nächste Seite

C4beta

Sommer
1872.
Schlesien

Umgebungsplan; Liegnitz (heute: poln. Legnica)Liegnitz(heute:polnALiegnitz. WalstattPanthenLiegnitz.Katzbach.

verte
Umgebungsplan; Liegnitz (heute: poln. Legnica)Liegnitz(heute:polnALiegnitz. PanthenLiegnitzWalstattKatzbachSchlachtfeld.

Liegnitz

In seinem alten Theileein altes Nest, meist lang-weilige Bauten aus demvorigen Jahrhundert. Neubau-ten umzirken jetzt die Stadt,besonders am Haag und ander Promenade. Einige da-von sind hübsch; das Meistemediokre Dutzenarbeit.
Dicht bei der Promenade,auf dem „Friedrichsplatz“ wennich nicht irre, steht eine 1869 errichtete Marmor- Statue Friedrichs desGroßen, – eine ziemlich mäßigeLeistung. Bildhauer unbekannt.
An der Promenade selbstwurde am 4. August 1872 (Jahrestag des Treffens beiWeißenburg) ein Denkmalerrichtet: Rauchs sterbenderLöwe, wie er auf demGrabdenkmale Scharnhorstsruht. Aus Kanonen gegossenund vergoldet. Das ziemlichhohe Postament von Granit.Inschrift: Dem Andenken der 1870 und 71 gefallenen Heldendes Kreises sowie der StadtLiegnitz und des Königs-Grena-dier-Regiments (2. Westpreußisches
Numero
No
7
.) So ohngefähr. Die etwasungeschickte Abfassung zeigt deut-lich die Fusion zweier Comités,so daß keiner zu kurz kommensollte.
Die Kirchen sind Durch-schnitts-Gothik; die katholische ver-langweiltes Roccoco.
Der Ring – wie derin Münchengrätz – hat wiedereinen Häusercomplex als Kernin der Mitte. Die Schloßapo-theke, in der
Doktor
Dr
Mattersdorf
wohnt,ein leidlich interessanter alterBau.
Die Ritter-Akademie einlangweiliger Bau aus der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts.Die „Junker“ sind Pensionaire;im Uebrigen ist es ein Gymna-sium und zwar ein sehr gutes.
Das Schloß“ der alten Her-zöge von Liegnitz ist ein immer-hin interessanter Bau. JetztRegierungsgebäude. In seinerTotalität (ein Quadrat) stammtes wohl aus dem vorigen Jahr- hundert; einzelne Partien sindaber älter. Eine ziemlich reicheFenster- oder Thür-Einfassungan einem der Flügel trägtdie Zahl 1672; noch um etwasälter (so vermuthe ich) istdas stehengebliebene, dem Neu-bau einverleibte alte Portal.Ich würd’ es in das Ende des 16. Jahrhunderts setzen, etwa von 1580 bis 1600. Die Renaissanceist anders wie die obenerwähntevon 1672. Zu beschreiben istdas Portal nicht. Die Säulen-façade erinnert allerdings (wieHerr T. es richtig charakterisirte)an einen aegyptischen Tempel-Eingang. In den Metopenbefinden sich umschichtig alte Herzogs-Brustbilder, Bas-relief, wie auf Münzen. Eswürde Lübken wahrscheinlich in-teressiren.

Um Liegnitz herum,in Entfernung von 12, 34 und54 Meile, befinden sich dreiSchlachtfelder:

Walstatt

Dreiviertel Meile vonLiegnitz, in Richtung nach Osten.
Das Terrain steigt leisean, kaum merkbar, endlicherhebt es sich zu einerdominirenden Hügellinie. Aufdiesem Hügel, durch seine doppel-thürmige Kirche weithin sicht-bar, liegt der Flecken Wal-statt.
Lageplan; Wahlstatt (heute: poln. Legnickie Pole), WalstattWahlstatt(heute:polnAWahlstatt. D.B.A.C.
Walstatt wurde vonder großen Benediktiner-AbteiBraunau in Böhmen ausgegründet. Ob durch denheiligen Adalbert (Apostel derPreußen; in Gnesen begraben)oder einen seiner Nachfolger,verstand ich nicht genau.
Das Kloster stand ohngefähr300 Jahr. Etwa 1546 wurdees säkularisirt und verfiel wahr-scheinlich. 1699 kaufte KlosterBraunau, von der FamilieKnobelsdorff, die es damalsbesaß, Walstatt zurück und schrittnun zum zweiten Mal zurErrichtung eines Filial-Klosters.Dies dauerte etwa 40 Jahr. Bis 1740, als der 1. schlesischeKrieg ausbrach, war allesfertig.
Es ist einer der besten undconsequentesten Roccoco-Baue dieich gesehn und steht ebenbürtigneben dem Dresdner Zwinger, dessenErbauung genau in dieselbe Zeitfällt. Die Thurm-Formationenmit einer Krone oben ent-sprechen zum Theil genau demHaupt-Eingang des Zwingers.
Das Hauptportal der Kirche,zwischen den beiden Thürmen,ist in Erinnrung an die großeMongolenschlacht ausgeführt, sehrhübsch, sehr charakteristisch und dochganz Roccoco.
Klosterkirche St. HedwigKlosterkircheStAWahlstatt (heute: poln. Legnickie Pole), WalstattDetail der Klosterkirche St. Hedwig in Wahlstatt.

