nächste Seite

C4beta

  • Enthält
    Liegnitz
    Walstat
    Liegnitz 15. AugAugust 1760
    Katzbach
    Breslau
Umgebungsplan; Liegnitz (heute: poln. Legnica)Liegnitz(heute:polnALiegnitz. WalstatPantheLiegnitzKatzbach

vert
Umgebungsplan; Liegnitz (heute: poln. Legnica)Liegnitz(heute:polnALiegnitz. PantheLiegnitWalstatKatzbacSchlachtfeld

Liegnitz

In ſeinem alten Theilein altes Neſt, meiſt langweilige Bauten aus devorigen Jahrhundert. Neubauten umzirken jetzt die Stadtbeſonders am Haag und ader Promenade. Einige davon ſind hübſch; das Meiſtmediokre Dutzenarbeit
Dicht bei der Promenadeauf dem „Friedrichsplatz“ wenich nicht irre, ſteht eine 186errichtete Marmor⸗Statue Friedrichs desGroße, – eine ziemlich mäßigLeiſtung. Bildhauer unbekannt
Amn der Promenade ſelbſwurde am 4. Auguſt 187(Jahrestag des Treffens beiWeißenbur) ein Denkmaerrichtet: Rauchs ſterbenderLöw, wie er auf deGrabdenkmale Scharnhorſtruht. Aus Kanonen gegoſſeund vergoldet. Das ziemlichohe Poſtament von GranitInſchrift: Dem Andenken de1870 und 71 gefallenen Heldedes Kreiſes ſowie der StadLiegnitz und des Königs⸗Grena-dier-Regiments (2. WeſtpreußiſchesNoNumero .) So ohngefähr. Die etwaungeſchickte Abfaſſung zeigt deutlich die Fuſion zweier Comitésſo daß keiner zu kurz kommeſollte
Die Kirchen ſind Durchſchnitts-Gothik; die katholiſche verlangweiltes Roccoco
Der „Ring“ – wie derin Münchengrät – hat wiedeeinen Häuſercomplex als Kerin der Mitte. Die Schloßapo-thek, in der DrDoktor Mattersdorf wohntein leidlich intereſſanter alteBau
Die Ritter-Akademie eilangweiliger Bau aus der zweiteHälfte des vorigen JahrhundertsDie „Junker“ ſind Penſionaireim Uebrigen iſt es ein Gymnaſium und zwar ein ſehr gutes
Das „Schloß“ der alten Her-zöge von Liegnit iſt ein immerhin intereſſanter Bau. JetzRegierungsgebäude. In ſeineTotalität (ein Quadrat) ſtammes wohl aus dem vorigen Jahrhundert; einzelne Partien ſinaber älter. Eine ziemlich reichFenſter⸗ oder Thür⸗Einfaſſunan einem der Flügel trägdie Zahl 1672; noch um etwaälter (ſo vermuthe ich) iſdas ſtehengebliebene, dem Neu-ba einverleibte alte PortalIch würd’ es in das Ende de16. Jahrhunderts ſetzen, etwa vo1580 bis 1600. Die Renaiſſanciſt anders wie die obenerwähntvon 1672. Zu beſchreiben iſdas Portal nicht. Die Säulenfaçade erinnert allerdings (wiHerr T. es richtig charakteriſirtean einen aegyptiſchen TempelEingang. In den Metopebefinden ſich umſchichtig Balte Herzogs⸗Bruſtbilder, Basrelief, wie auf Münzen. Ewürde Lübken wahrſcheinlich intereſſiren

Um Liegnitz herumin Entfernung von 1/2, 3/4 un5/4 Meile, befinden ſich dreSchlachtfelder
  • 1. Walstatt. Mongolenſchlacht1246
  • 2. Panthen. Friedrich derGroße gegen. . .. 176
  • 3. Katzbach. Blücher gegenMacdonald. 181

Walstatt

Dreiviertel Meile voLiegnitz, in Richtung nach Oſten
Das Terrain ſteigt leiſan, kaum merkbar, endlicerhebt es ſich zu einedominirenden Hügellinie. Audieſem Hügel, durch ſeine doppel-thürmige Kirch weithin ſichtbar, liegt der Flecken Wal-ſtat
Lageplan; Wahlstatt (heute: poln. Legnickie Pole), WalstattWahlstatt(heute:polnAWahlstatt. DBAC
    A. Kloſterkirche
  • B. und C. Moderniſirte Kloſter-gebäud
  • D. Cadetten-Corps. Hauptgebäudund zwei Flügel
Walſtatt wurde voder großen Benediktiner⸗AbteiBraunau in Böhme augegründet. Ob durch deheiligen Adalbert (Apoſtel dePreußen; in Gneſen begrabenoder einen ſeiner Nachfolgerverſtand ich nicht genau
Das Kloſter ſtand ohngefäh300 Jahr. Etwa 1546 wurdes ſäkulariſirt und verfiel wahrſcheinlich. 1699 kaufte KloſterBrauna, von der FamilieKnobelsdorf, die es damalbeſaß, Walſtatt zurück und ſchritnun zum zweiten Mal zuErrichtung eines Filial⸗KloſtersDies dauerte etwa 40 Jahr. Bi1740, als der 1. ſchleſiſcheKrie ausbrach, war allefertig
Es iſt eineſr der beſten unconſequenteſten Roccoco-Baue diich geſehn und ſteht ebenbürtineben dem Dresdner Zwinger, deſſeErbauung genau in dieſelbe Zeifällt. Die Thurm⸗Formationemit einer Krone oben entſprechen zum Theil genau deHaupt⸗PortalEingang des Zwingers
Das Hauptportal der Kirchezwiſchen den beiden Thürmeniſt in Erinnrung an die große Mongolenſchlacht ausgeführt, ſehhübſch, ſehr charakteriſtiſch und docganz Roccoco
Klosterkirche St. HedwigKlosterkircheStAWahlstatt (heute: poln. Legnickie Pole), WalstattDetail der Klosterkirche St. Hedwig in Wahlstatt.

