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C5beta

1873.

Gotha.

Hôtel Wünscher am Neumarkt.
Stadtplan (Ausschnitt); Innenstadt von GothaGothaGotha. a Markt Theater Schloß... Orangerie Park... Palais Bahnhof
Theater. Nach der Allee-Seite hinaus im ersten Stock ein Säulengang, wie ein eingebauter aber sehr langer Balkon. Hier – zwischen Erdgeschoß und 1. Stock stehen die Namen: Eckhoff, Winter, Gotter, Beethoven, Goethe. Mozart. Schiller. Gluck. Lessing. Weber. Kotzebue. Benda. Iffland.

(Eckhof, Gotter, Benda, Iffland, wurden in Gotha geboren. Ebenso ist auch Spohr ein Gothaer Kind.

Gespielt wird nur: Januar, Februar, März und April. In den übrigen Monaten in Coburg.
Gotha ist die größte der herzoglich thüringischen Städte. (Gotha 21,000, Weimar 15,000, Eisenach 15,000, Coburg 11,000. Meiningen, Jena, Arnstadt 7000 Einwohner; Hildburghausen 5000 Einwohner. Gotha gilt auch für die schönste und reichste der thüringischen Residenzstädte.

Die ganze Stadt (Gotha) liegt sehr hübsch, hügelauf und ab. Die Promenade, die von der Stadt zum Bahnhof führt, führt an Theater, Orangerie und Palais des Herzogs vorbei. Das Schloß liegt hinter der Orangerie, hoch und beherrscht das Ganze. Corps de Logis, Flügel und in Front der Flügel zwei riesige Pavillons von verschiedener Form.

Das Schloß selbst heißt: „Schloß Friedenstein und ist nur selten bewohnt. Es ist eins der größten Schlösser in Deutschland.

Man kann sagen die ganze Stadt besteht aus der eigentlichen Stadt (alt, unansehnlich)und dem großen Schloßpark, in dem nicht nur das Schloß liegt, sondern an dessen Peripherie auch alles andre Hübsche gelegen ist. Die ganze Anlage ist groß, in Baulichkeiten mehr eigenthümlich als hübsch, im Ganzen aber nicht ohne malerischen Reiz.

Um das vom Herzog bewohnte Palais herum gruppiren sich einige Häuser im
englischen
engl:
Cottage resp. Tudorstyl sogar mit Ladys bower und allem andren Apparat. Natürlich nur ziemlich schwache Leistungen, wahr
scheinlich aus der Prince-Consort Zeit. So unbedeutend sie sind, haben sie doch selbst in dieser schwachen Nachahmung etwas poetisch-Anmuthendes, das den dazwischen gestreuten Bauten von Schinkels letzten Ausläufern durchaus fehlt. Noble Bauten müssen ganz nobel sein, sonst
wirken sie störend und unerquicklich wie Betteladel.

Der Arnoldi der an der Promenade hin ein Denkmal hat, ist der Begründer (1821) der berühmten „Gothaer Feuerversicherungs-Gesellschaft.“ Ebenfalls von Arnoldi herrührend (1827), ist die Lebensversicherungs-Gesellschaft, das größte Institut derart in Deutschland.


Von gleicher Bedeutung sind die literarischen Unternehmungen dieser Stadt. Die Hauptfirmen sind:
die „Gothaischen Kalender: Fürstenhäuser, Grafen, Barone. Immer drei Bände.

Und schließlich „die Gothaer Wurst.“

Es leben jetzt (1873) in Gotha:

Historisches.

In der „kleinen Siebleber-Gasse“, nach dem Markte, befindet sich das Haus des Lucas Kranach und nach ihm sein Schwiegersohn der Kanzler Brück bewohnte. Dieser letztre wurde 1567 während der Grumbachschen hingerichtet.

Das „Schloß“ (Schloß Friedenstein) ist reich an Sammlungen. Die Bilder-Sammlung ist nicht grade ersten Ranges, enthält aber dennoch eine Anzahl ausgezeichneter Arbeiten aus der deutschen und niederländischen Schule. Das Schloß ist sehr groß, aber reiner Kasernenstil mit 2 häßlichen Pavillons; nur die Lage ist schön und eine Art Pfeilerkolonade, die den ganzen Hof umzieht.

Der Blick vom Schloß aus ist sehr hübsch, namentlich nimmt sich auch die treppenförmig niedersteigende Stadt von dieser Höhe sehr gut aus. Man blickt zunächst auf den auch schon hochgelegenen, schräg am Abhang liegenden Hauptmarkt, dann auf Neumarkt und angrenzende Straßen, dann auf die „Allée“ und dann auf die dahinter gelegene Vorstadt.
Mitten auf dem Hauptmarkt erhebt sich das Rathhaus; ebenfalls auf dem Hauptmarkt, an der Ecke der kleinen Siebleber-Gasse (links an der höchsten Stelle des Markts) steht das Lucas-Kranach Haus, jetzt einfach aussehend wie ein Haus aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts. Es ist groß und geräumig, gelbgetüncht; neben dem niedrigsten Rundportal, so daß man es abreichen kann, das Doppelwappen von
Lucas
L.
Cranach
u. Frau. Das seine eine gekrönte Schlange.
Inschrift (ohngefähr) auf einer weißen Marmortafel über dem Portal: Dem Maler der Reformation zum Gedächtniß an seinen 400 jährigen Geburtstag errichtet durch den Kunstverein zu Gotha 1872.

Weimar

(schon 1867 von Kösen aus besucht.)