Die Trophäe oben (Kesselpauke,Speere, Schwerter, Morgensterne
et cetera
etc
) symbolisirt den Sieg Her-zog Heinrichs von Schlesien überdie Mongolen, die ihrerseitskaryatidenhaft die Last unsres Sieges tragen müssen.Die Mongolen sind nunnicht übel durch einen Tür-ken und einen Ungarn aus-gedrückt. Der Türke trägteinen Turban, der Ungar (kahl-köpfig, nur nach hinten zueinen zopfartigen Haarbuschtragend) trägt einen Attila.
Das Innere der Kircheist ganz bedeckt mit Bildernund Pinseleien. Die zahlreichenFresken an der Deckerühren von dem Maler Will-mann her, die großen,über 12 Fuß hohen Oelbilderan den Pfeilern wohl vonverschiedenen Malern. Unterdiesen letztern ist dieErmordung des heiligenAdalbert den dieheidnischen Preußen oder Ma-suren eben umringen,das Beste. Die Gegenständeall dieser Malereien sind mannig-fach; mit der WalstätterSchlacht beschäftigen sich nurzwei: Doch kann dies falsch sein; vielleichtverwechsele ich ihnmit einem andern.(Darüber im Naglernachschlagen).
Das Freskobildstellt dar wiesie den Herzog auf demSchlachtfelde suchen undfinden. Es ist eintrübseliger Salat,gleich schofel in Gedan-ken und Erfindung wieAusführung. Der reine Ruppiner Bilderbogen.
Das Altarbild,von einem Provinzial-Esel scheußlich übermalt,ist viel, viel besser,aber doch auch nureine mäßige Leistung.
Im Hintergrunde sieht maneinen Reiter (wahrscheinlichTartar) der das abgeschnittneHaupt Herzog Heinrichs nachLiegnitz bringt; imVordergrunde liegt derRumpf des Enthaupteten;man richtet ihn auf, dieHerzogin Anna seine Gemahlin knietdaneben, die HerzoginHedwig, seine Mutter, (dieheilige Hedwig) blicktin verklärtem Schmerz,hinter der Leiche stehend,gen Himmel. Die Hedwig ist ganz als Maria,die Anna ganz alsMagdalena gedacht.Man könnte dies feinfinden; ist aber wohlblos Erfindungs-Armuth.Das Beste dran ist derRitter v. Rothkirch, der,sammt einer andern Krieger-figur, ernst-theilnahmvoll zur Rechtensteht. So weit reichteauch damals noch,(etwa 1730 dieKraft eines mittel-mäßigen Niederländers.
Die Familien die beiWalstatt fochten waren:
die Rothkirchs, dieStrachwitz, Prittwitz,Lestwitz und Czettritz oderZedlitz. (Zu verificiren)Von den Rothkirchs 32.30 fielen; 2 bliebenübrig. Man fand dieLeiche Herzog Heinrichsan der Stelle wo jetzt der sehr alte Thurm derprotestantischen Kirche steht,die früher natürlich katholischwar und wahrscheinlichzum Andenken andiesen Tod, an dieser Stelle errichtetwurde. Man er-kannte die Leiche (dader Kopf schon abge-schnitten war) an densechs Zehen deseinen Fußes. Inallem drängen sichdie Aehnlichkeiten mitHarald, Editha und Hastingsfeld auf. Auch entsprichtBattle genau demWalstatt.
Ein spezielles direktesDenkmal der Mongolenschlachtist nicht da.
Die zweite LiegnitzerSchlacht ist die eigentlicheSchlacht bei Liegnitz,die speziell diesen Namenführt. Es ist die SchlachtFriedrichs II. und der sichneutral verhaltenden Russengegen die Oestreicher, am 15. August 1760.
Das Schlachtfeld liegtbeinah gerade nach Nordenzu. Das Terrainsteigt hier noch wenigeran und speziell die Höhen-linie, auf der das Monu-ment steht, und diealso wahrscheinlich einHauptpunkt währendder Schlacht selbst war,ist erheblich niedrigerals die Walstätter Höhen-linie, die, samt ihrerKirche mit 2 Thürmen,entschieden den domi-nirenden Punkt in dernächsten Umgebung vonLiegnitz bildet.
Details über Schlachtund Lokalität sind nachzuschlagen.
Was ich sah, war nichtsals ein kleiner Höhenzug, dernach rechts hin eineziemlich große Waldparzelle,nach links hin ein Dorfhatte. Liegnitz im Vorder-grunde, etwas in derTiefe. Dorf Panthenist wohl das nächste,es verbirgt sich aber.
Das Denkmalist langweilig.
Eine Granitsäuleauf einem Postament;die Säule mit einemArchenholtz Theil II
Seite
S.
54 bis 58 hateine sehr gute Beschreibung der Schlacht bei Liegnitz.Er war mit dabei.
frei erfundenen teller-haften Kapitell, aufdem Kapitell einumgestülpter Topf(natürlich auch Granit) aufdem Topf ein mäßi-ger Adler. Inschrift: Zur Erinnerung an den 15. August 1760 errichtet im Jahre 1860. Einfach undgeschmacklos.
Das dritteSchlachtfeld um Liegnitz herum, istdas Schlachtfeld ander Katzbach.
Eine gute halbeMeile südlich vonLiegnitz, links vonGoldberger Territorium,rechts von JauerschemTerritorium begrenzt,erhebt sich inselartig einPlateau. Etwa so:
Lageplan des Schlachtfelds; Schlachtfeld an der KatzbachSchlachtfeldanderKatzbachKatzbach (Fluss; heute: poln. Kaczawa)Schlachtfeld an der Katzbach. LiegnitzGoldbergJauer

Dieses Bergplateau ist soziemlich an seiner ganzensüdlichen Hälfte von derKatzbach und der wüthendenNeiße (die fast parallelzu laufen scheinen) halb-kreisförmig umzirkt.
Auf diesem Plateau fanddie Schlacht statt. Sieendete damit, daß dieFranzosen mit ihremlinken Flügel (Ney) undihrem Centrum (Macdonald)vom Plateau herab in dieflußdurchströmten Schluchtengeworfen wurden. Dies entschied die Schlacht. Anihrem rechten Flügel (Lau-riston) fochten sie erfolgreichgegen die Russen unterLangeron. Aber selbst dieser Erfolgsteigerte nur ihre Niederlage.Am Tage nach der Schlachtwurden starke Abtheilungendes Lauriston’schen Corps,die sich in Hennersdorf unddrüber hinaus behauptet hatten,von Preußen und Russen um-ringt und gefangen ge-nommen. Die Aufstellungwar ohngefähr die folgende:
Lageplan des Schlachtfelds; Schlachtfeld an der KatzbachSchlachtfeldanderKatzbachKatzbach (Fluss; heute: poln. Kaczawa)Schlachtfeld an der Katzbach. LiegnitzNeyEichholzChristianshöhv. SackenscherCorpsYork-scher CorpsLangeronschesCorpsHenners-dorfLauristonMacdonaldabc
Der Angriff gingnun etwa von Mittagan (am 26.) wie folgt: Sacken operirte gut undwußte durch eine Flügelbewegung(Umgehung) das Neysche Corpszwischen zwei Feuer zu bringen.
Im Centrum verlief dieSache wie folgt. Macdonaldwarf unsre Vortruppen,die wahrscheinlich jenseits derbeiden Flüsse standen, zurückund folgte mit allen Waffen-gattungen nach. DieBrigaden des Yorkschen Corpsstanden ziemlich getrennt.Am weitesten vor BrigadeHorn; bei Christians-höh die Brigaden Prinz Karlvon Mecklenburg und Hüner-bein; in Reserve hinterdiesen beiden Brigade Stein-metz.
Es scheint, daß vorzugs-weise die Brigaden Hornund Mecklenburg zur Aktionkamen. Drei märkischeBataillone (Leibregiment?)gingen gegen 2 Bataillonefranzösischer Garden (vieleichtMarine-Truppen) die eine Batteriezu decken hatten, vor undschlugen jene 2 Bataillone mitdem Kolben zusammen.
Dies geschah in demselbenMoment, in dem auchbei Eichholz, die zwischenzwei Feuer gerathenen Bataillonevom Ney’schen Corps zu wei-chen begannen. Cavalleriesollte helfen, wurde abergeworfen und warf sich nunfliehend auf die schon erschütter-ten eignen Bataillone. Einfurchtbares Durcheinander ent-stand; die Unsern, mitCavallerie und Infanterie nach-drängend, mit Artillerie nach-feuernd, warfen alles wasauf dem Plateau stand indie Schlucht bei Belwitzhof,bei Weinberg und Ober undNieder-Crayn hinunter. Schonhierbei waren die Verluste groß.Alles suchte die Brücke beiNieder-Crayn zu gewinnen,die einzige an der ganzenKatzbach hin. Sie war ge-stopft und verfahren; einzelneTrupps konnten sie überhauptnicht finden, Artillerie feuer-te nach, – so stürzte sichalles in die Katzbach undNeiße. Sehr viele ertranken.Der Erfolg Lauristons am
französischen
französ.
rechten Flügel kam zukeiner Geltung. Erst am 27. und 28. wurde recht eingeheimst.Die Franzosen verloren imGanzen 18,000 Mann undviele Kanonen sammt sonstigemMaterial.
Wenn mich nicht allestäuscht, so war dies sich schla-gen auf einem solchenPlateau eine höchst gewagteSache. Die Franzosen müssen sehr ungeschickt operirtund sich durch Heldenmuth nicht gerade ausgezeichnet haben.Verfuhren sie geschickter, sowurden wir muthmaßlichin die Tiefe geworfen, na-mentlich wenn man unsdurch eine Umgehung vonden Verbindungsstraßen nachNorden zu abdrängte. Yorkhielt die Schlacht für ein Wag-niß, ja, eigentlich für einenSkandal. Ich glaube, erhatte Recht. Schließlich sagte er: „mit den Dummen ist Gott“.
Monumente sinddrei auf dem Schlachtfelde. Das ganze Terrain an dessen höchster Stelle das Monu-ment steht, heißt Christians-höh. Die Blücherlindesteht auch in der Nähe.
Wenn man mit dieser Katzbach-Schlacht Vionvillevergleicht, so hat man –ohne unsren Vätern zu nahetreten zu wollen – den Ein-druck von etwas Schüler-haften, als ob es doch überallan den rechten Kräften, auchan der vollen Einsicht gefehlthätte. Es wirkt, alshätte man gedacht: „achwas, nur drauf; es wirdsich schon finden; was hilftalles überlegen; die Dingemüssen sich von selber machen“.Daß sie sich machten, wirftauf die
französischen
französ:
Marschällekein allzu glänzendes Licht. Auch begegnet man nir-gends solchem zähen Aus-halten (woran dann schließ-lich die Entscheidung hängt) wiebei Nachod, Swiepwald,Wörth, Vionville,
Saint
St
Privat
.

