nächste Seite

C1beta

1865.

Von links nach rechts
Stadtplan (Ausschnitt); Köln, CölnKoelnCoelnKöln. nach BonnGereonsThorNach BonnNach AachenStGer-eonApostelKircheNeu
Markt
Mkt.
AppelhofSt UrsulaSeverinStraße.Hoch Strassek.abcdihgeHeu
Markt
Mkt.
fA. Markt
Außer dem Dom sindnach Baedeker die 3 wichtigstenKirchen: 1. St Gereon 2. dieApostelkirche 3. Maria imKapitol. (Dazu vielleicht nochSt Ursula).
Rathhaus nur von außen.Gürzenich außen und innen.Rubens Geburtshaus.Die Synagoge.
Der Dom und St Maria zurKupfergasse.

Der Dom ist ein kosmopolitischesHauptwerk; die ganze Welt hatdran gebaut, die ganze Weltbesucht es. . . . . .Es ist alles, nur keine katholischeKirche. Es ist ein Museumund profanes Getreibe.
Man tritt d urch das Südportalein; auf den Bänken sitzeneinige Beter, aber sie betennicht. An den Pfeilern sindKästen angebracht: Eh Du noch Zeit hast, trittein friedlicher salbungsvoller Herr andich heran und hält Dir einen gelben Messingtellerentgegen. Aus seiner Anrede verstehtman nur die Worte: „unserDom“. Auf dem Bretteliegen aufgezählt fast lauterThalerstücke, so daß ein gewissermoralischer Muth dazu gehört,sein Viergroschenstück dazwischenzu schieben. ImWeiterschreiten bis an den Transept.Hier ist uns schon von ferneine cardinalhafte Gestalt auf-gefallen, in langem Scharlachgewand und hohem Sammtbarett, wie esdie protestantischen Geistlichen tragen,dazu einen Stab in der Hand,der zwischen Portier-Stock undKlingelbeutel glücklich die Mittehält. Wir tragen ihmunsre Wünsche vor. Mitdem guten Humor einesKölners behandelte er dieFragen und da ein Engländermit seiner Tochter und einjunges Paar aus Brüssel obenherzugetreten sind, so ist dieZahl vollständig, die Berechnungwird angestellt jeder zahlt13 Silbergroschen, auch der alteEngländer, nachdem er seinen Murraybefragt und eine andre Summeherausgerechnet hat. Die Börsenwerden gezogen, diemit Blechschildern ausgerüstetenBengel, die den Domumlagern und umlungern,sprechen dazwischen englischfranzösisch, kölnisch klingt esdurcheinander – die Beter in den Betstühlen horchenauf. Sie müssen aufhorchen,es sind die Tabulettkrämerim Tempel, es ist kein Tempelmehr. Der Eindruck den man hat istso unkirchlich wie möglich.Das „heilige Köln“ ist das „heiligeKöln“ nicht mehr. Unter diesem Eindruck blieb ichzwei Tage lang; der Tag meinerAbreise kam heran. Gassengewirr,Burgmauer. Römerthurm. Ich wußtenicht mehr wo ich war. Alsich um eine Ecke bog. Eindunkler Hof mit einem Bogenthor;nach der Gasse heraus ein erleuchtetesFenster. Zugleich klang Kirchengesang zumir her. Auf dem dunklenHofe stand ein Mann, der ein Kindauf dem Arme trug. Er schien un-schlüssig, ob er eintreten solle.„Ist das St Ursula?“ „NeinHerr das ist „Kopper-Marie“.Du sollst eintreten, dacht’ ich.Ein Vorhof. Eisengitter. Kirche. Kleine Heiligenbilder an der Wand Der Weihrauchlag erstickend über den Betern. Ich konnte nur bis halb an das Gitter vor-dringen vor mit knieteneinzelne, oder standen aufrecht.Ich sah nun in die Kirche hinein.Alles dicht voll, arme, schlichteLeute wie es schien, vieleFrauen. Die Kronen diebrannten hatten nur vier Lichter,an dem einen Seitenaltar, dermir zunächst war, sah ich diegeschnörkelten Säulen später Re-naissance, die Goldkapitellelängst blind geworden. Nunschwieg der Gesang. Vor den Hauptaltartrat eine Gestalt, das Weihrauchfaßwurde geschwungen, ich sah nichtsals den leuchtenden Schein, derhin und herflog. Die Responsorien begannen. Alles sank in dieKnie. Die scharfen Laute desGlöckleins klangen dazwischen;das Fest trat, physisch wahr-nehmbar, in seine Höhe ein.Mir wurde himmelangst, aberinzwischen hatte sich der Raumhinter mir gefüllt, unmittelbarhinter mir knieten zwei Nonnenund sperrten den Weg. Es ging mir wieBangen und Entzücken durch dasHerz. Im Grunde war ich froh,bleiben zu müssen. Der letzteGlöckleinklang; die Knieenden richtetensich wieder auf und traten zuSeite. Durch die schmale Thür im Eisengitterkamen die Beter heraus. Die Kircheleerte sich rasch; nach zweiMinuten brannten nur noch einpaar Lichter, alles war vorbei.Mit unter den letzten trat ich ausder Kirche heraus. Als ich aufdem dunklen Hof stand murmeltich vor mich hin: „Das hältnoch eine Weile.“

Koeln.

