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C6beta

Schlachtfeldvon Jena

(Das Jenaer Schlacht-feld – wo Hohenlohecommandirte und Rüchelspäter von Weimarher eintraf – liegtan der Straße (imWesentlichen) von Apoldanach Jena, meist ander westlichen Seite,nach Weimar zu.
Vom Kirchthurmvon Vierzehnheiligen übersieht man dasganze Schlachtfeld vonJena und Auerstädt.
Das hohenlohescheCorps stand auf demPlateau zwischen Jenaund Weimar;
Napoleon und seinCorps (Lannes, Augereau,Soult und die Garden)auf dem Landgrafenbergund zu Seiten desselben.Napoleon in Personstand auf dem „Wind-knollen.“

Die Preußen standenalso zwischen 14-Heiligenund Isserstedt, Avantgarde bisLützeroda vorgeschoben.
Lannes griff imCentrum an, wirft Tauentzienaus Lützeroda hinaus und dringtgegen 14-Heiligen vor; spä-ter (so heißt es) stürmen auchNey und Muratletztrermit den Garden – gegenVierzehnheiligen.
Dieser große Stoß imCentrum wird in linkerund rechter Flanke unterstützt,links durch Augereau, rechtsdurch Soult.
Soult scheint aberwenig mehr zur Aktiongekommen zu sein; Auge-reau, links ausbiegend,warf sich wahrscheinlichauf den von Weimar heraneilendenRüchel.
Längsansicht; HörselbergHoerselbergHörselberg. a

Hörselberg bei Wutha.

Dies ist seine Längslinie. NachWutha zu fällt er ziemlich schroffab. Oben scheint es Gestein undGeröll, im Uebrigen Sand auf demwenige Kiefern und ein paar Laubbäumestehn. Alles dürr, öde, kahl. Punkta ist der kleine Sattel, der sich aus derFerne markirt. Die Profil-Liniealso von der Seite her gesehn(mehr nach Fröttstedt zu) präsentirtsich also so
Diese Schräglinie,die äußerste Dürreund die Einfaltungsind das Cha-rakteristische.
Profillinie; HörselbergHoerselbergHörselberg.

Veste Coburg.

Lutherstube
Gebäudegrundriss; LutherstubeLutherstubeVesteLutherstube Veste Coburg. Fenstermit 4 GlasbildernaOfenbdFenstermit 4BildernHolzschrankcThürHolzschrankmassiv ThürHolzwand;dick, eichen-
  • a. geht nach derBärengrube hinaus,
  • b. geht nach demEntrée oder Vor-hallchen zum Ban-kettsaal.
  • c. Thür geht nachdem Innern (?)
  • d. Fenster, geht hartdem Abhang zu,Blick in die schöneweite Landschaft.
Fenster a und d habenTiefe, dem dickenMauerwerk entsprechendeNischen. In Nische adie Bärenmaschinerie;in Nische d zweiSteinbänke, mit auf-gelegtem Holz.Der größte Theil desZimmers (nur dieSeite nach der Bären-grube und die Ofen-stelle machen eineAusnahme sind mit Fichtenholz getäfelt, ebensodie Decke, ganz Holz.Wie in Schmalkalden.Bretter und die Klinsendurch kanellirte Brettergeschliffen.
Die Bettstelle großund breit von Fichtenholz;ersichtlich unzähligeSpähne und Splitter davon abgeschnitten; der völligeReliquien-Dienst. Mansieht noch an dereinen Hinter Wandung –gegenüber dem Kopf-ende – ein Stück vomsächsischen Wappen,links und rechts Rosettendaneben. Das Kopfendenoch wohlerhalten. Ober-hälfte: phantastische Ver-schlingungen von Passions-blumen, in denenclownartig ichweiß nicht Engels-oder Teufelskopf sitzt. Etwa so
Vorderansicht (Kopfende) des Bettstelle [Bett]Bettstelle[Bett]falseAnonym/nicht ermitteltLutherbettes in der Lutherstube in Coburg.