Die Trophäe oben (KeſſelpaukeSpeere, Schwerter, Morgenſternetcet cetera) ſymboliſirt den Sieg Her-zog Heinrichs von Schleſie ſübedie Mongolen, die ihrerſeitkaryatidenhaft die Laſt deunſres Sieges tragen müſſenDie Mongolen ſind nunicht übel durch einen Türken und einen Ungarn ausgedrückt. Der Türke trägeinen Turban, der Ungar (kahlköpfig), nur nach hinten zeinen zopfartigen Haarbuſctragend) trägt einen Attila
Das Innere der Kirchiſt ganz bedeckt mit Bilderund Pinſeleien. Die zahlreicheFresken an der Deckrühren von dem Maler Will-man her, die großenüber 12 Fuß hohen Oelbildean den Pfeilern wohl voverſchiedenen Malern. Untedieſen letztern iſt di„Ermordung des heiligenAdalbert den diheidniſchen Preußen oder Maſuren eben umringendas Beſte. Die Gegenſtändall dieſer Malereien ſind mannigfach; mit der WalſtätterSchlach beſchäftigen ſich nuzwei
  • 1. ein Freskobild übedem Orgelchor, alſo wahrſcheinlich von Willmann un
  • 2. das große Altarbild voFranz de BrackernenHolländer, der damalam Dresdner Hofe lebte
Doch kann dies falſcſchein ſein; vielleichverwechſele ich ihmit einem andern(Darüber im Naglenachſchlagen)
Das Freskobilſtellt dar wiſie ihnden Herzog auf deSchlachtfelde ſuchen unfinden. Es iſt eitrübſeliger Salatgleich ſchofel in Gedanken und Erfindung wiAusführung. Der reinRuppiner Bilderbogen
Das Altarbildvon einem Provinzial Eſel ſcheußlich übermaltiſt viel, viel beſſeraber doch auch nueine mäßige Leiſtung
Im Hintergrunde ſieht maeinen Reiter (wahrſcheinlicTartar) der das abgeſchnittnHaupt Herzog Heinrichs nacLiegnitz bringt; iVordergrunde liegt deRumpf des Enthauptetenman richtet ihn auf, diHerzogin Anna ſeine Gemahlin kniedaneben, die HerzogiHedwig, ſeine Mutter, (diheilige Hedwig) blickin verklärtem Schmerzhinter der Leiche ſtehendgen Himmel. Die Hedwi iſt ganz als Mariadie Anna ganz alMagdalena gedachtMan könnte dies feifinden; iſt aber wohblos Erfindungs⸗ArmuthDas Beſte dran iſt deRitter v. Rothkirch, derſammt einer andern Kriegerfigur, ernſt-theilnahmvoll zur Rechteſteht. So weit reichtauch damals noch(etwa 1730 diKraft eines mittelmäßigen Niederländers
Die Familien die beWalstatt fochten waren
die Rothkirchs, diStrachwitz, PrittwitzLeſtwitz und Czettritz odeZedlitz. (Zu verificirenVon den Rothkirchs 3230 fielen; 2 bliebeübrig. Man fand diLeiche Herzogs Heinrichan der Stelle wo jetzt deuralt ſehr alte Thurm deproteſtantiſchen Kirche ſtehtdie früher natürlich katholiſcwar und wahrſcheinliczum Andenken adieſen Tod, an dieſe Stelle errichtewurde. Man erkannte die Leiche (dder Kopf ſchon abgeſchnitten war) an deſechs Zehen deeinen Fußes. Iallem drängen ſicdie Aehnlichkeiten miHarald, Editha und Haſtingsfel auf. Auch entſprichBattle genau deWalſtatt
Ein ſpezielles direkteDenkmal der Mongolenſchlachiſt nicht da
Die zweite LiegnitzeSchlacht iſt die eigentlichSchlacht bei Liegnitzdie ſpeziell dieſen Nameführt. Es iſt die SchlachFriedrichs II. und der ſicneutral verhaltenden Ruſſegegen die Oeſtreicher, a15. Auguſt 1760
Das Schlachtfeld liegbeinah gerade nach Nordezu. Das Terraiſteigt hier noch wenigean und ſpeziell die Höhenlinie, auf der das Monu-men ſteht, und dialſo wahrſcheinlich eiHauptpunkt währender Schlacht ſelbſt wariſt erheblich niedrigeals die Walſtätter Höhen-lini, die, ſamt ihreKirche mit 2 Thürmenentſchieden den dominirenden Punkt in denächſten Umgebung voLiegnitz bildet
Details über Schlachund Lokalität ſind naczuſchlagen
Was ich ſah, war nichtals ein kleiner Höhenzug, denach rechts hin einziemlich große Waldparzellenach links hin ein Dorhatte. Liegnitz im Vordergrunde, etwas in deTiefe. Dorf Pantheiſt wohl das nächſtees verbirgt ſich aber
Das Denkmaiſt langweilig
Eine Granitſäulauf einem Poſtamentdie Säule mit einerchenholtz Theil II S.Seite 54 bis 58 hateine ſehr gute Beſchreibung der Schlacht bei LiegnitzEr war mit dabei frei erfundenen tellerhaften Kapitell, audem Kapitell eiumgeſtülpter Top(natürlich auch Granit) audem Topf ein mäßiger Adler. InſchriftZur Erinnerung an de15. Auguſt 176errichtet im Jahr1860. Einfach ungeſchmacklos
Das drittSchlachtfeld u Liegnitz herum, iſdas Schlachtfeld ander Katzbac
Eine gute halbMeile ſüdlich voLiegnitz, links voGoldberger Territoriumrechts von JauerſchemTerritoriu begrenzterhebt ſich inſelartig eiPlateau. Etwa ſo
Lageplan des Schlachtfelds; Schlachtfeld an der KatzbachSchlachtfeldanderKatzbachKatzbach (Fluss; heute: poln. Kaczawa)Schlachtfeld an der Katzbach. LiegnitGoldberJaue

Dieſes Bergplateau iſt ſziemlich an ſeiner ganzeſüdlichen Hälfte von deKatzbach und der wüthendenNeiß (die faſt parallezu laufen ſcheinen) halbkreisförmig umzirkt
Auf dieſem Plateau fandie Schlacht ſtatt. Siendete damit, daß diFranzoſen mit ihrelinken Flügel (Ney) unihrem Centrum (Macdonaldvom Plateau herab in diflußdurchſtrömten Schluchtegeworfen wurden. Die entſchied die Schlacht. Aihrem rechten Flügel (Lau-riſto) fochten ſie erfolgreicgegen die Ruſſen unteLangeron. Aber ſelbſt dieſer Erfolſteigerte nur ihre NiederlageAm Tage nach der Schlachwurden ſtarke Abtheilungedes Lauriston’ſchen Corpsdie ſich in Hennersdorf undrüber hinaus behauptet hattenvon Preußen und Ruſſen umringt und gefangen genommen. Die Aufſtellunwar ohngefähr die folgende
Lageplan des Schlachtfelds; Schlachtfeld an der KatzbachSchlachtfeldanderKatzbachKatzbach (Fluss; heute: poln. Kaczawa)Schlachtfeld an der Katzbach. LiegnitNeEichholChristianshöv. SackenscherCorpYork⸗ſcher CorpLangeronſchesCorpHenners-dorLauristoMacdonal
    a. iſt Ober und Nieder⸗Crayb. iſt Weinberc. iſt Belwitzhof
Der Angriff ginnun etwa von Mittaan (am 26.) wie folgt
  • 1. Das Neyſche Corps gegedas Sackenſche Corps beEichholz
    • 2. Das Macdonaldſche Corpgegen das Yorkſche Corpbei Chriſtianshö
  • 3. Das Lauristonſche Corpgegen das Langeronſche Corpbei Hennersdor
Sacken operirte gut unwußte durch eine Flügelbewegun(Umgehung) das Neyſche Corpzwiſchen zwei Feuer zu bringen
Im Centrum verlief diSache wie folgt. Macdonalwarf unſre Vortruppendie wahrſcheinlich jenſeits debeiden Flüſſe ſtanden, zurücund folgte mit allen Waffengattungen nach. DiBrigaden des Yorkſchen Corpſtanden ziemlich getrenntAm weiteſten vor BrigadeHor; bei Chriſtians-hö die Brigaden Prinz Karlvon Mecklenbur und Hüner-bei; in Reſerve hintedieſen beiden Brigade Stein-met
Es ſcheint, daß vorzugsweiſe die Brigaden Horund Mecklenburg zur Aktiokamen. Drei märkiſchBataillone (Leibregiment?gingen gegen 2 Bataillonefranzöſiſcher Garde (vieleichMarine⸗Truppen) die eine Batterizu decken hatten, vor unſchlugen jene 2 Bataillone midem Kolben zuſammen
Dies geſchah in demſelbeMomntment, in dem aucbei Eichholz, die zwiſchezwei Feuer gerathenen Bataillonvom Ney’ſchen Corps zu weichen begannen. Cavalleriſollte helfen, wurde abegeworfen und warf ſich nufliehend auf die ſchon erſchütterten eignen Bataillone. Eifurchtbares Durcheinander entſtand; die Unſern, miCavallerie und Infanterie nachdrängend, mit Artillerie nachfeuernd, warfen alles waauf dem Plateau ſtand idie Schlucht bei Belwitzhofbei Weinberg und Ober undNieder-Cray hinunter. Schohierbei waren die Verluſte großAlles ſuchte die Brücke beiNieder-Cray zu gewinnendie einzige an der ganzeKatzbach hin. Sie war geſtopft und verfahren; einzelnTrupps konnten ſie überhaupnicht finden, Artillerie feuerte nach, – ſo ſtürzte ſicalles in die Katzbach unNeiße. Sehr viele ertrankenDer Erfolg Lauristons a
französischen
französ.
rechten Flügel kam zukeiner Geltung. Erſt am 27. un28. wurde recht eingeheimſtDie Franzoſen verloren iGanzen 18,000 Mann unviele Kanonen ſammt ſonstigeMaterial
Wenn mich nicht alletäuſcht, ſo war dies ſich ſchlagen auf einem ſolchePlateau eine höchſt gewagtSache. Die Franzoſen müßtemüſſen ſehr ungeſchickt operirund ſich durch Heldenmuth nich gerade ausgezeichnet habenVerfuhren ſie geſchickter, ſwurden wir muthmaßlicin die Tiefe geworfen, namentlich wenn man undurch eine Umgehung voden Verbindungsſtraßen nacNorden zu abdrängte. Yorhielt die Schlacht für ein Wagniß, ja, eigentlich für eineSkandal. Ich glaube, ehatte Recht. Schließlich ſagte er„mit den Dummen iſt Gott“
Monumente ſindrei auf dem Schlachtfelde
  • 1. Das E erſte am Parkrande bei Eichholz. Beſitzer Herrv. Olſchewsk. (ſiehe hinten)
  • 2. Das zweite die Blücher⸗Lind
  • 3. Das dritte das Monu-men (gothiſch) eine kleinegußeiſerne, verdürftigtNachbildung des Kreuzberg-Monumtent. Auch der Invalide iſt da
Das ganze Terrain auf adeſſen höchſter Stelle das Monu-men ſteht, heißt „Chriſtians-höh. Die Blücherlindſteht auch in der Nähe
Wenn man mit dieſe Katzbach-Schlacht Vionvillvergleicht, ſo hat man ohne unſren Vätern zu nahtreten zu wollen – den Eindruck von etwas Schülerhaften, als ob es doch überalan den rechten Kräften, aucan der vollen Einſicht gefehlhätte. Es wirkt, alhätte man gedacht: „acwas, nur drauf; es wirſich ſchon finden; was hilfalles überlegen; die Dingmüſſen ſich von ſelber machen“Daß ſie ſich machten, wirfauf die
französischen
französ:
Marschällekein allzu glänzendes Licht Auch begegnet man nirgends ſolchem zähen Aushalten (woran dann ſchließlich die Entſcheidung hängt) wibei Nachod, SwiepwaldWörth, Vionville, StSaint Privat

Nördlich von Eichholliegt ein Dorf: Hochkirchnur 1/3 Meile von NeuhofAuch Klein-Tinz und Jäno-wit ſpielen eine Rolle
Groß-Tinz Tinz liegt Meilen öſtlich bei KummernickHier iſt Paſtor Rogge, Vateder Frau v. Roon und deDiviſionspredigers Rogge
In Waldau, einMeile weſtlich (??) voLiegnitz, iſt Paſtor Falkder Vater des Miniſters

Breslau.

