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C6beta

1873.

Schlachtfeld von Jena

(Das Jenaer Schlachtfeld – wo Hohenlohe commandirte und Rüchel später von Weimar her eintraf – liegt an der Straße (im Wesentlichen) von Apolda nach Jena, meist an der westlichen Seite, nach Weimar zu.

Vom Kirchthurm von Vierzehnheiligen übersieht man das ganze Schlachtfeld von Jena und Auerstädt.

Das hohenlohesche Corps stand auf dem Plateau zwischen Jena und Weimar;
Napoleon und sein Corps (Lannes, Augereau, Soult und die Garden) auf dem Landgrafenberg und zu Seiten desselben. Napoleon in Person stand auf dem „Windknollen.“

Die Preußen standen also zwischen 14-Heiligen und Isserstedt, Avantgarde bis Lützeroda vorgeschoben.
Lannes griff im Centrum an, wirft Tauentzien aus Lützeroda hinaus und dringt gegen 14-Heiligen vor; später (so heißt es) stürmen auch Ney und Muratletztrer mit den Garden – gegen Vierzehnheiligen.

Dieser große Stoß im Centrum wird in linker und rechter Flanke unterstützt, links durch Augereau, rechts durch Soult.
Soult scheint aber wenig mehr zur Aktion gekommen zu sein; Augereau, links ausbiegend, warf sich wahrscheinlich auf den von Weimar heraneilenden Rüchel.
Längsansicht; HörselbergHoerselbergHörselberg. a

Hörselberg bei Wutha.

Dies ist seine Längslinie. Nach Wutha zu fällt er ziemlich schroff ab. Oben scheint es Gestein und Geröll, im Uebrigen Sand auf dem wenige Kiefern und ein paar Laubbäume stehn. Alles dürr, öde, kahl. Punkt a ist der kleine Sattel, der sich aus der Ferne markirt. Die Profil-Linie also von der Seite her gesehn (mehr nach Fröttstedt zu) präsentirt sich also so
Diese Schräglinie, die äußerste Dürre und die Einfaltung sind das Charakteristische.
Profillinie; HörselbergHoerselbergHörselberg.

Veste Coburg.

Lutherstube
Gebäudegrundriss; LutherstubeLutherstubeVesteLutherstube Veste Coburg. Fenster mit 4 Glasbildern a Ofen b d Fenster mit 4 Bildern Holzschrank c Thür Holzschrank massiv Thür Holz wand; dick, eichen
  • a. geht nach der Bärengrube hinaus,
  • b. geht nach dem Entrée oder Vorhallchen zum Bankettsaal.
  • c. Thür geht nach dem Innern (?)
  • d. Fenster, geht hart dem Abhang zu, Blick in die schöne weite Landschaft.
Fenster a und d haben Tiefe, dem dicken Mauerwerk entsprechende Nischen. In Nische a die Bärenmaschinerie; in Nische d zwei Steinbänke, mit aufgelegtem Holz. Der größte Theil des Zimmers (nur die Seite nach der Bärengrube und die Ofenstelle machen eine Ausnahme sind mit Fichtenholz getäfelt, ebenso die Decke, ganz Holz. Wie in Schmalkalden. Bretter und die Klinsen durch kanellirte Bretter geschliffen.

Die Bettstelle groß und breit von Fichtenholz; ersichtlich unzählige Spähne und Splitter davon abgeschnitten; der völlige Reliquien-Dienst. Man sieht noch an der einen Hinter Wandung – gegenüber dem Kopfende – ein Stück vom sächsischen Wappen, links und rechts Rosetten daneben. Das Kopfende noch wohlerhalten. Oberhälfte: phantastische Verschlingungen von Passionsblumen, in denen clownartig ich weiß nicht Engels-oder Teufelskopf sitzt. Etwa so
Vorderansicht (Kopfende) des Bettstelle [Bett]Bettstelle[Bett]falseAnonym/nicht ermitteltLutherbettes in der Lutherstube in Coburg.

