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1869 und 70.

Uetz.

Umgebungsplan; Uetz (heute: Uetz-Paaren, Ortsteil von Potsdam)Uetz(heute:Uetz-PaarenOrtsteilvonPotsdam)Uetz. nach Paretz Von Potsdam nach Falkenrehde
Von zwei Stellen aus ist Uetz schön, schön in Entfernung einer guten Viertelstunde von einer Parallelstraße aus, so daß man von einer ebenfalls hochgelegenen Parallelstraße aus während der ganze Vordergrund sich verbirgt, Uetz als ein Gesammtbild in wenigen Linien sich entgegentreten sieht. Man sieht einen Erdwall, Bastion-oder rampart-artig, recht und links von reichen Bumen gruppen flankirt während auf dem kahlen, aber wunderschön grünen Mittelstück eine Windmühle aufsteigt. Die Kirche mit ihrem Kreuz blinkt rechts durch die Bäume. Das Ganze ein Bild, fix und fertig, aber still, eben nur an den graublauen gezeichnetes, stilles, abgeschlossenes Bild, das Bild eines Dorf-Castells.

Passiren wir nun den Raum, der zwischen der Erdwalle hüben und drüben liegt, schneiden wir quer durch, so stehen wir alsbald vor einem andern Uetz-Bilde. Weil wir nahe sind, hört es auf ein bloßes Bild zu sein und wird zu einem Idyll. Ein breiter Havel arm ist zwischen hüben und drüben und am jenseitigen Ufer steigt das Dorf in Terrassen an: erst ein Schilfgürtel am Ufer, dahinter Obstgärten, dann über die Obstbäume hoch hinaus alte Ulmen die die Dorfgasse einfassen und wieder hinter den Ulmen, am Abhang aufsteigend weiße Häuschen. Krönend das Ganze die Windmühle. Hier und dort sind Durchblicke durch das in langer Linie uns vorliegende Bild, Durchblicke durch Dorfgassen und Alleen gebildet. Es ist Abend und man kkehrrt heim vom Felde jetzt Schnitter mit Sense und Gabeln, jetzt eine Heufuhre von Schimmeln gezogen, jetzt ein Getreidewagen.

Drüben zunächst liegt das Fährhaus ein zierlicher Bau in Pappeln und Weiden und Röhricht halb versteckt. Hol über. Nun wirds drüben lebendig (langsam natürlich) dann löst sich ein Kahn, nun landet er und nimmt uns auf. Von rechts her wirft der rothe Ball der untergehenden Sonne ihre Gluth in das dunkle, stille Gewässer, Schwäne stehn auf und ab, Teichrosen sperren fast den Weg. An einem Seil geht die Fahrt, nun sind wir drüben und der Zauber ist hin. Uetz ist schön als Dekoration. In wahrer Bekanntschaft mit ihm theilt es das Schicksal anderer Zauber. Es schwindet.

Paretz

Gebäudeaufriss; SchlossparkSchlossparkParetz (heute: Ortsteil der Stadt Ketzin/Havel)Tempel für Teure Verstorbene im Schlosspark Paretz. a Epheu ranken
a. Gedenke der Abgeschiedenen
Gebäudeaufriss; Japanisches Haus, Chinesischer TempelJapanischesHausChinesischerTempelSchlossparkJapanisches Haus im Schlosspark zu Paretz. Die Säule 4 Fuß Friedensgöttin mit Kreuz und Palmzweig. Säulenstumpf als Sitz. Fünf Schritt Tiefe. 7 Schritt Länge.
Die Decke der Grotte ist Eichenholzgebälk mit Borke. Die Seitenquadern sind Kalkstein, das Frontispice ist Sandstein. Die Säulen 5 Fuß hoch, das Frontispice auch; ganze Höhe also etwa 10 Fuß. Die Tafel ist grauer

