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1871.

4.

Freitag d.
dender
12. Mai.

Flanirt. Schlechte Cafés; kein Comfort, alles unelegant, aber bei schönem Wetter, wie heute, malerisch. Markt, viel Leben. Das Ganze behäbig, aber nicht heiter, nicht eigentlich amüsant, wenigstens nicht auf der Oberfläche. Zur Post. Kein Brief.

Den Thurm erstiegen bis zur Plattform. Es ist dies unter allem derart das am besten und bequemsten eingerichtete. Oben ist es anfangs nicht ganz leicht sich zurechtzufinden, hat man aber erst dadurch, daß man die grade Linie zwischen Thurm und Chor gefunden hat, W.
WestWesten
und O.
OstOsten
festgestellt, so orientirt man sich sehr leicht. Nach Westen hin, also in Front des Thurms, die Kette der Vogesen, dann flaches Vorland, ein paar Meilen breit, Wiesen, Felder, Chausseen, Baumgruppen, ein nahgelegenes im Grün liegendes Dorf, ein Eisenbahndamm, der bis zur Stadt führt. Von dieser Pariser Eisenbahn
linie an, bis zur Hagenauer Eisenbahn hin und dann etwa noch eben so weit über diese Eisenbahn, nach
Norden
N.
zu, hinaus, bis zu den Chausséen von . . . und . . ., mit andern Worten auf dem nordwestlich, nördlich und nordöstlich gelegenen Terrain, auf dem entsprechenden Nordufer des Flusses erfolgte die Belagerung.

Worin die Festigkeit des Platzes bestand ist für ein Laienauge schwer wahrnehmbar. Man sieht nichts wie eine ungeheure Plaine, durch die sich fächerförmig oder wie die Speichen eines Halb-Rades Straßen ziehn. An diesen Straßen liegen 4 oder 5 Dörfer, vielleicht auch Städtchen und hinter diesen (auch mit Dörfern) eine Hügellinie, von der aus ein Bombardement aber wohl nur mit den schwersten Geschützen möglich war, denn die Entfernung mag wohl 34 Meilen betragen. Die Annäherung war also gewiß schwer, indem man von den einfassenden, wahrscheinlich brillant angelegten Erdwerken aus das ganze Terrain bis zu der Hügellinie hin bestreichen konnte. War dies nun also immerhin ein stark Stück für den Belagerer, so gewinnt man doch auch (im Gegensatz zu Metz, Belfort oder selbst zu Bitsch) die Ueberzeugung, daß hier keine absolut unüberwindbaren Hindernisse vorhanden waren, sondern daß eben alles eine Frage der Zeit war. Man konnte – wie bei allen Festungen derart – den Fall auf Tag und Stunde berechnen. Die einzelnen Forts, Lunetten etc. waren eben zu erstürmen, es konnte große Opfer kosten, aber wenn man diese nicht scheute, mußte es glücken. Dazu hatte man die Pression auf die Stadt selbst. Und zog sich der Commandant in die Citadelle zurück, um zuletzt diese allein zu halten, so war dies werthlos, wenn er sich ruhig verhielt, wenn er dies letztre aber nicht wollte, so mußte er die Stadt zerstören und dem Belagerer dies odium abnehmen. Straßburg mußte fallen; Metz, Belfort – wenn man von der Hungerfrage absah, die wieder ein Ding für sich ist – mußten es nicht.

Wie man westlich die Vogesenkette sieht, sieht man nach hinten (Osten und Südosten) zu den Schwarzwald.

Die Zerstörung liegt an dem angegebenen Rande der Stadt; vom Thurm aus sieht man nicht eben viel davon; ja, wenn mans nicht wüßte, würde man es gar nicht sehn, ein einzelnes fehlendes Dach, ein alleinstehender Giebel, ein durchlöchertes Dach, alles doch nur einzeln, kommt überall vor. Der Thurm ist an der Nordseite getroffen; die Balustrade, neben manchem andren, ist hier zur Hälfte zerstört, so daß man nur eine Hälfte des Thurms umschreiten kann. Viel Tauben fliegen ein und aus. Ueber mir die Glocke, die die Stunden schlug, sie hängt im Fenster und zwar mit der Hälfte nach innen, mit der andren nach außen des Thurms. Selbst in diese Außenhälfte sind einzelne Namen an die Innenwand der Glocke mit Kreide geschrieben. Ein Stück Turnerarbeit, das ich mehr anstaune als billige.