Im Ganzen etwa 6 oder7 Passionsblumen mitdiesem Kopfe drin.Fenster d. enthältvier Wappen undzwar Familie
von
v.
Heimendorf
aufWolckersdorf,ferner v. Stainbühl auf Erlenstegen 1698,und die FamilieHueter und nocheine alle 4 Nürn-bergische Patrizier.Die vier andernsind Scenen ausder heiligen und Märty-rer-Geschichte, zum Theil alt, auch ausNürnberg entlehnt.
Der Lutherkrug.
Detailansicht eines Trinkgefäßes des sog.Lutherkrug [Krug]Lutherkrug[Krug]falseAnonym/nicht ermitteltLutherkrugs in der Lutherstube, Veste Coburg.

alles Zinn inHolz eingelegt, da-zwischen fliegendeEngel. Ich halte esauch für Renaissance. Verschiedene Sachen ausdem Holz der Luther-buche; darunter bildartigeine Holzschnitzerei seineAufhebung darstellend.
Sein Stuhl: nurnoch die Hinterwandund außerdem 6Latten, offenbar zuächt
Vorderansicht einer Stuhllehne des sog. Lutherstuhl [Stuhl]Lutherstuhl[Stuhl]falseAnonym/nicht ermitteltLutherstuhls in der Lutherstube, Veste Coburg.
dies istdas Hinter-stück; daranist dasandreangefügt.Der eiserne Ofen.
Die bekannten Musterhier in Eisen gegossen.Sündenfall. Schlangeam Baum, Eva,Adam, Scene amBrunnen, mit Brunnen-rand, Christus, weiblicheFigur, vielleicht dieSamariterin oder dieEhebrecherin
Das ächteste in demZimmer die Deckenbe-kleidung und der Ofenwerden wohl am wenig-sten beachtet. Die Auf-merksamkeit richtet sichauf Bett, Stuhl, Krug.Ich bezweifle daß irgendetwas davon ächt ist. DieStühle waren damalswohl alle so:
Vorderansicht einer Stuhllehne.
alsohoch- und grad-lehnig,dieser Stuhl aber istso
Vorderansicht einer Lehne des sog. Lutherstuhls, Veste Coburg.
undsolche Stühle existirtendamals wohl kaum.
Beim Krug hab ichdie Bedenken des Ornaments, namentlichhaben die geflügelten,stark und heiter aus-sehenden Engel garkeinen gothischenCharakter. Dasselbegilt vom Bett. Eswäre doch vielleichtbesser zu sagen: diesist das Lutherzimmer,hier saß er, hierdichtete er und nunalles andre der Phanta-sie des Besuchers zuüberlassen. Die gewöhn-lichen Menschen wollen freilich direkt was haben,auf diese kommt es abernicht an. Es kommt aufdie feineren an, dieumgekehrt durch dieseFalsa in ihrer Andachtgestört werden.

Außerordentlich schönist das große:
an andrer Stelle kostbarerRenaissance-Schrank und Buffet. {
Renaissance-Zimmer,
intressant sind:
  • das gothische Zimmermit der vorzüglichen Gläser-und Glaspokal-Sammlung;

Das Reformatoren-Zimmer. In diesem(glaub ich) auch das Bild von
Lucas
L.
Cranach
(Copie)
Ueberreichung der Augsburg-schen Confession anCarolus V.