Nördlich von Eichholzliegt ein Dorf: Hochkirch,nur 13 Meile von Neuhof.Auch Klein-Tinz und Jäno-witz spielen eine Rolle.
Groß-Tinz liegt 2Meilen östlich bei Kummernick.Hier ist Pastor Rogge, Vaterder Frau v. Roon und desDivisionspredigers Rogge.
In Waldau, eineMeile westlich (??) vonLiegnitz, ist Pastor Falk,der Vater des Ministers.

Breslau.

Bahnhof. Schwurgericht undGefängniß (mit den zweiRoththürmen an der Promenade).Synagoge, hübscher Kuppelbau,meist Rohziegel, Blücher-platz. Blücher-Statue. DerRing, Stadthaus, Stadthaus-keller. Rathhaus, Schweid-nitzer Keller. Die Schand-säule, Pranger. Die Elisa-bethMagdalenen-Kirche.Sehr viele Kirchen; allesehr übereinstimmend (später ihreArt charakterisiren). Condi-torei von Perini. DerPalast des Fürstbischofs. DerDom. Fahrt an der Oder.Das Wasserwerk. Zoologi-scher und botanischer Garten.Wintergarten und Volksgarten.Universitäts-Bibliothek. Univer-sität (am Oderquai). DasMilitair-Gefängniß. Dampf-schiffe (nach dem zoologischen Gar-ten). Schweidnitzer Straße.Neues Theater, Tauentzien-Platz. Die Commandantur (?) oderder Palast des commandirendenGenerals v. Tümpling. DieWeigel’schen Häuser. Galisch-Hôtel. Promenade, Oder-quai. Liebichs-Höhe.
Auf und ab am Canal.Die „neue Wache“ an derPromenade. Die „neue Taschen-Straße“ (mündet auf den Central-Bahnhof); die Tauenzien-Straße, nochmals der Tauen-zien-Platz, Galisch-Hôtel,die Weigelschen Häuser; dieneue Schweidnitzer Straße, dieSchweidnitzer Straße (die Promenadebildet die Grenze zwischen beiden)das General-Commando (Tümpling)das Theater, die KornscheBuchdruckerei (Schlesische Ztng), Ring,Rathhaus, Schweidnitzer Keller (nur Bier und Würstel)Blücher-Platz, das königlichePalais (mit Colonade vornwie Prinz Albrechts Palais), dieGraupenstraße, Börse, Börsen-keller, Promenade, wiederumSchwurgericht und Gefängniß,dahinter die Synagoge, dannan der Promenade hin biszum märkischen Bahnhof.

Die Physiognomie derStadt ist entschieden inte-ressant; die neuen Stadttheilesind sauber, hübsch, heiter,gefällig, mal in ihrerBauart an Dresden, malan Berlin erinnernd; die alten Stadttheile sind malerisch,oft von großer Anlage und imDetail nicht ohne Originalität.Von großer Anlage sind derRing und die Universität; vollorigineller Details sind dasRathhaus, die Prangersäule,auch einzelne Privathäuser.

Die Kirchen.

Die Zahl der Kirchen ist sehrgroß: Dom, Elisabeth-, Mag-dalenen-, Minoriten-, Sand-,Franziskaner-Kirche und viele andre.Im Ganzen wenigstens 20,wahrscheinlich doppelt so viel.
Links und rechts vomRing stehen die Elisabeth-und die Magdalenen-Kirche, stattliche Gebäude, mit oblon-gen, aus Ziegel aufgeführtenThürmen, und Krönungen resp.Spitzen von Kupferblech.Die Krönung des Elisabeth-thurms ist sehr eigenthümlichund nicht häßlich.
Der Dom weichtvon den beiden genanntenKirchen nicht sehr ab; erwird auch nicht erheblich größersein. Eine dreischiffige gothi-sche Kirche mit zwei hohenThürmen, die, als sie nochihre ursprüngliche Spitze statteiner niedrigen Kupferblech-Mütze hatten, sehr hochgewesen sein müssen. Ob diese Spitzen je fertig wurden,weiß ich nicht. Jetzt so:
Gebäudeansicht; DomDomBreslau (heute: poln. Wrocław)Breslauer Dom.

früher wahrscheinlich so:
Gebäudeansicht; DomDomBreslau (heute: poln. Wrocław)Breslauer Dom früher.

Der eine Thurm zeigt nochSpuren von Haustein-Architek-tur, die ornamentartig undmit Skulpturen geschmückt, die Ecken des großen Ziegel-stein-Oblongs einfaßte.
Das Innre der Kirchewirkt im ersten Momentnicht sehr erhebend. Dergraugestrichne Mörtel, dernicht überall ganz glatt istund an andern Stellen wieder– wohl von der Feuchtigkeitherrührende – dunkle Fleckezeigt, wirkt roh imVerhältniß zu dem Eindruck,den die Stein- Cathedralen Nord-Frankreichs machen. Auchdas Mittelfenster im hohenChor wirkt mit den Tönenseiner Glasmalerei sehr mäßig,namentlich wenn man anReims oder
Saint
St
Denis
oderWestminster-Abbey denkt. Auf-fallend waren mir nurdie schönen Skulpturen: werken aus der Zeitsieht, die zwischen dem TodeFranz I. und der ThronbesteigungHeinrichs IV. liegt.
Alle großen BeslauerKirchen (alle Backstein) zeigeneine bemerkenswerthe Ueber-einstimmung. Sie haben keinQuerschiff, ja diemeisten scheinen ursprünglicheinschiffig gewesen zusein: ein verhältnißmäßigschmaler Längsbau, mit einoder zwei Thürmen, einemwenig markirten Chorund Strebepfeilern, respektiveStrebebögen. Erst die folgenden Jahrhundertemodelten diese ziemlichprimitiven Baue und mach-ten sie zu einem wun-derlichen Salat, so daß die
betreffenden
betr:
Kirchen fast wie einStadttheil, wie ein wirresHäuserviertel aussehn, ausdem ein paar Thürme undein gothisches Dach hervor-ragen. Zunächst wurdevon links und rechts heran das Längsschiff ange-baut, Seitenbaue überderen Schrägdach die oberstenTheile der Strebebögennoch hinausragen. Diese Seitenbaue gaben nun denRaum zu zahlreichen Kapellenher. Aber es blieb nichtbei diesen Seitenbauen. Aehnlichwie die Kapelle Heinrichs VII.bei Westminster-Abbey, oderwie die letzte große Kuppel-und Rundbogen-Kapelle beiRoeskilde, wurden auchKapellen in Fortsetzung des hohenChors errichtet, die nunentweder
  • 1. wie Henry’s VII. Chapeleinfach hinter dem hohenChor, oder
  • 2. halbrückwärts, rechtsund links neben demhohen Chor stehn.
Dies letztre ist beispiels-weise beim Dome derFall. Zwei seiner Haupt-kapellen (in einer ArtJesuiterstyl wenn ichrecht gesehn habe) stehen so:
Gebäudegrundriss; DomDomBreslau (heute: poln. Wrocław)Breslauer Dom.

Die Kapellen sind aber, trotz-dem sie sich äußerlich wieselbstständig und abgetrennt prä-sentiren, sind aber im Zusammen-hang mit der Kirche selbst.
Das Charakteristischste allergroßen Breslauer Kirchen aber ist das Auftreten einesselbstständigen Querbaus, derohngefähr da sich ansetzendwo sonst das Querschiffseine Stelle hat, dazu da zusein scheint dies Querschiffzu ersetzen. Vielleicht istdies die primitive Formdes Querschiffs überhaupt;man verstand es noch nichtden Querbau dem Haupt-bau geschickt einzufügen undein harmonisches Ganzesherzustellen. Die BreslauerKirchen sind also nicht so
Grundriss; Breslauer Kirchen.

sondern so:
Grundriss; Breslauer Kirchen.

Eine querstehende gothischeKapelle ist dem Längs-schiff nicht künstlerischeinverleibt, sondern einfachan dasselbe herangestelltund zwar meist nur voneiner Seite her.

Der Ring.

