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I

  • Heinersdorf (aus
    gearbeitet)
  • Gusow (Notizen)
  • Friedersdorff (ausge
    arbeitet)
  • Im WWangenheim’ſchenHauſe
  • Heinersdorf.

    Ein altes Dorf mit einer ziemliceben ſo alten Feldſtein-Kirche, dereThurm in keine Spitze ausläuft, ſonder– wie die benachbarten Kirchen zu Marien-dor und Marienfelde – ein kurzes Giebeldach trägt
    Die Häuſer der Dorfgaſſe ſinärmlich, ſieben Reihen ſchöneBäume indeß (Ulmen, Kaſtanien und Linden) die das ganze Dorf durchziehund zwiſchen den 2 Fahrwegen rechts und links, nocvier breite Mittelgänge bilden, gebeim Sommer ein reizendes Bild
    Die einzige Sehenswürdigkeit iſdie alte Kirche, die außen und inneein paar bemerkenswerthe, und in gewiſſeSinne lehrreiche Inſchriften aufweiſt
    Die eine lautet
    nno 1706 hat Sr Königl.Seiner Königlichen Majeſtät Gene⸗ral Major von der Infanterie, auch Obriſtebei dero Garde⸗Füſiliren Herr Ernſt Lud-wig von Hak, auf Machenow, Stahns⸗dor und Heinersdorf Erbherr, dieſe Kirchganz renoviren laſſen und dazu 20 Reichstalergeſchenket. (Das waren allerdings nocbillige Zeiten.
    Die andre Inſchrift, ebenfalls ein Beitrag zur Geſchichte jener Zeit, iſt die folgende
    Allhier lieget begraben Herr ChriſtophNeuman, juris candidatus, geb: geboren zu Lucka1636 und geſtorben zu Heinersdorf 170bei dem Herrn von Haken, welcher (Neu-man) deren hochadlige Herren von Ha⸗ke, Pfuhlen, Bredowen, WilmerſtorffHeeren und Beeren, und Leſchebrand, fleißiger Informator geweſen und ſonderlich in die 40 Jahre dem MachnowſchenHauſ treue Dienſte geleiſtet hat. (Alſein 66 jähriger Hauslehrer, der bei alleadligen Familien des Teltower Kreiſeherumgehauslehrert und ſchließlich bei deHake’s das Gnadenbrot gefunden hat.
    Die dritte Inſchrift befindet ſican der Außenſeite des alten Feldſtein⸗thurm, ein paar Fuß hoch über deEingangsportal. Sie lautet
    Die 3 in dieſem Thurm oben hangendGlocken hat die hochwohlgeborne Frau Hed⸗wig Margarethe von Behre aus dem HauſKiekebuſch, des Hochwohlgebornen Herrn JohannDitloff von Hak, Erbherrn auf Heiners⸗dor Wittwe, Anno 1706 gießen und igedachtem Jahre an dem Tage Johannis aufziehn und zum erſten Male läuten laſſenSie wogen etwas über 15 Zentner unkoſten derſelben über 600 Taler. Gotwolle dieſelben vor allem Schaden bewahren. Heinersdorf am Tage Margarethein obgedachtem Jahre, als an welchem Tagauch dieſer Stein eingemauert iſt. (Darunter befindet ſich das Hake’ſche [drei Gemshörner] und das Behren’ſche [ein SchwanWappen. Die Glocken ſind ſehr ſchöund geben einen Dreiklang. Dieſelbe Damedie ſehr reich oder ſehr fromm geweſen ſeimuß, hat der Kirche auch eine bronzenKrone geſchenkt, in die der Name deGeberin und die Jahreszahl 1707, eingeſchnitteiſt
    Auf den Feldern von Heinersdorfim Angeſicht des eine halbe Meile ſüdlichegelegenen Dorfes Großbeeren, ſtand a22. und 23ten Auguſt 1813 das Bülow-ſche Corp, das am Nachmittag und Abendes 23ten die Schlacht ſelbſtſtändig beganund gewann. Die Schweden (rechter Flügelſtanden in Ruhlsdorf; das TauentzienſcheCorp (linker Flügel) in JühnsdorfBlankenfelde; ſinahmen beide keinen eigentlichen Antheil an der SchlachtDas Bülow’ſche Corps beſtand aus drei4 Brigaden: v. Kraft,Prinz v. Heſſen Homburg, v. Thümen und v. Borſtel. (Vgl: Vergleiche Großbeeren.

    Gusow.

