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(Zeitungsausſchnitte

Schloß Sichrow in Böhmen, 27. Junifrüh. Truppen der 8. Diviſion (Horn) habevergangene Nacht die Oeſterreichiſche BrigadPoſchacher, beſtehend aus den Regimentern Martini 30, König von Preußen 34 und dem 18. Jäger⸗Bataillon, bei Turnau an der Iſer (ſüdöſtlich von Reichenberg in Böhmen gelegen) entſchloſſen angegriffen und nach hartem Kampfe zurückgeworfen. Die Preußen haben 7 Offizierund 500 Mann vom Feinde zu Gefangenen gemacht. Auf Preußiſcher Seite haben wir mehrerTodte, darunter auch zwei Offiziere, zu beklagen
Glaz, 26. Juni, Abends. Von den Seiten⸗Détachements der Armee des Kronprinzen ſind Oeſterreichiſche Windiſchgrätz⸗Dragoner und Ulanen des 10Ulanen⸗Regiments zu Gefangenen gemacht worden

Neueste Nachrichten.

(Nachschrift der
Redaktion
Red.
der Kreuzzeitung. Die BrigadePoſchacher iſt die ſogenannte „eiſerne Brigade“, welchbei Schleswig den Königshügel ſtürmte. Das Regiment Martini beſteht, ſo viel wir uns erinnernaus Galiziern, das Regiment König von Preußeaus Ungarn. Graf Gondrecourt, der ſie in Schleswig führte, iſt jetzt dem Grafen Clam⸗Gallas, deCommandeur des 1. Oeſterreichiſchen Armeecorps, alAblatus beigegeben. Zur 8. Preußiſchen Diviſion gehören von Infanterie⸗Regimentern das 1., 3. und 4Thüringiſche Nr. 31, 71 und 72 Turnau an deIſer iſt ein wichtiger Eiſenbahnknotenpunkt; dort mündet die von Löbau⸗Zittau aus Sachſen über Reichenberg kommende Eiſenbahn in die Bahn, welche nordwärts von Prag die Sächſiſch⸗Böhmiſche Bahn verläßt und in einem nach Süden geöffneten Bogen deſſen Sehne die Bahnlinie Prag⸗Pardubitz iſt — erſnordöſtlich und dann ſüdöſtlich durch das Iſerthaüber Jungbunzlau, Münchengräz, Turnau, Eiſenbrodnach dem oberen Elbthale führt und, in demſelben entlang nach Süden gehend, die Feſtungen Joſephſtadt und Königsgrätz berührend, bei Pardubitwieder in die B hn Prag⸗Pardubitz einmündet. Podoliegt ein wenig ſüdweſtlich von Turnau, da wo die Eſenbahn die Iſer überſchreitet; Böhmiſch⸗Aicha iſt nordweſtlich von Turnau und weſtlich von Liebenau zu ſuchenwelches letztere halbwegs zwiſchen Turnau und Reichenberg liegt. Schloß Sichrow endlich iſt nur auSpecialkarten zu finden; wenn wir uns nicht irrenliegt es etwa eine Stunde nordöſtlich von Münchengrätz, in dem Dreieck, welches die von Münchengrätnordwärts nach Böhmiſch⸗Aicha und die von Münchengrätz nordöſtlich nach Turnau führende Straße mit deIſer bilden.) 4
Reinerz, Mittwoch, 27. Juni. Hinter Nachohat heute ein bedeutendes Cavalleriegefecht ſtattgefunden. Die mitengagirte Preußiſche Artilleriarbeitete bis 3 Uhr Mittags. Die Preußen haben die Oeſterreicher bis Jaromierz zurückgeworfen, drei Fahnen erobert, viele Gefangene gemacht. Ueber die Verluſte auf beiden Seiten iſvorläufig nichts Näheres anzugeben. 5
Eine andere amtliche Meldung lautet: V. ArmeeCorps. Zwiſchen Nachod und Station Groß⸗Stalitbei Wyscka in Böhmen hat ein Gefecht ſtattgefundenbei dem Cavallerie hauptſächlich engagirt war. DiOeſterreicher ſind von Stalitz auf der Straße von Jaromierz zurückgedrängt. Das 4. Dragoner⸗ und 1Ulanen⸗Regiment, deſſen Oberſt nebſt Adjutant verwundet, eröffneten das Gefecht. Drei Fahnen wurden erobert und viele Gefangene gemacht. Beiderſeits vieVerwundete
Nachod iſt der erſte Oeſterreichiſche Ort auf deStraße, welche von Glatz aus über Reinerz, LewinNachod, Stalitz und Jaromierz nach der Feſtung Joſephſtadt führt. Joſephſtadt iſt mit der 6 Meilen ſüdlicher gelegenen, aber weniger bedeutenden Feſtung Königgrätz zur Deckung des oberen Elbthals und der dorſich kreuzenden Straßenzüge beſtimmt. Bei Jaromierz wendet ſich die von Löbau⸗Zittau⸗Reichenberg her über Turnau durch Nord⸗Böhmen ziehende Eiſenbahn nach Süden, um über Joſephſtadund Königgrätz den Knotenpunkt Pardubitz und damit die Böhmiſch⸗Mähriſche Bahn zu erreichenVon Jaromierz,
beziehungsweise
bez.
Josephstadt, aus geht eine Zweig-bahn im Aupathale aufwärts über Stalitz, Nachound Koſteletz und Schwadowitz. Eine Verlängeruniſt projectirt bei Trautenau und Schatzlar vorüber bidahin, wo durch die Senkung zwiſchen dem Rieſenund Ueberſchaargebirge die Straße von Trautenau inBoberthal nach Liebau,
beziehungsweise
bez.
weiter nach Landshut undder Schleſiſchen Gebirgsbahn führt. Auf dieſer Straßeder Sehne des Bogens, mit welchem das BöhmiſchGebiet um Braunau herum in Schleſten hineinreicht iſt, wie die folgenden Depeſchen melden, das 1. Preußiſche Armeecorps in Böhmen eingedrungen und haden Feind von Trautenau in der Richtung auf Joſephſtadt zurückgedrängt. In das Braunauer Gebiet ſinandere Truppen einmarſchirt
Breslau, Mittwoch, 27. Juni, AbendsDas ganze erſte Armeecorps hat geſtern diGrenze bei Liebau, ohne Widerſtand zu findenüberſchritten und iſt auf Trautenau in Böhmen marſchirt. Die Truppen ſtießen hier heutVormittag auf den Feind und drängten denſelbeauf Joſephſtadt zu zurück. Das Gefecht dauernoch fort.7
Berlin, 27. Juni, Abends. Das 1. Armeecorpfand Trautenau vom Feinde beſetzt und iſt ſeit 11 UhUhr Vormittag im Gefecht. Der Feind in der Richtung auf Joſephſtadt zurückgedrängt. Die Truppeſchlagen ſich ſehr brav. Das Gefecht dauerte um Uhr noch fort
Königgrät
    1
  • 2. Der Tag nacder Schlacht(Genre
  • 3. Die VerluſteEinzelne öſtr: Regſiehe Rüstow
  • 4. Der Rückzug der OſtreicherBenedeks Telegraan den KaiſerDie Wirkung der Nachrichin Wien. Die PreßUrtheileBenedeks AbberufungBenedeks X---xAburtheilundurch ein Kriegsgericht
Die Vertheilung deDiviſionen und ihrBiwaksſtättenVerſuch zUebergabder FeſtungHeitres SchlußTableauEin Feldprediger ſchreibt
. . . . Nach 2 Stunden war ich wiedeauf; Kaffee und Pferdefutter mußten natürlich erbettelt werden dann — auf den Verbandplatz! Da habe ich den ganzen Tagearbeitet ganz allein, um die Verwundeten ein klein wenig zerquicken. Zunächſt galt es Aerzte holen, dann Eſſen. Keinvon beiden war zu haben, an weibliche Hülfe gar nicht zu denkendenn das Dorf war ganz leer und nicht das geringſte voEß⸗ oder Trinkbarem zu finden. Die Truppen hatten ſelbſt nichtsmein übriger Wein, Citronen, Schokolade
und so weiter
u. s. w.
