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Dinstag d.
dender
3. Augu st
. 1875.
Um 8 Uhr Abends Abreise ausBerlin und zwar in einem„Closet-Coupé“. Fabelhaft;urdeutsch, barbarisch. Gesellschaftmäßig: eine Bourgeois-Fami-lie Krüger, Schwager vonPrediger Rolland) und ein reicher,von Rheumatismus gelähmterRentier aus Lichterfelde.Durchschnittsgeplauder.
Mittwoch d.
dender
4. Augus t
.
Ankunft in Frankfurt 7 12 Uhrfrüh. Gleich weiter über Darm-stadt, Heidelberg, Carlsruhe,Rastatt, Oos (Baden-Baden)nach Freiburg. Ankuft 2 12.Von Pinchen und Frau Greveempfangen. Nach Gartenstraße4. Vier Stunden geplaudert.Wegen schlechten Wetters denDom nicht besucht. Man sieht aber Thurm und Façade,mit Hülfe einer breiten Avenue , die von der Eisen-bahnstraße aus bis zumDom führt, sehr gut.In der Eisenbahnstraße sind Hô-tels; eins (zum ZähringerLöwen) groß und elegant. –Erst um 10 14 in Folge einerZugverspätung, Ankunft inBasel. Abgestiegen im„Storch“. Mäßig. Allesim Zustande eines gewissenUrmuffs. Uebrigensgut geschlafen.
Donnerstag d.
dender
5.
Briefan Emilie geschrieben, danndem ewigen Regenvom Fenster aus zugesehn.Kein großes Vergnügen; dem norddeutschen Landregensehr ähnlich. Um 4 12 UhrAbfahrt nach Neuhausen.
Gebäudeansichten; BaselBaselBlick auf Basel vom Fenster des Gasthofs.

Dächer vom Hof-fenster im „Storch“aus. Aber nur einTheil davon.
Also Abfahrt um 4 12nach Neuhausen. ReizendeFahrt am Rhein hin. ErstRheinfelden (ich glaubeder Ort, wo Kaiser Albrechtermordet wurde), dannSäckingen, dann Lau-fenburg, eine Art Vor-oder Nachspiel desSchaffhausener Rhein-falls. Erst um 7Uhr Ankunft im Schweizer-Hof bei Neuhausen; schö-nes, großes, fast aus-schließlich von Engländernbesuchtes Hôtel in Frontdes Rheinfalls. Dieser istaußerordentlich schön, meineErwartungen weit über-treffend. Abendspatziergangnach Neuhausen hinein,um noch die Brücke,unmittelbar im Rückendes Falls, zu erreichen;auf Rath einiger Neuhause-ner aber, die mir einenaccident prophezeihten,umgekehrt. Soupirt.Die
englische
engl:
Gesellschaft sehrangenehm, aber etwasfatiguirt; die deutschenElemente höchst traurig.
Freitag d.
dender
6.
Ziemlichfrüh auf. Der Rheinfällt immer noch. Früh-stück. An Emilie geschrieben. Um 11 Abfahrt nach Con-stanz; die Fahrt amUnter-See und der Main-au (?) hin, sehr anmuthig.Die Lage von Constanz,an dem breiten, prächtigenSee, brillant. In dieStadt hinein. Das Rath-haus mit Fresken. Denk-mal für die 1870 inden Krieg gezogenenConstanzer, etwa 100,davon 6 gefallen. Aminteressantesten das alte„Kaufhaus“ hart amSee, drin die Cardinäleden Huß verurtheilten.Der betr: alte Saal jetztmit Fresken von FriedrichPecht geschmückt. – Um1 12 Abfahrt von Constanz;über Romanshorn und Rorschach nach Ragaz.In Romanshorn Dr. Hoep-ner und Familie getroffen.Gegen 6 in Ragaz. InHof-Ragaz Wohnung ge-nommen und zwar im„Chalet de l’Impera-trice“ (weil KaiserinEugenie eben darin ge-wohnt hatte.) Die Tami-na brauste an meinemFenster vorbei.
Geheim
Geh.
Rath
v. Wangenheim begrüßtemich. Eine Stunde späterzum Souper. Frau v.
Wangenheim
W.
und Frl. Elsy von alterLiebenswürdigkeit. Nochzugegen von alten und neuen Bekannten: Professor Steinle und Tochteraus Frankfurt
am Main
a. M.
, Oberstv. Hahnke und Frau, Herrv. Reichlin (früher badischerAbgeordneter oder Reichstags-mitglied) und Frau, Justiz-rath Adolf Staegemannund Frau, Johannes Scherrund Frau, Herr v. Treskow-Friedrichsfelde und Frau,
geborene
geb.
Gräfin Haeseler
. Mit diesenallen hatt’ ich Conversa-tion zu machen. Außer-dem zugegen:
doktor
Dr
v. Stein-rück
mit Familie undviele andre Berliner. Vonsonstigen Berühmtheiten: Cardinal Hohenlohe. – Nachdem Souper in meinChalet; bald zu Bett.Nicht recht wohl; mäßiggeschlafen.
Sonnabend den 7. August.
Erst um 9 zum Frühstückmit Wangenheims. Um10 mit
Geheim Rat
Geh. R.
v.
Wangenheim
W.
Fahrtnach Pfäffers, Besuch desBades und der Tamina-Schlucht. Sehr großartig;unvergeßlich. Um 12 wiederin Ragaz. Herr v.
Wangenheim
W.
zuTisch; ich in mein Zimmer.An Emilie geschrieben(dritter Brief). Spatzier-gang in die Berge; aufdem „Buel“ Kaffe ge-trunken: Wangenheims,Steinle’s, Reichlins.Um 6 wieder in Ragaz.Gepackt. Um 7 12 zumSouper. Um 8 12 Ab-fahrt nach Chur; um 9 12 Ankunft in Chur.Abgestiegen im Steinbock.
Sonntag d.
dender
8.
Um 4 34 Uhr Abfahrtaus Chur. Thusis.Via Mala (wundervoll),bis Dorf Splügen. Mit-tagbrod. Fahrt über denBernardin. Oben Wasserscheide zwischen Rhein und Städtchen SanBernardinoMoesa. . ReizendeFahrt bergabwärts vonSan Bernardino (Badeort)bis Mesocco oder so ähn-lich. Italien beginnt. Nochdurch eine Reihe von Ort-schaften. Zuletzt Bellin-zona an der Ausmündungdes Gebirgsthales und in Nähe des Lago MaggioreQuartier genommen im En-gel“, billig und gut.
Montag d.
dender
9.
Um 9 Uhr Abfahrt vonBellinzona (per Eisenbahn)nach Locarno. Hier aufsDampfschiff. Fahrt überden Lago Maggiore bisArona. Von hier perBahn nach Mailand. An-kunft 7 Uhr. Vorheran Somma (die Hannibal-Schlacht am Tessino) und anLengano vorüber. Quar-tier genommen im Hôtelde la Ville; gut undtheuer. Flanirt. Dom-platz, „Passage“, Piazza dellaScala.
Dinstag d.
dender
10.
Auf die Post. KeinBrief. Flanirt. Dom-platz, „Passage“ (GaleriaVittore Emanuele)Piazza della Scala,Piazza dei Mercanti.Zwei Stunden gefahren.Erst nach St. Maria dellaGrazie; LeonardosAbendmahlsbild im Refek-torium. Auch die Kircheinteressant. Promenaden-fahrt, Exercirplatz, Ber-saglierei-Kaserne (altesVisconti-Schloß) Arcodella Pace, Giardini pu-blici, Statue Cavours beimHôtel Cavour. DieGeschichte schreibt seinen Na-men in Stein. Brera. Gemälde-sammlung. Sposalizio, Far-benskizze zum Christus-kopf auf dem Abend-mahlsbild, Schweißtuchder heiligen Veronicavon Guercino, ein kostbarerVelasquez, ein GentileBellini (San Marcuspredigt in Alexandrien) allessehr schön. Auf denDomplatz zurück. Flanirt.Kaffehäuser abgesucht. InsHôtel. Zum Diner.In die „Giardini publici“.Militair-Musik vom RegimentPrinz Amadeus. Nach Haus.
Mittwoch d.
dender
11.
Auf die Post. Brief vonEmilie. Leider sehr ver-stimmt; ich als unschuldiger Schuldiger oder auchumgekehrt. Flanirt.Piazza dei Marcantigenauer angesehn sehrinteressant. DasGanze ist etwa so:
Lageplan; Piazza dei MercantiPiazzadeiMercantiMailandPiazza dei Mercanti in Mailand. caPiazzadei Mer-cantifdbbbeGaleria Vittore EmanueleGaler. Vitt. Em: LeonardoStatueScala-Platz

