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1874.

<Schreiberhand Friedrich Fontane> <Schreiberhand Theodor Fontane>
Numero>
No
1259

Pass-Karte
auf das Jahr 1800 Vier und Siebzig
für
Den Schriftsteller Herrn
Theodor Fontane.
Königliches
Königl.
Polizei-Präsidium V.
Abteilung
Abth.
zu Berlin.

Hilger Kersten
x---x
Alter: 30.12.19
geboren
geb:
Besondere Kennzeichen:

Fehlen.
Statur: groß.
Haare: dunkelbraun.
Unterschrift des Inhabers.
Theodor
Th.
Fontane

Wer die Paßkarte verfälscht, oder von einer verfälschten wissentlich Gebrauch macht, oder eine für
einen Andern ausgestellte für sich gebraucht, oder die ihm ertheilte einem Andern zum Gebrauch über
läßt, wird mit Haft oder mit Geldstrafe bis zu fünfzig Thalern bestraft.
  • 1. Notiz-Zettel und Zettel von Jenny stecken in dem Täschchen hier zur Seite.

Pappenheim „eventuell“
  • 2.50
  • 60
  • 30
  • 30
  • 1. 
  • 4.70


In dem Salon der Frau v. Carayon waren einige Freunde und Bekannte versammelt und führten, wie es in diesem Salon herkömmlich war, um den Theetisch her ein lebhaftes Gespräch mit der Herrin des Hauses, während die Tochter Victoire am Theetisch beschäftigt war und
nur dann und wann sich wandte um aufzuhorchen oder durch eine hingeworfene Frage ihre Theilnahme an dem Gange des
  • 1. Drei Zimmer auf 8 Tage für 7 Thaler

  • 2. Von 15. Juli bis 15. August eventuell auf acht Tage mehr – mit Küche 60
    Reichstaler

Gespräches auszudrücken. Dieses Gespräch wurde sehr lebhaft geführt und schien sich um Tagesfragen zu drehn, denn es waren die Maitage 1806 und die Aufregung war noch groß über die Haugwitzische Mission, die zu einem Einvernehmen mit Frankreich zur Besitzergreifung von Hannover geführt hatte. Frau v. Carayon eine schöne Frau von wenig über 36 schien diese Abmachungen für misslich anzusehn und namentlich das Geschenk Hannovers als misslich zu betrachten. „Ich meine, man kann nicht verschenken, was man nicht hat“ bemerkte sie und der neben ihr sitzende Offizir vom RegimentGensdarms küßte ihr die Hand, zum Zeichen seiner besondren Zustimmung. „Ihrer Zustimmung war ich sicher, lieber Alvensleben. Aber sehen Sie wie importabel unser Freund Sander dasitzt und unser Freund Bülow dreht ungeduldig an seiner Schnurrbartspitze. Und so oft ich diese Spitze sehe, ist ein spitzer Stoß nicht fern. Victoire, präsentire oder besser reiche Herrn v. Bülow einige von den Carlsbader Oblaten. Ich weiß, er liebt sie. Das einzige Oestreichische was er gelten lässt.

Der angeredete lächelte vor sich hin und sagte dann zu einem neben ihm sitzenden Herrn mit dunklem Vollbart und Embonpoint: Sander sprechen Sie. Sie haben es gelesen.

Wozu ein schwacher Bericht, wenn
man das Original haben kann. Sprechen Sie selbst. Wenn ich das wiedergebe so ist das wie Spree oder Havel, bei ihnen donnert es wie der Rheinfall bei Schaffhausen. Und ein so feiner Kenner der Herzen wird doch wissen, was Sensation (?) bedeutet, was Frauenherzenwohlthut. Leidenschaft. Sie

Herr
H.
v. Bülow
.

  • 2. Haß gegen Rußland und Oestreich und England. Verachtung Kaiser Alexanders.
  • 3. Am 14. April steht im Morning Chronicle man habe dem MinisterHaugwiz die Fenster eingeworfen. Am 14. aber war v.
    Haugwitz
    H.
    noch gar nicht aus Paris zurück. Es scheint also, daß von England aus der Anstoß kam, es zu thun. – Laß
  • ich also die ganze Scene Ende April oder Anfang Mai spielen, so läßt sich diese Haugwitz-Geschichte als Neuigkeit sehr gut einführen. Und daran reiht sich dann alles andre, Einer von den andren sagt die Stelle: „er corrigirt jeden, schlägt Schlachten auf dem Papier und kann keine Compagnie über einen Graben führen.“
  • 4. „Hannover, welches ein Sitz aller Vorurtheile und des nichtigsten Eigendünckels ist.“ S.
    SieheSeite
    LII.
Fenster eingeworfen.
1. Kapitel
Sind im Salon { Frau v. Carayon
Victoire v. Carayon
Buchhändler Sander
Lieutenant v. Alvensleben
Heinrich v. Bülow.

Herr
H.
v. Bülow
führt das Wort, namentlich gegen Sander gerichtet, dann und wann auch gegen Alvensleben, der sein altmärkischer Landsmann ist.