Der Ring ist einer dergrößten und stattlichsten Marktund Rathhausplätze die ich kenne.Er ist lange nicht so schönwie der Brüsseler, abergrößer und kaum minder interessant. Seine Formist diese:
Grundriss; Ring (poln. Rynek)Ring(polnABreslau (heute: poln. Wrocław)Ring in Breslau. A.B.

Das Mittelstück ist das Rath-haus, das selbst wieder einConglomerat von Baulichkeitenist, durch das sich Höfe, Gassenund Gänge ziehn.
  • A. ist ein moderner Bau (ineinem ziemlich nüchternen Tudor-styl) der das Stadthaus ge-nannt wird.
  • B. ist das alte Rathhaus, wahr-scheinlich nur ein Ueberbleibselvon einem ursprünglich grö-ßeren Baue. Das Rath-haus ist spät-gothisch; esschien mir als spiele be-reits – unter Beibehaltunggothischer Formen – etwasRenaissance-haftes hinein.Beispielsweise in demOrnament der Fenster.
Das Hineinschieben vonSteinfiguren in den Spitz-bogen ist doch wohlselten. Die Fenstersind nicht so
Vorderansicht (Fenster); gothisches Fenster.
sondern statt dieser übli-chen Kreis- und Kreisab-schnitt-Linien, die bestimmteFormen bilden, schiebensich wirkliche plastischeBilder von selbstständigemCharakter ein: Löwen,Greifen, Drachen, Adler,die sich befehden. DieseFiguren selbst sind allenoch gothisch, aber ihreVerwendung in dieserWeise scheint mir gegendas traditionell-Gothischezu verstoßen. Wennhierin nicht ein Renaissance-Einfluß liegt, so ist es eine wildgewordene, ihrGesetz aufgebende, demVerfall entgegeneilendeGothik. Dabei aberpittoresk entweder,oder amüsant. EineArt Roccoco innerhalbder Gothik; Willkür inder Behandlung. Die Fensterhaben zum Theil auch,links und rechts in derEcke, Thiergestalten wiesie sich sonst nur an denPortalen oder an denDächern finden. Z.B. so
a. und b.sind zwei kleineaus der Fensterbrüstungvorspringende, ganz unver-mittelte Affen, oderTeufelchen, oder ähnliches.

Sehr interessant ist derPranger, die Schandsäule,in guter Gothik.
  • A ist in kleiner Figur die Ge-stalt des Scharfrichtersmit einem langen Richt-schwert an der Seite und einemgeschwungenen Staupbesenin der Hand.

    Statuen, Denkmäler

  • 1. Friedrich II.
  • 2.
    Friedrich Wilhelm
    Fr. W. III.
  • } beide
    von
    Kiss.
    1.
    und
    u
    2. auf demRing; 3. auf demBlücherplatz; 4. aufdem Tauentzien-Platz. Alle 4 Arbeiten sindnicht übel. Friedrichder Große ausreichend; Fr.W. III gut (dem Wolff-schen auf dem Lustgartensehr ähnlich; Kiss’ istaber viel früher);Blücher auch gut, abernicht so gut wieRauchs Berliner Blücher;Tauentzien nur einMedaillon-Portrait,oben auf dem Postamenteine trauernde Minerva,unter dem Portrait ein Basrelief-Bild: Tauen-zien wirft diebelagernden Oestreicherdurch einen Ausfallzurück.
    Der Tauentzienplatz,die neue SchweidnitzerStraße, überhaupt die ganzeSchweidnitzer Vorstadtsehr hübsch.
    Das Generalkommandosehr hübsch.
    Das neue Theaterwie mir schien einDurchschnittsbau. Korn’s „SchlesischeZtg“ ein großes Gebäudein der Schweidnitzer Straße.
    Der Stadthaus- undder Rathhaus- (Schweid-nitzer sindblos gute Bierkneipen.
    Die Synagogeist sehr hübsch.
    Die „neue Wache“(Rohziegel-Bau) hatmir sehr gefallen.
    Liebigs Höh aufeinem alten Bastionerrichtet, Vergnügungsort der Breslauer Beau-monde, Aussichts-punkt; sehr stattlich,sehr hübsch.

    Die Stadt im Ganzenwirkt sehr gut; derneue wie der alte Theilhaben ihre Vorzüge undReize; nur die Bevöl-kerung macht in demMittelpunkt der Stadtund den angrenzenden altenStraßen keinen gutenEindruck. Zu viel Juden,zu viel Unsauberkeit undHäßlichkeit.

    Die Schlachtan der Katzbach.

    Nach Droysentadelte York dieSchlacht nur in ihrerursprünglichen Disposition.
    Blücher wollteangreifen. Glückli-cherweise (so meintYork) kam ihmdie Dummheit derfranzösischen Generale zuvor. Nur dadurchgewannen wir dieSchlacht. Blieben dieFranzosen stehn underwarteten sie aufdem jenseitigen Plateauunsren Angriff, sowurden wir sehr wahr-scheinlich ebenso indie Katzbach und Neißegeworfen, wie nun(da sie angriffen) dieFranzosen hineingeworfenwurden. So York. Er mag wohl Rechtgehabt haben.
    Uebrigens – was bei-läufig bemerkt seinmag – heißt es in einemBriefe des Oberpräsidentenv. Schön aus demJahre 1852 (
    Siehe
    S.
    P. Lin-daus „Gegenwart“
    Numero
    No
    )„… ich will den sehn,der im Stande ist, ge-stützt auf die Büchervon Pertz und Droysen,sich ein klares Bildvon Stein und York zu entwerfen.“ Bei allerVerdienstlichkeit dieserWerke glaub ich dochdaß Schoen Recht hat.Eigentlich war York einaltes Greul und nunsoll ein Held drausgemacht werden. Freilichwar er ein Held, aberso verdeckt durchUnkraut, daß man denHeldenmarmor nichtmehr sehn konnte.
    Die Katzbach-Schlacht verlief nach Droysen wie folgt:
    Lageplan des Schlachtfelds; Schlachtfeld an der KatzbachSchlachtfeldanderKatzbachKatzbach (Fluss; heute: poln. Kaczawa)Schlachtfeld an der Katzbach. EichholzRussen (v. SackenPreußen (YorkRussen(Langeron)

    Im Centrum (York)fand die Hauptaktion stattund es war mithin mehreine Schlacht an der wüthendenNeiße“; Blücher gab derSchlacht aber, um diepiquirten Russen zu beru-higen, den Namen „Schlachtan der Katzbach“, weil dasSiegesfeld der Russen mehran der Katzbach lag.
    Die Eintheilung des York-schen Corps war die folgende: Die Avantgarde stand unterdem Befehl von Hiller undKatzler.
    Die Avantgarde eröffneteden Kampf; dieser, so scheintes, wurde vorzugsweise durchdie Brigaden Hünerbein undCarl v. Mecklenburg geführt;Brigade Horn, am rechtenFlügel, kam wenig zur Aktion;Brigade Steinmetz stand inReserve. Uebrigens fand aufdem engen Plateau auchdas große Cavallerie-Gefechtstatt, das vorzugsweisemitwirkte beim FeindeVerwirrung zu stiften undihn in die Tiefe bei Ober-Nieder-Weinberg und Nieder-Crayn hinabzuwerfen.
    Ausführliche Beschreibung
    der
    Schlacht an der Katzbach,
    geschlagen
    den 26. August 1813.