Diese Zeichnung ist nursehr ohngefähr zutreffend; derZusammenhang des Dom-platzes mit der Piazzadei Mercanti ist nichtso unmittelbar. Es ver-schiebt sich mehr. Auchsind die Einfassungsliniendes Domplatzes anders.Manches steht schräg.Trotzdem reicht es aus.
Der Palazzo dellaRagione, von PodestàTresseno von 1228–33 erbaut, ist sehr interessant.Jetzt unten Kornbörse,oben Archiv. Relief u. Inschrift. Ueberallin Oberitalien, begegnetman Anklängen an denOrient, an das Saracenische,das via Venedig ins Landkam. So der alte CorteReale in Man-tua. Hier dieser Pa-lazzo della Ragione.
Gebäudeansicht (Ausschnitt); Palazzo della Ragione, Palazzo della CittaPalazzodellaRagionePalazzodellaCittaMailandPalazzo della Ragione in Mailand.

Alles ziemlich hellerBackstein. UnverkennbareAnklänge an den Dogen-palast. Alle diese Bautensind außerordentlich schön,groß und phantastisch zugleich,voll poetischen Zaubers.Die Renaissance-Bauten aus der Mitte des 17. Jahr- hunderts die daneben stehnsind einfachlangweilig;zugleich unschön über-laden. Das archi-tektonisch Beste, was ichvon Palastbauten glaubegesehn zu haben, sinddie alten florentinischenPaläste (vor allem Strozzi)und diese saracenisch oderdoch dogenpalastlich-anklingenden Bauten. DieRenaissance ist nichtimmer schön. Auch vonihr wird sich die Weltwieder erholen. AllesModesache.
Ins Hôtel. LangenBrief geschrieben. ZumDiner. In den Straßenflanirt; in der PassageEis gegessen; nachHaus. Geschrieben.
Donnerstag d.
dender
12.
Auf die Post. ZweiterBrief von Emilie. Der-selbe trostlose Ton;schmeckt alles wieTinte. Frühstück inder Passage. In denDom. Mächtig undvon bedeutender Wirkung, aberallerdings ein wenig über-laden; die durchbrocheneArbeit (oder doch so gemalt)in den Gewölbekappenist zu viel, macht un-ruhig, ebenso die Mar-morstatuen, die entwederdie Oberhälfte des Kapi-tells bilden oder es krönen. Das Interessanteste ist die Crypt-kapelle und Begräbniß-stätte des heiligen Carlvon Borromäus. – Ausdem Dom nach Haus.Einige Zeilen geschrieben.Gepackt. Rechnung nichtübertrieben hoch. Um12 12 aus dem Hôtel. Um1 Abfahrt nach Como. An-kunft gegen 3. AufsDampfschiff. Gegen 3 12Abfahrt von Como,gegen 5 12 Ankunftin Bellagio. DerSee wirkt anfänglichsehr ähnlich wie derLago Maggiore. Vom Capo Lavedoan (oder, da dieLeute hier diesen Namen, den Baedeker giebt, nicht kennen, von VillaBalbianello an) wirdes aber schön und istdiese ganze Stelle bisüber Bellagio hinauswohl dem Lago maggio-re vorzuziehn. – Aufder Landungsbrücke denjungen Lessing getroffen.Mit ihm ins Hôtel GrandBretagne. Zimmer neben-einander genommen. Um6 12 zum Diner. Oberstv. Hahnke und Herr v.Kotze auch zugegen; abergegenseitig keine Notiz von einander genommen. Fla-nirt, geplaudert.
Freitag d.
dender
13.
August Durch ein starkes Ge-witter ziemlich früh ge-weckt. GemeinschaftlichesFrühstück. Dann einBoot genommen; gemein-schaftliche Besichtigung der VillaMelzi; hier trennenwir uns. Er (Lessing)kehrt über Lugano indie Schweiz zurück; ich,im Boot, zunächst nach VillaCarlotta, dann ins Hôtelzurück. – Geschrieben. ZumDinner. Versuch VillaSerbelloni zu erreichen,um von dort aus überalle drei Arme desComer-Sees einenBlick zu gewinnen;aber den Weg verfehlt.Müde und erhitzt in dasHôtel zurück. Alles zurAbreise arrangirt.
Sonnabend d.
dender
14. Augus t
.
Um 4 Uhr auf; um 5am Landungsplatz des Dampf-schiffes; um 6 mit demSchiff nach Lecco. DieserSee-arm, weil eran seinen Ufern natür-licher, ungeleckter ist alsdie andern, gefällt mirfast am besten. Um7 12 in Lecco. Sachenauf den Bahnhof ge- bracht. Dann in denLion d’or, um daselbst4 Stunden bis zum Abgangdes Zuges abzusitzen. Um11 12 nach Bergamo. Ineiner Stunde, mit Hülfeeines guten Kutschers, dieStadt abgesucht: Palazzovecchio, Broletto, Dom,S. Maria Maggiore, Capelledes Colleoni. Um 234über Brescia nach De-senzano am Garda-See.Um 4 ¼ Abfahrt, um 8 34Ankunft in Riva. DerSee weitaus der schönste.Riva entzückend gelegen.Der ganze Momentsehr schön. Im Freien, amSee, soupirt. Lauben, Lampen,Lichter und – Luna darüber. In einem Prachtzimmer ge-schlafen, das immer die Passan-ten erhalten, auch die kleinenNummern, um einen gutenEindruck mit nach Hausezu nehmen.
Sonntag d.
dender
15.
August.
Ziemlich früh auf. Inden Lauben am See ge-frühstückt. Die Schattenseitevon Riva kennen gelernt: seine Sonne. Das ist gutfür die Limonen-Zucht,aber nicht für den Comfort.Man verkommt hier vorHitze. Nur so erklärtes sich, daß der See und dieseseine berühmteste (keines-wegs seine schönste Stelle)so wenig in Aufnahmeist. Engländer gar nicht. Dies ist sehr charakteristisch.Man begegnet ihnen nur,wo alles mollig ist.sehr hübsch.(Fortsetzung im nächsten Buch) sehr hübsch.(Fortsetzung im nächsten Buch)