Sehenswürdigkeiten


Im Residenzschloß:

  • 1. Herderzimmer
  • 2. Schillerzimmer
  • 3. Goethezimmer
  • 4. Wielandzimmer
Alle vier sind mit Fresken geschmückt von Jäger (Herder), Neher (Goethe und Schiller) und Preller (Wieland). Jäger hat allegorische Figuren gegeben, Neher und Preller Gestalten aus den Werken Goethes, Schillers, Wielands. Die Arbeiten Prellers Wieland () sind weitausdie besten.

Im Zimmer der Großherzogin Original-Cartons (Apostel) zu Leonardo da Vincis Abendmahl. In den andern Zimmern Landschaften von Preller, die sieben Raben von Schwind, die Rüstung Herzogs Bernhard.

Im Museum gute Bilder von Lucas Cranach (sein Haus steht am Marktplatz, jetzt dem Buchhändler Hoffmann gehörig) ferner der Cyklus von Wandgemälden zur Odyssee von Preller; Handzeichnungen von Carstens, Cornelius, Schwind, Genelli.

In der Bibliothek die Marmorbüsten von Herder Schiller Goethe (verschiedene) ,, Tieck, Wieland, Winckelmann, Gluck. Hier (in der Bibliothek) befindet sich auch der Chormantel Luthers, das Koller Gustav Adolfs, Goethes Hofuniform und Schlafrock
und anderes mehr
u.a.m.

In der Stadtkirche

Auf dem großen Friedhof befindet sich die Fürstengruft. Hier stehen auch die Särge Goethes und Schillers.

Im Schloßpark die bescheidne Gartenwohnung Goethes.

Eisenach

Die Stadt selbst enthält nicht eigentlich etwas von Bedeutung oder Interesse. Dieses concentrirt sich auf die

Wartburg.


Die „Wartburg“ wurde 1070 von „Ludwig dem Springer“ gegründet und ist eines der schönsten Baudenkmäler romanischen Stils. Seit 1847 nach Ritgen’s Plänen neu aufgebaut.

Die Wartburg enthält zahlreiche Fresken von Moritz v. Schwind, Begebenheiten aus der Geschichte der Burg (Sängerkrieg) und der heiligen Elisabeth darstellend.

Der „Sängerkrieg“ war 1207. Das Bild stellt Heinrich von Ofterdingen und Wolfram von Eschenbach im Singstreite dar.
Luther wurde hier als „Junker Georg“ durch Fürsorge des Kurfürsten Friedrichs des Weisen bei seiner Rückkehr von Worms untergebracht. Er arbeitete hier vom 4. Mai 1521 bis 6. März 1522 fleißig an seiner Bibelübersetzung.

Die Stube (im Ritterhaus, nahe der Burg) in der er arbeitete, ist wenig verändert. Sie enthält einige Erinnerungsstücke: Tisch, Trinkkanne, Rüstung als Junker Georg, Bücherschrank, Briefe, Bildnisse. [Luther selbst nannte diese Stube seine „Einsiedelei“, sein „Luftrevier“, seine „Vogelherberge“, seine „Insel Pathmos“.]

Die Gegenstände, die in dieser Stube aufbewahrt werden, bilden ein „historisches Cabinet“, das allerhand Luther-Erinnerungsstücke enthält, doch sind diese Erinnerungsstücke großentheils später von den verschiedensten Stellen her zusammengetragen worden. Diese Erinnerungsstücke sind folgende:
  • f. ein Wallfischwirbel, auf dem er gesessen (oder als Fußschemel)
  • g. eine Truhe mit den ersten Bibelausgaben.
  • Doch werden die Zusammenkünfte in
    Schmalkalden
    Schm.
    Convente“ genannt.
  • i. ein alter Ofen; dessen Kacheln aus dem Bauschutt ausgegraben und aufs Neue zu einem Ofen zusammengestellt wurden.
  • .

In der Rüstkammer der Burg befinden sich

1817 burschenschaftliches Wartburgfest. Johann Sebastian Bach wurde 1685 zu Eisenach geboren, wo sein Vater Ambrosius Hof- und Stadtmusikus war.

Der Maler Preller wurde 1804 in Eisenach geboren.

Jetzt leben daselbst: Fritz Reuter, Palleske, zeitweilig Rodenberg, Appellationsgerichtsrath Vollmer jetzt Herausgabe des Pitaval.

Arnstadt

Hauptstadt der Oberherrschaft des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen mit etwa 9000 Einwohnern.

Das Rathhaus (alt) dem Brüsseler nachgebildet.

Das Schloß wurde von 1560 an durch den Grafen Günther den Streitbaren prächtig gebaut. Im „Königsgemach“ speiste Gustav Adolf bevor er die Schlacht bei Lützen schlug.

Die Liebfrauenkirche, Pfeilerbasilika aus dem 12. und 13. Jahrhundert, ganz vor Kurzem wiederhergestellt, Hofrath v. Hammer hält sie für die älteste und Puttrich für die schönste Kirche in Thüringen. Am sehenswerthesten sind die herrlichen Denkmäler in der herrschaftlichen Kapelle in deren Souterrain die Särge der Grafen von Schwarzburg stehn. Besonders bemerkenswerth ist das Kenotaphium des vielgefeierten Günther des Streitbaren
geboren
geb:
1529,
gestorben
gest:
1583
der auch das Schloß erbaute; auch der Rathhausbau fällt in den Schluß seiner Regierungszeit..

(Ob Graf Günther von Schwarzburg, der 1348 Kaiser wurde, zu eben dieser Linie gehörte, ergiebt sich nicht. Er hat das schöne Denkmal im Dom zu Mainz.)