In der Mitte der Stadt fällt nur eine zerstörte Kirche und das große Haus, ich glaube eine école, am Kleber-Platze auf.

Auf den Dächern unten, grade nach Westen zu, sind auf den Schornsteinen drei Storchennester.

Nach Osten zu sieht man noch unzerstörte Werke; an diesen erkennt man doch die große Festigkeit des Ganzen, wenn sie auch nichts Dominirendes haben wie St Quentin etc. Der Fluß, so scheint es, zieht hier die Grenze der Belagerung; sie reichte wohl von einer Front-stellung von Kehl an in einem nördlichen Halbzirkel um die Stadt herum. Allerdings ist jenseit, nach Südosten zu, auch ein großes Haus (Kaserne?) zerstört. [Dieser Punkt ist ersichtlich die Citadelle, deren großes Kasernengebäude eben vor allem getroffen wurde. Gegen die Citadelle richtete sich vielleicht schließlich eine Art Spezial-Belagerung.] Die Forts zwischen Fluß und Citadelle sind unzerstört; ebenso alles was sich von der Citadelle an südlich und noch erheblich ein Stück westlich zieht, bis wir dann im Nordwesten an die Anfangslinie der Belagerung kommen.
Lageplan; Zitdaelle (franz. Citadelle de Strasbourg)Zitdaelle(franzAStrasbourg (dt. Straßburg), StraßbourgZitadelle von Straßburg. N
NordNorden
eigentliche Belagerungslinie unzerstört O
OstOsten
Citadelle zum Theil zerstört. S
SüdSüden
Die Südhalfte nicht belagert. W.
WestWesten
Der eleganteste Theil der Stadt, vielleicht der einzig elegante, ist am Place Broglie („Brühl“) oder Theaterplatz. Ein Oblong, mit Kastanien und Linden bepflanzt, für das Theater und zwei elegante Café’s, das Café de Globe und das Café Bauzin.

Auf dem Kleberplatz die Kleber-Statue.

Eine zweite Statue rückwärts neben dem Theater, am Canal und der hier sich hinziehenden Quasi-Promenade. Le Departement du Bas-Rhin à son ancien Prefet Marquis de Lezay-Marnesia 1810–14. (1853 errichtet) Er ist verschiedentlich verwundet, komisch wirken aber zwei Schüsse durch die rechte Wade.
„Es wird gebeten die Maschinen aufzuziehn und das Wasser abzulassen.“ „‚Inutile; il n’ya jamais de l’eau.“‘ „Vous ne p....z donc pas?“ Das sinnreiche Arrangement mit den Hülfsbrillen von Pflaumbaumholz. – In Bitsch, im Kaffegarten Tivoli, das Frosch-spiel. Ein großer Frosch sitzt da mit offnem Maul auf einem Tisch; man hat 2 sousgroße Stücke mit denen man danach wirft. Sie spielen es sehr geschickt.

Der Place Broglie ist Champs Elysees, Linden, Lustgarten, Goldfischteich; hier sitzen die Ammen und Kindermädchen und präsentiren die lieben Kleinen, vor allem sich selbst. Das schwarze Kopftuch kleidet ihnen gut. Auch junge Mütter gefallen sich und schieben ein Gefährt, das ein Mischling ist aus dem deutschen Korbwagen und dem englischen Perambulator entstanden. Im Ganzen fehlt aber doch das was an reizendem Treiben dem Quai zu Rouen, der Esplanade zu Metz, dem Place Stanislas zu Nancy entspräche; zum Theil liegt es darin, daß an all diesen Plätzen das Ganze sich bewegt, ohne sich doch zu stören, zu drängen und zu drücken, während in Straßburg der Kleberplatz und der Gutenbergs-Platz dem eigentlichen Volk, der Place Broglie der vornehmeren Welt gehört. Dadurch ist der eine zu unelegant, der andre etwas todt und langweilig.

Flanirt; müde gelaufen; ins Café du Globe; Thee getrunken, Zeitung gelesen.

Dann in’s Münster. Es war etwa 7 14. Draußen der übliche Staubwind; die beiden Seitenportale standen offen.