Lageplan; Piazza del Duomo, KirchenplatzPiazzadelDuomoKirchenplatzBergamoPiazza del Duomo in Bergamo. S.
SüdSüd
O.
OstOsten
b W.
WestWesten
c N
NordNorden
aBroletto
Dom und S. Maria Maggiore,wiewohl es von jenem heißt„modernes Gebäude“ undvon dieser „romanische Kircheaus dem Jahre 1173wir-ken ganz gleich; ja S. Ma-ria wo möglich nochmoderner. Natürlich. DasNeue wird in alten For-men gebaut und das Altewird in seinem Kleid be-ständig modernisirt. ImDom ist eine reicheKapelle, die „Christus Ka-pelle“, mit vielen Freskenin der Doppelkuppel. In-teressanter ist S. MariaMaggiore. An überausreicher, namentlich auch farben-reicher Ausschmückung über-trifft S. Maria Maggiore „la prima chiesa dellacittá“ (wie der Küster sagte) den Dom beiWeitem. Die eingelegten Holzarbeiten (In-tarsien) von Fra Damiano sind entzückend.Die 4, die ich sah, stellen dar: Arche,Pharao und das rothe Meer, Judith u. Holofernes,David u. Goliath. Ob die Compositionenwerthvoll sind, stehe dahin; ich hatte keineZeit zu genaurer Musterung. Nur von einem gewissen, kunst-handwerklichen, nur die Gefälligkeit der Dingeins Auge fassenden Standpunkt aus, ist jedes ein-zelne Blatt anmuthend. Manmöchte es besitzen, anden schönen Farben, braunund gelb, sich erfreun. DieKirche ist an großen Bildernreich; mein Auge flog nurdrüber hin, der Werth Ein-zelner war aber unver-kennbar. In einer Eckevom Haupt- und Querschiff istdem in Bergamo geboreneDonizetti († 1848) einMarmor-Denkmal errichtet.In seiner Art sehr bemerkens-werth. Die Muse des Gesangesund der Musik, gleichvielwelche, trauert; | ihr zuFüßen, in Flachrelief, derPortraitkopf Donizettis;am Sockel ein breiterFries, der die Hauptsache ist. Es sind 6 oder 8 Ge-nien, von denen namentlich 4 mich fesselten.Zwei dieser Genien weinen bitterlich, wie betrübteKinder, denen ihr Vogel weggeflogen ist, zweiandre machen sich mit ihrer Leier, wie miteinem Spielzeug, auf das sie ärgerlich sind, zuschaffen. Der eine hat die Leier erhoben,um sie zornig zu Boden zu werwerfen,der zweite stößt die seine bereits mit demFuß. „Was sollen wir noch damit?es verlohnt sich nicht mehr; er ist todt.“All dies hat etwas durchaus Komisches, zumLachen Reizendes und paßtinsofern nicht auf ein Denk-mal, das einen Gestorbenenfeiern soll. Aber wozu wärendie Ausnahmen? Der Doni-zetti-Fall scheint mir einsolcher. Der Maestro wirdselbst als ein heitres, ge-legentlich betrübtes oderschmollendes Kind ge-schildert, voll Liebenswürdig-keit aber ohne alle Größe,so daß mit Rücksicht aufseine spezielle Natur undBegabung diese Art derHuldigung schon gewähltwerden durfte.
Sehr interessant istdie Capella Colleonis Es scheint, daß man sowohl die Kapellewie ihren Inhalt schön findet. Ich kann es nicht.Der Bau ist bunt und langweilig, nach meinemGeschmack beinah unschön; ich habe für dieseRenaissance-Formen gar kein Organ. Das Grabmal Colleonisselbst theilt in meinen Augen das Schicksalder Kapelle. Der vergoldete Reiter ist an der Grenze des Ridikülen; jedenfalls verhält er sich zudem Colleoni in Venedig blos wie einPfefferkuchenmann. Viel ansprechender ist ander Linkswand daneben das Grabmonumentseiner Tochter. Es scheint eine feine Arbeit,in einer gewissen mageren Ascese wieetwas sehr Durchgeistigtes wirkend.In dem kleinen Chor der Kapelle,wo auch der Altar ist, befindet sich einBild von Angelika Kauffmann. EineMaria (ich glaube auch Joseph neben ihr)glücklich lächelnd über das Spieldes Jesus- und des Johannes-KindesNatürlich nichts Größtes, Produkt des 18. Jahr- hunderts, aber mit Rücksicht auf die Zeit
Vom Palazzo nuovo ist nichtszu sagen. Der „Broletto“ isteins jener vielen mittelalter-lichen Gebäude und Paläste, diebeim Besuch italienischer Städteimmer wieder zur Bewunderungjener großen, underfindungsreichen Architektur-Epoche anregen. DerBroletto trotz Verschiedenheitvon Farbe undMaterial (er ist aus Hau-stein) erinnert ein Wenigesan den Palazzo della Ragio-ne in Mailand, dann wiederan die Loggia dei Lanzi inFlorenz, wenn diese nochein Obergeschoß trüge. Untengothische Halle, darüber irgendein Versammlungssaal, dasist das Prinzip. Aber, bei allerVerwandtschaft immer neu-gestaltet, treten einem diese Dinge entgegen. Andiesem „Broletto“ soll ein Standbild Torquato Tassosstehn; ist mir leider entgangen.
Durch die offene Halle des „Broletto“ trittman auf den Kirchenplatz. Die Kirchen,einschließlich der Capella Colleoni, stehen hier so:

Elfter Brief.

