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Ostersonntag d.
dender
9. April.

Abreiſe. Theo bringt miczum Bahnhof. Coupé für NichtRaucher; – immer langweiligNie wieder. Keine Oſterglocken. Sonne, Oede, Langeweile. Kritiſche Bedenkegegen den „Wandrer durchMark Brandenburg. Iittenberg Tauſende von franz.französischenGefangenen, in langer bunteLinie an der Bahn aufgeſtelltviel Cavallerie-UniformenAlles verſchoſſen und docmaleriſch. Auch viele Franzoſen, Offiziere in Civil unNicht-Civil auf unſrem Zuge Immer bei Durſt und Appetit. Mein Mitreiſendermiles catarrhalis trocknete Taſchentücher. ThüringeBahn. Es wurde hübſcherUeberall Guirlanden und Fahnezu Ehren der heimkehrendeFürſten oder LandwehrenIn Dietendorf Dinereidem ſpeciellen thüringiſcheLandesgeſchmack adaptirteDiner. Ich ſaß mit 1
französischen
franz.
Offizieren am selbenTiſch. In unglaublicher Verblendung ſchrieen riefen ſie laut unwiederholentlich: KellnèrWein, Rothwein. Endlicſetzte der Angerufene eine Rundbau von der Conſtruktion einer Platt⸗Menage, odeeines Eſſig⸗ und Oel⸗Ständerseine Art Fortifikationsthurder aber mit Rothweiin halben Flaſchen geladewar, vor dieſe leichtſinnigeSöhne von Bordeaux und Bur-gun. Das erregte nationalGefühle ging nicht ſo weitdaß ſich nicht eine Theilnahmin mir geregt hätte. DiSöhne von Bordeaux und Bur-gun und – dieſer Dietendorfer!
Vorbei an der Wart-bur, an Hünfeld ſchlimmen Gedenkens, über die Thürme unKuppeln von Fulda, a Bronzell, an delinks noch im Schneliegenden „hohen Rhönauf Gelnhauſen und Hanazu. Um 9 in FrankfurtUm 9 3/4 weiter gen Straß-bur. Auf dem FrankfurterBahnho noch eine unglaublich widrige Scenzwiſchen einem Leutnanund einem Kellner; u6 1/2 früh in Straß-bur

Ostermontag 10. April.

Abgeſtiegen im Rebſtocoder Rebenſtock, altes gutes Hôtel in der Ruedes Tanneurs , nun balwohl Gerberſtraße. Noch bi10 geſchlafen oder doch zſchlafen verſucht. An Emilieinige Zeilen geſchriebenAuf den Place de l’hommede fe, auf den Kleberplatz(jetzt Paradeplatz) auf deGutenberg⸗Platz (Poſt) bizum Münſter. Er iſvielfach eigenthümlich, eireicher, ſchöner, intreſſanterlehrreicher Bau, dennocfinde ich ihn als ein-heitliches Kunſtwerk untemanchem andern ſtehend Das Innre und den Thurhab ich mir für meinRückkehr aufgeſpart. DiGutenberg-Statue iſt äußerſlangweilig, die Reliefſind unſchön und lächerlich; ſehgelungen iſt die Kleber⸗Statu, hat auch einen hübſcheBronce⸗Ton
Die Stadt wimmelt voMilitair. Den Hauptſtocliefern die 47 er, di25 er und mehrere BataillonWürtemberger, die allerdingſehr gut ausſehen; dazu ſaich Sachſen (105.) und Braunſchweiger, ſo wie Gruppevon 10 andern Regimmentern. Vo Artillerie ſcheint de eine Abtheilung des 11. Regimenthier zu ſein, vielleicht daganze Regiment
Gegeſſen im „Rebſtock“Völlig deutſche Geſellſchaft, vorzugsweiſe (natürlich) Berlinerdas Ganze erinnerte ſehan die 64 er Tage in Flens-bur (Hôtel Rasch) und di66 er Tage im blauen Steroder braunen Roß zu Prag
Nach dem Diner ins Caféde la Lantern in der Ruede la Lantern; ganz wialle guten Caffèhäuſer aRhein und in der SchweizAn Lucae ein paar Geburts tagszeilen geſchrieben
Der Zug ging u5 Uhr Nachmittags ſtatum 7 Uhr Abends, alſo ſitzen geblieben und zwaunter erſchwerenden Umſtänden, denn das Zimmer wainzwiſchen vergeben. Schließlich aber doch verbeſſert
Alle Namen an den Schildernviel mehr als bei uns, ſindeutſch oder jüdiſch, aber diGeſchäftsangaben alle franzöſiſches bleibt erſtaunlich, daß ſidoch alle überhaupt nocdeutſch ſprechen und es wärintereſſant nachzuweiſen (Fragfür Lazarus) wodurch ſidoch 200 Jahre lang, namentlic aber während der letzten rapide vergehenden 50 Jahrenebenher deutſch verbliebeſind. War es doch dinächſte Nachbarſchaft Deutſchlandsdie beſtändigen Beziehungen zihm, war es die Zähigkeides ſeiner alten Art getrebleibenden, deutſch ſprechendeLandvolks, oder war edie einfache Klugheits⸗Erwägung: es iſt immer ein Vorthei2 Sprachen ſprechen zu könnenvortheilhaft für das Reuſſireim Leben und außerdem bequem, weil man der Majorität der andren gegenübeauf die leichteſte Weiſe Geheimiſſe bewahren oder beförder 1konnte
Auf den Straßen ſprichſo ziemlich alles in demonſtrativer Weiſe franzöſiſchEin Rudel Kinder amüſirtmich. Sie trugen zinnerne Ehrenlegionsorden ausauf Zinnder Bruſt aeinem dreifarbigen Bande hängenddazu allerhand Waffen in deHand, wie die Jungens beuns, aber ſie trugen am tricoloreBande zierliche zinnerne Ehrenlegionsorden auf der Bruſund ſanngen die Melodi(wie mirs ſchien mit untergelegtem ſpöttiſchen Textdes franzöſiſchen ZapfenſtreichsAnHatte ſchon die Demonſtratioals ſolche ein kleines Intereſſeſo intereſſirten mich doch vo 1allem auch dieſe Töne wiederSeit Besançon hatte ich ſie nicht wiedergehört, wo allabendlich 3 Trommler und dreClaironbläſer unter ungeheureLärm die Citadelle umzogen

Dinstag d.
dender
11.
April.

Um 7 Uhr Abfahrnach Nancy, Toul, CommercyBar le Duc, Vitry, ChalonsEpernay. Ankunft in Epernagegen 10 Uhr Abends. Wazu müde um noch biReims zu gehn. Abgeſtiegen im Hôtel de l’EuropeAbendbrod gegeſſen unin der Stadt der beſten Cham⸗pagner Sorte 1 einFlaſche Bier getrunkenSo geht es immer. DiFahrt als ſolche langweiligden ganzen Tag über nichtgehört und geſehn, daß dader Rede werth wäre unnur im Coupé ſelbſErſatz gefunden: meiReiſebegleiter den ganzeTag über bis Vitry wader Profeſſor der AeſthetikVische. Er beſuchte ſeineSohn, der bei den würtemberg.Reiter in Vitry ſteht. Eitrefflicher alter Herr. So ’alter deutſcher Profeſſor, wen 1er von der guten Sorte iſt (und die Carrikaturetreten mehr und mehvom Schauplatz ab) iſt docimmer eine erquickliche Erſcheinung. Hertz hat Rechtes ſind die eigentlich vornehmeLeute. Und es muß ſo ſeindie Beſchäftigung mit dem Geiſtigen und Schönen, wenn ſiden Menſchen nicht adelte, wärnicht beſſer wie PapeterieArbeit. Ueber den 66 erKrie hatte ich eine ſcharfDifferenz mit ihm, aber nuſachlich, in der Form bliebewir ganz ruhig. Er citirtallerhand gute Geſchichten
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  • 1. Von Richard Wagner ſagter (nach Gottfried Keller) „deKerl iſt wie eine femmentretenue, mal hat ihdieſer oder dieſe, mal jeneoder jene, aber immer wirer „ausgehalten“, immer muder andre bezahlen, bis einekommt der mehr bietet
  • 2. Ueber das durch Bismarcgeeinigte Deutſchland ſagter (Citat aus ſich ſelber„Germania wurde vodeutſchen Michel, einehübſchen Burſchen, mit Liederund Geſi umfreit, und ſigab ſich nicht, da kaendlich ein kecker Junker un15        nothzüchtigte ſie.“ Er fand indeſeinen eignen Ausſpruch etwacyniſch. Ich ſagte ihm: hoffewir daß es der Germania gehwie den Sabinerinnen, diſchließlich auch froh waren übeden Gewaltakt. – Wir ſpracheauch über Kugler, LübkeSchnaase und viele andre. – Intereſſant war eine Scene iBar le Duc, wo ein ſchwerbeſoffner Franzoſe in unſer Coupkam, in dem nur Vischer unich ſaßen. Monsieur le Conducteurje vous prie. . . . . cet hommlà a-t-il un billet poula deuxième classe? DeCondukteur kämpfte eineſchweren Kampf, endlich wurd1ſein Landsmann an diLuft geſetzt. – Vischer erzählte viel über ſeinReiſen in Griechenland, SicilienItalien überhaupt, dabei trieer mit Vorliebe vergleichendSprachwiſſenſchaft. Enfin eitüchtiger, kluger, charaktervoller, intreſſanter Mannaber ganz Schwabe, ider allemanniſchen Welt miVorliebe zu Hauſe und demnächſt in der klaſſiſchen WeltPreußen muthet ſolche Naturen nicht an und kanauch nicht. Uebrigenverachtete er jeden Particularismus, am meiſte
  • Sorte
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„Genie crepitus