Bahnhof. Schwurgericht unGefängniß (mit den zweRoththürmen an der Promenade)Synagoge, hübſcher Kuppelbaumeiſt Rohziegel, Blücher⸗plat. Blücher⸗Statue. DeRing, Stadthaus, Stadthaus-kelle. Rathhaus, Schweid-nitzer Kelle. Die Schand-ſäule, Prange. Die Eliſa-beth⸗ und die Magdalenen-KirchSehr viele Kirchen; allſehr übereinſtimmend (ſpäter ihrArt charakteriſiren). Condi⸗torei von Perin. DePalaſt des Fürſtbiſchofs. DeDom. Fahrt an der OderDas Waſſerwerk. Zoologi-ſche und botaniſcher GartenWintergarten und VolksgartenUniverſitäts-Bibliothek. Biblio-Univer⸗thekſitä (am Oderquai). DaMilitair-Gefängniß. Dampfſchiffe (nach dem zoologiſchen Gar-te). Schweidnitzer StraßeNeues Theater, Tauentzien⸗Plat. Die Commandantur (?) odeder Palaſt des commandirendeGenerals v. Tümpling. DiWeigel’ſchen Häuſer. Galiſch⸗Hôte. Promenade, Oder-qua. Liebichs⸗Höhe
Auf und ab am CanalDie „neue Wache“ an dePromenade. Die „neue Taſchen⸗Straße (mündet auf den Central⸗Bahnho); die Tauenzien-Straß, nochmals der Tauen-zien⸗Plat, Galiſch⸗Hôteldie Weigelſchen Häuſer; dineue Schweidnitzer Straße, diSchweidnitzer Straße (die Promenadbildet die Grenze zwiſchen beidendas General-Commando (Tümplingdas Theater, die Korn’ſcheBuchdruckere (Schleſiſche Ztng), RingRathhaus, Schweidnitzer Kelle (nur Bier und WürſtelBlücher-Platz, das königlichePalai (mit Colonade vorwie Prinz Albrechts Palais), diGraupenſtraße, Börſe, Börſen-kelle, Promenade, wiederuSchwurgericht und Gefängnißdahinter die Synagoge, danan der Promenade hin bizum märkiſchen Bahnhof

Die Phyſiognomie deStadt iſt entſchieden intereſſant; die neuen Stadttheilſind ſauber, hübſch, heitergefällig, mal in ihreBauart an Dresden, maan Berlin erinnernd; di alten Stadttheile ſind maleriſchoft von großer Anlage und iDetail nicht ohne OriginalitätVon großer Anlage ſind deRing und die Univerſität; volorigineller Details ſind daRathhaus, die Prangerſäuleauch einzelne Privathäuſer

Die Kirchen.

Die Zahl der Kirchen iſt ſehgroß: Dom, Eliſabeth⸗, Mag-dalenen, Minoriten⸗, Sand⸗Franziskaner⸗Kirche und viele andreIm Ganzen wenigſtens 20wahrſcheinlich doppelt ſo viel
Links und rechts voMRing ſtehen die Eliſabethund die Magdalenen⸗Kirche ſtattliche Gebäude, mit oblongen, aus Ziegel aufgeführteThürmen, und Krönungen reſpSpitzen von KupferblechDie Krönung des Eliſabeth⸗thurm iſt ſehr eigenthümlicund nicht häßlich
Der Dom weichvon den beiden genanntenKirche nicht ſehr ab; ewird auch nicht erheblich größeſein. Eine dreiſchiffige gothi-ſche Kirch, mit zwei hoheThürmen, die, als ſie nocihre urſprüngliche Spitze ſtateiner niedrigen KupferblechMütze hatten, ſehr hocgeweſen ſein müſſen. Ob dieſ Spitzen je fertig wurdenweiß ich nicht. Jetzt ſo
Gebäudeansicht; DomDomBreslau (heute: poln. Wrocław)Breslauer Dom.

früher wahrſcheinlich ſo
Gebäudeansicht; DomDomBreslau (heute: poln. Wrocław)Breslauer Dom früher.

Der eine Thurm zeigt nocSpuren von Hauſtein-Architektur, die ornamentartig unmit Skulpturen geſchmückt, di Ecken des großen Ziegelſtein⸗Oblongs einfaßte
Das Innre der Kirchwirkt im erſten Momennicht ſehr erhebend. Degraugeſtrichne Mörtel, denicht überall ganz glatt iſund an andern Stellen wiede– wohl von der Feuchtigkeiherrührende – dunkle Fleckzeigt, wirkt roh iVerhältniß zu dem Eindruckden die Stein⸗ Cathedralen Nord-Frankreich machen. Aucdas Mittelfenſter im hoheChor wirkt mit den Töneſeiner Glasmalerei ſehr mäßignamentlich wenn man aReims oder StSaint Denis odeWeſtminſter-Abbey denkt. Auffallend waren mir nudie ſchönen Skulpturen
  • 1. Ein Abt oder Biſchofauf ſeinem Grabe ruhen; lebensgroß in polirtem rothbrauneMarmor (im linken Seitenſchiff
  • 2. Ein Biſchof, ebenſo inweißem Marmo (ihohen Chor), oder in degroßen Kapellen⸗Anbau hinterdem hohen Cho
  • 3. Zwei Hautrelief-Skulp-ture (klein) gleich beiEintritt an den beideerſten Pfeilern des Mittel-ſchiff, erſichtlich darſtellenddas eine, wie beim Predigeeines Biſchofs die alteGötterbilder fallen, dasandr wie der ſlaviſche Fürſt deLandes ſammt den Seinekommt, um durch den Biſchozum Chriſtentume bekehrt zwerden. Die Skulptutritt hier ganz maleriſcauf; es ſind wahrſcheinlich iFrankreich gemachte Arbeitenwir hatten damals ſolchLeute nicht. Ich möchtdie Arbeiten in die zweitHälfte des 16. Jahrhunderts, etw1580 ſetzen; ſie erinneran das, wars man iStSaint Denis und in der Cathe-drale von R Roue an Bild
werken aus der Zeiſieht, die zwiſchen dem TodFranz I. und der ThronbeſteigunHeinrichs IV. liegt
Alle großen BeslaueKirchen (alle Backſtein) zeigeeine bemerkenswerthe Uebereinſtimmung. Sie haben keiQuerſchiff, ja dimeiſten ſcheinen urſprüngliceinſchiffig geweſen zſein: ein ſ verhältnißmäßiſchmaler Längsbau, mit eioder zwei Thürmen, einewenig markirten Chound Strebepfeilern, reſpektivStrebebögen. Erſt di folgenden Jahrhundertmodelten dieſe ziemlicprimitiven Baue und machten ſie zu einem wunderlichen Salat, ſo daß di
betreffenden
betr:
Kirchen fast wie einStadttheil, wie ein wirreHäuſerviertel ausſehn, audem ein paar Thürme unein gothiſches Dach hervorragen. Zunächſt wurdvon links und rechts hean das Längsſchiff angebaut, Seitenbaue übederen Schrägdach die oberſteTheile der Strebebögenoch hinausragen. Dieſ Seitenbaue gaben nun deRaum zu zahlreichen Kapelleher. Aber es blieb nichbei dieſen Seitenbauen. Aehnlicwie die Kapelle Heinrichs VIIbei Weſtminſter⸗Abbey, odewie die letzte große Kuppel⸗und Rundbogen⸗Kapell beRoeskilde, wurden aucKapellen hinter demin Fortſetzung des hoheChors errichtet, die nuentwede
  • 1. wie Henry’s VII. Chapeeinfach hinter dem hoheChor, ode
  • 2. halbrückwärts, rechtund links neben dehohen Chor ſtehn
Dies letztre iſt beiſpielsweiſe beim Dome deFall. Zwei ſeiner Hauptkapellen (in einer ArJeſuiterſtyl wenn icrecht geſehn habe) ſtehen ſo
Gebäudegrundriss; DomDomBreslau (heute: poln. Wrocław)Breslauer Dom.

