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1871

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Mittwoch 19. April 1871

(Fortſetzung. Siehe Buch I.)Um 4 1/2 waren wir voSannois zurück. Abſchied von George, deſſen Urlaub abge⸗ Raſch Toilaufen.lette. Dann zum Dinebei General v. Medem. ZugegenGeneral, Garniſonprediger, Herrv. Sydo, Herr v. MirbachHerr v. Bonin, ich glaube nocein andrer Bonin (von de2. Garde⸗Dragonern) und ichSehr heiter geplaudert. Danin das „Theater de Saint⸗Denis“Ein großer Saal. Es waredoch wohl 500 Menſchen zugegen; die Hälfte auf eineGallerie, dann im Parterund in einer Art Parquet, da hier den erſten Ranvertritt. Alles Weitrgiebt der eingeklebtZettel Der Zettel liegt in Buch I. in einem der angeklebten Täſchchen. ╒. Demoiſelle Mariettaeine Art Demoiſelle „Thereſeaus den Pariſer Cafés chantantwar die Hauptheldin. Sie ſanLe Trou, eine Art Bravourſtück, mit Gegenſätzen voWehmuth und Wuth. Talentvollaber alles drückt doch eineallgemeinen Verfall aus, und es iſſchmachvoll ſolche DSachen nacBerlin hin zu verpflanzen. Wipaſſen nicht dazu; an Sünde unGemeinheit leiſten wir vielleicht ſo ziemlich daſſelbe, abees fehlt doch bei uns nocdie öffentliche Anerkennung deSchweinerei und ein gewiſſes künſtleriſches Raffinement in Vortraderſelben 3      Brillant nur „La Boteite mysterieuse“, eine Clown⸗SceneSolche Dinge amüſiren am meiſtenEs waren wohl 120 Offiziere daoft ſollen es viel mehr ſeinFranzoſen kaum ein halbeDutzend, außer etwa eineDutzend Pariſerinnen aus der Halbwelts-Sphäre. – Nach dem Theateins Café, nahe dem „Cerf“; miHerrn v. Sydow und dem jungeHerrn v. Livonius geplaudert

Donnerstag d.
dender
20. April
.

Briefe geſchrieben etc. Midem Prediger, Herrn v.Mir-bac und Herrn v. Troschkin der Commandantur gefrühſtückt. Geſpräche über 1866Mit dem Prediger in diſogenannte „Legion d’honneur“.Das Intreſſanteſte bleiben doch immer die Gegenſätze: franzöſiſche Stadt, deutſche OffiziereBombardement und allgemeine Heiterkeit in der der Paſtor aucwohnt. Sein Vetter, deBaumeiſter Maistlé, führtuns umher. Das Ganzwar früher eine Abtei ungeht bis auf Charlemagnzurück. Dann vergrößertes ſich, ich glaube namentlich unter Ludwig demHeilige; es wurde immebedeutender, wurde danwohl durch die Revolutiozerſtört und etwa 180oder ſo about durch NapoleonI wiederhergeſtellt. Diegeſchah etwa wie folgtDie Legion d’honneuwurde geſtiftet und erhielentweder 12 Millionen Francs jährlicFrancs gleich zugewieſen 5      oder die Jahreseinnahmiſt ſeitdem bis zu dieſeHöhe geſtiegen. Von dieſe12 Millionen (Ja ich weidoch nicht recht ob Fondoder ob Jahreseinnahmewerden alle „Ritter deEhrenlegion“ bezahlt, jedenach dem Satz der Klaſſu der er gehört, Ritter etcet cetera, etc.Nun bleibt aber bei dieſeZahlungen doch nocein Erhebliches übrig unvon dieſem Ueberſchuwährend werden dregroße Inſtitute unterhalten, die alle deTitel „Legion d’honneur oder vielleicht richtige„Maison de la Legiod’honneur“ führen. Daeine iſt in St Germaindas andre in Ecouendas dritte in St Denisalſo alle drei in der Nähvon Paris. Das erſte (glauich) iſt für Töchter deGemeinen und Unteroffiziredas zweite für die Offizirbis zum Capitain, dadritte (St Denis) für diTöchter aller Offizirvom Capitain aufwärtsSt Denis iſt alſo dafeinſte und vornehmſte. E 7      hat in der Regel 50Töchter; dazu kommen 2bis 30 Damen, wohalle Religieuses, als Lehrerinnen und Erzieherinnen; woraſich nun ein reiches DienerinnenMaterial ſchließt. Alſo einArt Bethanien, aber füdie Erziehung. (Hier einebeßren Vergleich nehmenWangenheims werde100 Beiſpiele haben). Ider Art des Ganzeiſt eigentlich nichts, wodurces ſich von ähnlicheInſtituten ſpecifiſcunterſchiede; die Einrichtunge ſind wohl wie ſie immeſind. Nur zwei Punktverdienen Beachtung: 1. diEntſtehung des Ganzen auder Legion d’honneuheraus; 2. die beſondrOpulenz und Großartigkeides Ganzen. Küche, Eßſaal, Schlafſääle, Zeichenſchule, Kapelle etc. alleiſt von beſondrer AusdehnungIn der Kapelle befindeſich viele große BilderCopieen, von Schülerinneſelbſt gemacht, nach berühmten Bildern. Beſonderintreſſant iſt das AltarArrangement. Altartiſcmit Crucifix und Leuchtern 9      als unmittelbarer Hintergrund eine rieſige Sonnmit dem Gottesauge. DieſSonne iſt nun aber docſo angebracht, daß zwiſcheihr und dem Altartiſcund auch um die Sonnher, lichter Raum bleibdurch welchen manun in den hintedem Altar gelegeneRaum ſehen kann. DieſeRaum, nur von geringeTiefe, ſchließt hintemit einem großeWandbilde ab undies Wandbild iſt eswas immer durch di 1Sonne durchſchimmertZur Zeit war die Schulgeſchloſſen, ſo zu ſageſehr große, verlängertFerien. Die Töchtegingen in den Juliferie1870 nach Haus; iAuguſt fielen die erſteSchläge, der Krieg nähertſich rapide und ſo bliebedie Töchter zu Haus unſind noch nicht wiededa. Die Kaiſerin ſolſehr viel für dies Inſti-tu gethan haben; abealles umſonſt. Dank iſnich 11      
Die Kapelle in dedas Concert war
Groß; ein bischen wie Henry’sVII Chape. Großes Altar-bild; eine Enthauptung, vielleichtSt Dionysiu. Gegenüber eikoſtbarer alter Grabſteinaber doch wohl nicht der eigentlicalte, ſondern ein ſpäteimitirter; Ein Biſchof iStein geſchnitten etc. einrelativ vorzügliche ArbeitDie Apoſtel ſtehen auConſolen in Mittelhöhe deWände, alle bunt unreich, polychrom. DiS. St Denis Seite 84 1Pfeiler ſind braun ungrau; die Decke blamit Goldſternendie Gurte roth, weißblau, gold, was allzuſammen einen ſchöneFarbenton giebt. Hieam Altar ſoll N. mit Joſephine getrauſein. (??)