Mittwoch d.
dendender
12. April

In einer kleinen Stubmit einem ſchnarchendeFranzoſen feſt und gut geſchlafen, wahrſcheinlich ſchnarchend wie er. Er kaerſt, als ich ſchon ſchliefwir begrüßten uns; u5 Uhr früh verſchwaner ſchon wieder. Man bringes am Ende noch bizum Eberhardt im Bart unkann in jedes FranzoſeSchooß ruhig ſchlafen
Um 10 1/4 Spatziergandurch die Stadt. Nichts Bedeu 1tendes, nichts Maleriſcheseine Miſchung von Wriet-ze und Kiſſingen. Das Beſtdran ſind viele, zum Theiunregelmäßig geformtPlätze, durch curvenförmigStraßen unter einander verbunden. Die Kirche eiSpät-Renaiſſance⸗Bau iſreſtaurirt, ſo daß jetzt einneue nüchterne Renaiſſancſich an den Reſt altemaleriſcher Renaiſſance anlehnt. Das Ganze unſchöunbedeutend. Das Palais deJustic iſt ganz neu, in deüblichen, nur noch verlangweilten Pavillon-Styl ſvieler Pariſer Neubaute 19     1aufgeführt. Unbedeutend. Dedavor gelegene große Platzeigte die Kaſtanien und Lindeim erſten Hellgrün, wameinem Auge ordentlich wohthat. Hügel faſſen voder einen Kreishälfte herwahrſcheinlich von Weſten unNordweſten her, die Stadein. Dieſe Hügel ſind wohdie Weinberge. Die Stadhat nirgends einen Abſchlußſondern die Straßen verlaufeſich dorfartig ins Freie. VoWeinfabrikation, oder Weingroßhandel ſieht man nichtsDas Geſchäft entzieht ſich deAuge, wie ſich das LondoneGroßgeſchäft ſo oft dem Augentzieht. Dann und wan 2ſieht man größere unelegantere Häuſer, weiwie mit rother Ziegel⸗Einfaſſunan den Ecken und Fenſterndazu mit hellen Jalouſieevon oben bis unten. DieſHäuſer liegen meiſt zurückgelegen, mit Vorhof odeVorgarten und ſind durch eiEiſengitter von der Straßabgeſchnitten, aber auch dieſHäuſer verrathen mehWohlhabenheit wie SchönheitAlles iſt in der ganzen Stadiſt ungewöhnlich flach und langweilig; nur dann und wanſieht man eine aparte Kleinigkeit, ſo beiſpielsweiſe eineFleiſcher⸗Scharren, durcein großes grünes Eiſengitter von der Straße ge 2trennt und ob das Gitter 1oben mit einem vergoldeten Ochſenkopf und zweflankirenden Gitterk Widderköpfen geſchmückt
Fabrique et Magazinde Bouchon, Xatart XatartFrère. Ein großes ſchöneHaus. Dies ſagt ſehviel. Wo ſolche Pfropfefabrik vorkommt, da muviel gekorkt werden
Vischer. Es iſt eine Natiovon einer „natürlicheEdukation“. Dann ſagter wieder: man überſieh(beiſpielsweiſe in der Schweizdaß die DFranzoſen auch in deXatarvormieineX 2vielgerühmten „Geſchmackſachen“ oft gegen denie Deutſchezurückſtehen; ſo beiſpielsweiſe in Sachen der Militair⸗Uniformirung. Sie ſteckenoch ganz in der Carrikatur, in der Abgeſchmacktheit, im Kindiſch⸗Rohen.Man kann dies zugebenin Schwaben beſonders, waber in der Uniform eine20 ers oder 24ers di„geſchmackliche Ueberlegenheit“ ſteckt, kanich nicht finde

Erſtaunlich iſt die Sicherheider jungen deutſchen Militairs von 18 Jahren; trage 2ſie nun gar ein eiſernes 1Kreuz, ſo iſt ſie étonantMan vergleiche damit wiein alter Superindtentdent debei der 50 jährigen Dienſtfeieeinen rothen Adler kriegt, die„ſein Kreuz“ſeinen Orden trägt; er träges ſo dürftig ergeben alwär es ſein „Kreuz.“ Dieſfurchtbare Sicherheit hat etwaAengſtliches, leiſe Bedrücklicheund ſie wäre unerträglichwenn nicht von Familiwegen eigentlich das ganzVolk daran theilnehme. JedeVater hat einen Sohn dabeiund wenn ihm die Sachanfängt etwas bedrückliczu werden, ſo denkt e 2an ſeinen eigne18 jährigen und tröſteſich damit, daß er aueinem „Umwege“ an dieſeeigenthümlichen Triumphetheilnimmt
Die Würtembergemachen ſich in jeder Beziehung vorzüglich. Wenman an Tauberbiſchofsheidenkt, ſo wird einem deTriumph der 55 er nahezzu einem Räthſel. Abees verlohnt ſich nicht mehſich drüber den Kopf zzerbrechen, längſt ſinmir unſre Erfolge räthſelvoll; ich weiß nich 2wo es ſteckt; im Ein- 1zelnen finde ich nahezu allandern uns überlegenDeutſche wie Fremde, undoch haben wir ſie allbeſiegt. Es verlohnt ſicdem nachzuforſchen; abezu finden wird es wohnicht ſein, denn ich ſuchnun ſchon ſo lange danach
Ankunft in Reimetwa 2 1/2 Uhr. Abgeſtiegen im Lion d’Order aber kein Zimmer mehhat und mir nur im Eßſaaein Lager in Ausſicht ſtelltnatürlich alles dankbar angenommen; nur nicht lang 2beſinnen. Das Hôteliegt ſo zu ſagen aFuße der Cathedrale
Alſo gleich in dieſeberühmten Bau hinein
Ich mache einige vorlaäufige Notizen
Wie alle alten berühmten Kirchen, mit ganwenig Ausnahmen, nichfertig, wenigſtens diThürme nicht; die Spitzefehlen, der eine haeine Art kleiner ſchrägeKappe auf
Auffallend an den Thür-me, ſind die Stäbe, diunter einmal unter einandemit viel Zwiſchenrau 2und dann auch wieder 1mit viel Zwiſchenrauvom Kernſtück, dieKernſtück umſtehn. Ewirkt mehr eigenthümlicals gerade beſonders ſchönUnendlich reich iſt die Facadealſo das Hauptportal und die das Hauptportal flankirenden Sebeiden PortaleZahlloſe Figuren faſſehier den Tiefbau dePortale ein. Sich auDetails einlaſſen, hießein Buch ſchreiben
Die Kirche iſt dreiſchiffigmächtige Pfeilerbündel tragereſp. bilden das HauptſchiffDie Kapitälle dieſer Pfeile 2bündel, alſo die Stelleauf denen dann deSpitzbogen ruht, ſinLaubwerk, Eichen, Acanthus etc. alle verſchieden, aber alle voderſelben grau⸗ goldgelbeFarbe
Das Hauptlicht gebedie Seitenſchiffe, deregothiſche Fenſter faſt ganaus weißem Glaſe beſtehn; das gedämpftOber⸗ Licht fällt durch diſehr dunkel gehalteneGlasmalereien⸗Fenſter deMittelſchiffs, die ſehhoch angebracht ſind, indeſie nicht mit dem Auf 2hören der Spitzbogen⸗ 1Arkade beginnen, nichſo zu ſagen auf dieſeſtehn, ſondern indeſich zwiſchen SpitzbogenArkade und Buntglasfenſtern noch eine Säulengallerie mit blaueHintergrunde einſchiebtAlſo etwa ſo
Gebäudeaufriss; Cathedrale Notre-Dame-de-Reims, Rheimser CathedraleCathedraleNotre-Dame-de-ReimsRheimserCathedraleReims, RheimsCathedrale Notre-Dame-de-Reims.
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Die Decke das gothiſche Gewölbe iſt himmelblau mit goldnen Liliendie Gurte ſind dunkelgraugoldgelb mit rothfarbneKlinſen. Man kann nichſagen daß dies alleſehr ſchön wirkte; deStein aus dem die Kirchgebaut wurde iſt grauweiß, dazu nun dieviele blau und graugoldgelb (vielleicht abſichtlicſo abgetönt) aber ickönnte nicht ſagen, daes farblich ſehr ſchöwirkte
Das Hauptportal ſtanimmer offen und in diin grauem Dämmer dalie 3genden Schiffe fiel 1nun bis zu erheblicheWeite in die Mitthinein das helle ſonnigTageslicht
Ueberall liegen Strohmatten und wohl wenigſtens 5000 Rohrſtühle, nacohngefährer Schätzung, ſteheaufgeſchichtet umher, ubei großen Feſtlichkeitezu dienen
Viele Kapellen umſtehen den Chorumgangalles reich geſchmücktnamentlich auch mivielen Statuen unBildern. In die Detailzu gehen iſt nicht möglich 3Am ſchönſten wirkwenn man ſich idas ſonnige Portaſtellt, der Chorumbau und namentlich die den idem Kapellenkranz ſgelegene Kapelle, daſie gerade dem Portagegenüberliegt. Es iſdies nicht, wie bei andreKirchen der eigentlichhohe Chor, dieſer iſdurchbrochen, ſchließdie Kirche nicht wahrhaft ab, ſondern hintedem hohen Chor, wirkedurch dieſen durchbrochenehohen Chor hindurch di 33      1dahinter gelegeneKapellen. Am meeiſtedie mittelſte, auderen Ausſchmückunman wohl eine beſondrLiebe verwandte,
Nein, es iſt ſoder richtige hohe Chomit ſchön grauer Wandfläche ſchließt nachinten zu ab und dahohe buntfarbige Oberfenſter in dieſegrauen Wandfläche giebeinen ſchönen Ton unwirkt vorzüglich. DieſeEffekt wird abenun dadurch noch geſteigert 3daß die graue Wandfläche des hohen Chorunten durchbrocheiſt und durch deMittelſpitzbogen dieſedurchbrochenen Arbeiſieht man nun idie dahinter gelegenMittelkapelle, die ſelbſwieder ein ſchönebuntes Glasfenſter hatEs wirken alſo außeder grauen ſchöneWand, die beideFenſter, von denedas obere der graue 35      1Wand ſelbſt angehörtdas untre dagegeder dahinter gelegeneKapelle angehört. Dman dieſ dadurcentſtehende, im Perſpektiviſchen liegende Differengleich empfindet, ohndoch zunächſt zu wiſſeworin ſie liegt, wirdadurch ein zauberhafteLicht⸗ und Farben⸗Effekhervorgerufen