im Wagen,und der immer noch verſchwunden. Das haarſträubende Elendes heutigen Tages verſuche ich nicht zu ſchildern; denn mehr aldie kühnſte Phantaſie ſich ausmalen kann, wurde hier zur ſchrecklichen Wahrheit. Jedes Haus ein Lazareth, aber ohne Bettenmeiſt ohne Heu und Stroh, ohne einen Trunk, ohne ein StücBrod, ohne irgend welche Pflege. Ich mußte alſo betteln gehenUud ſo bekam ich denn ein Viertel vom Kalbe und etwa 10 Pfdfreilich ſchon halb faules Rindfleiſch und etwas ungebrannteKaffee. Was das aber für wunderbare Anſtalten waren, bis dieſer gebrannt und jenes zu Brühe gekocht war, wo im ganzeDorfe kein Stück Geſchirr heil oder zurückgeblieben war, davohoffentlich einmal mündlich. Als aber alles fertig war — wawar das unter ſo viele! Allein in dieſem einen Bauernhofe lage50—60 Mann in einer Stube auf den platten Dielen nebeneinander und noch alle Fluren, Scheunen und Ställe dicht gefülltUnd dieſes Gewimmer! Dieſes ohr⸗ und herzzerreißende StöhnenAechzen, dieſes Brüllen der Verwundeten! Und dieſe Anblickedieſe verſtörten Geſichter, dieſe blutigen Fetzen der Monturendieſe verſtümmelten Glieder. Aber man gewöhnt ſich dermaßean dieſe zerſchoſſenen, blutgetränkten Leiber, und ſtumpft dermaßeab, daß man ſich am meiſten über ſich ſelbſt wundern muß. Udes furchtbaren Geruches willen konnte ich nur mit der brennenden Cigarre umhergehen und wurde zuletzt ſo kalt, daß ich keinnervöſe mehr, wohl aber eine unauslöſchlich tiefe, gemüthliche Bewegung davon trug

Wenn ſchon bei dem rapideVordringen der preußiſchen Armeen auf die Beerdigung der gefalleneKrieger wenig Sorgfalt hat verwandt werden können, da die böhmiſcheOrtsbewohner faſt ſämmtlich geflohen waren, und die Aufſuchung der Verwundeten und Todten ausſchließlich unſeren Truppen überlaſſen war, ſo gewährt es ſowohl für unſere Augen wie für die Geruchsorgane eine nichangenehme Berührung, wenn wir die vielen Bodenaufwürfe erblicken, welchdie Cadaver der gefallenen Pferde bergen. Hier hat der Mangel an Zeiund Arbeitskräften oft nur eine theilweiſe Ueberdeckung der Cadaver mikaum einem halben Fuß Erde oder Baumreiſern geſtattet, und man ſieht zuweilen den Kopf, die Beine und auch den ganzen Oberkörper der gefalleneThiere gänzlich unbedeckt, von maſſenhaftem Ungeziefer umſchwärmt unumkrochen, hervorragen. Welche Folgen dieſe mangelhafte Beerdigung deMenſchen⸗ und Thierleichen für die Anwohner der traurigen Kampfſtättehervorrufen muß, braucht nicht weiter erörtert zu werden
Auf dem Weg von Horzitz nach Sadowa zu zeigen uns die über diFluren und Felder eingeſchlagenen, immer breiter werdenden Heerwege diimmer mehr und mehr von verſchiedenen Richtungen her erfolgte Zuſammenziehung der Truppǝn, und je näher wir an Sadowa gelangen, deſtſchärfer markirt ſich die unüberſehbare Fläche des Kampfplatzes, auf dem diFeldfrüchte und Anpflanzungen dem Boden gleich zertreten, zerfahren unzerſtampft ſind. Wir berühren Sadowa auf der Straße nach Königgrätund Chlum. Gleich rechts am Dorfanger, unter einigen Reihen von Kopfweiden, bezeichnen zwei einfache, aus Latten zuſammengeſchlagene, mit Bleiſtift verſehene Kreuze die Hügel, welche die am 3. Juli c. gefallenen Heldenden Oberſt⸗Lieutnant von Pannewitz vom 3. Garde⸗Grenadier⸗Regimen(Königin Eliſabeth) und den Seconde⸗Lieutnant von Puttlitz vom 49. Infanterie⸗Regiment, für den ewigen Schlaf aufgenommen haben. EinEpheuranke um das ſchlichte Denkmal des Erſteren dürfte wohl der Beweikameradſchaftlicher Liebe und Verehrung ſein, welche dem gefallenen Heldegezollt werden konnte. Andere drei Hügel auf derſelben Stelle bezeichnedurch fußhohe Holzkreuzchen und durch die darauf befindlichen Bleizahle
5, 5, 9 die Zahl der übrigen Heldenſöhne, welche, ob im Leben Freunoder Feind, im Tode friedlich vereint, miteinander ſchlummern
Die vom Kugelregen ſtark beſchädigten Gebäude in Sadowa, die nocjetzt maſſenhaft zerſtreut, theils haufenweis herumliegenden Armaturgegenſtände und die in einem Umkreiſe von 4 Meilen einer Tenne gleiczertretenen Fluren bezeugen deutlich, welcher Kampf hier ſtattgefunden hatWir gelangen endlich hinter Sadowa an den Weg, welcher von deChauſſee nach Königgrätz links ab nach Chlum führt, dem eigentlicheMittelpunkte des Schlachtfeldes. Das Terrain iſt ringsum theils ſanfttheils ziemlich ſteil aufſteigend. Auf der Höhe deſſelben ſteht das kleinemit großen Obſtgärten umgebene Dorf mit ſeinem kleinen alterthümlicheKirchlein, deſſen Thurm weitum die Gegend beherrſcht. Würde das Augdes Beſchauers, welcher hier Schritt vor Schritt den blutgetränkten Bodeberührt, nicht unwillkürlich an das düſtere Bild des Schlachtfeldes gefeſſeltman würde dort oben den Sitz des Friedens und der ländlichen Ruhe zfinden wähnen. Doch wie ganz anders treten die Bilder der Phantaſie auihrem Rahmen in den der nackten Wirklichkeit. Das Dörfchen zeigeinen Schutthaufen, Gebäude und Bäume ſind niedergeſchoſſen unverbrannt. Weinend ſtehen die nach der Schlacht wieder heimgekehrten Dorfbewohner obdachlos vor der Aſche ihrer gänzlich verlorenenwenn auch ärmlichen Habe und ſehen ſchon jetzt der unvermeidlicheHungersnoth entgegen. Auf dem Kirchhofe, in den Gärten und auf deFeldern kennzeichnen friſch aufgeworfene Hügel und Hügelchen die Hand volErde, unter der, fern von der Heimath, getrennt von den Lieben, ſo manchemuthige Jüngling, ſo mancher beweinte Gatte und Vater ſchlummert. Tiefeernſte Rührungen empfindet das Herz des einſamen Wanderers auf dieſegroßen meilenweiten Kirchhofe, das Lispeln des Abendwindes ſendet diletzten Seufzer und Grüße der gefallenen Helden an ihre theuren ferneLieben mit. Dem Auge entquillt die Thräne unter tiefſter Bewegung deHerzens! Laß ſie rinnen, ſie iſt das Weihwaſſer für die Gefallenen unvereint ſich mit dem Herzblut und mit den tauſend und tauſend Thränenwelche hier gefloſſen ſein müſſen, bis die kalte Hand des Todes die namenloſen Schmerzen der unglücklichen Opfer geſtillt hat. 11
Wir wandern von den Ruinen des Dörfchens wieder hinaus auf defreien Kampfplatz, etwa zweihundert Schritt ſüdweſtlich. Ein einfaches auLatten gefertigtes, ſchwarz angeſtrichenes, mit weißer Schrift verſehenes, miKränzen von Laubwerk geſchmücktes Kreuz bezeichnet die Stelle, wo deGenerallieutnant Hiller von Gärtringen den Heldentod ſtarb und ikühler fremder Erde ruht. Neben ihm ſchlummert der Oberſtlieutnant voHelldorf; ſeinen Hügel bezeichnet ein ſchlichtes rohes Kreuz
öffneten. Inzwiſchen gelang es PreuBataillone heranzuziehen; das Feueieg bei energiſchem Auftreten, und dei eruhte Brigaden gegen uns Di
Scenen von KöniggrätS.Siehe Bessers Buch 30 – 4und 47 – 71Vor alleRogge’s u. KeſslerBuch

Aus Horsitz am 4.

— Idem Hauſe wurden an dieſem grauenvollen Vormittage noch ſechAmputationen vollzogen. Die Aerzte trieften von Schweiß und Blutals ich zur Thüre hinaus in den Flur trat, bemerkte ich auf deTreppe eine Frau, ſie ſcheuerte das Blut fort, welches aus den Tragbahren, durch die man Schwerbleſſirte hinauſgeſchafft hatte, niedergefloſſen war und ſich als Lache auf den Steinflieſen ſammelte. Wohin man die Straße entlang blickend das Auge weilen ließ, überalWagen mit Verwundeten, aus jedem Fenſter weiße Fahnen mit unohne rothe Kreuze, Zeichen, daß an jenen Orten eine Ambulance errichtet worden war. Sprach man mit einem der Doctoren über diGräuel der Verwundungen, fragte man nach der Zahl oder dem Zuſtande der Gefallenen, dann beſtand meiſtentheils die ganze Antworin einem ſchmerzerfüllten Händeringen oder in dem Ausrufe: „Eiſt ſchrecklich — unbeſchreiblich.“ Einer der Aerzte zeigte mir ſeinHände. In den Nägelrändern klebte Blut. „Ich kann ſie mir kaunoch reinigen,“ ſagte der Mann, „ſie werden ſogleich wieder durch daunaufhörliche Verbinden und Amputiren roth vom Bluthe.“ — Die Luft ſchien mir mit Weh und Ach geſchwängert, und ich eilte idas nahe gelegene Feld, um mich von dieſen erſten Eindrücken iHorzitz zu erholen

Poſen, 16. Juli. Auszug aus dem Briefe eines ſchleſiſcheArztes, der auf die Kunde von der Schlacht von Königgrätz nach deSchlachtfelde gereiſt war, um Hülfe zu bringen, und am 10. Juli vodort zurückgekehrt iſt:  13
„Unſägliches Elend haben wir geſehen, ſo unſägliches, daß es alleBeſchreibung ſpottet. Als wahre Rettungsengel kamen wir denen, dioben in Chlum vergeſſen waren, nämlich vielen Verwundeten, welche zugroßen Theil mit ihren namenloſen Schmerzen im Regen unter deKirſchbäumen lagen und theils auf den Tod theils auf Errettung hoffteneiner Sektion von vier Aerzten, die unter der Laſt der Arbeit erlagen unſeit vier Tagen nichts zu eſſen hatten, endlich einigen Kommandos Gardiſten und Jäger, welche das dort zuſammengefahrene maſſenhafte Kriegsmaterial, namentlich Geſchütze, zu bewachen hatten. Meine ſehr begüter
— n.In einem Briefe des in preußiſche Gefangenſchaft gerathenen und im Spital zu Nachod befindlichen öſterreichiſchen Feuerwerkes Anton Ulzer an ſeinen in Wien lebenden Vater befindet ſich+folgende Stelle: „Die Schlachbei Königgrätz hatte ſich zu unſerm Nachtheile gewendeund die Preußen rückten gegen unſere Batterie, als iceine Kugel in die Bruſt erhielt und für todt liegen bliebkurz darauf zog ſich die Batterie, durch die Stürmendegedrängt, auf eine Anhöhe zurück, von wo aus ſie eiverheerendes Feuer gegen die vorrückenden Preußen eröffnete. Dieſe, um ſich vor dem Feuer zu ſchützen, ſuchtedie herumliegenden Leichname zuſammen und häuften ſiübereinander zu einem Walle, auch mich, der ich leblomit einer Bruſtwunde dalag, nahmen ſie ebenfalls unwarfen mich auf den Leichenhaufen, hinter welchem ſie verſchanzt das Feuer der Batterien erwiderten. Durch dieſefurchtbaren Lärm und das Schmerzen meiner Wunde wieder zur Beſinnung gelangt, erſah ich erſt, in welch entſetzlicher Lage ich mich befand; rings um mich ſchlugen diKugeln in die Leichen und jeden Augenblick mußte ich auceine gewärtigen. Mit Zuſammenraffung all meiner Kräftbat ich einen hinter mir ſtehenden preußiſchen Soldatemich aus meiner Lage zu befreien. Vor Ueberraſchung liedieſer das Gewehr fallen, und mit Lebensgefahr, da edadurch eine Breſche in den Leichenwall machen mußte, diihn bloßſtellte, rettete mich der brave Mann, FriedricSchumann heißt er, aus meiner furchtbaren Lage und veranlaßte, daß ich aus der Schlachtlinie getragen wurdeworauf ich in das Spital zu Nachod kam.