Drinnen dunkelte es schon; durch die auffallend breiten, dunkle Farben habenden gothischen Fenster fiel noch ein Minimum von letztem Tageslicht; nur das große Chorfenster, das in Mittelhöhe ein hellblaues, hellfarbiges Marienbild zeigt, gab noch Licht. Wo es herkam, weiß ich nicht, denn es lag der untergehenden Sonne gegenüber. Vielleicht reflektirtes Licht; Abendröthe die diese Helle lieh.
Ich schritt bis zur Kanzel. Die Kirche war noch leer, vielleicht 50 Frauen, die dem knieten auf jenen Altar, oder ein Maifest-Altar errichtet war, aber alles lag noch im Dämmer, besonders die Statue der Himmelskönigin selbst.

Plötzlich nahm ich war, daß die ganze Versammlung, die los. Es ist als        Siehe Meyerbeer 3. Akt” sagte ein Freund, dem ich später diesen Abend beschrieb. Gut. Aber auch große Opern sind nicht zu verachten. Es kommt nur So erreicht’ ich den Rebstock. Kleber-Platz.

In Straßburg am Bahnhof Hôtel de l’Esprit; Gasthof zum Geist“ – man schmeckt ordentlich die Wassersuppe.

Der „homme de fer“ giebt einem immer die Orientirung. – Dicht an der Kathedrale, auch gothisch, die Bibliotheca (zerstört.)

Sonnabend d.
dender
13. Mai
.

Früh auf. Frühstück im Hôtel. Mit meinem eignen Oberkellner (Schweizer, Lausanne, auch einberufen) über Schlettstadt, Colmar bis Mühlhausen. Die Vogesen hat man auf dieser ganzen Tour immer zur Rechten; das Ganze hier und dort an Thüringen, am meisten an das Riesengebirge und die Fahrt durchs Hirschberger Thal erinnernd. Berge, Waldkuppen, Dörfer am Fuß und Abhang, Burgruinen (wohl ein Dutzend odermehr) einige kaum Ruinen, sondern wie hart-mitgenommene Citadellen aussehend. Die Gesellschaft lauter Will-Franzosen. In Mühlhausen eine Anzahl Offiziere getroffen, die auch die Belfort-Fahrt machten; es schien mir
Exzellenz
Exc:
Fransecky
(?) zu sein. Die Vogesenparthieen sind wohl am schönsten um Schlettstadt, ober-und unterhalb.

Um 1 12 etwa in Belfort; man ist anfangs enttäuscht, wie immer etc. von den Preußen besetzte  Laub- Waldkuppe
Lageplan; Näheres nicht ermittelt. von Preußen besetztes Dorf Grund Schloß Eisenbahndam Kirche Citadelbrg andre Höhen
immer wenn man vorher Metz mit dem St Quentin gesehen hat. Erst bei nährem Eingehn erkennt man die ungeheure Festigkeit dieses Kranzes von Forts.

Es sind Dies ist die richtige Reihenfolge. Die Forts folgen scharf auf einander; nur zwischen Bellevue und Bas Perche ist wohl ein erheblicher Zwischenraum, – auch scheint es, daß hier
Gebäudeaufriss; Schloss Mömpelgard (auch: Schloss der Herzöge von Württemberg), ChateauSchlossMoempelgard(auch:SchlossderHerzoegevonWuerttemberg)ChateauMömpelgard (franz. Montbéliard)Schloss Mömpelgard.
rechts neben dem Wege (links neben dem Wegeliegt Bellevue) noch eine große Schanze zwischengeschoben ist.

Die beiden „Perche’s“, Bellevue, des Barres sind Erdwerke; Chateau, la Justice, Esperance, vielleicht auch Miotte sind Steinwerke, zu erhebl: Theil aus Quadern oder Backstein aufgeführt.

Das Stattlichste ist das Chateau; es erinnert etwas an Bitsch: dossirter Untergrund, Gestein (steil abfallend) darauf die eigentlichen Festungsbauten; weil alles vertikal ist, und Stein und Bau von gleicher dunkler Farbe, so wirkt das Ganze sehr (Fortsetzung siehe drei Blätter weiter.) stattlich.
Umgebungsplan; Heringsdorf (franz. Hericourt)Heringsdorf(franzAHericourt, BelfortBelfortBelfort und Mömpelgard (franz. Montbéliard)Moempelgard(franzAMömpelgard. Hericourt Belfort Mömpelgard
Mömpelgard schließt so zu sagen ein Loch, das die Mündung zweier Defileen ist, von denen das eine, an einem Flüßchen hin, direkt von Belfort auf Mömpelgard, das andre aber, ein Knie, einen rechten Winkel bildend, über Hericourt auf Mömpelgard läuft.
Bourbaki griff nun nicht die Mündung blos Mömpelgard, sondern er griff vielmehr die ganze Linie Heriourt c-Mömpelgard an, um, wenn er reussirte, Belfort auf zwei Straßen erreichen und das ganze Belagerungscorps abfangen zu können.