Beſonders ſchön iſdas Grabdenkmal Franz I.und der Königin Claudidas Ganze nobelſte Renaiſſance. Oben audem Ganzen kniee 13      ſie betend, vielleicht bei ihreVermählung, in denr kleineRundbogen⸗Halle voMarmor, die etwdie Mitte des ganzeBaues einnimmt, liegeſie todt auf ihreSarkophagen; der mächtigSockel, der einer ArFundament oder Rusticentſpricht zeigt die ſchönſteBasreliefs, die KämpfFranz I. darſtellend. Vodemſelben Meiſter ſolla Fontaine des Innocensin Pari ſein, eine Arbeidie auch für wunderſchögilt

1Eine eigenthümliche Rothmarmor⸗Säule, miEpheu umflochten, trägauf korinthiſchem Kapiteleine Urne, in dieſer vielleicht das Herz. Dahinteeine Tafel Henricus IIFrancorum Re

Eine andre Colonne elevée à la memoirdu Cardinal Bour-bo

Ein Seitenſtück zdem Grabdenkmal FranzI iſt das des KönigsLouis XII undund ſeiner Gemahli 15      Anna von Bretagne † 151(er 1515). Die Anordnunghoher Sockel mit ReliefsMarmorhaus mit debeiden Sarkophagen
und
u
Todten drin,oben beide betend, iſt ganwie bei Franz I.; nudie Archcitektur weicht abdas Marmorhaus, wiewohauch Renaiſſance, iſt abweichend gebaut; dies auch ſehhübſch, doch iſt die Architektur des andern wohſchöner. Uebrigens folgtFranz I auf Louis XII.es iſt alſo wahrſcheinlicdaß das Louis XII Denkmal älter iſt

1Mit zu dem intreſſanteſten gehört das Grab-mal von König Dago-ber, rechts (vom Schifaus) neben dem AltarEr liegt auf einemit Lilien geſchmückteStein (dies iſt ganneu gemacht); dieſeStein aber hat einArt gothiſchen Schreinder das Anſehn einevertieften gothiſcheFenſters hat als Dacund die Wand dieſeSchreins, oder wen 17      man will das deFenſter Entſprechendezeigt in Hautrelief unzwar in höchſter Naivetädie Schickſale Dagoberts
unte { Er fährt in einem Kah(ſchon vorher ſcheint deSchlafenden der frommAbt oder Biſchof erſchienezu ſein) und betet, währendie Böſen um ihn ſind
ſie glauben ihn (Mittel-ſtüc) ſchon zu haben, dtritt der Biſchof an deKahn, reicht ihm diHand und entreißt ihn de 1diaboliſchen Mächten. Engeſind im Geleit deBiſchofs. Oben (oberſtesStüc) halten ihn zweBiſchöfe auf einem Tiſchoder Leichentuch, das ſian beiden Seiten angefaßhaben, in die Höh, Engeumſchweben ihn und diHand Gottes neigt ſicaus den Wolken, uihn aufzunehmen. Eiſt ſehr intreſſant. Etwdie Hälfte der Köpfmußte reſtaurirwerden, alles andre iſt ächt

19      1Es iſt noch ein drittesDenkma da, wie dasvon Franz I uund Claudi; gannach demſelben Prinzip aufgebaut, oben kniend, untetodt liegend; Sockel-Reliefshier (und bei Louis Xllallegoriſche Figuren an de4 Ecken