Im Ganzen etwa 6 oder 7 Passionsblumen mit diesem Kopfe drin. Fenster d. enthält vier Wappen und zwar Familie
von
v.
Heimendorf
auf Wolckersdorf, ferner v. Stainbühl auf Erlenstegen 1698, und die Familie Hueter und noch eine alle 4 Nürnbergische Patrizier. Die vier andern sind Scenen aus der heiligen und Märtyrer-Geschichte, zum Theil alt, auch aus Nürnberg entlehnt.

Der Lutherkrug.
Detailansicht eines Trinkgefäßes des sog.Lutherkrug [Krug]Lutherkrug[Krug]falseAnonym/nicht ermitteltLutherkrugs in der Lutherstube, Veste Coburg.


alles Zinn in Holz eingelegt, dazwischen fliegende Engel. Ich halte es auch für Renaissance.
Verschiedene Sachen aus dem Holz der Lutherbuche; darunter bildartig eine Holzschnitzerei seine Aufhebung darstellend.
Sein Stuhl: nur noch die Hinterwand und außerdem 6 Latten, offenbar zu ächt
Vorderansicht einer Stuhllehne des sog. Lutherstuhl [Stuhl]Lutherstuhl[Stuhl]falseAnonym/nicht ermitteltLutherstuhls in der Lutherstube, Veste Coburg.
dies ist das Hinterstück; daran ist das andre angefügt.
Der eiserne Ofen.
Die bekannten Muster hier in Eisen gegossen. Sündenfall. Schlange am Baum, Eva, Adam, Scene am Brunnen, mit Brunnenrand, Christus, weibliche Figur, vielleicht die Samariterin oder die Ehebrecherin

Das ächteste in dem Zimmer die Deckenbekleidung und der Ofen werden wohl am wenigsten beachtet. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf Bett, Stuhl, Krug. Ich bezweifle daß irgend etwas davon ächt ist. Die Stühle waren damals wohl alle so:
Vorderansicht einer Stuhllehne.
also hoch- und gradlehnig, dieser Stuhl aber ist so
Vorderansicht einer Lehne des sog. Lutherstuhls, Veste Coburg.
und solche Stühle existirten damals wohl kaum.

Beim Krug hab ich die Bedenken des Ornaments, namentlich haben die geflügelten, stark und heiter aussehenden Engel gar keinen gothischen Charakter. Dasselbe gilt vom Bett. Es wäre doch vielleicht besser zu sagen: dies ist das Lutherzimmer, hier saß er, hier dichtete er und nun alles andre der Phantasie des Besuchers zu überlassen. Die gewöhnlichen Menschen wollen freilich direkt was haben, auf diese kommt es aber nicht an. Es kommt auf die feineren an, die umgekehrt durch diese Falsa in ihrer Andacht gestört werden.


Außerordentlich schön ist das große:
an andrer Stelle kostbarer RenaissanceSchrank und Buffet. {
Renaissance-Zimmer,
intressant sind:
  • das gothische Zimmer mit der vorzüglichen Gläser-und Glaspokal-Sammlung;


Das Reformatoren-Zimmer. In diesem (glaub ich) auch das Bild von
Lucas
L.
Cranach
(Copie)
Ueberreichung der Augsburgschen Confession an Carolus V.


Von der „Gallerie“ aus, die al fresco den Vermählungs-Einzug Herzog Casimirs enthält tritt man in eine Art Entrée, ich glaube 1 fenstrig von verhältnißmäßig wenig Breite, das nach rechts und links eine Thür hat. Die Thür links führt in den ehemaligen Bankettsaal, die Thür rechts in das Lutherzimmer. Diese drei Räume füllen wohl zu größrem Theil das Erdgeschoß. Wenigstens kommen einem nur diese zu Gesicht.