— Ueberall auf dem Schlachtfelde gräbt man (am andereMorgen) große lange Gruben, in denen die öſterreichiſchen und preußiſcheTodten in ihren Uniformen neben einander gelegt werden. Nur ein einfachehölzernes Kreuz markirt jedes Grab, und darauf iſt die Nummer jedes Regiments vermerkt, deſſen Angehörige da unten liegen. Die Offiziere haben jeder einzelne ein Grab neben den Mannſchaften. Hier und da ſieht maEinige einen Kameraden zu einem abgeſonderten Platze tragen. Auf eineTheil des Feldes begrub ein preußiſcher General mit ſeinem Stabe ſeineSohn, welcher in dem Angriff auf die öſterreichiſche Rechte gefallen warDicht dabei ließ die Frau eines preußiſchen Gemeinen, welche deſſen Leichauf dem Felde gefunden hatte, dieſelbe durch einige Soldaten beſtatten, hineinige Eichenzweige an das Kreuz, ſetzte ſich auf den friſchen Grabhügel unſchluchzte laut, den zerſchmetterten Helm in der Hand haltend. Sie war, uihm ſeit dem Beginn des Feldzuges nahe zu ſein, dem Regiment durch allſeine langen Märſche hindurch gefolgt
auch dieſes R
gar zu große Verluſte. Von dem Schlachtfelde nach deSchlacht ſagt der Berichterſtatter unter Anderem: Iden Wäldern und auf dem gebrochenen Terrain liegedie Todten von beiden Seiten ungefähr in gleicher Zahlgewöhnlich vier oder fünf, wo eine Granate crepirte, abeauf offenem Felde und jenſeit des Lipaer Abhanges liegedie Oeſterreicher erſchrecklich dicht und iſt kaum einpreußiſche Uniform zu ſehen. Wo immer die Preußeihre Gegner ſehen konnten, iſt das Mißverhältnis deGefallenen ſofort merklich. Das Korn iſt überall auf deFelde niedergetreten wie Stroh in einem Stalle, und deGrund iſt aufgewühlt und von den Granaten ſo volLöcher geriſſen, daß man kaum 50 Schritte geradeaureiten kann. Ueberall im Felde werden große Grubeausgeworfen, in welche die gefallenen Preußen und Oeſterreicher neben einander in ihren Uniformen begraben werden. Jedes Grab wird mit einem hölzernen Kreuze bezeichnet, auf welchem die Nummer des Regiments ſtehtwelches darunter liegt. Die Officiere werden in einzelneGräbern beſtattet neben ihren Leuten. An einer Stelle deFeldes begrub ein preußiſcher General mit ſeinem Stabſeinen Sohn, welcher beim Angriff auf die öſterreichiſche Rechtgefallen. Nahe dabei ließ die Frau eines Soldaten, welchden Leichnam ihres Mannes auf dem Schlachtfelde aufgefunden hatte, ihn durch einen Soldaten begraben unhing einige Eichenzweige auf das Kreuz zu Häupten deſchlichten Ruheſtätte. Dann ſaß ſie auf dem friſcheHügel nieder und weinte ſich aus mit dem zerſchoſſeneHelm ihres Mannes im Schoße. Sie war ihrem Manngefolgt durch alle die langen Märſche von Anfang deFeldzuges, ohne ihn früher zu erreichen. 16
— An der Kirchhofsmauer eines Ortes in deNähe von Königgrätz befand ſich ein öſtreichiſcher Wachtpoſten, das Schilderhaus ſtand an der Stelle deMauer, wo am Morgen deſſelben Tages unzähligLeichen der Oeſtreicher, wohl auch einige Preußen hinüber geworfen und jenſeits der Mauer aufgehäuft worden waren. Mitten in der Nacht hört der Poſten öfteein Gewimmer, und jedesmal, wenn er aufhorcht, verſtummt das Geräuſch wieder. Plötzlich vernimmt e
den heiſern Ruf: „Schildwache, errette mich!“ Er ſiehtwie eine Geſtalt über die Mauer mit dem Kopfe hervorragt. — Von der ſchrecklichen Furcht ergriffenläuft der Poſten nach der Hauptwache zu und ruft, ſlaut er kann: „Wache ’raus! Unteroffizier, diTodten ſtehen auf!“ 16
Oeſtr. Artilleriſt. Wiſcher, große Kugeln unterArm. Am Abend deSchlachtfeldes. So fanman ihn nach Tagen todtLeute die ſich bis adie Pfütze geſchlepphatten, aber ſtarbeeh ſie trinken konnte
13lag, dieſe Weunentz.-->ndung x---daher die Energie dein immer gkeit des Kampfstrotz wiederholten Scheiternsn erneutee zurückzogenngriff richtete ſen Ausläufein das 2. Batadas die Tütr. Das 1. Bfolgte, wa 13Kampfdaer4. Regigedasuwei
—. „Ich wurde“ — ſo erzählt ein in der Schlacht beKöniggrätz verwundeter preußiſcher Freiwilliger — „durcdie Kugel eines Oeſterreichiſchen Kaiſerjägers ſchwer ader rechten Schulter verwundet und gerieth, als unſerCompagnie vor der Uebermacht der heranſtürmendeFeinde zurückzuweichen genöthigt war, mitten unter diOeſterreicher hinein. Kraftlos und der Ohnmacht nahund zudem von einem verzehrenden Durſt bis aufAeußerſte geplagt, dachte ich jeden Augenblick meinen Tozu erwarten. Da gewahrte ich in meinem halbtodteZuſtand ungefähr zehn Schritte von mir in einer etwatiefer liegenden Wieſe einen kleinen Graben, der mit etwaſchmutzigem Regenwaſſer gefüllt war. Mit Zuſammenraffung meiner wenigen Kräfte rief ich einem eben an mivorbeieilenden Kaiſerjäger zu, er möge doch einem ſterbenden Deutſchen Bruder die letzte Bitte um einige TropfeWaſſer nicht verſagen, indem ich ihm zugleich mit deHand nach dem Graben deutete. Er drehte ſich auf deStelle herum, und als er mich blutend am Boden liegeſah, rief er in ſeinem gutmüthigen Dialect: „WartKam’rad! ſollt’s ſcho’ hab’n!“ nahm meine Feldflaſche von der ſeinigen war die untere Hälfte weggeſchoſſen und lief nach dem Graben. Er war im Begriff, die gefüllte Flaſche wieder heraufzuziehen, als ihn die Kuge
eines unſerer Füſiliere ereilte. Lautlos ſank der Bravin den Graben; die Kugel hatte ihm den Kopf zerſchmettertEin lauter Schrei entfuhr mir; ich ſank in Ohnmachtund als ich erwachte, befand ich mich im Feldlazareth. Ich bin jetzt wieder ziemlich geheilt; aber meine Wundbrennt jedesmal vor Schmerz, wenn ich des braveJägers gedenke. Aus ſeinen Papieren erfuhr ich ſeineNamen, er hieß Joſeph Schleidner. So lange ich lebebewahre ich dieſem Braven ein ehrendes Angedenken.

Kriegsskizzen.

Ein Correſpondent des Pays bringt eine Schilderundes Schlachtfeldes von Sadowa nach der Schlacht uneinzelne Epiſoden aus dem Kampfe ſelbſt, in welchen ſicdem Schrecklichen und Traurigen auch komiſche und heiterZüge beimiſchen. So haben auch hier die Haſen mehrfacdie lächerlichen Scenen hervorgerufen, welche uns voFriedensmanövern her in verſchiedener Weiſe erinnerlicſind. Entſetzt von dem Kanonendonner, vielleicht durceine in nächſter Nähe platzende Granate aufgeſchreckt, hattein ſolcher ſich mitten in eine Compagnie geflüchtet, dieben, ganz erſchöpft von Anſtrengung, ſich in einer Ruhepauſe auf den Boden gelagert hatte, und ſchien in dieſeGeſellſchaft bleiben zu wollen. Trotz der Ermüdung deMannſchaften aber ſprang eine Anzahl derſelben auf, uMeiſter Lampe zu fangen, liefen und haſchten, freilicumſonſt, denn der Haſe entkam; aber die Jagd brachtlauten Jubel und Gelächter im Momente, wo der Tojedem Einzelnen hundertfach drohte. Beim Vormarſch in
Feuer hatte ein Füſilier eine Gans am Gürtel hängenwelche, halb erwürgt, noch in den letzten Zügen krächzt„Was ſoll die Gans da?“ fragte ſein Offizier. „Ichabe das arme Thier gerettet, Herr Lieutnant; es hattſchon einen Schrammſchuß von einer Granate bekommen.Bei der Verfolgung der Oeſterreicher fanden ebenfallſonderbare und lächerliche Scenen ſtatt, mit den traurigſten gemiſcht. Unendlich viele verſchiedenartigſte von deFlüchtigen zurückgelaſſene Dinge bedeckten den Weg derſelben, und es wäre auf jedem Schritte beinahe etwas voWerth aufzuleſen geweſen; doch ein Gefühl von Reſpechielt wenigſtens die Soldaten zurück, die Hand danacauszuſtrecken. Unter Anderem war auch der Wagen einehohen öſterreichiſchen Officiers ſtecken geblieben; neugieriöffneten denſelben einige preußiſche Füſiliere, wurden abemit grimmigem Knurren begrüßt, denn auf dem Hauptſitze, auf weichen Kiſſen gebettet, lag eine Levrierhündin mivier ſaugenden Jungen, welche die Störung ihrer Ruhſehr übel nahm. Trauriger war eine andere Hundegeſchichte. Am Wege lag der Leichnam eines ſächſiſcheOfficiers. Ein kleines Hündchen bewachte ihn und verfolgte, als man ihn zum Begräbniß aufhob, die Trägemit lautem Gebell und wollte ſich von ſeinem Herrn nichtrennen laſſen. Das Schicksal der Verwundeten iſt theilweiſe ſchrecklich geweſen, da es unmöglich war, die nöthigHülfe ſo ſchnell zu bringen, wie es erforderlich geweſenund viele Verwundete in den Kornfeldern und Gehölzeverborgen, erſt nach langer Zeit aufgefunden wurdenManche, welchen wohl zu helfen geweſen ſein möchte, ſinſolcher Weiſe verſchmachtet und verelendet. Es wirgerügt, daß auf eine nach Königgrätz geſandte AufforderungChirurgen zu Hülfe zu ſenden, da ja auch eine Unzahvon öſterreichiſchen Verwundeten derer bedürften, voöſterreichiſchen Commandanten der Feſtung auch nicht einmageantwortet worden iſt. 20
ginhof aitſchin, wdie Entfer
* Kindliches Vertrauen. Ein Leipziger Blatt theilfolgende ergreifende Geſchichte aus dem letzten Feldzug mitAus der Schlacht bei Königgrätz erzählt ein Arzt: „Der erſtVerwundete, welchen ich ſah, war ein öſterreichiſcher InfanteriſtBeide Unterſchenkel waren ihm durch eine Bollkugel zertrümmert; ſie hingen noch mit dem Körper zuſammen, waren abevöllig um ihre Axe gedreht, als gehörten ſie dem Unglücklichenicht an. Kameraden hatten ihm ſeinen Torniſter als Kopfkiſſen untergeſchoben, die Blutung war unbedeutend, ein Verband nicht angelegt. Er lag offenbar, ohne die geringſteSchmerzen zu empfinden, ruhig bei voller Beſinnung. Icſprang vom Pferde, verband ihn und reichte ihm eine Erfriſchung. „Haben Sie Schmerzen?“ — „Nein, gar nicht.“ „Ich werde Sie verbinden. Haben Sie vielleicht an die Ihrigen etwas zu beſtellen?“ — „Muß ich denn ſterben?“ „Das wohl nicht, aber Sie ſind ſchwer verwundet und ewird jedenfalls lange dauern, ehe Sie die Ihrigen ſehen.“ „Ich bin nur wenige Meilen von hier zu Hauſe; meine Mutter wird das Donnern gehört haben, ſie wird ſchon kommeund mich abholen.“ — „In der Umgegend iſt Alles geflüchtat“ — „Meine Mutter wird ſchon kommen, das weiß icgewiß! Sie hat mir immer geholfen, ſie wird mich heut’ nichverlaſſen.“ — Ich mochte, trotz ernſtem Zwange, doch woheine ſehr bekümmerte Miene gemacht haben, denn er fragtnochmals: „Muß ich denn ſterben?“ — „Die Kugeln fliegehier herüber, wie Sie ſehen. Es könnte Sie ja eine treffen.— „Wie Gott will! Meine Mutter wird ſchon kommen.Ein rührenderes Kindesvertrauen zu einer Mutter habe ich imeinem Leben noch nicht gefunden. Er war in Kurzem, ſpäteſtens in einer Stunde, nicht mehr unter den Lebenden; derechten Arm bewegte er gen Himmel, den linken hatte er unteden Kopf auf den Torniſter gelegt.“ 22
— (Einer der von ſeinem Tode nichtwiſſen will!) Eine eigenthümliche Scene ſpielte a19.