Louis XV Monumenauf dem Place royaleer ſteht als Imperator da 3der „Handel“ ſo ſcheint eskraut dem Löwen diStirnlocke zum Zeichedaß ſie gut Freund ſindeine andre Figur konntich nicht enträthſeln. DiInſchrift lautet
De l’amour des Françai
eternel monumen
Instruisez a jamais la terr
Que Louis dans nos mur
jura d’être leur père
Et fut fidèle a son serment
A Louis X
Le meilleur des Roi
Qui par la douceur de So
gouvernemen 37      1Fait le bonheur des Peuple176
Dies geſchah alſo 1765retablirt und das jetzigwieder aufgeführt geſcha1818. Die Inſchrift brauchdie Wörter erigé 1765retabli 1818. Wahrſcheinlich hatte man es 18789 odeso about zerſtört. Unteden urſprünglichen Frakteuren befindet ſich auch eiM.Monsieur Cliquot, Prevôt und eiM.Monsieur Cliquot Blervache, Pro-cureur du Roi Syndic 3
Auf dem Place Go⸗dino befindet ſich eiroucocohafter Bronce-Brunnemit verſchiednen abgewaſchenen Inſchriften. Nur die FrontInſchrift iſt geblieben

Jean Godino
Né à Reims 1766(die undeutlichMort en 174

La vill
Reconnaissante
Auf der bronzenen Röhroder Säule oben ſitzt einPomona mit Weintrauben in ihrem geflochte 39      2nen Haar; ſie hält einTafel mit dem BasrelieBilde Godinots in Händenhinter ihr oder mehr ihr zuSeite ſteht eine Art Götterbottte, eine untergeordneterSorte von Merkur (dener hat große Flügel;)iſt alſvielleicht blos ein Geniusder die Tafel mit deBilde hält
Wie ich hinter Vischerkam
Neben mir ſaß eikleiner Herr, ſtarmittelalterlich, blond ungrau melirt, ſtark en 4rhumirt. Er machte eingleichgültige Bemerkungaber in jenem freundlicheTone dem man daauf Reiſen ſo wichtige Zugeſtändniß abhört: „icſpreche.“ Nach Die Bekanntſchaft machte ſicin Etappen. Ich hielihn anfänglich für einegebildeten LandmannEr ſagte: „Die Straßburgerinnen trauern; das iſdoch Narrethei“. Naceiner Stunde wußte ichdaß er enin Schwabe ſeiu. daß er nach Vitry reiſe, uſeinen Sohn zu beſuchen, de 4in einem Reiterregiment 2diene. Dies beſtimmte micihn für einen bürgerlicheGutsbeſitzer zu halten, deſich aber mit geiſtigeDingen beſchäftigt habewie man ſolchen Perſonennicht grade bei uns, abein andren Theilen Deutſch-land, namentlich in deSchweiz vielfach begegnetIn dieſer Vorſtellung blieich lange, namentlich aucals er mir zerzählte, daer am 2. Dezember midem Grafen Taube iStuttgart bei eineAbendmahl zuſammengeweſe 4ſei, daß man angeſtoßehabe im Glück darüberdaß ihre Kinder wohdurchgekommen ſeien undaß am 2. Dezember diNachricht dageweſen ſeidie beiden jungen Grafendie einzigen Söhne Kindeihres Vaters, ſind gefallenfaſt in derſelben Minuttödtlich bei Champigngetroffen. „Der meinige blieb mir erhalten“In Dänemark, Schleswig⸗HolſteinEngland, Schottland, war iceben ſolchen Gutsbeſitzerbegegnet. Sie kommen aucbei uns vor, aber ſelten 43      2wenn ſie vorkommen ſines faſt immer BürgerlicheWir fuhren wieder einStation. Wir hatten voStraßburger Dom geſprochener hatte das Geſpräch auden Ulmer hinübergelenktden ich auch gut kannte„Sie würden ihn kauwiedererkennen, ſeit edie Strebepfeiler hat.“ Icſtutzte, und beſchloß weitezu fühlen. „In der Sakriſteſagt ich, iſt ein Bild voneinem alten Patricie, daſich mir eingeprägt hatich ſeh es vor mir, trotzde 4es 15 Jahre iſt, daich es ſah. Ich habden Namen des Meiſtervergeſſen.“ „Das iſt eiBild von . . . ; woheins der beſten aus deUlmer Schule. Das Coloriiſt ſo ſchön, daß es aGian Bellin erinnert.Gian Bellin, ſagt’ ich miim Stillen, das iſt keiGutsbeſitzer, oder allerfeinſte Sorte. Nun ruhtdas Geſpräch ein wenigdann ſagte er bei einebeſtimmten Veranlaſſung, die icnicht mehr gegenwärtig habe 45     2„das darf Sie nicht wundern. Dieſe Umbiegundes e in oi iſt ächtfranzöſiſch.“ Ehrlich geſagt, icverſtand ihn nicht rechund ſagte nur: zum Beiſpiel„Nun aus credo wurdje crois, aus debeje dois, aus lex loi“etNun war das Eis gebrochen; es war nuſo viel von wiſſeund vielſeitigem Wiſſebereits zu Tage gekommendaß Zurückhaltung Affektatiogeweſen wäre und iZuſammenhängen, die minicht gegenwärtig und di 4auch gleichgültig ſindfuhr er nun fort voVenedig und Oberitalienvon Rom, Sicilien unGriechenland zu erzählen. „Waheißt gefahrvoll reiſenes ſind nun 35 Jahrals ich durch die Termopyleritt und zwar den Wehinunter, wo Ephialtes diPerſer hinaufgeführt hattealles ſtand in blühendeOleander, es war entzückend, aber die Gegenwar ſo verrufen durcRäuber, daß als ich endlicden Paß paſſirt hattund am nächſten Dor 47      2erzählte: „ich komm dorher“ eben dieſer Bauevor mir floh, weil enun ſicher annahm, icmüſſe ſelber ein Räubeſein.” Ich fragte obbei einem Kunſtgeſpräc(dies nun erſt geben) oer Lübke kenne? „Eifreilich; derwir waren ja Jahrelang Collegen in Zürich.Darf ich um Ihren Namebitten. „Mein Name iſVischer.“ Ach, der V-Vischerief ich überraſcht. Er lächelteJa, der bin ich. Ich ſagtihm nun, wie er eiGegenſtand unſer alleVerehrung ſei, was e 4freundlich aufnahm. Wiplauderten bis Vitry. Nichin allem waren wieinig; ein Preuße unein Schwabe, da giebt eimmer Differenzen und daJahr 66 bot viele. Abeohne Gereiztheit wurde diDebatte geführt und wiſchieden in Herzlichkeit, Hier die Äußerungen über Bismarck ſiehe weiternachvor.dem ich noch den Sohin hellblau (?) wenigſtenaus der Perſpektive geſehhatte. Nichts geht docüber ſolchen alten deutſchen Profeſſor; wiunſcheinbar und dabei wiviel dahinter, wie tapferwie unerſchrocken, wie i 4gutem Sinne ſelbſtbewußtNun die Geſchichte mit 2dem Betrunknen, danſein politiſcher Standpunkt