Hôtel Disch.
Montag d.
dender
28.
  • a. Minoriten-Kirche. Gottes-dienst. Blick hinein. Derbetende Blaukittel am Eingang
  • b. Museum Wallraf-Richartz.Entrée 7 12. Die römischen(meist in Köln gefundenen)Alterthümer: Votivsteine,Grabdenkmäler, Büsten,Münzen, Mosaikfußboden,Steinsärge etc. Auch diepermanente Bilder-Aus-stellung gesehn.
  • c. Groß-Martin Kirche vonaußen gesehn
  • d. Zur Table d’hôte. Der Anekdoten-erzählende Direktor des Wallraf-Mu-seums und sein Gast. DerConversation-suchende alteFranzose sammt Tochter nebenmir.
  • e. In den Dom. DerSchwarzkäppige und der Dom-schweizer. Beide gelungen. Total-Eindruck. Der Gang durch dieKapellen. Die Sehenswürdig-keiten, die Reliquien, dasDombild Meister Stephans.Das Dombild ist einFlügel-Altar-Bild, linksdie heilige Ursula mit den11,000 Jungfrauen, rechtsder heilige Gereon, inder Mitte die JungfrauMaria mit dem Christkindund die Anbetung der heiligen3 Könige. Die Ursula istsehr gut, der englische d. h. britische Typusder Jungfrauen ist gut getroffen,wiewohl unter den altenceltischen Britten von einemnormannisch-angelsächsischen Typus natürlich keine Rede sein konnte. – DieHauptschönheit bleibt immerdas Mittelbild. Die Jungfrauist hier weniger als idealisirteglückliche Mutter, sondern alszwar milde, mädchenhaft-jugendliche,aber doch vorzugsweise alskeusche Himmelskönigin auf-gefaßt. Dieser letztre Ausdruckweil er sich mit soviel Schönheitund stiller, statuarischer Lieblichkeit paart, istder Zauber dieses Bildes. Vonden 3 Königen kniet rechtseine Art W. Lübke, nuretwas verwildeter, eine Gestaltvon halb sächsischem, halb frän-kischen Typus. Zur Linken,im rothen Königsmantel, knietder alte König, innig, andachts-voll, eine sehr schöne Figur. –Darauf den Dom erstiegen;Umgang auf der Gallerie imInnern, dann auf der Außen-Gallerie; dann auf den Süd-Thurm, wo der Krahn undder „Rosengarten“ ist. – AmAbend zu Haus im Hôtel.
Dinstag d.
dender
29. Augu st
.
Besondere Sehenswürdigkeiten indieser Kirche „St Maria imKapitol“ sind
Mittwoch d.
dender
30. August
.
  • a. Nach Sankt Gereon.Diese Kirche baulich ebensointeressant, wie durch ihreGeschichte.
    Hier sind die 700 Märtyrer-Soldaten derthebaischen und MaurischenLegion (Sankt Gereon undSankt Gregorius warendie Führer) bestattet. IhreSchädel – unter rothen Sammtüber-zügen halb versteckt – schmückenringsum die Kirche.
    In der alten Cryptdas Grabmal des heiligenGereon, das alljährlicheinmal erleuchtet wird (Char-freitag) dann ist auch Gottes-dienst in der Crypt. Indieser befinden sich zahlreicheKnochenüberbleibsel, mosaik-artig zusammengestellt. – Außerdemmehrere Stücke wirkliche Mosaik,die von wo anders her, hierin den Crypt-Fußboden ein-gelegt worden ist. DieSäulen und Gewölbe derCrypt – wie in St Mariaim Capitol – früh romanisch.Doch sind die Säulenin St Gereon viel niedriger.
    Als Bauwerk ist dasletztre höchst merkwürdig,eigentlich viel merkwürdigerals z. B. der Dom. Ein vertikaler Längsdurchschnitt würde folgendesProfil ergeben
    Gebäudelängsschnitt; St. GereonStAKöln, CölnSt. Gereon in Köln. A.B.C.
    A und B bilden den sehr hohen Chor,A ist noch wieder etwashöher als B. Unter A undB ist die Crypt. C. istLängsschiff, wenn hier voneinem solchen die Redesein kann denn es istein zehnseitiger Kuppelbau.Ueber diesen Bau sieheDetails in Baedeker undKlein. Auch über dieTauf-Kapelle mitalten schadhaften Freskensiehe Klein
    Seite
    S.
    170 unten.
  • f. Vom Fuß des Drachen-fels im Segelbootnach Rolandseck.
  • g. Von Rolandseck imBoot nach Mehlemzurück. – Um 8 Uhrmit der Bahn zurücknach Koln.
  • h. Soupirt im Salon.Die schöne blonde junge Englän-derin und die schöne,schwarze Kölnerin.
Donnerstag d.
dender
31. August
.
  • d. Ankunft in Coblenz.Gleich an den Rhein. DerSteamer schon seit einerhalben Stunde fort.Also Quartier genommenim „Anker“. MäßigesDiner. Spatziergang an derMosel und über die Mosel-Brücke, Ehrenbreitsteinim Sonnenuntergang (kostbar).Am Abend erinnerte michdas schöne Strombildsehr an den Limfjord.Um 8 zum Thee; unbedeu-tende Engländerinnen,ein reizender deutscherBackfisch von vielleicht 15Jahren, à l’enfant mitschiefem Scheitel frisirt;wahrscheinlich eine Generalstochteraus den alten Provinzen.
  • d. Gelesen, geschrieben.Schwer müde zu Bett.
  • Freitag d.
    dender
    1.
    September
    Septmbr
    .