Marmor. Oben drüber eine Birkenbrücke als Balkon. Rechts dahinter ein chinesischer Tempel.
Grundriss (Ausschnitt); Schloss ParetzSchlossParetzParetz (heute: Ortsteil der Stadt Ketzin/Havel)Schloss Paretz. Königin Luise Zimmer Zimmer
Friedrich Wilhelm
Fr: W.
III.
Gerade Unter dem chinesischen Tempel befindet sich die eigentliche Grotte. Steingemäuer; gothische Eingangsthür, links und rechts dito schmale Fenster, alle drei mit Eisengitter. Innen das Ganze als Borkenhaus construiert, mit Moos, Muschelschalen und Tannäpfeln dekorirt. Dazu Bänke und Tisch von Birkenholz.
Lageplan; KircheKircheParetz (heute: Ortsteil der Stadt Ketzin/Havel)Kirche und FriedhofFriedhofParetz (heute: Ortsteil der Stadt Ketzin/Havel)Kirchhof in Paretz. Der todte Kirchhof. Akacien als Wand. Maulbeerbaum.
An leisen Erhöhungen erkennt man die Gräber, aber kaum noch. Alles steht in Schafgarbe u. Karthäusernelken; dazwischen blühn aber hier
und
u
dort ein Lilienbusch, ein Rosenstrauch, ein Fliederbusch. Das thun die Dörfler aus Pietät. Der Kirchhof ist todt aber nicht das Gedenken der Hinterbliebenen.
a. b. Den 20. Mai Anno 1810.
Dahinter ein Hügelabhang, auf dem Hügel das Rohrhaus. Straße von Ketzin nach Paretz und dann mit Biegung nach Falkenrehde. schon 1803 angelegt, nachher kaum noch verändert.
Siehe
S.
Lehnert
Seite
S.
13. Geweißtes Zimmer, gewölbt, gothische Fenster, bequeme Zimmergroße, großer runder Kaffetisch und 12 Stühle. Weiter kein Schmuck als 30 größre und kleinere Theater- und Circus-Zettel aus allen Ländern Europas. Eine
Belvedère.

höchst merkwürdige Zusammenstellung.

I. Preußen

Demoiselle
Dlle.
Clozel 5. April 1838

II. Preußen. aus den Provinzen.

Frankreich Französische Zettel aus dem Jahre 15, 17 und 25. Aus dem Jahre 17 die meisten und zwar aus dem Theatre du Vaudeville
—   de la Gaité
Ambigu Comique
—  de la Porte St Martin Cirque Olympique Theatre Des
Arts
A.
Rouen
R
.
Madame (1825)
—  Royal Italien 1825 Theatre Des Variétés 1815. Odeon Theatre Royal Les Comediens français du Roi Donneront aujourdhui lundi 2. Octobre 1815 La première representation de Passons les Ponts ou le Voyage au Faubourg St Germain A-propos en un acte en vers et en prose, précédé D’un Trait de Frederic le Grand ou La Journée Des Dupes Comedie en cinq actes et en vers de
Monsieur
Mr.
Armand Charlemagne.

Italien
1. Real Teatro S. Carlo 3. Decembre 1822 Solimano Secondo La Festa Campestre Niobe (Gran Ballo)
Letztes Zimmer
Blumenstücke, aquarellirt
hübsch Verbenen { Baronin v. Brockdorff, Annettenhöh bei Schleswig.
Frl. M. Ludolph Nische, Nonne oder Muttergottesbild mit Blumen reichgeschmückt B. Tilicke v. Froreich.
Briefbeschwerer von Louis Lenke Teller, Tassen von Clara Hahn. Oelbilder hergeliehen Eschke hübsch Vautier dito der Alte, die Kinder sind hinten raus gefallen Cretius, Jordan Scherres, Lichtung nach dem Regen, ostpreußisch.
Friedrich Eduard
F. E.
Meyerheim
(der Alte) Hoquet, Catel Blechen in Besitz der Frau Gräfin Oriolla Letzter Lichtblick vorm Sturm von Gräfin Oriolla selbst Stillleben (Schnepfen, Rebhühner, Krammetsvogel) von David de Conink-Rommelaer. Jan van Ravestyn
geboren
geb.
1580
lebte noch 1655 Mannlichhes Portrait. De Keyser Anselm Feuerbach Handzeichnung von Bettine v. Arnim Medaillon-Portraits von A. Fischer. auch andre in dieser Manier. Veronicas Schweißtuch. Der heilige Franciscus
von
v
Murillo Maximilian und Maria von Burgund besuchen den erkrankten Hans Hemling Dante mit edlen Frauen aus Ravenna lustwanldelnd.

