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C5beta

  • (Thüringen. Auf
    enthalt in Tabarz.
    Gotha. Eiſenach.Coburg
    Neuſeß. Schmalkalde
    etc. etc

Gotha.

Hôtel Wünscheam Neumarkt
Stadtplan (Ausschnitt); Innenstadt von GothaGothaGotha. MarkTheateSchlo... Oran-geriPar... Pa-laiBahnho
  • a. Neu-markKircheHotel
Theater. Nach deAllee-Seite hinaueiim erſten Stocein Säulengangwie ein eingebauter aber ſehlanger BalkonHier – zwiſchen Erdgeſchoß und 1. Stocſtehen die NamenEckhoff, WinterGotter, BeethovenGoetkhe. MozartSchiller. GluckLessing. WeberKotzebue. BendaIffland
(Eckhof, Gotter, BendaIffland, wurden in Gotha geborenEbenſo iſt auch Spohr ein Gothaer Kind
Geſpielt wird nur: Januar, Februar, März unApril. In den übrigen Monaten in Coburg
Gotha iſt die größte der herzoglicthüringiſchen Städte. (Gotha 21,000, Weimar 145,000, Eiſenach 15,000, Cobur11,000Meiningen, Jena, Arnſtadt 7000 EinwohnerHildburghauſen 5000 EinwohnerGotha gilt auch für die ſchönſte unreichſte der thüringiſchen Reſidenzſtädte
Es Die ganze Stadt (Gotha) liegt ſehr hübſchhügelauf und abDie Promenade, divon der Stadt zuBahnhof führt, führan Theater, Orange-ri und Palais desHerzog vorbei. DaSchloß liegt hinteder Orangerie, hocund beherrſcht das GanzeCorps de Logis, Flügeund in Front der Flügel zwei rieſigPavillons von verſchiedener Form
Das Schloß ſelbſt heißt: „Schloß Friedenſteinund iſt nur ſelten bewohnt. Es iſt eins degrößteSchlöſſer iDeutſchland
Man kann ſagedie ganze Stadbeſteht aus deeigentlichen Stad(alt, unanſehnlichund dem großeSchloßpark, in denicht nur das Schloliegt, ſonderan deſſen Peripherie auch alleandre Hübſche gelegen iſt. Diganze Anlage iſgroß, in Baulichkeiten meheigenthümlich alhübſch, im Ganzeaber nicht ohnmaleriſchen Reiz
Um das vom Herzog bewohnte Palaiherum gruppireſich einige Häuſeim engl: englischen Cottagreſp. Tudorſtyſogar mit Ladys boweund allem andreApparat. Natürlicnur ziemlich ſchwachLeiſtungen, wahr
ſcheinlich aus dePrince-ConsortZeit. So unbedeutend ſie ſind, habeſie doch ſelbſin dieſer ſchwacheNachahmung etwapoetiſch-Anmuthendes, das den dazwiſchen geſtreutengeſtreutenBaute von Schin-kel letzten Ausläufern durchaufehlt. Noble Bauten müſſen gannobel ſein, ſonſ
wirken ſie ſtörenund unerquicklich wiBetteladel
Der „Arnoldi“ der ader Promenade hin eiDenkmal hat, iſt deBegründer (1821) der berühmten „Gothaer Feuer⸗verſicherungs⸗Geſellſchaf.Ebenfalls von Arnoldherrührend (1827), iſt die Lebens⸗verſicherungs⸗Geſellſchaf, dagrößte Inſtitut derarin Deutſchland

Von gleicher Bedeutunſind die literariſcheUnternehmungen dieſeStadt. Die Hauptfirmeſind
  • F. A.Friedrich Andreas Perthes (theologiſche Literatur; ſtrengerRichtung) un
  • Justus Perthes dean der Spitze des berühmte„geographiſchen Inſtituts ſteht. *Dies Inſtitut befindet ſich in einer Seitenſtraße der „Allee“, rechts wenn man vom Bahnhof kommt. Ebenſo berühmt ſind

die „Gothaiſchen Kalender“Fürſtenhäuſer, GrafenBarone. Immer drei Bände
Und ſchließlich „die Gothaer Wurſt.
Es leben jetzt (1873in Gotha
    A.Adolf BubeG.Gustav FreytagFr.Friedrich Gerſtäcker
  • Aſtronom Hansen (bedem ſein SchwiegerſohnBayard Taylo ofanweſend iſt)
  • A.August PetermannOberhofprediger SchwarzTempelteyWalesrode
  • ApfelweindoktoPetſch
  • Maler Gurlitt

Historisches.

In der „kleinen Siebleber⸗Gaſſ“, nach dem Marktebefindet ſich das Haus desLucas Kranac und nacihm ſein Schwiegerſohn deKanzler Brück bewohnteDieſer letztre wurde 156während der Grumbach⸗ſchen Hände hingerichtet
Das „Schloß“ (SchloßFriedenſtei) iſt reican Sammlungen. DiBilder-Sammlung iſt nichgrade erſten Rangesenthält aber dennoceine Anzahl ausgezeichneter Arbeiten aus dedeutſchen und niederländiſcheSchuleDas Schloß iſt ſehgroß, aber reineKaſernenſtil mit 2 häßlichen Pavillons; nudie Lage iſt ſchön und eine Art Pfeilerkolonade, die den ganzen Hof umzieht
Der Blick vom Schloß auiſt ſehr hübſch, namentlicnimmt ſich auch die treppenförminiederſteigende Stadt von dieſeHöhe ſehr gut aus. Man blickzunächſt auf den auch ſchohochgelegenen, ſchräg am Abhang liegenden Hauptmarktdann auf Neumarkt und angrenzende Straßen, danauf die „Allée“ und danauf die dahinter gelegenVorſtadt
Mitten auf dem Hauptmarkerhebt ſich das Rath⸗hau; ebenfalls audem Hauptmarkt, ader Ecke der kleinenSiebleber⸗Gaſſ (linkan der höchſten Stelldes Markts) ſteht daLucas-Kranach Haus, jetzeinfach ausſehend wiein Haus aus dem Enddes vorigen JahrhundertsEs iſt groß und geräumiggelbgetüncht; neben deniedrigſten Rundportal, ſdaß man es abreichen kanndas Doppelwappen von L.LucasCranac u. Frau. Das ſeineine gekrönte Schlange
Inſchrift *(ohnge- fähr) * anauf einer weißen Marmortafel übedem Portal: Dem Maler der Reformation zuGedächtniß an ſeinen 400 jährigen Geburtstag errichtet durch den Kunſtverein zu Gotha 1872

Weimar

(ſchon 1867 voKösen aus beſucht.)