Die Kapellen ſind aber, trotzdem ſie ſich äußerlich wiſelbſtſtändig und abgetrennt präſentiren, ſind aber im Zuſammenhang mit der Kirche ſelbſt
Das Charakteriſtiſchſte allegroßen Breslauer Kirchen abe iſt das Auftreten eineſelbſtſtändigen Querbaus, deohngefähr da ſich anſetzenwo ſonſt das Querſchifſeine Stelle hat, dazu da zſein ſcheint dies Querſchifzu erſetzen. Vielleicht iſdasies Gan die primitive Fordes Querſchiffs überhauptman verſtand es noch nichden Querbau dem Hauptbau geſchickt einzufügen unein harmoniſches Ganzeherzuſtellen. Die BreslaueKirchen ſind alſo nicht ſ
Grundriss; Breslauer Kirchen.

ſondern ſo
Grundriss; Breslauer Kirchen.

Eine querſtehende gothiſchKapelle iſt dem Längsſchiff ſo nicht künſtleriſceinverleibt, ſondern einfacan daſſelbe herangeſtellund zwar meiſt nur voeiner Seite her

Der Ring.

Der Ring iſt einer degrößten und ſtattlichſten Markund Rathhausplätze die ich kenneEr iſt lange nicht ſo ſchöwie der Brüſſeler, abegrößer und kaum minde intereſſant. Seine Foriſt dieſe
Grundriss; Ring (poln. Rynek)Ring(polnABreslau (heute: poln. Wrocław)Ring in Breslau. AB

Das Mittelſtück iſt das Rath-hau, das ſelbſt wieder eiConglomerat von Baulichkeiteiſt, durch das ſich Höfe, Gaſſeund Gänge ziehn
  • A. iſt ein moderner Bau (ieinem ziemlich nüchternen Tudorſtyl) der das Stadthaus genannt wird
  • B. iſt das alte Rathhaus, wahrſcheinlich nur ein Ueberbleibſevon einem urſprünglich größeren Baue. Das Rath-hau iſt ſpät⸗gothiſch; eſchien mir als ſpiele bereits – unter Beibehaltungothiſcher Formen – etwaRenaiſſance-haftes hineinSpBeiſpielsweiſe in deOrnament der Fenſter
Das Hineinſchieben voSteinfiguren in den Spitzbogen iſt doch wohſelten. Die Fenſteſind nicht ſ
Vorderansicht (Fenster); gothisches Fenster.
ſondern ſtatt dieſer üblichen Kreis⸗ und Kreisabſchnitt⸗Linien, die beſtimmtFormen bilden, ſchiebeſich wirkliche plaſtiſchBilder von ſelbſtſtändigeCharakter ein: LöwenGreifen, Drachen, Adlerdie ſich befehden. DieſFiguren ſelbſt ſind allnoch gothiſch, aber ihrVerwendung in dieſeWeiſe ſcheint mir gegedas traditionell-Gothiſchzu verſtoßen. Wenhierin nicht ein RenaiſſanceEinfluß liegt, ſo iſt es ein wildgewordene, ihGeſetz aufgebende, deVerfall entgegeneilendGothik. Dabei abepittoreſk entwederoder amüſant. EinArt Roccoco innerhalder Gothik; Willkür ider Behandlung. Die Fenſtehaben zum Theil auchlinks und rechts in deEcke, Thiergeſtalten wiſie ſich ſonſt nur an dePortalen oder an deDächern finden. Z.B. ſ
a. und b.ſind zwei kleinaus der Fenſterbrüſtunvorſpringende, ganz unvermittelte Affen, odeTeufelchen, oder ähnliches

Sehr intereſſant iſt dePranger, die Schandſäulein guter Gothik
    A iſt in kleiner Figur die Ge
  • ſtalt des Scharfrichtermit einem langen Richtſchwert an der Seite und einegeſchwungenen Staupbeſein der Hand

    Statuen, Denkmäler

1. Friedrich II2. Fr. W.Friedrich Wilhelm III } beid
vo
Kiſs
    3. Blücher von Rauc4. Tauenzien von Schadow
1.
und
u
2. auf demRing; 3. auf deBlücherplatz; 4. audem Tauentzien-Platz Alle 4 Arbeiten ſinnicht übel. Friedrichder Groß ausreichend; Fr.W. II gut (dem Wolff-ſche auf dem Luſtgarteſehr ähnlich; Kiſs’ iſaber viel früher)Blücher auch gut, abenicht ſo gut wiRauchs Berliner BlücherTauentzien nur eiMedaillon⸗Portraitoben auf dem Poſtameneine trauernde Minervaunter dem Portrait ei Basrelief-Bild: Tauenzien wirft dibelagernden Oeſtreichedurch einen Ausfalzurück
Der Tauentzienplatzdie neue SchweidnitzerStraß, überhaupt die ganzSchweidnitzer Vorſtadſehr hübſch
Das Generalkommandſehr hübſch
Das neue Theatewie mir ſchien eiDurchſchnittsbau Korn’s „SchleſiſcheZtg ein großes Gebäudin der Schweidnitzer Straße
Der Stadthaus⸗ under Rathhaus⸗ (Schweid-nitzer⸗) Kelle ſinblos gute Bierkneipen
Die Synagogiſt ſehr hübſch
Die „neue Wache(Rohziegel-Bau) hamir ſehr gefallen
„Liebigs Höh“ aueinem alten Baſtioerrichtet, Vergnügungsor der Breslauer Beaumonde, Ausſichtspunkt; ſehr ſtattlichſehr hübſch

Die Stadt im Ganzewirkt ſehr gut; deneue wie der alte Theihaben ihre Vorzüge unReize; nur die Bevölkerung macht in deMittelpunkt der Stadund den angrenzenden alteStraßen keinen guteEindruck. Zu viel Judenzu viel Unſauberkeit unHäßlichkeit

Die Schlachtan der Katzbac

Nach Droysetadelte York diSchlacht nur in ihreurſprünglichen Dispoſition
Blücher wolltangreifen. Glücklicherweiſe (ſo meinYork) kam ihdie Dummheit defranzöſiſchen General zuvor. Nur dadurcgewannen wir diSchlacht. Blieben diFranzoſen ſtehn unerwarteten ſie audem jenſeitigen Plateaunſren Angriff, ſwurden wir ſehr wahrſcheinlich ebenſo idie Katzbach und Neißgeworfen, wie nu(da ſie angriffen) diFranzoſen hineingeworfewurden. So York Er mag wohl Rechgehabt haben
Uebrigens – was beiläufig bemerkt ſeimag – heißt es in eineBriefe des Oberpräſidentenv. Schö aus deJahre 1852 (S.Siehe P. Lin-dau „Gegenwart“ NoNumero„… ich will den ſehnder im Stande iſt, geſtützt auf die Büchevon Pertz und Droysenſich ein klares Bilvon Stein und York z entwerfen.“ Bei alleVerdienſtlichkeit dieſeWerke glaub ich docdaß Schoern Recht hatEigentlich war York eialtes Greul und nuſoll ein Held draugemacht werden. Freilicwar er ein Held, abeſo überſchattetverdeckt durcUnkraut, daß man deHeldenmarmor nichmehr ſehn konnte
Die Katzbach-Schlach verlief nach Droysen wie folgt
Lageplan des Schlachtfelds; Schlachtfeld an der KatzbachSchlachtfeldanderKatzbachKatzbach (Fluss; heute: poln. Kaczawa)Schlachtfeld an der Katzbach. EichholRuſſen (v. SackePreußen (YorRuſſe(Langeron

  • Das Neyſche Corps (Souhamging gegen Eichholz; Sacken
  • Das Macdonaldſche Corps gegeChriſtianshöh; York
  • das Lauriſtonſche Corps gegeHennersdorf; Langeron
  • Sacken warf das NeyſcheCorp in die Katzbach
  • York warf das MacdonaldſcheCorp in die wüthenden Neiße

Im Centrum (Yorkfand die Hauptaktion ſtatund es war mithin meheine Schlacht an der „wüthendenNeiß“; Blücher gab deSchlacht aber, um dipiquirten Ruſſen zu beruhigen, den Namen „Schlachan der Katzbach“, weil daSiegesfeld der Ruſſen mehan der Katzbach lag
Die Eintheilung des York-ſchen Corp war die folgende
    Brigade HornBrigade Carl von MecklenburgBrigade HünerbeinBrigade Steinmetz
Die Avantgarde ſtand untedem Befehl von Hiller unKatzler
Die Avantgarde eröffnetden Kampf; dieſer, ſo ſcheines, wurde vorzugsweiſe durcdie Brigaden Hünerbein unCarl v. Mecklenburg geführtBrigade Horn, am rechteFlügel, kam wenig zur AktionBrigade Steinmetz ſtand iReſerve. Uebrigens fand audem engen Plateau aucdas große Cavallerie-Gefechſtatt, das vorzugsweiſmitwirkte beim FeindVerwirrung zu ſtiften unihn in die Tiefe bei Ober⸗Nieder⸗Weinber und Nieder⸗Cray hinabzuwerfen
Ausführliche Beſchreibun
de
Schlacht an der Katzbach
geſchlage
den 26. Auguſt 1813

