Febr. Das Haus der Abgeordneten verscherztdurch seine unpraktische Politik die Freundschaft des Publikums.Die Kreuz-Zeitung führte neulich einen Ausspruch des „Stand-art“ über das Abgeordnetenhaus an, der unsere Volksvertretermit dem Namen von petty-foggers beehrt hatte. Der Correspon-dent jenes Blattes bediente sich des Rechtes, eine Ableitung desWortes petty-fogger zu geben — ein Recht, welches ihm um somehr zusteht, als die Herkunft jenes Ausdruckes noch nicht genaufestgestellt ist. Er leitet das Wort von „fog“ der Nebel ab, sodaß also die petty-foggers Leute wären, die kleinen Dunst machen.Johnson meint, daß beide Theile des Wortes aus dem Franzö-sischen herübergenommen seien, und daß dasselbe ursprünglichpetit-vogueur gelautet habe. Hiernach würde es einen Ruder-knecht bedeuten, welcher jede Bewegung nachmacht, die der vor-derste Ruderer der vogue-avant, ihm vormacht. Wenn dervogue-avant auf die Regierung schimpft, so schimpft er nach, undwenn der vogue-avant eine Anwandelung von Patriotismus hat,so erhebt sich der petit-vogueur auf einen Moment von der Ru-derbank der Partei, an die er sonst gefesselt ist.
Grammatiker, die vorn Johnson schrieben, gaben dem Wortepetty-fogger die Bedeutung eines kleinen Haustyrannen, einesTöpfchenkuckers, indem sie sich darauf beriefen, daß das Verbumto fog, dessen Gebrauch freilich veraltet sei, herrschen heiße, mitdem Nebensinne des launischen Nörgelns. Dann wäre der petty-fogger ein kribbeliger Bursche, welcher der Hausfrau jeden Tha-ler nachrechnet, mit dem Rockärmel über die Gläser wischt, obsie auch vom Staube rein seien, und der seinen Zorn an unschul-digen Tischen und Stühlen ausläßt, besonders wenn an solchenTischen, die unter Umständen Ministertische sein können, Nie-mand sitzet. Da erhebt er seine Stimme und ruft: „von diesemTische können wir keine Gerechtigkeit erwarten“. Wir haben fürdas englische „to fog“ ein entsprechendes deutsches, welches zwarebenfalls ein wenig veraltet aber immer noch empfehlenswerth ist: nämlich das Wort „fauchen“. Ein Mensch, der faucht, ist einruheloser Hans in allen Gassen, von seiner Wichtigkeit sehr ein-genommen, immer großen Dunst um sich verbreitend, immer mitweltgestaltenden Gedanken schwanger gehend, und doch Nichtshervorbringend. Demgemäß wären die petty-foggers auf Deutschlauter kleine Fauchers.

Edgar Bauers Arbeiten währenddieser Zeit. („Englische Frei-heit“ ein kleines hübschesBuch); seine Correspondenzenund Feuilletons für SchlesisischeZeitung, „Zeit“ (
Preußische Zeitung
Preuß. Ztng
) und Kreuz-zeitung. Ihre Eigenthümlichkeit: die Spekulation, das kühneSchlußziehn aus ein paargegebenen Sätzen, oft feinund zutreffend, oft unsinnig.
Die tolle Seite seinesLondoner-Lebens; Geld empfan-gen, etwas deponiren, amliebsten gleich etwas kaufenfür Frau, Haus, Kinder, –den Rest verkneipen; dreiTage lang gar nicht nach Haus.

Bailey erklärt das Wort petty-fogger in einer Weise, daß wires am besten mit Nachstippeler übersetzen könnten. Fog heißtnämlich nicht blos Nebel, sondern auch Nachwuchs, Nachernte,unter Umständen sogar Abhub. Der petty-fogger wäre also einMensch, der, wenn die entscheidende Ernte geschehen ist, nochauf dem Felde herumkrebset, in jede Kartoffel riecht, ob sie nichtnoch brauchbar sei, ein Kleinigkeitskrämer, der die Strohhalmezählt, welche aus Fahrlässigkeit liegen geblieben seien, ein Chica-neur, der das Gras mit der Wurzel ausreißen möchte. Bekannt-lich heißen in England hauptsächlich solche Winkeladvocatenpetty-foggers, welche aus einer Maulschelle ein weltgeschichtlichesEreigniß machen, die wegen eines über dem J fehlenden Punktesein Erkenntniß umstoßen und durch Berufung auf kleine Fomali-täten einen Proceß in die Länge ziehen wollen. Sie sind Meisterin der Kunst, einen Gesetzparagraphen in sein Gegentheil umzu-deuten. Parlamentarische petty-foggers würden demnach Leutesein, welche mit Taschenpistolen knallen, nachdem die Kanonenbereits das Urtheil gesprochen, und die mit unbedeutenden Ein-wänden dies Urtheil umstoßen möchten.

Wir geben schließlich den Etymologen anheim, ob sie nichtzwischen fog und Faxe eine Verwandtschaft herstellig machenkönnen, so daß der petty-fogger ein kleiner Faxenmacher wäre.

Dabei mit Frau und Familieimmer auf dem besten Fuß.Dann wieder sich hingesetztund gearbeitet. – Sein Besuchbei uns; seine Rathschlägewegen „Knigge’s Umgangmit Menschen.“ Seine Be-ziehungen zu Faucher undzum Faucher’schen Hause;seine Aushilfe beim
Morning
M.
Star
, überhaupt seine Gut-müthigkeit, Hülfebereitschaft, –daneben her aber immer einSpott, der es unmöglichmachte zu erkennen, wasernst und was Spaß sei. Manwurde nie die Empfindung los: „jetzt wirst Du vielleicht dupirt“ – unddies war unerquicklich und au fondlangweilig.Dazu sehr billige Art der Superiorität. 1861 kehrte ernach Berlin zurückund übernahm die Redaktiondes Preußischen Volksblatts.
Ludwig Buhl. Sein
Cynismus, seine Sentimenta-lität; seine Sauereien und danndoch das volle offene Geständniß,nur das Geistige, das heiligsteLeben des Herzens sei daswahre, ächte, wirkliche, allesandre sei nichts. Seine ver-schiednen Gefangenschaften *. DieUrsachen davon. Die Scenenund Bekehrungen im Kerker.Sein Einfluß und seine Machtüber seine Umgebung. Seinberühmter offner Brief anManteuffel. Seine Abendunter-haltungen mit dem spätrenStaatsrath (russischen) Fonton. Hierüber weiß Beta zuerzählen. Sonstige Schick-sale, bevor er endlich beim
Magdeburger
Magdeb:
Correspondenten
landet.
Julius Faucher.
Die erste Bekanntschaft mitihm bei Maron. Dann inseinem Hause (Lenau). Dann1845 wo er Abends, à la Hand-werksbursch, mit 10 Kerlen hintersich, Leute anfocht und um2 12
Silbergroschen
Sgr
zum kneipen bat. Dannin London mit Mosabini.Seine Schilderung (Mosabini gegenüber)der Brandenburger in Priegnitz undim Ruppinischen, an der Mecklen-burger Grenze entlang. Die Scenenmit Graf und Gräfin. BeimMorning Star. Im Babel. DieKneipereien mit ihm. Lola Mon-tez. Die Scenen in seinem Hause; seine Stellung zu Frau und Kind.Seine Vorträge in den Deba-ting clubs. Sein Erscheinenbei der Vermählung der PrinzeßVictoria. Hof-costüm mit Galanterie De-gen an der Seite. Sein Platzin St James Palace undsein Wadenspiel. Seine Reiseim Gefolge des Kronprinzen undseine Polizei-Scenen in Berlin.
Dann seine Rückkehr (nach derAmnestie) nach Deutschland. SeineRhapsodenschaft, seine Wander-vorträge; seine Bemühungen umin Wetzlar gewählt zu werden.(Dazu der Artikel aus demVolksblatt.)
Endlich taucht er in Berlin auf und besucht mich eines Sonn -tags Nachmittags (
den
d.
22. Dezem- ber 1861). Ganz der alte.Er construirt neue Reiche (wiefrüher das baltische) und kucktdabei immer in den Spiegel. DenLiberalismus des Königs erklärter durch englisches Gebundensein; –England habe erklärt uns nurso lange gegen Frankreich helfenzu wollen, als wir den Consti-tutionalismus aufrecht erhalten.Plaudereien über Bernstorff, über„Lucie die schön wird“, über „Ca-roline die an der Gebärmutterleidet“ etc. Dabei lebhaft, neid-los, anerkennend (trotz aller Eitel-keit) wie immer. Lobt PrinceSmith und
Doktor
Dr
Michaelis
trotzdem sie gegenihn sind. Dann verschwindet er, kometenhaft,wie er gekommen. Beta erzählt: „
Faucher
F.
galt in demKreise als Hauptlügner. Er er-zählte zu Zeiten wo er von derWelt noch wenig oder nichtsgesehen hatte, von seinen Reisen inSpanien und Südfrankreich, bis Buhlsich erhob und ihn anrief: „Du Va-ter aller Lüge, willst Du das M . .  halten; Du hast dasund das Buch gelesen; du warstnie da; such dir ein dummeresPublikum etc.
Faucher wurde also (Januar 1862) in Delitzsch gewählt.
Ich traf ihn am 23. Januar bei Ste-hely. Er war ganz der alte, erzähltevon „Caroline“ und „Lucie“, von seinenTriumphen in Frankfurt, vom Star etc.und schloß damit: „jetzt muß Geldund Geschichte gemacht werden.“ Ersagte das halb im Scherz und halb imErnst.In dem Satz stecken seine zweiHauptfehler drin, die ihn niezu etwas Reellem kommen lassenwerden: „seine Eitelkeit undsein Gelddurst“. Schon in Lon-don ging ihm „Geld verdienen“über alles, selten ist mir einMensch vorgekommen (am allerwenig-sten ein feiner Kopf und halberCyniker) der so auf Glanz, Re-präsentation, fortman, Trumeauxsund ähnlichen Schwindel versessengewesen wäre (hierhin gehörtseine Wohnung in Westbourne Terraceund der Bischof von Oxford * als Besuch)und der es, trotz aller seinerGaben, zu so erstaunlich weni-gem auch nach der Seite gebracht hätte. Er schwelgtephantastisch in Glanz, wollte diesenGlanz auf jede erdenkliche Weise reali-siren halten würde, wenn man seinem Gerippe begegnenwürde und es wurde für ihn die Spezies: „Literarchos“ gegründet. Es hieß weiter,Edgar Bauer habe Sass’en mal betrunken in derGosse gefunden und ihn herauswuchten wollen, habeaber endlich ausgerufen: „der Kerl nimmt ja garkein Ende“ und habe ihn mit diesen Worten wiederfallen lassen. (Der Kladderadatsch oder irgend einanderes Witzblatt, bildete ihn mal ab, wieer an den Thurm von Notre Dame herantritt,auf dem sich zufällig Louis Napoleon befindetund sich von unten seine Cigarre an der L. Napoleonsansteckt.) und brachte es doch immer nurzu Schulden und zum alltäglichsten.
Bei Stehely war er wiedersehr ergötzlich und fing, von altenZeiten an, zu erzählen; wie inden 30er und namentlich 40er Jahren bei Stehely Politik gemacht wor-den wäre. Er erzählte von dem„dummen Correspondenten“, demman jeden Tag Unglaublichkeiten auf-gebunden habe, die dann „ins Reich“gingen, wo er verschiedene kleineBlätter versorgte. Bei Stehelywar damals auch der „lange Sass“,eine Hauptfigur, der wegen seinerAufsätze über Gründung einer Flotteder erste Mastbaum der deutschen Flotte“ hieß.In der Zeit als das „Hydrar-chos-Gerippe“ gezeigt wurde, wurdeoft die Frage verhandelt, wofürman nach 1000 Jahren Sass

SchöneNeue Lieder gedrucktin diesem Jahr.