des Monats
d. M.
in einer der Baraken nächst dem Militär-ſpitale zu Klagenfurt. Es wurden von einem Führer, der von ſeinen Wunden bereits geneſen iſt, aueiner Zeitung die Verluſtangaben an Chargen unMannſchaft in der Schlacht bei Cuſtozza vorgeleſenAls er von einer Kompagnie des Regiments Benededie Todten nannte, erhob ſich ein Leichtverwundetevon ſeinem Lager und rief: „Was? Ich ſoll todt ſeinNa, da müßt ich doch auch etwas davon wiſſen!“ 22
— (Die Haaſen,) welche ſo häufig bei den Friedensmanövern zu luſtigen Scenen Veranlaſſung geben, haben aucmitten unter dem furchtbaren Blutvergießen auf dem Schlachtfelde von Königgrätz manches Intermezzo hervorgerufen. UnteAnderem hatte, entſetzt von dem Kanonendonner, vielleicht durceine in nächſter Nähe platzende Granate aufgeſchreckt, ein Haaſe ſicmitten in eine Preuß. Compagnie geflüchtet, die eben, ganz erſchöpfvor Anſtrengung, ſich in einer Ruhepauſe auf dem Boden gelagert hatte, und ſchien in dieſer Geſellſchaft bleiben zu wollenTrotz der Ermüdung der Mannſchaften aber ſprang eine Anzahderſelben auf, um Meiſter Lampe zu fangen, liefen und haſchtenfreilich umſonſt, denn der Haſe entkam; aber die Jagd brachtlauten Jubel und Gelächter im Momente, wo der Tod jedeEinzelnen hundertfach drohte. Beim Vormarſche in’s Feuer hattein Füſilier eine Gans am Gürtel hangen, welche, halb erwürgtnoch in den letzten Zügen krächzte. „Was ſoll die Gans da?fragte ſein Offizier. „Ich habe das arme Thier gerettet, HerLieutnant; es hatte ſchon einen Schrammſchuß von einer Granate bekommen.“ 23
— n Aus einem der letzten großen Gefechte wirder K. n. Z. folgende Epiſode berichtet: Ein jungeSoldat von hier bemerkte mitten im heftigſten Troubedes Kampfes von ungefähr auf dem graſigen Bodezu ſeinen Füßen ein vierblättriges Kleeblatt. Voeinem unerklärlichen Drange getrieben, bückt er ſichum daſſelbe zu pflücken, und — in demſelben Moment ſauſt eine Kanonenkugel ſo dicht über ſeineKopfe hin, daß er unfehlbar getödtet wäre, wenn eſich nicht gebückt hätte. Der ſo wunderbar Geretthat das verhängnißvolle Blümchen mit dem Berichſeiner Rettung an ſeine Braut nach Königsberg geſchickt, welches es als eine theure Erinnerung gewidankbar aufbewahren wird
— (Ein treuer Hund.) Als nach der Schlacht am 3. Juldie Todten begraben wurden, fanden unſere Soldaten am Wegden Leichnam eines ſächſiſchen Offiziers. Ein kleines Hündchebewachte ihn und verfolgte, als man ihn zum Begräbniß aufhobdie Träger mit lautem Gebell und wollte ſich von ſeinem Herrnicht trennen laſſen. 23
Hörde, im Dezember. [Die Mittheilung folgendeſeltenen Falles aus dem jüngſten Kriege] wird von allgemeinem Intereſſe ſein. Unter den hierher zur Pflege gelangteöſterreichiſchen Verwundeten befand ſich ein junger Wiener Architect, den das ſchreckliche Loos des Verluſtes beider Augen getroffen hatte. In der Schlacht bei Königgrätz war ihm eine Flintenkugel von der Seite in das linke Auge gefahren, quer durcdas Naſenbein und über das rechte Auge fortgeſtrichen, ſo daß ſeilinkes Auge eine völlig leere Höhle, das rechte eine tiefliegendeiternde Maſſe zeigte. Der Verwundete ſelbſt erzählte, er ſei audem Schlachtfelde verbunden worden, und zwar habe der Arzt ihdie in der linken Augenhöhle befindlichen Fetzen herausgelöſtdemnächſt aber auch das heraushängende rechte Auge fortgeſchnitten, als gleichfalls unrettbar verloren. So wurde der Unglückliche, ein Bild des größten Jammers, während ſeines achtbis zehnwöchentlichen Aufenthalts hierſelbſt als Erblindeter herumgeführt, an jedem Arme einen Cameraden als Leiter. Wohwurde des rechte Auge wiederholt ärztlich unterſucht, ob an demſelben nicht doch noch zu retten ſei, auch tauchte ab und zu deGedanke auf, ihn der Augenklinik des Dr. Mooren in Düſſeldorf zu übergeben, doch vergeblich, denn alle Unterſuchungen conſtatirten leider, daß der Augapfel fehlte, ſomit alle Mühe auWiedererlangung von Seh⸗Vermögen nutzlos ſei. Es erübrigtnichts weiter, als die Lebenszukunft des Blinden thunlichſt ſichezu ſtellen, wozu Schritte bei der kaiſerlichen Regierung zu Wiegethan wurden, welche auch ein theilweiſes Reſultat herbeiführten. Während die Sache in dieſer Lage ſich befand, ereignete es ſich, daß einer der öſterreichiſchen Verwundeten ſeinen Wunden erlag, deſſen Begräbniß der Blinde mit ſeinen übrigen Cameraden beiwohnte. Dieſe Feierlichkeit, wohl auch das ſich aufdrängende Bewußtſein ſeines eigenen jammervollen Daſeins ergriff denſelben ſo ſehr, daß er in heftige Thränen ausbrach unwährend des ganzen Nachmittags einen reichlichen Thränenſtrovergoß. Am nächſten Morgen, wahrend die barmherzige Schweſter mit dem Reinigen des Auges beſchäftigt war, brach deBlinde plötzlich in einen lauten Aufſchrei, er könne ſehenDieſe Mittheilung fand zunächſt natürlich nur ungläubige Ohrenman argwöhne eine Fiction, indeß die wiederholten Betheuerungen, er ſehe etwas, er ſehe die blaue Schürze der Schweſter, eſehe dies und jenes, gaben Grund, der Sache näher zu treteund ihn ſofort nach Düſſeldorf in die vorerwähnte Augen⸗HeilAnſtalt des Dr. Mooren zu ſchaffen. Hier ſtellte ſich das überraſchende Factum heraus, daß der von ſich ſelbſt und von jedeAnderen zweifellos für blind Gehaltene in der That das rechtAuge noch beſitze. Die Kugel hatte den größten Theil delinken Auges mit ſich fortgeriſſen, durch das Naſenbein hindurchund dann vor das tief zurückgedrängte rechte Auge in die rechtAugenhöhle hineingezwängt. Dasjenige, was der Arzt auf deSchlachtfelde als das vermeintliche rechte Auge abgelöſt hatte, waeben ein Beſtandteil des linken Auges geweſen, ebenſo gehörtdie in der rechten Augenhöhle ſich noch befindliche ſichtbare Eitermaſſe nur dem linken an und ſcheinen die Thränen, welche avorherigen Tage ſo reichlich vergoſſen waren, die Löſung und daDurchſchimmern des darunter befindlichen, im weſentlichen unverletzten rechten Auges zunächſt herbeigeführt zu haben
— (Glückliche Rettung.) Aus einem der letzten großeGefechte wird der „Königsberger H. Z.“ folgende Epiſode berichtet: Ein junger Soldat von hier (Königsberg) bemerktmitten im heftigſten Toben des Kampfes von ungefähr auf degraſigen Boden zu ſeinen Füßen ein ſogenanntes Vierklee. Voeinem unerklärlichen Drange getrieben, bückt er ſich, um daſſelbzu pflücken, und in demſelben Moment ſauſt eine Kanonenkugeſo dicht über ſeinem Kopf hin, daß er unfehlbar getödtet wärewenn er ſich nicht gebückt hätte. Der durch dieſe Schickung ſwunderbar Gerettete hat das verhängnißvolle Blümchen mit deBericht ſeiner Rettung an ſeine Braut geſchickt, welche es aleine theure Erinnerung gewiß dankbar aufbewahren wird
* Ein preußiſcher Huſar bekommt bei Königgrätz eineHieb über den Kopf, der ihn bewußtlos niederſinken läßtAls er ſich nach einiger Zeit erholt und ſich das Blut auden Augen wiſcht, iſt Alles ſtill um ihn und nur Todte befinden ſich noch in ſeiner Nähe. Brennender Durſt quälihn, und er ſieht ſich eben um nach Waſſer, als ſich nebeihm ein Oeſterreicher erhebt und dem Kameraden guten Abenbietet. Der Preuße klagt ihm ſeine Noth und der Weißrocſteht ganz auf, geht weg und kommt nach einer Weile mieiner Mütze voll Waſſer wieder. Geſtärkt dankt der Preußfür die Wohltat und fragt dann, wo der Kamerad verwunddet ſei. „Verwundet? I bin holt goar nit verwundet. docht’, als d’ G’ſchicht losging, was ſollſt di todtſchießeloſſen? Und ſo fiel i holt hin und blieb liegen, bis deG’ſpoaß vorbei woar. Itzt oaber bin i dein Gefangener.