Zum Beſten der bei dem auf dem Schlachtfelde errichteteDenkmale wohnenden Invaliden
Verlag des Schlachten⸗Denkmals⸗Fonds
Druck von Oscar Heinze in Liegnitz
Nach dem Treffen bei Goldberg am 23. Auguſt ſetzte diſchleſiſche Armee unter dem Oberbefehl des Generals v.Blücheihren Rückzug nach Jauer fort. Das York’ſche Corps rücktan dieſem Tage in und um Jauer ein, und am folgendeTage, den 24. Auguſt, folgten ihm die ruſſiſchen Corps vLangeron und Sacken, und bezogen gleichfalls eine Stellunbei Jauer. So war alſo die ganze ſchleſiſche Armee bei dieſeStadt vereinigt; nur ein Theil des Sacken’ſchen Corps, meiſleichte Reiterei, ſtand auf der Straße von Liegnitz nacHainau um das Ney’ſche Corps zu beobachten, welches durceinen Mißverſtand am 24. von Liegnitz nach Hainau marſchirwar. Schon am 2525. war man bei der verbündeten Armeentschloſſen, den Feind anzugreifen. Eine ſtattliche ruſſiſchReiterei unter Generallieutenant Waſſiltſchikoff und leichtpreußiſche Reiterei brach aus dem Lager auf, und rückte auden Straßen nach Liegnitz und Goldberg vor, um die Bewegung des Feindes zu beobachten. Allein dieſer zeigte ſican dieſem Tage noch nicht, wahrſcheinlich weil MarſchalMacdonald, der nun den Oberbefehl übernommen hatte, ſicfür zu ſchwach hielt, ohne vom Ney’ſch en Corps unterſtützzu werden, anzugreifen, oder auch ſich einem Angriffe auszuſetzen. Als aber dieſes Corps am 25. von Hainau wiedeumwendete und weiter vorwärts drängte, beſchloß Macdonalden Angriff zu wagen. Aber er verrechnete ſich in deSchätzung ſeiner Kräfte
Um eine deutliche Anſicht der Schlacht zu erhalten, iſes nöthig das Schlachtfeld kennen zu lernen
Die wüthende Neiſſe bildet da, wo ſie ſich in die Katzbach ergießt, mit dieſem Fluſſe einen großen Bogen, welchezwiſchen Jauer und Liegnitz (doch dieſem näher) links ausbeugt, alſo nach der rechten Seite zu offen iſt. In dieſe
Bogen war das Schlachtfeld– Das Land auf dem rechteUfer der Neiſſe und Katzbach bildet eine weite hohe Ebenedie ſich von Jauer bis Liegnitz erſtreckt. Der höchſte Punkderſelben iſt eine Meile von Jauer, die Colonie ChriſtianshöhVon hier überſieht der Blick weithin die fruchtbare Bergebenedie nach den beiden genannten Städten ſich ſanft hinabſenktVon Jauer ſteigt man demnach ſanft aufwärts längs deNeiſſe bis Brechelshof, dreiviertel Meilen von der Stadthier beginnt die Bergebene. Rechts liegt Malitſch, geradezEichholz, zwiſchen beiden Triebelwitz; unweit dieſes letzeDorfes, alſo zwiſchen Brechelshof und Eichholz, ChriſtianshöheLinks zieht ſich die Ebene bis gegen die Neiſſe und Katzbachwelche im Grunde des erwähnten Bogens in einander fließenDicht aber am Ufer jener beiden Gewäſſer endigt ſich die Bergebene in ziemlich ſchroffe Tiefen, in denen die beiden Flüſſſich bewegen. Mehrere enge Fahrwege führen von Brechelshof, Eichholz und Klein⸗Tinz nach Weinberg, Nieder⸗Crayund Groß⸗Jänowitz, die in der Tiefe an dem Ufer der Neiſſliegen
Ganz anders iſt das linke Ufer der beiden GewäſſerEine lange Reihe ziemlich hoher, größtentheils bewachſeneBerge ziehen ſich längſt dem Ufer, ein halbe Meile vodieſen, die Heßberge genannt. Sie erheben ſich langſam unlaſſen alſo einen Theil zwiſchen ſich und der Neiſſe und deKatzbach, in welchem auf der Straße von Goldberg nacJauer die Dörfer Hennersdorf und Seichau liegen. BeHennersdorf iſt der Weg am engſten, und hier daher einvorzüglich ſchöne Poſition, um einen herankommenden Feinzu erwarten. — Dies iſt eine kurze Beſchreibung deSchlachtfeldes, die eine jede Specialkarte noch deutlichemachen wird
Am 25. Auguſt — es war am Mittwoch, ein ganumwölkter Tag, der Wind wehte heftig und rauh, — brachedie Corps größtentheils auf. Das Corps v.Sacken, welche
beſtimmt war, den rechten Flügel zu bilden, zog ſich übeBrechelshof nach Malitſch; das Corps v.Langeron, welcheden linken Flügel ausmachte, rückte nach Hennersdorf vorund das Corps v.York, zum Mittelpunkte beſtimmt, bliean dieſem Tage noch bei zurück — dieſer Stellungegenüber ſtand die franzöſiſche Armee, und zwar das Corpv.Lauriſton bei Goldberg, ſeine Vortruppen bei Prausnitzhinter dieſem das Corps v. Macdonald, und das Corps vNey war noch auf dem Marſche von Hainau nach deSchlachtfelde begriffen. Es kam an dieſem Tage bis in diGegend von Lobendau und vereinigte ſich erſt am folgendeTage mit den beiden andern Corps
Der 26. Auguſt brach an. Der ganze Horizont wamit düſteren Wolken bedeckt, die anfangs einen dünnen Regeherabfallen ließen, bald aber ſich wie in Strömen ergoſſenDie ruſſiſchen und preußiſchen Truppen ſtanden ſchlagfertiund erwarteten nur den Befehl zum Aufbruch. Die leichteTruppen waren bereits über die Katzbach bei Weinberg unNieder⸗Crayn gegangen, und hatten erſt unweit Goldberg deFeind getroffen, der ſich langſam näherte. General Lauriſtohatte ſich ganz früh in Bewegung geſetzt, auf der Straßvon Goldberg nach Jauer. Im folgte gleich darauf MarſchalMacdonald, ſich links wendend, ſo daß dieſer den rechtenjener den linken Flügel befehligte
Zum Nachmittage um 2 Uhr war von dem Generav.Blücher der Angriff beſtimmt worden. Es ſollte nämlicnach dem erſten Plane das Corps v.Sacken zwiſchen Liegnitund Goldberg über die Katzbach gehen, ſich auf das anrückendNey’ſche Corps werfen, das York’ſche ſollte dieſen Angrifmit ganzer Macht unterſtützen, und das Langeron’ſche dieſebeiden Corps den Rücken decken. So hoffte man die Franzoſetheilweiſe aufzureiben; das Ney’ſche Corps ſollte ganz vernichtet und ſo zu ſagen von der Uebermacht erdrückt werdenehe die beiden anderen franzöſiſchen Corps es merkten ode
zu Hülfe eilen könnten. — Allein die Vorſehung hatte eanders beſchloſſen, nicht ein Corps, ſondern alle drei Corpſollten eine vollſtändige N iederlage erhalten
Marſchall Macdonald hatte indeſſen ſeinen Marſch voGoldberg über Röchlitz nach Nieder⸗Crayn fortgeſetzt. Voihm zogen ſich die ruſſiſchen und preußiſchen Truppen in geordnetem Rückzuge zurück, ſie hatten ausdrücklichen Befehlſich in kein ernſthaftes Gefecht einzulaſſen. Gegen Mittagingen dieſe Vortruppen über die wüthende Neiſſe bei Nieder⸗Crayn und Weinberg zurück, und ſtellten ſich auf deRande der Anhöhen, die längs dem rechten Ufer des Waſſerdie eben erwähnte Bergebene begrenzen, auf
Um 1 Uhr Nachmittags langte das Macdonald’ſchCorps an der wüthenden Neiſſe an. Mit Macht drang ein Ober⸗ und Nieder⸗Crayn ein, und führte auf den Anhöhen, die dieſem Dorfe gegenüber auf dem linken Ufer liegen, ſchleunigſt vier Batterien auf, mit denen es die jenſeitſtehenden verbündeten Vortruppen heftig beſchoß, um deUebergang über die Crayner Brücke zu erzwingen. Da edurchaus nicht im Plane lag, ihnen dieſen Uebergang zwehren, es auch bei der Uebermacht der Franzoſen nicht möglich war, ſo begnügten ſich jene, ihnen lebhaft mit Kanonezu antworten. Während dieſer heftigen Kanonade ſprengtdie ganze Reiterei dieſes Corps in ſtarkem Trabe durcNieder⸗Crayn und ſtürmte jene Anhöhen bei Groß⸗Jänowitund Weinberg, wo die Vortruppen der Verbündeten ſtandenEine ſtarke Infanterie folgte auf dem Fuße nach, und grifdie obenſtehende, preußiſche Brigade v.Horn an, die miheroiſchem Muthe den wüthenden Angriff aushielt und ddurch der Haupt⸗Armee Zeit gab, die geänderten Diſpoſitionen in Ausführung zu bringen
Das York’ſche Corps war indeſſen von Jauer am Vormittage aufgebrochen; General v.Blücher und die übrigeGenerale hatten um 9 Uhr Jauer verlaſſen und rückten übe
Alt⸗Jauer auf der Straße nach Brechelsdorf vor. Als daCorps aber hier die Berg⸗Ebene erreichte, ging die Meldunein, daß die geſammte franzöſiſche Armee im Anzug wärund die Vortruppen bereits dränge. Dies machte eineandern Plan nöthig, den General v.Blücher ſogleich entwarf, und mit bewundernswürdiger Schnelligkeit ausführte
General v. Blücher ließ das York’ſche Corps ſogleichalten, und ſtellte es verdeckt auf, um dem übermüthig herandrängenden Feinde ſeine wahre Stärke zu verbergenBlücher erkannte ſogleich, daß die Anhöhe bei Chriſtianshöhe vor allen Dingen als der Mittelpunkt des Schlachtfeldes beſetzt werden müßte, und traf demnach folgende Anordnungen
Auf dem linken Flügel blieb General Langeron beHennersdorf ſtehen und ſollte die Angriffe des Lauriſton’ſcheCorps abzutreiben ſuchen. Den Mittelpunkt bildete daYork’ſche Corps. Am weiteſten vorn ſtand die hier erwähntBrigade v. Horn bei Ober⸗Weinberg. Hinter ihr, links voChriſtianshöhe, zwiſchen dieſer Höhe und Bellwitzhof wurddie Brigade Prinz von Mecklenburg aufgeſtellt. Links davozwiſchen Bellwitzhof und Schlaupe, ſtand die Brigade v. Hünerbein, um die Verbindung mit dem linken Flügel der Armeedem Langeron’ſchen Corps zu unterhalten; zur Reſerve endlicdiente die Brigade v. Steinmetz. Die Reiterei des Corps wurdtheils links von Chriſtianshöhe, hinter die Brigade v. Mecklenburg, theils verdeckt hinter dieſer Anhöhe aufgeſtellt
An das York’ſche Corps ſchloß ſich der rechte Flügeldas ruſſiſche Corps des Generals Baron v. Sacken an. DiAnhöhe von Chriſtianshöhe war nur zwiſchen ihnen. Zwiſchen dieſer Colonie und dem Dorfe Eichholz ſtanden diVortruppen unter General⸗Lieutenant Waſſiltſchikoff, dahinteeine zweite Linie unter den Befehlen des General⸗MajorUſchakoff. Das Dorf Eichholz, welches die rechte Flankdecken ſollte, mußte vorzüglich ſtark beſetzt werden; und deGeneral legte daher das 8. und das 29. Jäger⸗Regiment hinei
und da ſo viel an der Behauptung dieſes Dorfes lag, wurden zur Unterſtützung dieſer beiden Regimenter dahinter nocdas Ochotzkiſche und Kamſchatkiſche Regiment aufgeſtelltDer übrige Theil des Sackenſchen Corps ſtand verdeckt zwiſchen Chriſtianshöhe und ſchloß ſich an die Preußen an. Ewaren zwei ſtarke Linien; die erſte befehligte General⸗Lieutenant Newarofsky, die zweite General Graf Lieven
General Baron v.Sacken ließ die Anhöhe von Chriſtianshöhe, welche der Schlüſſel der ganzen Stellung warmit der Artillerie⸗Compagnie des Oberſten Brams beſetzeneine preußiſche Batterie wurde ebenfalls dort aufgeſtellt, undiese 16 Kanon en waren es, die den anrückenden Feind zuerſt empfingen. Da ſie, ſo lange er in dichten Reihen marſchirte, ihm großen Schaden thaten, ſo ſah er ſich genöthigtſich zu entwickeln und in Schlachtordnung zu ſtellen
Sobald General v. Blücher ſeine Anordnungen vollendet hatte, ſandte er einen ſeiner Adjutanten auf den rechten Flügen zum General v. Sacken und ließ ihn auffordernden franzöſiſchen linken Flügel anzugreifen, während er deMittelpunkt des Feindes zu durchbrechen ſuchen würde. „Antworten Sie dem General: Hurrah!“ war die Antwordes tapferen Sacken und die Schlacht begann
Während jener Bewegungen waren mehr als eine Stundvergangen, und es war 3 Uhr geworden, ehe die Schlachanfing. Sie wurde mit einem lebhaften Kanonendonner eröffnet, welchen die Franzoſen ebenſo lebhaft erwiderten. Vorzügliche Dienſte thaten die beiden Batterien bei Chriſtianshöhe. Dennoch rückten die franzöſiſchen Linien vor und maließ ſie näher heraufkommen, um ſie dann deſto beſſer faſſezu können. Endlich waren ſie ſo weit gekommen, daß ihlinker Flügel vor Eichholzlinker Flügel vor Eichholz und ihr Mittelpunkt vorwärtOber⸗Weinberg ſtand. Nun begann der Angriff der preußiſchen Infanterie. Das 2. Bataillon des brandenburgiſcheRegiments eröffnete, von zwei anderen unterſtützt, den An
gut
griff. Sie marſchirten in Linie auf und rückten gegen drefranzöſiſche Batterien vor, die von zwei Bataillonen, welchſich in Vierecke aufgeſtellt hatten, beſchützt wurden. Obgleicalle drei Batterien die vorrückenden preußiſchen Bataillonbeſchoſſen, ſo rückten dieſe doch in angemeſſenen Schrittenaber immer ſchneller und ſchneller (denn mit jedem Schrittwuchs die Wuth mit der größten Kaltblütigkeit vor, ohnnur einen Augenblick in Unordnung zu gerathen. Was fieldas fiel, alles Uebrige blieb im ruhigen Vorrücken. Jetzkamen ſie dem Feinde ſo nahe, daß er ſie mit Kartätſcheerreichen konnte. Dieſe fielen wie Hagel in die preußiſcheBataillone und riſſen ganze Glieder zu Boden, dennoch blieben die Unverwundeten im Vorrücken. Je näher ſie deFeinde kamen, deſto weniger wurden ihnen die Kartätſchegefährlich; dagegen fing er an, nun aus den Vierecken midem kleinen Gewehr auf ſie zu feuern. Nun wurden diSchritte verdoppelt. Im ſchnellſten Sturmſchritt ging eauf den Feind los, das Gewehr wurde gefällt, und miweit ſchallendem Hurrah! ſtürzte ſich jedes Batailloauf ein Viereck. Die franzöſiſchen Grenadiere ſtanden wiangemauert. Bis auf zwei Schritte näherten ſich die Preusſen — ſo ſtanden ſie einen Augenblick, Auge in Auge, einander gegenüber; ſtarr ſah man ſich von beiden Seiten anDann riefen die preußiſchen Offziere: „Drauf! Drauf!und im Nu nahm der Soldat das Gewehr verkehrt unſchlug mit dem Kolben in die Franzoſen hinein. Schnelwurden die Vierecke, da die Preußen in Linie ſtanden, rechtund links umzingelt, und ſo von allen Seiten mit deBajonett und Kolben angegriffen. Jetzt war an keinen Pardon mehr zu denken; die franzöſiſche Tapferkeit mußte deMuth und der perſönlichen Stärke der Brandenburger weichen, und nach 20 Minuten lagen die ganzen Vierecke dazu Boden geſchlagen, in einen Haufen Todter und Verwundeter verwandelt. Etwa 150 Lebendige und Leichtverwun