    Zum Besten der bei dem auf dem Schlachtfelde errichtetenDenkmale wohnenden Invaliden.
    Verlag des Schlachten-Denkmals-Fonds.
    Druck von Oscar Heinze in Liegnitz.
    Nach dem Treffen bei Goldberg am 23. August setzte dieschlesische Armee unter dem Oberbefehl des Generals v.Blücherihren Rückzug nach Jauer fort. Das York’sche Corps rücktean diesem Tage in und um Jauer ein, und am folgendenTage, den 24. August, folgten ihm die russischen Corps v.Langeron und Sacken, und bezogen gleichfalls eine Stellungbei Jauer. So war also die ganze schlesische Armee bei dieserStadt vereinigt; nur ein Theil des Sacken’schen Corps, meistleichte Reiterei, stand auf der Straße von Liegnitz nachHainau um das Ney’sche Corps zu beobachten, welches durcheinen Mißverstand am 24. von Liegnitz nach Hainau marschirtwar. Schon am 25 25. war man bei der verbündeten Armeeentschlossen, den Feind anzugreifen. Eine stattliche russischeReiterei unter Generallieutenant Wassiltschikoff und leichtepreußische Reiterei brach aus dem Lager auf, und rückte aufden Straßen nach Liegnitz und Goldberg vor, um die Be-wegung des Feindes zu beobachten. Allein dieser zeigte sichan diesem Tage noch nicht, wahrscheinlich weil MarschallMacdonald, der nun den Oberbefehl übernommen hatte, sichfür zu schwach hielt, ohne vom Ney’sch en Corps unterstütztzu werden, anzugreifen, oder auch sich einem Angriffe auszu-setzen. Als aber dieses Corps am 25. von Hainau wiederumwendete und weiter vorwärts drängte, beschloß Macdonaldden Angriff zu wagen. Aber er verrechnete sich in derSchätzung seiner Kräfte.
    Um eine deutliche Ansicht der Schlacht zu erhalten, istes nöthig das Schlachtfeld kennen zu lernen.
    Die wüthende Neisse bildet da, wo sie sich in die Katz-bach ergießt, mit diesem Flusse einen großen Bogen, welcherzwischen Jauer und Liegnitz (doch diesem näher) links aus-beugt, also nach der rechten Seite zu offen ist. In diesem
    Bogen war das Schlachtfeld– Das Land auf dem rechtenUfer der Neisse und Katzbach bildet eine weite hohe Ebene,die sich von Jauer bis Liegnitz erstreckt. Der höchste Punktderselben ist eine Meile von Jauer, die Colonie Christianshöh.Von hier übersieht der Blick weithin die fruchtbare Bergebene,die nach den beiden genannten Städten sich sanft hinabsenkt.Von Jauer steigt man demnach sanft aufwärts längs derNeisse bis Brechelshof, dreiviertel Meilen von der Stadt,hier beginnt die Bergebene. Rechts liegt Malitsch, geradezuEichholz, zwischen beiden Triebelwitz; unweit dieses letzenDorfes, also zwischen Brechelshof und Eichholz, Christianshöhe.Links zieht sich die Ebene bis gegen die Neisse und Katzbach,welche im Grunde des erwähnten Bogens in einander fließen.Dicht aber am Ufer jener beiden Gewässer endigt sich die Berg-ebene in ziemlich schroffe Tiefen, in denen die beiden Flüssesich bewegen. Mehrere enge Fahrwege führen von Brechels-hof, Eichholz und Klein-Tinz nach Weinberg, Nieder-Craynund Groß-Jänowitz, die in der Tiefe an dem Ufer der Neisseliegen.
    Ganz anders ist das linke Ufer der beiden Gewässer.Eine lange Reihe ziemlich hoher, größtentheils bewachsenerBerge ziehen sich längst dem Ufer, ein halbe Meile vondiesen, die Heßberge genannt. Sie erheben sich langsam undlassen also einen Theil zwischen sich und der Neisse und derKatzbach, in welchem auf der Straße von Goldberg nachJauer die Dörfer Hennersdorf und Seichau liegen. BeiHennersdorf ist der Weg am engsten, und hier daher einevorzüglich schöne Position, um einen herankommenden Feindzu erwarten. — Dies ist eine kurze Beschreibung desSchlachtfeldes, die eine jede Specialkarte noch deutlichermachen wird.
    Am 25. August — es war am Mittwoch, ein ganzumwölkter Tag, der Wind wehte heftig und rauh, — brachendie Corps größtentheils auf. Das Corps v.Sacken, welches
    bestimmt war, den rechten Flügel zu bilden, zog sich überBrechelshof nach Malitsch; das Corps v.Langeron, welchesden linken Flügel ausmachte, rückte nach Hennersdorf vor,und das Corps v.York, zum Mittelpunkte bestimmt, blieban diesem Tage noch bei zurück — dieser Stellunggegenüber stand die französische Armee, und zwar das Corpsv.Lauriston bei Goldberg, seine Vortruppen bei Prausnitz;hinter diesem das Corps v. Macdonald, und das Corps v.Ney war noch auf dem Marsche von Hainau nach demSchlachtfelde begriffen. Es kam an diesem Tage bis in dieGegend von Lobendau und vereinigte sich erst am folgendenTage mit den beiden andern Corps.
    Der 26. August brach an. Der ganze Horizont warmit düsteren Wolken bedeckt, die anfangs einen dünnen Regenherabfallen ließen, bald aber sich wie in Strömen ergossen.Die russischen und preußischen Truppen standen schlagfertigund erwarteten nur den Befehl zum Aufbruch. Die leichtenTruppen waren bereits über die Katzbach bei Weinberg undNieder-Crayn gegangen, und hatten erst unweit Goldberg denFeind getroffen, der sich langsam näherte. General Lauristonhatte sich ganz früh in Bewegung gesetzt, auf der Straßevon Goldberg nach Jauer. Im folgte gleich darauf MarschallMacdonald, sich links wendend, so daß dieser den rechten,jener den linken Flügel befehligte.
    Zum Nachmittage um 2 Uhr war von dem Generalv.Blücher der Angriff bestimmt worden. Es sollte nämlichnach dem ersten Plane das Corps v.Sacken zwischen Liegnitzund Goldberg über die Katzbach gehen, sich auf das anrückendeNey’sche Corps werfen, das York’sche sollte diesen Angriffmit ganzer Macht unterstützen, und das Langeron’sche diesenbeiden Corps den Rücken decken. So hoffte man die Franzosentheilweise aufzureiben; das Ney’sche Corps sollte ganz ver-nichtet und so zu sagen von der Uebermacht erdrückt werden,ehe die beiden anderen französischen Corps es merkten oder
    zu Hülfe eilen könnten. — Allein die Vorsehung hatte esanders beschlossen, nicht ein Corps, sondern alle drei Corpssollten eine vollständige N iederlage erhalten.
    Marschall Macdonald hatte indessen seinen Marsch vonGoldberg über Röchlitz nach Nieder-Crayn fortgesetzt. Vorihm zogen sich die russischen und preußischen Truppen in ge-ordnetem Rückzuge zurück, sie hatten ausdrücklichen Befehl,sich in kein ernsthaftes Gefecht einzulassen. Gegen Mittaggingen diese Vortruppen über die wüthende Neisse bei Nie-der-Crayn und Weinberg zurück, und stellten sich auf demRande der Anhöhen, die längs dem rechten Ufer des Wassersdie eben erwähnte Bergebene begrenzen, auf.
    Um 1 Uhr Nachmittags langte das Macdonald’scheCorps an der wüthenden Neisse an. Mit Macht drang esin Ober- und Nieder-Crayn ein, und führte auf den An-höhen, die diesem Dorfe gegenüber auf dem linken Ufer lie-gen, schleunigst vier Batterien auf, mit denen es die jenseitsstehenden verbündeten Vortruppen heftig beschoß, um denUebergang über die Crayner Brücke zu erzwingen. Da esdurchaus nicht im Plane lag, ihnen diesen Uebergang zuwehren, es auch bei der Uebermacht der Franzosen nicht mög-lich war, so begnügten sich jene, ihnen lebhaft mit Kanonenzu antworten. Während dieser heftigen Kanonade sprengtedie ganze Reiterei dieses Corps in starkem Trabe durchNieder-Crayn und stürmte jene Anhöhen bei Groß-Jänowitzund Weinberg, wo die Vortruppen der Verbündeten standen.Eine starke Infanterie folgte auf dem Fuße nach, und griffdie obenstehende, preußische Brigade v.Horn an, die mitheroischem Muthe den wüthenden Angriff aushielt und dadurch der Haupt-Armee Zeit gab, die geänderten Disposi-tionen in Ausführung zu bringen.
    Das York’sche Corps war indessen von Jauer am Vor-mittage aufgebrochen; General v.Blücher und die übrigenGenerale hatten um 9 Uhr Jauer verlassen und rückten über
    Alt-Jauer auf der Straße nach Brechelsdorf vor. Als dasCorps aber hier die Berg-Ebene erreichte, ging die Meldungein, daß die gesammte französische Armee im Anzug wäreund die Vortruppen bereits dränge. Dies machte einenandern Plan nöthig, den General v.Blücher sogleich ent-warf, und mit bewundernswürdiger Schnelligkeit ausführte.
    General v. Blücher ließ das York’sche Corps sogleichhalten, und stellte es verdeckt auf, um dem übermüthig her-andrängenden Feinde seine wahre Stärke zu verbergen.Blücher erkannte sogleich, daß die Anhöhe bei Christians-höhe vor allen Dingen als der Mittelpunkt des Schlacht-feldes besetzt werden müßte, und traf demnach folgende An-ordnungen:
    Auf dem linken Flügel blieb General Langeron beiHennersdorf stehen und sollte die Angriffe des Lauriston’schenCorps abzutreiben suchen. Den Mittelpunkt bildete dasYork’sche Corps. Am weitesten vorn stand die hier erwähnteBrigade v. Horn bei Ober-Weinberg. Hinter ihr, links vonChristianshöhe, zwischen dieser Höhe und Bellwitzhof wurdedie Brigade Prinz von Mecklenburg aufgestellt. Links davonzwischen Bellwitzhof und Schlaupe, stand die Brigade v. Hüner-bein, um die Verbindung mit dem linken Flügel der Armee,dem Langeron’schen Corps zu unterhalten; zur Reserve endlichdiente die Brigade v. Steinmetz. Die Reiterei des Corps wurdetheils links von Christianshöhe, hinter die Brigade v. Meck-lenburg, theils verdeckt hinter dieser Anhöhe aufgestellt.