Frl. Marie von Olfers

  • 1. Jeder nachdem er die
    Zunge hat
    Disteln sind dem Esel
    Salat
  • 2. Augen sind der Liebe
    Pforten
    Oeffnen das Herz
    noch vor den
    Worten
  • 3. Wer edle Thaten thut
    Der ist ein adlig Blut.
  • 4. Laß Deinen
    Mund verschlossen
    sein
    So schluckst Du
    keine Fliegen
    ein.
  • 5. Des Bö’sten
    Muß man sich
    getrosten
  • 6. Fliehe Ruhm und
    Ehr
    So laufen sie
    Dir her.
    • 7. Wenn Lieb bei
      Lieb ist
      So weiß Lieb nicht
      was Lieb ist,
      Wenn aber Lieb
      von Lieb kommen
      So Lieb was
      Lieb gewesen ist.
    • 8. Wer gern trinkt dem
      bescheert Gott genug
      Ists nichts Wein, so
      ists Wasser im
      Krug.
    • 9. Setz einen Frosch
      auf goldenen
      Er hüpft doch
      wieder in
    • 10. Jeder hat einen
      Sparren frei
      Wers nicht glaubt
      hat zwei.
    • 11. Mache Rast
      Lieber Gast,
      Will Dich sehn
      Lieber kommen als
      gehn.
    Viele sind Illustrationen zu bekannten Märchen wie Rothkäppchen, Frieder
    und
    u
    Catherlieschen
    , Rumpelstilzchen, die sieben Raben etc.
    Zweites Zimmer
    Originale von den Künstlerinnen des Vereins gemalt. Portraits von
  • Fräulein H. Richter,
  • Rosa Petzel
  • Clara
    C.
    Oenicke
  • Antonie
    A.
    Eichler
    (recht hübsch)
  • Elisabeth Pochhammer.


  • E. Stolzenburg
    Auguste
    A.
    v. Sandrart
    (Humboldt)

    H. Jung. T. Wolffhagen,
    Therese
    T.
    Judeich
    Blumenstück (Oel) A. Reichelt u.
    Helene
    H.
    Noack
    .
    Genre.
    Auswanderer von Antonie Volkmar Bettelkind mit Geige von
    Antonie
    Ant.
    Volkmar
    Verkäuferin von
    Antonie
    Ant.
    Eichler
    von
    Louise
    L.
    Thalheim
    (Haube
    und
    u
    Perücke
    und
    u
    die zwei Kinder
    , nach Stromtid (?))
    Erstes Zimmer
    ebenso wie zweites Zimmer Christus segnet die Kindlein von
    Clara
    C.
    Oenicke
    Junge Mädchen in der Bibel lesend von
    Auguste
    A.
    v. Sandrart
    . Der kleine Reconvalescent von
    Auguste
    A.
    v. Sandrart
    ,
    Strandscene von
    Mathilde
    M.
    Wurl
    . Dorf mit Tübben oder Tümpel und Ziehbrunnen, hinten Strand von
    Antonie
    A.
    Biel
    Waldportal, unten Wasser über das eine Steinbrücke führt von
    Helene
    H.
    Sietze
    .

    Copieen Tizians Tochter zweimal von Frl.
    Antonie
    Ant.
    Eichler
    und Frl. M. BaakeDer heilige Franz von Assisi von Clara Heinke. Die Kinder Karl Stuarts nach Van Dyck von
    Rosa
    R.
    Petzel
    .
    Verloosungs und SchülerinnenAusstellungszimmer
    Etwa 40 Oelbilder aller Art, von den Künsterlinnen zur Verloosung hergegeben, wir begegnen hier denselben Namen und denselben Gegenständen. Als besonders Ansehenswerth erscheint außer einem größren Bilde von Frl. eine Marien mit Mondschein von
    Antonie
    A.
    Biel
    .
    Katalog
    Kat
    Dazu Blumenstück, Aquarelle, Briefbeschwerer, Briefmappen, Kalender, Lesezeichen, Schalen, Tassen, ein Stück Hildesheimer Fund, Photographien aller Art, Präsentirbretter, Lampen-Untersätze, Fächer
    Aquarelle
    Copien nach Oelstudien von
    Carl
    C.
    Scherres
    , von seinen Schülerinnen first rate
    Schülerinnen
    • Gipsklasse 5. Statuen, Büsten
    • Elementarklasse 15 Blätter meist nach Gips
    • Landschaftsklasse 29 Blatter
    • Perspektivklasse 8 Blätter
    Elisabeth
    E.
    Pochhammer
    . E. Stolzenburg, B: Tilicke. Im Ganzen 56 Blätter die alle viel Tüchtigkeit zeigen, erstaunlich bei den Köpfen und den Baumstudien, wo die Copien neben die Scherresschen Originale gehängt wurden und einem Laienauge der Unterschied sich schwer ergiebt.

    Greif ein Ding an, Wo man’s fassen kann Ein Junge und ein Igel Gottlob daß wirs haben Gottlob daß wirs mögen, Amen
    Kleines Mädchen mit Tasse und Schrippe kreuzfidel.

    Brieselang.