Im Entrée malt Professor Schneider die Bärengeschichte al fresco. Die Geschichte selbst ist gut (erzählen). Der Page flüchtet auf den Ofen, die Dame mit Confekt. Ein Cavalier liegt im Anschlag.

Links also der Bankettsaal, jetzt Waffen- und Rariräten-Saal. Kron leuchter aus Sporen und Candarrhen, aus Armbrusten und Pfeilen, und ein drittes aus Fußangeln. Zahllose interessante Dinge.

  • a. Die Rüstung Bernhard v. Weimarus; nur Oberrüstung. (keine Beinschienen) kostbar eingelegte Augsburger Arbeit, mit der geschlossenen Artischocke dem
    Augsburger
    Augsb:
    Zeichen.

  • b. Kettenhemd Thomas Münzer.
  • c. Das Grumbach-Beil

  • d. Das 101 Richtschwert; kostbare Arbeit. Mit welcher Ruhe man auf diese Dinge sieht. Theils weil Raum und Zeit ruhig machen, das Blut ist verduftet, theils weil man sich sagt: wer weiß? rege dich nicht unnütz auf.


Unten, in einer Art Rez de Chausséé – während das andre Hochparterre ist (vielleicht ist es auch ein andres Gebäude – die Ueberbleibsel von Christian VIII. Gallion-bildniß, der große Danebrog zeltartig darüber, ein Ca jütenfenster und der schöne, saubre Degen Capitain Paludans.


An einer andren Stelle – auf der Gallerie, wo al fresco der Einzug Herzog Casimirs ist – die Hochzeits Wagen- und Schlittensammlung. Fast in allen Zimmern sind die Kachelöfen höchst intressant.


In der Stadt ist das Schloß (Ehrenburg) und der Markt vorzugsweise interessant.

Das Schloß besteht aus einer alten und neuen Hälfte.

Die alte Hälfte ist Früh-Renaissance; alles
einfach, unüberladen; die Erker interessant.

Der neue Theil ein sehr vereinfachter, schnörkelloser Tudor-Styl, der nun all seine Kraft auf die Altane oder Balkone und auf die Ornamente verlegt, die bildartig in quadratischer Form unter den Fenstern hinlaufen. Es sind dieselben Formen, im Ganzen vielleicht 4 bis 6, die immer wiederkehren, (immer
Vorderansicht eines Ornaments, Veste Coburg.
oder
Vorderansicht eines Ornaments, Veste Coburg.
oder weitere Verschlingungen und Durchschiebungen) alles mit großer Liebe und vieler Feinheit gemacht. Die Balkone bestehen aus Pfeilerbündeln mit reichem Capitell, das ganze auf reichornamentirten Viertelkreis-Stücken ruhend. Die Wirkung des ganzen sehr gefällig.

Die Renaissance wiederholt sich, wie am alten Schloß so auch auf dem Markt: Rathhaus, Regirungsgebäude, Privathäuser, Brunnen, Heiligenbilder an den Häusern – alles zeigt frühere oder spätre Renaissance formen, doch ist mir mit Ausnahme des einen Brunnens, der einen Mohren oder ein Holofernes mit dem Schwerte darstellt, nichts als besonders originell aufgefallen.


In der Rückertstraße, ( No 91) unmittelbar an der einen Seite des Schlosses, befindet sich das Haus in dem Rückert 1820 und 26 oder bis 26 wohnte. Zwischen den Fenstern des 1. Stocks sein Reliefportrait, ob in Metall oder Thon ist wegen Anstrichs nicht zu erkennen, mit der Umschrift Friedrich Rückert 1820 bis 1826. Dies „bis“ fehlt, so daß es zweifelhaft ist ob er die ganze Zeit hier wohnte.