    An das York’sche Corps schloß sich der rechte Flügel,das russische Corps des Generals Baron v. Sacken an. DieAnhöhe von Christianshöhe war nur zwischen ihnen. Zwi-schen dieser Colonie und dem Dorfe Eichholz standen dieVortruppen unter General-Lieutenant Wassiltschikoff, dahintereine zweite Linie unter den Befehlen des General-MajorsUschakoff. Das Dorf Eichholz, welches die rechte Flankedecken sollte, mußte vorzüglich stark besetzt werden; und derGeneral legte daher das 8. und das 29. Jäger-Regiment hinein
    und da so viel an der Behauptung dieses Dorfes lag, wur-den zur Unterstützung dieser beiden Regimenter dahinter nochdas Ochotzkische und Kamschatkische Regiment aufgestellt.Der übrige Theil des Sackenschen Corps stand verdeckt zwi-schen Christianshöhe und schloß sich an die Preußen an. Eswaren zwei starke Linien; die erste befehligte General-Lieute-nant Newarofsky, die zweite General Graf Lieven.
    General Baron v.Sacken ließ die Anhöhe von Chri-stianshöhe, welche der Schlüssel der ganzen Stellung war,mit der Artillerie-Compagnie des Obersten Brams besetzen;eine preußische Batterie wurde ebenfalls dort aufgestellt, unddiese 16 Kanon en waren es, die den anrückenden Feind zu-erst empfingen. Da sie, so lange er in dichten Reihen mar-schirte, ihm großen Schaden thaten, so sah er sich genöthigt,sich zu entwickeln und in Schlachtordnung zu stellen.
    Sobald General v. Blücher seine Anordnungen voll-endet hatte, sandte er einen seiner Adjutanten auf den rech-ten Flügen zum General v. Sacken und ließ ihn auffordern,den französischen linken Flügel anzugreifen, während er denMittelpunkt des Feindes zu durchbrechen suchen würde. „Ant-worten Sie dem General: Hurrah!“ war die Antwortdes tapferen Sacken und die Schlacht begann.
    Während jener Bewegungen waren mehr als eine Stundevergangen, und es war 3 Uhr geworden, ehe die Schlachtanfing. Sie wurde mit einem lebhaften Kanonendonner er-öffnet, welchen die Franzosen ebenso lebhaft erwiderten. Vor-zügliche Dienste thaten die beiden Batterien bei Christians-höhe. Dennoch rückten die französischen Linien vor und manließ sie näher heraufkommen, um sie dann desto besser fassenzu können. Endlich waren sie so weit gekommen, daß ihr linker Flügel vor Eichholz und ihr Mittelpunkt vorwärtsOber-Weinberg stand. Nun begann der Angriff der preußi-schen Infanterie. Das 2. Bataillon des brandenburgischenRegiments eröffnete, von zwei anderen unterstützt, den An-
    gut.
    griff. Sie marschirten in Linie auf und rückten gegen dreifranzösische Batterien vor, die von zwei Bataillonen, welchesich in Vierecke aufgestellt hatten, beschützt wurden. Obgleichalle drei Batterien die vorrückenden preußischen Bataillonebeschossen, so rückten diese doch in angemessenen Schritten,aber immer schneller und schneller (denn mit jedem Schrittewuchs die Wuth mit der größten Kaltblütigkeit vor, ohnenur einen Augenblick in Unordnung zu gerathen. Was fiel,das fiel, alles Uebrige blieb im ruhigen Vorrücken. Jetztkamen sie dem Feinde so nahe, daß er sie mit Kartätschenerreichen konnte. Diese fielen wie Hagel in die preußischenBataillone und rissen ganze Glieder zu Boden, dennoch blie-ben die Unverwundeten im Vorrücken. Je näher sie demFeinde kamen, desto weniger wurden ihnen die Kartätschengefährlich; dagegen fing er an, nun aus den Vierecken mitdem kleinen Gewehr auf sie zu feuern. Nun wurden dieSchritte verdoppelt. Im schnellsten Sturmschritt ging esauf den Feind los, das Gewehr wurde gefällt, und mitweit schallendem Hurrah! stürzte sich jedes Bataillonauf ein Viereck. Die französischen Grenadiere standen wieangemauert. Bis auf zwei Schritte näherten sich die Preus-sen — so standen sie einen Augenblick, Auge in Auge, ein-ander gegenüber; starr sah man sich von beiden Seiten an.Dann riefen die preußischen Offziere: „Drauf! Drauf!“und im Nu nahm der Soldat das Gewehr verkehrt undschlug mit dem Kolben in die Franzosen hinein. Schnellwurden die Vierecke, da die Preußen in Linie standen, rechtsund links umzingelt, und so von allen Seiten mit demBajonett und Kolben angegriffen. Jetzt war an keinen Par-don mehr zu denken; die französische Tapferkeit mußte demMuth und der persönlichen Stärke der Brandenburger wei-chen, und nach 20 Minuten lagen die ganzen Vierecke da,zu Boden geschlagen, in einen Haufen Todter und Verwun-deter verwandelt. Etwa 150 Lebendige und Leichtverwun-
    dete fanden sich aus jedem dieser Menschenhaufen heraus,die man als Gefangene wegführte. Doch hatte auch jedespreußische Bataillon bei diesem Angriffe gegen 200 Mannverloren.
    Während dieses ersten Angriffs hatte sich auch die üb-rige Infanterie, die Brigaden v. Horn und Prinz v.Meck-lenburg in Bewegung gesetzt und due preußische Reiterei hiebschwadronenweise ein. Auf der ganzen Linie wurde nundie Schlacht allgemein. Der unaufhörliche Regen machte,daß bald die Gewehre nicht mehr losgingen; desto emsigerarbeitete das grobe Geschütz, und wo die Infanterie aufein-ander traf, wurde nur mit dem Bajonett und mit dem Kol-ben gefochten. Nirgends konnte die französische Infanteriedem wüthenden Andringen der Preußen widerstehen und wassich zu widersetzen wagte, wurde niedergeworfen oder zu Ge-fangenen gemacht. Da versuchte es der Feind, mit seinerReiterei das Vordringen der Preußen aufzuhalten, um derInfanterie Zeit zu geben, sich wieder zu sammeln und Athemzu schöpfen. Die preußische Reiterei sammelte sich geschwindund ging ihr entgegen und so tummelten sich auf der hohenEbene zwischen Christianshöhe und Weinberg an 8000 MannReiterei herum. Aber auch dieser letzte Versuch des Mar-schall Macdonald war vergebens; die französische Reitereiwurde geworfen, sie stürzte sich fliehend auf ihre eigene In-fanterie und riß Alles in regelloser Flucht mit sich fort. Sowar die Schlacht also im Mittelpunkte des Treffens ent-schieden.
    Auf dem rechten Flügel war indessen General v.Sackenauch nicht müßig gewesen. Sein scharfer Blick hatte sogleichbemerkt, daß der linke Flügel des Feindes keinen Stützpunkthabe und daher leicht umgangen werden könnte. Er befahldaher gleich dem Generalmajor Lanskoy, der die Reitereibefehligte, dem Generalmajor Karpoff mit den Kosaken, unddem Generalmajor Wassiltschikoff mit dem Achkirschen Husaren-
    Regiment, ihre Stellung zwischen Christianshöhe und Eich-holz zu verlassen und sich rechts zu ziehen. Augenblicklichwurde der Befehl mit völliger Uebereinstimmung vollzogen.Die treffliche Reiterei ließ, ohne daß es der Feind wahrnahm— denn die vorliegenden Anhöhen und die aufmarschirterussische Infanterie verbargen diese Bewegung — das DorfEichholz links, und stand so ursprünglich in Klein-Tinz inder linken Flanke des Feindes. Ihr war zur Unterstützungdie vorderste Linie der Infanterie unter GenerallieutenantNewarowski gefolgt, dessen Platz nun die zweite Linie unterGeneralmajor Graf Lieven einnahm. Diese Bewegung ent-schied auch hier völlig. Die Franzosen, ob sie gleich die ganzeReiterei ihres linken Flügels der russischen Reiterei entgegenstellten, geriethen zwischen zwei Feuer. Mit Entsetzen sahensie den Feind im Rücken und schonungslos alles niedersäbeln.Da bemächtigte sich auch hier der Schrecken der Gemüther,und nun begann eine der wildesten Fluchten, die man je ge-sehen hat. Unaufhaltsam und in stürmischer Eile zerstreutensich alle und jede Bataillons und stürzten dem Dorfe Nieder-Crayn zu, wo der Uebergang über die wüthende Neisse war.
    Durch ein glückliches Zusammentreffen fiel der Sieg desGeneral von York und des Generals von Sacken zu gleicherZeit, und so war also in einem und demselben Augenblickedie ganze Bergebene mit französischen Flüchtlingen bedeckt.Jeder eilte dem andern zuvor, um nur die Uebergangsbrückezu erreichen. So lange die Flucht über die Ebene ging,fand jeder einen Weg quer über die Felder, aber als dieFliehenden an den Abhang kamen, der das Ufer der wü-thenden Neisse umzieht, entstand in den Hohlwegen die fürch-terlichste Verwirrung. Die Reiter ritten das Fußvolk nieder,diese stießen mit dem Bajonett auf die Pferde, um Platzzu gewinnen, und als nun der lange Zug der Kanonen undMunitionswagen im flüchtigen Galopp den engen Wegenzueilten, erreichte die Verwirrung den höchsten Grad. Wenige
    Augenblicke reichten hin, um manche dieser Engpässe völligzu verstopfen. Mit fürchterlichem Geschrei verlangten dieNachfolgenden, daß die Vordern Platz machen sollten. Räderbrachen zusammen. Pferde wurden niedergefahren, Kanonenfuhren ineinander, und so entstand ein plötzliches Stocken.In andern Hohlwegen jagten Reiter und Trainknechte mitund ohne Kanonen, laut schreiend den Berg hinunter. DieInfanteristen kletterten die Abhänge hinunter und über dieZäune des Dorfes Nieder-Weinberg hinweg, weil in derStraße kein Durchkommen war.