Als ich, gleich nach meineAnkunft in Reims, anaudem Hotel du Lion d’otrat, kam über dePlatz ein Leichenzug: einArt Dom⸗Schweizereine Miſchung von Portieund Dom⸗Schweizer, einArt civiler Tambourmajor, dem Zugvorauf, dann der Geiſtlicheneben ihm 2 andre iweißen Chorhemden, vo 5denen der eine in unerhört tiefem Baß, übeden Platz hin, die Litaneien ſang. Dann kader überdeckte Sarg vovier Trägern auf eineArt Trage getragen, danwenige Leidtragende, Männeund Frauen. Es wanur eine „kleine Leiche“Sie ſchritten durch daoffne Portal, das Mittelſchiff hinunter, ſtellten deSarg an das Chorgitterwo vier große Lichtebrannten und die Ceremoniehatten ihren Fortgang. E 51     2ging alles ſehr raſch; ewar nur eine „kleinLeiche“. Dann ſtelltſich der „Schweitzer“ wiedein Front, die Träger griffezu und der Zug verſchwand durch ein Seitenportal. Es waalles wie ein Bildwie eine Art Scenedie für mich in Scengeſetzt wurde. EinigSoldaten: SchwabenSachſen, Baiern, ſetzteihren Umgang in deSeitenſchiffen fort undie Beterinnen an de 5Altären der Chorkapelleließen ſich nicht ſtörein ihrer Andacht

Um 5 Uhr erhalt’ ich docnoch ein Zimmer. U6 1/2 zum Diner. Gangut. Eine franzöſiſche, einengliſche, eine deutſchGruppe; – die Würtenbergeeſſen apart. Mir gegenübeſaß ein Hauptmann voRegiment Elisabeth
Nach dem Diner nocmal in die Stadt. EinBeſchreibung der Cathedrale under Stadt gekauft; danin ein großes Café, u 53     2daſelbſt Thee zu trinken. Eben daſelbſt hab icdieſe letzte Hälfte voReims geſchrieben; dierſte Hälfte auf einekleinen Strohſtuhl iDom ſelber
Dies Café iſt einiedriger, aber ungeheuetiefer Roccoco⸗SaalAlles Gold und Spiegeldie Formen der zahlloſeLuſtres und CWandcandelaber alle ohngefähr ſwie der Kronleuchteim Opernhauſe; diDecke aus vielgeſtaltigenCafé Courtois, Rue de Talleyrand 5drei⸗ vier, fünf unſechseckigen Felderbeſtehend, in dereHolzeinfaſſungen abenicht blos Stuck odedergleichen ſitzt, ſonderbemaltes Glasgetäfelwas ſich ſehr guausnimmt und debunten Reichthum deGanzen ſehr ſteigert. Füein Café⸗Haus langfriſch. Im Saale ſelbelange Reihen von Stühlen, Divanund Marmortiſchen

Auf der Fahrt voEpernay nach Reims paſſir 55     2man bald hinter erſtreden Forêt de Reimseine Waldparthie, die frühewahrſcheinlich viel größewar. Was jetzt da iſtiſt nur noch ein Reſtaber auch dieſer Reſiſt hübſch. Die Bahdurchſchneidet ihn und mabhat nichts Beſondresan einigen Stelleaber ſenkt ſich daTerrain und die Bahläuft auf einem hochaufgeſchütteten Dammdurch die Terrainmuldhindurch, rechts und linkder Wald, auf deſſen Wipfe 5man nun herabſieht. DieſeAnblick iſt wahrſcheinlicimmer ſchön, in dieſen erſteFrühlingstagen aber waer vor allem frappantDie untenſtehenden Eichewaren noch völlig kahlaber das kleine Unterholder Weiden⸗, Erlen⸗Haſel⸗ unBirkenbüſche grünte ſchound ſo ſaßh es denaus wie auf Moogeſetzte graue, Corallen| ins Rieſenhafte übertragene Corallen

Introduktion.

Die Oſtertage 1871 führtemich wieder gen FrankreichDer Zweck meiner Herbſtreiſe
57     2wie ſich die Leſer dieſer Seite,freundlich erinnern werdenwar nicht erreicht wordendie Franctireurs von Dom-rem hatten es anderbeſchloſſen als ich ſelbſund ſtatt des SchlachtfeldesSedan und davon ſiegreichen deutſchen Heereeingeſchloſſene Paris zſehen, wurde ich ſelbeeingeſchloſſen und machteangehalteeine unfreiwillige Reiſdurch das unokkupirtFrankreich zu machen.. Der Gebranntſcheut das Feuer; des aber nicht Marottgeweſen war, was micdamals in Feindesland geführ 5hatte, da ich einevernünftigen Zweck hattder trotz alledem und alledefortbeſtand, ſo blieb mikeine Wahl; – ich mußt’ eeben wagen. Am 9. Apribrach ich auf
Es war Oſterſonntag. Ichatte es mir ſo ſchön gedachüberall am Wege hin diGlocken und die geputzten Leute am Perron gehen zu hörenaber wie das Raſſeln eineEiſenbahnzugs ſelbſt daRollen des Donners übertönt, ſo auch das Glockenläuten und ſelbſt digeputzten Leute auf dePerron verſchwanden idern Hu hundertfältige 59     3Uniformen
In Wittenberg, an der Bahhin, ſtanden in langer Liniunſerem tauſend franzöſiſchGefangner, viel Cara nocjetzt in ihren verblaßten unverſchliſſenen Uniformenicht ohne Reiz etc

Reims lag voll Würten-berge. Auch das DiviſionHauptquartier hier. ReizendKerle. Würtenberg. Jägerkenntlich an den grüneBeſätzen, kamen compagnieweiſe vom Exerciren zurück; ſchöne Leute, breitſchultrig, geſund, dabei ſangen leichten undoch ſichren Schritts, dabe
6ſangen ſie deutſche Marſchlieder. Es machte ſich reizend. Sie ſind die Sanspareils. Unſre können danebenicht beſtehn. Ich hab eſchon ſo oft geſagt, ſag eimmer wieder; und es bleibmir räthſelvoll, daß eandre nicht finden und isolchem
preußischen
preuß.
Musketirein relatives Ideal ſehn

Die Truppen lagen ſo
  • 1. In Elſaß bei Zabern, iden Vogeſen und ſo hin biAvricourt (Grenze) Braun-ſchweige
  • 2. Von da ab bis LunevilleNancy, Toul, CommercyBar le Duc lagen Weſt-phale
  • 3. Zwiſchen Bar le Duund Vitry an einer Brückſtehen einerſeits noch Weſt-phale andrerſeits Wür-temberge. Dieſe ſtehedann in Vitry, ChalonsEpernay, Reims (Hauptquartier)
61     3

In Epernay, das architektoniſch ganz reizlos iſtbefindet ſich übrigens, voBahnhof aus am beſteſichtbar, am Rande deStadt ein ſehr hübſchesMansconhouse Herrenhaus⸗artiges Gebäud 6, feineroth und weißer Ziegelbamit Pavillon⸗Dach
Im Hôtel, das gangut war, aber nocden alten Aubergen⸗Charakter hatte, war die Hauptſache der Hof; im Vorderhauſe Salle à manger, iHinterhauſe Frühſtückszimmerdazwiſchen in eineSeitenflügel die Kücheaus der heraus nun deWraſen in beide Eßräumzog