In Front dieſes Denkmalswenn man durch das Seitenportal eintritt gleich linkſteht die Marmorſtatue MarieAntoinetten; ſie kniet unbetet; die Schräglinie, didurch das Vorbiegen de 2Oberkörpers beim Beteentſteht, iſt nicht ſchönDer Kopf erinnert aEliſabeth. Louis XIViſt unten geblieben ider Gruft. Sie abeſteht nun hier trotz „EgalitéLiberté, fraternité“, trotdes Getriebes draußen unnimmt die Huldigung derein Anſpruch, deren Väteund Großväter ſchon einmaauszogen, um ihr Rechzu wahren. Nur iTode glückt es jetzt
Vorher ein Vergleich mit Westminster-Abbe. Edward the Confessor etcDort iſt alles relativ ſtabil, hier immeunruhig durcheinandergeworfen. Der hiſtoriſchEffekt leidet darunter 21      1

Freitag d.
dendender
21.
April.

Gepackt. Briefe geſchriebean Herrn v. Sydow und PredigrerGerlac. In die CathedraleNoch ’mal alles Wichtigſtdurchgenommen. Dann idie „Division“ zum Generalv. Pap. Geplaudert, ein kleineFrühſtück eingenommen; danAbreiſe. Ueber EnghienPontoise etc. nach Creil; voCreil über Liancourt, Clermonnach Amiens. Ankunft 6 UhrAbgeſtiegen im Hotel du BoeufUnterwegs machte ich einſehr charakteriſtiſche BeſchäftigunBekanntſchaft; ein kleinePariſer mit der Ehrenlegion i 2Knopfloch unterhielt ſicmit mir. Nous sommeenervés; d’Absinthe à Billaret de Billard à l’Absinthec’est la nation. Quel est lconséquence? Nous n’avonpas de Grandes hommesJules Favre interessé, Troch– imbecile; nous n’avonpas des idées. Nous sommes pueriles. Ich wirkte machte eineverunglückten Verſuch Favre unTrochu herauszureißen; er blieaber unerbittlich; ich ſchwieg nunweil das Sprechen mich angriff unſchloß die Augen. Auf einer Stationwo 5 Minuten gehalten wurdeſchlug ich die OAugen wieder auund ſah nun, daß mein Gegenüberder den Trochu unerbittlich zeinem Imbecile geſtempelt hatte 2einen Pfefferrohr Stock auf das 1Coupéfenſter gelegt hatte und idie eine Seite hineinbließs. Ictraute meinen Augen kaum; abees blieb kein Zweifel, richtigwar ein Puſtrohes; Ein alteSchimmel, der 20 Schritt von unſtand, warf dann und wann deKopf hin und her; richtig ewar ein Puſtrohr und diNaſe des des armen alteThieres das Ziel meines Schützen„Nous sommes pueriles,“ citirt’ icleiſe
Der Weg bot nichts Beſondreswir fuhren aus dem Rayon de4. Corps in dasen des 8. ein68 er hielten die Bahnhöfe beſetztmein vis à vis, der ſein Pfefferrohr endlich bei Seite gethan hattejodelte jetzt. Mir wurde gan 2angſt; er hatte nicht von einem Tyroler, weder diStimme noch die Waden. Letztram wenigſten
Um 6 waren wir in AmiensBeſuch beim General v. Strubberim Hauſe eines Comte Chassepot. Herv. Carlowitz. Zu General v. Ru-vill. Whiſtparthie. Schöne Frauvom Hauſ. General Kameke. Geplaudert. Krank und müde nacHauſeHotel de la tête de boeufGallerieen. Charakteriſtiſch der ſtetPapierpfropfen in der TheekanneVeuve Lesieur, Logeuſ 25      1öde, arm, langweilig bis zuExtrem; auch nach der Seite debloßen Stoffs hin gar nicht zbrauchen. Mittagsbeſuch von HerrnGeneral v. Strubber und Herrn v.Carlowit. Dann 16 Stundegeſchlafen; aber immer nocnicht genug

Sonntag d.
dendender
23. April
.

Mein Zimmer liegt ſo, daß es ſicneben dem armoire du grancorridore befindet, alſo neben deWaffenkammer des großen CorridorDie Zimmereinrichtung iſt freundlichſelbſt ein großer, ſchöner Stahlſtich „Lesenfans d’Edouard nach Paul de la Rochesberühmtem Bild. Das iſt nun voder künſtleriſchen Seite ſehr ſchönaber von der einfach⸗menſchlichen auſehr anfechtbar und es verſtößdoch mehr oder weniger gege 2den guten Geſchmack, eineReiſenden beſtändig in Zimmerzu beherbergen, die mehr odeweniger durch ihren künſtleriſcheSchmuck zu „Chambers of horror“ werden. Kaum hat main Rheims oder Soiſſons „MariaAntoinetten auf ihrem letzten Gangebegleitet, ſo wird man in....zum Augenzeugen der „Ermordungdes Herzogs von Guiſe gemachtum an einem dritten Ortder „Enthauptung der Jane Grey“ odeden „Söhnen Eduards“ zu begegnen. Dies letztre Bild iſt beſonders ſchlimm. Man liegt aucin einem Bette mit 4 Säuleund zugeſchlagenen Gardinenes iſt auch Abend, man hat auceinen Lichtſchimmer durch die Thürklinſe, man iſt nicht unſchuldigeals die Söhne Eduards und der Gedank 2beſchleicht einen: warum ſollwelchen Anſpruchaſt Du, nicht auch mit einem 1großen Bettkiſſen erſtickt zwerden? Der Bilderſchmuck deZimmer, wie vieles andre, iſauch ein Culturmeſſer. Dimeiſten Menſchen hängen auwas ſie haben, ohne Rückſichauf die Frage: ob es paßt