    Grundriss; KircheKircheGusow (heute: Ortsteil der Gemeinde Gusow-Platkow)Kirche in Gusow. Alta
    • a) Altar. Geſchnitztes Altarbild; langInſchrift auf der Rückſeite des Altars
    • b) und c) Chorſtühle mit den Wappeverſchiedner Adelsfamilie
    • d) die Fallthür die zum Grabgewölbdes alten Derfflinger führt
    • e) Kirchenſtuhl (nicht parterre) der gräflichen Herrſchaf
    • f) Grabmonument des alteDerfflinger
    Lageplan; Schloss Gusow, Gusower SchloßSchlossGusowGusowerSchloßGusow (heute: Ortsteil der Gemeinde Gusow-Platkow)Schloss Gusow.
    • a. b. c.) Breiter Graben, dedas Schloß nach allen 4 Seiteumſchließ
    • d) Steinbrücke. Haupt⸗Eingang
    • e) Schloß. Corps de Logis deälteſte Theil
    X---x d. 23. Aprili, Anno 678X---x Derfflinge
    Ich, George, Freiherr v. Dörfflinger, Herr auf GuſowPlatkow, Wulkow, Cleſſin und Hermersdorf, etc. alPatronus dieſer Kirche, habe den lieben Gott, zu EhreAnno 1666 angefangen nach dem Tode meineſeeligen, Hochadligen, herzliebſten Barbara Rosinav. Behre dieſe Kirche, welche vor dieſem ſehklein, unſauber und unordentlich war aus meineeignen Mitteln 20 Schuh ins Licht zu verlängerund ein Begräbnißgewölbe, neuen Altar, KanzelKCöhre, Fenſter, Thüren, Sackfelle und Stühle alleneu verfertigen laſſen, und iſt ſolcher Kirchenbau mit der Malerei vollends Anno 1670 geendigt worden
    Pfarrer iſt zu dieſer Zeit
    Salomon Samarius aus Münchberg bürtigKirchväter: Martin Kaul, Martin Kaul, Martin Buckow
    Gott erhalte dieſe Kirche und behüte ſie voKrieg und Feuersbrunſt und gebe, daß ſeiheiliges Werk darin lauter und unverfälſchtgepredigt und die heiligen Sakramente nach ChriſtEinſetzung adminiſtrirt werden bis zum lieben jüngſteTage. Inſchrift am Grabmonument
    Der Hochwohlgeborne Herr, Herr George, Reichs-Freiherr v. DerfflingerSr. Kurfüſrſtl. Durchl.Seiner Kurfürstlichen Durchlaucht zu Brandenburg Hochbeſtallter Geheimen-KriegsrathStatthalter des Herzogthums Hinterpommern und Fürſtenthums CaminGeneralfeldmarſchall über dero Armen und Ober⸗Gouverneur aller FeſtungeetcHerr auf Guſow, Platkow, Wulkow, Cleſſin, Hermersdorf, Schildberg u. deQuitteiniſchen Güter in Preußen etc. Iſt auf dieſe Welt geb.geboren Anno 1606 de10 Martz (März) zu Neuhofen in Ober⸗Öſtreich im Lande ob der Ens unauf ſeinem Gute Guſow ſelig im Herrn entſchlafen Anno 1695 den 4 FebrSein Alter 89 Jahr weniger 1 Monat
      1.) An welcher Seite des Parks liegt das Schloß? – Im Süden2.) Wie viel Brücken führen zum Schloß? – Zwei
    • 3.) Wo ſtammen die Böller her, die in der Eintrittshalle deSchloſſes ſtehen? von der Fürſtin von Schönburg
    • 4.) Welche Wappen befinden ſich rechts und links (vom Altar in den KirchenſtühlenChriſte v. Schaplo, d.der v. Berfeld, d.der v. Rilicher, d.der v. Promwitzerd.der v. Haken, der v. Redern, d.der v. Schulenburg, d.der v. Winkſternd.der v. Stoſch, der v. Haubitz, d.der v. Löben, d.der v. Berfeld, d.der v. Röbe, d.der v. SchaploChriſte v. Schaplo war, wie ich geſehen habe, mit Kreidunterſtrichen, wahrſcheinlich ein Merkmal von Ihnen
    • 5.) Aus welchem Material iſt das Derffl.Derfflinger Grabmonument gemachtSandſtein!
    • 6.) Wiſſen Sie Einiges über die beiden ſcheußlichen Ölbilder, die an deWand des kleinen Flurs hängen, wenn man in’s Gaſthaus trittDieſe beiden Bilder ſtammen vom Schloſſe. Das Bruſtbilſtellte den Miniſter Podewilz, den Vater des frühen Beſitzers von Gusow, Grafen v. Podewilz, dar. Das andriſt aus dem Schwedenkriege, wo Derfflinger mitgefochten. Die jetzige Beſitzerin der Bilder kann nicht ſagenob ihr Vater dieſelben gekauft oder geſchenkt bekommehat
    • 7.) Der Wortlaut der Inſchrift hinterm GAltar und den der Inſchrift aGrabmonumentInſchrift hinterm AltarDer Kurfl. Durchl.Kurfürstliche Durchlaucht zu Brandenburg beſtallter GeheimerKriegsrat, Stadtthalter in Pommern, GeneralfeldmarſchallOber Gouverneur über alle dero Feſtungen und Obriſzu Roß und zu Fuße etc

    Das jetzige Armen⸗ oder Fami⸗lien⸗Hau in Guſow, das ein noplus ultra von Schmutz und Elend iſ(ein wahrer Skandal) war urſprünglich eine Art Kaſerne, in deeine Abtheilung Derfflingerſcher Solda⸗te (ſehr wahrſcheinlich)Dragonerin Quartier lag
    Landrath v. Podewilauf Gusow
    Ein junger Landrath im LebuſerKreiſ (v. PPodewil......s auf Guſowberichtete dem Könige, daß in ſeineKreiſe ſich hätten Heuſchrecken in großeZahl ſehen laſſen. Der König will enicht glauben daß ihm die „Egypter“ in’Land gekommen ſind. Der Landratſchickt ihm eine Schachtel voll (miLuftlöchern) und als der König ſie öffnet, fliegen und ſchwirren ſie im Zimmeumher. Der König, ſehr aignirtveranlaßte folgende Kabinetsordre: „S.K. M.Seine Königliche MajestätSeine Königliche Majestä laſſen dero etcet cetera Kammer hierdurczu erkennen geben, wie Höchſtdero ausdrücklicher Willensmeinung dahin gehetdaß von nun an keiner wie(als) Landrath angeſetzet werden ſoll, der nichzum allerwenigſten 35 Jahr alt iſtunter dem muß durchaus niemand dazgewählet und vorgeſchlagen werden, ſonſteund wenn ſie nicht das Alter von wenigſtens 35 Jahren erreichet habentaugen ſie nicht dazu, und ſolche Kinder und junge Naſeweiſe wolleHöchſtdieſelben ſchlechterdings nicht zLandräthen haben. Die Kammer hadaher ſich stricte darnach zu achtenzugleich auch, ſoviel wie ſie kanngute Offiziers, die nicht mehbei der Armee in Dienſten ſind, unden Abſchied haben, zu Landräthen zkriegen ſuchen, weil die ſchon beſſeverſtehen, was zur Ordnung gehört
    Potsdam d.dender 27 September 1779An die Weſtpreußiſche Kammer

    Friedersdorff.

    Grundriss; KircheKircheFriedersdorf (heute: Ortsteil der Gemeinde Vierlinden), FriedersdorffKirche in Friedersdorf. bckhil
    a.) Altar. b. c) Die Grabſteine, miRelief⸗Statuen, des General v. Goertzke unſeiner Gemahlin. d) Kanzel e) Grab⸗monument des Hans Georg v. d. M.von der Marwit de2 mal verheirathet war. f) Grabmonumendes älteſten Sohnes von Hans Georg gGrabmonument des zweiten Sohnes (Au⸗guſt Gebhar) h. i.) Grabſtein der beiden Söhne des Auguſt Gebhart, von deneder eine der Hochkirch⸗Marwitz, der andrder Vater des Hagelsberg⸗Marwitiſt. k) Bilder in reichem Goldrahmendes Hagelsberg⸗Marwitz und ſeinerbeiden Frauen geb.geborene Gräfin Brühl undGräfin Moltk
    Nicht ermittelt. 1te Fraugeb.geboreneGräfGräfin Brühv. d.von derMarwit2te Fraugeb.geboreneGräf: Gräfin Moltk
    • 1.) Orgel und Inſchriften an der Brüſtunder Emporen