Sehenswürdigkeiten

    1. Herders Wohnhau
    2. Wielands
    3. Schillers
    4. Goethes
  • 5. Goethes Garten unGartenhaus

  • 6. 7. und 8. Herder’s, Wielandund Goethe-Schiller⸗Statue

  • 9. Fürſtengruf

  • 10. Schloß. Theater. Mu⸗ſeu. Bibliothek
  • Goethes Wohnhaus aGoethe-Platz (vermiethet und nicht zu ſehn)
  • Schillers kleines Haus ider Schillerſtraße
  • Herder wohnte im Pfarr-hau, unmittelbar an deStadtkirche
  • Wielands Haus am Theatenördlic

Im Residenzschloß:

    1. Herderzimme2. Schillerzimme3. Goethezimme4. Wielandzimme
Alle vier ſind mit Freske geſchmückt von Jäger (Her⸗de), Neher (Goethe unSchiller) und Preller (Wie-lan). Jäger hat allego-riſche Figure gegebenNeher und Preller Geſtal-ten aus den Werken Goe-thes, Schillers, WielandDie Arbeiten PrellersWielan() ſind weitaudie beſten
Im Zimmer der Großherzogin Original-CartonsOriginal-Cartons(Apoſtel) zu Leonardoda Vincis AbendmahIn den andern ZimmerLandſchaften von Prellerdie ſieben Raben von Schwind die Rüſtung Herzogs Bern-hard v. Weima
Im Muſeum gutBilder von Lucas Cranac(ſein Haus ſteht am Marktplatzjetzt dem BuchhändlerHoffman gehörigferner der Cyklus vonWandgemälden zur Odyſſevon Preller; Handzeichnungen von CarstensCornelius, Schwind, Ge⸗nell
In der Bibliothedie MarmorbüſtenMarmorbüſten vonHerderSchillerGoethe (verſchiedene , Tieck, WielandWinckelmann, Gluck Hier (in der Bibliothekbefindet ſich auch deChormantel Luthersdas Koller Guſtav AdolfsGoethes Hofuniforund Schlafrock
und anderes mehr
u.a.m.

In der Stadtkirch
  • 1. eine Kreuzigung (großeine Kreuzigung (großund ſchön) von LucasCranac
  • 2. ein kleines Bild Luther’nals Mönch, JunkerGeorg und Greis dar-ſtellen befindet ſich ider Sacriſtei ( Von einem( Von einemSchüler CranachsNamen Vische mi herrührend
  • 3. Herzog Bernhards Grabplatt4. Herders Grabplatte
    5. Lucas Cranachs Grabdenkma
  • 6. Herders Standbild (an deKirche)

Auf dem großeFriedhof befindet ſicdie Fürſtengruft. Hieſtehen auch die SärgGoethes und Schillers
Im Schloßpardie beſcheidne Garten-wohnung Goethe

Eisenach

Die Stadt ſelbſt enthält nicht eigentlich etwavon Bedeutung oder IntereſſeDieſes concentrirt ſicauf di

Wartburg.

Die „Wartburg“ wurd1070 von „Ludwig demSpringe“ gegründet uniſt eines der ſchönſten Baudenkmäler romaniſcheStils. Seit 1847 nacRitgen’s Plänen neaufgebaut
Die Wartburg enthält zahlreiche Freske von Moritz v. SchwindBegebenheiten aus derGeſchichte der Bur (Sän-gerkrie) und der heiligenEliſabet darſtellend
Der „Sängerkrieg“ wa1207. Das Bild ſtellHeinrich von Ofterdingen unWolfram von Eſchenbach iSingſtreite dar
Luther wurde hieals „Junker Georg“ durcFürſorge des KurfürſteFriedrichs des Weiſen beſeiner Rückkehr von Wormuntergebracht. Er arbeitete hier vom 4. Ma1521 bis 6. März 152 fleißig an ſeiner Bibelüber-ſetzun
Die Stube (im Ritterhausnahe der Burg) in der earbeitete, iſt wenig verändert. Sie enthält einigErinnerungsſtücke: Tiſch, Trinkkanne, Rüſtung als JunkerGeor, Bücherſchrank, BriefeBildniſſe. [Luther ſelbſnannte dieſe Stube ſein„Einſiedelei“, ſein „Luftrevier“ſeine „Vogelherberge“ſeine „Inſel Pathmos“.
Die Gegenſtände, diin dieſer Stube aufbewahrwerden, bilden mehein „hiſtoriſches Cabinet“ das allerhand Luther⸗Erinnerungsſtücke enthältdoch ſind dieſe Erinnerungsſtücke großentheils ſpätevon den verſchiedenſteStellen her zuſammengetragen worden. DieſErinnerungsſtücke ſind folgende
  • a. ein Tiſch aus deLutherhauſe in Möhra
  • b. LuthersPortrait und ſeinerEltern, voLucas Cranach
  • c. ein eigenhändigeBrief von Luther
  • d. ſeine Kurrentbüchſe
  • e. ein Bett, wori
  • er auf Burg Gleichegeſchlafen
  • f. ein Wallfiſchwirbelauf dem er geſeſſen (oder als Fuß- ſchemel) g. eine Truhe mit den erſten Bibelausgaben. h. ein gothiſcher Schrank mit den Akten der „evan⸗geliſchen Conferenz“ (viel- leicht der Conferenzen, die in Schmalkalden ſtatt- fanden. Doch werden die Zuſammen- künfte in Schm.Schmalkalden „Convente“ genannt. i. ein alter Ofen; deſſen Kacheln aus dem Bauſchutt ausgegraben und aufs Neue zu einem Ofen zuſammengeſtellt wurden.
In der Rüſtkammeder Burg befinden ſic
  • 1. die Rüſtungen von Kunzvon Kaufunge und devon ihm geraubten PrinzeAlbert und Ernſt. (Gründeder Albertiniſchen und Erneſti⸗niſchen Lini.
  • 2. die Rüſtungen Hein⸗richs II. von Frankreicund des Papſtes Julius IIDieſe gelten für ächtvon den unter I. genannten iſt es zweifelhaft

1817 burſchenſchaftliches Wartburgfeſt Johann Sebaſtian Bacwurde 1685 zu Eiſenacgeboren, wo ſein VateAmbroſius Hof⸗ unStadtmuſikus war
Der Maler Prellewurde 1804 in Eiſenacgeboren
Jetzt leben daſelbſtFritz Reuter, Palleskezeitweilig RodenbergAppellationsgerichtsrath Vollmejetzt Herausgabe des Pita⸗va