Riva d.
dender
15. A ugust

Das war gestern ein reicherTag. Die Stunden theilten sich wiefolgt: Bergamo Für Bergamo hatt’ ich nureine Stunde, wo von 34 Stundenauf die Fahrt, 14 Stunde auf dasSehen kam. Dennoch bezwang ich es, die alten Sehens-würdigkeiten der Stadt, wenn man erst den Markplatz,die jetzige Piazza Garibaldi, erreicht hat, hartnebeneinander liegen. So glückte es mir, mich aus-reichend zu orientiren und die Hauptsachen im Bildemit heimzunehmen. Bergamo zerfällt ineine alte und neue, oderin eine obere und untre Stadt. Jene heißt die „Città“, dieseBorgo S. Leonardo. Zwischen beiden, wie einZirkel das Mauerwerk der alten Stadt ein-fassend, eine Gartenstraße, aber nur voneinem gewissen Vorstadtscharakter. Den Mittelpunktder „Città“ vom Bahnhof zu erreichen, währt,selbst im leichten Wagen einehalbe Stunde. Der ansteigendeWeg ist aber sehr schön, ebensodurch seine prächtige Kastanien-Allèe wie durch den Blick, den er in die reiche, zum Theil parkartigelombardische Landschaft gönnt.Die Altstadt selbst macht denentgegengesetzten Eindruck;alles sieht nach Armuth aus.Vor einem Café-Haus, dasmir der Kutscher als eingutes bezeichnete (seinerLage nach auch sein mußte)ließ ich halten, um einen„Wermuth mit Wasser“zu nehmen. Aber dasLokal sah kümmerlicher auswie eine Bierstube inZehdenick oder Gransee. Nunwaren wir endlich amMarktplatz (Piazza Garibaldi). Der Kirchenplatz, auf demder Dom und S. Maria Maggiore liegen, schließtsich, nur durch den Palazzo vecchio oder Brolettogetrennt, unmittelbar an den Marktplatz an, so daß dasGanze folgendes Bild giebt:
Lageplan; Piazza del Duomo, KirchenplatzPiazzadelDuomoKirchenplatzBergamoPiazza Garibaldi (heute: Piazza Vecchia)PiazzaGaribaldi(heute:PiazzaVecchia)BergamoPiazza del Duomo und Piazza Garibaldi in Bergamo. d u. ecKirchen-platzbMarkt-PlatzStraßeStraßeStraßea
Gebäudegrundriss; Cappella ColleoniCappellaColleoniBergamoCappella Colleoni in Bergamo. bca
Gebäudegrundriss; Santa Maria MaggioreSantaMariaMaggioreBergamoSanta Maria Maggiore in Bergamo. S
SüdSüden
O
OstOsten
a.b. W
WestWesten
c N
NordNorden
Der Dom, x---x unfertig, vornnichts. Schöne Christuskapelle linksmit
bemerkenswerten
bemerk:
Bildern übermAltar und in der Doppelkuppel.Halb Basilika, halb X---x-Bau, sehr reich ornamentirt,bunt, farbig, überall. Ich muß also um11 12 aus LeccoDann bin ich um12 Uhr 57 inBergamo.
Hier muß ich nunden direkten Zugnehmen, weil dieserden andern überholt
Dieser direkteZug geht erst um2 Uhr 18 Minuten.(Der nicht-direkte schon um1 Uhr 22 Minuten) ausBergamo fort undist um 3 Uhr 49 inDesenzano. Abfahrt von dort demBoot um 4 Uhr 15. In Riva 8 Uhr 30. Schluß zum 10. Brief Der Lion d’or giebt mir auch Gelegenheit, gleich nocheine Bemerkung einzuschalten, die sich mir, seit dem ich in Bellinzona eintraf, beinah all-stündlich aufgedrängt hat. Das nord-italische Volk ist dochsehr anders als das römische und neapolitanische. Bisjetzt bin ich nur einem gesitteten, wohlanständigen,und daher unbettelhaften Wesen begegnet. Wirklich ein Culturvolk. Artig, lebhaft, intelli-gent; geschäftlich exakt, weder Betrug noch Unver-schämtheit, am wenigstenn die berühmte Mischungvon beiden. In Rom stört mich ein Dünkel,für den ich, kein rechtes Funda-ment finden konnte: die niedren Neapolitaner abersind einfach Gesindel.
Abfahrt von Lecco um 11 12 Uhr. Zunächst bis Berga-mo, von wo man aufdie große LinieMailand-Verona,Venedig übergeht.