Von der „Gallerie“ aus,die al fresco denVermählungs-Einzug HerzogCasimirs enthält trittman in eine Art Entrée, ich glaube 1 fenstrig von verhältnißmäßig wenigBreite, das nach rechts und links eine Thür hat.Die Thür links führt inden ehemaligen Bankett-saal, die Thür rechts indas Lutherzimmer. Diesedrei Räume füllen wohl zu größrem Theil das Erdgeschoß. Wenigstenskommen einem nur diesezu Gesicht.
Im Entrée maltProfessor Schneider dieBärengeschichte al fresco.Die Geschichte selbst istgut (erzählen). Der Pageflüchtet auf den Ofen, dieDame mit Confekt. EinCavalier liegt im Anschlag.
Links also der Ban-kettsaal, jetzt Waffen- und Rariräten-Saal. Kron- leuchter aus Sporenund Candarrhen, ausArmbrusten und Pfeilen,und ein drittes aus Fuß-angeln. Zahllose in-teressante Dinge.
  • a. Die Rüstung Bernhardv. Weimarus; nur Ober-rüstung. (keine Beinschienen)kostbar eingelegte Augs-burger Arbeit, mit dergeschlossenen Artischockedem
    Augsburger
    Augsb:
    Zeichen.
  • b. Kettenhemd ThomasMünzer.
  • c. Das Grumbach-Beil
  • d. Das 101 Richtschwert;kostbare Arbeit. Mitwelcher Ruhe manauf diese Dinge sieht.Theils weil Raum undZeit ruhig machen, dasBlut ist verduftet,theils weil man sichsagt: wer weiß? regedich nicht unnütz auf.

Unten, in einerArt Rez de Chausséé– während das andreHochparterre ist (viel-leicht ist es auch einandres Gebäude – dieUeberbleibsel von ChristianVIII. Gallion-bildniß,der große Danebrog zelt-artig darüber, ein Ca- jütenfenster und derschöne, saubre Degen Capi-tain Paludans.

An einer andren Stelle –auf der Gallerie, woal fresco der EinzugHerzog Casimirs ist – die Hochzeits Wagen- und Schlitten-sammlung.Fast in allen Zimmern sind dieKachelöfen höchst intressant.

In der Stadt ist dasSchloß (Ehrenburg) und derMarkt vorzugsweise in-teressant.
Das Schloß besteht auseiner alten und neuenHälfte.
Die alte Hälfte istFrüh-Renaissance; alles
einfach, unüberladen; dieErker interessant.
Der neue Theil einsehr vereinfachter, schnörkel-loser Tudor-Styl, dernun all seine Kraft aufdie Altane oder Balkoneund auf die Ornamenteverlegt, die bildartigin quadratischer Formunter den Fenstern hin-laufen. Es sind diesel-ben Formen, im Ganzenvielleicht 4 bis 6, dieimmer wiederkehren, (immer
Vorderansicht eines Ornaments, Veste Coburg.
oder
Vorderansicht eines Ornaments, Veste Coburg.
oder weitereVerschlingungen und Durch-schiebungen) alles mitgroßer Liebe und vielerFeinheit gemacht. DieBalkone bestehen ausPfeilerbündeln mit rei-chem Capitell, dasganze auf reichornamen-tirten Viertelkreis-Stücken ruhend. DieWirkung des ganzensehr gefällig.
Die Renaissance wieder-holt sich, wie amalten Schloß so auchauf dem Markt: Rath-haus, Regirungsgebäude,Privathäuser, Brunnen,Heiligenbilder an denHäusern – alles zeigtfrühere oder spätre Renaissance- formen, doch istmir mit Ausnahme deseinen Brunnens, der einenMohren oder ein Holo-fernes mit dem Schwertedarstellt, nichts als be-sonders originell auf-gefallen.

In der Rückertstraße,( No 91)unmittelbar an der einenSeite des Schlosses, befindetsich das Haus in demRückert 1820 und 26 oder bis 26 wohnte.Zwischen den Fensterndes 1. Stocks seinReliefportrait, ob inMetall oder Thon istwegen Anstrichs nichtzu erkennen, mit derUmschrift Friedrich Rückert 1820 bis 1826. Dies„bis“ fehlt, so daß eszweifelhaft ist ob erdie ganze Zeit hierwohnte.