Schauerliche Nacht. ZweiWanzen aus freier Handgefangen, eine alte undeine junge, beide in dembekannten Brunnen ersäuft.Eine halbe Flasche Eau deCologne verbraucht unddoch nicht geschlafen. Endlichum 5 Uhr Erlösung. Auf-gestanden. Um 6 Abfahrtmit dem Dampfschiff „Eli-sabeth“ nach Mainz. Schiffund Gesellschaft – im Wesentli-chen – nichts weniger als ele-gant. Ueberhaupt ist derRhein eben eine berühmteReisestraße für alle Weltund neben den vornehmstenLeuten begegnet manauch einer großen Zahl höchstsimpler Subjekte und armerTeufel. An Bord warenmehrere Engländer, darunter ein
Mister
Mr.
Lockhardt
mitseinem boy. Mr. Lock-hardt vielleicht der Sohnvom Schwiegersohn WalterScotts. Er reiste nach Arn-stadt oder kam dorther;ich hatte kurze Gesprächemit ihm.
Das Wetter war An-fangs neblig, dann win-dig, dann kam ein starkerRegenschauer, das allesstörte aber doch kaumeine halbe Stunde und imWesentlichen war justdas Wetter, das ichliebe. Es ist nicht zu leugnen, daß diese Rhein-fahrt etwas Entzückendeshat: die Felsenufer mitihren Weingeländen, die ma-lerischen Dörfer die sichin dichter Reihenfolge amUfer hinziehn, die prächtigen Kirchen und Stadtthürme, die Burgen (meist Ruinen, einzelnerestaurirt, eine sogarglücklich erhalten, ich glaubedie „Marksburg“) – das allesschafft hier ein Panora-ma, wie es die Weltwahrscheinlich nicht zumzweiten Male besitzt. Esist lächerlich das leugnenzu wollen. Man braucht diesen Dingen gegenübernicht zu verhimmeln,man kann im Einzelnentadeln, man kann hierund da sagen: „das gefälltmir nicht sehr“ oder „ichhab’ mir das schöner ge-dacht“, das Endresultatwird immer das sein: alsGanzes unübertroffen.Schönheit der Natur (undzwar jeder Art von Natur,denn es kommen auchFlachlandschaften und Fern-sichten vor) große historischeErinnerungen, Traditionenalter deutscher Kaiserpracht,Sagen und Legenden, muster-gültige Baudenkmäler(und zwar zu Dutzenden)buntes heitres Leben undder schönste Wein, alleskommt hier zusammen, umdiesen Fleck Erde allerdingszu dem beschauens- und begehrens-werthesten zu machen, denman sich denken kann.Leider hängt er nur losean Deutschland und an Preußengar nicht. Auf dem Rechts-Uferist man lau und flau, kosmo- politisch, behaglich, selbst-bewußt, vielleicht leidlich deutsch,aber sicherlich nicht preußisch; –auf dem linken Rhein-ufer sprechen die Leutein Rheinhessen undRheinpfalz (z.B. in Worms)offen ihre Hinneigung zuFrankreich aus. Daß dieFranzosen zweimal ihrLand verwüstet, ist ihnengleichgültig, ist vergessen;die französische Kaiserzeit aber diesie mitdurchgefochten,an deren Sieg sie theilge-nommen, lebt in allerHerzen.
Die schönsten Punkte bisBingen sind wohl folgende: In Bingen stieg ich mit einem Herrn aus Bres-lau, dessen Bekanntschaft ichgemacht hatte, aus, umden sogenannten „Nieder-wald“ zu besuchen, an dessenFuß eben Asmannshausen,Rüdesheim, Geisenheim undJohannisberg (sammt Schloß Jo-hannisberg) gelegen sind.
Diese Parthie, die – wirmachten sie nur in ihrerHaupthälfte – uns ohngefähr4 bis 5 Stunden kostete, istsehr lohnend. Kann man2 Tage drauf verwenden,und ist man jung, frisch, weinverständig und inguter Gesellschaft, – somuß sie entzückend sein.Sie gewährt an ein paarStellen wunderschöne Aus-blicke und überall einenkostbaren Wein. Wirmachten es so:
Erst in einem Bootequer über den Rheinbis Asmannshausen.
Von Asmannshausen (aufeinem Maulesel) bis aufdie Kuppe des Berges.
Hier im sogenannten„Jagdschloß“ dinirt.
Dann die Aussichts-Punktedes „Niederwald“ besucht: Zauberhöhle, Rossel-Thurm,Eremitage und Tempel.
Dann vom „Tempel“aus bergab nach Rüdesheim,an den Stellen vorbei, woder Bischofsberger und Hinter-häuser (die beste Sorte) wächstund in Rüdesheim selbst im„Gasthaus zum Rhein“ eineFlasche Rüdesheimer (Bischofs-berger) ausgestochen. Obenauf dem Jagdschloß hattenwir Asmannshäuser ge-trunken. Der Rüdesheimerwar sehr schön und nicht über- mäßig stark; der As-mannshäuser aber, in allerseiner Glorie, ist doch sehrGeschmackssache. Vor Tischenippte ich ohngefähr einenTheelöffel voll, – es gingmir wie Feuer durchsBlut, nicht unangenehm,aber doch beängstigend, wenn –man vorhat eine halbeFlasche davon zu trinken.Der ächte Asmannshäuser istganz dunkelroth, voll imGeschmack, gewürzhaft,vor allem aber adstringi-rend, so daß man freilichsagen darf, er schmecktwie eine aromatischeTinte. Zum Verschneiden ist er gewißvorzüglich, zum trinken un-brauchbar. Uebringens wächstder Asmannshäuser nur aneiner verhältnißmäßig kleinenStelle. Der Uferfels hatohngefähr diese Form
Umgebungsplan; Bingen am RheinBingenamRheinUmgebung von Bingen. AsmannshausenRuine EhrenfelsRüdesheimBingen
Nun wächst der Rüdesheimer aufdem ganzen Gelände bis unmittel-bar an Asmannshausen hinan, beiRuine Ehrenfels ist er sehr schön, amschönsten aber fast unmittelbarhinter Dorf Rüdesheim (Hinter-häuser und Bischofsberger). DerAsmannshäuser wächst so zusagen landeinwärts. Vom Dorfaus zieht sich eine Schlucht bisnach Aulhausen hinauf (Wegnach dem „Jagdschloß“). Andem linken Gelände dieserSchlucht wächst der Assmanns-häuser. Der Berg, der ebendurch die Schlucht vom „Nieder-wald“ und dem Gebiet desRüdesheimer getrennt ist, gehörtdem Herzog von Nassau, indessen Keller deshalb fastaller Asmannshäuser kommt.Nur kleine Stücke, in der Nähedes Dorfes, gehören denWeinbauern.
Das kleine Diner aufdem „Jagdschloß“ (wo sich aucheine Pension befindet) warausgezeichnet; wir hatten einensuperben Hasenbraten, eben frischaus der Pfanne, und allerlei Zu-behör. Bei mehr Muße,beßrer Gesellschaft und beßrerGesundheit wär es reizendgewesen. Als Dessert hattenwir Asmannshäuser Trauben,die uns kostbar schmeckten.
Zwei Stunden später trankenwir Rüdesheimer ineiner Zeltlaube am Rhein;den Rhein unmittelbar voruns, drüben Bingen, dazu das malerische Oertchenselbst, Thürme links undrechts und neben uns inder Laube drei katholischeGeistliche in muntrem Ge-spräch. Es fehlte ebennur der rechte Genosse;der Bruder Breslauer langtenicht zu.
Um 5 waren wirwieder in Bingen, wohinuns ein kostbarer Kerl,ein Schiffer aus Rüdesheim,in seinem Boote übergesetzthatte. Seine Betrachtungenüber die Rheinhessendrüben in Bingen, sowie über die Asmanns-häuser, die er ganz vom Standpunkt des stolzen Rüdesheimers aus beurtheilte, warenhöchst ergötzlich. Er sah dieWelt als einen Wein-berg an, auf dem Rüdes-heim so ziemlich der beste Fleck, Rheinhessen am andernUfer aber eine Art Schrind-stelle sei.
Die Fahrt von Bingennach Mainz entzückend;nach meinem Geschmack ebensoschön wie die Rheinfahrtzwischen den Felsen. DieFernsichten, die Verschiebungenund Beleuchtungen, die Abstu-fungen von Vordergrund, zwei,drei Mittelgründen und Hinter-grund – sehr schön. Biberich mit seinem Schloß undseiner neuen Kaserne sehr stattlich;endlich steigt das „goldeneMainz im Glanz der unter-gehenden Sonne auf.