Diese Lieder wird Eggersvon Trowitzsch wohl verschaffenkönnen.
Die Stalls und Railings inLondon. Dort existirt in derThat eine inferiore Literaturdie nebenherläuft; hiernährt sich der gemeine Mannvon derselben Kost (ich sprechevon Norddeutschland) und wasso von Ordinärereien neben-her gesungen wird, ist derZahl nach unbedeutend, meistnur völlig lokal, und niemals sopopulär wie die höher gegriffenenLieder.
Man könnte versucht sein,da die Lieder unsrer Poëtenzweifellos besser sind, alsdie Sorte (z. B. die Hinrichtungs-gedichte) die in England fa-brizirt wird, der FirmaTrowitzsch hinaus einVerdienst zu machen, aberes ist dennoch fraglich obsie Anspruch darauf hat.
  • 1) Ist die Entlehnung aus denschon gedruckten populären Lieder-buch billiger und mindestens bequemer
  • 2) Geht der Volkspoësieallgemach dadurch doch viel-leicht im Klang verloren,den sie sonst bewährenkönnte (dies näher ausführen)
  • 3) merkt man an unsremJanhagel keineswegs, daß eraus einer aesthetisch-reinerenQuelle trinkt.
Außerdem Statistisches;Tabellen-Zusammenstellung; wasvorzugsweise wiederkehrt, welcheSorte (Gattung) die populärstescheint; heiter oder senti-mental, Liebe oder Helden-thum. Schließlich welche Poëtendas Haupt-Contingent seit20 Jahren gestellt haben.

Wilhelm Hensel.

Er war ein glänzender Ge-sellschafter, zumal bei Tisch undverstand es zu unterhalten, anzu-regen und zu erheitern. Er excellirtein allen Arten von Tischreden, inProsa und in Versen und seinederartigen Improvisationen, wenner bei guter Laune war, warenoft vortrefflich und besser origineller als seineeigentlichen Dichtungen. Er gehörtenoch der alten Berliner Wort-spiel-Schule an und war einervon denen, die mit einem hin-geworfenen Satz minutenlangspielen konnten, weil sie dieGabe hatten so zu sagen jedemWorte seine lächerliche Aehnlichkeitmit zehn, zwölf andren Wörtern
Ich bitte Sie Ihre Gläser zu füllen. Es gilt einen Wunsch zu stillenden Sie lange im Stillen gehegthaben, es gilt einen Toast auf dasBeste bei jedem Feste, einen Toast aufdas Unbeschreibliche, ewig Weibliche. Hochdie Frauen.Alter schützt vor Thorheit, nicht wenn Sie mich hänseln, wiedenn so muß es mich trösten, daßich Hensel bin. Komm es mir zu gute,daß ich Ihnen gut bin, und gelte ihnen einen Toast etwasweil er ihnen gilt. Es giebt keinen Armen inihren Armen, sie können nicht leidendaß wir leiden, sie geben um zuleben, sie unterliegen um zu siegen.Wir tragen ihre Ketten; sie rufen lachend und> lose : Löse sie. greifen nach Feder und Feile, da treffenuns neue Pfeile. Ihre Wunden sind ihm Wunder,ihre Stiche stechen aber sie binden undfestigen auch. Traurigstes aller Looselos und ledig zu sein; gieb Dich gefangen, so hastDu es recht angefangen. Was ist dasGlück? „ein schaurig Augenblick!“. Ein Blick schöner Augen nures lebe was schmückt und beglücktes lebe was glänzt und kränzt es lebe der Mai, das Grün im GrauHoch die Frauen, es lebe die Frau. treffender gewesen. Seien wir die Richter die richtiger sprechen; anzusehn. Es mag dahin gestelltbleiben was dabei mehr denAusschlag giebt, eine Art künstlerisch-plastischer Sinn der die Aehnlichkeitensieht, oder einen feinen Sinn fürden Klang der die Aehnlichkeitenhört. Vielleicht beides. Ihm zu-zuhören war wie sich inkaleidoskopische Figuren erliegen;immer dasselbe und doch immerwieder anders. Seine Tischreden,wenn sie nicht bloßes Spiel mitWorten waren, waren Quod-libets, ganz nach Art musikalischerStücke zusammengestellt; Citateaus alt und neu und wirksam durchContraste und die drollige Art derUebergänge. Nun Beispiele geben(folgen die Beispiele.) Diese Beispielesollen nur ohngefähr die Art zei-
Oder: Melzer ist stolzAuf seinen Schwager Scholz,Aber Scholz ist noch viel stölzerAuf seinen Schwager Melzer.(Der bekannte Wiener Schauspieler Scholzin das Album seinesSchwagers Melzer)„Was sich Kühne nicht erkühntWird sich Laube nicht erlau-ben.“Diese Art von Wortspielereienwaren sein Element; freilichwaren sie nicht immer gleichgut.Sic transit gloriaMundti.gen. Sie sind, obschon ingewissem Sinne vielleicht besser alser sie zu improvisiren pflegte,doch im letzten schlechter, es fallendie totalen Fehlschlüsse und – Albern-heiten (?) aber es fallen auchdie Treffer. So was ist hinter-her nicht wiederzugeben; eswird mehr oder weniger fertig,leblos. Aber es muß hier stehn,um die Gattung zu charakterisiren.

Sein Verhältniß zu WilhelmMüller etc. u. Graf Blankensee.Dieser war eine Bekanntschaft vonihm aus Paris (Louvre oder Tuilerien-hof) her, 1814 oder 15. Er schätzte ihntrotz seines schmachvollen Geigens, denner habe ihn, in der Freundschaft, Frau,ausdauernd und selbst aufopferungsfähiggefunden. (Dies weiter ausführen.)
Aber diese Eitelkeit hatte nichtsBedrückendes, weil sie völlignaïv auftrat und selbst derLächerlichkeit verfiel sie kaumhalb, weil er so viel Mann-haftes, Banales hatte, was alsGegengewicht wirkte. dafür spre-chen seine 3 Wunden.Sein Sohn ist Rittergutsbesitzer.
Siehe
S.
Ka-talog von 1862
Seite
S.
XVI. Mendels-sohns und MaxMüller müssenallerhand überihn wissen. Er war außerordentlich eitel. Eines Tages begegnete er jener Dame seiner Bekanntschaft in der Wilhelms-straße, sie ging hüben, er drüben, die breite Straßelag zwischen ihnen. Kaum aber,daß er sie bemerkt hatte, so kamer quer über den Damm herüber,zeigte auf seine gestärktes Halstuch undsagte mit färllichstem Ernst: „Siewundern sich, Gnädigste, daß ich eineweiße Cravatte trage; – ich bin zuMajestät befohlen.“ Damit ging erweiter. Er hatte dem Drang nichtwiderstehn können andre zu Zeugen seines Glücks zu machen.
Seine Portrait-Gallerie; ihr Lob und ihrTadel. Seine Oelbilder. „Der Prinz vonWales“ in Charlottenburg. Seine Stellung in derAkademie. Seine Correspondenz in Versen. Seinspätes zu Bett gehn. Sein Muth, seine Ueber-zeugungstreue. Die Scene 1848 mit dem Künstler- Corps. Seine letzten Gedichte. DieUrsach seines Todes. Sein Tod selbst.Ende November oder Anfang Dezember1861.

Sehn Sie: „Da kommt AbekenIm Trabeken“.

Zur Jenny Lind: Wer ist das auf IhrerBranche.
Es ist die Pasta.Ah, Paßt da; erwiderteHensel ebenso rasch wiegalant.

Das Oderland

Tamsel. Erst die

Lokalität landschaftlich(namentlich auch denPark aber ohne seine historischen Details) geben. Ueber Hans Adamvon Schoening werd’ich das Nöthige finden Luise Eleonore v.Wreech
geborene
geb.
v. Schoening
.
geboren den
geb. d.
2.
Februar
Febr:
1708
,vermählt 1723 (also 15 Jahralt) an Herrn v. Wreech, 1746 Wittwe, starb 1764. „Die Corres-pondenz rechtfertigt siegegen die Angriffe undAusfalle in den Briefeneines Grumckow undSeckendorff.

Predikow.

Neben den Krummensee-schen Gütern (später Schwe-rinsche Herrschaft Alt-Lands-berg) lagen die Barfus-schen Güter) darunter vor-zugsweise Predikow,Mögelin, Barzlow>, auchviele andre noch. Ein-zelne dieser Güter, da-runter Predikow, wußteOtto v. Schwerin, nachdemer die Krummensee’schenhatte, nun auch nachden Barfus’ abzuluxen. Aber„Unrecht Gut gedeihtnicht“ und etwa 1706 kam alles an dieKameke’s (der grand maî-tre). Auch diese habenes wieder eingebüßt.

Der Feldmarschall v.Barfus war in Möge-lin geboren. DieBarfus haben jetzt nurnoch Baazlow.
Von allem was derGeneral -Major geschickt hat,ist nur folgende Sagezu brauchen: Anfang des 17tn Jahrhunderts waren 4 Rittersitze inHohen- und Nieder- Predi-kow. In Nieder-Pre-dikow befand sich dasalte oder rothe Haus,welches massiv vonZiegelsteinen erbautwar und worauf dieSchloß- und Burggerechtig-keit ruhte. Hier (imrothen Haus) wohnte RichardBarfus, der Aelteste der4 Besitzer und Brüder; seine3 Brüder waren: Nicolaus,Valentin und Casper. DieSage ist nun folgende: Etwa 1610 kamen die4 Brüder beim ältesten(Richard) im rothen Hausezusammen. Valentin, deram Hofe des Pommern-herzogs Oberjäger-meister war, war eintüchtiger Zecher; auchsonst wurde gejubelt,und getobt (dies lebhafter,wüster schildern) und wietoll getanzt. UmMitternacht konnten dieSpielleute nicht mehr; daschrie Nicolaus: „weiter,weiter, und wenn der Teu- vielleicht in Gaehde: Geschichte von Alt-Landsberg (SieheFidicin).fel selber aufspielen sollte.Da erschien der böseFeind auf dem Ofenmit der Sackpfeife undspielte auf. Darauf entsetztensich die Barfuse und ließenden Pfarrer holen undfingen, als er kam, mitihm eifrig zu beten an.Der Teufel verschwandzwar, aber Unfriedenließ er in den Herzenzurück (dies andersmotiviren) es kam zumZweikampf zwischen Richardund Nicolaus und jener(der älteste) fiel. (Da sich dieseGeschichte imSchwerinschen x---x zu Alt-Landsberg vorfinden soll, so steht sie
Das Blumthal. Dies,
gehörte zum Theil zuden beiden Predikows.„Es ist ein wahrer Genußdiesen üppigen Wuchs vonLaub- und Nadelholz zusehn, die herrlichsten Eichenwechseln mit Fichten, Tannenund Kiefern. Der Wald-boden ist sehr fruchtbar,hat schönes Niederholz undHügel wechseln mitFlachland; dazwischen kleineklare Seeen. DieserWald gefiel den jagd-lustigen Markgrafen undKurfürsten sehr wohl,wiewohl sie doch denWerbelliner Wald hatten,eine der schönsten Forstenin Deutschland.
Kurfürst Johann Georgbat die obengenannten4 Brüder um die Erlaub-niß in ihren schönen Wald-gehegen jagen zu dürfen,was sie gern gestatteten,nicht ahnend oder er-wartend, daß daraus vonSeiten des Kurfürsten dasdauernde Recht der „Vor-jagd“ gefolgert werdenwürde.Denn 1602 brach dasJagdgefolge JoachimFriedrichs (des Nachfolgersvon Johann Georg) mit2 bis 300 Händen in diePredikowschen Waldungenein, hetzten das hohe Wildab und verrichteten denjungen Wildstand. DieBrüder klagten auf Schaden-ersatz. Der Kurfürst setzteeine Kommission ein: Allein es kam nichtsdabei heraus; so gingman ans Kammergericht;weitre Verschleppung; 100Jahre später war keinBarfus mehr inPredikow. –

Landsberg
an
a
.
Warthe
W.