In dem Prätoriusschen Hause in der Gymnasiumsgasse lebte Jean Paul 1803. Hier schrieb er den Titan und die Flegeljahre. (Schwerdt
Seite
S.
657,
vergleiche
vergl.
ebendaselbst 668 wonach er die Flegeljahre auf dem Adamiberg in einem Gartenhause daselbst schrieb.


Das Prätoriussche Haus liegt in einer kleinen Gasse, hart an der Moritzkirche zwischen dieser und Park- und Gartenanlagen. Es ist masiv, solide und durch drei wenig verschiedene Pfeiler (basreliefartig) mit corinthischem Kapitell, aber auch nur basrelief, geziert. Zwischen den drei Pfeilern die 4 Fenster der Häuser:
Gebäudeaufriss; Prätoriussches Haus (heute: Jean Paul-Haus)PraetoriusschesHaus(heute:JeanPaul-Haus)CoburgPrätoriussches Haus, Coburg. a
Helm hinter sich zur Erde, Commandostab in der Rechten, Schwert an der Linken, Schärpe, gestrickter Gustav Adolf-Kragen, dickes sinnliches Gesicht, eignes Haar, Schnurr- und voller breiter Knebelbart. Auch das Gymnasial-Gebäude ganz Renaissance, sowohl der Hauptgiebel, wie die kleinen 6 Dachgiebel. Aber alles einfach und wenig markantes.

Das Bild, das in der Moritzkirche sein soll,
Der Castellan sagte, es sei von Cranach. { und das entweder von Cranach
oder vielleicht (die
Buchstelle ist unklar) von
der Praetorius herrührt,
hab ich im Original nicht mehr gesehn. Die Composition ist diese:
Gemäldekomposition; Verlesung der Augsburger Konfession von 1530VerlesungderAugsburgerKonfessionvon1530falseAnonym/nicht ermitteltVerlesung der Augsburger Konfession von 1530. c a b d
  • a. und b. sind die Reihen der städtischen Burgemeister und Abgesandten,
  • alle schwarz, jeder durch sein Stadtwappen, das wie ein Schild vor ihm steht, charakterisirt.
  • c. Karl V. in Pontificalibus; ich glaube unter einem Thronhimmel.
  • d. Ein Tisch, an dem drei Rathsherrn oder Burgemeister oder Delegirte sitzen, die das Dokument eben ausgefertigt oder unterzeichnet haben; vielleicht sind es auch kaiserliche Räthe.
Im Ganzen ist einem eine solche Composition lieber wie die Biefvesche. Man hat von dieser Naivetät mehr als von dem künstlerischen Arrangement. Die Farben, trotz des vielen Schwarz, sind sehr wirksam, theils durch das Kaiserornat mit Thronhimmel, theils durch die bunten Wappenschilde.

Neuses.


Am Eingange des Dorfes auf einer von hohen Bäumen kreisförmig umstandenen und eingefaßten Wiese erhebt sich das Rückert-Monument; ein etwa zehn Fuß hohes
Postament von grauem Granit, auf dem die in Marmor ausgeführte Colossalbüste des Dichters ruht. Inschrift: Friedrich Rückert. Das Arrangent ist sinnig genug. An den einfassenden hohen Bäumen hin, ebenfalls einen Kreis beschreibend, läuft ein Kiesweg, in engrem Kreise umstehn junge Pflaumenbäume das Monument, im engsten – gleichsam das Schwarze in der Scheibe – ein ansteigendes, einen Hügel bildendes Blumenbeet, ein Blumenhügel, aus dem nun das Monument emporwächst.