    Das des Reiches Glanz gesehn,
    Eiche hehre stolze freie
    Sieh Dein Volk wird auferstehn.
    Brüder, alle die da wallen
    Her zu diesem heilgen Baum
    Laßt ein deutsches Lied erschallen
    Auf dem allgeweihten Raum,
    Wie im Sturmeswehn die Eiche
    Stehe fest bei Treu und Recht,
    Einend schirme alle Zweige
    Einer Krone Laubgeflecht.

    Brieselang, der BrieselangBrieselangderBrieselangBrieselang; Näheres nicht ermittelt. Tannen Eiche Weißdorn-Gang Weißbuchen und Eichen
    Spechtnester Bienenmost 80 bis 100 Fuß hoch 25 Klafter Holz. 20 Schritt Umfang. Kahl, borkenlos unten, doch das meiste noch bekleidet, das Holz noch fest. Kein Epheu. Keine historischen Erinnerungen.


    Förster Brieselang. Wenige Gewitter. Wenn sie kommen, aber gut. 13 Berliner. Krug. Futtermeister. Knechte. An jeder Thür des Remonte-Depot ein Knecht. Es brach los. schläft ein. Die Pferde los und stürzen Carrière nach Pausin. Zehn Minuten oder 20 Minuten später war die Spitze da. So wurden die Nachbarhäuser gerettet. Als die Berliner herauskamen, hatte der Blitz dicht herum an 5 Stellen eingeschlagen und das Depôt war niedergebrannt. Ein Vogelnest hing am Zweig; der Vogel nistete ruhig weiter. Kalittenjäger aller Kategorien. Käfer, Fliegen und Insektenjäger Ameisenjäger Eier und Vogeljäger Schlangenjäger Spandauer und Schönwalder Forst (Kreuzotter)Marder und Fuchs, die Rauhpelzjäger Laubfroschjäger. Die Botaniker (Kräuterjäger.) Passion, Wissenschaft, Erwerb, Metier.
    Auf dem Schwanenkruge quartieren sich Kerle ein, die „wilde Rosen“ jagen; Faulbaumholz-jäger die es zu Kohle verbrennen und es an die Pulverfabriken verkaufen. Der Wilddiebe sind wohl nicht viele, aber der Walddiebe daher mehr. Sie glauben gar nicht was in solchem Walde alles steckt und wie viele hunderte von Menschen daraus ihre Nahrung oder doch einen Theil ihres Erwerbs ziehen. Es mag wohl 20 oder 30 Kategorien geben, oder vielleicht noch viel mehr. Ich will schon nur ein Dutzend nennen. Da sind die Kräuterjäger, die Käfer, Fliegen und Insektenjäger, die Eier- und Vogel-jäger, die Laubfroschjäger, die Schlangenjäger, die Ameisenjäger. Auf dem Schwanenkruge versammeln sich alljährlich um die Rosenzeit Kerle, die Jagd auf wilde RosenStämme machen (ein höchst einträglicher Handel) während andre die jungen Faulbeerbäume nachstellen Den Faulberbaum? Ja, der Faulberbaum giebt eine allerbeste Kohle für die Pulverfabrikation. Nun haben wir in Spandau eine große Pulverfabrik. Es kann der Fabrik aber nicht obligen noch in der Kohle Legalität des nachspüren zu wollen, das diese Kohle liefert.
    Ich versteh. Aber Sie sprachen auch von Schlangenjägern. Das klingt ja bedenklich. Sind wir hier auf Reptilien-Terrain?

    Nicht gerade hier. Aber weiter rechts, nach dem Spandauerforst herüber, da sind die Schlangen zu Hause.

    Blindschleichen, Columbellen. Nicht so harmlos. Die ächte Kreuzotter. Es sind dort Stellen, wo sie so dicht wie Regenwürmer liegen. Diese Stellen kennen die Schlangenjäger ganz genau. Ihre ganze Waffe besteht das giebt dann einen Handel, in einem Stock der vorn gegabelt ist. Nun lüften sie das halbverfaulte Gebälk, darunter die Kreuzotter liegt und im nächsten Moment fahren sie mit dem Stock derart in die Erde, daß die Gabel sich wie ein Halsring um die Schlange legt. Nun ist sie wehrlos und wird durch eine zweite Manipulation in einem Behälter, meist einer Flasche, untergebracht.