    Familien⸗Begräbnißplatunmittelbar neben deKirche
    Grundriss; Begräbnisplatz der Familie MarwitzBegraebnisplatzderFamilieMarwitzFriedersdorf (heute: Ortsteil der Gemeinde Vierlinden), FriedersdorffBegräbnisplatz der Familie von der Marwitz.
    Kreuz in der Mitte. Sprüche unInſchriften an den Wänden
    a) Grab und Grabſtein der geb.geborenen GräfinBrüh. b uund c) Grabſtein Alexan-ders v. d.von der Marwit und ſeines Bru⸗der
    Links neben dem Altar befindeſich, eingemauert in die Wand, diGrabſteine des Generals von Görtz⸗k und ſeiner Gemahlin. Beide ſinin ganzer Figur, haut-reliefartig, ausgemeißelt und zeigen lebens⸗ unausdrucksvolle Geſichter. Der Kopder Frau iſt ſogar anziehend und voeinem eigenthümlichen Liebreiz. Es könnenicht mehr Hände geweſen ſein, die dieſSkulpturen gemacht haben. Wie weit dePortrait-Werth beider Statuen reicht, iſſchwer zu beſtimmen. In der Halldes Friedersdorffer Schloſſes befindeſich, neben einer Fülle andrer Bildniſſe, auch ein über⸗lebensgroßes Por⸗trait des Generals von Goertzk, daeinen Vergleich mit dem Grabſtein⸗Bild⸗ni geſtattet. Danach (wenn man daOelbild als die zuverläſſigere künſtleriſche Leiſtung gelten läßt) iſt der Portraitwerth desr Relief-Statue nicht ebehoch in Rechnung zu ſtellen. Das Koſtüiſt die Kriegstracht der brandenburg: brandenburgischen Reitergenerale jener Zeit: Bruſtharniſch, BeinſchieneFeldbindeDer Ausdruck der Köpfe, im Gegenſatz zur Aehnlichkeit der Züge, iſt ſehr verwandt; beide, Stein⸗ wie Oelbild, zeigeein breites, markiges, tüchtiges Geſichtdas Steinbild aber hat einen heitrenhumoriſtiſchen Zug, der dem Oelbild ider Halle fehltDem Contor zu Friedersdorff verdank’ ich noch folgende Mittheilung
    Das alte Grabgewölbe der Kirche hattſchließlich nicht mehr Raum für die Todteund wurde, muthmaßlich beim letztenr Renovirung der Kirche () zugemauertIn dieſem Gewölbe befanden ſich, nacAngabe des Contors, auch 2 Zinn⸗ Särge, derauGoertzke’ſchen Familiedenen er, nach Entfernung voStaub und Spinnweb, den Namen Goertzke geleſen haben will. Da nach allgemeiner Annahme „der Paladin desgroßen Kurfürſte“, „der Sieger vonFehrbelli“ in Bollensdorf (Nieder⸗Barni) begraben iſt, ſo iſt es wahrſcheinlich daß es der Sarg war, idem – laut obiger Grabſchrift – die junge Ge-mahlin v. Goertzke’ beigeſetzt wurde
    Als im Jahre 18.. das Denkmaauf dem Fehrbelliner Schlachtfelde erweiterwurde, erhielt der Major v. Goertzke auGroß-Beuthen eine Einladung bei der Feſtlichkeit zugegen zu ſeinDie Denkmäler an der rechteSeite des Kirchenſchiffs, an welcheSeite ſich auch die Kanzel befindet
    An dieſer rechten Seite der Kirche befinden ſich drei Denkmäler; ziemlich ider Mitte (neben der Kanzel) das Denk⸗ma des Hans Georg von der Mar⸗wit; links und rechts von ihm diGrabdenkmäler ſeiner 2 Söhne, vodenen der ältre (Friedrich Wilhelm) 2Jahr alt, unverheirathet ſtarb, dejüngre aber (Auguſt Gebhart) der Vatedes Hochkirch⸗Marwitz und der Großvater des Hagelsberg-Marwitz und degenialen Alexander v. d.von der Marwitz war
    Das Denkmal des Hans Georgv. d.von der Marwit. Ueber dem Sarkophabefindet ſich in Goldrahmen-Einfaſſung daPortrait des Hans Georg. An den Sarkophag lehnen ſich 2 weibliche Geſtalten,Steinfigurevon denen jede, in einem ovaleGoldrahmen, ein X---xFrauen⸗Portrait iHänden hält. Es ſind dies die Por⸗traits der beiden Frauen des HansGeor, beide Köpfe ſehr hübſch, beſonders die Dame mit dem weißeKopftuch. (Alle dieſe Portraits ſcheineſich, wie auch die ſpäter noch zu erwähnendenals Doublette in der Halle des [17Schloſſes zu befinden). Die Inſchrift aDenkmal des Hans Georg lautet wifolgt: „Der Hochwürdige und hochwohlgeborne Herr, Herr Hans Georg von derMarwit, auf Groß⸗ und Klein⸗Rietz, Frie⸗dersdorf, Kienitz und RaßmansdorErbherr, des St Johanniter Ordens Ritteund reſidirender Commandator zu Mittersheimb, Churfürſtlicher Durchlaucht zu Bran⸗denbur Herrn Friedrich Wilhelms des Gro⸗ße, glorwürdigſten Andenkens, beſtalteRath und Kammerherr, wie auch Hoch⸗Fürſtlich Anhalt-Zerbſtiſcher Geheime Rath, Hofmarſchall und Kammerpräſident, iſt auf dieſWelt geboren Anno 1638 im Juli in deFeſtung Spandau und zu Zerbſt ſelig im Herrentſchlafen Anno 1704 den 4t Juli, ſeines Alters 66 Jahr. Dieſes hat zu ſtetigem, wiewohl ſehr betrübtem Denkmahl aufrichtelaſſen ſeine im Leben und Tode treu geweſene andere und letztere Frau
    Links vom Denkmal des HansGeor, befindet ſich das Denkmal ſeines älteſten Sohnes Friedrich WilhelmDie Inſchrift lautet: der Hochwürdigund hochwohlgeborne Herr, Herr FriedrichWilhelm v. d.von der Marwit, auf Frieders-dorf und Kienitz Erbherr, des St Johan⸗niter-Orden Ritter, SrSeiner Königlichen Ma-jeſtät in Preußen Friedrich Wilhelms desGroße beſtalten Kammerjunker, wie aucder Kurmärkiſchen Cüſtriniſchen Regie⸗run würklicher Regierungsrath, iſt auf dieſWelt geboren Anno 1688 den 11ten Auguſt ider Hochfürſtlich⸗Anhaltiſchen ReſidenzſtadZerbſt und allhier in Friedersdorff dem Herrſelig entſchlafen Anno 1717 den 3ten Mai. Die-ſe hat zu ſtetem, wiewohl höchſt betrübten Andenken aufrichten laſſen, Seine iLeben und Tode getreue Mutter.“ – Unteder Inſchrift befindet ſich ein Wappemit 2 weißen Johanniterkreuzen, übeder Inſchrift ſein Portrait (nicht reſtaurirt, aber gut erhalten) in rother Robund Allongen⸗Perrücke. Soll ein Mandes Studiums und ein begeiſterter Freunder Wiſſenſchaft geweſen ſein
    Rechts vom Denkmal des HansGeor befindet ſich das Denkmal ſeinejüngren Sohnes Auguſt Gebhart. DiInſchrift lautet: „Der hochwohlgebornHerr, Herr Auguſt Gebhart v. d.von der Marwitzauf Friedersdorf und Wilmersdorf ErbherrSeiner Königlichen Majeſtät FriedrichWilhelm des Große glorwürdigen Andenkens beſtalter Capitain der Infanteriewar angeboren Anno 1695 dem 20teMärz in der hochfürſtlichen ReſidenzſtadZerbſt, allhier aber in Friedersdorff ſanftund ſelig in dem Herrn entſchlafen aAnno 1753 den 28 Dezember, Alters 59 Jahre. Dieſes hat zſtetigem und höchſt betrübten Denkmahaufrichten laſſen, ſeine im Leben und Totreu nachgelaſſene Wittwe und Kinder.Das über der Inſchrift befindliche Por-trait des „Capitains der Infanterie iſſehr gut und zeigt den Geſichtsausdrucwie die Hohenzollern⸗Portraits dedamaligen Zeit
    Dieſer Auguſt Gebhart war 2 maverheirathet zuerſt mit Helena Sophiavon Löbe, das zweite Mal mit JohannaUlrike von der Golt. Von ſeineerſten Frau wurde ihm der Hochkirch⸗Marwit, von ſeiner zweiten Frader Vater des Hagelsberg⸗Marwitgeboren. Der letztre hat ſeineVater und ſeinem berühmten Onkeeinen gemeinſchaftlichen Denkſtein errichtelaſſen. Dieſer Denkſtein befindeſich an der linken Seite des KirchenſchiffsDie beiden Inſchriften dieſes Denkſtein(der kein Portrait, Bildwerk oder ſonſtiges Ornament enthält) lauten wifolgt: „Johann Friedrich Adolf v. d.Marwit geb. d.geboren den 24 März 1723, GeneraMajor der Cavallerie, Ritter des Verdienſt⸗orden, Erbherr auf Friedersdorff ſeit 15März 1755, ſah Friedrichs Heldenzeiund kämpfte mit ihm in allen ſeinen Kriegen; wählte Ungnade wo Gehorſanicht Ehre brachte; er ſtarb 14t Dezember 1781“Die andre, recht daneben, lautet: „Beh⸗rend Friedrich Auguſt von der MarwitErbherr auf Friedersdorff, Hofmarſchaldes Königs. Grad, bieder, rechtſchaffenſtarb den 19ten September 1793. | „Beh⸗rend Friedrich Auguſt v. d.von der Marwithatte ſich am 13ten Mai 1776 miSuſanne Sophie Maria x---xLouiſe von Dor⸗vill vermählt, von der ihm ausgezeichnete Söhne geboren wurden
    Friedrich Auguſt Ludwig v. d.von der Mar⸗witz (der Hagelsberg-Marwitz; Alexan⸗der v. d.von der Marwit, gefallen bei Mont⸗mirai und Anton Eberhardt Conſtan⸗tin v. d.von der Marwit, gefallen bei Groß⸗AsperDie beiden jüngeren Brüder ruhen ifremder X---xErde und haben nur ihre Denkſteine auf dem neben der Kirche gelegenen Familien⸗Begräbnißplatz; deälteſte Bruder aber, der unter deKämpfern gegen Liberalismus und Gleichmacherei in vorderſter Reihe ſteht und nichmit Unrecht der Schöpfer der Kreuzzei⸗tungs-Parthe genannt worden iſt, hat eiDenkmal in der Kirche, das, wie faſalle Denkmäler in dieſer Kirche, die Malerei auf Koſten der Skulptur bevorzughat. Das gGanze beſteht aus einereichverzierten goldenen Rahmen, der ſicin 3 Theile gliedert und 3 Portraitumfaßt: in der Mitte das Bildnißdes alten Friedrich Auguſt Ludwiin Generals-Uniform, rechts unlinks die Bildniſſe ſeiner beiden Frau⸗en, die erſte eine geb: geborene Gräfin Brühl,die zweite eine geb.geborene Gräfin MoltkAlle drei Bilder ſind vortrefflicgemacht, der Kopf der jung verſtorbenen Gräfin Brühl überaus reizenund anziehend. Die drei Inſchriftedieſes aus 3 Portraits beſtehendeDenkmalslauten wie folgt
    Hier ruhet in Got
    Herr Friedrich Auguſt Ludwig von derMarwit, Königlich Preußiſcher GeneralLieutnant, Ritter mehrerer Orden unErbherr auf Friedersdorff, geb: d.geboren den 2Mai 1777, geſtorben d.den 6t Dezember 1837Ein treuer Unterthan ſeines Königin Krieg und Frieden, in allen ſeineLebensverhältniſſen ein unermüdlicheKämpfer für Wahrheit und Recht, deSeinen ein leuchtendes Vorbild voPflichttreue und Selbſtaufopferung, ſeingroßen Geiſtesgaben nur zur EhrGottes gebrauchend, vollendete er diLaufbahn eines Gerechten durch defeſten Glauben an den Herrn JeſuChriſtus, der da ſpricht Evangel: Evangelium JohannisCapitel 11. Vers 25 u. 2: „Ich bidie Auferſtehung und das LebenWer an mich glaubet, der wird lebenob er gleich ſtürbe. Und wer da lebet und glaubet an mich, der wirnimmermehr ſterben.“ Dieſe heiligeWorte waren der ſelbſtgewähltLeichentext des EntſchlafenenLinks daneben: Hier ruhet in GotFrau Caroline Franziska v. d.von der Mar⸗witz geb.geborene Gräfin von Brüh, geb. d.geboren de28t März 1783, geſtorben d.den 16t Mär1804. – Rechts daneben: Hier ruhein Gott Frau Charlotte von derMarwitz, geb: geborene Gräfin Moltk, geboreden 12t März 1780, geſtorben dden 18t November 1848