Auch jener Graf Günther von Schwarzburg, der 1348 deutscher Kaiser wurde, wohnte zeitweilig in Arnstadt und zwar grade zur Zeit des „Grafenkrieges den er und der Graf von Weimar und Orlamünde gegen den Landgrafen Friedrich den Ernsthaften Thüringen führte. Günther führte die „Gräflichen“
und schlug den Landgrafen bei Eggstedt aufs Haupt. Dies war wahr scheinlich 1342 oder gleich darauf.

In Arnstadt lebte
Willibald
W.
Alexis
; jetzt E. Marlitt (Frl. Elise John. )

Erfurt

Erfurt, früher die Hauptstadt Thüringens, an der Gera, mit Militair (gegen 5000 Mann) 50,000 Einwohner.
Erfurt liegt in außerordentlich fruchtbarer Gegend. Schon Luther sagte: „dies Stück Land ist eine Schmeergrube, wo eine Stadt stehen müßte, wenn sie gleich wegbrennete“.
Die Citadellen heißen: Petersberg und Cyriaksburg.

Uralte Stadt. Schon als der
heilige
heilig.
Bonifacius
ins Land kam, fand er hier einen befestigten Wohnsitz von Ackersleuten vor.

Im Mittelalter zum Hansebund gehörig (ob zu gleicher Zeit landgräflich stehe dahin);

Der Dom, auf einer Anhöhe, in gothischem Stile aufgeführt. Einzelne Theile älter. Die drei Schiffe von gleicher Höhe. 1525 und 1813, also durch Bauernkrieg und
preußische
preuß.
Belagerung
, litt er sehr. 1852 wiederhergestellt. – Der Domthurm hat 10 Glocken, darunter die 275 Centner schwere große Susanne. Im Innern der Kirche:


Bemerkenswerth sind auch die „Säulenbilder“, darunter

Die Severi-Kirche unmittelbar rechts neben dem Dom, wirkt vorzugsweise durch ihre drei schlanken Spitzthürme aus dem 15. Jahrhundert. Früher, im 16. Jahrhundert, wurde in Erfurt vorzugsweise Waidbau getrieben. Luther sagte damals: „Es ist ein fruchtbar Bethlehem gewest, aber nun hat man mit dem Waydt die Aecker also verderbet, daß der Segen zum Fluche worden.“ Als später der Indigo aufkam, ging der Waidbau ein.


In Erfurt fanden im Laufe der Jahrhunderte 21 Reichsversammlungen statt.

Zur Zeit Rudolfs von Habsburg scheint sie vorzugs weise geblüht zu haben (.60,000
Einwohner
Ew.
); es heißt sie habe dem Kaiser 30,000 Mann gestellt zur Unterwerfung der thüringischen Raubburgen.
Luther lebte in Erfurt von 1501 bis 1508, erst als Student, dann als Augustinermönch.
Augustinerkloster, jetzt Martinsstift; man zeigt noch die mit einigen Reliquien ausgestattete Zelle, worin Luther von 1505–8 gelebt und gelitten. (In einer Gallerie ein „Todtentanz“). In der Augustinerkirche 1850 das Unionsparlament.
Erfurt nahm partiell die Reformation an, wurde aber – als es von Kurmainz
abzufallen drohte – von Kurmainz wieder unterworfen.
Es wurde von Mainz aus durch „Statthalter“ regiert. Der letzte war
Karl Theodor
K. Th.
v. Dalberg,
der dann schließlich selbst Erzbischof von Mainz wurde. 1803 wurde dann Erfurt preußisch (bis 1806).


Im
September
Septmb.
und
Oktober
Oktob.
1808
war hier der berühmte, durch Napoleon veranstaltete Monarchen-Congreß“.
1850 das Erfurter „Unions-Parlament“ unter Radowitz. (Tagte in der Augustinerkirche.)

Im 16. Jahrhundert lebte hier Adam Riese, Rechenmeister aus Staffelstein, der hier 1525 sein Rechenbuch herausgab.


Das „Martinsstift war früher das Augustinerkloster. Man zeigt noch die mit einigen Reliquien ausgestattete Zelle, worin Luther von 1505–1508 gelebt und gelitten. In diesem Martinsstift befindet sich auch noch eine lange Gallerie mit einem „Todtentanz.“
Anderthalb Stunden von Erfurt liegt das Dorf Möbisburg. Hier soll die Merwigsburg oder Merovigsburg gestanden haben, die König Meroveus, Stammvater der Merowinger und Befreier Thüringens vom Joche Attilas, erbaut haben soll. Meroveus, heißt es, starb 460. Dies ist wohl alles fabelhaft.

Naumburg.


18,000 Einwohner.

Der Dom
Sankt
St.
Peter und Paul
, aus dem 13. und 14. Jahrhundert, ist ein hervorragender Bau aus der Uebergangsperiode (im Wesentlichen Rundbogen) mit einem westlichen und östlichen Chor, also eine Art Doppelkirche. Unter dem östlichen Chor eine geräumige, 3schiffige Crypta. An den Wandpfeilern des westlichen Chors merkwürdige Skulpturen etwa aus 1250.

Von den drei Thürmen ist der nordwestliche spätgothischen Stils. (Die beiden andern sind östlich.)

In der Stadtkirche befindet sich ein kleines Bild von
Lucas
L.
Cranach
dem Älteren: „Lasset die Kindlein zu mir kommen.“ Gilt als eines der schönsten von der Hand dieses Meisters. Die Kirche selbst nannte Luther wegen ihrer Größe die „Prediger-Mörderin.“
Auch verschiedene Gemälde; darunter Oelbilder von Lucas Cranach. (Siehe Schwerdt & Ziegler
Seite
S.
143)

Der Dom gilt als das „wichtigste Bauwerk welches Sachsen aufzuweisen hat“.
(Die beiden andern sind östlich.)