Es macht durchaus einengroßstädtischen Eindruck. Wirnahmen Quartier im Rhei-nischen Hof. Dieser zähltschon zu den größten Hô-tels; wir hatten
Numero
No
95,in einer Mansarde mitschönem Blick über denRhein. Nachdem wirunsern Thee genommen,machten wir einen Gangdurch die Stadt: GutenbergsDenkmal, mittelalterlicher Brunnen (die Mittelsäuleaus der das Wasser quillt,soll aus der Zeit Karls desGroßen sein;
siehe
s.
Baedeker)Schiller Statue auf demselbenPlatz, auf dem der Brunnenist. Dann ins Café deParis und ein Seidel ge-trunken. Todtmüde nachHaus und einen gutenSchlaf gethan.
Sonnabend d.
dender
2. Septembe r
.
Gefrühstückt; Rechnung bezahlt,dann ausgeflogen. Erstdie Gutenberg-Statue (vonThorwaldsen) bei Tage. Einpreußisches Regiment (das 32te,Thüringer) zog gerade mit klingendem Spiel vorüber.Dann in den Dom. Aeußerlich hat man demschönen alten Gebäude (ro-manisch) allerlei Roccoco-werk angeflickt, dochist es in seiner Gesammtwir-kung nicht kleinlich und störtdeshalb nicht. Im Innernimponirt der alte Bauaußerordentlich. Er ist sehrreich an Bildwerken allerArt, sowohl an Malereienwie an Skulpturen. DasDenkmal das die MainzerFrauen, wenn ich nicht irre,dem „Frauenlob“ gesetzt haben, konnten wir leider nichtsehn. Die entsprechende Kapellewurde restaurirt und warmit Gerüstwerk völlig verbaut.Der Mainzer Dom gehörtzu den großen, alten Kirchen,deren Restauration neuerdingsin Angriff genommen wordenist und dem man, stattder nüchternen weißen Tünche,den alten Farbenreichthum (undvielleicht mehr als er jemalshatte) wiedergegeben hat. DieWirkung dieser Pracht- und Farben-fülle ist außerordentlich. Mansagt sich „ja, das ist dasgoldene Mainz“. Zunächstdas Mittelschiff. Alles was vorspringt, die großenRundbögen an derDecke, die Gewölbe-Ribben,der Untergrund des einen fertigen hohen Chors (es ist eine Doppel-kirche) – alles ist reich vergoldet,während die Gewölbekappenblau sind, arabeskenhaft ge-mustert. Die Seitenschiffesind anders. Hier sind dieRundbögen roth, die Gewölbe-Ribben blau und die Gewölbe-kappen golden. Das Mittel-schiff erhält Freskobilder,die etwa zu zwei Dritthei-len fertig sind. Sie sind über den Rundbögen und unterden Fenstern des Oberschiffs.
Die Zeit gestattete keinlanges Verweilen. Gegen11 Uhr über Laubenheim, Boden-heim, Oppenheim und wiealle die „heime“ heißennach Worms, vonWorms um 5 Uhr Nach-mittags nach Speyer.Ich vergleiche hier gleich diedrei Dome: den Mainzer,den Wormser, den Spey-rer, die sehr große Aehn-lichkeit haben und durch ihreSchicksale jetzt doch sehrverschieden erscheinen. Baulich der schönste ist vielleicht derWormser. Die Aehnlich-keit dieser 3 Dome, dieauch wohl alle so ziemlich ausderselben Zeit stammen, bestehtdarin, daß sie 1.) Muster-stücke des Rundbogenstilessind 2. daß sie vier Thürmeund zwei Kuppeln haben,je zwei Thürme in Westund Ost und von den Kuppelneine über dem Querschiff,die andre zwischen den West-thürmen oder doch inder Nähe derselben. Diessind die Aehnlichkeiten; aucheine Aehnlichkeit des Materials,rother Sandstein, (wenigstens in Worms und Speyer) kommthinzu.
In ihrem Innern sindsie sehr verschieden:
Der Mainzer Dom hat (auchjetzt noch) viel roccoco-haftes.Daß er es auch im Aeußerntheilweis hat, hob ich schon hervor.
Der Wormser Dom,schön wie er ist, ist – inFolge der Zerstörungen durch dieFranzosen – fast ganz kahl.Erst mit der Zeit soll demwieder abgeholfen werden.
Der Speirer Domist im reinsten Stil unddabei aufs reichste wiederhergestellt. Vor dem MainzerDom hat er das Stil-volle, vor dem Worm-ser Dom den Reichthum,die Fülle der Ausschmückungvoraus. Es ist mirsehr interessant innerhalb24 Stunden gerade diesedrei Dome gesehn unddie Möglichkeit der Verglei-chung gehabt zu haben.
Um 11 Uhr also nachWorms. Etwa um 1 Uhrdort. Sofort nach demDom; erst auf demDomplatz, wo Chriemhildund Brunhild ihren Streit hatten, ein Glas Bier getrunken,das mir ein Straßenjungefür 3 Kreuzer holte. In-zwischen war die Küsters-frau erschienen. Die Kircheist sehr schön, aber völligkahl, weil ausgeplündert.Die Stadt Wimpfen hat (aus ihrer Kirche) alte Glasfenster geschenkt, dienun als Rosetten in denWestchor gesetzt und aller-dings ein Schmuck sind. Diesealten Scheiben haben dasschönste Blau, das ich nachWestminster Abbey gesehn habe.Im hohen Chor hat manauch (wie in Mainz und Speyer) die Farbenausschmückung der Deckebegonnen. Wie mir schei-nen will, schöner als irgend-wo. Doch muß man erstdas Ganze abwarten. Vielleichtist es zu schön, zu zart,nicht kräftig genug. DieGewölbe-Ribben sind braun,die Kappen wie eine weiß-gemusterte Karo-Tapeteetwa
Vorderansicht (Ornamente); Dom St. PeterDomStAWormsOrnament im Wormser Dom St. Peter.
, die Außen-sternchen immer von Gold.Ebenso sind die Kappen selbst,die aus einer ganzen Anzahlsolcher Caros bestehn miteiner Art goldnen Grec-Bor-te (sehr breit) eingefaßt. Sonst hat der Dom, außerseiner architektonischen Schönheit, nur noch alte Skulp-turen aufzuweisen, die früherin einem Kreuzgang standenund jetzt in der „Taufkapelle“ dieWände schmücken. Eine Grab-legung Christi ist sehr schön.
Unmittelbar neben demDom liegt Heil’s Garten“.Diesen muß man durchaus be-suchen, zunächst deshalb, weilman von den Terrassen diesesGartens aus den schönstenUeberblick über die Nord-und Nordwestseite des Domeshat; außerdem aber auch, weildies die Stelle ist, wo Luther, aufdem Wormser Reichstag,vor Kaiser und Reich erschien.Wo jetzt das hübsche Haus des HerrnHeil (eines sehr reichen Lederfabrikanten)steht, stand früher der „Bischofs-Hof“ und hier fand der Reichs-tag statt. Das beinah manns-hohe Fundament des jetzigenHauses gehörte dem Bischofs-hofe an. Der Führer sagtemir, er entsänne sich nochdes alten Gebäudes und derTreppe, die in Front desselbenhinaufgeführt hätte. Sie habeauch aus Sandsteinquadernbestanden und sei eine Doppel-treppe, mit steinerner Treppen-wange gewesen. Alsoetwa (ohne Wange) so:
Villa Heyl (heute: durch Neubau ersetzt)VillaHeyl(heute:durchNeubauersetzt)Heylshofpark, Heil’s GartenTreppe der Villa Heyl in Worms.
Eine kleine Thüraber, die jetzt noch – inder Höhe des Fundaments – inder Sandsteinmauer ist, scheintdarauf hinzudeuten, daß auchunter der Treppe ein Ein-gang war. Dies gab derFührer als leicht möglich zu,konnte sich dessen aber nichtgenau besinnen.
Villa Heyl (heute: durch Neubau ersetzt)VillaHeyl(heute:durchNeubauersetzt)Heylshofpark, Heil’s GartenTreppe der Villa Heyl in Worms.