    Gegenüber dem Altar befindeſich die Orgel und an der Brüſtundes Orgel⸗Chors 2 Inſchriften, diauf die beiden Haupt⸗ReparatureBezug nehmen, denen die Kirche ſei150 Jahren unterworfen wordeiſt. Die eine lautet wie folgt
    m Jahre 1702 hat SrSeine Excellenz HerrJohann Georg v. d.von der Marwitz, Hofmarſchall zu Zerbſt etc. den Thurm völliaufführen, die Kirche repariren, Chöre und Stühle aufrichten und nach deTheuren Seele ſeligen Abſchied Ann1708 (hat) dero nachgelaſſene Frau Wittwe Sybille Eliſabeth geb.geborene v. Oſter⸗hauſe (welche und Ihr Haus Gott mivielem Segen ſchmückte) ſolchen Bavollenden, das Gotteshaus ausziereund das Orgelwerk aufſetzen laſſenSo laß nun mein Gott Deine Augeoffen ſein und Deine Ohren aufmerkeaufs Gebet an dieſer Stätt. Im 2tenBuch der Chronika, am 6ten Capitel V.Vers 4
    Laß reine Lehr zu Deiner EhMein Gott beſtändig höreUnd Feuers Gluth noch Feindes WutDen Tempel nicht zerſtören
    Die zweite, ſehr lange Inſchrift beziehſich auf die im Jahre 1854 erfolgtgründliche Kirchen⸗Reparatur, die zumeiſauf Veranlaſſung und aus den Mitteldes Patrons, Herrn Bernhard v. d.von derMarwit bewerkſtelligt wurde