    Die preußische und russische Reiterei hatte gleich nacherfochtenem Siege den fliehenden Feind verfolgt und seineFlucht beschleunigt. Das oft wiederholte Hurrah! vermehrteden Schrecken des zitternden Feindes, der nur in der schleunig-sten Flucht seine Rettung zu finden glaubte. Das ganzeFeld lag voller Verwundeter und todter Menschen und Pferde,voll weggeworfener Flinten, Czakos, Tornister und Patron-taschen, hier und da lagen umgeworfene Karren, unbrauch-bar gewordene und verlassene Kanonen und ganze Haufenfliehender Infanteristen sah man von einzelnen Reitern ge-fangen nehmen. Die Verwirrung in den Hohlwegen hieltselbst die Sieger auf, die, nachdem sie die ihnen am nächstenstehenden niedergemacht hatten, vor den vorliegenden Leichenund Wagen oft nicht weiter konnten. In einem einzigenHohlwege fand man vier Kanonen, zwei Haubitzen undneununddreißig Pulverwagen.
    Sobald die fliehenden Feinde aus den verderblichen Eng-pässen, die den Berg hinabführten, hervorkamen, stürzten sienun der Brücke in Nieder-Crayn zu, aber nur ein kleinerTheil konnte sie erreichen. Die Meisten warfen sich auf’sGeradewohl in den durch Regen bereits angeschwollenenBach, die wüthende Neisse, und fanden zum Theil darinihren Tod. Der größte Theil der fliehenden Franzosen eiltedurch genanntes Dorf, der kleinere Theil nur flüchtete weiter
    unterhalb des Baches durch Groß-Jänowitz. Bei Nieder-Crayn blieben mehrere Munitionswagen im Wasser stecken.Alle Staketen und Zäune waren in kurzer Zeit von denfliehenden Massen wie umgelegt. In bunter Unordnungdrängten sich Reiter und Fußgänger, Verwundete ohne Zahlschreiend und wimmernd durch die Gassen des Dorfes.Mitten durch sprengten Trainknechte, die die Stränge abge-schnitten und ihre Kanonen oder Munitionskarren im Stichgelassen hatten, oder Pferde ohne Reiter, zum Theil dieSättel unter den Bäuchen. Hunderte von Franzosen warfensich erschöpft durch Wunden oder Hunger in die Bauern-häuser und erwarteten hier in stummer Verzweiflung denTod oder die Gefangenschaft, alle Wohnungen und Scheunenwaren mit diesen Unglücklichen angefüllt.
    Indessen hatten die siegenden Truppen den Thalranderreicht, den die Franzosen eben hinuntergestürzt waren, undführten vier Kanonen auf, mit denen sie das Dorf Nieder-Crayn und die sich hindurchdrängenden Feinde beschossen Einige Granaten, welche hier und da einschlugen, erhöhtendie Verzweiflung der Fliehenden, und vermehrten das Geschreider Angst und das Fluchen über die Vordern, die den Nach-folgenden nicht genug eilten.
    Diejenigen, welche glücklich über die wüthende Neissegekommen waren, eilten nun der Katzbach zu. Das Mac-donald’sche Corps wandte sich meist nach Goldberg, wo schonum 4 Uhr die ersten Flüchtlinge ankamen. — Das Ney’scheCorps, welches auf dem linken Flügel gestanden, floh mei-stentheils nach Kroitsch über die Katzbach, und nur die Nachtmachte dem Verfolgen der Sieger, nicht aber der Flucht derBesiegten ein Ende, denn diese währte die ganze Nacht hin-durch. Ungeachtet der Himmel Ströme von Regen ergoß,jeder Bach zum reißenden Flusse wurde, und die Finsternißder Nacht fast undurchdringlich war.
    Nicht so siegreich war der linke Flügel der schlesischen
    Armee, das Langeron’sche Corps, gewesen. Es stand, wiewir oben gesehen haben, auf dem linken Ufer der wüthendenNeisse, dem Corps des General Lauriston gegenüber, undhatte die vortheilhafteste Stellung bei Hennersdorf inne.Bald nach dem Anfange der Schlacht hatte General Lauristonseinerseits die nämliche Bewegnng machen lassen, wodurchGeneral von Sacken den Sieg auf seinem linken Flügelentschieden hatte. Er warf seine leichte Infanterie in dieGebüsche der Heß-Berge, und umging dadurch die linke Flankeder Russen, die, nachdem sie eine Zeit lang wirksam beschossenworden waren, bei Peterwitz zurückwichen. Hier wurde mitgroßer Hartnäckigkeit gefochten, und den Franzosen das weitereVordringen zwar gewehrt, doch gelang es den Russen nichtihre vorige Stellung wieder einzunehmen, und den Sieg zuentscheiden. Es blieb das Gefecht hier so völlig unentschieden,daß die französischen Vortruppen dieses Flügels die Nachthindurch Hennersdorf besetzt hielten, und sich einbildeten, dieSchlacht wäre für sie gewonnen, und sie würden am fol-genden Tage nach Jauer vorrücken. Daher waren sie sehrerstaunt, als am folgenden Morgen Russen und PreußenHennersdorf umringten und sie gefangen nahmen.
    In der Nacht, als die Schlacht schon längst beendetund die Verfolgung ausgesetzt war, schickte General Souham,der das Ney’sche Corps befehligte von der Gegend vonLiegnitz her eine Infanterie-Masse mit sechzehn Kanonen umden rechten Flügel des Sacken’schen Corps zu beunruhigen,und dies Corps im Verfolgen der Ueberreste des französi-schen Heeres aufzuhalten. Sogleich erhielten die GeneraleNowarofsky und Lieven Befehl, ihr entgegen zu gehen, undsie warfen ohne Schwierigkeit auch noch diese Abtheilungzurück, worauf Ruhe eintrat.
    Das Sacken’sche Corps allein zählte schon am Abendedreißig gewonnene Kanonen, und hatte einen General, zehnOffiziere und tausendfünfhundert Gemeine zu Gefangenen
    gemacht. — Noch bedeutender aber waren diejenigen Folgen,welche sich in den nächsten Tagen offenbarten.
    Am 27. August wurde die Verfolgung fortgesetzt. Diedrei Corps der schlesischen Armee wandten sich dabei nachdenselben Punkten am Bober, an denen sie schon am 21.gestanden hatten; General Sacken nämlich nach Bunzlau,General York nach Löwenberg und General Langeron nachZobten am Bober. Vor sich her trieben sie die zerstreutenfranzösischen Schaaren, die sich fast alle nach Bunzlau dräng-ten, um dort über die einzige, noch stehende Boberbrücke zugehen, den der noch unaufhörlich herabströmende Regenschwellte jene Gebirgsflüsse, die im Sommer fast überall zudurchwaten sind, und zum Theil ganz versiegen, zu solcherHöhe an, daß sie alle aus ihren Ufern traten, und die hieund da noch stehenden oder wieder errichteten Brücken mitsich fortrissen. Nur die Brücke bei Bunzlau widerstandder Gewalt des Wassers, hierher drängte daher alles inwilder Flucht.
    Am 27. August Nachmittags holten die Vortruppen desLangeron’schen Corps unter General Kapczewitz den Nach-trab des Lauriston’schen Corps ein. Dieser bildete in derEile ein Viereck und vertheidigte sich mit vier Kanonen.Von diesen drei Bataillons entkam auch nicht ein Mann,und hiermit verschwand bei den Franzosen alle Lust, nocheinmal Front gegen die preußischen und russischen Truppenin Schlesien zu machen. Ganze Haufen wurden gefangen.Ihre Kanonen und Wagen versanken in den Tiefen verdorbenerWege. Diese grundlosen Wege hielten daher auch die Fort-schritte der schlesischen Armee auf, so daß die Hauptarmeeerst den 28. August über die Katzbach bei Goldberg undLiegnitz gehen konnte; nur die leichte Reiterei war schonvoraus geeilt.
    Alle französischen Corps, welche der großen Schlacht bei-gewohnt hatten, suchten, ohne an eine Gegenwehr zu denken,
    die schlesische Grenze zu erreichen. Nicht so war es bei derDivision des Generals Puthod.
    Dieser General, zum Lauriston’schen Corps gehörig, hatteBefehl gehabt, während der Schlacht die schlesische Armee überSchönau zu umgehen und ihr in den Rücken zu kommen.Aber ehe er noch seine Bestimmung erreichte war die Schlachtschon entschieden gewesen, und es blieb ihm nichts anderesübrig, als sich zu retten. Nachdem er vergebens versuchthatte, bei Hirschberg über den Bober zu gehen, marschirte erlängst demselben auf Löwenberg zu, und übernachtete am28. August in Zobten. Am folgenden Tage, als er aber vonda aufbrach um nach Plagwitz zu marschiren, ereilte ihn derVortrab des Langeron’schen Corps unter General Rudczewiczzwischen Zobten und Plagwitz. Sogleich griff dieser an; dierussischen Generale Korff und Fürst Czerbatow unterstütztenden Angriff. Man umzingelte die französische Division vondrei Seiten; die vierte schloß der schäumende Bober zu. Wassich nicht in den Bober stürzte, wurde gefangen, und vielefanden in dem Flusse ihren Tod.
    So waren die Folgen der Schlacht an der Katzbachweit bedeutender, als man Anfangs geglaubt hatte. DieElemente vollendeten, wo der menschliche Arm nicht aus-reichte. Am 1. September war das Hauptquartier desGeneral v.Blücher in Löwenberg. Hundertunddrei Kanonen,zweihundertfünfzig Munitionswagen, des Feindes Lazareth-Anstalten, seine Feldschmieden, seine Mehlwagen, ein Divisions-General, zwei Brigade-Generale, eine große Anzahl Obersten,Stabs- und andere Offiziere, achtzehntausend Gefangene,zwei Adler und viele andere Trophäen waren in den Händender Sieger.