Donnerstag de13. April

Abfahrt um 11 Uhr au 63     3Rheims
In Betreff der Cathedralnoch folgendes
Bei gewöhnlicher nüchterneBeleuchtung wirkt daWeitabſtehende der Thurmſtäbe nicht angenehmes hat etwas Hohles, Oedeses iſt als fehlte etwasin der That Feſind es glasloſe gothiſche FenſterhöhlenDieſer ungünſtige Effekiſt aber nicht immer daBei untergehender Sonnerſchien dier ſonſt ſtörendZwiſchenraum wie mieiner Lichtmaſſe gefülldurch welche nun die Stäb 6dunkle Streifen zogenAehnlich ſchön präſentirte eſich bei Sternenhimmel. AAn dieſer Rheimſer Cathedralſah ich auch zum erſteMale die Fortſetzung dereichen Portal⸗ und Facadenſchmucks bis in die Flankehinein, ſo daß es ausſah, um durch eineder Trivialwelt entnommenen Vergleich diSache klar zu machenals habe man eineBifigurenreichen Bilderſtreifen an die Froneines Kaſtens zu klebe 65     3gehabt, habe aber, weider Streifen länger waals nöthig, ihn zbeiden Seiten um diEcken des Kaſtens herumgeklappt, ſo daß nun eiTheil dieſes Bildesr- unFigurenreichthums „um diEcke“ ſteht. Auch hiergegen hatte ich Bedenkenals aber plötzlich eihelles Nachmittagslicht geradauf dieſe Ecke fiel unFront und Flanke gleichzeitig traf, war deEffekt ein wunderbaſchöner 6
Als ich die Cathedralumging, begegnete miauch ein Trainſoldat, der alletzter Ausläufer zum Telegraphen⸗Dienſt gehörte. Icrichtete einige Frage aihn, fragte nach der Poſund merkte aus ſeiner Antwort, daß er ein Schleſier ſeiWir ſchritten neben einandeher und die Unterhaltung nahfolgenden EAnfang
Er. Sie ſprechen ja gangut deutſchIch. Na, es geh⸗tEr. Se ſinn wol eLuxemburgerIch. So drum rum
67     3Ich ſah bald in Abgründund gab es auf mich ihnſpecieller vorzuſtellen
Alſo Donnerstag um 11 Uhr auRheims; etwa um 1 iSoiſſons, das mit ſeineſchönen Kirche, deren eineThurm wie der größerund ſtärkere von Brüdern ausſieht, ſeitain der Niederung lagAuch etwas zerſchoſſeneMauerwerk der altmodiſchen Befeſtigung (wiToul) war ſichtbar
Ich traf in Soiſſons, idem, glaub ich, eigentlic 6Sachſen liegen (vo103. Regiment oder ſähnlich) eine ganze Anzahvon derLeute von der 3. GardBrigade: Alexander und Eliſa-bet; ich plauderte mit ihneund mit dreien, denen ſicein langweiliger 96 eUnteroffizier zugeſellte, fuhich nun weiter, über Cres⸗p, auf Senlis und Chan-till zu. WDie Leute, alldrei gebildet (zwei davoFreiwillige, der Eliſabethaneganz wie Eltester iſeinen jungen Jahren) erzählteganz angenehm, namentlicvon den 2 maligen Kämpfen u 69     3
Gebäudeaufriss; Kirche Saint-Thomas-de-CanterburyKircheSaint-Thomas-de-CanterburyCrépy-en-Valois, CrespyTurm der Kirche Saint-Thomas-de-Canterbury Crépy.

Crepy, ſehr ſtaran Soiſsonerinnernd; der einThurm iſt zerſtört; Soiſsonhat beideaber der eine iſt etwas größer unſtärker, ein FaIl dewohl nicht ſehr häufig iſt 7Le Bourget; ſo erreichtewir Crespy. Hier ſtiegedie Gardiſten aus; ich hättes auch gemußt; wußt’ eaber nicht, undgerieth dadurcauf eine ſehr unbeabſichtigtLinie und fuhr auf Paris zuDie Stationsplätze wurdeſo ſtill, keine Preußen zſehn, bei der dritten Statiofragte ich mein vis-à-vis
Est il encore loin jusqu’ Senlis
Senlis? Je ne comprends pasSenlis, ce n’est pas sucette ligne
Quelle ligne est celle-ciC’est la ligne de ParisDe ParisOuiEt la station prochaineC’est Belleville
71     3Bei der nächſten Station, ( dedritten, BPlessis⸗Bellevill(die beiden andren hießeOrmoy und Nanteuilſprang ich aus dem Waggonfatale Converſation; nacetwa 2 1/2 Stunden kam eiZug aus Paris der micnach Crespy zurückführte
Es dunkelte als ich daſelbſeintraf. Abgeſtiegen f iCafé de Paris. Wohnung überPferdeſtall, Flieſen, Hof, Holzgallerie. 1. uund 2. BCompagnieAlexande; Offizierstafelder Pariſer Foulard⸗Händler 7

Freitag d.
dender
14. April
.

Frühſtück in Crespy. Abfahrt etwa 11 Uhr in einetrain de marchandises. Erklettrung eines „Salon⸗Wagens.Zugegen: 2 Intendantur⸗Beamte1 Stabsarzt, 1 Unterſtabsarzt, dreLazarethgehülfen. Auf Senlizu. Ich ſaß ſtand und ſahinaus. In Senlis
Erlauben Sie, daß ich mich Ihnevorſtelle. (Karte). Er ſieht ſie an, ukniffſie zuſammen und ſteckt ſie einWie weit wollen SieBis MouyAh
Dann nahm er ein Papier auder Taſche, wickelte eine Butterſemmel aus und begann zu eſſen 73     3Das nennt man Politesse12 1/2 Ankunft in Chan-till. Um 1 Abfahrt nacCreil. Um 2 1/2 Abfahrt nacMouy. Um 3 in MouyDer erſte den ich ſehwar George. Exercirplatz. Hingeſetzt. „Lohmeier, Siſtehen wieder vor oder zurück“. Immer Lohmeyer. Danauf den Bauch gelegt. Danv. Werders Curven. EndlicRückzug. „Der Reſt iſtSchweigen.
Um 6 aus dem GrandCaf in das Hôtel wo diOffiziere aßen. Major SchrammIch bin Gaſt. Schon vorher Herrnv. Roh getroffen. Bis 11 zuſammen 7

Sonnabend d.
dendender
15. April

Kafé. Nach Liancourzum General v. ZychlinskiIns Larochefoucauld⸗Schlo. Um 11 zum Frühſtück. Um 2 zu Wagezum Grafen Coëtlogoin ſeiner Schweizer-VillaDann reizende SpatzierfahrtDann zurück. Dann Beſucbeim Bäcker Fléchel. DiParallele zwiſchen Coëtlogound Fléchel. Um 5 1/2 Rückfahrt von Liancourt nacMaouy. Um 6 1/2 zu TiſchZahlreiche Geſellſchaft, Maibowle. Geplaudert bis 11 Uhr 75     3
Lageplan; Schloss Mouchy (1961 abgerissen)SchlossMouchy(1961abgerissen)Mouchy-le-ChâtelSchloss Mouchy. 4 RoccocoUhren uſtehn deThur(spireHochdacDonjomiEpheu unBanneauf deThurmHauptthurThurFlachdacHochdacrotrotgel
SchloßvonMouchBeſuch daſelbſam Sonntag 7
Wappen; KronenAdle
    a. Springpfer
  • b. Narrengeſicht, nacjeder Seitein Bein
77     3Zu Liancourt nocfolgendes
  • 1. Statue des Laroche-foucaul (ſiehe diInſchrift hinten
  • 2. Der Gegenſatz voCoëtlogon und Fléchel
  • 3. Im Schweizerhaus deCoëtlogon. Erſt Vorſtellung; der Graf Malerder Bruder Sculptor (diNajade, nach der Uhr), diSchweſter.mit den Blumen und der Frage an G. „ob es ſeine erſte Campagne ſei. ╒ Das Dilettirende der beiden BrüderGanz legitimiſtiſch. Einkleine reizende Fahne deGrafen Chambord, icglaube aus dem Jahr1824 (? nachſehn). DiErinnerung an das Soane⸗Muſeu7. Alles aufs kleinſte und complicirteſte eingerichtet. Mehrere Bilder (Stiche) desGrafen Chambor, von ihſelbſt geſchenkt und dedicirtEinige alte Bourbonenköpfe. Er ſelbſt hatte unteden Carliſten als Lancier⸗offizigedient. Er trug eivon eineweißen, weichen Wollenſtoff ein Ding deſſen Schniter wahrſcheinlich ſelbſt erfunden hatte, halb Joppehalb Beduine, weiß, und mirother Seide geſteppt. Eihübſcher, lebhafter, intelligenteMann, ganz Bretone. DaHauptintereſſe drehte ſicnatürlich um den Coëtlogonvon la Hogu
79     4
  • a. die Kanone mit Muſchelkies. Inſchrift ſiehe hinten
  • b. Verſchiedne Portraits desalten Coëtlogo
  • c. Ein Kamin miSpiegel drüber und dieſeSpiegel x---xvon etwa 12Bilder eingerahmt, Copieenach Bildern in Verſailles etcet ceteradie Schlachten darſtellend idenen Coëtlogon mitwirkte
  • d. Die Vorliebe für Curioſitätenkram bis zum Ridikülen; Grotten, kleine Fontainen, Waſſerleitung, Sammlungen etc. Alles dies nachher bei Fléchel nocgeſteigert
8In dem Ueberreſte (nuein Flügel) des 1793 zerſtörten Liancourt-Schloſſewohnt der Duc Laroche-foucaul; in einem andrekleinren Schloſſe, das leeſtand, hatten ſich 1 Hauptmann1 Adjutant, ein Diviſionspredigeeinlogirt und mit ihneEmil, Benedek, KarlchenPinſel und Boxer, zwei Menſcheund drei Hunde. Die beideerſten aus der großen „KarlLehmann⸗Familie“ dieſeKrieges; die 3 anderbrillante Köter. Boxer einArt Rappo, ganz Held, ganKraft, Pinſel wie ſchoſein Name andeutet mehr vo 81     4der gefühlvollen SorteNun Boxers Thaten mit deKlotz und Pinſels Wachebei der Leiche

Sonntag d.
dendender
16. April
.