In dem „Kreisgerichts Gebäude“ (ich glaube, daß dies richtig ist) befindet sich ein ausgezeichnetes allegorisches Fresko Bild (Themis oder
dergleichen
dergl.
) von Hübner oder Bendemann. Ich glaube vom letztren.

Schulpforte.


Von Naumburg über Dorf Altenburg (vulgo Almrich ) und Schulpforta nach Kösen.

Schulpforte, ein zwischen 1137 und 1140 errichtetes Cistercienser-Kloster, wurde 1543 durch Kurfürst Moritz v. Sachsen in eine Gelehrtenschule umgewandelt. Die Zahl der Schüler steigt bis zu 200. Neuerdings alles restaurirt. Schöner Kreuzgang, 85 Fuß langer Speisesaal, am interessantesten vielleicht der Wasch-Saal, oben die Schlafräume. Der Wasch-Saal besteht aus Tischreihen, in welche die Waschbecken eingelassen sind. Aus einer kleinen Metallsäule mit Hahn fließt das Wasser in die Becken, die wiederum unten ein Loch haben, durch welches – bei Entfernung des Metalldeckels – das schmutzige Wasser abfließt.
Portenser: v. Ammon, Hedenus, Ehrenberg, Fichte, Klopstock, Mitscherlich, Lepsius, Ranke, Novalis, Schlegel.
kasernenhafte Erscheinung umgewandelt zu sein.

Rossleben.

Roßleben liegt halben Wegs zwischen Freiburg (1 Meile nördlich von Naumburg) und Frankenhausen, welches letztre wieder in Nähe des Kyffhäuser liegt.

Das ehemalige Nonnenkloster ward 1730 durch Heinrich v. Witzleben in eine Gelehrtenschule umgewandelt, die mit Schulpforte und der Meißner Fürstenschule viel Aehnlichkeit hat. Neuerdings scheint die Schule äußerlich modernisirt und in eine Roßbach liegt so:
Eisenbahnstrecke Ansicht; Rossbach, Kösen, Naumburg. Rossbach Kösen Naumburg (also nördlich der Bahn)

Weissenfels.

16,000 Einwohner. An der Saale.

In dem großen, vielfenstrigen Schloß residirten die ehemaligen, 1746 erloschenen Herzöge von Sachsen Weißenfels-Querfurt. Eine Nebenlinie des kursächsischen Hauses.

Das Schloß ist jetzt Kaserne der „thüringischen Husaren.“

Im Amtshause (am Schloßberg) die sogenannte Schwedenstube“. In dieser Stube wurde, nach der Lützener Schlacht, die Leiche Gustav Adolfs einbalsamirt.

Das Schloß heißt die „Augustusburg ist reich an geschichtlichen Monumenten; Schloßkirche und Fürstengruft. hält im Chor die Reliefgrabplatte des 1080 im Kampfe gegen Heinrich IV. gefallenen Gegenkönigs Rudolf von Schwaben.
Bilder aus der Schule des Lucas Cranach. Darunter: Kreuzigung und Grablegung (unter den Kriegsknechten das Bildniß Luthers)

Das Schloß im 15. Jahrhundert erbaut, im 17. zum Theil erneuert; jetzt Regierungsgebäude. Im Schloßgarten Denkmal des Feldmarschalls Kleist v. Nollendorf, gest. 1823.

Das Schloß hat 5 Thürme. „Im Schloßhof wird der Rabe des Bischofs von gefüttert.“

Corbetha


Knotenpunkt der von Halle und Leipzig aus führenden ThüringerBahn.

Kommt man von Leipzig, so passirt man eine Menge historisch wichtiger Punkte

sen.


„Dadurch daß Napoleon 1806 die Höhen des Kösener Engpasses rechtzeitig besetzte und die preußische Hauptarmee zu umgehen wußte (schon im Rücken unsrer Aufstellung) gewann er die Schlacht bei Auerstädt und sicherte 1813 durch dasselbe Manöver den Rückzug seines flüchtigen Heeres.“

„Die Saale, mit ihrer sehr alten Bogenbrücke (288 Fuß lang) theilt dieStadt in Alt- und Neu- Kösen.“ Gasthof: Zum muthigen Ritter.“ Gradirwerk. Soolbad. – Nächste Plätze: Bahnhof, Waldschlößchen, Kuchengarten. Etwas entfernter: die „Katze“ (Eierkuchen), das „Himmelreich“ und die „Hölle“, Ruine Saaleck, Rudelsburg, Am „Göttersitz“ vorbei führt der Weg nach Roßbach; in Nähe des „Göttersitzes eine Eiche, unter welcher Soubise nach der Schlacht bei Roßbach lagerte.

Merseburg.


13,000 Einwohner. Alte Stadt, schon im 9. Jahrhundert genannt. Lieblingsstadt Kaiser Heinrichs I. und Otto’s I.
968 – 1543 Bischofssitz. Unter den Bischöfen Dietmar von Merseburg, der über die Wendenstädte etc. berichtet hat.
933 (beim Keuschberg) Heinrichs I. großer Sieg über die Ungarn.
Domkirche. Im 10. Jahrhundert gegründet, im 13. Jahrhundert gebaut; ent

Die Chaussée von Markrannstädt nach Weißenfels durchschneidet das Schlachtfeld von Lützen (1632) und führt – zwei Stunden von Markrannstädt und zwei Stunden von Corbetha an dem Denkmal vorüber, das hier dem Gustaf Adolf errichtet wurde.