Von einem Höhenpunktdes Gartens aus, auf freiemFelde, eine halbe Stunde Wegsnach Alzey zu, sieht manden Luther-Baum, eine hoheRüster. Er steckte hier, alser nach Worms zog, seinenStab in die Erde und sagte:
Und siehe da, der Stab schlug ausund wurde ein Baum. DasVolk hängt sehr an diesemLutherbaum. Wiewohl er grüntund blüht, ist er ganz hohl.Vor einiger Zeit (durch Fahrlässig-keit eines Jungen) brannte er;in unglaublich kurzer Zeit warendie Spritzen aus allen nah gele-genen Ortschaften heran und daman den morschen Baumso zu sagen abgespritzt habenwürde, so goß man das Feuer von oben her aus. – Lutherwar 14 Tage in Worms;–er wohnte im „Johanniterhof“in der jetzigen Kämmer Straße,3 bis 4 Minuten Wegs vomDom und dem Bischofshof.Der Johanniterhof ist weg; essteht jetzt dort ein ziemlichgroßes Gebäude, das städtischeCasino.
Im Volke sind die Erinne-rungen an jene große Zeitsehr schwach; noch schwächer sindnatürlich die Erinnerungen anKönig Gunther, an Siegfried,Chriemhild und Brunhilde. Nie-mand weiß davon. Wo jetztHerr Lederfabrikant Heil wohnt, wohnte früher König Gun-ther. Hier stand GunthersBurg, bevor die Burg zum„Bischofshofe“ wurde. An derSüdseite des Domes, aufdem jetzt parkartigen kleinenPlatze hatten die beiden Köni-ginnen ihren Streit. Eine Viertel-stunde von der Stadt entfernt,an der andern Seite desRheins, liegt der „Rosengarten“,jetzt nichts andres als eingroßes Stück Wiesenland(wohl fast eine Viertelmeilelang) mit Werftweidenund einigen Eichen bepflanzt.Ich sah mir den „Rosengarten“an; ein Gasthof 3. Ranges, deran der Lisière dieses Wiesen-landes gelegen ist, heißt zum„Rosengarten“. Man trinktdort Landwein für einpaar Kreuzer.
Noch zweierlei: UebermSüdportal des Domes befin-det sich (sehr alt) ein vierköpfigesThier auf dem eine Fraureitet. Unzweifelhaft sindes die 4 Evangelisten (Engel,geflügelter Löwe, Ochs, Adler)die die Kirche tragen.
Eine andre Kirche in Wormsist die gothische Liebfrauenkirche.Unmittelbar in der Nähe dieser Kirchewird die „Liebfrauenmilch“ gewonnen. Kenner sollen hier diesenWein nicht sehr hoch stellen;der Name sei das beste daran.
Im „alten Kaiser“ einemdicht am Dom gelegenenguten, alten Gasthof, gut dinirt.
Von Worms also nachSpeyer. Leider gehen hierdie Züge langsam und unaccu-rat. Es war schon dunkelals ich ankam; stieg alsoab im Wittelsbacher Hof,wo ich zu meinem Bedauernerfuhr, auch am andernTage (Sonntag) sei von 8 bis12 Gottesdienst und nur von6 bis 8 würde ich den Domsehen können. So denn um 5 Uhr auf.
Sonntag d.
dender
3.
September
Septmbr
.
Um 5 Uhr auf. Um 6ungefrühstückt in den Dom.Er war schon voller Menschen,die alle zur heiligen Messegekommen waren. Der Bischofselbst, in violettem Gewande,erschien. Unter diesen höchsterschwerenden Umständenbegann ich meine Wanderung.Ich bemerkte bald, daß esauffiel; ich ließ mich abernicht stören, da ich im Gast-hause erfahren hatte: erst um8 Uhr beginne der Gottes-dienst; bis dahin sei es er-laubt. Ich sollte aber baldeines Bessren belehrt werden.
Grundriss; Dom, Speirer DomDomSpeirerDomSpeyerDom in Speyer. DieKuppelübermQuerschiff
Also 4 Thürme, jezwei in Ost und West;zwei Kuppeln, eine übermQuerschiff, die andre über derVorhalle.Ein Kaplan, ein großer, stattlicherHerr, dem ich den Unmuth gleichangesehen hatte, gab dem Glöck-ner Ordre mich auszuweisen.Dies geschah; übrigens ohne alleUnart. Es verletzte mich auch nicht,da ich es vollständig in der Ord-nung fand. Im Kölner Domherrscht das entgegengesetzte Prinzip;dort ist alles Schaustellung gegenEntrée, was ich wenige Tagevorher so unpassend wie möglichgefunden hatte.
Ich war übrigens, als dieAusweisung erfolgte, im Wesent-lichen mit meinem Umgang fer-tig; was mir noch blieb: einegenauere Inspicirung des Aeußren,ferner die Kaiserhalle, drittensdie Sankt Afra Kapelle und viertensdie Crypt-Kirche, waren sämmtlichDinge die ich in Augenscheinnehmen konnte, ohne die Messeoder den Gottesdienst zu stören.Ich vertraute mich nun dem Glöck-ner an, der – in Aussicht aufein Trinkgeld – auf Katersteigenmich erst in die Sankt Afra Ka-pelle, dann in die Crypt führte.Zu dem noch bleibenden Restbrauchte ich ihn nicht.
Der Speirer Dom ist einMuster- und Meisterstück von einerrestaurirten, romanischen Kirche.Wahrscheinlich hat Deutschland nichtszweites derart aufzuweisen.Manche alten Kirchen, die ihren vollenmittelalterlichen Schmuck gerettethaben, mögen schöner und reichersein; auch einzelne neue Kirchen(wiewohl ich persönlich nicht derAnsicht bin) wie z. B. die Basilikain München mögen an künst-lerischer Pracht sie übertreffen, –unter den restaurirten Kirchenist wohl keine in Deutschland,die sich dem Speirer Domvergleichen läßt. Worms isthessen-darmstädtisch, Speier istbairisch; in Hessen-Darmstadt ge-brach es an Sinn und Mitteln,um (bisher wenigstens) demWormser Dom seine alteHerrlichkeit wiederzugeben;in Baiern hingegen war beidesvorhanden und drei Königehintereinander haben dahingewirkt,diesen historisch und künstlerisch soberühmten Bau wiederherzustellen.Diese 3 Könige waren MaximilianJoseph I, Ludwig I und Maxi-milian II.
Das Aeußre der Kirche ist demWormser sehr ähnlich; doch istder letztere (übrigens kleiner) edler,oder doch graziöser in seinenFormen. Wenn ich recht gesehnhabe, sind die 4 Thürme desWormser Domes rund, währenddie des Speirer viereckig sind.Auch die kleinen Rundbogen-Co-lonnaden an Schiff und Thürmensind am Speirer Dom schwer-fälliger als am Wormser.
Das Innre der Kirche wirktaußerordentlich. Zu der großartigeinfachen Würde der romanischenFormen, kommt eine sich einschmei-chelnde goldene Pracht. Die Chornischeist ganz golden, auf der einzelneGestalten stehn. Als ich in dieKirche eintrat, fiel das Licht derMorgensonne durch die Fenster desChors, und die goldnen Wändeleuchteten in doppelter Pracht auf.Der Raum zwischen den Rundbögenund den Rundfenstern des Mittel-schiffs ist (wie in Mainz, woman aber noch nicht ganz fertigist) mit Freskobildern geschmückt.Es sind im Ganzen 24. Sie rührenalle von Johannes Schraudolph her,der sie 1853 beendete. Sie sindedel in der Composition, frisch,wohlthuend in der Farbe undtragen sehr wesentlich zu demschönen Eindruck mit bei, den dasInnere der Kirche ausübt.Aehnlich reich geschmückt sind dieSeitenkapellen; sie enthalten 8 großeCompositionen.