Der Kampf drehte sich also um diese Linie, und auf dieser Linie wieder um die beiden Ecken Mömpelgard und Hericourt. Er reussirte weder am einen noch am andern Punkt.

Bei Hericourt sieht man ganz deutlich das Knie, das der Weg macht und die Berg- und Wald-Ecke um die es sich handelte. Von den Höhen gegenüber griffen die Franzosen in ganzen Bataillonen muthig an, fielen aber auf der Wiese in Masse unter unsrem Feuer.

Bei Mömpelgard war die Situation ziemlich so, wie ich sie auf einem der vorderen Blätter gezeichnet habe; also etwa
Umgebungsplan; Mömpelgard (franz. Montbéliard)Moempelgard(franzAMömpelgard. Dorf Drei Waldkuppen Dorf Cimetiere Schloß Stadt Andre Höhen. Citadell-Berg W
WestWesten
Vielleicht hatten wir anfangs diese ganze Position, jedenfalls hatten wir nachher nur die Hälfte und die Franzosen attakirten uns von
Westen
W.
d. h. von der Citadellberg -Linie aus.

Das Terrain zwischen den beiden Straßen, das wir inne hatten, war wohl ein kleines Waldgebirge, eine Art natürliche Festung.

Zu umgehn war die Position nicht, da diese beiden Straßen muthmaßlich die einzigen sind, die für eine so große Armee wie die Bourbakische benutzt werden


In Belfort, das scharf mitgenommen wurde (auch die Kirche) erst im Tonneau d’or ein Unterkommen gesucht, aber „pas de place“. Eine Dame aus Preußen habe 6 Zimmer occupirt. Für eine Dame aus Preußen unerhört. Ich suchte also weiter und fand cannon d’or. Es hat etwas von einer Kanone, aber nur unter Zugrundelegung der bekannten Berliner Redensart. Ich erhielt ein Zimmer über einem Pferdestall; dann stieg ich in den großen Eßsaal. Inkermann, Alma, Malakoff, und ein Angriff Garibaldis gegen die Oestreicher schmückten als Wandbilder das Ganze. Fünf Offiziere. Mittheilungen über Belforts Belagerung.
Oberst Leutnant
Ob. Ltnt.
Schelihas Verdienste; v.
Tresckow
T.
ein Jammerprinz. Oberst Knitter (jetzt Commandant) wohl etwas knittrig, wenig beliebt. Die Franzosen beobachten uns scharf. Sie sagen bereits wie der alte York: „sie kochen auch mit Wasser.“ Sie beobachten die Unbedeutendheiten und Flachköpfigkeiten, das wenig Affable, Zugängliche unsrer Beamten, besonders die beständige Fehde der Militair- und Civil-Autoritäten oder auch der verschiednen Grade unter einander.
Umgebungsplan; BelfortBelfortBelfort. Miotte l’Esperance La Justice Le chateau Haute Perche Bas Perche des Barres Bellevue
Die Chaussée läuft auf der Höhe hart neben Bellevue hin und senkt sich dann zur Stadt hin. Das Chateau war bereits furchtbar mitgenommen. Zahllose neue Batterieen schickten sich eben an; in 5 Tagen wäre das ganze Chateau ein Trümmerhaufe gewesen. Denfert hatte 16,000 Mann; 4000 waren weg, todt, blessirt, krank. Noch allerhand Schnack mit den Offizieren.

Um 3 12 meine Fahrt an den Perches und Danjoutin und den beiden Dörfern festungsartig gegenüber durch Wiesen, Wasser, Bergeinfassung, Wald, nach Mömpelgard. Das Chateau sehr intressant. Der alte Schloßwart unter den Lindenbäumen. Auf die „Citadelle“. Der Blaukittel. Vorher le Musée de Montbelliard, das alte Bauwerk mit A quelle heure part le train pour Straßbourg? Am Ankunftstage 6 heures quelques minutes.