dete fanden ſich aus jedem dieſer Menſchenhaufen herausdie man als Gefangene wegführte. Doch hatte auch jedepreußiſche Bataillon bei dieſem Angriffe gegen 200 Manverloren
Während dieſes erſten Angriffs hatte ſich auch die übrige Infanterie, die Brigaden v. Horn und Prinz v.Mecklenburg in Bewegung geſetzt und due preußiſche Reiterei hieſchwadronenweiſe ein. Auf der ganzen Linie wurde nudie Schlacht allgemein. Der unaufhörliche Regen machtedaß bald die Gewehre nicht mehr losgingen; deſto emſigearbeitete das grobe Geſchütz, und wo die Infanterie aufeinander traf, wurde nur mit dem Bajonett und mit dem Kolben gefochten. Nirgends konnte die franzöſiſche Infanteridem wüthenden Andringen der Preußen widerſtehen und waſich zu widerſetzen wagte, wurde niedergeworfen oder zu Gefangenen gemacht. Da verſuchte es der Feind, mit ſeineReiterei das Vordringen der Preußen aufzuhalten, um deInfanterie Zeit zu geben, ſich wieder zu ſammeln und Athezu ſchöpfen. Die preußiſche Reiterei ſammelte ſich geſchwinund ging ihr entgegen und ſo tummelten ſich auf der hoheEbene zwiſchen Chriſtianshöhe und Weinberg an 8000 ManReiterei herum. Aber auch dieſer letzte Verſuch des Marſchall Macdonald war vergebens; die franzöſiſche Reiterewurde geworfen, ſie ſtürzte ſich fliehend auf ihre eigene Infanterie und riß Alles in regelloſer Flucht mit ſich fort. Swar die Schlacht alſo im Mittelpunkte des Treffens entſchieden
Auf dem rechten Flügel war indeſſen General v.Sackeauch nicht müßig geweſen. Sein ſcharfer Blick hatte ſogleicbemerkt, daß der linke Flügel des Feindes keinen Stützpunkhabe und daher leicht umgangen werden könnte. Er befahdaher gleich dem Generalmajor Lanskoy, der die Reiterebefehligte, dem Generalmajor Karpoff mit den Koſaken, undem Generalmajor Waſſiltſchikoff mit dem Achkirſchen Huſaren
1Regiment, ihre Stellung zwiſchen Chriſtianshöhe und Eichholz zu verlaſſen und ſich rechts zu ziehen. Augenblicklicwurde der Befehl mit völliger Uebereinſtimmung vollzogenDie treffliche Reiterei ließ, ohne daß es der Feind wahrnah— denn die vorliegenden Anhöhen und die aufmarſchirtruſſiſche Infanterie verbargen dieſe Bewegung — das DorEichholz links, und ſtand ſo urſprünglich in Klein⸗Tinz ider linken Flanke des Feindes. Ihr war zur Unterſtützundie vorderſte Linie der Infanterie unter GenerallieutenanNewarowski gefolgt, deſſen Platz nun die zweite Linie unteGeneralmajor Graf Lieven einnahm. Dieſe Bewegung entſchied auch hier völlig. Die Franzoſen, ob ſie gleich die ganzReiterei ihres linken Flügels der ruſſiſchen Reiterei entgegeſtellten, geriethen zwiſchen zwei Feuer. Mit Entſetzen ſaheſie den Feind im Rücken und ſchonungslos alles niederſäbelnDa bemächtigte ſich auch hier der Schrecken der Gemütherund nun begann eine der wildeſten Fluchten, die man je geſehen hat. Unaufhaltſam und in ſtürmiſcher Eile zerſtreuteſich alle und jede Bataillons und ſtürzten dem Dorfe NiederCrayn zu, wo der Uebergang über die wüthende Neiſſe war
Durch ein glückliches Zuſammentreffen fiel der Sieg deGeneral von York und des Generals von Sacken zu gleicheZeit, und ſo war alſo in einem und demſelben Augenblickdie ganze Bergebene mit franzöſiſchen Flüchtlingen bedecktJeder eilte dem andern zuvor, um nur die Uebergangsbrückzu erreichen. So lange die Flucht über die Ebene gingfand jeder einen Weg quer über die Felder, aber als diFliehenden an den Abhang kamen, der das Ufer der wüthenden Neiſſe umzieht, entſtand in den Hohlwegen die fürchterlichſte Verwirrung. Die Reiter ritten das Fußvolk niederdieſe ſtießen mit dem Bajonett auf die Pferde, um Platzu gewinnen, und als nun der lange Zug der Kanonen unMunitionswagen im flüchtigen Galopp den engen Wegezueilten, erreichte die Verwirrung den höchſten Grad. Wenig
1Augenblicke reichten hin, um manche dieſer Engpäſſe völlizu verſtopfen. Mit fürchterlichem Geſchrei verlangten diNachfolgenden, daß die Vordern Platz machen ſollten. Rädebrachen zuſammen. Pferde wurden niedergefahren, Kanonefuhren ineinander, und ſo entſtand ein plötzliches StockenIn andern Hohlwegen jagten Reiter und Trainknechte miund ohne Kanonen, laut ſchreiend den Berg hinunter. DiInfanteriſten kletterten die Abhänge hinunter und über diZäune des Dorfes Nieder⸗Weinberg hinweg, weil in deStraße kein Durchkommen war
Die preußiſche und ruſſiſche Reiterei hatte gleich nacerfochtenem Siege den fliehenden Feind verfolgt und ſeinFlucht beſchleunigt. Das oft wiederholte Hurrah! vermehrtden Schrecken des zitternden Feindes, der nur in der ſchleunigſten Flucht ſeine Rettung zu finden glaubte. Das ganzFeld lag voller Verwundeter und todter Menſchen und Pferdevoll weggeworfener Flinten, Czakos, Torniſter und Patrontaſchen, hier und da lagen umgeworfene Karren, unbrauchbar gewordene und verlaſſene Kanonen und ganze Haufefliehender Infanteriſten ſah man von einzelnen Reitern gefangen nehmen. Die Verwirrung in den Hohlwegen hielſelbſt die Sieger auf, die, nachdem ſie die ihnen am nächſteſtehenden niedergemacht hatten, vor den vorliegenden Leicheund Wagen oft nicht weiter konnten. In einem einzigeHohlwege fand man vier Kanonen, zwei Haubitzen unneununddreißig Pulverwagen
Sobald die fliehenden Feinde aus den verderblichen Engpäſſen, die den Berg hinabführten, hervorkamen, ſtürzten ſinun der Brücke in Nieder⸗Crayn zu, aber nur ein kleineTheil konnte ſie erreichen. Die Meiſten warfen ſich auf’Geradewohl in den durch Regen bereits angeſchwolleneBach, die wüthende Neiſſe, und fanden zum Theil dariihren Tod. Der größte Theil der fliehenden Franzoſen eiltdurch genanntes Dorf, der kleinere Theil nur flüchtete weite
1unterhalb des Baches durch Groß⸗Jänowitz. Bei NiederCrayn blieben mehrere Munitionswagen im Waſſer ſteckenAlle Staketen und Zäune waren in kurzer Zeit von defliehenden Maſſen wie umgelegt. In bunter Unordnundrängten ſich Reiter und Fußgänger, Verwundete ohne Zahſchreiend und wimmernd durch die Gaſſen des DorfesMitten durch ſprengten Trainknechte, die die Stränge abgeſchnitten und ihre Kanonen oder Munitionskarren im Sticgelaſſen hatten, oder Pferde ohne Reiter, zum Theil diSättel unter den Bäuchen. Hunderte von Franzoſen warfeſich erſchöpft durch Wunden oder Hunger in die Bauernhäuſer und erwarteten hier in ſtummer Verzweiflung deTod oder die Gefangenſchaft, alle Wohnungen und Scheunewaren mit dieſen Unglücklichen angefüllt
Indeſſen hatten die ſiegenden Truppen den Thalranerreicht, den die Franzoſen eben hinuntergeſtürzt waren, unführten vier Kanonen auf, mit denen ſie das Dorf NiederCrayn und die ſich hindurchdrängenden Feinde beſchoſſenEinige Granaten, welche hier und da einſchlugen, erhöhtedie Verzweiflung der Fliehenden, und vermehrten das Geſchreder Angſt und das Fluchen über die Vordern, die den Nachfolgenden nicht genug eilten
Diejenigen, welche glücklich über die wüthende Neiſſgekommen waren, eilten nun der Katzbach zu. Das Macdonald’ſche Corps wandte ſich meiſt nach Goldberg, wo ſchoum 4 Uhr die erſten Flüchtlinge ankamen. — Das Ney’ſchCorps, welches auf dem linken Flügel geſtanden, floh meiſtentheils nach Kroitſch über die Katzbach, und nur die Nachmachte dem Verfolgen der Sieger, nicht aber der Flucht deBeſiegten ein Ende, denn dieſe währte die ganze Nacht hindurch. Ungeachtet der Himmel Ströme von Regen ergoßjeder Bach zum reißenden Fluſſe wurde, und die Finſternider Nacht faſt undurchdringlich war
Nicht ſo ſiegreich war der linke Flügel der ſchleſiſche
1Armee, das Langeron’ſche Corps, geweſen. Es ſtand, wiwir oben geſehen haben, auf dem linken Ufer der wüthendeNeiſſe, dem Corps des General Lauriſton gegenüber, unhatte die vortheilhafteſte Stellung bei Hennersdorf inneBald nach dem Anfange der Schlacht hatte General Lauriſtoſeinerſeits die nämliche Bewegnng machen laſſen, wodurcGeneral von Sacken den Sieg auf ſeinem linken Flügeentſchieden hatte. Er warf ſeine leichte Infanterie in diGebüſche der Heß⸗Berge, und umging dadurch die linke Flankder Ruſſen, die, nachdem ſie eine Zeit lang wirkſam beſchoſſeworden waren, bei Peterwitz zurückwichen. Hier wurde migroßer Hartnäckigkeit gefochten, und den Franzoſen das weiterVordringen zwar gewehrt, doch gelang es den Ruſſen nichihre vorige Stellung wieder einzunehmen, und den Sieg zentſcheiden. Es blieb das Gefecht hier ſo völlig unentſchiedendaß die franzöſiſchen Vortruppen dieſes Flügels die Nachhindurch Hennersdorf beſetzt hielten, und ſich einbildeten, diSchlacht wäre für ſie gewonnen, und ſie würden am folgenden Tage nach Jauer vorrücken. Daher waren ſie ſeherſtaunt, als am folgenden Morgen Ruſſen und PreußeHennersdorf umringten und ſie gefangen nahmen
In der Nacht, als die Schlacht ſchon längſt beendeund die Verfolgung ausgeſetzt war, ſchickte General Souhamder das Ney’ſche Corps befehligte von der Gegend voLiegnitz her eine Infanterie⸗Maſſe mit ſechzehn Kanonen uden rechten Flügel des Sacken’ſchen Corps zu beunruhigenund dies Corps im Verfolgen der Ueberreſte des franzöſiſchen Heeres aufzuhalten. Sogleich erhielten die GeneralNowarofsky und Lieven Befehl, ihr entgegen zu gehen, unſie warfen ohne Schwierigkeit auch noch dieſe Abtheilunzurück, worauf Ruhe eintrat
Das Sacken’ſche Corps allein zählte ſchon am Abenddreißig gewonnene Kanonen, und hatte einen General, zehOffiziere und tauſendfünfhundert Gemeine zu Gefangene
1gemacht. — Noch bedeutender aber waren diejenigen Folgenwelche ſich in den nächſten Tagen offenbarten
Am 27. Auguſt wurde die Verfolgung fortgeſetzt. Didrei Corps der ſchleſiſchen Armee wandten ſich dabei nacdenſelben Punkten am Bober, an denen ſie ſchon am 21geſtanden hatten; General Sacken nämlich nach BunzlauGeneral York nach Löwenberg und General Langeron nacZobten am Bober. Vor ſich her trieben ſie die zerſtreutefranzöſiſchen Schaaren, die ſich faſt alle nach Bunzlau drängten, um dort über die einzige, noch ſtehende Boberbrücke zgehen, den der noch unaufhörlich herabſtrömende Regeſchwellte jene Gebirgsflüſſe, die im Sommer faſt überall zdurchwaten ſind, und zum Theil ganz verſiegen, zu ſolcheHöhe an, daß ſie alle aus ihren Ufern traten, und die hiund da noch ſtehenden oder wieder errichteten Brücken miſich fortriſſen. Nur die Brücke bei Bunzlau widerſtander Gewalt des Waſſers, hierher drängte daher alles iwilder Flucht
Am 27. Auguſt Nachmittags holten die Vortruppen deLangeron’ſchen Corps unter General Kapczewitz den Nachtrab des Lauriſton’ſchen Corps ein. Dieſer bildete in deEile ein Viereck und vertheidigte ſich mit vier KanonenVon dieſen drei Bataillons entkam auch nicht ein Mannund hiermit verſchwand bei den Franzoſen alle Luſt, noceinmal Front gegen die preußiſchen und ruſſiſchen Truppein Schleſien zu machen. Ganze Haufen wurden gefangenIhre Kanonen und Wagen verſanken in den Tiefen verdorbeneWege. Dieſe grundloſen Wege hielten daher auch die Fortſchritte der ſchleſiſchen Armee auf, ſo daß die Hauptarmeerſt den 28. Auguſt über die Katzbach bei Goldberg unLiegnitz gehen konnte; nur die leichte Reiterei war ſchovoraus geeilt
Alle franzöſiſchen Corps, welche der großen Schlacht beigewohnt hatten, ſuchten, ohne an eine Gegenwehr zu denken
1die ſchleſiſche Grenze zu erreichen. Nicht ſo war es bei deDiviſion des Generals Puthod
Dieſer General, zum Lauriſton’ſchen Corps gehörig, hattBefehl gehabt, während der Schlacht die ſchleſiſche Armee übeSchönau zu umgehen und ihr in den Rücken zu kommenAber ehe er noch ſeine Beſtimmung erreichte war die Schlachſchon entſchieden geweſen, und es blieb ihm nichts andereübrig, als ſich zu retten. Nachdem er vergebens verſuchhatte, bei Hirſchberg über den Bober zu gehen, marſchirte elängſt demſelben auf Löwenberg zu, und übernachtete a28. Auguſt in Zobten. Am folgenden Tage, als er aber voda aufbrach um nach Plagwitz zu marſchiren, ereilte ihn deVortrab des Langeron’ſchen Corps unter General Rudczewiczwiſchen Zobten und Plagwitz. Sogleich griff dieſer an; diruſſiſchen Generale Korff und Fürſt Czerbatow unterſtützteden Angriff. Man umzingelte die franzöſiſche Diviſion vodrei Seiten; die vierte ſchloß der ſchäumende Bober zu. Waſich nicht in den Bober ſtürzte, wurde gefangen, und vielfanden in dem Fluſſe ihren Tod
So waren die Folgen der Schlacht an der Katzbacweit bedeutender, als man Anfangs geglaubt hatte. DiElemente vollendeten, wo der menſchliche Arm nicht ausreichte. Am 1. September war das Hauptquartier deGeneral v.Blücher in Löwenberg. Hundertunddrei Kanonenzweihundertfünfzig Munitionswagen, des Feindes LazarethAnſtalten, ſeine Feldſchmieden, ſeine Mehlwagen, ein DiviſionsGeneral, zwei Brigade⸗Generale, eine große Anzahl OberſtenStabs⸗ und andere Offiziere, achtzehntauſend Gefangenezwei Adler und viele andere Trophäen waren in den Händeder Sieger