La Basilique de St Denis
  • 1. Sankt Dionys. Erſter MärtyrerSeine Enthauptung auf dem Montmartre. Eträgt ſein Haupt 6000 Schritnach Norden. Dort beſtattet. An dieſeStelle entſtanden die Anfänge einer Kirche
  • 2. Faſt 400 Jahre ſpäter hatte KönigDagober einen Traum. Die 3 Martyreretteten ihn. Er beſchloß einen PrachtbauSo entſtand dieeine größere Kirche zu St Denis. Zugleich wurde es Begräbnißplatz
Hier siehe
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und
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20. / Hier die Legende.2Auf St Dionys und ſeinbeiden Mit⸗Märtyreauf König Dagobert, unauf den Umſtand, daß dieſer St-Denizur Begräbnißſtätte machte, läßſich alles zurückführen. So vielean Schmuck und Erinnerungs⸗ und Bildſtücken da iſt, das was durchklingt iſt doch immer Sankt Dionyund König Dagobert. Inm SteiPortal, in den großen Glasfenſtern des Chors, in deprächtigen Altarbild der Hauptkapellevielleicht auch ſonſt, noch, ſehewir den heiligen Dionys wiihn das Schwert trifft, oder wier das Haupt an die Bruſt gedrückruhig ſeinen Gang antritt, ebenſfinden wir dadie Geſchichte des Roi Dagoberin Stein und Bild verherrlicht. Der Steinaltarrechts neben dem Hauptaltardas wahrſcheinlich bemerkenswertheſte Kunst 2x---xwerk unter allem was diſt, zeigt ihn gewarnt im 1Traum, gerettet in Gefahr, endlicaufemporgehoben gen Himmel, aus deſſeGewölkdem ihm Gott ſelber die Hand Gottes ſich entgegenſtreckt. Die Warnerihn warnen, die Retterihn rettendie ihn heben, – immer ſind es diDrei
Dies iſt der Grundton, derhier durchklingt., die Doppelſage,die Sage Legende von Sankt Dionyund die Legende von König Dago-ber. Dieſe zwei Legendegeben den Grundton
Das freilich, was der Kirche zuSt Deni nach außen hin eineWeltnamen gemacht hat, iſt eiandres: ſie war tauſend Jahrlang die Begräbnißſtätte defranzöſiſchen Könige Hier vielleicht Vergleich mit Westminster Abbey, Roeskilde etc. ╒. Die DagobertZeit klingt nur inſoweit hinein 3als Dagobert der erſte warder hier einzog. Andre ſeineHauſes folgten; dann kamen diCarolinger in ihren verſchiedneStufen: das Haus Capet, das HausValoi, das Haus Bourbon. Vomehr als 50 Königen ruhen nudrei nicht an dieſer Stelle: Philipp ILudwig VII und Ludwig XI
Zerſtörungen kamen über diKirche und wo die älteſtenKönige deerſten Jahrtauſends ruhten wawohl vergeſſen oder ungewiß, abedie Könige der beiden letzten großeHäuſer, die Könige ſeit...., diKönige aus den großen HäuſerValois und Bourbon– ſie ſtandein langer Reihe in den beideCrypten unter dem hohen Chor
Da kam der... 1794 undie revolutionäre Maſſe brach herein La Chapelle d’hiver. 4Wie bei allen alten Kirchen, 2ſo beſteht auch bei „St Denis“ eiHaupteigintreſſe derſelben in ihreKapellen. In einer dieſer Kapellebefand ſich die „Oriflamme“, die ſei15.. ihrem Alter und ihren Strapatzen erlegen iſt, in einezweiten iſt....die einin einer dritten befindet ſicdas große Coloſſal-Bild GasparCrayer den Tod des heiligeDionysius darſtellend, eine großartigan die verwandten ArbeitenBilder P. P.Ruben erinnernde Arbeit
Dieſe letztgenannte Kapelledie den Namen führt la Chapelle oder richtiger „le choeud’hiver“ iſt die größte; ſie haſelber wieder die Ausdehnung einemäßigen Stadtkirche. etc. Nun noceine Beſchreibung dieſer Kapelle. Dann: In dieſer Kapellverbrachte ich eine mir unvergeßliche StundeDie KapelleDas iſt der Tag des HerrnInteger vitae. VorheParthieaus deTrova-torunandr 4All das Vorſtehende ſchrieich Sonntag d.den 22. Apriauf meinem Zimmer iHôtel de la tête dae BoeufDen ganzen Tag allein; nuüber Mittag kam Generalv. Strubber auf ein halStündchen

Montag d.
dender
24
April.