Unmittelbar neben der Kirche,sich an die Nordseite des Läng-schiffes lehnend, befindet sich diealte St Afra Kapelle, aus derersten Zeit der Gründung der Kir-che. Heinrich IV vollendete denBau der Kirche 1061, ebenso auch denBau dieser Kapelle. An derStelle wo jetzt der Altar steht,stand 5 Jahre lang die Leiche Hein-richs IV, die, weil der Bannfluchdes Papstes auf ihm ruhte, inder Kirchengruft, in der Conrad IIund Heinrich III bereits ruhten, nichtbeigesetzt werden durfte. Erst nachfünf Jahren kam der Kaiserin seine Gruft.
Der Speirer Dom wurdegleich 1030 durch Conrad II alsKaisergruft gegründet. Undviele Kaiser haben hier ihreRuhestätte gefunden. Zunächst alleSalier: Conrad II, Heinrich III,Heinrich IV, Heinrich V. Heinrich IVnahm den Bannfluch des Papstes,Heinrich V den Fluch seines Vatersmit ins Grab. Außer diesen4 Saliern sind noch in Speierbegraben: Philipp von Schwaben(der von der Hand Otto v. Wittels-bachs fiel) Rudolf von Habs-burg, Adolf von Nassauund Albrechtvon Oestreich. Adolf von Nassaufiel (bei Göllheim) von der Hand Albrechts vonOestreich und Albrecht von Oestreichfiel von der Hand des JohannesParricida. Es knüpft sich eingut Stück deutsche Geschichte an dieseKaisergräber: Hoheit und Erniedrigung,Bannfluch und Vaterfluch, und zwei-facher Mord. Der im Kampf ge-fallene Adolf von Nassau und derermordete Albrecht von Oestreich erhiel-ten ihre Ruhestätte dicht nebeneinander.
Alle die genannten 8 Kaiserwaren in der Crypt-Kirche(die noch völlig intakt in denFormen des 11. Jahrhunderts erhalten ist) begraben. Die 8 Kaiser-gräber wurden 1689 von denFranzosen nach Schätzen durchwühlt.Was an Gebeinen in den entweihtenGrüften noch geblieben war,wurde nun, bei Restaurationder Kirche, im sogenannten Kö-nigs-Chor beigesetzt. Die Kirchehat nämlich drei Chöre: 1. denStiftschor (den eigentlichen Chor)2. den Haupt-Chor (im Querschiff)und 3. den Königschor, dervom Hauptchor aus, sich, wieein Vorbau, in das Mittelschiffhineinerstreckt. Rechts und linksdavon, führen Treppen ausbeiden Seitenschiffen zu dem Haupt-Chor hinan.
Dieser „Königschor“ repräsen-tirt also eigentlich ein gemein-schaftliches Grabmal, unter dem– vermauert und unzugänglich –die Aschen und Gebeine der 8 Kaiserruhn. Vielleicht hat man vonden Aschen und Gebeinen der 8Kaiser auch gar nichts mehr ge-funden und der „Königschor“ist nur ein Gedächtnißbau, doch,glaube ich, hat mir der Glöcknerdas Erstre erzählt. Durch zweiMonumente, die auf dem„Königschor“ stehn (ganz so, wiez. B. in Roeskilde) ist die Stätteals Begräbnißplatz von Königencharakterisirt. Es befinden sichdaselbst die Standbilder vonRudolf von Habsburg und Adolfvon Nassau, jenes 1843 aufAnordnung König Ludwigs vonBaiern, dieses schon 1824 durchHerzog Wilhelm von Nassau sei-nem Ahnherrn errichtet.
Außer diesen neuren Mo-numenten befindet sich nunnoch ein sehr altes inder Crypt-Kirche. Es ist derGrabstein Rudolfs von Habs-burg, der wahrscheinlich un-mittelbar nach seinem Todeangefertigt wurde. Er giltfür durchaus ächt, ist wohl er-halten und eine vorzüglicheArbeit. Die Stelle wo erjetzt liegt, ist nicht die alteGrabstelle; wenn ich nicht irrelagen sie alle (die 8 Kaiser)mehr dem Altar zu. Sowohldurch sein Alter, wie durchseinen künstlerischen Werth istdieser Grabstein sehr bemerkenswerth;freilich verschwindet er, washohes Alter angeht, neben demder Königin Plectrudis (GemahlinPipins) in der Kirche „Sankt Ma-ria im Kapitol“ zu Köln, – dernoch dazu ebenfalls ausgezeich-net gut erhalten ist.
In der Crypt befinden sichnoch zwei alte „Würfel-Altäre“ und ein großer Tauf-stein, beides aus der Zeit derGründung der Kirche. Der Tauf-stein hat eine sehr eigenthüm-liche Form, etwa so
Taufbecken, spätromanisch [Taufbecken]Taufbeckenspaetromanisch[Taufbecken]falseAnonym/nicht ermitteltTaufbecken in der Krypta des Speyerer Doms.
.
In der Nische der schon erwähn-ten Sankt Afra Kapelle, befin-det sich, aus neurer Zeit, dasBildniß der Heiligen und blickt aufdie Stelle nieder, wo der Sarg Heinrichs IVfünf Jahre lang unbeerdigtstand.
Ein moderner Anbau an diealte Kirche und zwar an dieWestfront sich lehnend, ist diesogenannte „Kaiser-Halle“. Sieist, nach Entwürfen des Baudi-rektors Hübsch in Karlsruhe, von 1854 bis 58 ausgeführt. Esfinden sich an und in derselbeneine Menge interessanter Dinge;so z. B. sind die Gewölbekappeneine Art Mosaik aus weißgelb-lichen und rothen Ziegelsteinen; dieletztern bilden die ausschmücken-den Linien und Bänder. Es siehtsehr fein aus und überrascht durchseine Einfachheit. Hier findensich ferner Fresken, Reliefs(die letztern Scenen aus dem Leben Rudolfs vonHabsburgs darstellend) und vorallem die Kolossal-Bildnisseder im Dome begrabenen 8Kaiser. Sie wurden vom Wie-ner Bildhauer Fernkorn an-gefertigt. Am besten fand ichdie Statue Heinrichs V; derAusdruck des Kopfes ist düster,sinnend, schwermüthig. Wenigergelungen schien mir Rudolfvon Habsburg; ich möchte demBildniß desselben auf demalten Grabstein bei Weitemden Vorzug geben. An diesenGrabstein, beiläufig bemerkt,hat sich Max v. Schwind, inseinem bekannten Bilde „KaiserRudolfs Ritt zum Grabe“treu gehalten und hat dadurchein interessantes Kaiserbild,nach meiner Meinung über-haupt ein interessantes Bildgeschaffen. Es befindet sichin Kiel.
Der ehemalige Domkirch-hof ist jetzt in eine Anlageumgewandelt. Innerhalb derselbenbefindet sich 1. eine Sammlungrömischer Antiken (wie inKöln im Wallraf-Museum) diebei Speier gefunden wurden2. ein alter Mauerthurm, dessenFundamente bis auf die Römer-zeit zurückgehen sollen 3. dersogenannte „Oelberg“ eine Stein-massemit bildlichen Darstellungenaus der Leidensgeschichte und4. der „Domnapf“, einegroße Sandsteinschale (unsrer Granit-schale nicht ganz unähnlich) diefrüher die Grenze zwischen Domund Stadt bezeichnete. Jederneue Bischof mußte diese Schale,nachdem er gelobt hatte die Frei-heiten der Stadt zu achten, vollWein gießen lassen, worauf sievon den Bürgern auf seineGesundheit geleert wurde.
Speyer „die Todtenstadt derdeutschen Kaiser“ macht nochimmer einen leidlich großstädtischenEindruck und ist – auch schon als Haupt-stadt der bairischen Rheinpfalz und alsBischofssitz – bedeutender als Worms.
Um 12 nach Carlsruhe. Der Zug nachBasel war schon fort. So denn in Carlsruhe gerastet.