Doktor
Dr
Woldemar Nürnberger
.Assessor
Hermann
H.
Kette
Adolf Moerner (Fischer).
Doktor
Dr
Bornitz
.Herr Direktor Her-wegh, Direktor desStadttheaters zu Lands-berg und Küstrin.

Friedrich Schlegels Katholicismus.

Sulpiz Boisserée. Zwei Bände. Stuttgart, Cotta, 1862.
Unsere Kenntniß der romantischen Periode ist trotz mancherVeröffentlichung der letzten Jahre immer noch eine höchst lücken-hafte. Manches scheint für immer verloren, wie sehr Vieles ausdem Nachlaß von Novalis und Friedrich Schlegel; anderes wartetnoch immer der Veröffentlichung, wie der größte Theil der Corre-spondenz von A. W. Schlegel und seiner Frau, sowie von Schelling;die wissenschaftlichen und künstlerischen Schulen, die sich an dieseanschlossen, stehen uns immer noch zu nah, als daß Veröffent-lichungen aus ihrem Kreise jetzt schon zu erwarten wären. So istdenn die Erweiterung unserer Kenntniß dieser Periode nicht hochgenug anzuschlagen, welche wir den umfassenden Veröffentlichungenaus Sulpiz Boisserée’s brieflichem Nachlaß verdanken. Dertreffliche Mann, den sein edles, großen Aufgaben zugewandtes Strebenmit den bedeutendsten Männern seiner Zeit in Verbindung brachte,hat in den letzten Jahren seines Lebens damit begonnen, seine rei-chen Erinnerungen für die Nachwelt aufzuzeichnen; als ihn am 2. Mai 1853 der Tod überraschte, fanden sich nur einige Bruch-stücke von geringem Umfang, so anspruchslos und anmuthig er-zählt, daß wir nicht genug bedauern können, das Ganze entbehrenzu müssen. Wir verdanken nun seiner Wittwe die Zusammenstel-lung seiner Briefe und Tagebücher, welche ein besonderes Interessebeanspruchen dürfen. Einige Punkte von großer literarischer Wich-tigkeit erhalten durch die Zusammenstellung ein neues Licht. Sodie spätere Entwickelung Fr. Schlegel’s, dann Goethe’s Verhältnißzur romantischen Kunst, endlich die Begründung einer mittelalter-lichen Kunstgeschichte und in Zusammenhang mit ihr der roman-tischen Maler- und Architectur-Schule.
Friedrich Schlegel ist auf die Entwickelung Boisserées vonentschiedenem Einfluß gewesen. Und zwar fällt dieser Einfluß ge-rade in die Jahre jener entscheidenden Umgestaltung seiner Ansicht-ten, welche ihn dem Katholicismus und der östreichischen Regierungzuführte. Ueber diese Zeit nun liegt eine schöne Erzählung Boisse-rées vor, von dankbarer Erinnerung an den lange verstorbenenFreund erfüllt und in Folge davon freilich nicht von der rücksichts-losen Offenheit des Urtheils, welche der Literarhistoriker von demManne wünschen möchte, der allein diese entscheidende Zeit mitFr. Schlegel durchlebte. Von der Uebersiedelung nach Wien ab
finden sich dann Briefe. Diese, wenn man sie mit den jüngst imdritten Bande der Schleiermacherschen Correspondenz veröffentlich-ten vergleicht, gestatten schon einen tieferen Einblick in die dama-lige Entwickelung Friedrich Schlegels. Freilich auch zu diesenwird man keine übertriebene Erwartung mit hinzubringendürfen. Wenn jemand die Triebfedern einer so complicirten Ent-wicklung geradezu in Händen halten möchte, so war FriedrichSchlegel nicht der Mann, einen derartigen Wunsch zu erfüllen.Sein Bruder hatte bereits treffend bemer>kt, mit welcher Kunst der-selbe, so oft er zur Feder griff, alle paradoxen Gedanken in glat-ten Worten und künstlich abgewogenen Sätzen versteckte: Er ge-hörte darin ganz zu der stylistischen Schule Göthe’s, wie seinBruder und Varnhagen. Das ist auch, wenn er an Freundeschrieb, sehr bemerkbar. Es kam aber dazu, daß es immer einebedenkliche Sache ist, eine Umgestaltung der innersten Gesinnungenin Darlegungen, Vertheidigungen und Dupliken anderen verständ-lich machen zu wollen; gerade hierdurch entsteht am ersten jeneGehässigkeit, Einseitigkeit, Berurtheilung früherer Freunde,wie sie dem Proselytenthum eigen ist. Völlig kann diesewidrigste Seite desselben eben nur verhindert werden, wenn man,wie auch ein allgemeines Gefühl will, den veränderten innerstenUeberzeugungen einen äußerlich herausfordernden Ausdruck zu gebenvermeidet. Und so hat sich denn auch Friedrich Schlegel durchausnicht von Gehässigkeit gegen alte Freunde in späteren Jahren freizu erhalten gewußt ; aber damals in der ersten Zeit ist sehr sicht-bar, wie er Discussionen über seine Umkehr zum Katholicismusvermeidet. Nicht nur Schleiermacher gegenüber, mit welchem sichzu verständigen er natürlich keine Hoffnung haben durfte, sondernauch gegenüber seinem katholischen Freunde Boisserée. Man brauchtnicht viel zwischen den Zeilen zu lesen, um zu erkennen, wie un-angenehm dieser nicht nur vom Zusammentreffen seines Uebertrittsmit seiner Uebersiedlung nach Oestreich, sondern überhaupt vondiesem öffentlichen Schritt berührt war; dennoch ignorirt Fr.Schlegel lieber die Andeutungen des Freundes und vermeidet jedenähere Eröffnung über seine Motive. Man wird daher wohl mitSicherheit sagen können, daß in keinem etwa noch verborgenenDocument die Gründe seiner späteren Entwickelung offen zu Tagetreten. Vielmehr wird man sie durchaus aus den einzelnen Zügenseiner damaligen Lage ableiten zu müssen, und von dieser geben unsErzählungen und Briefe ein anschauliches Bild.Als Friedrich Schlegel im Frühjahr 1802 Deutschland ver- ließ, um unklare Hoffnungen in Paris zu verfolgen, und als erdann das lange hinausgezogene Plato-Unternehmen endlich völligaufgab, war sein Schicksal entschieden. Er gab damit den einzigenPunkt auf, an welchem er bisher einen steten Halt besessen hatte,seine griechischen Studien. Er unternahm es, ganz neue Gebiete,wie das indische Alterthum und die Kunst des Mittelalters zugleichdurchzuarbeiten und für den momentanen Erwerb fruchtbar zumachen. Seine Schriften zeigen daher in dieser Zeit einen Gradvon Hast, von formloser Mittheilung seiner Resultate, mit Hinzu-fügung all’ der zufälligen Wege, auf denen er sich um sie bemühthatte, durch den sie sonderbar von seinen früheren Arbeiten ab-stechen. Die Neigung seiner Natur zu einseitiger Begeisterung und zueinem willkürlichen Enthusiasmus erhielt auf einem Gebiete, aufwelchem er keiner ebenbürtigen feindlichen Kritik zu begegnen fürch-ten mußte, eine gefährliche Nahrung. Von der Reise nach Parisbis zur Uebersiedlung nach Wien bewegte er sich mit unruhiger Hastin einer Reihe historischer Untersuchungen über das Mittelalter unddas indische Alterthum, Untersuchungen von einschneidender Bedeu-tung für die betreffenden Gebiete, von höchst anregender Wirkung,die aber in der stärksten Einseitigkeit befangen blieben. Besondersdie mittelalterlichen Arbeiten tragen überall Spuren völliger Unfer-tigkeit; sie entstanden aus dem Verkehr mit Freunden, und wurdenvon deren gründlicheren breit und ruhig betriebenen Forschungensehr bald überholt. Von da ab zog er sich dann von diesen Arbeit-ten eben so plötzlich und abrupt zurück, wie ehedem von denen übergriechische Literaturgeschichte und Aesthetik. Auf seine Gesinnungaber waren sie von um so entscheidenderem Einfluß, je unfertigerund in Folge davon phantastischer und einseitiger sie waren.
Lag doch ihr erster Ursprung nicht in wissenschaftlicher Unter-suchung, sondern in poetischen Phantasien. Man darf Novalis’Aufsatz über die Christenheit als das erste Document dieser poetischenGährung betrachten; die Herzensergießungen eines kunstliebendenKlosterbruders, Tiecks Sternbald und seine Phantasien über dieKunst malten die helldunklen Anschauungen jenes Aufsatzes insEinzelne aus; dann kamen die Kunstgedichte A. W. Schlegels von 1800 : Friedrich Schlegels Gespräch über die Poesie gestaltetealle diese Anregungen zu einem zusammenhängenden ästhetischenGedanken. Zumal in der merkwürdigen Rede über Mythologie,in welcher für die moderne Kunst die Grundlage einer die Phan-tasie befriedigenden Religion postulirt wird. Es war mit Händenzu greifen, daß nur das katholisch gefaßte Christenhum eine
solche Grundlage zu währen vermöchte. Mit solchen Gedankenbesuchte Friedrich Schl el Dresden, den Niederrhein, endlich einenTheil von Frankreich und Paris. Sein Alarkos warkurz vorher mit beleidigendem Hohn aufgenommen worden.Des platonischen Studiums war er müde; die neuen Anregungenfielen in eine Seele, welche sich an etwas Großes festzuhalten ver-langte, um sich nicht selbst zu verlieren. In solcher Stimmungentstand zunächst die Reisebeschreibung in der Europa und dann dieGemäldebeschreibungen aus Paris und den Niederlanden. Eswaren darin Nachklänge alter Gespräche, die mit Tieck in derDresdener Gemäldegallerie geführt worden waren, wie denn Tieck(Boisserée I.
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S.
558) nach Schlegels Tode bei Hälfte dieses Auf-satzes für sich in Anspruch genommen hat: freilich bekanntlich fürsolche literarische Eigenthumsfragen kein ganz verlässiges Zeugniß.Es waren darin zugleich bereits die ersten Ansätze der Untersuchun-gen, welche später gemeinsam mit den Boisserées geführt wurden.Denn seit dem Herbst 1803 waren die beiden Freunde nebst ihremGenossen Bertram in Friedrich Schlegels Hause. Es war einebunte Hausgenossenschaft, welche sich dort im ehemaligen Hotel desBaron Holbach um Friedrich Schlegel gruppirte, A. Hamilton, dergroße Kenner des Sanscrit, Friedrich Schlegels Lehrer, und ein jungerPhilologe Hagemann von Hannover, der ebenfalls unter ihm Sanscritstudirte, und um die drei Kölner Freunde, junge Männer, welche ebenden Kaufmannsstand verlassen hatten und eifrig unter Friedrich SchlegelPhilosophie, Geschichte und Litteratur trieben, endlich eine BerlinerDame, Frau von Hasfer, welche mit Frau von Genlis nach Parisgekommen war und nun bei Coatta französische Miscellen heraus-gab: ein buntes Treiben von Lehrenden und Lernenden, von weitaussehender wissenschaftlicher Arbeit und leichtem litterarischen Er-werb. Dort in jenem Hause wurde der Grund gelegt für diedeutsche vergleichende Sprachwissenschaft und für die Geschichte dermittelalterlichen Kunst. Mit dem Frühjahr 1804 stob dann diebunte Gesellschaft auseinander. Die Kölner Freunde mußten andie Rückkehr denken und Friedrich Schlegel entschloß sich, sie nachKöln zu begleiten. Anderthalb Jahre war er nunmehr in Parisgewesen und alle Träume einer großartig vermittelnden littera-rischen Stellung zwischen Frankreich und Deutschland, mit welchener dorthin gegangen war, hatten sich längst als Illusionenerwiesen. „Schlegel hatte damals, auf dem Wege seiner historischenund philosophischen Studien, schon eine günstige Ansicht nicht nurvon dem Mittelalter, sondern auch vom Katholicismus gefaßt;daher war vieles ihm willkommen und merkwürdig, was Bertram