Dies alles ist hübsch und sinnig genug; aber es ist doch nicht eigentlich charakteristisch. Ein solches Arrangent würde für Schmidt
von
v.
Werneuchen
passen, oder für Geßner, oder für alte Poeten, die Wiese und Wiesenblumen besungen haben. Für Rückert ist dies aber höchstens halb richtig. Er war einfach, und wahr und ächt in seinem Empfinden, – insoweit trifft es zu; aber er war zugleich glänzend, fremdländisch orientalisch bunt und reich und dieser Rückert, der eigentlichste, der uns die Dichtung des Orients erschlossen hat, dieser Rückert muß aus Rosen und nicht aus Feldblumen aufwachsen. Es bedarf gewiß nur dieses Hinweises, um den Herzog, der ein feines Verständniß für derlei Dinge hat, hier das Richtige thun oder anrathen zu lassen.
In dem Augenblick als ich das Dorf erreicht, fuhr ein Wagen heraus, auf dem in großen Buchstaben stand: „Neusesser Brodfabrik“. Das Brot war frisch und und so traf es sich, daß ich in einem völligen Brotduft wandelnd die Stelle erreichte, wo sich dicht neben dem Wege das Rückert-Monument erhebt.
Gebäudeaufriss; RückerthausRueckerthausNeuses (heute: Neuses bei Coburg, Stadtteil von Coburg)Rückerthaus Neuses.
               Wasser

Gitter um einen 3 Schritt breiten Vorgarten. Haus ganz von Clematis und wildem Wein umrankt. Nach rechts hin ein langes, auch hellgelb gestrichnes wie das eigentliche Haus mit grünen Jalusieen versehenes Nebengebäude, an das sich dann wieder weiter nach rechts Stallgebäude anschließen. Thür und Fenster auf. „Die Fenster auf, die Herzen auf“. Eine niedliche eben erwachsene Enkelin. Innerhalb des Gitters ein halb Dutzend kleiner Tannenbäume. Nach hinten zu Garten. Hier erweitert sich das Haus und statt der 4 Fenster vorn hat es 7 Fenster im ersten Stock. Hier ist links und rechts neben der Thür, so daß diese mitten durch geht und eine Oeffnung bildet, eine verandahafte Laube mit Aristolochia
und
u
andrem Gewächs. Im Garten selbst viele Levkojen, Verbenen und überhaupt fast lauter roth blühende Blumen. Dieser Garten führt dann auf die Rückert-Wiese.
Oben das Bild Rückerts von Frl. Froriep und ein sehr gutes Schillerbild von Kügelgen, Pastell, rothe Bohnenblüthe, rother Fuchsschwanz, dunkelrothe Georginen etc. Alles in roth. Frau Rückert (eine sehr hübsche Dame) ist eine geborne Froriep.

Hildburghausen

Schloß verödet; hier war Königin Luise mitunter zu Besuch.

Berühmte Irrenanstalt.
Meyers großes bibliographisches Institut, (wahrscheinlich derselbe Meyer, von dem ich 1843 in Letschin, als ich the Moneylender übersetzt hatte, den famosen Brief erhielt).
Auf dem Kirchhof L. Koehlers Denkmal, das diesem Dichter († 1862) seine Freunde errichtet haben. (Mein alter Ahasver-Koehler aus Leipzig 1841).
Jean Paul wohnte im obren Stock der Hauptwache als Bräutigam des Fräuleins
von
v.
Feuchtersleben
. Die Hauptwache (wenn die Notiz im Schwerdt & Ziegler richtig zu verstehen ist) war damals das Haus des Bäckers Hardt in der Neustadt
Numero
No
112. Wird aber wohl alles anders sein.
Hier Herrn Türke fragen, der darüber Näheres weiß.