Besteigt man bei Station Dürren berg einen der vielen „Kunstthürme so überblickt man eine fruchtbare Flachlandschaft mit 8 Städten und 100 Dörfern, ein Terrain auf dem sich zu verschiedenen Malen das Schicksal Deutschlands entschied.

Es giebt also zwei Schlachten bei Lützen:
Dazu kommen drei Schlachten bei Leipzig:


Von Merseburg, resp. Corbetha aus Excursionen nach:

Friedrichrode.

(?) Stadt, eine Stunde von Tabarz.

Der alte Theil des Orts, der sich – in der Tiefe des Kessels – um zwei Kirchen gruppirt, hat im Detail das Malerische, das alle kleinen Bergstädte haben, ist aber zu längrem Aufenthalt völlig unbrauchbar, weil man eingeschlossen in der Tiefe steckt und namentlich an heißen Tagen durchaus aller frischen Luft entbehren muß.

Anders ist es mit der neuen Straße, die sich im Halbkreis um die Wandung des Kessels herumzieht. Es ist eine Villenstraße, die schon als solche höchst anmuthig wirkt, sie hat aber außerdem noch den Doppel- Vorzug der Höhenlage: frische Luft und weite Aussicht, wenigstens so weit, wie das in einem Kessel überhaupt möglich ist. Die Vorzüge Thüringens: Waldberge aus schönen Wiesengründen auf wachsend, finden sich auch hier. Altstadt und Neustadt unterscheiden sich etwa wie folgt:
Umgebungsplan von Altstadt und Neustadt von Friedrichroda, FriedrichrodeFriedrichrodaFriedrichrodeFriedrichsrode. Altstadt
Neustadt
N.

N ist Neustadt, oder die oben beschriebene Villenstraße; im Rücken derselben ragen Bergkuppen auf, ebenso ihr gegenüber. Tabarz ist im Gegensatz zu Friedrichsrode ganz primitiv. Wer Badeleben, Menschen, Toiletten, will, muß nach Friedrichsrode gehn; Tabarz hat mehr frische Luft, mehr Weitblick und größere Einfachheit.

Reinhardsbrunn.

Friedrichsrode liegt in einem Kessel, Reinhardsbrunn dicht daneben in einem andren, so daß sie einzelne Berge und Höhenzüge gemeinschaftlich haben, derart daß die eine Seite dem Friedrichsroder Kessel, die andre dem Reinhardsbrunner angehört.

Der Reinhardsbrunner Kessel ist aber vollständiger ein Kessel als der Friedrichsroder und ist ganz geschlossen während der Friedrichsroder nach Süden zu sich einigermaßen öffnet und einen Weitblick gestattet.
Reinhardsbrunn selbst zerfällt in Gasthof und Schloß, die etwa 5 oder 10 Minuten von einander entfernt liegen. Der Gasthof“ ist das ganz gewöhnliche Gasthaus an der Heerstraße, hübsch gelegen, aber verschwindet neben dem „Schloß“, wo sich die Zauber der Landschaft, der Gothik und eines gewissen englischen je ne sais quoi zu etwas außerordentlich Ansprechendem vereinen. Es war früher ein Benediktiner- oder Cistercienser Kloster und die Formen desselben blicken überall durch. Es will mir sogar scheinen, daß von dem Alten, Ursprünglichen mehr beibehalten wurde, als die Reisehandbücher zugeben.

Schmalkalden

  • 1. Krone. Lutherzimmer. Drei und zwei Fenster. Längsbalken, Bretterdecke, die Klinsen mit schmaleren Brettern unterlegt. Luther und Melanchthon-Bilder. Sommernacht. Der Blick auf den Friedensbaum. „Zur Erinnrung an den Friedensschluß am 10. Mai (?) 1871“ – Stille. Musik. Drüben die Kirche. Die Thurm laterne, was ich bis dahin nie gesehn hatte, war erleuchtet; ich ließ das Fenster auf und während die Sommerluft einzog und die Musik, blickten die drei lichthellen Scheiben von oben her zu mir ins Fenster hinein. Darüber schlief ich ein.
  • 5. Die Kirche. Erst das Lutherstübchen. Dann nach unten in die Sacristei. „Mag die lateinische hier an die Kette gelegt sein, die deutsche gab er frei.


andern sind modern.
Vorderansicht eines kabbalisitschen/freimaurerischen Zeichens; Detailansicht einer Gebäudeinschrift.
Das Sanner sche Haus, jetzt Buchhandlung von Feodor Wilisch. Altes Giebelhaus mit 5 Fenstern an Giebel.
Im zweiten Stockwerk, da wo das Mittel-Fenster sein müßte, fehlt dies Mittelfenster und statt seiner tritt eine Art Wappenschild auf, richtiger wohl ein Erinnerungsschild. In Roccoco-Lichter Umschnörkelung (Rahmen) eine schiefergraue Fläche auf der zu lesen ist: Versammlungshaus der Evangelischen Stände und Theologen bei Verfertigung der
Schmalkaldischen
Schmalkald.
Articul
, Anno MDXXXVII. Aus der Mitte dieser schiefergrünen Flucht, die Inschrift unterbrechend, springt ein Schwan vor, über demselben, integrirende Theile der Rahmen-Umschnörkelung bildend, drei Symbole vergoldet auf Schiefergrund: links ein Kreuz in Rosen, rechts die um das Kreuz gewundene Schlange (vielleicht die „eherne Schlang“ die im Moses vorkommt) in der Mitte ein kabbalistisches oder kirchlich freimaurerisches Zeichen, etwa so: eine 4 mit angeführtem I oder L und drunter befindlichen Herzzug, in dessen drei Schleifen drei Buchstaben sind, zwei wie ein S, eins wie ein λ. Darunter ebensolche Tafel wie an der „Krone“, dem Andenken an Martin Luther gewidmet von Stadt Schmalkalden am 31. Oktober 1817. Das Ganze macht nach Schrift, Umrahmung, Ornament etc. den Eindruck als müsse es aus dem 17. Jahrhundert stammen, entweder nach dem 30 jährigen Krieg oder kurz vorher.