    Der unmittelbar neben der Kirchgelegene, mit einer Steinmauer eingefaßte Familien⸗Begräbnißplatz, ſchein– wiewohl die Zumaurung der Gruferſt vor 10 Jahren erfolgte – bereitſeit Anfang dieſes Jahrhunderts alBegräbnißſtätte gedienet zu haben; wenigſtens laſſen einige Grab⸗ und Gedenkſteidarauf ſchließen. Unter dieſen Gedenkſteinen, ſei deren ſchon eine ganze Anzahl vorhanden iſt, ſei nur dreier erwähnt, die theils durch die Perſonen deren zu Ehren ſie unterrichtet ſindtheils durch ihre Abfaſſung ein Intereſſe einflößen. Zunächſt
    Hier liegt mein Glück
    Caroline Franziska Gräfin von Brühward geboren 1783 den 23t Märzvermählt 1803 den 12t Mai und FriedrichAuguſt Ludwig v. d.von der Marwit. Erbherrn auf Friedersdorff. Der verließ ſie geſund am 14t März 1804vierzehn Tage nach einer glücklicheEntbindung, kehrte am 16ten zurück unfand ſie todt. Sie war die Freudaller die ſie kannten. (Das Portrait ider Kirche zeigt ſo liebenswürdige Zügedaß man dieſen Ausruf begreift.
    Zweitens
    Chriſtian Guſtav Alexander von derMarwit geb. d.geboren den 4t Oktober 1787Lebte für die Wiſſenſchaften. Erſtieg deren Gipfel. Redete ſieben Sprachen. Wahrete dieſes Vatergutes 1806 und 1807 wider Bruder zu Felde lag. Von Freiheitsliebergriffen, focht er 1809 in Oeſtreich beWagram undbei Znaym. Diente 181dem Vaterlande. Schwer verwundet ungefangen, befreite er ſich ſelbſt. Wiedegeneſen focht er in Frankreich und fiedort bei Montmirail den 11t Februa1814. Sein Vater war Behrend Friedr: FriedrichAug: v. d.August von der Marwit, ſeine Mutter Su-ſanne Soph.Sophie Marie Luiſe v. DorvillHier ſtand er hoch, dort höher. Seinem Andenken geſetzt von ſeinem Bruder
    Drittens
    Anton Eberhard Conſtantin v. d.von der Mar⸗wit, geb.geboren zu Berlin d.den 2t Dezemb.Dezember 1790widmete ſich früh den Waffen. Sah deFall ſeines Vaterlandes 1806, kämpftfür daſſelbe, ſah es in Sklaverei und flohden Kampf für deutſche Freiheit ſuchen1808; fand ihn (den Kampf) 1809 miRuhm bei Regensburg d.den 25t April, fiebei Aspern den 21t Mai 1809, duldetunausſprechlich bis zum 9t Oktober beNikolsburg in Mähren wo er ſtarbvon den Seinigen betrauert, von deFeinden geehrt. Sein Vater war etc(beides wie oben.

    Das
    königlich
    königl.
    preußische erste Ulanen-Regiment.