Etwas wohler. Einige Briefgeſchrieben. Erſter Ausgang. ZuGeneral. Parthie verabredetZum Dejeuner im Hôtel. DritteGang das Eier⸗Gericht, das icdann mit dem großen Löffel verſchlucke. Ich ſaß wie der Storch vodem Gericht, das der Fuchs ihm vorgeſetzt hatte. Ich konnte nicht heran. Endlicraſch entſchloſſen, griff ich durch
Um 1 1/2 mit General v.Strubber und Herrn v. Carlo-wit 43      [17 reizende Fahrt audas erſte Schlachtfeld von 2Amiens. Es liegt etweine Meile ſüdlich und ſüdoſtlich und geht im Zirkelſchlag von Dury über Boveauf Gentelles und Cachy (oder ſähnlich. Manteuffel griff mi3 Diviſionen an, 15. bei Dury16. bei Sains und Boves, 2. (odeeine combinirte) bei Gentelles unCachy. An den Flügeln glücktes nicht recht. Boves, mit ſeineBahnhof (28 er) und ſeiner Ruin(68 er, 65 er, 33 er) brachte digünſtige Entſcheidung. Eigenthümlicwar die Verwendung der beideBatterieen Busse und Uthmann von der 30. Brigade 4Strubberg hielt ſie iihrer weitzurückgelegene(da man urſprünglich nur Fouin-cam beſetzen wollte) abedoch alles beherrſchenden Poſitiofeſt und unter ihrer Vor⸗ unMitwirkung vollzog ſich daglückliche Vorgehn gegen BovesWeitres, namentlich auch übedie Ruine, ſiehe hinten;. DiStellung war von dem franz.französischen Genera(Vorgänger von Faid’herbe) vorzüglich gewählt. Man ſtanim Schutz der vielfachen Niederungen und Torfmoore (widas Rhinluch) die die SelleAvre und andre FZuflüſſe der Sommbegleiten und die wiein complicirter, gewundneWallgraben ſich vor einedahinter gelegenen natürliche 45      [18Erdfeſtung ausbreiten. Nueinzelne Linien führen als 2ſchmale Defiléen hindurch,: diStraße von Gentelles, die Eiſenbahn von Boves und vielleichandre noch; zugleich ſchiebſich ein dieſſeitiger Höhenrückean einer Stelle auch weivor indemwodurch er die Niedrunflankirt. An der Spitze dieſevoſich vorſchiebenden Höhenrückensder dann bis an die Somme⸗Niederun hinanläuft, liegt diRuine von Boves und hinderdas Vorgehn auf dieſeHöhenrücken. Als der Bahn-ho (das eine Defilé) und diRuine (der beherrſchende Punkt, denun für uns AusgangspPunkt für unſreAngriff werden konnte) genomme 4war, war für den Feinkein Hlalten mehr und er zoauf Amiens und namentlich nordöſtlich ab. In Amiens hbehieler noch 1 oder 2 Tage diOCitadelle beſetzt; dann gaer auch dieſe auf
Das war das Gefecht vom27 – Schon am 26. hatte zwiſcheBoves uund Gentelles ein kleineresGefech ſtattgefunden. Am 26hatte auch die 3. Cavallerie-Divi-ſio (Graf v. d. GrGroeben) eiGefecht bei Villers-Bretonneugehabt
M. hat die Oſtpreußen immer bevorzugt; G. und die Seinen ſolltenicht aufkommen. G. iſt ſehpopulär, ohne es im Geringſten zſuchen; er lieſt, ſtudirt, ſitzt in deKarten, kümmert ſich um den Manwenig; dennoch verehrt und huldig 4ihm alles und wenn er kommt [19iſt Jubel, weil jeder weiß:  2nun geht es gut
Die erſten Granaten fielein den Wald bei „Paraclet“
Von der Burgruine aus haman eine koſtbare AusſichtAmiens’ Kathedrale präſentirt ſicprächtig, ſo auch die Niederung, linkSains uund Funsin, rechts der Wald voGentelles. – Gabriele von d’Eſtréeiſt dieſelbe über die Pückler iſeinem Semilaſſo ſo Pikantemittheilt

Dinstag d.
dender
25. April.