von alten Einrichtungen und Gebräuchen der Reichsstädte, derKlöster und Stifte am Rhein, was er von dem Gottesdienst undden Kirchen zu erzähl>en wußte. Durch irgend eine vorgefaßte Mei-nung hatte Schlegel die alte Kirche Notre-Dame zu Paris unbe-achtet gelassen, dieses großartige Gebäude verfehlte nicht, auf ihneinen tiefen Eindruck zu machen und seine ganze Aufmerksamkeitwurde rege, als die Kölner Freunde ihm einen weit höheren Genuß vonden vielen alten Baudenkmalen in den Niederlanden, in Köln undüberhaupt am Rhein versprachen.“ Zugleich bot sich ihm an derhöheren Schule in Köln die Aussicht wenigstens einer vorüber-gehenden Anstellung für Geschichte und Litteratur dar, unddie Möglichkeit einer Wiederherstellung der alten Universitätlag ja immer noch vor Augen. So verlassen denn nun dieFreunde Ende April Paris und wandern durch Belgien nachAachen und von da über Düsseldorf nach Köln. Auf dieser Reisewurden denn die bekannten „Gemäldebeschreibungen aus Paris und denNiederlanden im Jahre 1802–1804“ vollendet, wie sie nachher ausder Europa und dem poetischen Taschenbuch in den gesammeltenWerken zusammengestellt sind. Das Wichtigste gaben die Unter-suchungen der Kölner Kirchen, die Entdeckung der „neugriechischenMalerei“, denn so bezeichneten die Freunde damals die ersten auf-gefundenen Bilder der Kölner Schule. In der Zelle einer kranken fNonne fand Melchior Boisserée eine Maria mit dem Kinde auGoldgrund, welche den Freunden die erste Ahnung dieser griechischenKunstweise gab. Friedrich Schlegel’s Arbeiten wurden von denEntdeckungen der drei Freunde bald weit zurückgelassen; indem dieseden Beginn der Oelmalerei in Eyck und dessen Schule feststelltenund die Einwirkung dieser niederländischen Entwickelung auf dieitalienische nachwiesen, war der Grund für die Geschichte der Ma-lerei gelegt. Hiervon hat dann Fr. Schlegel nur die Resultatein die spätere Umarbeitung seiner damaligen Versuche aufgenommen.
Er fand aber in Köln zu gleicher Zeit durch das Studiumdes Doms eine neue gewaltige Anregung, und als er dann im Herbst 1804, nachdem sich seine Anstellung in Köln zerschlagenhatte, über die Schweiz, wo er bei Frau v. Staël und seinem Bruderverweilte, nach Paris reiste und dann im Frühjahr 1805 von danach Köln zurück, so nutzte er dies verworrene Wanderleben wenig-stens dazu, eine Uebersicht über die Grundzüge der gothischen Bau-kunst, wie sie sich ihm in den Niederlanden, den Rheingegenden,der Schweiz und Frankreich dargeboten hatte, zu entwerfen. Wäh-rend des neuen Aufenthalts in Köln vom Sommer 1805 bis zum Herbste 1806 wurden, mitten unter den ausgedehntesten und gründ-
lichsten philosophischen Studien, welche Schlegel überhaupt wohlje getrieben hat, in täglichem lebendigen Gespräch mit den dreiFreunden diese Briefe über die altdeutsche Baukunst niedergeschrieben.
Abermals beginnt ein unruhiges Wanderleben zwischen Deutsch-land und Frankreich. Erst 1808 endigten die unstäten WanderjahreFriedrich Schlegel’s — in Wien. Boisseré berichtet über die Ka-tastrophe Friedrich Schlegel’s in seiner Selbstbiographie so: „Liefnun unser Leben auf einen Wendepunkt hinaus, so war das nichtweniger mit den Verhältnissen unseres Freundes und LehrersSchlegel der Fall. Alle Aussichten zu einer angenehmen Stelleam Rhein waren verschwunden; dagegen hatte sein Bruder AugustWilhelm in der letzten Zeit in Wien Vorlesungen über dramatischeLiteratur gehalten, und bei der hochgebildeten und vornehmen Weltdort einen Beifall, eine Theilnahme gefunden, die ihn zu der Hoff-nung berechtigten, Friedrich würde sich in Wien als öffentlicherLehrer und Gelehrter eine ehrenvolle Laufbahn gründen können.Er lud ihn deshalb ein, dorthin zu kommen, und traf auch schonEinleitung, daß er vor demselben Kreis von Zuhörern Vorträgeüber alte und neue Literatur halten solle. Friedrich Schlegelmachte im April 1808 Anstalten, Köln zu verlassen. Seine Frausollte bei uns bleiben. Wir waren schon ganz mit dem Gedankenan diese Reise beschäftigt, da erklärten Beide eines Tages, es waram 16. April, sie seien an diesem Morgen zur katholischen Kircheübergetreten. Es war eine große Ueberraschung für uns.Wir kannten zwar die entschiedene Neigung, welche Schlegelfür den katholischen Glauben und Gottesdienst gefaßt hatte,seit langer Zeit, und sahen voraus, daß er seine Ueberzeugungeinmal öffentlich bekennen würde, und freuten uns, ihn mit unserereigenen religiösen Gesinnung übereinstimmend zu wissen; aber indiesem Augenblick, wo der Uebertritt, der reine Gewissenssache war,so leicht den Schein äußerer Absicht und dadurch das wiederwär-tigste Aergerniß erregen konnte, war es uns schwer, die Ausfüh-rung eines so wichtigen Schrittes zu begreifen. Beide Freundeversicherten uns freilich, daß sie eben aus Rücksicht auf persönlichewie auf die Zeitverhältnisse diesen Schritt ganz im Stillen gethan,daher auch uns nicht einmal etwas davon gesagt hätten, und daßman ihnen bis zur angemessenen Zeit vollkommene Geheimhaltungversprochen habe. Aber kaum war Schlegel ein paar Tage abge-reist, als die französische Kölner Zeitung eine Nachricht brachte, dieso abgefaßt war, als sei die Handlung mit absichtlicher Oeffent-lichkeit und zwar im Dom vorgegangen. Es entstand das unan-genehmste Geschwätz in und außer der Zeitung, Wir mußten alles
aufwenden, um die Redlichkeit unseres Freundes in Schutz zunehmen.“ An diesem Wendepunkt des Lebens von Friedrich Schlegelbricht die vorliegende Selbstbiographie ab. Aber es treten sogleichBriefe ein, welche uns den vollen Gang der Ueberzeugungen undSchicksale desselben zu verfolgen gestatten. Der erste Brief vom 9. Mai 1808 dankt dem Freunde für seine Maßregeln, den Dis-cussionen in der Presse ein Ende zu machen. Dann reisen siedem Rhein herauf nach Wien zu. „Gerade diese Ufer, diese Hügel,diese Felsen, schreibt Dorothea, sind es, die mir immer als Fanta-sie vorschwebten, als ich noch trostlos für immer an Berlin ge-schmiedet zu sein wähnte; mag immerhin mein Körper zufällig injener Weise geformt sein, meine ganze Seele bekennt die Ufer desRheins zu ihrem Vaterlande.“ Dann in Wien beginnt FriedrichSchlegel mit Studien über Karl V. und Vorlesungen über deutscheGeschichte. „Ludwig Tieck ist jetzt bei uns. Ein wenig gebeugtund herabgesunken ist er wohl, doch könnte er sich wieder hebenund ist oftmals ganz und gar der Alte, nur eigentlich zu sehr; zuwenig hat das Neue, Große ihn ergriffen, er steht noch ganz aufder alten Stelle, aber immer ist es eine Freude, ihn auch da zusehen, da er derselben ganz Meister ist.“ Im März 1809 endlichschreibt Dorothea den Freunden: „Nun hören sie: Friedrichhat gestern Abend die Bestätigung erhalten und zwarrecht gut und vortheilhaft. Er hat den Titel alsHofsecretär, und die übrigen Bedingungen sind so, daßwir recht zufrieden damit sein können. Sein Chef ist der GrafStadion, ein vortrefflicher Mann, die Bestimmung ist ganzFriedrich’s Sinn und Wünschen angemessen, und er ist ganzFriedrich’s Sinn und Wünschen angemessen, und er ist ganz glück-lich. Ja, liebe Kinder, will das Glück uns wohl, so ist dies derAnfang zu einer ehrenvollen, ersprießlichen Thätigkeit, mit welchereine neue Epoche für uns und für viele andere anhebt; betet nurfleißig!“ Der Sommer findet Friedrich Schlegel in Ungarn, woihn Dorothea besucht; sie bewundert das Land, „eine Vegetation,die den Orient verkündet; unbeschreiblich leicht könne das Land zueinem großen Garten gemacht werden, aber, aber.“ Aus Deutsch-land dringen selstam entstellte Nachrichten zu ihm hin: „daß Schel-ling gegen mich geschrieben hat, werden Sie wohl schon wissen.“Er läßt bei diesem Anlaß eine wunderliche Vermahnung an denFreund ergehen, mit dem „anvertrauten kostbaren Gut seiner Phi-losophie" künftig doppelt behustam zu sein, zumal mit denIdeen über die Natur und ihr Verhältniß zur Gott-heit. „Dieses sind im Grunde doch nur Geheimnisseder höheren Poesie, welche den Menschenkindern zu wissen nicht von Nutzen sind.“ Er sieht eine Sündfluth von Pantheis-mus sich über Deutschland ausbreiten, ist aber gleich dem Schel-ling der späteren Jahre höchst behutsam, seine Widerlegung des-selben nicht vor das große Publikum kommen zu lassen. Baaderallein erscheint ihm als ein gewaltiger Mitstreiter. „Könnte erschreiben, so wie er zu sprechen versteht, so würde von Schellingund Fichte wenig mehr die Rede sein; er ist wohl der merkwür-digste, geistvollste, tiefste Mensch, den ich seit lange gesehen, es istmir vieles durch ihn klar geworden.“ Aber es enspricht recht die-ser seiner Epoche mystischer Träumereien, daß er auch ihm gegen-über sich einsam fühlt. „Vielleicht gilt auch in der Philosophiefür mich der Spruch, es ist gut, daß der Mensch allein sei.“ Im-mer härter und herzloser beginnt er sich gegen die alten Befreun-deten zu wenden: Er verfällt damit der Consequenz der Apostasie.Als er das „Museum“ gründete, lud er Goethe ein. „Ich habe,“erklärte er, „auch diesen alten abgetakelten Herrgott der Vorschriftdes Evangelii gemäß eingeladen.“ Er beginnt die Zeitschrift miteinem Angriff auf Jacobi. „Die anderen philosophischen Thiereund Unthiere werden nun nach der Reihe folgen; Schelling bin iches lange schuldig, da seine sogenannte Freiheit doch gegen mich ge-schrieben ist (!). Der freundliche Potrympos (ich meine den großenSchleiermacher, Verfasser des calvinischen Krippenspiels, der verächtli-chen Religion und Aehnlicher) soll zuletzt herankommen.“ Ueber dieseunerquickliche Lage eines verbitterten Apostaten erhob ihn für einigeZeit seine Thätigkeit zu Befreiung Deutschlands. Hier in der That istein Punkt, an dem er allezeit mit edlem Enthusiasmus festgehalten hat.„Ich habe, schreibt er zu Beginn des Jahres 1814, seit einem Jahreunablässig und immer sicherer in der Politik gearbeitet, ich habeviel gelernt und Einiges hat es wohl auch genützt, denn Aufträgehatte ich seit dem 18. August und zwar ganz wichtige.“ Dannkommt die Zeit der Frankfurter Thätigkeit am Bundestage.Aber auch in ihr findet er keine dauernde Befriedigung. Schon im Frühjahr 1818 schreibt er: „Diejenigen, die nicht gern sehen,daß ein Mann meiner Art hier sei, ermangeln nicht fleißig zuarbeiten, um mich wegzubringen. Nun ist die Entscheidung mit demFrühjahr gekommen, ich erwarte meine Abberufung von einem Tagzu dem andern. Ich habe auch jetzt gar nichts dagegen, diesemBuolstag meinerseits dahier wenigstens Lebewohl zu sagen.“