    Ist dies nun Passion? Unter Umständen ja; aber zunächst Erwerb. Solche Kreuzotter hat ihren Werth. Da sind Händler, auf deren Preiscouranten die Rubrik „Schlange“ eine halbe Spalte füllt.
    Aber wer kauft dergleichen?
    Hunderte von Personen. Da
    et cetera
    etc
    Da sind zuerst die Zoologen und Toxikologen vom Fach,, da sind die unerbittlichen Männer der Vivisektion, die von dem harmlosen Kaninchen mal gern auf ein kleines Ungethüm mit Giftzahn und Giftblase überspringen (ein höherer Sport, weil
    gefährlich) da sind endlich die chemischphysikalischen Oberlehrer dieses oder cabinet in Pritzwalk oder Pasewalkk die naturwissenschaftliche Correktur dieses oder jenes Progymnasiums u versorgen haben die naturwissenschaftliche Correktur, jenes Progymnasiums, die das Naturalienauf der „Höhe der Wissenschaft“ zu erhalten d. h. mit allerhand Reptilien in Glasflaschen auszustaffiren haben.

    Auch mit Kreuzottern? Gewiß. Die Herren von der Feder glauben immer, daß sich die Welt blos aus Autographen- und wenn es hoch kommt aus Kupferstich-sammlern zusammensetzt. Sie glauben gar nicht was alles gesammelt wird.

    In diesem Augenblick, als ob uns der Beweis „was alles gesammelt wird“ auf der Stelle geführt werden sollte, trat aus einem wilden Elsbusch-Bosquet, eine sonnverbrannte Gestalt hervor, dessen Costüm ( eine Art Jagdtasche, aus der drei oder 4 aufrecht stehende Cigarrenkisten hervorragten; dazu ein Stock mit flatterndem Gaze-Beutel) keinen Zweifel darüber lassen konnte, welche Kategorie von Sammlern wir hier in einem Muster-Exemplar vor uns hatten.

    Er trat mit rascher Wendung an uns heran, machte mit seinem Käscherstock eine Bewegung wie ein Tambour major, wenn die Musik aufhören oder wieder anfangen soll und sagte in Berliner Dialekt: Erlauben Sie, daß ich mich Ihnen vorstelle. Mein Name ist Lampe, Kalittenjäger.

    In diesem letzten Wort wiederholte er die Bewegung mit dem Stock.

    Im ersten Augenblick, als er so jäh und plötzlich, wie die drei auf der Heide von F---x, aus antrat, erschrak ich Die x--x Klasse von Jägern nämlich, er er noch eh er sich selbst zu ihr bekannt hatte, so unverkenbar zugehörte, zählt keineswegs zu den angenehmen, am allerwenigsten zu den harmlosen, wie man ihrem Namen nach schließen sollte. Sie vereinigen den Hochmuth des Turners, des Dauerläufers und des Gelehrten in sich; jede „steht und fällt mit der Wissenschaft.“

    Zu dieser Gruppe gehörte Lampe nun nicht. Das Berlinerthum wirkte hier als Gegengift. Seine Selbstironie brachte alles wieder ins Gleichgewicht und ließ noch einen Ueberschuß. Er bat sich uns anschließen und „seine Fahne hochhalten zu dürfen.“ Unsere Herzen fielen ihm gleich zu, und so ging es weiter.

    Herr Lampe, Sie sind gewiß auch Kräuterjäger.

    Nicht doch. Wer seine Kescher mit Ehren tragen will, muß die grüne Trommel zu Hause lassen. Fauna apart und Flora apart. Sie glauben nicht, die Käferei ist eine profunde Wissenschaft geworden; 120 Bockkäfer blos im Brieselang. Das will gemacht sein.

    Gewiß. Aber ich habe mir sagen lassen, daß diese Dinge doch Hand in Hand gehn und daß die „Käfer“ wie sie sagen ohne „Kräuterei“ gar nicht recht besehen kann. Beispielsweise wenn Sie eine Weißdornhecke sehn, so wissen Sie auch schon, was in dieser Hecke vorkommen kann, aber so gewiß wie wir wissen wo die Cretins und die Kröpfe zu suchen sind. .
    Ich danke Ihnen für Ihre Vergleiche. Aber Sie haben Recht. Das Land und die Leute, die Kräuter und die Insekten stehen in allernächster Beziehung zu einander, und wiewohl ich für strenge Scheidung bin und die Mengerei in der Wissenschaft nicht leiden kann, so kannmandoch nicht käfern in absoluter Ignorirung der grünen Trommel. Rund heraus, ich kenne dies und das. Aber das ist nicht Wissenschaft.
    Ich höre, daß der Brieselang eine eigne Flora haben soll, daß hier Dinge vorkommen, die sonst in der ganzen Mark nicht zu finden sind. Hat das seine Richtigkeit?