Arnstadt

Hauptſtadt der Oberherrſchaft des Fürſten-thums Schwarzburg⸗Son⸗dershauſe mit etw9000 Einwohnern
Das Rathhaus (altdem Brüſſeler nachgebildet
Das Schloß wurde vo1560 an durch deGrafen Günther denStreitbare prächtig gebaut. Im „Königsgemachſpeiſte Guſtav Adolbevor er die Schlacht beiLütze ſchlug
Die Liebfrauen⸗kirch, Pfeilerbaſilikaus dem 12. und 13Jahrhundert, ganz voKurzem wiederhergeſtelltHofrath v. Hammer hälſie für die älteſte unPuttrich für die ſchönſtKirche in ThüringenAm ſehenswertheſteſind die herrlicheDenkmäler in deherrſchaftlichen Kapellin deren Souterraidie Särge der Grafenvon Schwarzbur ſtehnBeſonders bemerkenswertiſt das Kenotaphiumdes vielgefeierten Güntherdes Streitbare geb: gebore1529, geſt: gestorben 1583 der auch das Schloß erbaute; auch der Rathhausbau fällt in den Schluß ſeiner Regierungszeit.
(Ob Graf Günthervon Schwarzbur, de1348 Kaiſer wurdezu eben dieſer Linigehörte, ergiebt ſicnicht. Er hat dasEr hat dasſchöne Denkmalim Dom zuMain.

Auch jener GraGünther von Schwarz-bur, der 134deutſcher Kaiſer wurdewohnte zeitweiliin Arnſtadt unzwar grade zur Zeides „Grafenkriegesden er und der Grafvon Weimar und Orla-münd gegen deLandgrafen Friedrichden Ernſthaften vonThüringe führte. Güntheführte die „Gräflichen
und ſchlug den Landgra-fe bei Eggstedt aufHaupt. Dies war wahrſcheinlich 1342 odegleich darauf
In Arnſtadt lebte W.Willibald Alexisjetzt E. Marlitt (Frl. Elise John.

Erfurt

Erfurt, früher die Hauptſtadt Thü-ringens, an der Geramit Militair (gegen 500Mann) 50,000 Einwohner. Erfurt liegt in außerordentlich frucht- barer Gegend. Schon Luther ſagte: „dies Stück Land iſt eine Schmeergrube, wo eine Stadt ſtehen müßte, wenn ſie gleich wegbrennete“. Die Citadellen heißen: Petersberg und Cyriaksburg.
Uralte Stadt. Schon alder heilig.heilige Bonifacius inLand kam, fand er hieeinen befeſtigten Wohnſitvon Ackersleuten vor
Im Mittelalter zum Hanſe⸗bun gehörig (ob zu gleicheZeit landgräflich ſtehe dahin)
    dann zu Kur⸗Mainzdann (von 1802–6) zu Preußendann (bis 1814) zum Königr.Königreich Weſtphaleſeit 1816 preußiſch

Der Dom, aueiner Anhöhe, in gothiſcheStile aufgeführt. EinzelnTheile älter. Die drei Schiffvon gleicher Höhe. 152und 1813, alſo durch Bauern-krie und preuß.preußische Belagerunglitt er ſehr. 1852 wiederhergeſtellt. – Der Domthurm hat 10 Glockendarunter die 275 Centneſchwere „große Suſanne“Im Innern der Kirche
  • a. „Krönung der Jungfrau“ein Erzguß von P.Peter Vischer
  • b. Darſtellung der Transſub⸗ſtantiatio (Oelbild) 153
  • c. der große Christoph (Oelbild) 1499
  • d. Grabſtein des Grafen v.v. Gleichen mit ſeinenbeiden Fraue, eins debedeutenderen Denkmäleder Bildhauerkunſt des 12.12Jahrhunderts


Bemerkenswerth ſinauch die „Säulenbilder“darunte
  • die Anbetung der Heilige(wahrſcheinlich der heiligedrei Könige) un
  • die Mutter mit demJeſuskind, beidvon Cranach

Die Severi-Kirchunmittelbar rechts neben deDom, wirkt vorzugsweiſe durch ihre dreſchlanken Spitzthürmaus dem 15. JahrhundertFrüher, im 16. Jahrhundert, wurde in Er-fur vorzugsweiſe Waidbau getrieben. Luther ſagtdamals: „Es iſt ein fruchtbar Bethlehem geweſt, abenun hat man mit de Waydt die Aecker alſverderbet, daß der Segezum Fluche worden.Als ſpäter der Indigaufkam, ging der Waidbau ein

In Erfurt fanden iLaufe der Jahrhundert21 Reichsverſammlungen ſtatt
Zur Zeit Rudolfs vonHabsbur ſcheint ſie vorzugweiſe geblüht zu habe(.60,000
Einwohner
Ew.
); es heißtſie habe dem Kaiſer 30,00Mann geſtellt zur Unterwerfung der thüringiſcheRaubburgen
Luther lebte in Erfurvon 1501 bis 1508, erſals Student, dann als Auguſtinermönch. Auguſtinerkloſter, jetzt Mar⸗tinsſtift ; man zeigt noch die mit einigen Reliquien ausgeſtattete Zelle, worin Luther von 1505–8 gelebt und gelitten. (In einer Gallerie ein „Todtentanz“). In der Auguſtinerkirche 1850 das Unionsparlament. Erfurnahm partiell die Re-formatio an, wurdaber – als es von Kur⸗main
abzufallen drohte – voKurmainz wieder unterworfen
Es wurde von Mainaus durch „Statthalterregiert. Der letzte waK. Th.Karl Theodor v. Dalberg, dedann ſchließlich ſelbſErzbiſchof von Mainwurde. 1803 wurde danErfurt preußiſch (bis 1806)

Im Septmb.September und Oktob.Oktober 180war hier der berühmte, durcNapoleon veranſtaltet„Monarchen-Congreß“
1850 das Erfurter„Unions⸗Parlamentunter Radowitz. (Tagtin der Auguſtinerkirche.
Im 16. Jahrhundert lebthier Adam Rieſe, Rechenmeiſter aus Staffelſtein, dehier 1525 ſein Rechenbucherausgab

Das „Martinsſtiftwar früher das Auguſti-nerkloſter Man zeignoch die mit einigeReliquien ausgeſtattetZelle, worin Luthevon 1505–1508 gelebund gelitten. In dieſeMartinsſtift befindet ſicauch noch eine langGallerie mit eine„Todtentanz.
Anderthalb Stunden von Erfurt liegt das Dorf MöbisburgHier ſoll die Merwigsburg oder Merovigs⸗bur geſtanden haben, die König MeroveusStammvater der Merowinger und BefreieThüringens vom Joche Attilas, erbauhaben ſoll. Meroveus, heißt esſtarb 460. Dieſ iſt wohl allefabelhaft

Naumburg.