Briefe geſchrieben. Amiens-Guidgeleſen. In die Cathedrale. Bemerkungen ſiehe einige Blätteweiter. Dann auf der Promenade aus einer großeKuchendüte gefrühſtückt. U1 Uhr Abfahrt mit dem Genera
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    Fragen an den General
  • 1. Was muß man in Roueſehen? Wo wohnt main Rouen
  • 2. Was muß man in Dieppſehen? Wo wohnt man iDieppe? Wo iſt Alex. Dumabegraben
  • 3. Was muß man in Abbe⸗vill ſehen
  • 4. Liegt Hamm zwiſchehier und St Quentin? Haman Schwierigkeiten die Cita-delle von Ham zu ſehn
  • 5. Wer ſteht in St Quentin
  • 6. Welche Truppen ſind iSedan
  • 7. Empfehlungen an diTruppen in St Quentin, Sedan, Metz
  • 8. Bitte um eine Skizze desr Schlachtbei St Quenti
10.310.20 49 [292und Herrn v. Carlowitz auf das Schlacht-fel „an der Halue“, oder voPont Noyelles wie die Franzoſen ſagen
Lageplan des Schlachtfelds; Schlachtfeld an der HallueSchlachtfeldanderHallueHallue (Fluss), HalueSchlachtfeld an der Hallue. St GratieFréchencourQuer⸗rieuPont Noyelle
Die Somme, in die von Norden hedie Halue einmündet
5Es iſt leicht zu ſehn, daß diGeſammt⸗Formation miWörth ſehr viel Aehnlichkeit hat. Nur hatte Wörteigentlich nur zwei Flügelkein rechtes Centrum
Faidherbe hatte die ganzPoſition beſetzt, die Niederungdie Dörfer zu beiden Seiteder Hallue und den Höhenzuim Oſten. Hier ſtanden ſeinReſervemaſſen, ſeine ArtillerieDer feſteſte Punkt war derechte Flügel, dieer große Abhang, die Höhe, der Wald iOſten von Frechencourt
Der Angriff ſollte ſerfolgen daß die anrückendeColonnen in Echelons naclinks deployirten, die ſpätr 51      [21immer über den linkeFlügel der frühren hinaus. 2
So nahmen die Brigadender 15. Diviſio und ich glaubeine oſtpreuß: ostpreußische Brigade hintereinandeweg Daours, Bussy, QuerrieuxPont Noyelles, Frechencourtaber ſie waren zu ſchwacdie Höhenpoſition, beſonderden Wald bei Frechencourzu nehmen. Dies war nudurch Ueberflügelung zu zwingendie die 16. Diviſion ausführeſollte; als ſie ſchon halb damifertig war, erhielt ſie Contreordre, – man zog ſie jetzheran, um den Angriff ider Front zu unterſtützenDies war ein Fehler. Wäredie Tage um drei Stunde 5länger geweſen, ſo hättdie Tapferkeit der Truppedies wieder ausgeglichen undie Poſition wäre durch di16. Diviſion doch genommeworden; aber es dunkeltſchon als die 16 Diviſion jetz(und zwar abgemüdet) beFrechencourt etc. angriffsbereidaſtand. Man gab nun, vernünftigerweiſe, weitre Angriffauf
Am andren Tage (24. Dezember) räumtFaidherbe freiwillig ſeine Stellung und zog auf Albert abEr fürchtete ſchließlich doch umgangen zu werden. Außerdem hatten ſeine Leute iFreien vom 23. auf den 24bivouaqiren müſſen 53 2
Der 23. bereitete dies Reſultat vom 24. vor. Im bUebrigen [22kann man Faidherbe nichUnrecht geben, wenn er behauptet, daß er am 23. nichgeſchlagen worden ſei. Deeigentlichſte Theil ſeiner Stellunblieb in ſeinen Händen
In Daours, Querrieux unFréchencourt ſind SchlöſſerIn Daours (Mr.Monsieur Dubosc) ſah eim Schloſſe ſo furchtbar aus, daß di8. Jäger es verließen und liebedraußen in der Kälte bivouakirtenIn Fréchencourt (Mr.Monsieur de Pajol) branntauf dem Schloßhof ein rieſiges Feuerdrum man ſich wärmte; in Quer-rieu (Marquis de Querrieuxdeſſen Schloß in einem entzückenden Parliegt, war der General am 24. Abends 5
Zehn Tage nach dem Treffen„an der Halue war daTreffen bei Bapaume (a2. u. 3. Januar)
Beide Treffen erfolgteauf der Linie Amiens-AlbertDouai, eine große Straße divon Amiens aus in das Feſtungsvieleck hineinführt, das daeigentliche Neſt Faidherbes warvon wo aus er aufflog unſeine Stöße machte. Er operirte dabei ganz geſchickt; divielen Feſtungen bildeten immeeinen geſicherten Punkt, uſich wieder auszuruhn. Aler dann – auf Andrängen Gam-betta – dieſe ſeine Lieblingsliniaufgab und ſich anders dirigirteereilte ihn der große Schlag beiSt Quenti 55 28 [23
Die Höhen⸗ und Waldpoſition voFréchencourt in der Fronzu nehmen, war nahezu unmöglich; ein ungeheures Schußfeld und der Bergabhang mit 6 ode7 Terraſſen, ſo daß jede einzelnPoſition Terraſſe als beſondrPoſition vertheidigt werden konnteFreilich beruhte auf dieſen Terraſſeauch die einzige Möglichkeides Herankommens