Wien. [Einer der von ſeinem Tode nichts wiſſen will!] Eineigenthümliche Scene spielte am 19.
des Monats
d. M.
in einer der Baracken nächst demMilitärſpitale zu Klagenfurt. Es wurden von einem Führer, der von ſeinen Wunden bereits geneſen iſt, aus einer Zeitung die Verluſtangaben aChargen und Mannſchaft in der Schlacht bei Cuſtozza vorgeleſen. Als evon einer Compagnie des Regiments Benedek die Todten nannte, erhob ſic
ein Leichtverwundeter von ſeinem Lager und rief: „Was? Ich ſoll todt ſeinNa, da müßt ich doch auch etwas davon wiſſen!“

—. In preußiſchen Blättern leſen wir die folgendAnekdote: Ein Fuhrmann, der in Berlin anſäſſig unnicht mehr militairpflichtig iſt, wurde als Führer zweieGeſpanne, welche den ausrückenden Truppen nachzufolgehatten, engagirt und ging beim Beginn des Krieges mider Garde nach dem Kriegsſchauplatz ab. In der Schlachbei Königgrätz kam ein Hauptmann vom 3ten ArtillerieRegiment, das beſonders ſtark im Feuer war, an deWagen des Fuhrmanns geſprengt und befahl ihm, ſeinPferde aus⸗ und vor die Schütze zu ſpannen. DeMann folgte ſofort dem Befehl und benahm ſich dabei ſſachkundig, daß der Hauptmann ihm zurief: „WareSie Soldat?“ — „Zu Befehl, Herr Hauptmann,lautete die Antwort, „bei der 3ten Artillerie⸗Brigade in Magdeburg.“ — „Da können Sie gleich deerſchoſſenen Stangenreiter erſetzen,“ lautete der weiterBefehl, gegen den der Fuhrmann als alter Soldat nichden geringſten Widerſpruch erhob. Er ließ ſeine Wageſtehen, übernahm den ihm angewieſenen Poſten unmachte ſo im Civilanzuge die ganze Schlacht mit, kaauch unverwundet davon und befindet ſich noch jetzt geſund und munter bei der Armee. Seine Wagen hat efreilich nicht wieder zu ſehen bekommen. 26
In der Köln. Ztg. leſen wir in einem Berichtvon der Elb⸗Armee: Am Morgen nach der Schlachvon Königgrätz brachten uns die 7. Ulanen eine Unmaſſe von Gegenſtänden, welche der Feind auf deFlucht zurückgelaſſen: Standartenbänder, zum Theigeſtickt, Feldtelegraphen mit einer Anzahl OriginalDepeſchen von Clam⸗Gallas und Anderen, darunteeine, die uns namentlich viel Spaß machte; ſie wavom Oberſten Pelikan, dem früheren Militärbevollmächtigten. Der Oberſt telegraphirte von Gitſchiſeiner Gattin nach Hall: „Haben die Preußen tüchtigeprügelt.“ 26
verts befindet ſich bereits der Vermerk: „HeuteGlänzender Sieg des Gardecorps. Trautenau wiedegenommen.“ Das Weitere iſt bekannt
CompagniOeſterreichiſchen Jägern ſtark beſetzwurde von der 7. Compagnie genomen Opfern. Unter vielen anderCompagnie, v. d. Trenck, hieMinut
lehrFeldlazareth, welches in deaſe etablirt iſt. OeſterreMan ſprach heuriee
Gefangenſchaft hattch. Der Brief, acouvertirt abe
  • 17 8. Diviſion (31.71.72Gefecht bei Podovom 26. auf de27. JuliGegeeiſerne Brigade2
  • 87. Diviſion (26.27.66.67. Gefechtebei München-grät (MuskyBoſſin) am 28Juli gegen BrigadeKali und die Sachſen(Vgl.Vergleiche Zychlinski.
Münchengrätz, 28. Juni, Abends. Die Armee dePrinzen Friedrich Carl, vereint mit den Truppedes Generals v. Herwarth, haben am 28. ein glückliches Gefecht beſtanden und Münchengrätz genommenDie Preußen hatten auf einem überaus ſchwierigen Terraizu kämpfen und den zähen Widerſtand der Feinde züberwinden, welche aus der Brigade Kalik und Sächſiſchen Abtheilungen beſtanden. Die Feinde zogen ſiceilig über Fürſtenbrück zurück. Ihre Verluſte betragemindeſtens 2000 Mann; die 7. Preußiſche Diviſiohat allein 600 Gefangene gemacht
Aus dem Hauptquartier Münchengrätz, 28. JuniAbends 10 Uhr, liegt folgender Bericht vor:  29
„Die Aufgabe der Armee beſtand für heute darin, diIſer⸗Linie zu überſchreiten und in der Richtung auMünchengrätz vorzudringen; eine Aufgabe, welche trotz deſchwülen Hitze des Tages, die den Truppen das Marſchireunendlich erſchwerte, glücklich gelöſt worden iſt. Die Kaiſerlichen ſuchten das Vordringen der Armee zu verhindernwurden indeß überall zurückgewieſen. Um Münchengrätzbei welchem Ort die Oeſterreicher die Brücke verbrannhatten, entſpann ſich gegen 9 Uhr ein heftiges Gefecht, adem Infanterie und Artillerie Theil nahm. Die Wirkununſerer gezogenen Geſchütze war eine ſehr gute. Ein feindlicher Munitionskarren flog in die Luft, und unter deSchutze dieſes Geſchützfeuers gelang es, bis gegen Mittaeine neue Brücke zu ſchlagen. Die Oeſterreicher benutzteauch heute das Terrain geſchickt. So fuhren ſie gege10 Uhr Vormittags auf einem ſteil zum Iſerthale abfallenden Felſen⸗Plateau unerwartet eine Batterie auf, didas Vordringen der Diviſion Horn erſchwerte. Indeß gelang es der Diviſion Franſecky, ſich dieſes Plateaus zbemächtigen und nach einem Gefecht das Dorf Bosſſi
(eine Stunde ſüdöſtlich von Münchengrätz, auf dem Wegnach Fürſtenbruck) zu nehmen. Auch heut haben die Oeſterreicher ungleich größere Verluſte gehabt, als wir. Diunſrigen werden 150 Mann im Ganzen nicht überſteigenwogegen bis jetzt allein gegen 1200 gefangene Oeſterreicheeingebracht ſind. Alle Ortſchaften, die unſere Truppepaſſiren, ſind von den Einwohnern verlaſſen. In Münchengrätz, einer Stadt von vielleicht 4000 Einwohnernhaben wir nicht 50 Perſonen vorgefunden. Noch währenunſere Truppen einrückten, flohen Familien mit aller HabeDie Brunnen ſind faſt überall verſchüttet und verdorbenUnſere Truppen haben überall den beſten Geiſt gezeigtDie Truppentheile, die uns gegenüber ſtanden, gehörtedem 1. Oeſterreichiſchen Corps (Clam⸗Gallas), der Brigade Kalik und der Cavallerie⸗Diviſion v. Edelsheim anAuch Sachſen wurden uns gegenüber wahrgenommen.