Zuletzt kommt Schach. Das Gespräch nimmt momentan eine andre Wendung. Schach spricht sehr preußisch, sehr loyal, sehr königlich und prinzlich,
England, das alles Englische überbieten möchte, ist mir vollends zuwider. Unsre preußische Wirthschaft taugt auch nichts, sie ist grundschlecht und Mirabeau hatte Recht als er schrieb: dieses Preußen sei eine Frucht, die schon faule bevor sie reif geworden sei“ aber faul oder nicht, eines haben wir: wir stehen in der Zeit, wir haben eine Ahnung davon, daß die Welt einen Schritt vorwärts gemacht hat, daß sich große Dinge vorbereiten. In Hannover ist alles Stagnation. Adels und Beamten und Professoren Wirthschaft und alles denkt sich das Beste. Wir wissen wenigstens daß wir nichts taugen. Und immer in hergebrachten, conventionellen Formen.
Bülow hört es an und fährt ihn über den Mund, thut sich aber doch noch Zwang an.

Dann trennen sie sich. Alvensleben, Sander, Bülow gehen in eine Weinkneipe. Hier werden Schachs Personalien durchgenommen. Dann wird auf seinen Charakter, seine Eitelkeiten, seine Stellung zu Frau v. Carayon eingegangen. Die beiden ersten, namentlich Sander französiren, Bülow ist heftig, stark verurtheilend in seinen Ausdrücken. Dann freuen sie sich. – 2. Kapitel. Brief von v. Schach an Frau v Carayon. Landpartie. Gespräch über Bülow
et cetera
etc
etc. darin steckt unser Vorzug. Erkenntniß. Ist die da, so kann es wenigstens besser werden. Wir sind ihnen nicht im Einzelnen voraus, aber im Ganzen und darin steckt unser Vorzug. Wir haben nun Gelegenheit zu zeigen was wir können; es ist eine schöne Aufgabe; dazu sind es Deutsche und es verlohnt sich. Auf Polen dürfen Sie nicht recurriren, das war ein Terrain für unsre Abenteurer, und man dachte: Für Polen ist’s gut genug, der Staat strengte sich nicht an; jetzt muß er’s. Und diese Anstrengung wird ihm selber wohlthun.
Victoire, während das Gespräch ging, hatte sich neben die Mutter auf das Sopha gesetzt und sagte: Sie sprechen von
dem Dünkel und Vorurtheil der Hannoveraner. Trifft es uns nicht auch allem Polnischen gegenüber. Sind wir ihnen so überlegen, wie sich alle Welt hier einbildet?

Es schien daß Bülow antworten wollte, als Rittmeister von Schach gemeldet wurde. Gleich darauf trat er ein. Ersichtlich erregt. Er erzählt nun, daß man dem Grafen Haugwitz
die Fenster eingeworfen habe. Bülow erregt. Schimpft auf die Berliner. Es mag dies Hannover ein Danaer Geschenk sein, das er uns ge bracht hat, aber eins hat er uns gebracht, den Frieden, und das ist ungeheuer viel. Es bedeutet unsre Rettung, vielleicht unser Glück. Nun perorirt er los, entwickelt die Schkeit aller Staaten, und die Herrlichkeit der Universalmonarchie.


Ei Nostitz Sie hier? Warum haben Sie geschwizt? Der Hitze halber. heiße Apriltage sondern ist daß er Maikräuter geliefert hat. Also Maibowle.
Via due Macelli. Via Sistina. Via Gregoriana. Piazza di Spagna, Piazza Barberini.

Barskewitz

Großmutter Schack.


Thüringen. 1. Sommer.Garten. Laube.

Es ist Juli und der kleine Garten hinter dem Thüringer-Weberhaus steht in Signora Reinhard, Via di quattro Fontana
Numero
No
  ? (Von Piazza Barberini kommend links von den 4 Fontainen aus ohngefähr das fünfte Haus mit einem Hirsch in Relief über der Hausthür.

Mittag- und Abendessen bei Carlin (deutsch), am oder in Nähe von Piazza Barberini. Gegenüber von Carlin ebenfalls ein deutsches Speisehaus. – Ein andres gutes Speisehaus ist Via due Marcelli; es heißt: Al Genio.“
Maler Dreber: Passeggiata della Ripetta (am Tiber)
Numero
No
1. 1 Treppe
Maler Riedel: Via Margutta
Numero
No
60 (?)
Bildhauer Gèrhardt im selben Hause wie Maler Dreber.
Ehlert empfiehlt: Nedeau in einer
kleinen
kl:
Straße zwischen Corso und Piazza di Spagna,
wahrscheinlich
wahrsch:
Via della Croce. Im Uebrigen: Carlin, tre Ladroni. Falcone. Letzter von diesen der beste.
X X X X X X X X X XFr. Wolffhardt X---xBuchbinder Meister X---xPapierhandlung X X X X X X X X X X X XLeipziger Str. 106
Hôtel Mühlenthal
Rechnung für Herrn Fontane
Lithographische Anstalt von
Lith. Anst. v.
B. Angerstein
von C. C. Graumann.
    Reichsmark
    RM
        28 50
Dankend quittirt sc C. Graumann

Theodor Fontane
geboren
geb.
zu Neu-Ruppin, deutscher Dichter
und
u
Schriftsteller. und zugleich einer der geistvollsten jetzt lebenden Theaterkritiker. – Eine Reihe von Liedern in welchen er in frischer Weise preußische Kriegshelden besingt finden eine große Verbreitung und werden namentlich zu den beliebtesten Schulliederngezählt. Seine „Wanderungen durch die Mark Brandenburg sind ungemein lebensfrisch geschrieben. –