Am Morgen selbst 7 heures, 8 heures, 7 heures et demi, 7 Uhr 40, Ab ging es schließlich 7.45.
Säulen, Pfeilern und Arkaden. Der Blick von dort auf die Position, die Werder an dieser Stelle hielt. Zwei Dörfer rechts und links. Dazwischen die 3 Kuppen mit dem Friedhof und dem Grabenaufwurf ziemlich unmittelbar zwischen Stadt und Kuppe 1
und
u
2. Die Stadt alt, aber auch hübsches Neue, namentlich die neue gothische Kirche am Abhang des Citadell-Berges. In der Stadt 50 er. In Hericourt 37er. In Belfort 61 er.

Der Weg von Mömpelgard bis Hericourt fast noch reizender, namentlich ein Waldstück in der Mitte, eine Laubholzparthie, die der Weg durchschneidet, und die nun hier den Ueberblick über das Thal hemmt. Eine gesprengte Brücke. Hericourt ein freundlicher Ort an der Grenze von Dorf und Stadt.

Rückfahrt, die nun die Linie nimmt, daß wir in der Gegend der Forts des Barres und Bellevue (letztres dicht bei der Eisenbahn auf der Höhe) herauskamen und an Fort Bellevue vorüber, die Eisenbahn kreuzend, in die Stadt einfuhren. Es war 9 Uhr und dunkel. Das letzte Dorf, das wir passirt hatten war zerstört, durch das Feuer der Franzosen aus ihren Forts.

Die Sergeanten, die Artillerie, die Intendanturbeamten, die „schöne Frau“ von 35 im Regimentstochterkostüme, rother Rock, blaue Jacke, weiße Knöpfe, noch auffallend hübsch, geradezu schön, aber ängstlich. Sie sah mitleidvoll nach meiner Theekanne hinüber; das war nicht, was sie liebte und achtete. Ich zog mich zurück, die Pferde stampften, die 61 er erzählten unbillig lange; ich schlief darüber ein.

Sonntag d.
dender
14. Mai
.


Um 4 12 auf; um 5 12 auf den Bahnhof. Kein Mensch weiß wann der Zug geht, und doch gehen überhaupt nur 2 Züge, nach Straßburg und nach Paris. Ich trank Café in einer Art Bums; ging dann auf die Höhe, auf der Fort Bellevue liegt und zeichnete mir die Forts, die fast einen Kranz bilden, auf. Man sieht sie hier eigentlich alle in voller Deutlichkeit, nur La Justice schwindet etwas zusammen und von Esperance kuckt nur ein kleines Sttück zwischen La Miotte und La Justice, und etwas hinter diesem gelegen, hervor.

Um 7 Uhr 45 Abfahrt. Das Mitglied der freiwilligen Krankenpflege Herr Bursatis (ich glaube dies ist richtig, oder doch sehr ähnlich) aus Schneidemühl, jetzt Präfektur Sekretair zu Giromagny, Bediensteter des Präfekten Grafen Solms-Laubach, oder vielleicht war er dies (dies ist wahrscheinlicher) und ist jetzt Sekretair, rechte Hand, Aktuarius oder dergleichen des Justiz-Commissarius (Stephani wenn ich nicht irre) zu Giromagny.
Seine Mittheilungen. Redselig. Sehr unverfroren. Puffschnute. Revolver-bewaffnet. Bei Gravelotte den
französischen
französ.
Chasseur-Offizier niedergeschossen; später den bairischen Soldaten, der sich in Nothzucht versuchte. „Ich schreib halt’, die Franctireurs hab’n ihn erschossen“. Der ganze Kerl noch nicht 21. Sein Bruder 25 Jahr, bei den 15. Ulanen, im Knie schwer verwundet, geht auf 2 Krücken. Die Geschichte mit der
französischen
franz:
Hauptmanns-Dame in Belfort. Dann: 40 aufzählen lassen. Märkte werden verboten. Man muß nur immer scharf zufassen, dann haben sie Respekt. „Ich habe 7 einstecken lassen, darunter den Bruder des Maire, wegen Verbreitung falscher Gerüchte.“ Dabei sitzen nun Elsässer im Coupé, die französisch sprechen, aber ebenso gut deutsch und hören all das. Das kann nicht sehr gewinnen und einnehmen. Ein Bürschchen nimmt eine Stellung ein, die ihm nicht zukommt. Das wirkt nicht wie richtige Justizpflege. Der Krieg bringt doch sonderbare Gewächse obenauf.