In dem Prätoriusschen Hause inder Gymnasiumsgasse lebteJean Paul 1803.Hier schrieb er denTitan und die Flegel-jahre.(Schwerdt
Seite
S.
657,
vergleiche
vergl.
ebendaselbst 668 wonach erdie Flegeljahreauf dem Adamiberg in einemGartenhause daselbst schrieb.

Das PrätoriusscheHaus liegt in einerkleinen Gasse, hart ander Moritzkirche zwischendieser und Park- und Garten-anlagen. Es ist masiv,solide und durch drei wenig verschiedene Pfeiler(basreliefartig) mit corin-thischem Kapitell, aberauch nur basrelief, geziert.Zwischen den dreiPfeilern die 4 Fensterder Häuser:
Gebäudeaufriss; Prätoriussches Haus (heute: Jean Paul-Haus)PraetoriusschesHaus(heute:JeanPaul-Haus)CoburgPrätoriussches Haus, Coburg. a
Helm hinter sich zur Erde,Commandostab in der Rechten,Schwert an der Linken,Schärpe, gestrickter GustavAdolf-Kragen, dickessinnliches Gesicht, eignesHaar, Schnurr- und vollerbreiter Knebelbart. Auchdas Gymnasial-Gebäudeganz Renaissance, sowohlder Hauptgiebel, wie diekleinen 6 Dachgiebel.Aber alles einfach undwenig markantes.

Das Bild, das in derMoritzkirche sein soll,
Der Castellan sagte, es sei von Cranach. { und das entweder von Cranach
oder vielleicht (die
Buchstelle ist unklar) von
der Praetorius herrührt,
hab ich im Original nichtmehr gesehn. Die Compo-sition ist diese:
Gemäldekomposition; Verlesung der Augsburger Konfession von 1530VerlesungderAugsburgerKonfessionvon1530falseAnonym/nicht ermitteltVerlesung der Augsburger Konfession von 1530. cabd
  • a. und b. sind dieReihen der städtischenBurgemeister und Abgesandten,
  • alle schwarz, jeder durchsein Stadtwappen, das wieein Schild vor ihm steht,charakterisirt.
  • c. Karl V. in Pontifica-libus; ich glaube untereinem Thronhimmel.
  • d. Ein Tisch, an demdrei Rathsherrn oderBurgemeister oder Delegirtesitzen, die das Dokumenteben ausgefertigt oderunterzeichnet haben; viel-leicht sind es auch kai-serliche Räthe.
ImGanzen ist einem einesolche Composition lieber wie die Biefvesche. Man hatvon dieser Naivetät mehrals von dem künstlerischen Ar-rangement. Die Farben,trotz des vielen Schwarz, sindsehr wirksam, theils durchdas Kaiserornat mit Thron-himmel, theils durch die buntenWappenschilde.

Neuses.

Am Eingange desDorfes auf einervon hohen Bäumen kreisförmig um-standenen und eingefaßten Wiese erhebtsich das Rückert-Monument;ein etwa zehn Fuß hohes
Postament von grauemGranit, auf dem diein Marmor ausgeführteColossalbüste des Dichtersruht. Inschrift: FriedrichRückert. Das Arrangent ist sinnig genug. An den einfassenden hohenBäumen hin, ebenfalls einen Kreisbeschreibend, läuft einKiesweg, in engremKreise umstehn jungePflaumenbäume dasMonument, im engsten– gleichsam das Schwarzein der Scheibe – ein ansteigendes, einen Hügelbildendes Blumenbeet, einBlumenhügel, aus demnun das Monument empor-wächst.
Dies alles ist hübsch undsinnig genug; aber esist doch nicht eigentlichcharakteristisch. Ein solchesArrangent würde fürSchmidt
von
v.
Werneuchen
passen, oder für Geßner,oder für alte Poeten, dieWiese und Wiesenblumenbesungen haben. Für Rückertist dies aber höchstenshalb richtig. Er wareinfach, und wahr und ächt in seinem Empfinden, –insoweit trifft eszu; aber er warzugleich glänzend, fremdländischorientalisch bunt und reichund dieser Rückert, dereigentlichste, der uns dieDichtung des Orientserschlossen hat, dieser Rückert muß aus Rosenund nicht aus Feldblumenaufwachsen. Es bedarfgewiß nur dieses Hin-weises, um den Herzog,der ein feines Verständnißfür derlei Dinge hat, hierdas Richtige thun oderanrathen zu lassen. In dem Augenblickals ich das Dorf er-reicht, fuhr ein Wagenheraus, auf dem in großenBuchstaben stand: „NeusesserBrodfabrik“. Das Brot war frisch und undso traf es sich, daß ichin einem völligen Brot-duft wandelnd dieStelle erreichte, wosich dicht neben demWege das Rückert-Monument erhebt.
Gebäudeaufriss; RückerthausRueckerthausNeuses (heute: Neuses bei Coburg, Stadtteil von Coburg)Rückerthaus Neuses.
               Wasser