    Das ſo eben dem Großfuͤrſt Thronfolger von Rußland, NikolauAlexandrowitſch, en chef verliehene preußiſche erſte Ulanen⸗Regiment iſt das aͤlteſte dieſer Waffe in der preußiſchen Armee unbeſtand der urſpruͤngliche Stamm derſelben in einer Fahne odeSchwadron Bosniaken, welche von Friedrich II. 1745 dem damals ebenfalls erſt kurz zuvor errichteten ſchwarzen Huſaren⸗Regiment (bis 1806 Nr. 5., jetzt 1. und 2. Leib⸗Huſaren⸗Regimentbeigeordnet wurde. Waͤhrend des ſiebenjaͤhrigen Krieges wurde1760 die Bosniaken bis auf 10 Fahnen vermehrt, gleich nacdem Hubertsburger Frieden aber wieder auf den fruͤheren Stamreducirt. 1771 endlich erfolgte ihre Abzweigung von dem HuſarenRegiment Nr. 5. und Aufrichtung zu einem eignen BosniakenRegiment von 10 Schwadronen; 1800 erhielt dies Regiment deNamen Towarczys und ward ihm noch ein Bataillon Towarczyvon 5 Schwadronen hinzugefuͤgt, das ſich vorzugsweiſe aus dekleinen Adel der 1795 an Preußen gefallenen polniſchen Landestheile rekrutiren ſollte; 1808 endlich wurden aus dieſem Regimenund dem Bataillon unter der anfaͤnglichen Benennung „preußiſches“ und „ſchleſiſches Ulanen⸗Regiment“ das heutige 1. und 2Ulanen⸗Regiment gebildet
    Die Sporen verdienten ſich die preußiſchen Ulanen in der Schlachbei Groß⸗Jaͤgerndorf, 1757, doch gelangten ſie waͤhrend des ſiebenjaͤhrigen und bayeriſchen Erbfolgekrieges noch zu keiner hervorragenden Bedeutung, indem ſie naͤmlich damals nach dem Vorbilde der Koſaken und oͤſterreichiſchen Panduren meiſt nur zuVorpoſtendienſt und zum kleinen Kriege verwendet wurden. Ider polniſchen Campagne von 1794 und 95 zeichnete ſich dagegedas Regiment, jedoch ebenfalls fortgeſetzt in einzelne Schwadronen zerſplittert, ganz außerordentlich aus, und zwar nahmen hiegleich zu Anfang derſelben, im Gefecht bei Collnow, 4 Schwadronen deſſelben in Verbindung mit 2 Fuͤſilier⸗Compagnieen, deFeinde 2 Kanonen und eine Haubitze ab. Spaͤter fochten 3 Schwadronen des Regiments mit in dem Treffen bei Demnicki, wo, namentlich durch eine kuͤhne Attaque der preußiſchen Reiterei, dabeauch dieſe 3 Schwadronen, dem Feinde 4 Fahnen und Standarten, 6 Kanonen, 1 Haubitze und uͤber 1000 Gefangene entriſſewurden; außerdem aber befanden ſich einzelne Detaſchements migegenwaͤrtig in den Gefechten bei Czarnutzin, Kordowa und Roczanwie zuletzt noch 4 Schwadronen in der ſiegreichen Schlacht beMaaniszewo, wo wiederum mehrere feindliche Geſchuͤtze und uͤbe400 Gefangene, darunter ein General, in ihre Haͤnde fielen. DeGlanzpunkt in der Geſchichte dieſes Regiments faͤllt indeß in daJahr 1807, indem es hier in der Schlacht bei Eylau, als den erſtepreußiſcherſeits in dieſem Ungluͤcksfeldzuge erbeuteten franzoͤſiſcheAdler, den des 51. franzoͤſiſchen Linien⸗Regiments und noch einFahne des 48. Linien⸗Regiments eroberte, in der Schlacht beHeilsberg aber zwei feindliche Reiter⸗Regimenter uͤber den Haufen warf und 8 beſpannte Geſchuͤtze, nebſt mehreren hundert Gefangenen als Siegesbeute davon fuͤhrte. 1813 fochten die weſtpreußiſchen Ulanen zuerſt mit großer Auszeichnung in der Schlachbei Groß⸗Goͤrſchen, wie ſpaͤter bei Bautzen und Haynau, wo drefeindliche Geſchuͤtze von ihnen genommen wurden. Ebenſo wurden in der Schlacht bei Groß⸗Beeren 2 beſpannte Kanonen unein Pulverwagen von ihnen erbeutet, waͤhrend bei Dennewitz beſpannte Kanonen und 2 Pulverwagen in ihre Haͤnde fielenEbenſo war das Regiment in der Schlacht bei Leipzig gegenwaͤrtig, wonach es mit dem Buͤlow’ſchen Corps nach Hollanabruͤckte, und im Gefecht bei Courtray abermals eine Haubitzerbeutete. In der Schlacht bei Belle⸗Alliance fielen demſelbebei der Verfolgung des Feindes ebenfalls viele Kanonen unſonſtige Trophaͤen in die Haͤnde. In der neueſten Zeit iſt daRegiment nirgend mit zur Verwendung gekommen. F. P
    hatte mehr als 6 Batterieen in Bereitſchaft. Zuerſt ſollte diKaſerne von Stambul, dann die von Tophana und zuletzt divon Kuleli genommen werden. Durch den Beſitz dieſes ſtrategiſcwichtigen Dreiecks waͤre dann die Eroberung der uͤbrigen einzelnen Punkte leicht auszufuͤhren geweſen. Aus den fortgeſetzteVerhoͤren geht hervor, daß die Verſchwoͤrung zwei Haͤupter hattedas erſte iſt der Scheik Hadſi Huͤſſein Effendi aus Bagdaddas zweite der Ferikpaſcha (Diviſions⸗General) Huſſein Paſchaus Tſcherkeſſien. Die beiden Maͤnner ſind bekannt: voErſteren wiſſen wir, daß er ein wild⸗fanatiſcher Ulema iſt, wohlbewandert in den orientaliſchen Wiſſenſchaften, ſo wie in der arabiſch⸗perſiſchen Sprache und Literatur, ausgezeichnet in der Erklaͤrung des Koran, allein gar nichts wiſſend von europaͤiſcheVerhaͤltniſſen. Die Glaubensſchwaͤrmerei dieſes Mannes geht ſweit, daß er ſeine Familie, ſeine haͤusliche Gluͤckſeligkeit freiwilliverlaſſend, hier in Stambul als Einſiedler ſeine Tage verlebteWaͤhrend des letzten ruſſiſchen Krieges war er zu Fuße nach Kargewandert und theilte dort im Einſieldergewande alle Gefahreder heißeſten Schlachten. Derſelbe wurde in Gegenwart des ganzen Miniſteriums verhoͤrt und ſoll — ſicheren Quellen zufolge nachſtehende Aeußerung gemacht haben: „Ich bedauere, daß unſePlan nicht gelang, aber dies ſchadet nichts; was nicht war, wirnoch werden. Verhaͤngt uͤber mein Haupt was immer fuͤr einStrafe, verbannt mich, ſo weit ihr immer nur wollet, ich werddennoch mit Gottes Huͤlfe wieder zuruͤckkommen, um neuerdingan das Werk eurer Ausrottung zu gehen! — ein Mittel nur giebes, wollt ihr euch von mir befreien: dies iſt der Tod, — abeauch dadurch werdet ihr nur eine Wohlthat an mir uͤben, denich werde als Maͤrtyrer (Schid) fuͤr die heilige Sache ſterben.“ Dieſer Fanatiker repraͤſentirte bei dieſer Verſchwoͤrung die Parteder Ulemas. Außer dieſem waren jedoch auch noch andere dieſer Parteangehoͤrende Verſchworene, der froͤmmelnde Derwiſch Abdulgafunaͤmlich und der Tophanaer Mufti Nurredin, die hinſichtlich ihregeiſtigen Begabung dem obgenannten um Vieles nachſtehen, deren wild-fanatiſche Wuth aber um ſo ſchrecklicher iſt. Von Seitdes Militaͤrs gilt Huſſein Paſcha als Haupt der ConſpirationEr war unlaͤngſt nach Rumelien abgegangen und an ſeine Stellſollte Haſſan Paſcha, Gouverneur der Bosporusplaͤtze, gewaͤhlwerden, der am 15. September dem Seraskier das Ganze verrieth. Von dem Charakter und der guͤnſtigen Begabung deErſteren wird viel Lobenswerthes geſagt, was wir jedoch bis auWeiteres auf ſich beruhen laſſen wollen, indem wir nochmalwiederholen, daß ein großer Theil des in Stambul garniſonirenden Offizierscorps in dieſe Verſchwoͤrung verwickelt iſt. Auf dieſen Militaͤraufſtand wirft auch die Aeußerung eines Oberlieutenants ein charakteriſtiſches Streiflicht, welcher, vom Kriegsminiſter mit den Worten angefahren: „Schurke, wie konnteſt dwagen, dich gegen deinen Padiſchab ſo zu verbinden!“ darauentgegnete: „Ein Schurke biſt du ſelbſt, der du es auf dich nehmen konnnteſt, deine 300,000 Piaſter allmonatlich einzuſtreichenwaͤhrend der arme gemeine Soldat ſeinen Sold von 30 Piaſterſchon ſeit drei Monaten nicht erhalten hat.Pera, 24. September. (Tr. Z.) Murad Bey Ruscovich, ein Renegat, der ſeit drei Monaten ſpurlos verſchwundewar, wurde, an Händen und Füßen geknebelt, in einem Brunnen aufgefunden, im Zuſtande der Fäulniß, worin er ſich befand, faſt unkenntlich. Ein Gefangener der letzten Tage bekannte in ſeinem Verhöre auch die Mitwiſſenſchaft an deMorde dieſes Arztes und gab alle Umſtände genau anPerſienAus Teheran, 15. Auguſt, wird gemeldet, der perſiſchMiniſter habe an die ruſſiſche Geſandtſchaft einen Proteſt ge
    Neu-Ruppin. Bei Gelegenheit vom Poſtmeiſter Gebhardt(Knesebeck kennt die Details.