Um 3 in Straßburg. Etwas umgekleidet. Flanirt. Briefe auf der Post vorgefunden, von Emilie und Hofrath Herrlich. Ins Hôtel zurück. Gegessen. Auf den Bahnhof. Abfahrt 9 12.

Montag
der
d.
15te Mai.

Um 6 12 in Frankfurt. Um 7.10. Minuten Abfahrt nach Cassel. Ankunft 11 Uhr. Abgestiegen im Victoria Hôtel. Etwas gefrühstückt. In der Stadt umher gefahren. Der Parade- oder Friedrichsplatz: Marmorstatue in der Mitte, das Palais des Kurfürsten, der Fürstin von Hanau, das Tanz- oder Festlichkeits-Palais. Der runde Platz; eine Anzahl mehr oder weniger gleichgültiger Gebäude. Sehr schön die Straße „Bellevue“ mit dem Blick in die Baum-Tiefe und auf die Wiesenfläche dahinter mit weidenden Schafen. In diesen Bäume 4 kleine Palais; eins davon das sogenannte Marmorbad. Die Statuen sehr schön; schöner als die Reliefs. Dabei alles espritvoll, angenehm sinlich, weil immer schön, witzig, humoristisch. Im Ganzen: Residenz mit Spießbürgerthum. Um 3 nach Wilhelmshöhe.
Gebäudegrundriss; Schloss Wilhelmshöhe, Wilhelmshöh, Schloß WilhelmshöhSchlossWilhelmshoeheWilhelmshoehSchloßWilhelmshoehKassel, CasselSchloss Wilhelmshöhe. Speisesaal Empfangs Saal Empfangs zimmer Wohnzimmer Arbeits zimmer. Spielzimmer Verschiedene Landgrafen, Empfang Landgraf Moritz mit Familie. Roulette X---x Karten Hier auch noch wieder 4 zweifenstrige Zimmer wie rechts.
wie überall, Bilder, Statuen, feine X---x-Empire Möbel, alles Gold, ein ebensolcher Tisch mit Marmorplatte drüber der Altar mehr der Napoleon III Zeit. (Dies alles ist wahrscheinlichunten)
Gebäudegrundriss; Schloss Wilhelmshöhe, Wilhelmshöh, Schloß WilhelmshöhSchlossWilhelmshoeheWilhelmshoehSchloßWilhelmshoehKassel, CasselSchloss Wilhelmshöhe. Tanzsaal Empfangs zimmer Wohn zimmer Arbeits zimmer Schlafzimmer.
Schlafzimmer.
ZweiBachantinnen. K---x, Ofenschirme mit Horn. Hauptsache das Bett. Die X---x von Hand. Mahagoni, goldne Brückchen, weißer Atlas, in Lyon gestickt, Füllhörner mit Blumen; ebenso die Kissen, zwei, Blumen und Epheu.
Arbeitszimmer. Schreibtisch. Stiche
x---x, etwas cigarettenverbrannt; „Andenken“. Elegant Dantehafter mit Neu Seeländer und Chinese, Briefbeschwerer der mannshohen aus reizendster Art, unter andrem ein Amor, der den Bogen auf dem Rücken trägt und die Arme unterschlägt, als hätte er seinen Dienst eingestellt. Kostbare Leuchter, Schalen, Vasen, Seidenstücke Fauteuils aus der Empire Zeit, vielleicht aus den Jerome Jahren, alles außerordentlich schön, elegant, x---x Nächte. Ein Stuhl von purpurfarbenen Seidenplüsch.
Wohnzimmer
: Alles blau; Etwas gebleichter blauer Atlas, blau der Ofenschirm, blau
und
u
Gold die Thürschilder und die Felder der Panele; noch K---x, noch Papierkorb.
Empfangszimmer
. Gesteigerte Eleganz alles roth und gold, die Wände (Atlas) eben so die Stühle; drei große Spiegel, die mächtige Gardine auch roth
und
u
gold (im Zimmer vorher auch die Gardinen Hellhimmelblau.)
Tanzsaal.
alles chamois-farben, (aber Holzanstrich) und Gold, viele Spiegelfelder, Kronleuchter, Kronständer, das Ganze gewölbt, die Stühle dunkelblauer Atlas und Gold ebenso die Gardinen, einzelne Oelbilder, aber nicht von großem Werth. Wurde nicht benutzt. „Ihm war wohl nicht zum Tanzen.“ Prinzessin Murat. Gräfin Hamilton.