Gitter um einen3 Schritt breiten Vor-garten. Haus ganzvon Clematis undwildem Wein um-rankt. Nach rechts hinein langes, auch hellgelbgestrichnes wie daseigentliche Haus mitgrünen Jalusieenversehenes Nebenge-bäude, an das sich dannwieder weiter nachrechts Stallgebäude an-schließen. Thür undFenster auf. „Die Fensterauf, die Herzen auf“.Eine niedliche eben erwach-sene Enkelin. Innerhalbdes Gitters ein halb Dut-zend kleiner Tannenbäume.Nach hinten zu Garten.Hier erweitert sich dasHaus und statt der4 Fenster vorn hates 7 Fenster imersten Stock. Hierist links und rechtsneben der Thür, so daßdiese mitten durch geht undeine Oeffnung bildet,eine verandahafteLaube mit Aristo-lochia
und
u
andremGewächs. ImGarten selbst vieleLevkojen, Verbenen undüberhaupt fast lauter rothblühende Blumen. DieserGarten führt dannauf die Rückert-Wiese.
Oben das Bild Rückerts vonFrl. Froriep undein sehr gutes Schillerbildvon Kügelgen, Pastell,rothe Bohnenblüthe, rotherFuchsschwanz, dunkelrotheGeorginen etc. Allesin roth.Frau Rückert (eine sehrhübsche Dame) ist eine geborneFroriep.

Hildburghausen

Schloß verödet; hierwar Königin Luisemitunter zu Besuch.
Berühmte Irren-anstalt.
Meyers großesbibliographisches Insti-tut, (wahrscheinlich der-selbe Meyer, vondem ich 1843 inLetschin, als ich the Moneylender über-setzt hatte, den famosenBrief erhielt).Auf dem KirchhofL. Koehlers Denkmal,das diesem Dichter († 1862)seine Freunde errichtethaben. (Mein alterAhasver-Koehler aus Leipzig 1841).
Jean Paul wohnteim obren Stockder Hauptwache alsBräutigam des Fräuleins
von
v.
Feuchtersleben
.Die Hauptwache (wenndie Notiz im Schwerdt & Zieg-ler richtig zu verstehenist) war damals dasHaus des Bäckers Hardt in derNeustadt
Numero
No
112. Wird aber wohlalles anderssein.
Hier Herrn Türke fragen, der darüberNäheres weiß.