Das an dem Jahrestage dieſer ewig denkwürdigen Schlachauf Befehl und Koſten Sr. Majeſtät des Königs errichtetDenkmal beſteht aus einem in der Königl. Eiſengießerei zBerlin gegoſſenen, gothiſch verzierten, 22 Fuß hohen Obeliskdeſſen Spitze mit dem eiſernen Kreuze geziert iſt. Der Obelisruht unten auf einem angemeſſenen Sockel von Quaderſteinenan der Nordſeite lieſet man folgende Inſchrift
„Die gefallenen Helden ehrt dankbar Köni
und Vaterland! ſie ruhen in Frieden an der K atzbach,
den 26. Auguſt 1813

Monument der Katzbach-SchlachtMonumentderKatzbach-SchlachtChristianshöhe (bei Liegnitz), ChristianshöhMonument der Katzbach-Schlacht bei Liegnitz.
O ſeid gegrüßt der Gottheiſtille Zeugen
Ein Meiſterſtück der herrlicheNatu
Hier unter unſren majeſtätſcheZweige
Im kühlen Schatten auf deprächtgen Flu
Hier ſchlägt das bange Herin freudgem Bebe
Ein heilger Schauer dringdurch meine Bruſ
Wie lange ſehet ihr deMenſchen Lebe
Mit ſeinemn Leiden wimit ſeiner Luſt
Liegnitz 23. Juni 1869