    Gewiß. Der Brieselang hat seine eignen Pflanzen und seine eignen Insekten,
    Ursach und Wirkung. Theorie von der Ernährung. Bergwasser. er ist unser gelobtes Land, und selbst die Rudower Wiese, in „all dem Ruhm ihrer Orchideen“, muß sich gegen den Brieselang verstecken.

    Was kommt denn wohl so vor? Ich meine zunächst von Pflanzen.

    Da haben wir Orchis corioptora das Wanzen-Knabenkraut, da haben wir Neottia Nidus avis das Vogelnest. Noch seltner ist Coptolanthera rubra der rothe Rundbeutel und die Krone vielleicht ist Dicranum montanum, der gebirgliebende Gabelzahn. Wie der speziell in den Brieselang kommt, wo die Maulwurfshügel für alles was Berglinie heißt aufkommen müssen, ist mir unerfindlich.

    Und nun die Käfer. Nun wissen Sie, da giebts kein Ende. Aber ich will es gnädig machen. Da ist der Widderkäfer, der Bastkäfer, der Feuerkäfer; dies sind die leichten Truppen; dann kommt die Garde: der Schwarzkäfer, der Panzerkäfer; aber das eigentlich schwere Geschütz, das den Ausschlag giebt, das ist doch Procrustes coriaceu und Saperda Seydlii. besonders Saperda. Sie lächeln; aber glauben Sie mir, wie unser einem zu Muthe ist, wenn man blos das Wort Saperda hört, davon können sie sich gar keine Vorstellung machen. Ich hatte einen Freund, dessen Gesicht sich immer verklärte, wenn er Montmornency sagte; sehen Sie, so geht es mir mit Saperda. Und sagen Sie selbst, klingt es nicht schön, apart. Dies doppel a und das r in der Mitte. O, wir haben auch ein Herz.

    Ist denn nun Saperda im ganzen Brieselang verbreitet?

    Verbreitet? Ich weiß nicht was Sie verbreitet nennen. Wenn eine Sache verbreitet ist, ja, so ist es mit ihr vorbei, so ist sie entzaubert. Es giebt keine verbreitete Schönheit. Schönheit ist immer rar. Saperda findet sich auf einem einzigen Baum, an der Seegefelder Straße.
    .
    Davon hab ich gehört.
    Nicht mehr wie billig. Manche Messerklinge ist da zerbrochen worden. Der Baum sieht aus wie ein Scheibenpfahl, den hundert      Kugel gestreift, durchbohrt, zersplittert haben. Es giebt keinen unter uns, der den Baum nicht kennte. Bei Segefeld liegt der Sand wie eine Sahara. Aber der Weg nach der großen Pilgerstätte hat noch immer durch die Wüste geführt. 2

    Unter solchem Geplauder hatten wir eine Stelle erreicht, wo der Weg, die Scheidelinie zwischen Wald und Wiese aufgebend, nach links hin scharf einbiegt. Hier schlug sich Lampe in die Tiefen des Waldes, während wir, den Weg weiter verfolgend, alsbald auf eine große Lichtung mit Gärten, Häusern und Stallgebäuden hinaus traten. Wir hatten den Centralpunkt dieser Waldregionen erreicht: Försterei Brieselang; daneben das Remonte-Depôt“ gleiches Namens. Die Lichtung, die diese beiden Häusercomplexe einschließt, hat den Charakter einer großen Waldwiese. Ein Wasserlauf „der neue Graben“, der in früheren Jahren das Sumpfland entwässert hat und nun zum Holzflößen dient, zieht sich quer durch die ganze Breite; eine Brücke führt drüber hin; x---x des Wasserlaufes aber steigt der Wald, (die „Buten-Haide“) aufs Neue an und schließt gegen Norden hin das Bild. am jenseitigen Rande des Waldes: die Königseiche und DorfPausin. Eine Brücke die über den Graben führt mündet in einen Waldweg der mitten durch die Buten-Heide hindurch, nach der Königseiche und dem jenseit gelegenen Dorfe Pausin führt. Die Försterei Brieselang ist ein Complex von
    Der Förster, ein Mann von nah an 70, fuhr aus seinem Nachmittagsschlafe auf, strich sich die momentane Runzel von der Stirn und stand vor uns. Wer in solchen Momenten Haltung bewahrt, ist allemal eine liebenswürdige Natur.