— Von einem Offizier der 7. Diviſion erhaltewir Folgendes über den 28. Juni, Gefechtstag vo
WahrſcheinlicDiviſion Horvon KlosteübeMünchengrätauf Boſſinin der FlankFranseckübeMusky⸗DorebenfallauBossin
Musky; Abends 7 Uhr in Boſſim bei Fürſtenbruck: Um 6 Uhr von Turnau abmarſchirt; beiRendezvous kurzes, kerniges Schlachtgebet durch deFeldgeiſtlichen; um 8 ½ Uhr erſter Kanonenſchuß voGeneral Herwarth; um 10 Uhr bekamen wir dierſte Granate und tüchtiges Gewehrfeue
Dresden, 5. Juli. Das nachſtehende Telegramüber die Betheiligung Sächſiſcher Truppen auf deKriegsſchauplatze in Böhmen, von dem Geſandten vKönneritz in Wien an den Geſandten in Paris v. Seebach adreſſirt, iſt geſtern Abend an die hieſige Franzöſiſche Geſandtſchaft gelangt:  32
Königgrätz,... Juli. In dem Kampfe bei Gitſchiam 29. Juni waren von den K. Sächſiſchen Truppen engagirt: a. im Gefecht bei Diletz: die Brigade Kronprinzdas 1. Jäger⸗Bataillon, die Batterieen Walther, Richteund Hering (Fuß⸗Artillerie), die Diviſion Krug v. Niddund die 3. Schwadron des Garde⸗Reiterregiments; b. beJohweck: das 3. Reiterregiment mit der Brigade Reitzenſtein. Obwohl der Kampf bei Gitſchin während der Nachund nach einem forcirten Marſche ſtattfand, war die Haltung der Sächſiſchen Truppen doch eine ausgezeichnete unmuthige, trotz der ziemlich beträchtlichen Verluſte der Brigade Kronprinz, des Jäger⸗Bataillons und des 3. ReiterRegiments. Der Geſammtverluſt der Sachſen in dieſeKampfe beträgt an Todten, Verwundeten und Vermißtegegen 5—600 Mann und 22 Offiziere. Von den Offiziereſind 8 todt, nämlich: Rittmeiſter v. Fabrice, die Infan
Sehr gut
Ueber das Treffen bei Gitſchin, durch welchedie Verbindung der 1. und 2. Armee erkämpft unſomit deren weitere glorreiche Erfolge ermöglicht wurden, erhalten wir noch einen Bericht, dem wir Folgendes entnehmen:  34
Von der Diviſion Tümpling haben 40 Offizierfür ihren König mit Freudigkeit geblutet, und darunte8 Offiziere ihre Treue mit dem Tode beſiegelt. Es wadie ganze 5. Diviſion in allen ihren Waffengattungenwelche hier von halb 4 Uhr Nachmittags bis in die Nachhinein unter dem Commando des Generals v. Tümplingegen den General Clam⸗Gallas und den Kronprinzevon Sachſen kämpfte und ſiegte, welche feindlichen Generale nach Ausſagen der Gefangenen 2—3 Mal ſtärkerTruppenmaſſen commandirten, da ſie 5—7 Brigaden mientſprechender Cavallerie u. ſ. w.und so weiter zur Dispoſition in vorbereiteter Stellung gehabt haben ſollen. Daß der Feinden Kampf zur Feſthaltung des überaus wichtigen Straßenknotens Gitſchin erwartet und vorbereitet, bewieſeauch die bereits in Poſition ſtehenden 40 gezogenen feindlichen Geſchütze, welche die Preußiſchen Truppen mit eineſehr wohlgezielten und, den Diſtanzen nach offenbar abgemeſſenen, außerordentlich ſtarken Granatfeuer empfingen, ſobald ihre Colonnentêten auf das Gefechtsfeldebouchirten. Der Feind wußte nämlich durch eine aTage vorher vorgenommene Cavallerie⸗Recognoscirungwie auch durch die in ſeinem Intereſſe ſehr thätigSpionage der Einwohner offenbar, daß die Diviſiobei Rowensko und Ktowa ſeit dem 28. Juni Vormittagin Bivouac ſtand. Hier erhielt General v. Tümpling gegen 1 Uhr Mittags, den 29., den Befehl des Ober⸗Commandos (Prinz Friedrich Carl), Gitſchin an dieſem Tagzu nehmen und zu behaupten. Von noch öſtlich Sobotkher ſollte auch die dritte Diviſion (v. Werder) gegeGitſchin marſchiren. Um 2 Uhr waren die Truppen de5. Diviſion bereits gegen Libun in Bewegung. Die furchtbare Hitze und die bevorſtehende ſchwere Arbeit des Tages veranlaßten den Befehl, das Gepäck der 12 Bataillongeordnet vor Libun noch ablegen zu laſſen. Bald daraubegann der Kampf, der damit endete, daß die Avantgardder Diviſion als die erſten Truppen in der Nacht zwiſche10 und 11 Uhr Gitſchin beſetzten. Als der Tag zum Abenſich zu neigen begann, traten auch die Teten der 3. Diviſion mit Theilen der 5. Infanterie⸗Brigade bei Lochoauf der Straße gen Sobotka her mit in den Kampf unführten ihn (wie ſchon näher berichtet) auch an ihreTheile unter ebenfalls ſchweren Verluſten ſiegreich durchEine Verbindung zwiſchen den beiden Diviſionen nocwährend des Kampfes herzuſtellen, war, wegen des voFeinde ſehr ſtark beſetzten waldigen Gebirgsterrains, welches dieſelben trennte und auf deſſen Rücken das großDorf Brada liegt, nicht möglich, ſo daß man bei der 5Diviſion nur aus dem Kanonendonner von jener rechteSeite her das Eintreten der 3. Diviſion ins Gefecht com
biniren konnte. General v. Tümpling wurde (um dienoch zu erwähnen) in dem Momente durch einen Schuverwundet, als er perſönlich den letzten Sturmangriff ſeiner Reſerven (2 Bataillone 12. Regiments, denen ſic2 Compagnieen 48. Regiments anſchloſſen) gegen das diPoſition beherrſchende, ſehr ſtark beſetzte und mit Etagenfeuer eingerichtete, der Stadt Gitſchin unmittelbar vorliegende, ſich an den Bergabhang lehnende Dorf vorführte, welches auch ſehr bald genommen und damit deHaupttheil des Tages gegen 9 Uhr Abends entſchiedewurde, indem von da ab der feindliche Rückzug ununterbrochen fortdauerte. — Se. K. H.Seine Königliche Hoheit der Prinz FriedricCarl beſuchte am folgenden Tage das Schlachtfeld unbeglückte die Truppen mit dem Ausdrucke ſeiner anerkennenden Zufriedenheit. 35
Ueber die Theilnahme des 2. Bataillons Grenad.Regiments König Friedrich Wilhelm IV. (1. Pommerſchers) Nr. 2 an dem Gefecht von Nieder⸗Lochovor Gitſchin, am 29. Juni, wird uns Folgendes mitgetheilt:  35
Am 29., Mittags 12 Uhr, brach die dritte Diviſioaus den Bivouacs bei Zehrow zum Weitermarſch übeSobotka auf und bald erfuhren wir, daß es unſere Beſtimmung ſei, die Verbindung mit der Armee des Kronprinzen herzuſtellen. Auf dem Marſche bemerkten wir überall die Zeichen des in der letzten Nacht und heute früh idieſem Paſſe ſtattgehabten Gefechts. Fortgeſchleppte Verhaue, Leichen gefallener Oesterreicher, Tornister
und so weiter
u. s. w.
;einſtimmig war aber das Urtheil: „wie iſt es möglich, einen ſolchen Paß ſo leicht aufzugeben?“ — ZSobotka, wo das Regiment etwa eine Stunde von defurchtbaren Hitze ruhte, hörten wir Kanonendonner vounſerer Front; doch wollte noch Niemand von uns ſo rechan Ernſt glauben. Vorwärts ging es frohen Muthes„Ruhig, Grenadiere,“ hieß es, „und das Gewehr feſt!Allmählich kamen wir dem Gefechtsfeld näher. Vor unſahen wir die Blücherſchen Huſaren an der Wald⸗Liſièran einer Anhöhe halten. Patrouillen jagten übers Feldbrachten Gefangene; Artillerie rückte an uns vorüber undeutlich unterſchied man das Tirailleurfeuer und die Salven von den 42er Füſilieren. Die fünfte Brigade formirtſich nun ſüdlich von der Sobotkaer und Gitſchiner Straßvor Nieder⸗Lochow und wurde von Granaten begrüßtwelche aber keinen Schaden thaten. Die Brigade avancirte, um von Südweſten den Feind anzugehen unihn der fünften Diviſion (was ich natürlich erſt ſpäteerfahren) in die Arme zu werfen, als die Nachricht über
bracht wurde, daß die 42er Füſiliere, ſchon völlig aufgerieben, ſich nicht mehr lange in Nieder⸗Lochow haltekönnten. Zur Unterſtützung wurde das 2. Bataillon deGrenadier⸗Regiments König Friedrich Wilhelm IV. beordert. Jetzt war kein Beſinnen. Vorwärts rückte das Bataillon durch Dick und Dünn, Berg und Thal, den Kammeraden zu Hülfe. Nur noch mit wenigen Füſilieren Nr42 hielt der Premier⸗Lieutnant v. Gallwitz ein Gehöfbeſetzt, als wir eintrafen. Das Gepäck wurde abgelegtSchützen vorgezogen und hinter ihnen folgte das Bataillon zum Angriff. Ein furchtbares Gewehrfeuer empfinuns bei unſerem Heraustreten; der Commandeur, Majov. d. Oſten, ſtürzte zuſammen, die Offiziere vor deFront und hinten ging das Bataillon tambour battanvor, Wir fühlten nur den Feind, weil wir in dem dickePulverdampf nichts erkennen konnten. Das Schießewurde unterſagt, da wir unſere Schützen vor uns glaubten, die ſich aber mehr links zur Säuberung der Straßgezogen hatten. Bald war die Aufklärung da. NeuSchützen wurden vorgezogen und vorwärts rückte das Bataillon, ſich jeden Schritt erkämpfend. Furchtbar decimirwurden wir aber und jeden Moment hörte man eineſchwachen Aufſchrei, oder ſah einen Kameraden lautlozuſammenſtürzen; zwei Drittel der Offiziere waren ſchotodt oder verwundet. Die Kräfte drohten ſchon uns zverlaſſen, die feindliche Uebermacht war zu groß; denn eſtanden uns nicht weniger als 5 feindliche Bataillongegenüber; — als das Bataillon laut betete: „Vater hilf“ — „Keine Schande“ — „Sieg oder Tod!Der Hauptmann Freiherr v. Kayſerlingk, der mider größten Ruhe und Umſicht das Bataillon führteergriff die Fahne, die Tamboure ſchlugen, Alles ſetzte diletzten Kräfte ein und mit Hurrah ging’s wieder auf deFeind, der ſich gefangen gab, oder flüchtend auflöſte. Wir hatten die Brigade Kalik durchbrochen. — Endlowar der Jubel unſerer Grenadiere, die wie die Löwen gefochten. Klein war nur noch unſer Häuflein; Alles rienach Patronen, um weiter vorgehen zu können. Drei leichtverwundete Offiziere, die ſich dem Bataillon wieder anſchloſſen, wurden mit nicht endenwollenden Hurrahs empfangen und vor Freude faſt erdrückt. Andere Bataillonrückten nun an uns voüber und nahmen die Verfolgundes Feindes auf. Wir ſammelten unſere Grenadiere un