Zehnter Brief. Lecco 14. August

Um 6 Uhr früh vonBellagio aus mit demDampfboot nach Lecco.Schon um 4 Uhr hatt’ ich mich herausgemacht. Der See war indieser Frühe und Frische sehrschön. Der erste helleSchein fiel gerade auf dieBergspitzen * als ich das Bootbestieg. Während wir die„Punta di Bellagio“ um-fuhren, sah ich, von demPunkte aus, der einenBlick in alle dreiArme des Sees gestattet,die ganze Schönheit desselben.Der Lecco-Arm, dersich zu dem Arm zwischenComo und Bellagio etwa so verhält,wie das UrnerLoch zu dem Vierwaldstätter-See, ist, nach meinem Geschmack,den übrigen und berühmterenSee-Partieen durchaus eben-bürtig. Er ist unbelecktervon der Cultur, wenigerreich an einfassenden Parksund Villen, was ihm aber durchaus kleidet. Er wirktdurch sein ursprünglicheresGepräge auch charakteristischer.
Um 7 12 waren wirin Lecco, einem betriebsamenkleinen Ort. Ich brachtemein Gepäck auf den Bahn-hof und begab mich dannin die Stadt zurück, inden Lion d’or. Ichbereu es nicht, hier4 Stunden bis zum Abgangdes nächsten Zuges nachDesenzano warten zu müssen. Ein Zimmer hab’ich natürlich nicht genommen,sondern sitze in dem, inseiner Art entzückendem Alber-go-Hofe, der,von allen Seiten eingefaßt, bemalt und umrankt, im Erdgeschoß aus Küche,Ställen, Remisen und Thor-wegen in Höhe desersten Stocks aber ausGallerieen besteht. Ueberdiesen Gallerieen ist einLeinwanddach ausgespannt,das die eine Hälfte desHofes in Schatten hält,während auf der andern(ungeschützten) Hälfte dieSonne liegt. Unterdem Leinwanddach sitzich nun mit andern Gästenund schreibe diese Zeilen. Topfgewächse und Kübel-Bäume: Camelien, Oleander, Cypressen, bilden einenHonoratiorenplatz, einensalle à manger, in dem Kellner, in lang- schößigen schwarzen Alpaca- Fracks,an gedeckten und ungedecktenTischen geschäftig sind. DieKüchenfenster, nur sechsSchritt von mir, stehen offenund gestatten mir einenBlick auf die rußigen Wändeund die weißbemütztenKöche. Wieder empfindich die außerordentliche Ver-wandtschaft zwischen dem ita-lischen und dem böhmischenLeben. In Münchengrätz,Sobotka und Gitschin hab ich 1866 ganz Aehnliches gesehn.Zu gleicher Zeit drängt sichsmir auf, daß die Italia-nissimi unter unsren deutschenKünstlern und Musikern, von ihrem Standpunkte aus gewißRecht haben; wenn sie einemimmer wieder beschwören: die großen Hôtels zu meidenund die nationalen Alber-gos aufzusuchen. Manwird billig, freundlichund sehr gut bedient, lerntVolk und Landessitte kennenund kommt aus dem zuletztlangweilig werdenden, weil scharf vorgeschriebenen Touristen-Geleise heraus. Alles sehrwahr. Dieser Lion d’orist im Grunde viel interessanterals das Hôtel Grande Bre-tagne von dem ich komme; nichts destoweniger geht es nicht.Die fabelhaften Gerüche, dieaus allen Poren eines solchennationalen Gasthauses quellen,die „Oertlichkeiten“ resp. die„Jardins“ (wie es in Mailandhieß) das beständige Gebundenseingleichsam mitzukochen undmitzubraten – schaffen Zustände,die man in einem gewissenAlter und bei gewissen Ver-wöhnungen auf die Dauernicht ertragen kann.Dazu kommt, daß diese Albergoskeineswegs immer diesemLion d’or entsprechen; esfinden sich auch wahre Räuberhöhlen,und einmal dem ganzenSchreckniß von Knoblauch-Cotelettsund entsprechendem „Caffè“ verfallen,ist man auf 4 Wochen ruinirt.Nur unverwöhnte Mägen und Na-sen, dürfen sich nationalen Studienhingeben.

Passage


Die 4 Fresken.
  • Europa sitzt als Königin, alsRepräsentantin der Monarchieenda; sie trägt Krone und Scepter;neben ihr aber liegen, wieGeschmeide, sechs, sieben andreKronen, was doppelsinnig istund entweder heißt: „ich habeviel davon“ oder ich fange an mich dieses Geschmackes zu entledigen.Der Genius der Kunst und Wissenschaft,eine Flamme auf dem Haupt, steht vor ihr und hältden Lorbeerkranz über dieAttribute der Kunst u. Wissen-schaft: Globus, Palette, Säulen-knäufe, Leier.
  • 2. America (weibliche Figurwie alle vier) ist zunächst durch einen neben ihr sitzenden mexika-nischen Häuptling charakterisirt. Diesist schwach. Ballen, die ausge-laden werden, deuten den Handelan. Auch schwach. Neben derAmerika-Gestalt steht ein Schildoder ein Doppel-Medaillonmit den Namen: Columbusund Washington. Auch billig.Nicht übel aber ist es, daß– wenn ich richtig interpretire –nach der einen Seite hin dunkel-rothes Abendgewölk, nach derandern Seite hin erste Morgen-röthe liegt. Soll wohl heißen: ein alter Tag geht zuRüste und ein neuer Tagbricht an.
  • 3. Asia ist auch nicht sehr glück-lich. Sie trägt einen Blumenkranzim Haar und sitzt träumerisch, halb-märchenhaft da. Dies möchtegehn. Ein Chinese – als Reprä-sentant der
    mongolischen
    mongol:
    Race – huldigtoder bringt Geschenke. Ist allesnicht viel.
  • 4. Afrika. Ist am hüb-schesten. Pyramiden, Obelisken;in Front derselben thront irgend eineCleopatra oder sonstige aegyp-tische Königstochter. Ein Nu-bier (Neger) hat goldenes Kornin dichten Bündeln geschnitten undbringt sie dar. Das Ganze emi-nent malerisch. Die Aegypter-in, der schwarze Neger und dasgoldne Korn, stimmen vor-züglich zu einander.

ganz wegfällt.Saal 9.Von Guercino einChristus auf dem Schweiß-tuch der heiligen Veronica.Auffassung ganz wie beiCorreggio, aber ihmlange nicht gleich kommend. Temperafarben auf Leinwand gemalt. DerKopf Christi, den man so zu sagen vomKinn aus sieht, so daß die Stirm fastverschwindet, ist wundervoll in seinengroßartigen Ernst. Eine colossale Leistung.Dazu welche technische Meisterschaft! Allesist in der Verkürzung gemalt (Menzelhat mal ähnliches gethan) so daß dieFigur verzwergt wirkt. DieKunst ist aber so groß, daß das Häßlichewas an diesem Maezenthum haftet, Saal 8.Hier ist eine würde-volle Pietà von Man-tegna. Höchst merk-würdiges Bild, ChristusLeichnam liegt auf einemStein oder Tisch, demaber (er scheint ein Kissen)irgend eine Rückenlehnegegeben ist. Maria, fastals alte Frau, und eine andrestehen weinend daneben. In