Aus Wien dann sind seine Briefe spärlich und beinahe nichts-sagend. Es war doch auch für diese Freunde, fast die einzigen,die ihm aus früherer Zeit geblieben, mehr eine schmerzliche Er-innerung an eine vergangene schöne Zeit, kein Verlust für ihr
gegenwärtiges Leben, als sie die Nachricht von dem Tode FriedrichSchlegels traf.
Neben dem Urtheil dieser Freunde, welche zu seiner Zeit denGlauben an Friedrich Schlegels redliche Gesinnung fahren ließen,obwohl sie wohl erkennen, wie er „bei seinem regen eifrigen Sinnfür das Bessere gerade da, wo es vergraben und verbannt ist, nieder Sünde einer augenblicklichen Einseitigkeit entgehen könne“;neben den Briefen Dorothea’s, die überall einen fast rührendenGlauben an die große Gesinnung und hohe Aufgabe Friedrich Schlegelsaussprechen, stehen scharfe Verurtheilungen desselben, vor Allem vonGöthe, welche zusammen mit der Steinhard’schen Correspondenzdie innerste Gesinnung des großen Mannes gegenüberden Schlegels und Tieck völlig klar enthüllen. „Götheklagte — so erzählt Sulpiz Boisserée im Tagebuch seines Sommer-aufenthaltes in Wiesbaden — über Unredlichkeit der Schlegel undTiek’s. In den höchsten Dingen versiren und daneben Absichtenhaben und gemein sein, das ist schändlich. Ach, und wenn ihr nurwüßtet, wie es zugegangen ist. Wenn ich mit der italienischenReise fertig bin, werde ich es ihnen einmal recht klar und grellaufdecken. Komme ich zudem schon in die letzten 80er Jahre und inden Anfang der Neunziger, wo das ganze Treiben schon begann.Schiller war ein ganz anderer, er war der letzte Edelmann, müßteman sagen, unter den deutschen Schriftstellern, sans tâche et sansreproche.“ Einen blindgewordenen Adler nannte August WilhelmSchlegel den Bruder seit seiner verhängnißvollen Wendung zumKatholicismus.
Dies etwa sind die Beiträge, welche die vorliegendenBriefe Boisserée’s zur Geschichte der literar-historisch so einfluß-reichen Wendung Friedrich Schlegel’s zum Katholicismus gewäh-ren. Abermals zeigt sich eine bedeutende persönliche Einwirkungdieses groß angelegten Kopfes auf wichtige wissenschaftliche Lei-stungen: die Entdeckung der Gesetze mittelalterlicher Architekturund des Verlaufs unserer älteren Malerei. Aber für dasauseinander fließende Bild der persönlichen Gemüthsent-wickelung desselben gewinnen wir nur spärliche Züge. Er er-scheint von Neuem seine eigenthümliche Abneigung gegen ein klaresHerausstellen der ihn bewegenden Motive: eine Willensbeschaffen-heit, welche schon bei seinen ersten entscheidenden Entschlüssen, derVerbindung mit Dorothee und der Reise nach Paris, verhängniß-voll zum Vorschein kommt und in der im Voraus der unglücklicheVerlauf seiner Entwicklung bestimmt war.
den wärmsten Dank für die allgemeine Theilnahme der Bevölke-rung aus und legte dann in eingehender Weise die Gründe dar,die ihn zur Ablehnung der angebotenen Candidatur bewogen hät-ten. Der Herzog hat von allem Anfang an aufs Entschiedensteerklärt, daß er niemals die Verbindung mit den angestammtenHerzogthümern lösen würde, daß er deutscher Souverain bleibenwolle und die Krone Griechenlands nicht für sich selbstbegehre; daß er die Regierung des Königreichs Griechen-land nur zeitweilig, bis zur Einführung des von ihmdesignirten Nachfolgers und bis zur Ordnung der jetzt be-stehenden Wirren, zu übernehmen im Stande sein würde. Fernerwaren von Sr. Hoheit als Voraussetzungen für die Möglichkeiteines ersprießlichen Wirkens in Griechenland vornämlich noch dieZusicherung einer den Bedürfnissen des Landes entsprechenden Er-gänzung an materiellen Kräften, sowie eine rückhaltlose und loyaleAusgleichung mit der bisherigen Dynastie hinzugefügt. Die Schwie-rigkeit, ja angebliche Unmöglichkeit, diese Forderungen sämmtlich er-füllt zu sehen, konnte den Entschluß Sr. Hoheit, das Anerbieten,als ein mit politischem Erfolg undurchführbares, abzulehnen, nurbefestigen, — einen Entschluß, dem der Herzog mit freudiger Ge-nugthuung die Zustimmung des Landes zu Theil werden sehe.“Die Morning Post vom 5. d. M. hat indessen nicht, wie wirnach einem Telegramm der K. Z. mittheilten, den definitiven Ab-bruch der Unterhandlungen bestätigt, sondern vielmehr gesagt, sieglaube, daß die Unterhandlungen nicht abgebrochen seien, und daßman sich noch immer der Hoffnung auf Beseitigung der im Wegestehenden Hindernisse hingebe. Das griechische Volk lege jetzt fürHerzog Ernst fast eben so großen Enthusiasmus an den Tag, wievor Kurzem für den Prinzen Alfred. — Die in London seßhaftenGriechen haben allerdings an die Nationalversammlung in Atheneine Adresse gerichtet, worin sie den sehnlichsten Wunsch ausspre-chen, den Herzog Ernst gewählt zu sehen. —Balbis ist mit 155 von 209 Stimmen zum Präsidenten derNationalversammlung gewählt worden. Danach scheint die gemä-ßigte Partei nur ein Viertel der Versammlung zu bilden. Die Be-stätigung des Mandats der provisorischen Regierung zeigt jedoch,daß die Mitglieder des „Bergs“ auch nicht allzu rücksichtslosvorgehen. —Schweden und Norwegen.Stockholm, 5. Februar. Gestern Abend fand im Reichs-tage eine lebhafte Debatte über die äußere Politik statt. Sympa-thien für Polen und Dänemark wurden ausgesprochen und erklärt,Oeffentlich- prüfen w aren. Im Jahre 1861 betrug die Gesammtzahl derselbenim Jahre 1862 mithin 38 mehr. Von diesen 565 Candidatenhaben 408 ihre Prüfung absolvirt; die übrigen 157 sind als Be-stand verblieben. Unter den 408 geprüften Candidaten befanden sich: 1) solche, welche die Prüfung zum erstenmal zurücklegten 316, 2) solche,welche die Prüfung früher nicht vollständig bestanden hatten und sich einerWiederholung derselben unterwarfen 92, nämlich: 1) Candidaten, welchedie mündliche Prüfung zu wiederholen hatten 22, 2) Candidaten, welcheblos die schriftlichen Arbeiten noch einmal anzufertigen hatten 70, und zwar nocha) noch eine Relation 7, b) noch eine wissenschaftliche Arbeit 54, c) noch eineRelation und eine wisschenschaftliche Arbeit 9, zusammen 70, Summa 92,beträgt zusammen 408. Von diesen 408 Candidaten haben 292 diePrüfung vollständig bestanden, die übrigen 116 sind nicht für genügendqualificirt erachtet worden. Die meisten Candidaten hat das Kammer-gericht (84) und das Appellationsgericht in Breslau (57) geliefert, diewenigsten das Appellationsgericht zu Insterburg (2) und der Justiz-Senatin Ehrenbreitstein (3). — Drei Fünftel der Candidaten haben die Probe-Relation bei dem Ober-Tribunal angefertigt.H. Für Errichtung besonderer Lehrgänge zur Ausbildung von Ele-mentarlehrern in Ertheilung des Turnunterrichts wird eine Forderungim diesjährigen Budget gemacht, da der Turnunterricht, in den Volks-schulen bisher nicht in dem Umfange gefördert werden konnte, als es beider anerkannten Wichtigkeit desselben gewünscht werden muß. Dem be-stehenden Mangel an geeigneten Lehrern, worin die Forderung des Un-terrichts ihr wesentlichstes Hinderniß findet, kann durch die Central-Turn-Anstalt in ihren gewöhnlichen Coursen und bei den derselbenzur Ausbildung von Civil-Turnlehrern zur Verfügung stehenden Lehr-kräften und Geldmitteln nur allmälig abgeholfen werden. So langenicht die von jetzt ab auch mit der Qualification für den Turnunterrichtaus den Seminarien abgehenden Lehrer in größerer Anzahl an den Volks-schulen fungieren, muß vorübergehnd durch außerordentliche MaßregelnFürsorge getroffen werden, wozu kürzere Curse für im Amte befindliche Lehrergehören. Diese Curse werden nur zeitweise und vorübergehend nöthigsein, bis das Bedürfniß theils durch sie selbst, theils durch die Semina-rien, welche jetzt ihre Zöglinge mit der Befähigung zur Unterrichtsertheilung imTurnen versehen entlassen, befriedigt sein wird. Zur Abhaltung solcher Cursebieten sich als geeignet dar: die Central-Turnanstalt, die Seminarien undeinzelne, des Turnwesens soweit kundige Lehrer, daß ihnen die Unter-weisung einer kleinen Zahl benachbarter Lehrer übertragen werden kann.In der Central-Turnanstalt soll demnächst ein sechswöchentlicher Cursusgehalten werden, wozu 80 Lehrer aus den verschiedenen Provinzen desStaats einberufen werden sollen. Später wird beabsichtigt, jährlich etwa300 Lehrer für Ertheilung des Turnunterrichts plan- und zweckmäßig anverschiedenen Punkten des Staats vorbilden zu lassen.— Die am 18. Januar confiscirte Nummer des Kladderadatschist, wie die Redaction desselben mittheilt, freigegeben.— Der General-Intendant v. Hülsen hat auch dem Gymnasium zuHalberstadt die Costüme zu Aufführung der Antigone von Sophoklesbewilligt 880. Spanische Creditbank von Rothschild 660. Kurhessische Loose 57⅛.Badische Loose 55⅝. 5procentige Metalliques 6⅜. 4½procentige Me-talliques 55½. 1854 Loose 77¾. Oestreich. National-Anlehen 69.Oestreich. Fr.-Sts.-Eisenb.-Actien 235. Oestreich. Bank-Antheile 827.Oestreich. Credit-Actien 229½. Neueste östreich. Anleihe 79¼. Oestreich.Elisabethbahn 130¼. Rhein-Nahebahn 32½. Hessische Ludwigsbahn 131¼.Wien, Sonnabend, 7. Februar, Mittags 12 Uhr 30 Minuten.Sehr fest. — 5proc. Metalliques 75,75. 4¼proc Metalliques 66,50.Bankactien 817. Nordbahn 186,50. 1854er Loose 92,00. National-Anlehen 82,00. Staats-Eisenb.-Actien-Cert. 234,50. Credit-Actien226,20. London 115,75. Hamburg 86,60. Paris 45,75. Böhm. West-bahn 168,00. Lombard. Eisenbahn 271,00. Creditloose 134,80. 1860erLoose 91,80.Paris, Sonnabend, 7. Februar, Nachmittags 3 Uhr. Die 3proc.eröffnete zu 70,40, fiel auf 70,35 und schloß in fester Haltung zur Notiz.Consols von Mittags 12 Uhr waren 92⅞ eingetroffen. — Schluß-Course: 3proc. Rente 70,40. 4½ proc. Rente 99,00. Italienische 5proc.Rente 71,40. 3proc. Spanier 50¼. 1proc. Spanier 46. OestreichischeStaats-Eisenbahn-Actien 512,50. Credit-Mobilier-Actien 1187,50.Lombardische Eisenbahn-Actien 597,50.Amsterdam, Sonnabend, 7. Februar, Nachmittags 4 Uhr. Ziem-liches Geschäft. 5proc. Metalliques Lit. B. 79 ⅞. 5proc. Metalliques 61.2½ proc. Metalliques 31⅛. 5proc. östrreichische National-Anleihe 65 15⁄161proc. Spanier 46⅜. 3 proc. Spanier 50 5⁄16. Holländische Integrale647⁄16. Mexikaner 32⅛. 5proc. Russen 84⅞. 5proc. Stieglitz de 18559011⁄16.London, Sonnabend, 7. Februar, Nachmittags 3 Uhr. Silber61½ — 61⅝. — Wetter schön. — Consols 92¾. 1proc. Spanier 46½.Mexikaner 32¾. Sardinier 83. 5procentige Russen 98. NeueRussen 94½.Liverpool, Sonnabend, 7. Februar, Nachmittags 2 Uhr. Baum-wolle: 2000 Ballen Umsatz; Preise matt. Fair Dhollerah 17—17½.