    Alexander
    von der
    v. d.
    Marwitz

    Bei Gelegenheit ſeiner Beweisführundaß die Theilung der Gemeinheit undas Abbauen der Dörfer eiFehler ſe
    über den Charakter deOderbruch⸗Bevölkerung
    .... ſoll auch die Geſchichte aeinem kräftigen Beiſpiel zeigenwas bei der Kulturſtufe, auder unſre Bauern ſtehn unbei ihrer äußren Lage, eueVorſchlag für Folgen haben mußſo gſeht zu bei den abgebauteBauern des Oderbruchs, bedenen er hin und her (?) realiſirt iſt. Es giebt kaum eiruchloſeres Geſchlecht; weder vogöttlichen noch vor menſchlicheDingen haben ſie Ehrfurcht, wededen Nachbarn wollen ſie helfennoch dem Staate dienendas letztere mit einigem Rechtdenn ſie verdanken ihm nichtsim Gegentheil hat er ſie ausgeſtoßen und ſie ihrer eignen heilloſen Rohheit preisgegeben.

    Vortrefflich! Dies Grauevor den Oderbrüchern hab’ icſtets in derſelben Weiſe empfunden wie Marwitz und hundertfach ausgeſprochen. Dennoch iſmanches nicht zu überſehn
    • 1) Marwitz kannte die Oderbrüchebeſſer als die Bauern andrer Gegenden, er wagezwungen mit ihnen zu leben; einVertrautheit mit der Dorf⸗Bevölkerung andreGegenden, hätte die Oderbrüchervielleicht zu dem Reſultageführt, daß „in Ilium und äußrer Ilium“ geſündigt wird und daß die Oderbrücher wenigſtens nicht ſo ſehr vielel ſchlechter ſind als andreIch ſage abſichtlich „vielleicht“
    • 2) Im Warthebruch (wo man zum Theil auch auf „Looſenlebt) ſoll es beſſer ſein, was darauhindeuten würde, daß bei den Oderbrüchern doch noch andre Dingmitgewirkt haben müſſen. Vielleicht folgende Dinge
    • 1) Entſtehung (d. h. Coloniſation) in eineZeit wo X---xZucht und Sitte auf niedrigſtem Niveau ſtand, ſo daß alldieſe Oderbruch-Etabliſſements nuGemeinheits⸗Traditionen habenVater und Großvater warenoch ſchlimmer als die Enkel
    • 2) Das raſch-reichwerden, ſo dadie Bildung und das Bildungsbedürfniß mit dem raſchwachſendeReichthum nicht Schritt halten konnteder Beſitz zeugte nur alle möglichen Untugenden, nicht die Tugenden die ihn zu begleiten pflegen
    • 3) Zufälligkeiten z. B. daß es i100 Jahren im eigentlichen Oderbruch nicheinen Mann (Gutsherr oder Geiſtlichergegeben hat, der durch CharakterSitte, Frömmigkeit, loyale Geſinnung nichtſicausgezeichnet hätte. Nirgends wirkte ein erhabendes Beiſpiel

    Im
    Wangenheim
    W.
    schen
    Hause
    .

    Frl. v. D. Fräulein von Dönniges groß, voll, brandroth, leisgebogene Naſe, ſchönZähne,
    kostbarer
    kostb:
    Teint, die lebhafteGrazie der Bewegungen diHeine beſchreibt, reich abeeinfach gekleidet, die ſchlangenartigHalskette. Scene am Fenſterneben der Spiegel⸗Conſole
    Der Vorſtellende: Herr F.Fontanin München wohl bekannt
    Frl. v. D.Fräulein von DönnigesO Sie kennen Mün-che; waren Sie lange da
    F: Fontane Nicht lange; aber doclange genug um es liebezu lernen
    Fräulein von Dönniges
    Frl. v. D.
    Und, wie ich ver-muthe nicht lange genug, um dieſLiebe wieder los zu werdenWurden Sie mit den Herr
    von der norddeutſchen Colonibekannt
    F: Fontane Paul H.Heyse iſt mir eilieber Freund. Er war es
    Frl. v. D.Fräulein von Dönniges Da ſind Sie beneidenswerth; er iſt der idealſchönſte Menſch der mir almein Lebtag vorgekommeiſt; das bairiſche Bier ſetzihm zu und hat ihm ſchoein kleines doppeltes Kinangehängt, aber auch miſolchem Anhängſel iſt er immenoch hübſcher als andreO wie entzückend waredie kleinen Abende miHeyse, mit Geibel und Dingel-ſted, Heyse animirte unſtachelte an und die beideandern überboten ſich iOttave-Rienen. Haben Sije ſolchem improviſatoriſcheWettkampf beigewohnt
    F.Fontane Nur Geibel hab’ ich ofgehört. Die Abende auf ſeineZimmer, bei Chateau d’ Yqheaus flachen und Champagner auhohen Gläſern, werden minicht leicht vergeßlich. ſein. DeKönig hat überhaupt miglücklicher Hand gewählt,
    Frl. v. D.Fräulein von Dönniges Nur Carrière darſich nicht ſehn und Bodenstednicht ſehn hören laſſener hat eine Paſſion aus ſeineMirza Schaffy vorzuleſen, abeer ruinirt ſich ſelber. HabeSie je ihn leſen hören
    Wàrum, wàrum blaſſes Mädche
    Sitzt Du ſtumm am Spinne Rädche
    Es iſt als hörte man dealten Kaiſer Auguſtus nacſein altes Varus, Varurufen. – Dern blonden Carrièrnannten wir nie anders alwie den heitren GlaſerAber der Tann! habeSie ihn kennen gelernt
    F: Fontane Ich war ſein Nachbabei Tiſche und ſein ſoldatiſcheWitz, ſein Humor, ſeine Schlagfertigkeit haben mit entzücktetc. etc

    Prof. Wolff.... Das ſind diLeute die uns den Goethe unSchiller ſtreichen möchtenF.Fontane Das wäre vom UebelUnd doch wer könnte deWunſch unterdrücken, daß ſiihre Miſſion, ohne an Krafund poètiſcher Bedeutung zu verlierenuns national mehr gebotehätten. Sie ſtehen ſo groß daaber anauf der ſteilen Höhe deKosmopolitismus und der HumanitätWeniger wäre vielleicht mehr.Goethe fing ſo glänzend anGoetz, Werther, und die Volks⸗liede – was folgte wagroß und ſchön, aber wiglücklich wär es für uns, wenn eauch ſo deutſch geweſen wärwie ſeine Anfänge. EiShakespeare hätte uns notgethan. Er konnte damalvielleicht nicht entſtehn; efehlte an dem deutſchen Gefühl, woher ſollte es auch kommenaber mög es kommenetc. etc