Brera

Pinacoteca. Saal 7.Ein kleines Zimmer nur, aberreich an Schönheit.
  • 1. Sposalizio. Es istentzückend und zählt zu demallerschönsten, das er je ge-macht hat. Die „Transfigu-ration“ beispielsweise wirktschon wie eine virtuoseLeistung; hier entfaltetsich eben das Genie. Schön-heit und Lieblichkeit sindganz und gar über diesBild ausgegossen. Nichtsstört. Es wirkt dennoch zum Theil anderswie ein Stich. Die Tempel-Architektur tritt nicht bloß undbescheiden zurück, sondern wirkt starkmit, in voller Farbenfrische. Maria,der Priester, Joseph und der Stabbrecher sindalle entzückend, jeder in seiner Art.Maria die zarte Mädchenhaftigkeit selbst,ganz menschlich noch; Joseph sehr trübselig,als habe er vorweg die Empfindung desVice-mannes. Die eit Sorglichkeit, weil sie nirgends einProdukt nicht vollen Könnens, sondern nurder Liebe ist, wirkt außerordentlich wohlthuend. Esist wundervoll erhalten. Kein Unthätchendaran. Ob in Folge von Uebermalung stehedahin.
  • 2. Der Christuskopf vom Abendmahlsbild.Farbenskizze. Es weicht sehr ab. Abernicht in Folge von Veränderungen, die das Fresko-bild erfahren hat, sondern es ist über-haupt etwas ganz andres, so anders, daßes mir fraglich ist, ob es überhaupt dieSkizze dazu ist. Nicht nur der Aus-druck ist total anders, sondern auch dieHaltung des Kopfes. Auf dem bildeFresko ist der Kopf ziemlich senkrecht
    Gemäldeausschnitt; Abendmahl [Gemälde]Abendmahl[Gemaelde]false14521519florent. Maler, Bildhauer, Architekt, Techniker, Ingenieur und NaturforscherLeonardodaVinciLeonardo da VinciChristuskopf auf Da Vincis „Abendmahl“.
    , hier auf der Skizze neigt er sich, vom Beschaueraus, nach rechts
    Gemäldeausschnitt; Christuskopf [Skizze]Christuskopf[Skizze]falseAnonym/nicht ermitteltChristuskopf auf einer Skizze zu Da Vincis Abendmahlsbild.
    . Mir ist der Kopfdes großen Bildes lieber als diese Skizze;diese Skizze wirkt ein wenig trübselig undweinerlich, während die verklärte Resigna-tion nicht nur viel schöner und größer ist,sondern auch zu dem wichtigen Hände-spiel mehr paßt. Diese Skizze würdegar nicht dazu passen.
Hand (der mit der linkenFlanke auf den Tisch gelangte Daumen,während die Finger einzeln undgraziös in der Luft spielen)sehr gelitten hat und äußerlich ge-nommen wenig hervortritt. Ersagt resignirt: „ja, es ist nunmal so; ich weiß es; ichmuß es tragen und ich werd’ es.“ Christus selbst ist sehr schön; aber fastnoch bedeutender als der himmlischeFriedens- und Ergebungs- ausdruck den er in den Kopfgelegt hat, erscheint mir das waser in die Bewegung der beiden Händezu legen wußte. Das ist sobedeutend und tritt so hervor, daß esdas war, was ich auf demganzen Bilde überhaupt in allerDeutlichkeit sah, trotzdem die rechte sein. Jacobus der ältre, etwas outrirt.Thomas, der Kopf gut, aber die Bewe-gung mit dem Schwurfinger nicht sehransprechend. So zu sagen der Ausdruckhinter dem höchst charakteristisch Gewolltenzurückgeblieben. Philippus langweiligin Haltung und Ausdruck. Matthäus,Taddäus, Simon, sehr gut, brillanteKöpfe, aber im speziellen Bezug aufdie Situation nicht sehr charakterristisch. gewirkt. Dennochkann ich beim bestenWillen nicht sagen,daß mir alles gefiele.Bartholomäus gut; Jacobusweniger (was er willkommt nicht recht deutlichheraus). Andreas sehrgut; Petrus vielweniger. Judas vor-züglich. Nach meinemDafürhalten die glän-zendste Gestalt des Bildes,auch besser als der Hei-land. Freilich auch dieleichteste. Johannes schön;ein bischen sehr weiblich;er könnte auch Magdalena soll z. B. bei Thomas gewiß heißen: „schwört ihn (den Heiland) zurächen“. Also him statt him-self.
Was nun das Bild selbst angeht, soist die Composition großartig, ebensoder Reichthum und die Lebendigkeitder Charakteristik. Nichts kehrt wieder.Auf jeden haben die Worte eigen-artig, seinem Charakter entsprechend Alle diese Erklärungensind der Mehrzahl oderdoch der Hälfte nachsehr dumm. Nochdummer sind sie augen-scheinlich durch dieUebersetzung aus demItalienischen ins En-glische geworden. Es

Leonardo da VinciAbendmahl.

Vom Beschauer ausvon links nach rechts.
  • 1. Bartholomäus willwissen ob Christus eswirklich gesagt hat
  • 2. Jacobus scheint esvon Petrus erfahrenzu wollen, dener – hinter Andreashinweg – mit derHand tippt.
  • 3. Andreas ist wiegeschlagen von Schreck undErstaunen.
  • 4. Petrus interpellirtin heftigem Zorn.(?)
  • 5. Judas sieht sich entdecktund heuchelt Sicherheit.
  • 6. Johannes neigt sichPetrus zu, wie dieserihm
  • 7. Christus.
  • 8. Jacobus der ältreist Schreckgetroffen (erist der, der beide Armeentsetzt halb nach rückwärtsausbreitet.
  • 9. Thomas mit erhobenem Finger schwörtsich zu rächen (to re-venge himself. (??)
  • 10. Philippus be-theuert seine Liebe.
  • 11. Matthäusbestätigt die Worte,die Christus gesprochen
  • 12. Thaddäus äußertVerdacht ( suspicionis)
  • 13. Simon zeigtZweifel.
zu den Terrassen vom Schloß, in vollerHöhe ein anspringendes Pferd, auf demein Engel mit gezücktem Schwertesitzt. Alles voll Orangerie. Das Ganzevon Park eingefaßt.
Nicht ermittelt. abcX---x
  • a. S. Maria.
  • b. Colleoni.
  • c. Diana
  • d. X---x. X---xx---x x---x
Condukteur der sehr freundlichwar und zog in den „Eng-gel“ ein, der seinen Namen Ehre machte. Was man nicht von allen Engeln sagen kann. Ich war todtmüde und schlief wie inAbrahamsSchooß.