Volkswirthschaftlicher Theil.Berlin, 7. Februar. Die Gesammtzahl der Zeichner zu den fürLübecker Staatsangehörige zum Course von ½ pCt. über pari zur Zeich-nung aufgelegten Obligationen im Betrage von 250,000 Thlr. beläuftsich, wie den H. N. aus Lübeck geschrieben wird, auf 1200 Personen, diemehr als eine Million Thlr. zeichneten. Es werden also den Bestim-mungen gemäß die Namen von 500 Zeichnern ausgeloost werden, unddiese erhalten jeder 500 Thlr., während die übrigen leer ausgehen unddie als Caution gezahlten 10 pCt. von der Nominalsumme ihrer Zeich-nung wieder in Empfang nehmen können.— Die baierische Staats chulden-Tilgungs-Commission macht be-kannt, daß mit dem 31. Januar c. die Verzinsung des gekündigten An-lehens aufgehört hat, und mit dem 28. Februar zugleich der Termin fürHierzu eine Beilage.

Ziebingen

Die Tieckzeit von 1809–19.Der alte Bürger (Seiler?)Tieck hatte drei Kinder Ludwig Tieck heirathetemuthmaßlich 1797 die Tochterdes Hamburger PastorsAlberti. 1798 wurdedie älteste Tochter Do-rothea geboren. Schonzu Anfang dieses Jahr- hunderts scheint er län-gereZeit in Ziebingen beiFinkensteins vielleicht auchbei Burgsdorffs (Medlitz?) ge-lebt zu haben.
1805 ging er nach Rom;sein Bruder Friedrich auch;Friedrich blieb bis 1809,Ludwig aber kehrte schon 1806 zurück, zunächstnach München, wo er denersten starken Gichtanfallbekam.
Wann er genau nachZiebingen zu Frau undKind zurückkehrte, ist nichtgenau ersichtlich; – unserTunnel-Leisewitz meintaber, daß Tiecks Frau während der Abwesenheitihres Mannes, ein intimesVerhältniß mit
Wilhelm
W.
v.Burgsdorff
gehabt habe undTiecks 2t Tochter Agnes, wahrscheinlich 1806 geboren,sei eine Frucht dieses Ver-hältnisses. Burgsdorff habeihr auch ein Legat von2000
Reichstaler
ausgesetzt und nurihr.
Ludwig Tieck lebte dann von 1809–19 in Ziebin-gen; Finkensteins bezahltenalles, es war die glänzend-ste Gastfreundschaft die jegeübt worden ist; dieTochter vom Hause, diejungeGräfin Finkenstein liebte ihnund ein Diamantkreuz, dassie vermißte und deshalbgesucht wurde, wurde inTiecks Bett gefunden.
1819 ging er von Zie-bingen nach Dresden. DieGräfin folgte ihm; er lebtenun wie Graf Gleichenmit 2 Frauen, die geb.Alberti hamburgrisch grob,die Gräfin ihn verwöhnendund von ihm verwöhnt.
Tunnel-Leisewitz hältseinen Onkel, den er nochsehr gut gekannt hat, füreinen mindestens sehr be-denklichen Charakter. Verhält-nisseeinfädeln, Intriguen spinnen,andrer Leute Geld und Dien-ste für sich ausnutzen, –scheint seine Neigung gewe-sen zu sein. Nichts weni-ger als eine eigentlichnoble Natur, aber einMensch von den aller emi-nentesten Gaben. Er hatteeine Gabe der Ueberredung,der niemand wiederstehenkonnte; dabei (jung) von gu-tem Aussehn. Seine Arbeitencharakterisiren ihn ganz, be-sonders die Novellen, überallist er darauf aus, einenschmucken, noblen Kerl zuschildern,um ihn schließlich eine größereoder geringere Gemein-heit begehn zu lassen unddadurch im Leser das Ge-fühl zu wecken – „ach, esist alles nichts.“
Sein Verhältniß zumfrüh verstorbenen Wacken-roder, sei eine etwasdunkle Parthie.
Seine glänzendste Talent-probe habe er (ich glaube1805) in Wien abgelegt,wo er seine SchwesterSophie Bernhardi (die Mutterunsres Bernhardi d. h. unsresTunnel-Leisewitz) auf ihrerFlucht nach Italien traf, undbehufs einer einzuleiten-den Scheidung seinerSchwester Sophie von demzurückgebliebenen Prof. Bern-hardi, eine Art Essayschrieb, worin er dieUnmöglichkeit eines Fort-bestandes der Ehe zwischenbeiden und die Nothwendig-keit einer Trennung nach-wies.
Auch die Antwort Prof.Bernhardi’s hierauf, sollsehr gut sein, wiewohlnicht so bedeutend wieTiecks Arbeit, – beideArbeiten befinden sich imOriginal unter den Aktendes Kammergerichts.Dies führt mich aufdie Verhältnisse vonSophie Tieck, die etwa 1798 oder 99 sich mitProf. Bernhardi, einemausgezeichneten Grammati-ker und wie es scheintehrlichen Kerl vermählte,der in die intriguirende,hyperfeine literarischeRasselbande nicht rechthinein paßte.
Sophie Tieck (Bernhardi)war nicht schön, aber unwiderstehlichanziehend, geistvoll, pikant,ganz die Schwester Lud-wigs.Sie gebar dem Bernhardi4 Kinder, drei Söhne undeine Tochter. Ein Sohn undeine Tochter sterben, zweiSöhne blieben übrig, derältre ist unser Bern-hardi (Tunnel-Leisewitz)der jüngere ist der jetztebenfalls in Berlin lebendeHerr v. Bernhardi, der– nachdem er sich jahrelang v. Knorrig oderKnorring genannt hatte(Gründe später) – sichschließlich mit dem Na-men Herr von Bern-hardi begnügen mußte.
Sophie Tieck war einekörperlich zarte Person undProf. Bernhardi war sehrstramm. Als die 4 Kindergeboren waren (wahrscheinlichhatten sie ihn nie rechtgeliebt, während er biszuletzt für sie schwärmte)sagte sie ihm: „stop, dear;es geht nicht mehr so; –nimm Dir, wenn Du willsteine Kebsin; mir allesgleich; nur was mich an-geht: nicht näher und länger.“Bernhardi wollte aberdavon nichts wissen. Umdiese Zeit oder auch schonfrüherwar der kurländische Baronvon Knorring nach Berlingekommen, hatte lateinische Stun-de bei Bernhardi genommen,Tieck kennen gelernt, warin die Familie eingeführtworden und hatte mit derreizenden Sophie einen Liebes-handel angefangen. Vielleichtdaß Ludwig Tieck, der seinenSchwager Bernhardi füreine Art Bären haltenmochte, das Verhältnißbegünstigte.
Kurzum das Ende war,daß eine Entführung imgroßen Stil angelegtwurde.Jede Vorsichtsmaßregelwurde getroffen, ja manwußte sich eine Art Cabi-netsordre des Königs zuver schaffen (den man fürdie Frau u. gegen den Manneinzunehmen gewußt hatte)die den Zweck hatte eineretwaigen Verfolgung seitenseines Polizei-Beamten dieSpitze abzubrechen.
Hufeland (auch im Com-plott wie später
Wilhelm
W.
v. Hum-boldt
) sagte dem Bernhardi,seine Frau müsse ins Badnach Liebenstein, um sich zustärken und
Bernhardi
B.
glaubte so fastanan ein ehrlich Spiel, daß erdem Dienstmädchen, dieihm zuletzt noch den gan-zen Plan verrieth, eineMaulschelle gab.
So ging es denn nachLiebenstein. Von dort ausschrieb sie an ihren Mann: „lebe wohl, ich komme nichtwieder.“ In Begleitungihrer 2 Söhne, des Baronsv. Knorring (und vielleichtnoch ein anderer) ging esnun südlich. Bernhardidrang auf Verfolgung. Ver-haftsbefehle wurden ichglaube beim Kammergerichterrichtet und in Wienwares so weit, daß diejunge Frau etc. etc. perGewalt nach Berlin zurück-gebracht werden sollte.In höchster Noth wußteman sich aber auch hierdurch das Versprechen „zurrömischen Kirche übertretenzu wollen“ Hülfe zuverschaffen. Rom wurdevon irgend einem päpstlichenLegaten als Zuflucht an-geboten und dorthin ginges nun; während LudwigTieck im Intresse seinerdurchgebrannten Schwester (vielleicht durchgebrannt auf sei-nen Rath) das oben schon be-sprochene berühmte „Memo-rial“ schrieb, das fürScheidung plädirte.