Eisenach

Gebäudeaufriss; BrauereiBrauereiEisenachSchloss-Brauerei Eisenach. b a

Schloß-Brauerei. Das ist die eine Front; von der andern Front sieht man nur den Giebel b. Unten Kneipe; oben niedliche kleinfenstrige Privatwohnungen mit Blumentöpfen und Vogelbauern bunt geschmückt. Das Portal führt auf den Brauhof. Inschrift in der Mitte: Schloß-Brauerei. Das Ganze steht schon auf der untersten Hügel-Terrasse während parallel damit, aber abwärts unten die Hauptkirche liegt. Früher also Schule. In der That hat es die Proportionen eines Kloster-Schulgebäudes. Alles hellgrün gestrichen. Kastanien und Ahornplatanen davor. Portikum sehr einfach. Hofbräu-charakter. Wittwe Cottasche Haus auf dem Lutherplatz, wo Luther gewohnt haben soll. Eine Treppe hoch wird das
betreffende
betr:
Zimmer gezeigt. Es erhebt nicht die Prätension ächt zu sein; schon immer gut. 2 fenstrig, nach der Straße hinaus, die Decke mit einzelnen Balken und das Ganze geschrägt. So
Schräge; Decke mit Balken im Lutherzimmer, LutherhausLutherhausEisenachLutherhaus Eisenach.
.
Einzelnes wird gezeigt: eine Cassette, ein Thür gitter, ein 6 getheilter Kasten, wie um ebenso viel Flaschen hinein zu stellen; alles im Keller oder auf Boden gefunden. Dennoch wahrscheinlich nichts alt und ächt, denn die eine Engelsfigur rechts überm Portal trägt die Jahreszahl 1563. Das älteste ist ein Sandstein-Basrelief, das jetzt zwischen den zwei Parterrefenstern sich befindet, entschieden gothisch und vielleicht früh ins 15. Jahrhundert zurückgehend, vielleicht noch älter. Eine Auferstehung. Christus langlockig, mit Glorienschein trägt die Kreuzesfahne d. h. eine Fahne, die oben ein Kreuz bildet
Reliefdetail eines Auferstehungsrelief [Relief]Auferstehungsrelief[Relief]falseAnonym/nicht ermittelt Auferstehungsreliefs im Lutherhaus Eisenach. itis
links zwei Kriegsknechte schlafen, einer (ein dritter, rechts) mit dem Speer scheint eben zu erwachen.

Wartburg. Lutherstübchen

Für ächt gilt:
  • 1. Der Ofen
  • 2. Der Stuhl
  • 3. Der Krug


Aecht ist die Aussicht, aber auch nicht ganz weil sie auf die belebte Platform der Restauration und die Meiningische Eisenbahnlinie geht. Man sieht den Meißner in storr langer Linie am Horizont und eine Menge Kuppen; im Uebrigen geht es steil abwärts in eine herrlich wald-erfüllte Tiefe.

Die 2 Fenster die nah der Tiefe hinunter sehn sind rund mit Blei gefaßt
Vorderansicht eines Fensters mit Butzenscheiben, WartburgWartburgWartburg.
; das Zimmer ist mit Fichtenholz bekleidet, sowohl Wände wie Decke, alles in primitivster Art. Die Bettstelle ist wahrscheinlich nicht luthersch, so wenig wie dito Coburg. Auch hier ist das wohlerhaltene Kopfbrett der Verräther. Das Ornament in Holz geschnitten ist das folgende:
Vorderansicht des Kopfbrettes des sog. sogenanntes Lutherbett [Bett]sogenanntesLutherbett[Bett]falseAnonym/nicht ermitteltLutherbettes in der Lutherstube auf der Wartburg.

links und rechts Köpfe, in der Mitte der springende Löwe; diese Ornamentik ist aber nicht gothisch, sondern schon Renaissance, ist also erheblich später. Dasselbe gilt von den Kapitellen der 4 Säulen die den Himmel tragen; dasselbe gilt endlich von dem Holzhimmel selbst, der sehr vereinfacht die Feldertheilung einer Renaissance-Decke zeigt.

Der Stuhl hat ebenfalls all die Muschel-Ornamentik der Renaissance.

Einiges Gothisches ist da, z. B. ein Wandschränkchen das an der Wand hängt und die Truhe, die die Ueberschrift führt: „Archiv der Deutschen evangelischen Kirchen-Conferenz“; aber beide haben natürlich nicht in seinem einfachen Stübchen damals existirt.