Von Mainz nach Worms.

Vorbei an Laubenheim,Bodenheim, Nackenheim,Nierstein, Oppenheim(Judenkirchhof dicht ander Bahn) und dichtam Rhein, mal weiterbis Worms. – Stadt dochsehr modern, jetziges undvoriges Jahrhundert, ausBurgunder Zeit nichts, ausMittelalter wenig, abernur die Hülle desDoms und der Lieb-frauenkirche. Die Franzosenhaben unter Ludwig XIVund unter d. Republik alleszerstört. Dennoch, jene Hülleeben sehr interessant. DasInnere dem Mainzer Dome sehr nahverwandt. Auch hier wird die Decke buntausgeführt und zwar außerordentlich fein und geschmackvoll.Mainz: Doppelkirche.Doppel-Chor. Doppel-Hochaltar; in derRestauration begriffenund etwa 23 fertig,das alteste (wie esscheint) Chorstück(nach dem Rhein zu)noch nicht. Mankann nun rechtden Unterschied sehn.Die Wirkung desBunten ist ganzenorm. Mandenkt„ dies ist das goldeneMainz“. Alles wasvorspringt: die großenRundbögen an derDecke, die Gewölbe-Ribben, im fertigenhohen Chor auch derUntergrund der Kappensind alle vergoldet. DieKappen im Schiff sind blaumit viel grün und rothdarin, aber absichtlich etwasstumpf in der Farbe. Reichan Altären, Kapellen,Standbildern von Bischöfen und Erzbischöfen,auch viel Roccoco-Geschmackloses. DerEindruck des breiten Hauptschiffs sehr mächtig.
Ueber den Rundbögen zwischen denhohen Pfeilern des Mittelschiffs sind prächtigeBilder auf Goldgrund in der Arbeit, die großeMehrzahl fertig; sieht auch schön und reichaus. Die Farbengebung der Seitenschiffeist verschieden und zwar Goldgrund inden Kappen, dagegen die Gewölbe-Ribben blau und die Rundbögenprofile roth, natürlich auch alleswieder mit Gold ornamentirt.Die breiten Gewölbe-Ribben sindbraun mit wenig mattem Gold wennüberhaupt, die Kappen wie eine weißgemusterte Karo-Tapete
Vorderansicht (Ornamente); Dom St. MartinDomStAMainzOrnament im Dom St. Martin in Mainz.
dieSternchen von Gold und ebenso dieganze Kappe von einer breiten goldenen Grec-Borte (oder doch sehr ähnlich)eingefaßt.
Der berühmte Loreley-felsen ist eigentlichgar nichts.Ober-Wesel mitRuine Schönberg.Caub, RuineGutenfels und auch Schönberg,
An diesen beiden ist das unmittelbare Emporwachsen der Burg ausder Felsmasse, so daß dieseauch künstlerisch wie alshohes Fundament und Posta-ment wirkt, so sehr schön. { Ruine Soonek,königlich, durch den Königausgebaut. Sehr hübsch;hoch, schlank.
Burg Rheinsteinmit gothischer Kirche,auf hohem kahlem Felsvorsprungund alles fast in Laubholz ge-kleidet. Sehr schön.
Die kleinen Dörferhart am Rhein entlang;diese Dörfer sind fast reiz-voller als die Schlösser; alteschiefe, krummbucklige, bunteziemlich hohe (als Dorf) Häuser.Boppard mäßig hübsch.
Camp
Bernhofen
} Dörfer
Liebenstein und Stern-berg zwei nebeneinanderliegende Ruinen.Die ganze Parthie beiRuine Rheinfels, woman St Goar, St Goars-hausen, Rheinfels, Thurnberg(zurück) und Katz (vor)liegensieht.