Sophie Tieck, diebeiden Kinder, Baron v. Knor-ring, bald auch Ludwigund Friedrich Tieck warennun in Rom. Aberschlimme Tage kamen. DasGeld ging aus. Der alteKnorring in Kurland, durchBernhardi von dem ganzenSkandal unterrichtet, schicktekeine Wechsel mehr undsofort saß man aufdem Blanken. In dieserJammerzeit, traten zweiRetter auf: zunächst FriedrichTieck, der als Bildhauerdurch seiner Hände Arbeitdas ganze Bummelcorpserwähnte, dann Wilhelmv. Humboldt der theilsjene Arbeiten vermitteltetheils schützend seine Hand über die selbst bisnach Rom hin Verfolgtenausbreitete.
Zuletzt aber war auchdieser Schutz zu schwach unddie ganze Tiecksche Bandemußte über die Alpennach Deutschland zurück.Auch mochte Ludwig Tieckjetzt einsehn, daß Rückkehrdas gebotenste d. h. profi-tabelste war.
Das hat folgendenZusammenhang.
Prof. Bernhardi’s Vaterlebte noch und war sehrreich. Er besaß 6 schöneHäuser, mehrere Güter undBaarvermögen. Deralte Herr betrachtete mitUnmuth die ganze liederlicheWirthschaft, hatte wenigLust seinen Sohn den Professor,den er als einen schlechtenWirth kannte und schon im Voraus, wenn dieTiecks wollten jeden Augen-blick wieder von denTiecks übervortheilt sah,zum Erben einzusetzen,erklärte aber schließlichdoch: er werde sein Ver-mögen seinem Sohne(dem Professor) hinterlassen,wenn er mit seinerFrau wieder zusammen-lebe; denn die alte ehrliche Philister-haut nahm Anstoß an dieserskandalösen Wirthschaft und wolltedas Seine thun, die Sache wiederin Schick zu bringen. Vielleichthatte ihn auch der Sohn, derpartout seine Frau wieder-haben wollte, zu dieser Erklä-rung, deren Wirkung er vorausberechnen konnte, überredet.Es war jetzt eine Geld-frage geworden und dieGemüthlichkeit hörte auf.Auch Ludwig Tieck, derimmer ein liking für Geldhatte, mochte jetzt fürzeitweilige Wiederver-einigung sein, weilweitre Trennung der Ehe-leute gleichbedeutend warmit Verlust des Bern-hardischen Vermögens. Unddas wäre fatal ge-wesen.
So erschien denn dieganze Caralinde wiederin Deuschland. AberinMünchen (vielleicht warder alte Bernhardi in-zwischen schon gestorben)kam es zu einem Com-promiß.
Eine Scheidung wurde aus-gesprochen; der ältreSohn (unser Tunnel-Leise-witz) kehrte zum Vaternach Berlin zurück, – derjüngere Sohn und die Mutter(Sophie Tieck) gingen nachRußland, begleitet vomimmer treuen Baron v.Knorring, der nun diejunge Frau heirathete.Der Sohn erster Ehe, derjetzige v. Bernhardi, wurdedamals auch als einjunger Baron v. Knorringangesehn, bis die Familie(die Agnaten) dagegenprotestirte. Knorring starb;die Güter, da muthmaßlichkeine Kinder aus dieser2ten Ehe da waren, kamenan andre Familienmitgliederund die nun verwittweteSophie Tieck litt bittreNoth mit ihrem Sohn. (Wie sich dieseVerhältnisse nachher gestal-teten, ein steter Wechselvon guter und höchstkümmerlicher Lage, endlichder Tod Sophies – das hab ichvergessen)Ein Roman Sophies Evremont giebtAufschluß über vieles.

Gräfin
Schwerin
Sch....n

(nach Mittheilungen von
Frau
Frl.
v.
Rohr
R.
)Sie war sehr schön (eine
geborene
geb:
Gräfin
Dönhoff
D....ff
) und vermähltesich 1807. Zwei Brüder lieb-ten sie; am Hochzeitstage,an dem sie sich dem ältrenvermählte, erschoß sich derjüngre. Der ältre wußtedie Ursach und eine leiseSchwermuth begleitete ihn durchsein Glück. Die Gräfin, dienur erfahren hatte derjüngere Bruder sei plötzlichgestorben, glaubte sich dieUrsach dieser Schwermuth undlitt darunter. Acht Jahre späterfiel ihr Mann (der ältre Bruder)an der Spitze seines Kürassier-Regiments bei Ligny oderBelle-Alliance.
Das Jahr darauf wurdeihr einziger Bruder, Graf
Dönhoff
D....ff
,
deraus dem Kriege glücklichheimgekehrt war, in Göttin-gen wo er studirte, vonseinem intimsten Freunde, demGrafen Saldern im Duellerschossen. (Welche Veranlassung?)
Die Vermählung des jungenGrafen
Saldern
S.
(eines ihrer Neffenwenn ich nicht irre) mit einerbedenklichen Personage, machte ihrGram. – Dann später die Adoptiv-Tochterund die Pflege-Tochter.

(Fräulein von C..yn)

Nach Mittheilungen von Frl. v.
Rohr
R.
Fräulein v.
Crayn
C.
’s Mutter
, eine
geborene
geb:
hatte 4 Kinderzwei Söhne und zwei Töchter,.Es war eine schöne, stolze Frau,die unglücklich darüber war,daß ihre jüngste Tochter eineziemlich extravagante Häß-lichkeit zeigte. Die Schicksaleder Tochter waren folgende:
Schon 1802 kam Leutnantv. Schack, ein bildschöner Kerlvom Regiment Gensdarmes, eineArt Prinz Louis Ferdinand,wenn auch von geringerenGeistesgaben, ins Haus derMutter.Die jüngste Tochter war da-mals 15 Jahr alt, häßlichaber vielleicht anziehend, geist-voll, oder Schack schon so weitdaß er sagte „le laid c’estle beau“. Ein Verhältniß ent-spann sich, in wie weit unterZuthun der Mutter, ist nichtersichtlich, – wahrscheinlich aberhinter dem Rücken der Mutter.Was aus der schönen Tochterwurde, weiß ich nicht mehr.Die beiden Söhne fielen, dereine bei Jena, der andre inSpanien 1809 oder 10 ; nur Aschenputelblieb. 1810 machte plötzlich,nachdem das Verhältniß jahre-lang bestanden hatte, AschenputelderMutter Geständnisse. Nur Ver-mählung konnte retten. Aberder schöne Schack – er dachtenicht daran. Die Tochterbeschwor die Mutter vor’mKönig einen Fußfall zu thunund die Ehe als einen „Be-fehl vom Königsherrn“ (wiedergleichen unter Friedrich demGroßen vorgekommen war) zuerbitten. Dies geschah. DerKönig willigte ein und sagtezu Schack auf der Parade odersonst wo: „Leutnant v. Schackmorgen hoff’ ich Ihre Verlobungmit Frl. v.
Crayn
C..yn
in der Zei-tung zu sehn.“ Und dieVerlobung erfolgte und stand inder Zeitung.Der Hohn war grenzenlos;Carrikaturen erschienen in denSchaufenstern, Spottgedichte etc.Schack konnte es nicht ertra-gen und 8 Tage nach der Ver-lobung, erschoß er sich auf derHintertreppe die vom Hof ausin die
Crayn
C...n’
sche Wohnung
führte.
Das Kind wurde geboren,ein Knabe, später geadelt, erhielter den Namen Herr v.
Carayon
C..yn
.Lebte und lebt noch am Rhein, in Mainz oderFrankfurt. Verheirathete sich mit. Hat jetzt auch schonerwachsene Töchter, schöne Mäd-chen; eine derselben, also einerichtige Enkelin unsres altenFrl. v.
Crayn
C..yn
, verlobt mit. . . .

Friedrich Wilhelm IV und
Minister
Min:
von der Heydt
v. d. H.