18,000 Einwohner
Der Dom St.Sankt Peter undPau, aus dem 13. und 14Jahrhundert, iſt ein hervorragender Bau aus der Uebergangsperiode (im Weſentlichen Rundbogenmit einem weſtlicheund öſtlichen Choralſo eine Art Doppelkirche. Unter deöſtlichen Chor eingeräumige, 3ſchiffigCrypta. An deWandpfeilern deweſtlichen Chormerkwürdige Skulptureetwa aus 1250
Von den drei Thürmen iſt der nordweſtliche ſpätgothiſcheStilsDie beiden andern ſinöſtlich.
In der Stadtkirchbefindet ſich ein kleineBild von L.Lucas Cranacdem Älteren: „Laſſetdie Kindlein zu mirkommen. Gilt als eineder ſchönſten von deHand dieſes MeiſtersDie Kirche ſelbſt nanntLuther wegen ihrer Größdie „Prediger⸗Mörderin.
Auch verſchiedene GemäldeAuch verſchiedene Gemäldedarunter Oelbilder vonOelbilder vonLucas Cranac. (Siehchwerdt & Ziegler S.Seite 143)
Der Dom gilals das „wichtigſte Bauwerk welches Sachſeaufzuweiſen hat“
Die beiden andern ſinöſtlich.

In dem „KreisgerichtsGebäud“ (ich glaube, dadies richtig iſt) befindeſich ein ausgezeichneteallegoriſches Fresko Bild (Themioder dergl.dergleichen) von Hübneoder Bendemann. Ich glaube vom letztren

Schulpforte.

Von Naumburg übeDorf Altenbur(vulgo Almrich) unSchulpforta nach Köſen

Schulpforte, eizwiſchen 1137 und 114errichtetes Ciſtercienſer⸗Kloſte, wurde154durch Kurfürſt Moritz v.Sachſe in eine Gelehrten-ſchul umgewandeltDie Zahl der Schüler ſteigbis zu 200. Neuerdingalles reſtaurirt. SchöneKreuzgang, 85 Fulanger Speiſeſaal, aintereſſanteſten vielleichder Waſch⸗Saal, obedie Schlafräume. DeWaſch-Saal beſtehaus Tiſchreihen, iwelche die Waſchbeckeeingelaſſen ſind. Aueiner kleinen Metallſäule mit Hahn fließdas Waſſer in diBecken, die wiederuunten ein Loch habendurch welches – beEntfernung des Metalldeckels – das ſchmutzigWaſſer abfließt
Portenſer: v. Ammon, Hedenus, Ehrenberg, FichteKlopſtock, Mitſcherlich, Lepſius, Ranke, NovalisSchlegel
kaſernenhafte Erſcheinunumgewandelt zu ſein

Rossleben.

Roßleben liegt halbeWegs zwiſchen Freibur(1 Meile nördlich von Naum⸗bur) und Frankenhauſenwelches letztre wiedein Nähe des Kyffhäuſeliegt
Das ehemalige Nonnen-kloſte ward 1730 durcHeinrich v. Witzleben ieine Gelehrtenſchule umgewandelt, die mit Schul-pfort und der MeißnerFürſtenſchul viel Aehnlichkeit hatNeuerdings ſcheint die Schuläußerlich moderniſirt und in ein Roßbach liegt ſo
Eisenbahnstrecke Ansicht; Rossbach, Kösen, Naumburg. RoſsbacKöseNaumbur(alſo nördlich der Bahn

Weissenfels.

16,000 EinwohnerAn der Saale
In dem großen, vielfenſtrigen Schloß reſidirtedie ehemaligen, 174erloſchenen Herzögevon Sachſen Weißenfels-QuerfurEine Nebenlinie dekurſächſiſchen Hauſes
Das Schloß iſt jetzKaſerne der „thüringi⸗ſchen Huſare.
Im Amtshauſe (aSchloßberg) die ſogenannt„Schwedenſtube“. In dieſeStube wurde, nach der LützenerSchlach, die Leiche Guſtav Adolfeinbalſamirt
Das Schloß heißdie „Auguſtusburgiſt reich an geſchichtlichen MonumentenSchloßkirche und Fürſten⸗grufhält im Chor diReliefgrabplattedes 1080 im Kampfegegen Heinrich IV. ge-fallenen GegenkönigsRudolf von Schwabe
Bilder aus der Schuledes Lucas Cranach Darunter: „Kreuzigung undGrablegung (unter deKriegsknechten das Bildniß Luthers
Das Schloß im 15Jahrhundert erbaut, im 17zum Theil erneuert; jetzt Regierungsgebäude. Im Schloß-garte Denkmal des FeldmarſchallsKleist v. Nollendor, geſt. 1823
Das Schloß hat 5 Thürme„Im Schloßhof wird deRabe des Biſchofs vonTrott gefüttert.

Corbetha

Knotenpunkt devon Halle und Leipziaus führenden ThüringerBahn
Kommt man voLeipzig, ſo paſſirman eine Menghiſtoriſch wichtiger Punkt
    a. Gohli
  • b. das Schlachtfeld vonMoecker
  • c. Markrannſtädt (iNähe deſſelben Alt⸗Rannſtäd, Friede 1706und Groß⸗GörſcheSchlacht 1813

sen.

„Dadurch daß Napoleo1806 die Höhen des Köſener Engpaſſes rechtzeitibeſetzte und die preußiſcheHauptarme zu umgehen wußte (ſchoim Rücken unſrer Aufſtellung) gewann er diSchlacht bei Auerſtädt unſicherte 1813 durch daſſelbManöver den Rückzuſeines flüchtigen Heeres.

„Die Saale, mit ihreſehr alten Bogenbrück(288 Fuß lang) theilt diStadt in Alt⸗ und Neu⸗ Köſen.“ Gaſthof„Zum muthigen Ritter.“ GradirwerkSoolbad. – Nächſte Plätze: BahnhofWaldſchlößchen, Kuchengarten. Etwaentfernter: die „Katze“ (Eierkuchen)das „Himmelreich“,und die „Hölle“, RuinSaaleck, Rudelsburg, Am „Götter-ſit“ vorbei führt der Weg nacRoßbach; in Nähe des „Götterſitzeseine Eiche, unter welcher Soubiſe nach deSchlacht bei Roßbach lagerte

Merseburg.