.... jetzwurde Meldungebracht, dadie 42eebenſwie di„eiſerne Brigade(Poſchacher) die wohein Theil des 1. Corpwar, bei Podogegen di71.72. und 31eunterlegehatteDie dem Clam⸗Gallasſchen Corpzugetheilt waund ſchon beMünchengrätgegen die 27egefochten hatte
marſchirten auf Nieder⸗Lochow, um uns mit neuer Munition zu verſehen, das Gepäck zu holen und die Verwundeten aufzuleſen. Meiſt fanden wir die Leute gefaßt, jmancher rauchte ſchon ſeine Pfeife. Schwer ſind unſerVerluſte: 12 Offiziere 168 Mann todt und verwundetes iſt aber ein neues Reis in dem Lorbeerkranze unſereRegiments. Premier⸗Lieut.Lieutenant v. Borcke⸗Grabow, Seconde⸗Lieut.Lieutenant v. Maſſow III., Seconde⸗Lieut.Lieutenant v. Dewitſind todt. Drei aus den älteſten Pommerſchen Geſchlechtern ruhen in einem Grabe. Letzterer erhielt von eine
Oeſterreichiſchen Offizier, dem er Pardon gegeben, deSchuß, als er ihm den Säbel abforderte; noch im Todeskampfe ſtieß er ſeinem Gegner den Säbel durch die Bruſt Schwer verwundet: Major v. d. Oſten, Premier⸗Lieut.LieutenantRathmann, Seconde⸗Lieutenants v. Weihler, Milentz (Landwehr). Leicht verwundet: Premier⸗Lieutnanv. Maſſow I., Seconde⸗Lieut.Lieutenant und Adjutant v. Priesdorff, Seconde⸗Lieutnants Graf Schwerin, Tancr(Landw.Landwehr) und Görke (Landw.Landwehr). 38
25
Nachſtehender Bericht wird uns gütigſt zur Benutzung mitgetheilt:  40
— s Am 23. Juni überſchritt die 8. Diviſio(General⸗Lieutnant v. Horn) Morgens 8 Uhr die Böhmiſche Grenze, von Zittau aus gegen Reichenberg vorgehend. Der Uebergang über das Lauſitzer Gebirge geſchah ohne Unfälle, wenn auch am 24. der ſteile 2890 Fuhohe Jeſchken⸗Berg namentlich der Artillerie und deFuhrweſen viel zu ſchaffen machte. An dieſem Tage bezog die Diviſion bei Eichicht, nahe bei Reichenberg, Bivouac. Zwiſchen hier und Langenbrück hatten die Thüringiſchen Ulanen ein Scharmützel mit Ungariſchen Huſaregehabt und ſich tüchtig herumgehauen. Zur Erholung voden nicht unbedeutenden Strapazen der letzten 14 Tagwurde der Diviſion für den folgenden Tag ein Ruhetain engen Cantonnements gewährt. Hier wohnten wir defeierlichen Beerdigung von vier Todten aus dem geſtrigeGefechte, einem Ulanen und drei Ungariſchen Huſarenauf dem lieblich gelegenen Gottesacker bei. Die Muſides 72. Regiments begleitete ſie auf ihrem letzten Wege
Der katholiſche Pfarrer des Orts ſprach den Segen. Einernſte Handlung im Hinblick auf die ernſte Zukunft. 40
Am 26. früh hatte die 16. Infanterie⸗Brigade (General v. Schmidt), beſtehend aus dem 4. ThüringiſcheInfanterie⸗Regiment Nr. 72 und dem MagdeburgiſcheJäger⸗Bataillon Nr. 4, der die 3. 4pfündige BatteriMagdeburgiſchen Feld⸗Artillerie⸗Regiments Nr. 4 und einEscadron Thüringiſchen Ulanen⸗Regiments Nr. 6 zugetheilwar, Rendezvous bei Gerzmanitz. Von hier wurde gegeLiebenau vormarſchirt, welches die Oeſterreicher verlaſſehatten. Dieſe Thalränder jenſeit Liebenau werdedurch bedeutende Höhen mit ſchroffen Wänden begrenztüber welche die Chauſſee von Reichenberg nach Münchengrätz führt. Dieſe Höhen waren von abgeſeſſener Oeſterreichiſcher Cavallerie beſetzt. Das 1. Bataillon 72. Regiments und das 4. Jäger⸗Bataillon bildeten die Avantgarde. Dieſelbe marſchirte im Thalgrunde, nahe der Eiſenbahn, in Colonnen auf, das Gros formirte ſich dahinterVon halb 8 Uhr pfiffen die erſten Kugeln von den Höheaus über unſere Köpfe weg. Eine durchbohrte die Bruſeines Füſiliers (der erſte Todte des 72. Regiments); eſtarb den ſchönen Soldatentod! Zwei CompagnieeJäger wurden vom Dorfe Gillowey aus links gegedie Höhen vorgeſchickt, die erſte Compagnie 72. Regimets auf der Chauſſee, die dritte an der Eiſenbahn, die zweite und vierte folgten auf der Chauſſee
mit denen der Oeſterreicher nicht zu vergleichen, allein 15Todte wurden am nächſten Morgen in unſer Lager geſchafft. Der Beſitz des Dorfes, ſo wie an 500 Gefangenedarunter mehrere Offiziere, waren die Frucht des KampfesDie Oeſterreicher wehrten ſich heldenmüthig. Kam vo
Zeit zu Zeit das Gefecht zum Stehen, ſo ſtürzten ſie igroßen Haufen über die Brücken unter wildem Geſchrehervor — aber ſie hatten gewaltigen Reſpect vor unſerZündnadelgewehr, denn ſobald unſererſeits auf nächſtDiſtanz (30—50) Schritt die Salve erfolgte, machten ſiKehrt, Haufen von Todten und Verwundeten zurücklaſſendDie Oeſterreicher ihrerſeits ſchoſſen ſchlecht; denn bei unſeren Attacken ſchoſſen ſie ſelbſt auf obige nahe Diſtanzebaumhoch über die Angreifer hinweg. Ein gefangeneOeſterreichiſcher Offizier äußerte, man hätte nie erwartetdaß die Preußen mit ſolchem Ungeſtüm draufgehen könnten, — das würden die Oeſterreicher auf die Dauer nichaushalten. Laut weinend ſeufzte er dann: „O, meiarmes, armes Oeſterreich!“ 44
Lageplan; Podol (tsch. Podolí; heute: Ortsteil von Mnichovo Hradiště), PodollPodol(tschAPodol. bPodolAzerſchoſſeneHauNebenarm miwenig WaſſerHauptarm miWaſſerB
  • e.f.gdrei Eiſenbahngitterbrückenf. digrößte mieinem Mittelpfeiler
  • d. u bHolzſtückDamm dazwiſchen
  • a. dazerſchoſſene neuBauernhau
  • c. Steinbrücke mi2 Mittelpfeilerüber einem fauleIſer-Ar
  • A. Chauſſee⸗Dam
  • B. Eiſenbahndam

Die zweiten Schleſiſchen Dragone
(Nr. 8) bei Nachod. 46

Die Theilname des 2. Schleſiſchen DragonerRegiments Nr. 8 an dem Gefecht bei Nachod iſt iden Berichten meiſt unrichtig dargeſtellt; es ſind namentlich vielfache Verwechſelungen mit dem 1. Schleſiſchen Dragoner⸗Regiment Nr. 4 vorgekommen. Dieſerklären ſich einmal durch die große Aehnlichkeit deUniformen, da beide Regimenter gelbe Kragen habeund ſich nur durch Farbe der Knöpfe unterſcheidendie beim 4. Dragoner⸗Regiment weiß, beim 8. gelſind; dann aber durch den Umſtand, daß das 4. Dragoner⸗Regiment beim 5. Armee⸗Corps ſteht, währendas 8., dem 6. angehörend, erſt am Gefechtstage zuCorps des General Steinmetz ſtieß. Wir ſind jetzim Stande, in folgendem authentiſchen Berichte deSachverhalt wahrheitsgetreu und genau darzuſtellen
Das 8. Dragoner⸗Regiment war bis 26. Juni ider Avant⸗Garde der 11. Diviſion (Schleſ. ArmeeCorps). Am Abend dieſes Tages erhielt es den Befehl, zum 5. Armee⸗Corps zu ſtoßen, marſchirte u7 Uhr ab, bezog am 27., Nachts 3 Uhr ein Bivouacfutterte bis 5 ½ Uhr und ſetzte dann den Marſch fortDie Sonne brannte glühend, und nur mit Anſtrengunerſtiegen die müden Pferde gegen 8 Uhr die ſteile Höheauf welcher Nachod liegt. Wir ruhten einen Momentdann kam der Befehl, uns an dem Gefechte, das ſicbereits vor uns angeſponnen hatte, zu betheiligenMan brachte Verwundete, auch ſolche vom 4. Dragoner⸗Regiment, bei uns vorbei. Nüchtern, müdauf müden Pferden, machte dies einen unbehaglicheEindruck, der ſich ſteigerte, als wir in EscadronsZug⸗Colonnen uns neben dem 1. OſtpreußiſcheUlanen⸗Regiment Nr. 1 aufgeſtellt hatten und nudie erſten Granatſchüſſe in das Regiment einſchlugenDieſe häßliche Situation dauerte wohl eine halbStunde. Nun erſchien vor uns, von Wiſokoff hereine Cavalleriemaſſe. Es war die ſchwere Brigaddes Prinzen Holſtein, die alten Küraſſier⸗RegimenteKaiſer Ferdinand und Graf Stadion, die ſich präci
entwickelte. Die Ulanen ritten an. Nun auch wirDie Küraſſiere prächtig geſchloſſen, doch, wie es ſchienin etwas verhaltenem Trabe. Signal: DeployirenSignal: Galopp! Fanfaro! Die müden Pferdflogen. Mit donnerndem Hurrah ging es in deFeind. — Rittmeiſter von Walther warf ſeine viertEscadron durch Rechtsſchwenken dem RegimenKaiſer Ferdinand in die rechte Flanke und deRücken. Ein wüthendes Handgemenge. Die langenbreiten Pallaſche der braven Küraſſiere ſchmetterteauf die kleinen Dragoner herab. Dieſe aber hattenicht umſonſt pariren und hauen gelernt. WaltherFlankenangriff entſchied; die Küraſſiere wurden vorechten Flügel aufgerollt.
Lieutenant
Lieut.
v. Raven, der beidieſer Escadron ſtand, ſah plötzlich die feindliche Standarte neben ſich. Er, Unteroffizier Reudelsdorf, Trom
peter Tuchale und einige Dragoner werfen ſich auden mächtigen Mann, der ſie trägt. Ein Kampf entſpinnt ſich. Jetzt greift v. Raven zu; er faßt daPanier — noch ein Hieb, der Träger ſinkt zuſammendie Standarte iſt ſein. — Die Küraſſiere werden mehund mehr gegen die Ulanen getrieben, welche ebenfallihren Feind beſiegt und ihm die Standarte genommehaben. Jetzt beginnt die feindliche Artillerie ein heftigeFeuer gegen das Dragoner⸗Regiment, welches voVerfolgung des Feindes durch den Regimentsruf unSignal⸗Appell abgerufen wird. Das Sammeln hinter einer kleinen Höhe geht langſam. Die Mannſchaften ſind von der hitzigen Verfolgung nur ſchweabzurufen; einſchlagende Granaten nehmen Leute fortDes Abzählens: Eins, zwei, drei, iſt kein Ende
Premier-Lieutenant
Pr.-Lieut.
v. d. Borne wird vorbeigebracht. Er hateinen gewaltigen Hieb über das ganze Gesicht.
Lieutenant
Lieut.
und Adjutant v. Prittwitz kommt mit zwei Hiebeüber Stirn und Backe zurück.