Die Straßeninschriften fehlen, weder Steinstraße noch Lutherplatz.

Das Haus sauber, grau-grün abgeputzt.

Die Rosen-Apotheke in der Steinstraße ein sauberes, rosenfarben abgeputztes, ganz die Bauweise der Zeit tragendes Haus, mit drei breiten portalartigen Rundbogen-Fenstern zwei unten (rechts und links von der Thür) eines über der Thür. Die. An den 4 großen Fensterläden sind Bilder eine blühende Aloë, eine Ananas, ein König Salomo oder sonst ein gekrönter Herr und eine Dame mit Lorbeerkranz und Lilie die Sieg und Frieden bringt. Vielleicht aus der Zeit nach dem 30 jährigen Kriege, wahrscheinlich aber erheblich |(1660) später. Die Jahreszahl über der Hauptthür zeigt in einen Stein gegraben die Zahl 1545. Das Haus stammt also aus der Nach Melanchthon-Zeit.
Genau dieselbe kleine Blechtafel, wie bei Wilisch sehr abstechend an Werth von den alten Entwicklungen im 17. Jahrhundert, befindet sich auch an der Krone über dem Stockwerk des Lutherzimmers. Das große hessische zwei Löwen-Wappen.

Die Bilder an der Rosenapotheke sind wahrscheinlich aus dem Jahre 1660. Die Melanchthon-Angabe mißlich.

Grüne Zettel: Großes Mechanisches Kunsttheater (von Lippold) mit zwei Ellen hohen Figuren. Der Freischütz. Erster Rang 5
Silbergroschen
Sgr
, Gallerie 2
Silbergroschen
Sgr.


Eine kleine Thurm-Wendeltreppe hinauf, befindet man sich in einem Raum von 10 Schrittlange und 6 Schritt Breite, eine Ecke bildend so daß die 2 gothischen Fenster einen rechten Winkel bilden. Nach gothisch gewölbt und bemalt. Die 4 Evangelisten, drei in den Thiergestalten, Matthäus als Figur aber geflügelt, allerhand Blumwerk umrankt die Kappen und Gurte (??): Disteln, Lilien, Passionsblumen, dazu eine Menge alter Schildereien, wenigstens zehn, alle aus viel spätrer Zeit, alte Bücher Luthers Werke; aber auch andres. in Schweinsleder auch wohl später, drei hochlehnige Stühle mit gepreßtem Leder (Lilien
et cetera
etc
drauf), dito Tisch mit Blanknägel angenagelter Lederdecke, ein andrer alter Tisch etc. Wie viel daran luthersch, ist unsicher. Nur eine alte dreifußartige gußeiserne Kohlenpfanne gilt als aus der Luther Zeit. Nach der Kirche zu ein kleines lukenartiges durch eine Holz-Lade geschlossenes Fenster wurde vom Küster leise geöffnet.. [Durch dasselbe blickt man auf die Kanzel gegenüber und die ganze Kirche rechts und links.] Während ich da war, sang eine Morgen Gemeinde zugleich eine Armen-Gemeinde. Dann schwieg es und während ich meine Notizen machte, sprach die Stimme des Geistlichen den Segen. Ich schrieb nicht weiter. Dann erst trat ich hinan und blickte in die alte Kirche hinein. Choralbuch, sehr großes, 1549. Die schweins ledernen Bände im großen Saal sind Luthers Werke.
Als er des Papstes Bannn
brief kühn ver
brannte.
Und als 1 Jahr darauf
zum sichren Wartburg
Haus,
Von Freundes Hand geschirmt
er seine Schritte
wandte.
er seine Schritte
wandte.
Beim Holzstoß der vor
Wittenberg geflammt
Verzehrend Papst-Gesetz sammt
seinem grimmen Fluche
Wie bei dem Holz der hohen
Denkt an den Segen der von
Zum Andenken gemacht von Ludwig Bechstein. Datum fehlt.
Unter dem „Lutherstübchen“ befindet sich von gleicher Form und Größe die gothische Sakristei. Sie ist reich an Sehenswürdigkeiten, besonders an Abendmahlskelchen. Einer davon, ein Geschenk von Hanrat aus Fritzlar wie die Inschrift besagt, trägt einen Hahn als Wappen und die Jahreszahl 1504. Dieses Kelchs soll sich Luther bei der Abendmahlsvertheilung bedient haben. Die andern Kelche sind später, mit Ausnahme eines kleinen, muthmaßlich aus dem 15. Jahrhundert, der kein andres Ornament zeigt, als am Fuß
Vorderansicht eines Kelchs.
einen gekreuzigten Christus aber ohne Kreuz. Dies macht einen eigenthümlichen und bedeutenden Eindruck. Außerdem befindet sich hier eine lateinische Bibel, deren sich Luther beim Gottesdienst bedient haben soll. Sie liegt an einer eisernen Kette.
In der Rosenapotheke theilte mir der Besitzer mit, die eine Figur solle Hippocrates, die andre Theophrastus Paracelsus sein. Anfangs bezweifelte ich dies, wegen des fabelhaften Costüms; schließlich mußte ich ihm aber doch Recht geben. Hippocrates tritt ohngefähr auf wie Alexander der Große, oder überhaupt ein siegreicher antiker Held; er trägt Brustharnisch und Beinschienen, ein Imperator-Costüm, dazu einen Lorbeerkranz auf dem Haupt und einen Scepter in der Linken. Theophrast trägt ein grünes Wams mit einem kurzen, crenelirten und roth bordirten Kragen, dazu eine Krone auf dem Haupt, freilich fast wie von Papierkram, eine Art polnischer Ranke mit einer seltsamen Krone von der man nicht weiß ob sie Ernst oder Spaß sein soll. Diese beiden Costüme machten mich stutzig und ich glaubte, beide müßten andre Figuren sein. Ich glaube aber schließlich doch, daß der Apotheker Recht hat. Denn die beiden Inschriften in den Ecken lauten: Hippocrates (auf dem oder Theophrastus Paracelsus) alterum regnum naturae representans. Jeder repräsentirt also ein Reich der Natur: Hippokrates das Pflanzen-,
Theophrastus
Th.
Paracelsus
das Mineral-Reich. Und so ist es auch in Bezug auf die Figuren. Denn Hippokrates hält eine Pflanze in Händen, die Pfefferminz oder Melisse zu sein scheint, Paracelsus hat einen Vorrathssack auf dem die Namen einiger Mineralien stehn. So sind die beiden Schulen charakterisirt. Gemacht nach Angabe des Herrn, wahr scheinlich 1660.