13,000 EinwohnerAlte Stadt, ſchon im 9Jahrhundert genannt. Lieblingsſtadt Kaiſer Heinrichs Iund Otto’s I
968 – 1543 BiſchofsſitzUnter den Biſchöfen Diet⸗mar von Merſebur, deüber die Wendenſtädtetc. berichtet hat
933 (beim KeuſchbergHeinrichs I. großer Siegüber die Ungar
Domkirche. I10. Jahrhundert gegründet, i13. Jahrhundert gebaut: ; ent
Die Chauſſée voMarkrannſtädt nacWeißenfels durchſchneidet das Schlacht-feld von Lütze (1632und führt – zweStunden von Markrann-ſtäd und zwei Stundevon Corbetha an dem Denkmavorüber, das hiedem Guſtaf Adolerrichtet wurde
Beſteigt mabei Station Dürren⸗ber einen devielen „Kunſtthürmeſo überblickt maeine fruchtbare Flachlandſchaft mit Städten und 100 Dörfern, ein Terraiauf dem ſich zverſchiedenen Maledas Schickſal Deutſch⸗land entſchied
Es giebt alſo zwei Schlachtebei Lützen
    1. die Guſtaf-Adolf Schlacht 1632. die Schlacht 1813 (Groß-Görſchen
Dazu kommedrei Schlachten bei Leipzig
  • 1. VDie Schlacht gegen Tilly 1630 (Breitenfeld
  • 2. Die Torſtenſon-Schlacht 1644 oder 45
  • 3. Die Völkerſchlacht. (Von dieſeVölkerſchlacht näherſich der Kampf beMöckern wieder dem Lützener Terrain

Von Merſeburg, reſp. Corbethaus Excurſionen nach
  • Dem Keuſchberg, Schlacht 934 (Heinrichder Finkle ſchlägt die Hunnen
  • RoßbachLauchſtädt

Friedrichrode.

(?Stadt, eine Stundvon Tabarz
Der alte Theides Orts, der ſich in der Tiefe deKeſſels – um zweKirchen gruppirthat im Detail daMaleriſche, das allkleinen Bergſtädthaben, iſt abezu längrem Aufenthalt völlig unbrauchbar, wei man eingeſchloſſein der Tiefe ſteckund namentlich aheißen Tagen durchaualler friſchen Lufentbehren muß
Anders iſt emit der neueStraße, die ſicim Halbkreis udie Wandung deKeſſels herumziehtEs iſt eine Villenſtraße, die ſcho als ſolche höchſanmuthig wirktſie hat abeaußerdem nocden Doppel⸗ Vorzug deHöhenlage: friſchLuft und weitAusſicht, wenigſtenſo weit, wie dain einem Keſſeüberhaupt mögliciſt. Die VorzügThüringens: Waldberge aus ſchöneWieſengründen auf, wachſend, findeſich auch hierAltſtadt und Neuſtadunterſcheiden ſich etwwie folgt
Umgebungsplan von Altstadt und Neustadt von Friedrichroda, FriedrichrodeFriedrichrodaFriedrichrodeFriedrichsrode. AltſtadN.Neustad

N iſt Neuſtadt, odedie oben beſchriebenVillenſtraße; im Rückederſelben rageBergkuppen auf, ebenſihr gegenüber Tabarz iſt im Gegenſatzu Friedrichsrodganz primitiv. WeBadeleben, MenſchenToiletten, will, munach Friedrichsrode gehnTabarz hat mehfriſche Luft, mehWeitblick und größerEinfachheit

Reinhardsbrunn.

Friedrichsrode liegin einem KeſſelReinhardsbrunn dichdaneben in eineandren, ſo daß ſieinzelne Berge unHöhenzüge gemeinſchaftlich haben, derardaß die eine Seitdem FriedrichsrodeKeſſel, die andrdem Reinhardsbrunneangehört
Der ReinhardsbrunneKeſſel iſt aber vollſtändiger ein Keſſeals der Friedrichsrodeund iſt ganz geſchloſſewährend der Friedrichsroder nach Südeſzu ſich einigermaßeöffnet und eineWeibtblick geſtattet
Reinhardsbrunſelbſt zerfällt iGaſthof und Schloß, dietwa 5 oder 10 Mi nuten von einandeentfernt liegen. Dase„Gaſthausof“ iſt das gangewöhnliche Gaſthauan der Heerſtraße, hübſcgelegen, aber verſchwindet nebedem „Schloß“, wſich die Zauber deLandſchaft, der Gothiund eines gewiſſeengliſchen je ne saiquoi zu etwas außerordentlich Anſprechendevereinen. Es wa früher ein Benedikti-ner⸗ oder Ciſtercien-ſer Kloſte und diFormen deſſelbeblicken überall drurchEs will mir ſogaſcheinen, daß von deAlten, Urſprünglichemehr beibehaltewurde, als diReiſehandbücher zugeben

Schmalkalden

  • 1. Krone. LutherzimmerDrei und zwei FenſterLängsbalken, Bretterdecke, die Klinſen miſchmaleren Brettern unterlegt. Luther unMelanchthon⸗BilderSommernacht. Der Blicauf den Friedensbaum„GZur Erinnrung an deFriedensſchluß am10. Mai (?) 187“ Stille. MuſikDrüben die Kirche. Derieine Thurm- hatte ebenlaternewas ich bis dahin nie geſehhatte, war erleuchtet; icließ das Fenſter auf unwährend die Sommerlufeinzog und die Muſikblickten die drei lichthelleScheiben von oben hezu mir ins Fenſtehinein. Darüber ſchlief icein
  • 2. Der andre MorgenDas heſſiſche Wappen undie Blechtafel-Inſchrifvon 1817 (ſiehe hinten
  • 3. Die Roſen-Apotheke.in der Steinſtraße
  • 4. Das Wilischſche Hauam Lutherplatz. Erſdas Aeußre. Daneintreten. DaInnre beſchreiben
  • 35. Die Kirche. Erſdas LutherſtübchenDann nach unten idie Sacriſtei. „Magdie lateiniſche hier adie Kette gelegt ſeindie deutſche gab er frei