Die Kathedrale zu Amiens
(ſiehe den Ausſpruch Napoleons) macheinen ſehr bedeutenden, ſehr einheitlicheEindruck. Sie iſt mit Kapellen, Statuen, Holzſchnitzereien, Bildern natürlicreichgeſchmückt. Es hat hier einHolzſchnitzerſchule geblüht (wies ſcheint); 4 Männer, allglaub ich von Corbie, einer davoder eigentliche Meiſter, haben di 5Chorſtühle im hohen Chor, didie ganze heilige Geſchichte biauf Job (wahrſcheinlich Hiob) darſtellen (die Simſon Situationekommen z. B. alle vor) in 15 Jahrefertig geſchafft. Vieles entzückenddazu die ſchöne Farbe des Eichenholzes; manche Sachen von Zimmerhöhe und mehr als Mannsbreitalles aus einem Stück geſchnitzt. Man bewundert. GothiſchDome und Shakeſpeare – beideiſt ſchwindelerweckend für unkleine Leute
Die Erz⸗gGrabplatten der beidenbiſchöflichen Erbaue ſehr ſchön; wiſtylvoll alles, großartig, ernſtgeiſtvoll in den Symbolen. ZweEngel (in Basrelief) ſchwingedie Weihrauchfäſſer um ditodt daliegenden Biſchöfe. Dieiſt mit einer gewiſſen künſtleriſchen Vollendung gemacht 57 29 [24In der ganzen Kirche, zumaan desen Außenwänden des hoheChores (ſo daß man es voChorumgang aus geſieht) befindeſich Holzſchnitzereien. Einen bedeutenden Eindruck machte aumich die Darſtellung, eben iHolz, des Lebens des heiligenFirmi, des Schutzpatrons deDioceſe Amiens, nicht dieſerKirch. Auch der Uneingeweihtlieſt hier ſeine Geſchichte von deWand ab; ſo realiſtiſch alles undoch getragen durch eine Ideedeshalb nie proſaiſch wirkendDieſe Holzſchnitzereien ſtehewie unter einer gothiſchen Arkaddie ſelbſt einen Theil des Geſammtkunſtwerkes bildet. Dieſe Arkadeein gothiſcher Flachbau wenn mawill, ſtelltzeigt nun ganz di 5Ornamentik der Kirchejener Epoche (alſo des 15Jahrhunderts) wo dies Werk geſchnitzt wurde. Die gothiſchDecke dieſer SArkade, weigeſchützt vor Licht und Berührungiſt vollſtändig, auch in der Farbeerhalten geblieben und maſieht: die Deckenfelder wareblau mit goldenen Sternchen, die Ribben und Gurtroth und die Canellirungsliniegold. Es wirkt reich unſchön. (Ueber Saint Firmibei Wangenheims nachleſen)
Eine beſondre Schönheit deKirche iſt hinteran der Rückſeitdes Hochaltars das Grabmalin Marmor des Canonicus LucaEr kniet und betet zu eineMaria mit dem Kinde; zwiſche 59      [25ihm und der Maria ein 3kleiner,(amorinhafter) trauerndeGenius, der den einen Arauf einen Schädel, den andreauf ein Stundenglas ſtütztAlles in Marmor. Di3 Theile (vielleicht weireſtaurirt) ſcheinen miganz verſchiednen Epocheanzugehören, oder, wendies nicht der Fall iſt, eineEpoche der Kunſt, wman Weltliches nocſehr wohl darſtellen konnt(oder erſt recht) aber füdas Kirchliche jeden Sinverloren hatte, alſo etwAnfang des vorigen Jahrhunderts oder Ende des 17.. Der betendCanonicus iſt ausgezeichnet 6(als eine Art Portraitſtatueetwa wie der alte Sparrin der Marienkirch); de„trauernde Genius“ iſt iſeiner Art noch ausgezeichneter; die Jungfrau midem Kinde iſt ganz ſchwachDer „trauernde Genius“ gilfür ein chef d’oeuvre, undas iſt er; aber ein verſtändiger Sinn, der auEnſemble dringt, kann ihan dieſer Stelle nicht gutheißen. Er iſt völlig malplacirt. Es iſt das plötzliche ſich etabliren einegriechiſchen Schönheitswelzwiſchen einem mittelalterlickorrekten Canonicus uneiner Roccoco⸗Madonna 61      [26Dieſer „trauernde Genius“ iſt 3ein Amorin; ers iſt Amoder ſchmollt, weil ihBogen und Köcher genommewurde, oder Amor deeine Biene geſtochen hatEs iſt Thorwaldſen, dehier faſt 100 Jahre vor ſeineGeburt ſich zeigt und etwaſchafft, das einzeln entzücktals Theil des Ganzen abenicht paßt
Die „Kapelle der Hor-tillons nicht an dieſeStelle beſprechen, ſonderbei Charakteriſirung Amienſelbſt. Hier muß ich nämlich auf die Hortillonein beſondres Gewicht legenſie ſind die Specialität vo 6Amiens. SDie Sommwar hier entweder immeſpreewaldartig, oder ſie habeſie ſich, durch Canal⸗zieheen detail, ſpreewaldartizurecht gemacht. Jeder hanun eine reizende, fruchtbareſtrauchumſchloſſene, Gartenhaugeſchmückte Garten⸗Inſeldie ſeine Freude und ſeiVermögen iſt; hier werdedie feinſten Gemüſe gezogeetc. Dieſe Hortillonhaben nun auch noch einbeſondre Kapelle, drin debyzantiniſche Chriſtus in Goldhängt. Hier ſtehen immeBlumen, hier brennen immeVotivkerzen, hier ſind immeBeter, die die Hilfe des Herr 63      32 [27für ihren chineſiſchen Garteanrufen, und er hilfihnen. Ich ſah eine Mutter(ſchlichte Frau) mit ihre9 jährigen Töchterchen vodem Gitter ſtehn unandächtig durch das offnThor hineinſchaun und betenein reizendes Bild