Schöne Punkteam Rhein.

auch nochdieselbe Parthiebis Brau-bachMarksburgKoblenz. Der „Anker“ mitseinen Schrecknissen.Die „Elisabeth“. Verstaubteund verkrümelte Tische.Endlich kam er miteinem Lappen von Tischtuchund fegte durch denWind den er machte,die Krümel einigenDamen ins Gesicht;nun lag das Tischtuchda; es erinnerte michan die des altenRosch Königs und Post-straßen-Ecke. DieMessingstäbe nicht geputzt, die Spiegel und Fensterscheibenverschmiert, schmutzigeFelsstücke massenhaftaufgehäuft wie Sommer-stühle in einer Remise.
Rhense (Gasthof zum Königsstuhl)höchst pittoreske alteHäuser und alter Thurm. Die Ruinen man sieht eigentlich nureine, wahrscheinlich Lieben-stein; sie ist nochganz erhalten, vielmehr„altes Schloß“ alsRuine und giebt einemein vorzügliches Bild,wie diese alten Rhein-schlösser waren.Der „Königsstuhl“ ist zwischen Stolzenfels und Rhense.
SchraderSchirmerMontag. Minoriten K.MuseumGroß Martin(flaniren)Zu Tisch. Ge-nossenschaft.Spatzierfahrt.DomRosengartenNach Haus.
Dienstag
Dinstg.
Rathhaus.Gürzenich.St Maria imCapitol.Museum.Im Gürzenichgegessen.An Rhein, DomFreihafenCafé du Dome.RheinbrückeBurgmauerRömerthurmKupfergassen-K.Mittwoch. St Gereon.Flanirt.Café du Dome.In den Dom(die Fenster)KönigswinterDrachenfelsRolandseckBasel.Brief-Einwurf.Gasthof zum Kopfde la tête d’orGypser und Flach-maler.
„Die malerische und romantischeRheinpfalz“ in Ansichtenin Stahlstich (64 Blätter)enthält 12 Blätter von Speyer und dem Speyrer Dom(Worms ist indiesem Werk nichtenthalten.)Es existiren auchviele Photographien,groß und klein.
2|15|
    7 121
    8 12 Gulden östreichisch
9 Gulden 10
Gute Groschen
ggr
und etwa 40 Kreuzer
Stadtplan (Ausschnitt); Köln, CölnKoelnCoelnKöln. Römerthurm
Sankt
St.
Gereon
Kopper-MarieBurgmauerLange Gasse.Glocken
Abgang von Bern 2.20.
Ankunft in Thun 3.27.
Abgang von — (Scherzligen) 3.40.
Ank. in Neuhaus (Interlaken) 5.5.Man fordert ein Billetnach Neuhaus. Herford.Pauline Sommerfeldt. Laura Knochenhauer und AgnesKnochenhauer.Philipp WittmanninAßmannshausenAmt Rüdesheim
so von allen 4Seiten; sieht sehrgraziös aus.Die Thürme vonSt Gereon inKoln sind ebenso,aber ohne dieSpitze in der Mitte;gerade durch diesewird der Anblickgefällig.Braune breite Gewölbe-Rippe. Die Kappen weißgemustert, Gold etwasmit Sternen undum die Kappen einegraufarbene & Goldborte.
Carlsruhe, den _____________________
Gebäudeansicht; Hotel Grosse/Zähringer Hof in Karlsruhe.
Hotel Grosse.

ZaehringerHof.

CourDeZaehringen.
Pension Obeser.à Montreux. 6t de Van d.Remande par Fr. Aschinger
Sommelin.
Wahre Abbildung des wunderthätigenGnadenbildes in der lauretanischen Kapellezur
heiligen
h.
Maria in der Kupfergasse zu Köln.
Gebet

O meine Gebieterin und
heilige
h.
Gottesgebärerin, Maria, vollGnade, Güte und Milde, Du jungfräuliche Tochter und glor-würdigste Mutter des allerhöchsten Königs, Du Trost der Ver-lassenen und Heil aller auf Dich hoffenden Christen, Du Brunnder Barmherzigkeit, Brunn des Heils, Brunn der Gnaden unddes Lebens. Ich bitte Dich durch die vortrefflichste Gnade undallergrößte Freude, in der Du, vom Erzengel Gabriel begrüßetund von der Kraft des Allerhöchsten überschattet, das ewige Wort, in Dir Fleisch ist, empfangen hast, so wie auchdie unaussprechliche Liebe und Barmherzigkeit, mit wel-cher Dein Sohn, unser Herr Jesus Christus, um die mensch-liche Natur in Deinem ehrwürdigen jungfräulichen Schooße anzu-nehmen, zur Erde herabgestiegen ist: Verlaß mich nicht in die-sem gegenwärtigen Anliegen und in meiner Noth
nomen nescio
N. N.
sondernerbitte und bitte für mich Jesum, die gebenedeite Frucht DeinesLeibes, o liebreichste Jungfrau Maria, Mutter Gottes und Mut-ter Barmherzigkeit! Amen.Vater unser etc. Ehre sei dem Vater etc.Gelobt und geliebt sei Jesus Christus im hochheiligsten Sa-kramente des Altars!Gelobt und geliebt seien die heiligsten Herzen Jesu und Ma-ria, die für uns arme Sünder schmerzlich verwundet worden!