andern ſinmodern
Vorderansicht eines kabbalisitschen/freimaurerischen Zeichens; Detailansicht einer Gebäudeinschrift.
Das Sannerſche Haus, jetzt Buchhandlunvon Feodor Wilisch. Altes Giebelhaus.mit 5 Fenſtern an Giebel
Im zweiten Stockwerk, da wo das MittelFenſter ſein müßte, fehlt dies Mittelfenſteund ſtatt ſeiner tritt eine Art Wappenſchild auf, richtiger wohl ein Erinnerungsſchild. In Roccoco⸗Lichter Umſchnörkelung (Rahmen) eine ſchiefergraue Flächauf der zu leſen iſt: Verſammlungshauder Evangeliſchen Stände und Theologebei Verfertigung der Schmalkald.Schmalkaldischen ArticulAnno MDXXXVII. Aus der Mittdieſer ſchiefergrünen Flucht, die Inſchrifunterbrechend, ſpringt ein Schwavor, über demſelben, integrirendTheile der Rahmen⸗Umſchnörkelung bildend, drei Symbole vergoldet auf Schiefergrund: linkein Kreuz in Roſen, rechts die um daKreuz gewundene Schlange (vielleichdie „eherne Schlang“ die im Moſes vorkommtin der Mitte ein kabbaliſtiſches odekirchlich freimaureriſches Zeichen, etwa ſoeine 4 mit angeführtem I odeL und drunter befindlicheHerzzug, in deſſen drei Schleifedrei Buchſtaben ſind, zwei wiein S, eins wie ein λ. Darunteebenſolche Tafel wie an der „Krone“dem Andenken an Martin Luthegewidmet von Stadt Schmalkalden a31. Oktober 1817Das Ganze macht nach Schrift, Umrahmung, Ornament etc. den Eindruck als müſſe es aus dem Schlu17. Jahrhundert ſtammen, entweder nacdem 30 jährigen Krieg oder kurz vorher
Die Straßeninſchriften fehlen, wedeSteinſtraße noch Lutherplatz
Das Haus ſauber, grau⸗grün abgeputzt
Die Roſen⸗Apotheke in der Stein-ſtraß ein ſauberes, roſenfarben abgeputztes, ganz denie Bauweiſe deZeit tragendes Haus, mit drei breiten portalartigen Rundbogen⸗Fenſtern zwei unten (rechts und links von der Thür) eines über der Thür. Die. Aden 4 großen Fenſterläden ſind Bildeeine blühende Aloë, eine Ananas, eiKönig Salomo oder ſonſt ein gekrönteHerr und eine Dame mit Lorbeerkranund Lilie die Sieg und Frieden bringt. Vielleicht aus der Zeit nach dem 30 jährigenKrieg, wahrſcheinlich aber erheblic|(1660) ſpäter. Die Jahreszahl über deHauptthür zeigt in einen Steigegraben die Zahl 1545. DasHau ſtammt alſo aus der Nach Melanchthon⸗Zeit
Genau dieſelbe kleine Blechtafel, wie bei Wi⸗ lisch ſehr abſtechend an Werth von den alteEntwicklungen im 17. Jahrhundert, befindeſich auch an der Krone über deLuthe Stockwerk des LutherzimmersDas große heſſiſche zwei LöwenWappen
Die Bilder an der Roſenapothekſind wahrſcheinlich aus dem Jahr15660. Die Melanchthon-Angab mißlich
Grüne Zettel: Großes MechaniſcheKunſttheater (von Lippold) mit zweEllen hohen FigurenDer Freiſchütz. ErſteRang 5
Silbergroschen
Sgr
, Gallerie2
Silbergroschen
Sgr.