Eisenach

Gebäudeaufriss; BrauereiBrauereiEisenachSchloss-Brauerei Eisenach. ba

Schloß-Brauerei.Das ist dieeine Front;von der andern Frontsieht man nurden Giebel b.Unten Kneipe; obenniedliche kleinfenstrige Privatwohnungen mit Blu-mentöpfen und Vogel-bauern bunt geschmückt.Das Portal führt aufden Brauhof. Inschriftin der Mitte: Schloß-Brauerei. DasGanze steht schonauf der untersten Hügel-Terrassewährend parallel da-mit, aber abwärtsunten die Hauptkircheliegt. Früher also Schule.In der That hat esdie Proportionen einesKloster-Schulgebäudes. Alleshellgrün gestrichen. Kastanienund Ahornplatanen davor.Portikum sehreinfach. Hofbräu-charakter. Wittwe Cottasche Hausauf dem Lutherplatz, woLuther gewohnt habensoll. Eine Treppe hochwird das
betreffende
betr:
Zimmergezeigt. Es erhebtnicht die Prätensionächt zu sein; schonimmer gut. 2 fenstrig,nach der Straße hinaus,die Decke mit einzelnenBalken und das Ganzegeschrägt. So
Schräge; Decke mit Balken im Lutherzimmer, LutherhausLutherhausEisenachLutherhaus Eisenach.
.
Einzelnes wird gezeigt: eine Cassette, ein Thür- gitter, ein 6 getheilterKasten, wie um eben-so viel Flaschen hineinzu stellen; alles imKeller oder auf Bodengefunden. Dennochwahrscheinlich nichts altund ächt, denn die eineEngelsfigur rechtsüberm Portal trägtdie Jahreszahl 1563.Das älteste ist ein Sand-stein-Basrelief, das jetztzwischen den zwei Par-terrefenstern sichbefindet, entschieden gothisch und vielleicht früh ins 15. Jahrhundert zurückgehend, vielleicht noch älter. EineAuferstehung. Christuslanglockig, mit Glorien-schein trägt die Kreuzes-fahne d. h. eine Fahne,die oben ein Kreuzbildet
Reliefdetail eines Auferstehungsrelief [Relief]Auferstehungsrelief[Relief]falseAnonym/nicht ermittelt Auferstehungsreliefs im Lutherhaus Eisenach. itis
linkszweiKriegs-knechteschlafen, einer (ein dritter, rechts) mit demSpeer scheinteben zu erwachen.

Wartburg. Lutherstübchen

Für ächt gilt:
  • 1. Der Ofen
  • 2. Der Stuhl
  • 3. Der Krug

Aecht ist dieAussicht, aber auchnicht ganz weilsie auf die belebtePlatform der Restau-ration und die MeiningischeEisenbahnlinie geht.Man sieht den Meißnerin storr langerLinie am Horizontund eine MengeKuppen; im Uebrigengeht es steil ab-wärts in eineherrlich wald-erfüllteTiefe.
Die 2 Fensterdie nah der Tiefehinunter sehn sindrund mit Bleigefaßt
Vorderansicht eines Fensters mit Butzenscheiben, WartburgWartburgWartburg.
;das Zimmer ist mitFichtenholz bekleidet,sowohl Wände wieDecke, alles inprimitivster Art.Die Bettstelle istwahrscheinlich nichtluthersch, sowenig wie dito Coburg. Auch hierist das wohlerhalte-ne Kopfbrettder Verräther.Das Ornament inHolz geschnittenist das folgende:
Vorderansicht des Kopfbrettes des sog. sogenanntes Lutherbett [Bett]sogenanntesLutherbett[Bett]falseAnonym/nicht ermitteltLutherbettes in der Lutherstube auf der Wartburg.

links und rechts Köpfe,in der Mitte derspringende Löwe;diese Ornamentikist aber nichtgothisch, sondern schonRenaissance, ist alsoerheblich später.Dasselbe gilt vonden Kapitellen der4 Säulen die denHimmel tragen; dasselbegilt endlich von demHolzhimmel selbst,der sehr vereinfachtdie Feldertheilung einerRenaissance-Deckezeigt.
Der Stuhl hatebenfalls all dieMuschel-Orna-mentik der Re- naissance.
Einiges Gothischesist da, z. B.ein Wandschränkchendas an der Wandhängt und dieTruhe, die die Ueberschrift führt: „Archiv der Deutschen evangelischen Kirchen-Conferenz“; aberbeide haben natürlichnicht in seinemeinfachen Stübchendamals existirt.