Fahrt mit George nacdem Schloſſe Mouchyim Beſitz des Falloy Ducde Mouch, der einedie PrinzeſſinAnna Mura geheirathehat. – Frühſtück mit deOffizieren. Abſchied. – U4 Uhr 15 x---xüber Creil nacSt Denis; im Coupé Oberſtv. Masso und 3 Offiziervom 1. Regiment. Ankunfin St Denis 6 Uhr. Regenbogen. Kanonade. Kei 8Unterkommen. La ConciergeDiner im Hotel de grandcer. Ins Offizier-CaféHerr v. Sydow; Herr v.Ledebu

Montag d.
dendender
17. April
.

Café. Einige SZeilen an EmilieZu Herrn v. Sydow. Verabredung auf 2 Uhr, um idie Forts zu gehn. Wachtparade vor dem Hotel degrand cer; die Gardefü-ſilier ſpielen. Dann Frühſtück in grand cerf. Ader einen Tafel alle Stabsoffiziere vom 83. Georgbegrüßt den Oberſten Marschallv. Biberstei
83     4. Dieſer ſagihm: „ſeien ſSie froh; ſSie ſinfaſt alle todt.“ Dann zHerrn v. Sydow. Beſucder beiden Forts (ihre Beſchreibung ſiehe hinten). Dannach Haus, um auszuruhen. Saint Denis iſein Neſt. Es hat Hauptſtraßen, die ſich kreuzeneine davon iſt die Rue dePari. Die Commandantuiſt in der Rue de Bou-langeri. Die Bevölkeruniſt ruppig und hat ganden Charakter der PariſeArbeiter⸗Vorſtädte. Vo 8Reichthum und Elegance zeigſich ſehr wenig, die Straßeſind eng, ſchmutzig, daPflaſter ſchlecht, die Boulevards langweilig. AlleZauber haftet an der Cathedrale. In dieſer waich heute Vormittag vo11 bis 1. Meine Notizedarüber ſiehe hinten. Den Abend im Hôteldu Cer mit dem Garnisonprediger Gerlach, Lieutenantv. Mirbac (SeCommandander Stadt) Herrn v. SydowHerrn v. BodelschwinghHerrn v. Bärenklaualle vom Gardefüſilir-Regim 85     4verplaudert. Eine Parthinach dem Mont Avrowird verabredet fümorgen

Dinstag d.
dendender
18. April

Um 9 Uhr Aufbrucin Prediger GerlachWagen nach MontAvro. Theil nehmenGerlach, v. BodelschwinghGeorge, ich, ein SoldatDer Weg geht übeStains, Dugny, Le Bourget, Drancy, LBougetBondy Raincy, Ville-monbl auf deMont- Avron un 8von dieſem, an denFort vorbei, übeCourneuve etcet cetera nacSt. Denis zurück
Die wichtigſten Punktfür die Beobachtung ware
    1. Stain2. Le Bourge3. Rainc4. Mont Avron
Stains. Hier wurde außeder Kirche vor alledas Schloß zerſtört. DiGranaten faßten diEcke und legten hiedas Zimmer offen. Ewar das Jagd⸗ und Speiſ 87     4zimmer; als Fries iBasrelief ein Aufbruczur Jagd und die verſchiedenen Phaſen der JagdDie Avenue zum Schloß iſniedergelegt; die Kübeder Orangerie wurdeſo gerückt, um ſials Deckung, wie Erdſäcke, gegen den Feinzu verwenden. DiUnſren ſaßen hieund wurden von DoubleCouronn und Fort del’Es aus unter Feuegenommen; es lage 8hier wohl alle Sortennamentlich auch Gardefüſilireman lieſt SchloßfreiheitBullenwinkel etc. WenigLokalitäten ſind ſo zerſtört worden, wie dieſeſchloßartige Haus
Le Bourget. Ader von Soiſſons kommendeBahn. Es hieß: zieheuch zurück. Das that maam 28. (ohngefähr) Oktoberund nun hieß es: wiedernehmen. Dies geſchah a30. Oktbr.Oktober Großer Angrifder ganzen 1. Garde-Diviſion 89     4Man hatte es nun wiederBeſetzte es aber wiedenur relativ ſchwach, unam 21. Dezember erfolgtnun der zweite An-griff der Franzoſe. Sigriffen auf der großePariſer⸗Straße, die glauich auf Aubervilliers zführt, an, unterſtütztedieſen Anſturm abedurch einen Flankenangriff auf den Kirchhof. Hier ſieh nuhinten die Notizen übeden Kirchhof und das ſchloßartigeHäusche 9 mit dem hübſchen kleinen Parkgarten
Lageplan des Schlachtfelds; Le BourgetLeBourgetLe Bourget. Große StraßeHauptangriffGrund, in deman heranſchlich unden Kirchhopackte
    a. Kirchhof
  • b. das ſchloßartigeHau mit dem Parund dem Grabdenkma
Rancyi iſt entzückendEs hat den Charaktewie Barnes oder Fulha 91     4oder Hampstead odeHighgate; nur alleweißes Geſtein, ſonſalles Parkgarten miallmöglichen GitternBäumen, shrubberiesweiß und roth DornSehr lieblich, ſehr anſprechend
Mont Avron. Rancygeht in Villemonblüber. Hier ſteigt maaus und erſteigt daseMont Avron. Ehat oben eine ganleidliche Ausdehnung, viel 9leicht 1000 oder 150Schritt im Quadrat undie eine Hälfte davondie den Sachſen etczulag, iſt ganz ungar von einem tiefeLauf⸗ oder Schützengrabeumzogen, der vor deGeſchütz-Emplacements hinläuft
Dieſer Mont Avrozerfällt in 2 Hälftenin ein bois d’Avround ein Plateau d’ AvronDas „bois“ liegt nacOſten, das „plateau“ nac 93     4Weſten zu. Das Ganzwar mit Bäumebeſtanden; das Plateaaber mehr mit x---ubartigen Baumlinien odeBaumgruppen, in deneHäuſer lagen, dabois war mehr Geſtrüppnamentlich viel Brombeeund ähnliches, aus demwie aus einem GeſtrüppWald, eine Anzahl Bäumaufwuchſen. Dies wadie wilde Hälfte, diandre Hälfte die cultivirteZwiſchen den beiden Hälften die Ueberreſte einecampo 9
Die wilde Hälftlag den Sachſen etc. zund gegen dieſe richtetſich das große erſteKaBombardemen am 27Dezember, das ſo furchtbar wirkte (ſie die Franzoſen ſolle2000 verloren und beſtattet haben) und zuAufgeben der Poſitioführte. Nun erſchienedie Sachſen oben, rückten in die Front, alſnach Weſten zu, und etablirteihre Geſchütze (als es überhaupt geſchah) auf de 95     4cultivirten Hälfted. h. alſo auf dePlateau von Avron
Dies Plateau iſnun durch eine großMulde von einenach Weſten hin gegenüber gelegenen Plateagetrennt, das man mitunter in Bauſch und Bogeals das Plateau vonRomainvill bezeichnet. Daſſelbe bildeeinen Hauptpunkt dePariſer Befeſtigung nacOſten zu. Drei Fort 9liegen gerade gegenüber und das Fort vonRomainvill rechtwinklium die Ecke. Alſſ
Umgebungsplan; RomainvilleRomainvilleRomainville. Fort RomainvillDorfRomain-villRosnNoisy le SecNogenMont AvroAubervillier
97     4
Auf unſrem Rückwegpaſſirten wir erſt diKlinſe, bogen danlinks um und hatteRomainville zur Linken, hatten bald Pan-ti dicht vor uns unfuhren über Courtneuvund dann an Fort del’Es vorbei, auSt Denis zurück
Die Geſchichte wiv. Bodelschwingh iein Dorf, ich glaubBourget, im Septembeeinrückt und nur Katzedurch die Oede huſchen 9
Am Abend um 8 idie Cathedrale; General v.Mede, v. Mirbach, v.Bodelschwing; der Orgelſpieler, das Quartett der Gardefüſilire,, allein der Kapelle, wo Napoleon Iund Joſephine getraut wurdenDann Beleuchtung des Schiffder Kathedrale mit wenigeLichtern; an den Grabmälern vorbei, wiedeins Freie
Um 10 ins Café del’Industri. Willi Beutnegetroffen; mit Hptm: Hauptmann v.Witzlebe von den Garde-füſilire geplaudert. Herrv. Sydo confiscirt läßden Kram eines Karrikature 99 5und Pasquillen⸗händlerszerreißt es, wirft eüber das Billard weg idie aghast daſtehende Franzoſen⸗Geſellſchaft hinein, läßden Kerl arretiren unverſchwindet wieder. Allein der Ordnung und docfurchtbar. Wie die geſammte Haltung. Es manöthig ſein, aber deSieger tritt mir zſcharf hervor

Mittwoch d.
dendender
19. April
.