    X---xProf: Gneist...Eben weil ich Monarchiſt bin, beklag ich den Zuſtand derunſrer Monarchen Er iſt ſtolz darauf von Eiſenpillen leben zu könne
    F.Fontane Eine ſeltſame Erſcheinungdaß wenn den Thaten daEiſen fehlt, ſo auch dem BlutAuch unſre Männer ſind jetzbleichſüchtig. Mich beſchäftigt mitunter die Frage, ob eiKrieg, eine Zeit voll Thatemit ihren pſychiſchen Einflüſſeuns phyſiſch anders machewürde, phyſiſch bis hin zuchemiſchen Miſchung, bis zum Eiſengehalt des Bluts
    Prof. G: Mir iſt das ganſicher. Es wird erſt wiedebeſſer mit uns in andren ZeitenAuch das Königthum vor allebedarf der Regeneration, überalVerdummung oder VerweichlichungIch bin aufrichtiger Monarchiſund beklage darum doppelt wies iſt
    F. Die Unſren ſind noch dibeſten. Verweichlichung kanman ihnen nicht vorwerfenIch glaube überhaupt nicht anDegeneration in dem gewöhnlichen Sinne, an allmälige Entartung, diLeiter ſteigt nicht blos heraſie ſteigt auch hinauf und wamaßgebend in dieſen Dingeiſt, iſt das Wunder deMoments. Der Momeniſt das Leben⸗gebendeſchwache Organismen habeſtarke, ſtarke Organismehaben ſchwache Momente, ſzeugen Helden ein Schneiderund Schneider ein Helden⸗geſchlecht
    etc. etc
    it Herrn N. N.nomen nominandumUeber das was man Zufalnennt. Iſt Ihnen nicht aufgefallen, daß Sie 3 Tage lannur ſchöne Damen und danwieder 3 Wochen lang nuhäßlichen zu begegnen glaubenOder in allen Hauptſtädten Euro-pa’ wird zu einer beſtimmten Stunde daſſelbe empfundenohne nachweisbare VeranlaſſungEs gehen räthſelhafte Strömungehin und her und berühreuns und andre, ſchärfen unſre Sinne oder werfen eineleiſen Schleier über dieſelben, nur ſo erklärt ſich das Unerklärliche

    Mit Frl. S. Vorſtellung ohnWeitres; lächerliches Nebeneinanderſtehn; der junge Menſchat das Recht Unſinn zu ſprechenjedenfalls das Recht Unſinn zu flüſternaber das Trivialſte durch deSaal zu donnern, kann eineAlten nicht zugemuthet werdenDann eine Converſation über Tag⸗Unterhaltung, wie leicht ſie iſt und wie ſchwierigdoch auch, wie nur GrazieRaſchheit, Natürlichkeit davor ſchützaus einer Lächerlichkeit in diandre zu verfallen, – nichts ſſchwerer als leichtes Geſchwätz. Undie beſteten Kräfte können es awenigſten, wer gewohnt iſmit Eiſenkugeln zu ſpielen, verſteht es nicht nach Seifenblaſezu haſchen oder einen Federbalgraziös, raſch und immer wiedein die Luft zu ſchlagen

    rankfurt a. O., 26. Auguſt. (Privatmitth.Privatmitteilung Der Saͤngerdes Fruͤhlings, Major Edwald Chriſtian v. Kleiſt, in der Schlachbei Cunersdorf den 12. Auguſt 1759 toͤdtlich verwundet, wurdauf Anordnung eines ruſſiſchen Offiziers v. Stackelberg nacFrankfurt a. O. gebracht, hier von dem Prof. Dr. Eberty aͤrztlich behandelt und ſtarb nach Zerreißung einer Pulsader an Verblutung, 44 Jahr alt, am 24. Auguſt 1759. Er ward unter ehrender Theilnahme der vorzuͤglichſten feindlichen Offiziere, vodenen
    Herr
    Hr.
    v. Stackelberg, da auf dem Sarge ein Degen, dasEhrenzeichen kriegeriſchen Ruhmes fehlte, ſeinen eignen Degeauf das Sarg legte, unter feierlicher Begleitung der Mitgliededer Univerſitaͤt und einer zahlloſen trauernden Menge auf deſtaͤdtiſchen Kirchhofe neben der St. Gertraud⸗Kirche in der Gubener Vorstadt hierselbst beerdigt. Im
    JahrJahre
    J.
    1778 errichtete die hie-ſige, 1776 geſtiftete Freimauerer⸗Loge dem Helden ein einfacheswuͤrdiges Grabdenkmal von Stein, das an ſeinen drei Seiten einInſchrift in deutſcher, lateiniſcher und franzoͤſiſcher Sprache traͤgtDie deutſche lautet
    Fuͤr Friedrich kaͤmpfend ſank er nieder, So wuͤnſchte es ſein HeidengeiſtUnſterblich groß durch ſeine LiederDer Menſchenfreund, der Weiſe, Kleiſt

    Nachdem auf Veranlaſſung der v. Kleiſt’ſchen Familie, zu welcher auch der gegenwaͤrtige Praͤsident der hiesigen
    königlichen
    k.
    Regierunggehoͤrt, bereits am Jahrestage der Schlacht bei Cunersdorf daDenkmal mit Kraͤnzen feſtlich geſchmuͤckt worden war, wurde voVerehrern des Dichters und Helden bei der hundertjaͤhrigen Wiederkehr ſeines Todestages am 24. an dem Denkmal eine einfachFeier veranſtaltet. Nach einem Beſchluß der hieſigen Loge wanaͤmlich das Denkmal von einem hieſigen Kunſtgaͤrtner durcſechs um daſſelbe aufgeſtellte, mit Eichenlaub umwundene, aden Capitaͤlern mit Blumen geſchmuͤckte Saͤulen, die theils unter ſich an den Seiten mit Laubgewinden, theils durch nacder Mitte zu gezogene, uͤber der Spitze des Denkmals ſicvereinigende und mit einem Stern gekroͤnte Laubbogen verbundewaren, in einen Tempel von Laubgewinden verwandelt, das Medaillon Kleiſt’s an demſelben durch einen Kranz von BourquetRoſen, Verbenen und Fuchſien geſchmuͤckt und der Fuß mit zahlreichen bluͤhenden Topfgewaͤchſen und Blattpflanzen umſtellt worden. Um 6 Uhr Morgens begann unter Betheiligung des Regierungs⸗Praͤſidenten, ſo wie koͤniglicher und ſtaͤdtiſcher Beamtedie patriotiſche Feier. Von einem Saͤnger⸗Chor, unter Leitundes Cantor Melcher, wurde zuerſt das Lied von Blume: „HohLorbeern ſtehen, wo der Krieger ſchlaͤft“ geſungen, dann voeinem Mitveranſtalter der Feier eine kurze, anſprechende, auf diTugenden, die Verdienſte und den Ruhm Kleiſt’s bezuͤgliche Redgehalten und dann mit dem Geſange des Chorals: „Auferſtehnja auferſtehn“ dieſelbe geſchloſſen. Im Laufe dieſes und des folgenden Tages beſuchten noch Tauſende die Ruheſtaͤtte des Heldeund erfreuten ſich an dem Anblick der Blumen und Kraͤnze, diihm Liebe und Verehrung gewidmet hatten