Eine kleine Thurm-Wendeltrepphinauf, befindet man ſich ieinem Raum von 10 Schrittlangund 6 Schritt bBreite, mit eine Ecke bildenſo daß die 2 gothiſchen Fenſteeinen rechten Winkel bilden. Nacgothiſch gewölbt und bemaltDie 4 Evangeliſten, dierei in deThiergeſtalten, Matthäus als Figuaber geflügelt, allerhand Blumwerumrankt. die Kappen und Gurt(??): Diſteln, Lilien, Paſſionsblumen, dazu eine Menge alteSchildereien, wenigſtens zehn, allaus viel ſpätrer Zeit, altBücher Luthers Werke; aber auch andres., auch in Schweinsledeauch wohl ſpäter, drei hochlehnigerStuühle mit gepreßtem Lede(Lilienetcet cetera drauf), dito Tiſch miBlanknägel angenagelterLederdecke, ein andrealter Tiſch etc. Wie viel daralutherſch, iſt unſicher. Nur einalte auf dreifußartige gußeiſerne Kohlenpfanne gilt alaus der Luther Zeit. Nach deKirche zu ein kleines lukenartiges durch eine Holz-Lade geſchloſſeneFenſter wurde vom Küſter leiſe geöffnet.. [ Durch daſſelbe blickman auf die Kanzel gegenüber underie großanze Kirche rechts unlinks.] Während ich da warſang eine Morgen Gemeinde zugleiceine Armen-Gemeinde. Danſchwieg es und während ich meinNotizen ſmachte, ſprach die Stimmdes Geiſtlichen den Segen. Icſchrieb nicht weiter. Danerſt trat ich hinan und blicktin die alte Kirche hineinChoralbuch, ſehr großes, 1549. Diſchweins ledernen Bände igroßen Saal ſind LuthersWerk
Sowie dies Bild in Erz ſaL.Luther au
Als er des Papſtes Bannnfbrief kühn vebrannte
Und als 1 Jahr darauzum ſichren WartburHaus
Von Freundes Hand geſchirm
er ſeine Schrittwandte;
Beim Holzſtoß der voWittenberg geflamm
Verzehrend Papſt-Geſetz ſammſeinem grimmen Fluch
Wie bei dem Holz der hoheLutherbuche.
Denkt an den Segen der vo
ZuAndenken gemachvon LudwigBechſtei. Datum fehltUnter dem „Lutherſtübchen“ befindeſich von gleicher Form und Größe digothiſche Sakriſtei. Sie iſt reich an Sehenswürdigkeiten, beſonders an AbendmahlskelchenEiner davon, ein Geſchenk von Hanraaus Fritzlar wie die Inſchrift beſagtträgt einen Hahn als Wappen undie Jahreszahl 1504. Dieſens Kelchs ſoll ſicLuther bei der Abendmahlsvertheilung bedient haben. Die andern Kelche ſinſpäter, mit Ausnahme eines kleinenmuthmaßlich aus dem 15. Jahrhundert, der keiOr andres Ornament ſzeigt, als aFuß Vorderansicht eines Kelchs. einen gekreuzigteChriſtus aber ohne Kreuz. Diemacht einen eigenthümlichen und bedeutenden Eindruck. Außerdem befindeſich hier eine lateiniſche Bibel, dereſich Luther beim Gottesdienſt bedient habeſoll. Sie liegt an einer eiſernen Kette
In der Roſenapotheke theilte mir deBeſitzer mit, die eine Figur ſollHippocrates, die andre TheophrastusParacelſu ſein. Anfangs bezweifeltich dies, wegen des fabelhafteCoſtüms; ſchließlich mußte ich ihaber doch Recht geben. Hippo-crate tritt ohngefähr auf wiAlexander der Große, oder überhaupein ſiegreicher antiker Held; eträgt Bruſtharniſch ausund Beinſchienenein Imperator-Coſtüm, dazu eineLorbeerkranz auf dem Haupt uneinen Scepter in der Linken. Theo-phras trägt ein grünes Wams mieinem kurzen, crenelirten und roth bordirten Kragen, dazu eine Krone audem Haupt, freilich faſt wie voPapierkram, eine Art polniſcher Rankmit einer ſeltſamen Krone von deman nicht weiß ob ſie Ernſt odeSpaß ſein ſoll. Dieſe beiden Coſtümmachten mich ſtutzig und ich glaubtebeide müßten andre Figuren ſeinIch glaube aber ſchließlich doch, daß deApotheker Recht hat. Denn die beideInſchriften in deren Ecken lauten: Hippo-crate (auf dem oder TheophrastusParacelsu) alterum regnum naturarepresentans. Jeder repräſentirt alſein Reich der Natur: Hippokrates daPflanzen⸗, Th.Theophrastus Paracelſus das MineralReich. Und ſo iſt es auch in Bezuauf die Figuren. Denn während Hippo-krate hält eine Pflanze in Händen, diPfefferminz oder Meliſſe zu ſein ſcheint, Para-celsu hat einen Vorrathsſack auf dedie Namen einiger Mineralien ſtehn. Sſind die beiden Schulen charakteriſirtGemacht nach Angabe vondes Herrn, wahrſcheinlich 1660
Dann wieder zu Herrn Wilisch. Eführt mich nun zwei Treppen hoch. DaHaus iſt ſehr intreſſant, aber alles auſpätrer Zeit. Die Lutherſtube iſt ſehr intreſſant, dadurch daß ſie Herr W.Wilisch bewohntund nicht ein bloßes Curioſum daraumacht, gewinnt ſie. Es iſt alſo daZimmer in dem Luther wohnte odedie „Articul“ entwarf, daran iſt nichzu rütteln. Das Gegentheil iſt nichzu beweiſen. Aber das Zimmer iſes nicht mehr. Es iſt ein ſehr angenehmes, wohnliches, andres Zimmemit einer intreſſanten Stuck-Deckeaber auch dieſe Stuck⸗Decke – daEeinzige verbliebene Alte – iſt mindeſtens 100 Jahre ſpäter als die Lutherzeit. Es deckt ſich vollſtändig mider Außen⸗Inſchrift. Man ſieht deutlich, daß das Haus um 1660 odevielleicht noch ſpäter von eineſehr wohlhabenden Mann bewohngeweſen iſt – oder vielleicht aucdaß es von Staatswegen (Heſſen) geſchah – der ſeine Ehre darin ſetztedies Lutherhaus, ſo recht Lutherwürdig zu machen. Aber die Formedie er dazu f wählte, waren diFormen ſeiner Zeit. Er conſervirte nicht das Alte, waer vorfand, ſondern ſtiftete etwaNeues, ſeiner Zeit Angehöriges zuGedächtniß. Die Zimmer-Ecke iſdurch einen Längsbalken getheilund jede Hälfte wieder hat ſeinWappenfelder, die dieſelbe RaBandUmrahmung zeigen wie das Wappenfeld draußen. Eins iſt das heſſiſchedas andre das lutherſche Wappen ╒ ?? erſt nach- for- ſchen ╒, nämlicdas Kreuz in Roſen und die ehernSchlange am Kreuz. Zwei Feldehaben bloſs die Umrahmung ſinaber leer geblieben; vielleicht hatteſie urſprünglich Inſchriften, ja das iſſehr wahrſcheinlich. An dem Balkehin zieht ſich eine reiche StuckOrnamentik: Früchte, Blätter, Engelsköpfte. Herr Wilisch hat auch noceine Glasmalerei in dieſem ZimmerLuther und Melanchthon darſtellend, nebeLuther, etwa wie der Pfau nebeder Juno, der Schwan. Auch hierizeigt ſich die Renaiſſance-Zeit deEntſtehung. Außerdem eine großLuther-Medaille aus dem Jahre 1520aus dem Jahre 1520wenn es Luther iſt. Dieſe iſgeſchn ſinnreich eingerahmt, derartdaß ſe die Medaille wie auf eineBriefbogen oben iſt, wahrend dePlatz darunter einige VReimzeileträgt. Die Umrahmung iſt audem Holz der Lutherbuche beSalzungen oder Möhra (ſiehSchwert & Ziegler) gemacht, nachdedieſe Buche gefällt war. DiVerſe ſelbſt lauten: (Siehe weitevor). Sie rühren von L.Ludwig Bechſteiher, der auch denas Ganze hierhegeſchenkt hat. – Das Nebenzimmehat eine ähnliche Einrichtung; auch StuckDecke, aber andre Ornamente. DiAnſpielungen auf Luther fehlen. Obeauf dem Boden altes HausgeräthTiſche, Stühle, Bilder, aber alles ſpäterſelbſt die Stühle die gedrehte Füße habenGedreht wie eine Schraub
aus viel ſpätrer Zeit, altBücher Luthers Werke; aber auch andres., auch in Schweinsledeauch wohl ſpäter, drei hochlehnigerStuühle mit gepreßtem Lede(Lilienetcet cetera drauf), dito Tiſch miFenſter wurde vom Küſter leiſe geöffnet.. [ Durch daſſelbe blickman auf die Kanzel gegenüber underie großanze Kirche rechts unlinks.] Während ich da warſang eine Morgen Gemeinde zugleiceine Armen-Gemeinde. Danſchwieg es und während ich meinNotizen ſmachte, ſprach die Stimmdes Geiſtlichen den Segen. Icſchrieb nicht weiter. Danerſt trat ich hinan und blicktin die alte Kirche hineinChoralbuch, ſehr großes, 1549. Di
Vorderansicht einer Schraube.