Um 10 Fahrt nordwärts und zwar ifol nachſtehender Reihenfolge 10
    Pierrefitte mit dem weißen HauſMontmagnDeuiMontmorencEnghieSt GratieSannoiMühle von Sannoi
  • über Epinai zurück
Villetanneuſe, das vielgenannte, bleibt gleiclinks neben Pierrefittliegen
In Front von Pierrefitthatte George öfters auVorpoſten gelegen
Montmagny nicht voBelang
In Deuil das Hau 10und Zimmer beſucht, drin 5George mit ſeinem altePott gehauſt hatte. ArmLeute mit ſehr dreckigeKindern wohnten unten, obelagen Leute vom 3. GardeRegimen. Auf dem Kamiſtand noch eine SchachteZahnpulver, die er hiehatte ſtehn laſſen
Montmorency, daalte, iſt lange nicht ſſchön wie ſein Name; einwinklige, auf und niederſteigende, an den BerAbhangeklebte Bergſtadt. DeMarkt, mit ſeinen r Fleiſcherhalle, ſehr alt, ſehr ſchmutzig 10ſehr häßlich, dann findeſich an den Ausläuferwieder reizende Punkte, ſdie Eremitage des JeanJacques Rouſſea. Es ſolan 5 oder 6 in M. gebendie es alle ſein wollenvon dieſer wurde mir verſichert, es ſei die ächte, nudie eignen Bewohner beſtrittees. Dieſe Eremitage liegreizend. Die vorüberführendStraße iſt nur ein Pfadalles Schöne liegt nachinten hinaus; man blickin einen großen aus ziemlich bedeutenden Hebungen unSenkungen beſtehenden Gartenvoll der ſchönſten Bäume, Blu 103     5men und Raſenplätze. Idem Gartenhauſe ſelbſt nimmman zwei, drei, nach deGarten zu gelegene Zimmewarhr, die „leicht übergeplündert“ ſind. Roccoco-Möbelnoch leidlich gut erhaltennur dann und wann eigroßblumiger Ueberzug, dedaneben liegt. Das Ganzgehört jetzt einem Kurioſitätenkrämer, der hie„Gothik“ treibt. So wiirgendwo alte Kapellen u. Dorfkircheabgeriſſen werden, ganoder theilweis, iſt er dund kauft die Dinge egros, Apoſtel, Propheten, Heilige 10Crucifixe, mullions, Roſettengothiſche Fenſter, auch woheinen Strebepfeiler und läßalles hier her ſchaffen. Hiewird es nun an die hohGartenmauer geklebt wieine Art Reliefbild und läufnun in langer Linie adieſer hin. Hier und dorſchleicht ſich ein bischen Alhambra oder auch Roccocein, aber nur ſehr wenigdie Gothik behauptet daFeld. Eine Art mittelalterliches Muſeum, im Freieaufgeſtellt. Es berührt eigentlich unangenehm, langweilig
EnghienBei Montmorency muman alt und neu unter 105     5ſcheiden. Mehr aufwärtsauf der letzten Terraſſe(bis zu welcher Terraſſauch die Eiſenbahn in deSerpentine aufkletterterhebt ſich Neu⸗Mont-morenc, eine kleine, erſwerdende Park⸗Stadt. Durcden Park ziehen ſich wenigdünnbeſetzte Straßenlinienlauter große Mieths⸗Sommerhäuſer; hinter dieſer Terraſſhat, erhebt ſich der Bernoch einmal, gleichſaals Rückenlehne für dieſParkſtadt, und die höchſtKuppe trägt wieder einigin einem gewiſſen CaſtellStyl gebaute Häuſer. I 10Front dieſer Häuſer haman dieeine der ſchönſten Ausſichten auf Paris, zugleicauf das vorgelegene Terraindeſſen Dörfer während deBelagerung ſo viel genannt wurden und die manun hier alle in ihreLage zu und untereinandedeutlich erkennt
Enghien hängt miMontmorency faſt zuſammen; es hat, mit deihm zunächſtunmittelbar zur Seite gelegenen StGratie, in das nun wiedeEnghien übergeht, eineähnlichen Charakter wiRaincy, nur iſt Rainc 107     5doch noch feiner, hübſchervornehmer, lauſchiger. ManchParthieen erinnern in Enghieetc. lebhaft an die unmittelbarUmgebung von Potsdam. Sehſchön iſt der ſchwefelhaltigSee von Enghien, der ſſauber gehalten wird, daes überall heißt: Defensde baigner des chiens danle lac. Einige Villen ſinſehr hübſch, dennoch find icvielfach eine Styl⸗Verlodderung, wo mir unſre BerlineBauten aus der guteZeit doch unendlich überlegen dazuſtehn ſcheinen
In St Gratien fährt ma 10an dem Luſtſchloß deGräfin Prinzeſſin Mathildvorüber; dann geht es auSannois zu, bis an deMühlenberg hinan. Hieſteigt man aus und kletteraufwärts. Von dieſeWindmühlenberge aus, haman den ſchönſten Blicauf Paris, wenigſtens ſweit ihn die Nordhälftgewähren kann
Man ſteht hier ſo, daalles zwiſchen zwei mächtigePfeilern, zwiſchen deMontmartre und dem MontValerie daliegt, allerdingwie ein Meer. Die hundert 109     5tauſend Häuſer von Pariblitzten in der Sonnein aller Deutlichkeit ragtelinks die Notre-Dame Kirchrechts der Arc de Triomphauf, dazwiſchen das Pan-theo und der Dom derInvalide, letztrer miſeinem Gold in der Sonnblitzend. Dort die Avenuevon Neuill, das Bois deBoulogn, hier ein Viaduküber den Eiſenbahnzug unhörbar hingleitet, alles ein Bildes Friedens, – da ſteigtlegſich ein loſes weißes Gewölum die Oſtfront des Vale-rie und gleich darauf rollder dumpfe DTon durch di 11Luft zu uns herüber
Es iſt Obſervationspunkt. Wir ſelber ſahekeine Truppenbewegungenaber die Militairs, die hieſtationirt ſind, erzählten, maſehe ganz deutlich die Colonnen beider Parteien, diſ jetzt auf der Halbinſein Kampf lägen. Es handelſich jetzt um Asnièreszur Hälfte hätten es diVerſailler genommen, diandre Hälfte ſei noch iHänden der Rothen. DiVerſailler ſeien erſichtlicbemüht Gennevilliers zgewinnen, um dann voNorden her, den Feinzwiſchen zwei Feuer zſchoſſen iſt (31er u. 71er) ging es zurüc 111     5nehmen
Wir plauderten nochda ſenkte ſich drüben degraue Himmel und von Südeherangetrieben fiel deRegen auf Paris und löſchtſtrichweiſe die weißHäuſermaſſe aus; jetzt waer auch der Invalidendoverſchwunden und im Nfaſt ſtanden wir ſelbſwie unter einem Wolkenbruch. Alles floh in das Gaſt-hau hinein; mehr wie 50 ieiner Stube. Unſer Führebeſtellte einen „Knickebein“eine Art Bein die das mir bidahin noch nicht geſtellt wordewar. Cognac, Aniſette und eiEigelb, – es ſchmeckte gut, verbranntmir aber den Hals. Meine Schleimhäute ſind noch nicht ganz audem Campagnefuß. – Ueber Epinai, das von Kleingewehrfeuer zer- 11Alle Pappeln ſinniedergeſchlagen unliegen in langeStücken x---zwiſchen deGräbern; dieine Hälfte iſt ganzerbrochen und zerſtört in alleHolz und Geſteindie andre Hälfte etwabeſſer erhalten
Bugsbau aus voKirchhofe von Le BourgetLorbeer aus dem Garteder Eremitage von Rouſseain Montmorency 113 5
Lageplan des Schlachtfelds; Le BourgetLeBourgetLe Bourget. Der Grund driſie ’ranſchleicheneingeſchlagnes LochBrixen fällt

Ueberall Schießſcharten nacallen 3 Seiten hin; aein paar Stellen obeniedergeriſſen, wder Feind drüber wekletterte. AlleQuadr. 11priez pour elle
Ein Quaderſtein liegt an deKirchhofsloch, wo das X---Bataillon durchbrach, halb zerſchlageaber man lieſt noch „Ici reposma femme AmelieFelicitèLèpine (andern Namennehmen. Elle fut bonnepouse et bonne mère. Elle esregrettée de son mari, de toute sfamille et de tous ses amis. Passant 115 5Le Bourge
Lageplan des Schlachtfelds; Le BourgetLeBourgetLe Bourget. DorfſtraßHerrenhaumiWindhoſe
Der Angriff erfolgte wahrſcheinlicvon dem Felde her gegen Mauer unGitter
  • a. b. c. Mauer miSchießſcharten
  • D. E. Eiſengitte
11
Le Bourget.
Grabmal; FriedhofFriedhofLe BourgetGrabmal auf dem Kirchhof von Le Bourget.