SchloßTerrassen
So dieTerrassennach allenvier Seiten hin. Aberdie Gesammtform desTerrassenbaus oblong.Obelisk, Engel, Statue überallin Hochstelligen. Vorn am Eingang
Fenster zu. Hinein kuckend,, begrüßte unsdurch das Schellenklingeln seines Geschirrs und nahm dann wiederbescheidentlich die Queue, in pflichtschuldigemAbstand dem Wagen folgend.
Ich könnte in solchen Schilderungen fortfahren; aberes wird zu viel und – Doubletten wirkennicht. Der Mond ging aufund warf seine Lichter über verschiedene Bergwässer,zuletzt über den Tessin. Um 9 Uhr fuhren wirin Bellinzona ein. Ich nahm Abschied von meinem
Skizze der Straße mit Position von Pferden und Postkutsche. ab
aist der Postwagen, b.ist das Pferd.Du ansichtig wurde, das, während es uns auf 50 Schrittfolgte, an jeder Biegungsstelle nicht-hinter sondern neben uns war. Dannund wann, wenn nur einflaches Stück Wiesenland den Raum zwischender Serpentine füllte spartees sich die weite Biegung,durchschritt kühn den grünenStreifen und lief geradezu auf unser Seiten- fuhren bergab; deshalb genügten 4 Pferdewährend bergauf fünf gebraucht zu werden pflegen. Soblieb dann von den 5 Umspann- Pferden, die denVormittag,einige Stunden vor unsrer Ankunft in San / Bernardino von Mesocco aus, hinaufgeklettert waren, eins übrig,das aber doch ebenfalls wieder zurück mußte.Wie geschah das? Auf die einfachste Weise von der Welt;. Schon mochten wir eine Weile oder mehr bergab sein, als ichplötzlich, mit Hülfe der Serpentine, eines Pferdes andre die Sichel. war. Das alles störte mich aber keineswegs. Ich hättein diesem Augenblick verdient Wich-mann zu sein. Auch war es wirklich sehr schön. Sonntag-Nachmittag; Das Volk überall geputzt und plauderndauf den Straßen oder auch zur Heu-Erndte hinausgegangen. Inmitten derHunde stand eine jungeFrau, die die ganze Wiege, inder ihr Kind lag, als ob es ein Leierkasten wäre, auf demRücken trug. Was mich aber am meisten erschütterte, war das folgende. Wir Arbeiter aufgestiegen, den man aus Gutmüthigkeit mitnahm. Er preßte sich, so gut es ging, mit in den Bock-Kasten des Postillons hinein. Da dieser Platz aberfür zwei nicht recht ausreichte, so kam es, daß daslinke Bein des Chaussée-Arbeiters gerade vor meinem Cabriolet- fenster -hing. Zum Ueberfluß hatte er, kurz vordem Aufsteigen, in einem halb-ausgetrocknetemFladen getreten, dessen durch einen Strohhalm verzirten Ueberreste an seinen Hacken hingen.
Skizze vom Fuß des Postkutschers.
Alles in allem kam eine Art Sichel heraus, auf deren Hülfe ich nun die Landschaft ineinen weiten und engeren Rahmen sah. Der wie das Fenster, der nur ein einziges Wort zu sprechen,es ist alles trivialesdummes Zeug und zieht einem nur vonder ruhigen Betrachtung der Dingeab..Der Weg den Bernardin hinaufwar trist und langweilig, seinPlateau intressant, der Weg ngbergabwärts entzückend, namentlichauf der Strecke von dem BadeortSan Bernardino bisMesocco. Dies ist selbstverständlich mit Ausnahme der Via mala der ein Ding für sich ist) dieentzückendste Strecke des Weges;die Hitze ließ jetzt auch nach; dieFarbentöne wurden immer schöner.Ich rückte deshalb, nachdem ein Platz frei geworden, aus dem Fond des Wagens, wieder in das Cabriolet, wie bei uns eine Art Glaskasten. Ich sollt es nicht bereuen.,In San Bernardino war ein Chaussée- Platz des Wagens glücklich erstanden hatte. Schließlichreichte derTrost, der mir daraus zuführte, aberdoch nicht mehr aus, mich über die furchtbareneue Lage zu täuschen. Die Sonne brannte, daßein Straußenei hätte ausgebrütet werden können.Ich ließ also halten und kam nun (die Cabriolet-plätze waren mittlerweile vergeben) in den Fonddes Wagens für mich. Dies war ein Glück. Hier herrschteam meisten Schatten und danach, ich schmachtete meine Seele.. Zudem war ich allein. In diesemAlleinsein (was aber kein Stich gegen Dich ist, denn Du warst eine vorzügliche Reisegefährtin) schwelgte ich ordentlich. Während ich früher meine Scheuheit anklagte,segne ich sie jetzt. Es verlohnt sich nicht auch An dieser Nordspitze, oder doch in unmittelbarer Nähe derselben,liegt Bellinzona.
Um 1 Uhr waren wir in DorfSplügen und nahmen ein ganz gutesDiner. Um 2 Uhr weiter. Ichimmer noch auf dem Adlerhorst meinesBankettplatzes thronend. BeimAbreisen rief mir ein zurückbleibenderPostilon zu: ja, das ist der bestePlatz. Ich hörte gleich etwaswie Schelmerei heraus, ohne im Uebringen, vielGewicht darauf zu legen. Bald.indessen sollte mir die Tragweite dieses Scherzes klar werden. Der Bernardin,den wir jetzt in der Serpentineerkletterten, ist ganz kahl undda saß ich nun im glühendenSonnenbrand, immer heißer und gedunsener werdend, und durch nichts getröstetals durch die Betrachtung, daß ichhier 7 Francs 45 den theuerstenKiessling. Nur nichtporös, aber schilbrig verzapft; wenn sie einen Beisatz hat, so ist esder des Schrecklichen, der zum Imposanten und Gewaltigen viel besserpaßtals das Schönheitliche,, Jene sind verwandte. Das Wesen der Schönheit ist dasMaß, daß in einer Art Gegensatz zum Großartigensteht.
Sehr bald nach der Via Mala kommt das hochgelegeneDorf Splügen, das für zwei von Chur nach Italienführende Linien den Gabelpunkt bildet. Die eine, die später bei Chiavenna mündet, führt über den Splügen selbst, die andre überden Bernardin. Diese letztre war die von mir ge-wählte, weil mein Reiseplan dahin ging an derNordspitze des Lago maggiore Italien zu erreichen. undankbare Arbeit überlassich dem Touristen generis communis.. Nur das. Ich hättenicht geglaubt, daß nachallem wasich in meinem Leben gesehenhabe, ich noch so mächtig vonDingen dieser Art bewegt werdenkönnte. Zum Theil mag es daranliegen, daß meine Schweizer Eindrückeaus früher Zeit her schon wieder verblaßt warenRheinfall-Geschichte.,während die Eindrücke, die Italien giebt, doch von ganz andrer Natur sind enNeapel beispielsweise ist auch großartig, aberes ist eine großartige Schönheit,in der doch zuletzt das Groß-artige im Schönen untergeht. Inder Tamina-Schlucht war, undfast noch mehr in derVia mala, wie dieGroßartigkeit ganz rein