Die Truhe mit den Lutherbüchern ist auch später hinzugekommen.


Der Boden ist ausgetretner Estrich.

Dazu einzelne Lutherbriefe von seiner Hand unter Glas und Rahmen. Ferner Brust Harnisch und Helm als Junker Georg; natürlich auch unächt. Bleibt bestehen nur der Estrich (vielleicht) und derOfen, doch sieht es so aus, als sei er auch hieher getragen. Er könnte aus der Lutherzeit sein, könnte damals schon hier gestanden haben, seinem Styl, seiner Art nach; aber schwerlich hätte er sich an dieser verwüsteten Stelle so glau und glatt gehalten. Es ist kein Unthätchen an ihm. Er ist aus einem saubren Schloß oder Patrizierhaus hieher geschafft.

Auch der Ofen ist nicht aus jener Zeit; es treten Figuren ziemlich zahlreich auf in solcher Rüstung wie man sie zur Gustav Adolf Zeit trug und große stehende Halskragen sowohl bei Männer wie Frauen, d. h. bei Rittern wie Damen. Es sind dies die Kragen, die stark getollt und gefaltet sind, etwa so
Rückansicht eines Halskragens.
So bleibt dem eigentlich nichts. Nur der Dintenfleck ist ächt. Die Leute haben ihn stückweis wie Theile eines al fresco Bildes weggeführt, immer ein bischen Tintenkalk und so ist ein Loch entstanden. Niemand kann beweisen, daß der richtige Dintenklex hier nicht gewesen sei.


Gleich wenn man durch das Burgthor ist und den in den Fels gehauenen Schrägweg emporsteigt,, hat man ein altes Gebäude rechts, unten massiv, oben Fachwerk, oben 6 Fenster mit Rundblei gefaßt, von der Seite her rankt sich etwas Wein heran, alles unscheinbar. Man steigt eine enge Treppe hinauf, Vorflur und nun durch eine gothisch kleine Thür in die Lutherstube. Sie liegt der Hofseite gegenüber; ihre Fenster gehen ins Freie hinaus und blicken in die Landschaft. Vorn ein paar Steinbänke, eine gothische Wasser oder Regen-Rinne. Cest tout.


Ein wahres Glück ist es, daß das v. Ritgensche Buch eigentlich selber die Unächtheit aller dieser Dinge zugiebt.

Kann man so etwas ganz ächt in allen Stücken geben, so ist das natürlich sehr schön. Kann man das nicht, so giebt es eigentlich nur 2 Wege: entweder man zeigt blos den Raum und überläßt es der Phantasie jedes Einzelnen diesen Raum zu bevölkern, oder man stellt Goethe-, Schiller-, Wieland-Zimmer her, poetische Erinnerungsstätten, die dem Genius – unter Anlehnung an ihn – huldigen sollen, die aber nicht prätendiren Ueberbleibsel des Menschen zu sein, der diesen Genius in sich barg.
Die frische reine Luft! O, himmlische Mächte. Was ist Berlin dagegen. Von den guten Gegenden vor dem
Potsdamer
Potsd.
Thor
etc. rede ich gar nicht, selbst in der Innenstadt liegen die Dinge grundverschieden. Die Berliner Luft, auch da wo sie nicht angenehm berührt, ist so zu sagen frisch von der Quelle, sie ist jung, ohne Geschichte. Wie anders hier. Die Luft in diesen ότελς ist altehrwürdig und man kann ohne Uebertreibung sagen die Jahrhunderte haben an ihr gearbeitet. Sie ist geworden und wie das kolnische Wasser Jahrzehnte lang lagern muß, so daß die einzelnen Flaschen unerkennbar werden und in einer höheren Einheit aufgehn, so auch hier. Nur umgekehrt.