Die Truhe mitden Lutherbüchernist auch später hinzu-gekommen.

Der Boden istausgetretner Estrich.
Dazu einzelneLutherbriefevon seiner Handunter Glas undRahmen. Ferner Brust Harnisch und Helmals Junker Georg;natürlich auch un-ächt. Bleibt bestehennur der Estrich(vielleicht) und derOfen, dochsieht es so aus,als sei er auchhieher getragen. Erkönnte aus derLutherzeit sein,könnte damalsschon hier gestandenhaben, seinemStyl, seiner Artnach; aber schwer-lich hätte er sichan dieser ver-wüsteten Stelleso glau und glattgehalten. Es istkein Unthätchenan ihm. Er istaus einem saubrenSchloß oder Patrizier-haus hieher geschafft.
Auch der Ofenist nicht aus jenerZeit; es tretenFiguren ziemlichzahlreich auf insolcher Rüstung wieman sie zurGustav Adolf Zeittrug und großestehende Halskragensowohl bei Männerwie Frauen, d. h.bei Rittern wie Da-men. Es sind diesdie Kragen, diestark getollt undgefaltet sind, etwaso
Rückansicht eines Halskragens.
So bleibtdem eigentlichnichts. Nurder Dintenfleck istächt. Die Leutehaben ihn stück-weis wie Theileeines al fresco Bildes weggeführt,immer ein bischenTintenkalk undso ist ein Lochentstanden. Niemandkann beweisen,daß der richtigeDintenklex hiernicht gewesensei.

Gleich wennman durch das Burg-thor ist und den in den Fels gehauenenSchrägweg emporsteigt,, hat manein altes Gebäuderechts, unten massiv,oben Fachwerk,oben 6 Fenster mitRundblei ge-faßt, von derSeite her ranktsich etwas Weinheran, alles un-scheinbar. Mansteigt eine engeTreppe hinauf, Vor-flur und nun durcheine gothisch kleineThür in die Luther-stube. Sie liegtder Hofseite gegen-über; ihre Fenstergehen ins Freiehinaus und blickenin die Landschaft.Vorn ein paar Stein-bänke, eine gothischeWasser oder Regen-Rinne. Cest tout.

Ein wahres Glückist es, daß das v.Ritgensche Buch eigentlichselber die Unächtheitaller dieser Dingezugiebt.
Kann man so etwasganz ächt in allen Stückengeben, so ist das natürlich sehrschön. Kann man das nicht,so giebt es eigentlich nur 2Wege: entweder man zeigtblos den Raum und überläßtes der Phantasie jedesEinzelnen diesen Raumzu bevölkern, oderman stellt Goethe-,Schiller-, Wieland-Zimmer her, poetischeErinnerungsstätten, diedem Genius – unterAnlehnung an ihn –huldigen sollen, dieaber nicht prätendirenUeberbleibsel desMenschen zu sein, derdiesen Genius in sichbarg.Die frische reine Luft!O, himmlische Mächte. Wasist Berlin dagegen. Von denguten Gegenden vor dem
Potsdamer
Potsd.
Thor
etc. rede ichgar nicht, selbst in derInnenstadt liegen dieDinge grundverschieden.Die Berliner Luft, auchda wo sie nicht ange-nehm berührt, ist sozu sagen frisch von derQuelle, sie ist jung,ohne Geschichte. Wie andershier. Die Luft in diesenότελς ist altehrwürdig undman kann ohne Ueber-treibung sagen die Jahr-hunderte haben an ihrgearbeitet. Sie ist ge-worden und wie daskolnische Wasser Jahrzehntelang lagern muß, sodaß die einzelnen Flaschenunerkennbar werdenund in einer höheren Einheit aufgehn,so auch hier. Nurumgekehrt.