Auf dem Lago Maggiore 9. August

Da wären wir also! Diedurch Pietsch so berühmt gewor-denen Nußbaum und Kastanien-alleen „die sich vom dunklenHintergrund der Berge ab-heben“ sind wieder ummich her und auch die Wein-guirlanden ziehen sich vonBaum zu Baum. Alles ächtund vorschriftsmäßig.
Gestern Abend 9 Uhr traf ichnach einer 16 stündigen Fahrtin Bellinzona ein. Um 5 Uhrfrüh hatt’ ich Chur im Eilwagenverlassen. Unter gewöhnlichenUmständen wär das eineStrapatze und eine um so größreals ich die während der drei NachtStunden,die ich im zu Chur Bette zubrachte, keinen Augenblick Ruhe  (aber wirklich) gefundenhatte; nichts destoweniger warder ganze Tag eine Wonnevon Anfang bis Ende. Selbsteine leise Prellerei, derich ausgesetzt wurde, konntedaran nichts ändern. Sie gingmit Freundlichkeit Hand inHand, was mich jedesmalentwaffnet; nur die gemeinenorddeutsche Prellerei, diedoppelt grob, | aufzutretenpflegt, weil in der Endung nämlich ebenso in derManier wie im Maaß,aufzutreten pflegt, verstimmtmich. Wie ungermanisch binich doch! Alle Augenblick(aber ganz im Ernst) empfindich meine romanische Ab-stammung. Und ich bin stolz da-rauf. Friedel hat Recht: das Fahrenist Einige machendie Hôtels zur Hauptsache, andredie Bildergallerien, noch andre das Berg- klettern, wie wenn der Mensch als Ziege geborenwäre. Dem allen stehtdie Friedelsche Schule, der ichmich anschließe, mit höherer Berech-tigung gegenüber. Das Besteist fahren; mit offnenAugen vom Coupé, vom Wagen,vom Boot, vom Fiacre unddie Dinge an sich vorüberziehnlassen, das ist das A und O alles-beReisens. e. Was nochübrig bleibt, ist Sache desStudiums,.Und auch mit diesem Stu-dium ist es so so. In denseltensten Fällen ist es möglich in den Kern der Dinge einzu-dringen und wer sieben Monate lang in Rom lebt,wird nicht sehr viel mehr heimbringenwie der, der es 7 Tage langmit Plan und Buch in der Handdurchfahren Wir lernen mit demAuge am meisten; es istbeständig thätig, das Ohr nursehr ausnahmsweise. Dazu kommtdaß wir im Sehen, immer etwas empfangen,ein Hören sehr oft nichts.. die Lage kommt sich nutzlosanst.
Also um 5 Uhr früh aus Chur.Ich hatte einen Platz im Cabriolet,neben mir zwei dänische Damen.Als Verfasser des „Kriegs von 1864“schwieg ich mich patriotisch aus.Gleich der erste Moment, beimEinbiegen in die große Chaussee war prächtig. Die rhätischenAlpen schlossen dunkel amHorizont, aber hoch über siehinweg schaute das Schneehauptdes Piz Beverin, das ebenim Morgenlicht erglühend, diesich ihm nähernden Fremden freundlichbegrüßen zu wollen schien.Die Fahrt geht rheinaufwärts. Nachetwa 3 Stunden hat man Thusiserreicht, das am Eingangsthor derberühmten Via mala gelegen ist.Ich orientirte mich ein wenig,während die Pferde gewechseltwurden. Jetzt trat der Condukteur,ein breitschultriger Graubündterdessen SchweizerBarschheit längst in milde stimmende Spirituosen untergegangen war, an michheran und machte dieBemerkung ich würde vomCabriolet aus nicht viel sehn; oben der Bankett-Platz, das sei dasWahre, um Umschau zu halten.Die „Differenz“ könne ich später anihn erlegen.“ Mein bereit-willigstes Eingehn auf diesen Vor-schlag kostete mich, außer einerAnzahl von Trinkgelder, 7 Francs45 Centimes, die natürlichau fond auch nur Con- tribution eine zwischen zwei, drei Verschworenen sich theilende Kriegscontribution waren. Der mirgeleistete Dienst war aberviel größer als die Brandschatzung,so daß ich meinem Condukteur auchnoch nachträglich aufrichtig dankbarbin. Nur von dem offnen Ban-kett-Platz aus, war es möglichdie Zauber dieser Straße auf sich wir-ken zu lassen, denn man mußeben im Stande sein, jeden Augenblickrechts oder links, nach oben oderunten blicken zu können. Be-ständig drängte sich mir die Erinnerung an BöcklinsBild auf; alles war da,nur der Ichthyosaurus kucktenicht aus seinem Felsenfensterheraus. Dennochn ist er ungesehen da: er ist der Genius loci dieser Via mala,, die Verkörperung des Schreck-haften, Elementar-Ungeheuerlichendas hier seine Stätte hat. Wasalles man auch über Böcklinsagen, ja ob man beweisenmag, daß dies und ähnliches gar keinemalerischen Aufgaben seien,so ist mir dieser Nachtmalerdoch lieber als hundert andre,denen niemand ihren Titelbestreitet. Auf Beschreibungen dieses großen Stücks Natur laß ich mich nicht ein; diese
Nicht ermittelt.
Die Schön-heit unterihr wirdsie un-romanhaftvergiften
Friedel hat Recht: DasFahren ist die Hauptsache.Die Geschichte von demfünften Pferde, das folgt.Die Windungen. Alles hei-ter, das Gras, die Ziegen,die Farben der Kleider,die Gesichter. Eine Frautrug die Wiege roth zuge-deckt auf dem Rücken,etwa wie einenLeierkasten.Stengel: Die X---xX---xwirkung geht x---x Sehen SieGold verliert imWerth weil esnicht so vielwerth ist, wie eswerth ist.Der Kamm. Bier und Pfefferkuchen.Pyrmont. München. Prag. LangweiligVerzogen und ungezogen.Gutartig, aber keine Spur vonTakt, Erziehung, Mädchenhaftiglkeit Albern, prätensiöse Schnabbe-rei.

Engelberg beiBrückenwindFrau v. Wan-genheimDieLimonen-Gärten wieColonnaden.
Die reizende Scene mit den weißen Capitains-Pudel und dem alten Steuermann. Esmeralda mit der Ziege.
*Die schönste dieser Spitzen, pic-artig, istdie des Monte Croce. Dann HôtelGrande Bretagne
gerade gegenüber.