Dann wieder zu Herrn Wilisch. Er führt mich nun zwei Treppen hoch. Das Haus ist sehr intressant, aber alles aus spätrer Zeit. Die Lutherstube ist sehr intressant, dadurch daß sie Herr
Wilisch
W.
bewohnte und nicht ein bloßes Curiosum daraus macht, gewinnt sie. Es ist also das Zimmer in dem Luther wohnte oder die „Articul“ entwarf, daran ist nicht zu rütteln. Das Gegentheil ist nicht zu beweisen. Aber das Zimmer ist es nicht mehr. Es ist ein sehr angenehmes, wohnliches, andres Zimmer mit einer intressanten Stuck-Decke, aber auch diese Stuck-Decke – das einzige verbliebene Alte – ist mindestens 100 Jahre später als die Luther zeit. Es deckt sich vollständig mit der Außen-Inschrift. Man sieht deutlich, daß das Haus um 1660 oder vielleicht noch später von einem sehr wohlhabenden Mann bewohnt gewesen ist – oder vielleicht auch daß es von Staatswegen (Hessen) geschah – der seine Ehre darin setzte, dies Lutherhaus, so recht Luthers würdig zu machen. Aber die Formen die er dazu wählte, waren die Formen seiner Zeit. Er conservirte nicht das Alte, was er vorfand, sondern stiftete etwas Neues, seiner Zeit Angehöriges zum Gedächtniß. Die Zimmer-Ecke ist durch einen Längsbalken getheilt und jede Hälfte wieder hat seine Wappenfelder, die dieselbe Band-Umrahmung zeigen wie das Wappenfeld draußen. Eins ist das hessische, das andre das luthersche Wappen, nämlich das Kreuz in Rosen und die eherne Schlange am Kreuz. Zwei Felder haben blos die Umrahmung sind aber leer geblieben; vielleicht hatten sie ursprünglich Inschriften, ja das ist sehr wahrscheinlich. An dem Balken hin zieht sich eine reiche StuckOrnamentik: Früchte, Blätter, Engelsköpfte. Herr Wilisch hat auch noch eine Glasmalerei in diesem Zimmer: Luther und Melanchthon darstellend, neben Luther, etwa wie der Pfau neben der Juno, der Schwan. Auch hierin zeigt sich die Renaissance-Zeit der Entstehung. Außerdem eine große Luther-Medaille aus dem Jahre 1520, wenn es Luther ist. Diese ist sinnreich eingerahmt, derart, daß die Medaille wie auf einem Briefbogen oben ist, wahrend der Platz darunter einige Reimzeilen trägt. Die Umrahmung ist aus dem Holz der Lutherbuche bei Salzungen oder Möhra (siehe Schwert & Ziegler) gemacht, nachdem diese Buche gefällt war. Die Verse selbst lauten: Sie rühren von
Ludwig
L.
Bechstein
her, der auch das Ganze hierher geschenkt hat. – Das Nebenzimmer hat eine ähnliche Einrichtung; auch Stuck-Decke, aber andre Ornamente. Die Anspielungen auf Luther fehlen. Oben auf dem Boden altes Hausgeräth: Tische, Stühle, Bilder, aber alles später, selbst die Stühle die gedrehte Füße haben. Gedreht wie eine Schraube
aus viel spätrer Zeit, alte Bücher Luthers Werke; aber auch andres. in Schweinsleder auch wohl später, drei hochlehnige Stühle mit gepreßtem Leder (Lilien
et cetera
etc
drauf), dito Tisch mit
Fenster wurde vom Küster leise geöffnet.. [Durch dasselbe blickt man auf die Kanzel gegenüber und die ganze Kirche rechts und links.] Während ich da war, sang eine Morgen Gemeinde zugleich eine Armen-Gemeinde. Dann schwieg es und während ich meine Notizen machte, sprach die Stimme des Geistlichen den Segen. Ich schrieb nicht weiter. Dann erst trat ich hinan und blickte in die alte Kirche hinein. Choralbuch, sehr großes, 1549. Die
Vorderansicht einer Schraube.

Schmalkalden


Schmalkalden. Adler. Krone.

Lichtenfels.

Gasthof zur Krone.

Weiter rechts auf der Höhe die
ansehnlichen
ansehnl:
Gebäude des alten 1803 aufgehobenen Benediktinerklosters Banz ; vom Altan schöne Aussicht; Eigenthum des Herzogs Max; reiche Sammlung von Versteinerungen; schöne Kirche mit zahlreichen Reliquien; bescheidene Restauration.