    Wenn dies je zutraf, so hier. Wir setzten uns zunächst in eine Geisblatt-Laube, die den Eingang umrankte, als aber die Nachmittagsschwüle zu drücken begann, rückten wir – ein paar Forsteleven hatten sich uns zugesellt – weiter vor, stellten die Bänke ins Freie und nun die ganze Waldwiese samt Graben, Brücke und Remonte-Depot vor uns, begann das Geplauder. (das zur Hälfte eine Brandstellewar) vor uns,

    Der alte Förster verstand es. darf wohl sagen, so hob er an, der liebe Gott hat es gut mit mir gemeint. Mein Großvater war Förster, mein Vater war Förster, ich bin Förster und meine drei Jungens sind auch Förster, oder sollens werden.. Wir haben alle Waldblut in den Adern, Brieselang-Blut. Ein Jahr bin ich mal in einer Kirchen-Haide gewesen, aber mir wurde erst wieder wohl, als ich Elsen und Eichen wiederum mich her hatte..

    Ist der Brieselang ihre Heimath? Nicht so ganz, aber doch beinah. Wir sind auf dem Glin zu Hause, Mein Vater war in Diensten beim alten Blücher, Ich habe oft auf des der dazumal Groß-Ziethen hatte. Alten Knie geritten. „Willst Du auch ein Förster werden“. Das will ich. „Na, dann werd’ ein so braver Kerl wie Dein Vater Das hab ich nicht vergessen. Es war doch ein gnädiger alter Herr. Als er Anno 15 wieder los ging, sagte er zu meinem Vater: Grote, der Deubelskerl ist wieder da; wir müssen ihm noch ’mal eins geben; aber ordentlich, das er genug hat, un nich wiederkommt. Und dabei sah er ganz ernsthaft aus gar nicht, so schabernackisch wie sonst wohl; es mocht’ ihm wohl schwanen, daß er am Ende selber nicht wiederkommen könne., Und hören Sie, es war doch auch dichte dabei, als er bei Ligny unter seinem Schimmel lag.
    Wir nickten alle. Vom Wald her aber schmetterte Finken- und Drosselschlag immer frischer zu uns herüber, und mit dem Daumen rückwärts deutend sagte der Alte: ja das klingt ins Herz.

    Das thut’s | , | erwiderte mein Reisegefährte, den es nun Zeit ist aus seiner stummen Rolle|zu erlösen, aber wollen Sie glauben, Herr Förster, in der er bisher eigensinnig beharrte, daß es Gegenden giebt, wo die Vögel denn doch noch anders singen, so melodisch, so tief-erschütternd, daß man aufschreckt als habe man den Klang einer Menschenstimme, die ersten Töne einer wehmüthigen Volksweise, gehört.

    Der Tausend auch, sagte der Förster, Sie machen mich neugirig.

    Und diese Vögel, von denen ich spreche, die singen da wo wirs am wenigsten glauben möchten, in Australien, bei den Antipoden. Ein Engländer ist dort gereist, hat die Waldstimmen belauscht, hat die Töne in Noten festgehalten und zuletzt eine Art Melodieen-Buch herausgegeben, aus dem wir nun genau erfahren können, wie die australischen Vögel singen.

    Ist es möglich!
    Es ist sogar gewiß. Ich habe das Buch. Und unter all diesen Stimmen ist eine, die es mir besonders angethan hat, das ist die Stimme des Leather-head. Leatherhead heißt Lederkopf, ein Name den dieser Vogel führt, weil er einen völlig kahlen Kopf hat. Ich will Ihnen die Melodie pfeifen; sie geht leise; Sie müssen scharf aufhorchen.

    Unser Reisegefährte pfiff nunin langgezogenen Tönen die Klagemelodie des leather-head. Selbst im Walde war es still geworden. Es war als ob die Vögel drinnen mit zu Rathe säßen.

    Das ist schön, sagte der Förster, aber Ihr Engländer kann sich die Melodie erfunden haben.
    Ich gestehe, fuhr unser Reisegefährte fort, daß ich dann und wann denselben Verdacht hatte. Aber denken Sie, wo mir plötzlich die Gewißheit kam. Sie haben vom Aquarium gehört. Nun in dem Aquarium befindet sich auch eine Vogelhecke, die mir das liebste vom Ganzen ist. Jeder hat so seinen Geschmack. Und wie ich nun den Gang entlang komme und das Gezwitscher der andern einen Augenblick schweigt, was hör ich da plötzlich aus der Volière heraus: die leisen, langgezogenenTöne meines leatherhead, einmal, zweimal, dreimal. Mir war als ob ich einen alten Bekannten wiedersähe. Da saß er und starrte mich lange an, wie wenn er gefühlt hätte: der hat dich verstanden.

    Alles schwieg. Der Erzähler pfiff die Melodie noch einmal. Dann knipste der Förster mit den Fingern und sagte: nichts für ungut, aber ich bin doch für eine richtige Brieselang-Drossel; ihr leather-head hat mich ganz melancholisch gemacht. Ich bin fürs Fidèle. Ich auch, ich auch, riefen die andern. Der Lederkopf war abvotirt.