BreslaueStadthauskelle

  • 1. Ohne Glück u. Gunſ
    Iſt Kunſt umſunſt
  • 2. Trink und i
    Gott nicht vergiß
  • 3. Dummheit und Stol
    Wachſen auf einem gHolz
  • 4. Fröhlich Gemüt
    Giebt geſund Geblüt
  • 5. Beſſer zeitlebens barfuß gegange
    Als im knappen Schu
    Beſſer ein Haus u. Hof erlange
    Als ein böſes Weib dazu
  • 1. Denkmal der glorreichenSchlacht an d.der Katzbacd.derden 26. Auguſt 1813
  • 2. Preußens Heldedankt Schleſien Rettunund Freiheit
  • 3. Preußens Dreigeſtirn BlücherYork u. Gneiſenaehrt dankbar Mitwelt und Nachwel
  • 4. Unſterblich lebFr: W.Friedrich Wilhelm’s III. Helderuhm noch nacJahrhunderten

Schweſter Mathilde heutNacht geſtorben. TiefbetrübtHinterlaſſenes Vermöge(meiſt ruſſiſche Anleihe) 12,000
Beamter. Es ſind 2Worte. Wollen Sie vielleichein Wort ſtreichen
Leidtragender. StreicheSie „tiefbetrübt.

Das W. . .iſt wie eiTintenfaß
In der MitWoher kommt das
Vom TunkeIhr Halunken
Trebbin (2. Hälfte
Voſſ Ztg. NoNumero 132etwa 2 1/2 Spalten, genaue277 Zeile