Gegenüber links die reichgeschmückte Klosterkirche Vierzehnheiligen“.

Coburg.

Hôtel Leuthäuser. Grüner Baum. Traube. (Alle drei mit Stern).
Markt. Moritzkirche. Gymnasium.
Minister
Minist:
Rath Rose’s Haus
(Jean Paul, Flegeljahre).
Rückertstraße mit Rückerthaus (Rückert-Medaillon).

Schloßplatz. Schloß. Schauspielhaus. Hauptwache. Schloß; „Ehrenburg“ genannt.

Veste Coburg.“ (Dies ist die Hauptsache.). 1 Person 24 Kreuzer Trinkgeld, Gesellschaft 1 Gulden..
Rosenau.
Neuses. (Gegenüber, am andern Itz-Ufer, Denkmal über dem Grabe Thümmels.)
Von Schmalkalden nach Wernshausen 1 Stunde.

Dann von Werns hausen nach Immelborn. Von Immelborn bei Ankunft eines jeden Zuges Post nach Liebenstein.

Also bei der Rückreise von Coburg bis Immelborn fahren.
Von Wernshausen nach Lichtenfels
9 Uhr 59 Minuten früh
5 Uhr 6 Minuten Nachmittag
Ankunft in Lichtenfels
12 Uhr 53 Minuten Mittags
8 Uhr 11 Minuten Abends Zu besorgen.
  • 2 ℔ Stückezucker, 2 ℔ Kochzucker.
  • Buchweizengrütze.
  • Tapisserie-Nadel. Stopfnadel.
Christian Schleichert

Ebenheim
14 Stunde von Waltershausen.

Friedrichsrode bloßer Platz für Sommerfrischlinge ohne
besondere
bes.
Sehenswürdigkeiten. – Reinhardsbrunn früher reiche Benediktiner-Abtei, 1525 im Bauernkrieg zerstört, dann Weimarscher, dann Gothascher Besitz. Das Jagdschloß zu großem Theil aus der alten Abtei hervorgegangen. –
Schmalkalden. Verschiedene Oertlichkeiten, die sich auf den „
schmalkaldischen
schmalkald.
schmalkaldischen
Bund
beziehn“. Neun Convente fanden statt. Der 1. schon 1530. Der berühmteste war der von 1537, wo Luther kaldischen Artikel die schmal aufsetzte.
Hippocrates der eine, Theophrastus Paracelsus alterum
regnum naturae representures.Von Schinkel selbst ist für Gotha keine Bautätigkeit nachgewiesen, sondern lediglich ein nicht ausgeführter Entwurf für das Theater (1837); vgl. Thieme/Becker, s.v. Schinkel, Karl Friedrich.Diese Zeichnungen gelten heute als Kopien; vgl. Thieme/Becker, s.v. Leonardo da Vinci.Die einzigen Porträtbüsten Ludwig Tiecks, Johann Joachim Winckelmanns und Christoph Willibald Glucks im Besitz der Herzogin Anna Amalia Bibliothek sind aus Gips, nicht aus Marmor; vgl. Oswald 1995, S. 240-252. Es befinden sich zwei verschiedene Marmorbüsten Wielands im Besitz der Herzogin Anna Amalia Bibliothek; vgl. Oswald 1995, S. 252.Heute geht man davon aus, dass dieses Werk von Lucas Cranach dem Älteren begonnen und von Lucas Cranach dem Jüngeren vollendet wurde; vgl. Dehio, Thüringen.Dieses Werk ist mittlerweile zumindest teilweise Veit Thiem zugeschrieben; vgl. Thieme/Becker, s.v. Thiem (Thieme, Thim, Thym), Veit sowie Jursch 1955, S. 84.Dieses Grabmal befindet sich nicht im Mainzer Dom, sondern im Dom zu Frankfurt am Main; vgl. Dehio, Hessen.Die Anbetung der Könige gilt mittlerweile nicht als das Werk Cranachs, sondern stammt „wohl aus dem Umkreis des Peter von Mainz“; vgl. Dehio, Thüringen.Bisweilen Hans Vischer, dem Sohn Peter Vischers des Älteren, zugeschrieben; vgl. Dehio, Thüringen.Dieses Grabmal wird mittlerweile auf das 3. Viertel des 13. Jahrhunderts datiert; vgl. Dehio, Thüringen.Vermutlich die zwei Altarflügel mit Heiligen und Stiftern, deren Zuschreibung an Lucas Cranach den Älteren allerdings umstritten ist; vgl. Friedländer/Rosenberg 1932, 353g sowie Schade 1974, S. 46.Möglicherweise Eduard Bendemanns Gemälde „Der Tod Abels“ im Naumburger Schwurgerichtshof (Ölwachsfarben auf Leinwand, kein Fresko - die diesbezügliche Angabe im AKL s.v. Bendemann, Eduard Julius Friedrich, auf die sich auch in HFA III, Bd. 3/2 Bezug genommen wird, ist irreführend). Allerdings hatte Fontane bereits 1867 auf seiner vorhergehenden Thüringenreise dieses Gemälde gesehen und im Notizbuch A18 präzise identifiziert als „Bendemanns Bild: ‚die Ermordung Abels; der Engel der Gnade und der Gerechtigkeit in den Wolken‘“; vgl. Boetticher, s.v. Bendemann, Eduard.Das Medaillon ist vermutlich später entstanden, da die Inschrift mit der Jahreszahl 1520 nicht unbedingt das Entstehungsjahr angibt; vgl. Steffens 2008, S. 183 sowie Ficker 1920, S. 37.