    Inzwischen begann sich Gewölk am Himmel zu sammeln. Dann brach die Sonne wieder durch, aber die Schwüle wuchs. „Haben Sie viel Gewitter im Brieselang“ fragte ich.

    Oft nicht, aber wenn sie kommen, kommen sie gut. Im vorigen Juli gings hier eine Stunde lang toll her. Sehen Sie dort die Brandstelle (er zeigte nach rechts) da stand vor Jahresfrist noch das Remonte-Depot, 180 Pferde, alle schwarz.

    Und es schlug ein?

    Es schlug ein und es war ein Wetter, wie ichs hier nicht wieder haben möchte und doch war es eine Stunde, daß mir das Herz im Leibe lacht, wenn ich daran zurückdenke. Da hab ich gesehn, was ein ist. preußischer Futtermeister Solch Remonte-Ein Futtermeister?
    Ja, Depot, müssen Sie wissen, hat ein Wachtmeister von altem Schrot und Korn, der regirt das Ganze; er ist wie ein kleiner König. Und solch Wachtmeister im Remonte-Depot heißt derich sage Ihnen, dieser „Futtermeister“. Nun, der verstands. Das Remonte-Depot hatte 8 Thüren. Als nun das Wetter über uns stand und die ersten Blitze herunter fuhren, stellte er seine 8 Knechte an die 8 Eingänge, sich selber aber er mitten auf diesen Platz da. Da stand er ╒, wie ein Feldherr, während das Feuer in breiten Scheiben nieder fiel. Kerls, schrir er, wenn ich rufe: „vorwärts Thüren auf !;“ dann ist’s Zeit, dann hats eingeschlagen. So verginge wohl 10 Minuten; die Blitze ließen nach, ein Hagelwetter kam, Körner wie die Taubeneier. Mit einem Male schwieg auch das; der Hagel war wie abgeschnitten. Aber im nächsten Augenblick „Krach“, und der Blitz lief über den First hin. Alle flogen auf; die Schliffen fielen wieder wie ausgeschüttet, und im nächsten Moment jagten die 180 schwarzen Pferde an mir vorbei, hier über die Brücke hin, in die Buten-Heide hinein, auf Pausin zu. Zwölf Minuten später hatten wir die Spritzen hier; denn als die 180 schwarzen Pferde wie die wilde Jagd durchs Dorf jagten, da wußten die Pausier was los war. „Das Remontedepot brennt“ und heidi gings in den Wald hinein Solch Wettfahren hat die alte Buten-Heide ihr Lebtag nicht gesehn. Ein schöner Tag wars, aber ich mag ihn nicht wieder erleben. 3

    Diese Erzählung
    Diese Erzählung konnte nicht umhin uns leise zu mahnen, daß wir noch einen Theil unsrer Wanderung vor uns hätten, ein letztes Drittel, einen Schlußabschnitt, den es auf alle Fälle gut sei hinter sich zu haben, umso mehr als das sich ansammelnde, grelldurchleuchtete Gewölk am Himmel das Losbrechen eines Brieselang-Gewitter nicht gerade unwahrscheinlich machte. So trennten wir uns denn von unsrem liebenswürdigen Wirth um über die Brücke hin, in das nördliche Außenwerk des Brieselang, in die „Buten-Heide“ einzuziehn.

    Ein Wind machte sich auf, das Gewölk zerstreute sich wieder, die Schwüle ließ nach; so ging es vorwärts. Als wir
    den entgegengesetzten Wald nahezu erreicht hatten, nahm unser Führer die Tête und brach mit dem Commando „halb rechts“ in das Unterholz der Butenheide ein. Es schien undurchdringliches Gestrüpp, bald aber lichtete sichs wieder und und in eine tretend, hatten wir die Königseiche auf etwa 300 Schritt vor uns.

    Wir ließen sie zunächst
    als ein Ganzes auf uns wirken. Sie steht da, wie ein Riesen-breite durch den Forst gehauene Avenue tretend

    Die Avenue hat ganz den Charakter eines feierlichen Aufgangs, einer Trauer-Allee, die zu einem Denkmal oder Mausoleum führt. Erst ein 35 im D. Briefcouvert 10 in Segefeld — 8 Uhr 18 Minuten ab in Berlin 9 Uhr 5
    Minuten
    Mi
    Nachmittagszug 3 Uhr 1
    Minute
    M.
    3 — 40
    Minuten
    M.
    in
    Berlin
    Berl.