    Das an dem Jahrestage dieser ewig denkwürdigen Schlachtauf Befehl und Kosten Sr. Majestät des Königs errichteteDenkmal besteht aus einem in der Königl. Eisengießerei zuBerlin gegossenen, gothisch verzierten, 22 Fuß hohen Obelisk,dessen Spitze mit dem eisernen Kreuze geziert ist. Der Obeliskruht unten auf einem angemessenen Sockel von Quadersteinen,an der Nordseite lieset man folgende Inschrift:
    „Die gefallenen Helden ehrt dankbar König
    und Vaterland! sie ruhen in Frieden an der K atzbach,
    den 26. August 1813.

    Monument der Katzbach-SchlachtMonumentderKatzbach-SchlachtChristianshöhe (bei Liegnitz), ChristianshöhMonument der Katzbach-Schlacht bei Liegnitz.
    O seid gegrüßt der Gottheit
    stille Zeugen,
    Ein Meisterstück der herrlichen
    Natur
    Hier unter unsren majestätschen
    Zweigen
    Im kühlen Schatten auf der
    prächtgen Flur
    Hier schlägt das bange Herz
    in freudgem Beben
    Ein heilger Schauer dringt
    durch meine Brust
    Wie lange sehet ihr des
    Menschen Leben
    Mit seinen Leiden wie
    mit seiner Lust.
    Liegnitz 23. Juni 1869.

    BreslauerStadthauskeller

    • 1. Ohne Glück u. Gunst
      Ist Kunst umsunst.
    • 2. Trink und iß
      Gott nicht vergiß.
    • 3. Dummheit und Stolz
      Wachsen auf einem Holz.
    • 4. Fröhlich Gemüth
      Giebt gesund Geblüt.
    • 5. Besser zeitlebens barfuß gegangen
      Als im knappen Schuh
      Besser ein Haus u. Hof erlangen
      Als ein böses Weib dazu.

    Schwester Mathilde heuteNacht gestorben. Tiefbetrübt.Hinterlassenes Vermögen(meist russische Anleihe) 12,000.
    Beamter. Es sind 21Worte. Wollen Sie vielleichtein Wort streichen.
    Leidtragender. StreichenSie „tiefbetrübt.“

    Das W. . .ist wie ein
    Tintenfaß,
    In der Mitt
    Woher kommt das?
    Vom Tunken
    Ihr Halunken.
    Trebbin (2. Hälfte)
    Voss Ztg.
    Numero
    No
    132.etwa 2 12 Spalten, genauer277 Zeilen