Lieutenant
Lieut.
v. Zawadzky istam Arm,
Lieutenant
Lieut.
v. Wentzky und der Führer der erstenEscadron,
Premier-Lieutenant
Prem.-Lieut.
v. Poyrell, der sich jubelnd inden Feind geſtürzt, ſind leicht verwundet. Der Commandeur, Oberſtlieutenant v. Wichmann, kommt audem Pferde des Wachtmeiſters Grindel zurück; er iſan der Tête des Regiments in den Feind gedrungenhat einen Hieb über die Stirn erhalten und iſt dan
überritten worden. Der brave Wachtmeiſter iſt iHandgemenge abgeſprungen und hat dem Commandeur ſein Pferd gegeben. Da kommt er auf eineBraunen, einem Offizierpferde des Feindes, luſtig iGalopp daher. Auch Wachtmeiſter v. Kontratowitſchat ſich ausgezeichnet. 49
Eine halbſtündige Ruhe, wenn Halten im Granatfeuer Ruhe iſt
Run werden vom Walde von Wiſokoff, der linkvon uns liegt, tiefe Infanterie⸗Colonnen ſichtbarvoran Feldjäger. Die 3. Escadron erhält Befehl zuAttaque. Major v. Natzmer, ein Offizier von ſeltener Bravour, ſprengt ſeiner Escadron weit vorausauf den Feind ein. Er ſinkt vom Pferde durch daHerz geſchoſſen. Die Escadron rächt den Tod ihrebraven Chefs, ſie dringt ins Quarré ein. Doch ihrVerluſte ſind ſtark. Lieutnant v. Böhm II. erhäleinen Schuß in den Leib, Fähnrich v. Damnitz eineStich durch den Arm. Wachtmeiſter Otto und Sergeant Schreiber werden erſchoſſen; an 30 Mann unPferde ſind todt oder verwundet
Indeß ſind auch die andern Escadron zur Attaquauf die Infanterie übergegangen. Auch in ein zweites Quarré wird eingedrungen und der Feind zuTheil bis in den Wald verfolgt. Das Regimenralliirt ſich in der Nähe des vorigen SammelplatzesBeim Zurückgehen über das vorige Kampffeld, audem ſich die auseinander geſprengte Infanterie wiedezu einzelnen Klumpen vereinigt hat, geben dieſe, ofin größter Nähe Feuer, treffen aber nicht. Außeden ſchon angeführten, die 3. Escadron betreffendeVerluſten, wurde bei dieſer Attaque auf Infanteri
Premier-Lieutenant
Prem.-Lieut.
v. Progrell in das Bein und LieutnantMüller durch die Wade geſchoſſen und viele Leute unPferde getödtet und verwundet. Durch dieſe glücklichen Attaquen auf die feindliche Infanterie erhieltedie braven 37er und 58er einen Ruhemoment; deVordringen des Feindes wurde ein Ziel geſetzt unZeit zum Herankommen der Unterſtützung aus deengen Defilée von Nachod gewonnen, wodurch deSieg errungen wurde
Gegen Abend wurde das Regiment zur Verfolgung des Feindes beſtimmt und machte viele Gefangene. Es würden die Reſultate indeß weit größegeweſen ſein, wenn die Ermüdung der Pferde nichhindernd in den Weg getreten wäre. 50
Wenn man bedenkt, daß das Regiment von 7 Uhdes 26. bis 7 ½ Uhr des 27., mit Ausnahme vo2 ½ Stunde der Nacht, in denen es futterte, ſomiwährend 22 Stunden nicht aus dem Sattel kam, ſwird man die Leiſtung als einen neuen Beweis füdie Trefflichkeit unſeres Pferde⸗Materials anſehenzumal da das 8. Dragoner⸗Regiment keineswegs zden beſtberittenen des Heeres gehört. Den Hippologen erfreut die Energie des edlen Thieres, das matauf den Kampfplatz kommt und, wie der Reiter, beiSchmettern der Fanfare keine Müdigkeit mehr kennund treu iſt bis zum Sterben
Sergeant Kemski der 2. Esc. des 8. Drag.
Regts. lieferte am 28.
vorigen Monats
v. M.
in Nachod 2 feindlicheGeschütze der
vierpfündig
4pfünd.
gezogenen Batterie des Regi-ments Nr. 10 ab
Lieutenant
Lieut.
v. Raven hatte die Ehre, am 2.
des Monats
d.
die vonihm ſelbſt eroberte Standarte mit den übrigen Trophäen von Nachod in Berlin abzuliefern. Ihre
Majestät
Maj.
die Königin ließ dieſem jungen, braven Offizier eineLorbeerkranz mit ſchwarz und weißen Bändern überreichen und beehrte ihn mit einer Einladung zur Tafel

Vom Kriegsſchauplatz
Amtliche, in Berlin publicirte Nachrichten:  52

Berlin, den 8. Auguſt. Ueber das Gefecht des GardeCorps bei Soor am 28. Juni liegt jetzt folgender amtlichBericht vor
„Am 27. Juni Abends ſtand das Corps mit der 1. GardeInfanterie⸗Diviſion concentrirt bei Eypel, mit der 2. eben ſbei Koſteletz. Die Reſerve⸗Artillerie und die ſchwere CavallerieBrigade waren noch einen Tagemarſch zurück. Das 1. Corphatte ſich in Folge eines ungünſtigen Gefechts bei Trautenaden Abend in die Gebirge zurückziehen müſſen. Die Verbindunmit demſelben war gänzlich verloren gegangen. Um dieſe Verbindung wieder herzuſtellen und das 1. Corps zu degagiren
waren die Dispoſitionen dahin getroffen, daß die 1. Diviſioüber Eypel debouchiren und die 2. Diviſion zur Unterſtützunvon Koſteletz nach Eypel vorrücken ſollte. Die 1. Garde⸗InfanterieDiviſion trat am 28. Juni, Morgens 5 Uhr früh, an und beſetzte mit der Avantgarde die Höhen nördlich Raatſch, um daDebouchiren aus dem Eypeler Defilé zu decken. Die Cavalleripatrouillirte gegen die Trautenau Königshofer Straße in deRichtung auf Burgersdorf. Die Nachrichten ergaben, daß da10. öſterreichiſche Corps Trautenau mit einer ſtarken Avantgardbeſetzt hielt und mit dem Gros bei Neu Rognitz bivouakirhatte. Die Bagagen des Corps waren auf der Straße zwiſcheBurgersdorf und Weiber⸗Kränke in Abzug auf Königshof begriffen. Auf dieſe Nachrichten hin erhielt die 1. Garde⸗InfanterieDiviſion den Befehl, ſofort in der Richtung über Staudenz auBurgersdorf den Feind anzugreifen. Die 2. Garde⸗InfanterieDiviſion wurde über das Defilé herüber geholt und formirtſich bei Raatſch hinter den Höhen. 52
Zwei Bataillone Kaiſer Franz⸗Garde⸗GrenadierregimentNr. 2 wurden ſofort auf Alt⸗Rognitz detachirt, während daDefilé von Sedlowitz, zwiſchen Eypel und Trautenau, ſchovorher von 2 Compagnieen deſſelben Regiments beſetzt wordewar. Die 1. Diviſion gerieth beim Vorgehen in ein ſehr heftiges feindliches Granatfeuer, indem der Feind 5 Batterien auden Höhen bei Neu⸗Rognitz und Burgersdorf aufgefahren hatteDie 1 vierpfündige und die erſte ſechspfündige Batterie, welchder Avantgarde der 1. Diviſion unmittelbar folgten, fuhren iheftigſten Granatfeuer mit der größten Ruhe über das voFeinde in Brand geſchoſſene Staudenz hinaus bis auf 1000 Fuan die feindlichen Batterien heran und zwangen ſie mit Hülfder mit der grüßten Bravour und Kaltblütigkeit vorgehende
Infanterie in kurzer Zeit zum Abfahren. Die Diviſion führthierauf ein ſehr heftiges ſiegreiches Gefecht, welches ſie bis übeBurgersdorf hinaus brachte. Sie erbeutete 10 Geſchütze un1 Fahne und machte zahlreiche Gefangene. Den Abend bezodie Diviſion das Bivouak bei Burgersdorf. — Unterdeſſen hattſich bei Alt⸗Rognitz ein ſehr heftiges Infanteriegefecht zwiſcheden beiden Bataillonen Franz und einer ganzen abgeſchnitteneöſterreichiſchen Brigade entſponnen. Das 2. Bataillon Franging mit rückſichtsloſer Bravour im heftigſten feindlichen Kreuzfeuer gegen das von der feindlichen Brigade beſetzte Alt⸗Rognitvor und nahm das Dorf mit ſtürmender Hand. 53
Dieſer glänzende Erfolg koſtete herbe Verluſte. Der Commandeur des Bataillons, Oberſtlieutnant Baron v. Gaudyblieb an der Spitze ſeines Bataillons, Hauptmann v. Witzlebewurde tödtlich getroffen, die Hauptleute v. Wittich und v. Reitzenſtein wurden weniger ſchwer bleſſirt; einzelne Compagnieehatten alle Officiere verloren und wurden von Unterofficiereweiter geführt. Nach dem Gefechte war das Bataillon circ600 Mann ſtark mit 7 Officieren. Als die Heftigkeit dieſes Gefechtes erkannt war, wurde die ganze 2. Garde⸗InfanterieDiviſion, ſobald ſie ſich formirt hatte, mit Ausnahme der beRaatſch zurückgehaltenen Reſerve, über Alt Rognitz auf Trautenau dirigiert, wo ihr die Früchte des an dieſem Tage erfochtenen Sieges in die Hände fielen. Trautenau wurde mit ſtürmender Hand genommen, eine feindliche Fahne erobert, unüber 3000 Oeſterreicher geriethen in Gefangenſchaft. Die 2. Diviſion bivouakirte Abends in und ſüdlich von Trautenau. DiVerbindung mit dem 1. Corps und der Cavalleriediviſion de2. Armee wurde ſofort hergeſtellt. Das Schlachtfeld zwiſcheRognitz und Trautenau war beſäet mit Todten, Sterbenden unVerwundeten, die zum Theil noch aus dem Gefechte des. 1. Corpvom Tage vorher auf dem Felde liegen geblieben waren. Daganze Gepäck und ein großer Theil der öſterreichiſchen Bagagfielen in unſere Hände.
Und werden’s der TageUnd werden’s der Tage zviel, zu vieUnd will es nicht kommedas letzte Zie Vermutlich ein bislang unbekannter Gedichtentwurf Fontanes; Näheres nicht ermittelt.
Fr. WolffhardtBuchbindermeisterPapierhandlungLeipziger Str. 106.