Mortupro patrirequiescanin pace
  • a. 21⁄1187errichtevon de1. Comp.Reg. Eli-ſabet
  • c. v. Brixen Portepé Fähnrich 1. CBaron. Gefreiter 2. CHirsch. U. O.Unter Offizier 2. C3. Gard. Gr. RegimentsKönigin EliſabetEpheu um das ganzQuader Geſtein
  • 11
    Umgebungsplan; Le BourgetLeBourgetLe Bourget. AubervillierLe BourgeBbobignRomainvillRosnMont AvroBond

    11aus, der St Denis undieſe beiden Forts ſhart betraf, habe deAusſchlag in Paris gegebennamentlich als nun aucdie Granaten in die Nordvorſtädte von Paris fielen 119     6
    La Briche in ſeineInnern zu beſchreibeverlohnt ſich nichteine äußre Umwallungdann der hohe Cavaliemit vielem Geſchütz unvielen Traverſen; in deTraverſen die Gewölbfür die MannſchaftenDas Erdwerk alles auSandſäcken aufzu vieleTauſenden aufgeführt. Ider Mitte einzelne Baulichkeiten, namentlich die Kaſernedie nun halb in Trümmerliegt. Herr v. Sydomeint, das Feuer vom Norde 12Das Fort Double-Couronnſitzt wie eine Kappe auder Nordſeite der StadtEs iſt nicht viel waandres als eine iBogen ausgeführtetwas complicirte X---mit drei hindurchführendeStraßen. Ihre Feſtigkeiin der Front beſteht ieiner tiefen baſſin⸗ oder teichartigen Waſſermaſſedie jede Sturm⸗ Annäherung aucnach dem Breſchenſchießeunmöglich macht. Außerdewird der Anſtürmende voLa Briche aus beſchoſſen 121      6
    La Briche iſt kleinaber ſehr feſt, und daden großen Kern bildend„hohe Cavalier“ hocgenug, um die ganzLandſchaft zu überſehnnach Norden hin bis Montmorency, nach OſtenWeſten hinach Epinai, Argenteuil, Asnieres und bis zum koſtbaren, Ehrenbreitenſtein⸗artigen MontValerien, nach Süden hidie Stadt, nach Oſten hi(wo die Ausſicht begrenziſt) nicht viel weiter albis Stains und dem wadrum rum liegt 12
    Umgebungsplan; Fort de la BricheFortdelaBricheSaint Denis, St. DenisFort de la Briche in Saint Denis. EpinaLa BrichVilletaneusPierrefittStainFort de l’Esnoch mehr ſüdlic
    123       6durch aus aus ihreeignen Königskirchhinausgeworfen. Freilicverdienen ſie es kauanders; angeklext adieſe Kirche hatten ſiwiederum afficheartimit ſchwarzer Oelfarbgeſchrieben: l’egalité, liberté, fraternité. Siſtehen eben feindlich zu ihreeignen hiſtoriſchen Ueberlieferungen und ſind dandoch wieder ſtolz daraufAlles X---x, Widerſprucheine gott geſchlagene Nation 12 Dagobert all defranz: französischen Königs und Königinnetragen, die hier iSt Denis beigeſetzt wurdeund deren kümmerliche gerettetAſcheüberreſte nun hiegemeinſchaftlich in eineSarge ruhn
    Drei
    französische
    franz.
    Frauenhatten ſich uns zugeſelltDer
    Unter Offizier
    U. O.
    sagte uns: dreiginge nicht; dan dieſeStelle dürften nur deutſcherſcheinen; ich möchtes den Frauen ſagenMit einer gewiſſen Schathat ich es ſehr ſchonendDie Franzoſen wurden 125      6 Ueberreſte ſelbſt ſammeltman ſpäter wieder indeman die Kute öffnetenahm den erdigen Stauheraus und that ihn ieinen Sarg, gab dieſeeine Bleihülle und ſetztdas Ganze in einWandſchrankartige Maueröffnung, durchin die madurch eine ſchmale Klinſeintritt. Hier ſteht deSarg und an den beideSeiten ſind Tafeln voſchwarzem Marmodie die Namen ſeit 12 Kaſten enthält diUeberbleibſel der MarieAntoinett. (Ihre Statuſteht oben in einem deSeitenſchiffe.) Nicht weientfernt von dieſeStelle iſt eindie ſogenanntBußkapelle. Dies iſdie Stelle, wo ſder modie Kirche vom Chor auerbrach, die Gräber derKönige maſſenhaft aufdie Straße war unihre Ueberreſte in einKute warf. Dahewurde hier die Buß-kapell gebaut. Die 127      6 läufig in den Keller geſtellt.,“ ſagte der Unteroffizier vom 4. Garde⸗Regimen. Eine andrdrückte wohl die Weisheitdie Fruchtbarkeit (midem Storch) etc. ausLinks neben dieſeStatuen iſt einmannsbreite, vergittertThüröffnung. Durch dieſhindurch ſieht man beLichtbeleuchtung ein halbeDutzend Särge ſtehn. Allſeit 1293. Der erſtgleich links, ein kofferartiger 12
    Das Intereſſanteſte iſdie Gruft. Hier ſtehein der auf kurzeSäulen wohl der romaniſchen Periode ruhendeCrypt alles möglichdurcheinander: Büſten unStatuen des letzteBourbons von LudwigXII bis auf LudwigXV; dazwiſchen allerhanandre große in Marmoausgeführte Bildwerkvon allegoriſchem CharakterEins davon ſtellt di„Stärke Frankreichs“ dar„Man hat ſie hier vor 129 6Dionyſiusheiligen. Wir habeda 1.) nerechts nebedem Altar ein großealtes höchſt merkwürdigeHautrelief⸗Werk iMarmor, wie ein Altarſchrein gebildet 2.) DiGlasfenſter im Chor diganze Geſchichte des heiligenDionyſiu darſtellend
    Dann kommen albeſonders intreſſant imn deSeiten⸗Schiffen der Kirche diDenkmäler von Louis XIIFranz I, die Säule voFranz II (Gemahl Maria Stuarts)auch wohl von Heinrich II
    3. in der Kapelle hinter dem hoheChor, ganz altes muthmaßlich Sandſtein Hautrelief, diEnthauptung etc. Dagoberts des St X---x darſtellend. 13

    St Denis Cathedrale

    Hauptſachen
    Der KönigsaltarNapoleon wurde dort miMarie Luiſe vermählt. Ewollte auch zu Füßen deſſelbebegraben ſein, ebenſNapoleon III
    Als Begräbnißſtättfängt es an miDagobert und läufbis auf Louis XVI. odevielleicht XVIII. DiOrleons ſtehen iDreux
    Ein Hauptintereſſdreht ſich um den 131      6Selancy beder Mühlohne Flügel 13

    Auslagen

    Billets bis Crei
    fr: Franke — 2.25 133      6

    A Soeur Regis.

    (Fléchel)
    25 Jahre Religieuſin allen WeltgegendeIle Bourbon, Cap derguten Hoffnun, St HelenaCanariſche Inſeln, TeneriffaRio Janeiro, MonteVide, Cap HornConception, ValparaiſoTaitaou, TaitiNeu-Caledonien12 Fuß hohe Sandſtein Säule mit Epheu 13
    Péeché sur le lieon fut livrée lbataille de lHague ce canorappelle icle glorieux faid’Armes qupale quel lMarcitel dCoëtlogon sova Tourvill 135 6
    Dans cette MemorablJournée
    François Alex: Freder: Duc de la Rouchefoucauld-LiancourPain de Francné 1742 mort 182Il faut aider touce qui est utilIl faut attacher sonom à tout ce qui cebonerrichte186Deviſ„c’est mon plaisir“ 13
    • Amiens. Hauptquartier deI. Armee. v. Goeben | v. Strub⸗ber. Bichler

    • St. Denis. Garde. General v.Pap Exc.Excellenz General . . Medem

    • Laon. Sachſen. 12. Corps

    • Nancy. VII. Corps. Generalv. Zastro

    • Chatillon sur SeineChaumontDiviſionen des X. Corps } Die beide

    • Dijon. Hauptquartier deSüdarmen. General v.Manteuffe. II. Corps34. Regiment
      137     6
    • Vesoul und Umgegend
      Die beiden Diviſionen deV. Corps. So daß alſo daII. Corps (Dijon) in Frondes V. ſteht

    1325 im Briefcouvert200 in zwei notes im oberſten Kaſten rechts34 in drei gold-coins im Bücherſchrank
    An Emilie. Die Zettel conſervireunter dem rothen BogenZu Niemand über die Red: Socialiſte ſprechen
    In Straßburg. Hören Sie, ich glob Si
    der ganze Krieg war nicnöthig
    Nicht nöthig? Waswill man denn machwenen
    Hören Se, globen Se mires liegt diefer. Wakennt die Politik ſgenau

      1. Ormoy-Villers
    • 2. Nauteil-le-Hau⸗doui
    • 3. Plessis-BellevilleErmanonville.
    139     7
    Bataillon Marſch
    Das iſt ja gar keiExerciren nich
    Kein Vordermannnichts. Lohmeiemehr rechts

    Ein leiſes Wölkchen ſteigauf zur Sonne
    Ein Knall rollt herübevon Double Couronne
    Ein eiſerner Bart von La Barage, DerVorbeigeſchoſſen! Blamage, Blamage Jäger denkt: ei . . . . . ſo etwa ſtand es in Pierrefittoder Montmorency
    Alles iſt beſchrieben: Schloß-freihei, Auguſta-Straße, Bullen-winke, Reetzen GaſſeLaura, Du der . . . Finke. DazBilder, Portraits, Carrikaturengute, ſchlechte, alles fort mitgenommen 140
    Fr. WolffhardtBuchbindermeisterPapierhandlungLeipziger Str. 106