Der zinnerne Deckelkrug ist ausreichend alt. Aber wie ist nur anzunehmen, daß dies der Krug sei, den ein Herzog von Holstein oder König von Dänemark (ich weiß nicht genau) ihm diesen Krug mit Einbecker Bier gefüllt in Worms präsentirt habe und wenn dies in Worms wirklich geschehen wäre, wie kommt dann dieser Krug auf die Wartburg. Ist es der Becher, den Joseph heimlich in den Sack seiner Brüder packen ließ? Dasselbe gilt von Grubenlaterne von Luthers Vater, von Chor (?)mantel und Currentbüchse. „Chormantel“ war doch wahrscheinlich der Mantel der Currendeschüler.

Die Herren, die dies alles gegründet haben: Arnswald, v. Ritgen und viele andre, nehmen eine völlig korrekte Stellung dazu ein; durch die Führer hat die Sache aber völlig ihren eigentlichen Charakter verloren und artet in eine Art Schwindel aus. Es heißt nicht mehr: „dies ist die Lutherstube. Sie war wüst und leer. Man hat Dinge zusammengetragen, die ohngefähr seiner Zeit angehören, um das Zimmer dadurch zu möbliren. Unter diesen Dingen sind einige, von denen die Sage geht, sie hätten Luthern selbst gekannt, oder ihm während seines Wartburg-Aufenthalts gedient. Es kann sein, auch nicht sein. Von einigen Dingen ist es sicherlich nicht der Fall, bei andren ist es möglich.“ Statt dessen macht man dem Andrängen der Lutherstuben -Besucher immer größere Concessionen; von Sommer zu Sommer werden die Dinge „ächter“; die Zweifler werden mißtrauisch angesehn, weil sie das Geschäft verderben. Das alles ist höchst unpassend und unwürdig. Es ist Reliquien-Schwindel allerschlimmster Sorte, gerade weil es einen Mann betrifft, dem all das ein Greuel war, der aber die Wahrheit wollte und nur die Wahrheit. Wie es seinerzeit so furchtbar eifrige Lutheraner gab, daß er selbst schrieb: „sie wollen mich zum Papst machen“, so wird er jetzt ausgenutzt, um Dinge in Scene gehen zu lassen, die gerade er mehr perhorrescirte denn irgendwer.

Es muß da Abhülfe geschaffen werden. Die Dinge liegen in viel zu rohen Händen. Das Publikum freilich läßt sich alles bieten; aber eben deshalb muß es erzogen und nicht irregeführt und misleitet werden.

  • (vielleicht einmal)Jean Paul-Plätze.
  • Goethe-Plätze
  • Schiller-Plätze
  • Bürger. Uhland
  • Tieck-Plätze.
  • Tell-Plätze:
  • Maria Stuart-Plätze.
  • Jeanne d'Arc Plätze.
  • Shakespeare-Plätze.
  • Walter Scott-Plätze.
  • Die Bedeutung dieser Unterscheidung in „neu“ und „alt“ ist unklar, da alle fünf erwähnten Gemälde zur selben Zeit (um 1840) entstanden sind; vgl. Kunstsammlungen der Veste Coburg, .Das Original zu dieser von Amalie Prätorius gemalten Kopie, das sich in der Morizkirche befand (vgl. Blatt 28r), stammt nicht von Lucas Cranach, sondern ist wiederum eine Kopie nach Georg Balthasar von Sand (um 1652-1718); vgl. Braunfels 1996, S. 36.Dieses Gemälde ist eine anonyme Kopie nach Georg Balthasar von Sand (um 1652-1718). Von Amalie Prätorius hingegen stammt die bereits zuvor erwähnte (vgl. Blatt 17r) spätere Kopie, die sich bereits zu Fontanes Zeiten auf der Veste Coburg befand; Braunfels 1996, S. 36 sowie Kunstsammlungen der Veste Coburg, M.049.Vermutlich eine aquarellierte Bleistiftzeichnung; vgl. Hellermann 2001, P 206.