Dies alles im Winter weil es kalt war und diese Seite etwas wärmer.

Zweite Hälfte.
Empfangszimmer. Metternichgrün mit Gold; alles Atlas sonst ebenso. Wohnzimmer. blau und gold. Schreib oder Arbeitszimmer. Alles bloß rosenroth. Schlafzimmer. Alles grün und gold (Atlas) das Bett unddie Einrichtung nicht voll so elegant. Die Bilder, alle lebensgroß, Jerome, Hortense, alle Brüder, der Kaiser I und Bilder Napoleon als Kind. Jerome in Kriegs-Anzug. Die Bilder lagen in Kisten als der Kurfürst zurückkehrte; sie waren noch nicht ausgepackt; in diesen sind sie jetzt wieder. Erst nach 66 wurden sie überhaupt auf gehängt; so fand sie Napoleon; – die Adjutanten schliefen in diesen Zimmern und es kam Ordre sie bei Seit zu packen was eigentlich nicht zu verstehen ist. Der Maler soll unbekannt sein. (Im Schlafzimmer Cleopatre.) Daneben, schon ein Seitenzimer, Schlafzimmer der Kaiserin Eugenie, die eine Nacht hier zubrachte, wahrscheinlich
Anfang November
Anfg Novmbr
or so about, wohl in der Bourbaki-Zeit. Einfache Rosen-Tapete, einfachere Einrichtung alles blau und Gold, eine Bettdecke mit den Zossischen Löwen als Wappen. Ueber dem Bett Louis XV in Kriegsornat mit den Lilien, gegenüber seine Gemahlin. Toilettenzimmer für Napoleon III. auch neben dem Schlafzimer, aber nach hinten hinaus. Daneben ein Zimmer für die Kammerdiner. Blau mit reicher Blumenstickerei. Kaffe. um 11 Frühstück. Um 5 oder 6 Diner. Ein Berliner Bengel von 17 Jahren wollte ihn erschießen; wurde aber verhaftet. Der Kaiser war einmal im Theater in Kassel, wohl nur um sich dem Publikum zu zeigen. Er beschränkte sich fort auf Wilhelmshöh, ging, ritt, fuhr, aß, las, spielte, schrieb: so verging die Zeit. Besuch der Kaiserin.
Gebäudeaufriss; Schloss Wilhelmshöhe, Wilhelmshöh, Schloß WilhelmshöhSchlossWilhelmshoeheWilhelmshoehSchloßWilhelmshoehKassel, CasselSchloss Wilhelmshöhe.
Die 3 Thüren Empfangssalon dann nach links und rechts hin immer 2 Fenster im Zimmer so daß sich zu jeder Seite 4 Zimmer befinden. Hinter dem Schloß ragt das Wasserwerk (?) mit demHerkules auf.
Lageplan; Schloss Wilhelmshöhe, Wilhelmshöh, Schloß WilhelmshöhSchlossWilhelmshoeheWilhelmshoehSchloßWilhelmshoehKassel, CasselSchloss Wilhelmshöhe. Herkules. Schloß Theater Wache. Schom bart
Rechts befindet sich, neben dem Schloß, das Theater, dahinter rechtwinklig Schombart und die Wache

Eine Art Porters Lodge am Anfang des Portes links. St. trägt eine Tafel mit der Inschrift: Schloß Wilhelmshöh, Landkreis Cassel,
Regierungsbezirk
Reg.bz.
Cassel
, 2. Corps (Cassel) I.
Bataillon
Bat.
Gardedragoner
Gardedr
blüht ein Faulbaum Cassel, 1. hessische Landwehr Regiments
Numero
No
8 ||
. Das Standbild auf dem Friedrichs-Platz. Friederico II Patria 1783. Kehrseite: Guilielmus I Elector Statuam patris e sua sede ab hostibus avulsam Reponi fecit 1818. Die Statue war mitten durchgeschnitten (ganz durch den Leib) und ist nun wieder zusammengesetzt. Kriegs werk (kult) nahmen sich lächerlich aus Die Quasi-Unterhosen zu comischen Sandalen und römischen Pagen Wenige Stunden nach dieser Begegnung lag Reims hinter mir. Im Coupé war plaudern und lachen; keine Ahnung beschlich mich, daß ich einem Abenteuer entgegenfuhr, und zwar just einem solchen, vor dem ich mich zu hüten und zu bewachen am meisten beflissen war.