Der zinnerne Deckel-krug ist ausreichendalt. Aber wie ist nur anzunehmen, daß diesder Krug sei, den einHerzog von Holstein oderKönig von Dänemark(ich weiß nicht genau)ihm diesen Krug mitEinbecker Bier ge-füllt in Wormspräsentirt habe undwenn dies in Wormswirklich geschehen wäre,wie kommt dann dieserKrug auf die Wart-burg. Ist es der Becher,den Joseph heimlichin den Sack seiner Brüderpacken ließ? Dasselbe gilt von Gruben-laterne von LuthersVater, von Chor (?)-mantel und Current-büchse. „Chormantel“war doch wahrscheinlichder Mantel der Currende-schüler.
Die Herren, diedies alles gegründethaben: Arnswald, v.Ritgen und viele andre,nehmen eine völlig kor-rekte Stellung dazu ein;durch die Führer hat dieSache aber völlig ihreneigentlichen Charakter ver-loren und artet in eine Art Schwindelaus. Es heißt nicht mehr: „dies ist die Lutherstube.Sie war wüst und leer.Man hat Dinge zusammen-getragen, die ohngefährseiner Zeit angehören, umdas Zimmer dadurch zumöbliren. Unter diesenDingen sind einige, vondenen die Sage geht,sie hätten Luthern selbstgekannt, oder ihm währendseines Wartburg-Aufenthaltsgedient. Es kann sein,auch nicht sein. Voneinigen Dingen ist essicherlich nicht der Fall, beiandren ist es möglich.“Statt dessen macht mandem Andrängen der Luther-stuben-Besucher immer größereConcessionen; von Sommerzu Sommer werden dieDinge „ächter“; dieZweifler werden mißtrau-isch angesehn, weil siedas Geschäft verderben.Das alles ist höchstunpassend und unwürdig.Es ist Reliquien-Schwin-del allerschlimmster Sorte,gerade weil es einenMann betrifft, dem alldas ein Greuel war,der aber die Wahrheitwollte und nur die Wahr-heit. Wie es seinerzeitso furchtbar eifrige Lutheranergab, daß er selbst schrieb: „sie wollen mich zumPapst machen“, sowird er jetzt ausge-nutzt, um Dinge inScene gehen zu lassen,die gerade er mehrperhorrescirte dennirgendwer.
Es muß da Abhülfegeschaffen werden. DieDinge liegen inviel zu rohen Händen.Das Publikum freilichläßt sich alles bieten; abereben deshalb muß es erzogen und nicht irregeführt und mislei-tet werden.

  • (vielleicht einmal)Jean Paul-Plätze.
  • Goethe-Plätze
  • Schiller-Plätze
  • Bürger. Uhland
  • Tieck-Plätze.
  • Tell-Plätze:
  • Maria Stuart-Plätze.
  • Jeanne d'Arc Plätze.
  • Shakespeare-Plätze.
  • Walter Scott-Plätze.
  • Die Bedeutung dieser Unterscheidung in „neu“ und „alt“ ist unklar, da alle fünf erwähnten Gemälde zur selben Zeit (um 1840) entstanden sind; vgl. Kunstsammlungen der Veste Coburg, .Das Original zu dieser von Amalie Prätorius gemalten Kopie, das sich in der Morizkirche befand (vgl. Blatt 28r), stammt nicht von Lucas Cranach, sondern ist wiederum eine Kopie nach Georg Balthasar von Sand (um 1652-1718); vgl. Braunfels 1996, S. 36.Dieses Gemälde ist eine anonyme Kopie nach Georg Balthasar von Sand (um 1652-1718). Von Amalie Prätorius hingegen stammt die bereits zuvor erwähnte (vgl. Blatt 17r) spätere Kopie, die sich bereits zu Fontanes Zeiten auf der Veste Coburg befand; Braunfels 1996, S. 36 sowie Kunstsammlungen der Veste Coburg, M.049.Vermutlich eine aquarellierte Bleistiftzeichnung; vgl. Hellermann 2001, P 206.