Schmalkalden

  • Gaſthof zur Kronegegenüber der AdlerDie gothiſche Kirche, deeine Thurm oben erleuchtet
  • Hauptkirche midem Lutherſtübchen, miHandschriften
    und
    u
    Büchern.
  • Roſenapotheke Melanch-tho (in der Stein
  • Lutherplatz. SannersHau. Lutherzimmer

Schmalkalden. AdlerKrone
Lichtenfels. Gaſthofzur Kron
Weiter rechts auf deHöhe die
ansehnlichen
ansehnl:
Gebäudedes alten 1803 aufgehobeneBenediktinerkloſters Banzvom Altan ſchöne AusſichtEigenthum des Herzogs Maxreiche Sammlung von Verſteinerungenſchöne Kirche mit zahlreicheReliquien; beſcheidenReſtauration
Gegenüber links die reichgeſchmückte Kloſterkirch„Vierzehnheiligen“
Coburg. Hôtel LeuthäuſerGrüner Baum. Trau-b. (Alle drei miStern.)
Markt. MoritzkircheGymnaſium. Miniſt: Minister RathsRose’s Hau.(Jean PaulFlegeljahre). Rückertſtraße mit Rückerthaus (Rückert-Medaillon).
Schloßplatz. SchloßSchauſpielhaus. HauptwacheSchloß; „Ehrenburg“ genannt
„Veſte Coburg.“ (Dieiſt die Hauptſache.). 1 Perſon 24 Kreuzer TrinkgeldGeſellſchaft 1 Gulden.
Roſenau
Neuſes. (Gegenüberam andern Itz-Ufer, Denk-mal über dem Grabe Thümmel.
Von Schmalkaldenach Wernshauſe1 Stunde
Dann von Werns-hause nach ImmelbornVon Immelborn beAnkunft eines jedeZuges Poſt nacLiebenſtein
Alſo bei deRückreiſe von Coburbis Immelborn fahren Von Wernshausenach Lichtenfel
9 Uhr 59 Minuten frü
5 Uhr 6 Minuten Nachmitta
Ankunft in Lichtenfel
12 Uhr 53 Minuten Mittag
8 Uhr 11 Minuten AbendZu beſorgen
  • 1. Kaffe (aus Walters-hauſe.
  • 2. Spiritus. (dito3. drei Pfund Zucker (dito)4. Wurſt (dito)
  • 5. Weilbacher Brunne(aus Gotha
  • 6. Valetteſchen Pille(aus Berlin; Tante Liſe
  • 7. Concept⸗Papier8. Marken stamps
  • 9. Pillen für die Großmutter
    2 ℔ Stückezucker, 2 ℔ KochzuckerBuchweizengrützeTapiſſerie-Nadel. Stopfnadel
ChristianSchleicher

Ebenhei
1/4 Stunde voWaltershauſen

Friedrichsrode bloßer Platz füommerfriſchlinge ohne beſ.besondere Sehens-würdigkeiten. – Reinhardsbrunfrüher reiche Benediktiner-Abtei1525 im Bauernkrieg zerſtörtdann Weimarſcher, dann GothaſcheBeſitz. Das Jagdſchloß zu großeTheil aus der alten Abtehervorgegangen.
Schmalkalden. Verſchiedene Oertlichkeiten, die ſich auf den „ſchmal-kald.schmalkaldischenschmalkaldischen Bun beziehn“. NeuConvente fanden ſtatt. Der 1. ſchon153. Der berühmteſte war devon 1537, wo Lutherkaldiſchen Artikel die ſchmal aufſetzte
Hippocrates der eineTheophrastus Paracelsualteru
regnum naturarepresenturesVon Schinkel selbst ist für Gotha keine Bautätigkeit nachgewiesen, sondern lediglich ein nicht ausgeführter Entwurf für das Theater (1837); vgl. Thieme/Becker, s.v. Schinkel, Karl Friedrich.Diese Zeichnungen gelten heute als Kopien; vgl. Thieme/Becker, s.v. Leonardo da Vinci.Die einzigen Porträtbüsten Ludwig Tiecks, Johann Joachim Winckelmanns und Christoph Willibald Glucks im Besitz der Herzogin Anna Amalia Bibliothek sind aus Gips, nicht aus Marmor; vgl. Oswald 1995, S. 240-252. Es befinden sich zwei verschiedene Marmorbüsten Wielands im Besitz der Herzogin Anna Amalia Bibliothek; vgl. Oswald 1995, S. 252.Heute geht man davon aus, dass dieses Werk von Lucas Cranach dem Älteren begonnen und von Lucas Cranach dem Jüngeren vollendet wurde; vgl. Dehio, Thüringen.Dieses Werk ist mittlerweile zumindest teilweise Veit Thiem zugeschrieben; vgl. Thieme/Becker, s.v. Thiem (Thieme, Thim, Thym), Veit sowie Jursch 1955, S. 84.Dieses Grabmal befindet sich nicht im Mainzer Dom, sondern im Dom zu Frankfurt am Main; vgl. Dehio, Hessen.Die Anbetung der Könige gilt mittlerweile nicht als das Werk Cranachs, sondern stammt „wohl aus dem Umkreis des Peter von Mainz“; vgl. Dehio, Thüringen.Bisweilen Hans Vischer, dem Sohn Peter Vischers des Älteren, zugeschrieben; vgl. Dehio, Thüringen.Dieses Grabmal wird mittlerweile auf das 3. Viertel des 13. Jahrhunderts datiert; vgl. Dehio, Thüringen.Vermutlich die zwei Altarflügel mit Heiligen und Stiftern, deren Zuschreibung an Lucas Cranach den Älteren allerdings umstritten ist; vgl. Friedländer/Rosenberg 1932, 353g sowie Schade 1974, S. 46.Möglicherweise Eduard Bendemanns Gemälde „Der Tod Abels“ im Naumburger Schwurgerichtshof (Ölwachsfarben auf Leinwand, kein Fresko - die diesbezügliche Angabe im AKL s.v. Bendemann, Eduard Julius Friedrich, auf die sich auch in HFA III, Bd. 3/2 Bezug genommen wird, ist irreführend). Allerdings hatte Fontane bereits 1867 auf seiner vorhergehenden Thüringenreise dieses Gemälde gesehen und im Notizbuch A18 präzise identifiziert als „Bendemanns Bild: ‚die Ermordung Abels; der Engel der Gnade und der Gerechtigkeit in den Wolken‘“; vgl. Boetticher, s.v. Bendemann, Eduard.Das Medaillon ist vermutlich später entstanden, da die Inschrift mit der Jahreszahl 1520 nicht unbedingt das Entstehungsjahr angibt; vgl. Steffens 2008, S. 183 sowie Ficker 1920, S. 37.