Jeder Leser der die erste Strophe von „Hektors Abschied“ gegenwärtig hat, wird nicht überrascht sein zu erfahren daß ich einigermaßen schwer losgekommen war und daß ich feierlich zugesagt hatte, mich meiner harmlosen Betrachtung der Dinge dieser Welt, oder minder euphemistisch ausgedrückt, meines üblichen Leichtsinns zu entschlagen. Ich war geradezu auf den Satz hin eingeschworenvereidigt worden; daß „Vorsicht des Muthes bessrer Theil sei,“ und ein Schwur hatte dadurch die 3 Eide meines Todes: mit dessen Hülfe ich die drei einzigen Confirmation, Fahne und Trauung, bis auf 4 gebracht. Ich hatte auch in der That den besten Willen diesen Eid zu halten. Diesen 4. Eid zu halten war ich mindestens ebenso entschlossen wie irgend einen der drei andren Mein ganzer Reiseplan hier war unter Zugrundelegung dieses worden. Ich wollte, wie der Leser sich entsinnen mag, nach St Denis. Aus bloßer Vorsicht, um nicht etwa aus Versehen in Paris und die Commune hineinzufahren, hatte ich bei Epernay die Westlinie aufgegeben und hoffte |auf controllirbaren einem leichten Umwege, von Norden her bis St Denis vordringen zu können. Der Plan war gut; aber der Mensch denkt, der Kutscher lenkt. auf dem Punkt, schuldlos, wider Wissen
und
u
Willen meine Gelöbnisse
(weil es mit der Schwachheitder menschlichen Natur zusammenfiel)
Meine Reiseroute ging über: Soissons, Senlis, Creil; Spät-Nachmittags hoffte ich an meinem Ziele einzutreffen. Alles versprach einen heitren Tag; selbst die Aufenthalte an den genannten Hauptstationen waren mir willkommen; – ich hatte kein Intresse an allem nur vorüber zu fliegen.

Etwa um 2 war ich in Soissons. Von einem großen Quaderstein aus, der neben dem Stationsgebäude dalag, sah ich nach der Stadt hinüber deren Kathedrale-Thürmen mich an x---x x---x aber die Masse Zwillingsbrüder erinnerten, von denen der eine stärker Die Festungswälle, die den 24 pfünder des Großherzogs nicht lange wiederstanden hatten, gleichen so viel ich wahrnehmen konnte, denen von Toul.

Auf dem Perron wuchs das Leben; Gefreiten Platz nahm. Würtemberger, Sachsen und Grenadier von dieser 2. Garde Division. In Soissons stießen die Payons dieser drei ziemlich zusammen. An meinem Tisch saß ein Sächsischer Gefreiter; ich setzte mich zu ihm. Wie immer seine Landsleute lenkte er beim „Töggeln“ das Gespräch auf Politik hinüber. Ein Sachse beschäftigt sich gerne mit dem Größten. Wir sprachen von Communen, moralischer Verwilderung, , zuletzt (Paris war die natürliche Brücke ) x---x--> – Leipzig. Nun ging ihm das Herz auf; er glaubte mir einen Blick in sein Inneres gestatten zu dürfen. Hören Se, raunte er mir ver- traulich zu, ich gloob Se der ganze Krieg war nich nöthig.
Nich nöthig? Aber ich bitte Sie.. „Hören Se, globen Se mir, es liegt dieser. Wer kennt die Polletik so genau.“ Dabei hob er den Zeigefinger. Unglückliche Affaire bei Dijon.

Majestät schreibt: der Verlust dieser X---x gereiche zu höchster Ehre. Also 61er. 3.75 4
12. 300 Centimes Mies Rorviki. Francs.
6.45. Ich sah sofort in Abgründe, gab ihm also in allem Recht und lenkte das Gespräch auf den Großen und Kleinen-Kuchengarten, über den wir einig waren.
Ich glaubte, daß der Angriff ganz gegen X---x x---x x---x Seite her gezogen wäre;