(zur Charakteristik beider)Herr v. Uttenhofen wurdebeim Kampf in Elberfeld (1849)von den Aufständischen erschossen.Frau v. Uttenhofen, eineschöne Blondine, wirdder Königin vorgestellt;diese hilft so gut sie kann,schreibt aber vor allem einBillet an
Minister
Min:
v. d.
Heydt
H.
dernun Rath schaffen soll.
Frau v.
Uttenhofen
U.
fährt zu v. d.
Heydt
H.
und dieser macht eineAttacke. Frau v.
Uttenhofen
U.
verstehtkeinen Spaß, stößt ihn zu-rück, ruft um Hülfe, ver-läßt das Haus, fährt in höchsterAufregung wieder nach Charlotten-burg hinaus und klagt derKönigin ihr Leid. König undKönigin fuchswild; der Königrasend. „v. d.
Heydt
H.
soll kommen“.(Eigentlich hatte er ihn wollensofort verhaften und durchGarde du Corps nach Charlotten-burg bringen lassen). v. d.
Heydt
H.
kommt. Der König überhäuftihn mit einer Fluth vonVorwürfen und Schimpfwör-tern. v. d.
Heydt
H.
steht da wieein Steinbild. „Haben Sienichtszu Ihrer Vertheidigung zusagen, gar nichts?“ v. d.
Heydt
H.
bleibt stumm. „WarenSie betrunken? sprechenSie? haben Sie gar nichtszu sagen..“ „‚Nein,Majestät, es war eineAnfechtung der ich unter-legen habe.“‘ Dies„Nein, Majestät“ entwafffneteden König. Frau v.
Uttenhofen
U.
er-hielt später und erhält noch von der StadtElberfeld eine Pension (alsSchadloshaltung) von 1200
Reichstaler
.Der König aber hielt vonda ab große Stücke auf v. d.
Heydt
H.
,jeden Angriff damit abwehrend: „ein Mann, der so offen bekennt,daß er gesündigt, ist edel und christlich.“Sein nobler Sinn gab der Sache die beste Deutung.

Frau Prof.
Heyse
H.
y.e

  • 1) „Ich habe zu meinem 73tenGeburtstage so viel Briefeerhalten, daß mir war alswollte man mir dievorletzte Ehre erweisen.“
  • 2) „Unter mir wohnt einejunge Wittwe, die mir immerversichert „‚Sie könne ohneMozart und Beethovennicht zu Bette gehn“‘ – sienimmt es aber nicht sogenau.“

Material.

Die Zeit vom Weihnachtsheilig- Abend 1812 bis Osterheiligabend 1813. Winter- und Schnee-Land-schaft. Predigerhaus.(Lokalität: gemischte Züge,Wuthenow, Kränzlinetc.
Eine halbe Meile entferntein andresDorf mit demSchloß eines alten Adligen. EtwaFriedersdorff und Marwitz. Charak-ter Marwitz, aber gemäßig-ter, viel Züge von Knesebeck.Namentlich auch das strategische.
In der Stadt (Berlin) einBürgerhaus in der Brüderstraße
In der Klosterstraße eineChambre garnie für die 2 Freundevom Lande (Predigersohn und Adelssohn)und Zusammenkunftsort für denliterarischen Club. (halb dieLokalität aus Dresden, halb Jüdenstraße.)
Die eingeführten Gäste: derblasse, hagre, häßliche Comtoirist (derBegeistrungsmensch) andre Figuren àla Faucher, Maron etc. Schill, Erz-herzog Karl, Fichte, Schleiermacher –die Helden des Tages. Andre – dieblos geistreichen – mit der Hinneigungzu Johann v. Müller.
Als Besuch auf dem Lande einverwandter oder verwundeterOffizier von den „blauen Reitern“,andre Gestalten die vom russischenFeldzug erzählen.
Dorffiguren: der wahnsinnigeTischler, der den Geldtopf auf demKirchhof sucht. – Der Leichenseher, oderder, der den Leichenwagen stehensieht. – Die gespenstischen Mäher. –Der Pukerstock in Claus Groth. –Die schwarze Frau (vielleicht eine beßreFigur).
Die Scenen in der Prima desgrauen Klosters. Der alte Beller-mann oder wie sonst erhieß.
Etwas Colonie-Leben; ihreVertheidigung warum sie so fran-zösisch waren.
Eine Scene auf dem Eise. EineLume. Ertrinkende. Rettung.
Drei Monate später: über-schwemmtes Sumpfland in derOderbruchgegend, vorher durch Eisgedeckt.
Das Erscheinen der Franzosenin Frankfurt. Versuch zur Auf-hebung aller. Scheitert zum Theil.Eine Franzosenjagd im Walde.Bedenken dagegen, weil siejetzt gar so elend sind. Ihr wie-dererwachender Uebermuth.
Die Geschichte von Herrn v. Schackbenutzen; die Geschichte vom Künschtler.Einzelne Züge von Frau
Professor
Prof:
Heyse
H.
im Colonie-Hause benutzen.
Das adlige Haus, aus alterZeit her, ein Haus der Liebes-tragödien aller Art. Bei derHochzeit (die Barfusgeschichte) einerden andern niedergestoßen; bei einemandern die Gräfin Schwerin-Geschichte be-nutzen; die Töchter, ohne aktivaufzutreten, wurden Ursach zu bluti-gen Fehden der Art und wurdendann Stiftsdamen. Der jetzt lebendehatte seinen Bruder niedergehaun.Sie hatten alle Liebesherzen; siewaren alle ernst, keusch, niewar einer lüderlich gewesen, aberihre Herzen nahmen eben alles zuernst und zerstörten oder wurdenzerstört. Dieser hatte 2 Söhne und1 Tochter. Es ging eine Sage,wie der Fluch gelöst werden könne.Levin v. Vitzewitz.
    Die drei Abtheilungen sind
  • 1) Berlin und Hohen-Vietzbis 3 Februar.
  • 2) Hohen-Vietz, die Oder,die Nachbardörfer die verschiednen Gestalten undTruppen, eineUeberschwemmung. EineUeberrumpelung derFranzosen in Frankfurtoder Selow oder Lebus.Nur theilweises Gelingen.Die Gefangennahme vonLewin. Der Tod des Blassen.
  • 3) Berlin. Hohen-Vietz. Küstrin.Der Versuch Lewin zubefrein. Das Scheitern.Lewins Tod. Die Um-wandlung der Gemüther.Des Alten Liebe zu Gavain.Das Gottesgericht des Krie-ges. Das Erlöschen des Geschlechtsum in Glück wieder aufzu-blühn.
Vossische oder Spenersche Zeitung.Fichte’s Reden an die deutsche Nation.Die Spezialgeschichten von Frankfurt a.
Oder
O.
,Lebus, Selow, Küstrin, Landsberg etc.Vor allem Marwitz’s Buch und BüchselsBuch (wegen der Volkscharaktere). Kloe-den übers Oderbruch. Droysen überYork. Das Leben Steins.

Erster Band.
  • I. Weihnachtsnacht. Schnee. Sterne. Schlitten.Lewin. Träumereien. Landschaftliches.Ankunft. Lokalität. Nachtstille. Allesstill im Haus. Das Zimmer. Meta’sGrüße und kleine Aufmerksamkeiten.Er packt seine Geschenke aus und legtsie auf den Tisch. Schläft.
  • II. Der Morgen. Der alte Diener, derdie Stiefel putzt. Das Einheitzen vonaußen in den alten Kachelofen; das Bum-msen der großen Scheite und Torfstücke.Der alte Diener weckt ihn. Kurzes Gespräch aus dem Bett. Erkundigt sich kurz nach allem: Vater, Schwester etc. Trägtdie Packete nach unten. Levin steht auf,zieht sich um. Meta klopft; holt ihn ab. Herz-liche Begrüßung. In die Halle. Weih-nachtsbaum. Der Alte auf dem Sopha.Seine kurze Ansprache. Besichtigung derGeschenke. Die Büchse. etc. etc. Der Kaffeam Kamin. Der Alte dampft seine kurzePfeife. Plaudereien. Levin und Meta überdie Leute im Dorf: der Tischler, Puker-stock, die Tante etc. III In die Kirche. Die Kirche. Der Geistliche. Die Predigt.Der
    patriotische
    patriot:
    Inhalt der Predigt als Uebergang.Nun erst, nach der Kirche, Levin in des VatersCabinet. Einschwörung, Vertraut-machung. etc.
    Meta ab. Levin mitdem Vater in dessen Arbeitsstube. Politi-sches Gespräch. Levin aber bringt Mittheilungenvon den Patrioten.
  • III. Die Fahrt zur Tante. Levin undMeta in kleinen Schlitten. Plaudereien.Metas Traum. Ankunft. Das RococoSchloß; die Roccoco Gesinnung. Der Charakterund die Besetzung dieses Hauses nochunbestimmt.
  • IV. Die Jagdparthie jenseits der Oder;übers Eis; die Heiterkeit; dieZusammenkunft: Bürger, Philister, Adel,alles zusammen, aber einig in einemGefühl. Die Leute aus der kleinen Stadt: Bürgermeister, Gastwirth, Apotheker und Leih-bibliothekar. Jagdspezialitäten. Rückkehrübers Eis. Die animirte Gesellschaft. DieGefahren.
  • V (oder VI) Die Rückkehr von der Jagd. Verirrung auf demEise. Der erschlagene Jude. Die Scene am Schlitten. Amandren Tage das Begräbniß. Die Treue des Judensohns.
  • V. DieBauernhochzeit oderirgend eine andre Festlichkeit mitmöglichst viel Lokalton.
  • VI. Der Abend in der Pfarre. DieUnterbrechung. Die Leute aus demKrug, die Meldung machen. Das Suchennach der Leiche. Das Finden. Die Bestattungam andern Morgen. Die Rede des Geistlichen. Die Stimmung derLeute. Lewin kehrt nach Berlin zurück.
I Band.
Spielt in Hohen-Vietz. Zeit-raum von 24 bis 31.
Dezember
Dzmber
1812
.Kapitel-Eintheilung im Wesentlichenwie oben angeführt, wenig-stens dieselben Elemente. VielleichtSchluß anders; nämlich eine großeTreibjagd des ganzen Odervolks, umdie Verbrecher aufzufinden. Werdenauch wirklich gefunden. (Später im 2tBande, Flucht, – der Judensohn folgtihnen, entdeckt sie im Walde, wosie das Vergrabene herausbuddeln; – vonda ab gesteigerter Haß.)
II Band.
Spielt in Berlin, etwa vom 1t Januar bis gegen Ende des Monats.Die Wirthsleute wo Lewin lebt.Prima im grauen Kloster. Das Gedicht.Das
literarische
literar:
Kränzchen. Der blasseKaufmann. Das Ladalinskische Haus.Vater, Mutter, Sohn, Tochter. Details.Abendgesellschaften. Lise flieht mit einemColonnel. Peter kommt zu Levin und erzählt es. Schluß-scene des 2t Bandes.
III Band.
In Hohen-Vietz. Zeit von Anfang Februar bis Mitte Februar.Scene zwischen Peter und Meta.Die Vorbereitungen zum Ueberfallin Lebus. Der Ueberfall. Levinwird gefangen genommen und nachKüstrin geschafft. Weitres Leben inHohen-Vietz. Neue Scenen zwischenPeter und Meta. Dorfleben. DieBauern-Versammlung. Der Judensohn,der Hülfe schafft. Das Wagniß gegenKüstrin. Levin wird gerettet. Peterund der blasse Kaufmann fallen als Opfer.Peter’s Leiche in der Halle von Hohen-Vietz. Bruder und Schwester. Sie sagt: siesei die glücklichere. Der Aufruf desKönigs (im März). Auszug. Rückkehr.Die Geschwister.

Der Zeitungsausschnitt stammt aus der „Allgemeinen Münchner Zeitung“, 17. November 1862.
* aber siehe auch die
betreffenden
betr.
Manuskripte in Folio!
*Ich glaube auch Niendorff saß mit ihm in derHausvoigtei und wird allerlei wissen.
* so erzählt er wenigstens.