Parallele zwischen
StReims, St Denis, AmienVon dieſen dreien iſt St Denials Stadt die weitaus unbedeutendſte; ſie iſt halb einArt Armenviertel das ſicum eine berühmte Kirche angeklebt hat, halb eine vorgeſchobene Pariſer Vorſtadt, wiBellville, oder Montmartre, ode 6La Vilette. Die Straßen engſchmutzig, von Architektur keinRede, nicht mal das Pittoreſkdes Drecks. Die Boulevard(langweilig) kommen nicht iBetracht; alles iſt Cathedralund Maison imperiale
Reims iſt ungleich bedeutender, hübſcher, reicher; jeneiſt Faubourg, x---xAppendix, x---xodevorgeſchobener Poſten eineRieſen⸗Hauptſtadt, dieſes iſſelber eine Hauptſtadt, wenauch nur einer Provinz. DasNeunzehntel alles Intereſſes fällt auchier der Kathedrale zu, eine bemerkenswerthe Architektur fehlt unwas von Stattlichkeit da iſt (wider Place royal mit Louis XViſt weder bedeutend noch eigenartig; dennoch wirkt das Ganz 65      33 [28gut, angenehm, was man voSt Denis nicht ſagen kann
Amiens, an Bedeutung hinteReims etwas zurückſtehendiſt ihm doch als Stadtbilüberlegen. Es iſt viel maleriſcher gelegen und ſteigvon ſeiner Citadelle zur Stadin einer Schräglinie nieder wiEdinburg, dabei in Architektufreilich mehr an Brüſſel erinnerndMan kann ſagen, es iſt eiein eine Schräglinie gebrachtes odean einen ſanften Abhang gelehnteReims, woraus ſich von ſelbſſeine maleriſchen Vorzüge ergeben; auch die Somme und diſie begleitenden Kanäle tragedas ihre dazu be
Zwiſchen den drei Kathe-drale zu vergleichen, iſ 6ſehr ſchwer. In Bezug augroßes Portal und Front⸗Façadüberhaupt ſteht Amiens wohzurück; St Denis (ſpeziell diPortale etcet cetera) iſt älter, nocromaniſch, Reims iſt reicherwohl auch ſchöner; an hiſtoriſcheSchätzen iſt St Denis unerreicht, dann folgt wohl Amiensdann erſt Reims; in Bezuauf die Thürme rangirt Reimzuerſt, trotz meiner kleinen BedenkenAmiens hat nur towers bis zuDachfirſt, St Denis Thurm iſhäßlich; an hiſtoriſchen Erinnerungekommt erſt St Denis, dann Reimsdann Amiens, aber Amienhat in ſeiner ganzen Erſcheinung etwaEinheitliches (wenn es aucnicht überall der höchſten Schönheientſpricht) das St Denis gewi 6nicht hat und Reims doch kauin dem Grade. 34 [29

Mittwoch d.
dender
26.
April

Früh auf. Rechnung bezahlt83 Francs, wenigſtens 2Francs zu viel, mais celne fait rien. Um erſchien der General und brachtmir einen Empfehlungsbrienach Dieppe. Um 10 auden Bahnhof. Abfahrt 1Uhr. Ankunft in Rouegegen 4. In vieStunden, von 4 bis alles abgemacht; abePferdearbeit
Erſt Eglise Maclou (?dann St Ouen, dann clock-towe 6, dann Palaisde Justic, dann da„Hôtel“ mit dem räthſelvollen Namen, dann diStatue Napoleons I, dander SJeanne d’Arc, dandie Cathedrale, dann Boil⸗die (es iſt hart für diweiße Dame ſo ſchwarangeſtrichen zu werden)dann Bozencourt, KircheKirchhof, Blick, dann zurückdann die Cafés am Quaidann Corneille auf deBrücke (Inſelpfeiler) dander Rundthurm, (wie zSalzwedel der Gasthurmdrin die Jungfrau gefange 69      [30ſaß, dann „à la garede Diepp.“ 3
Die Stadt iſt entzückendganz Reſidenz, an vieleanklingend und doch ſelbſtſtändig. Ihre koſtbarLage ſieht man am beſtevon Bosencourt Bonsécourts. DiSeine, von Bergen zu beideSeiten eingefaßt, bildeein breites, herrliches Wieſenthal. An einer Stellwird die Hügeleinfaſſundieſes Thals von eineQuermulde, einem Querthal, durchbrochen unan der Stelle wdies Querthal in da 7Hauptthal einmündetliegt Rouen, miſeinem Fuß an deSeine und von dieſean aufan verſchiednen Hügeloder Bergwänden anſteigenddie ohnehin maleriſchMaſſe, überall von gothiſchen Thürmen, die ebeallden ſpecifiſch⸗normanniſcheStempel tragen, durch-untebrochen
Der Fuß der Stadtdie Parthie an der Seineiſt entzückend. Hier habewir den breiten Fluß-qua, den alle Hanſaſtädtvon Danzig bis Antwerpe 71      [31aufweiſen, man könnte 3ſich hier und dort nacStettin verſetzt glaubeoder Roſtock, wenn maes zugleich verſtünde didoch meiſt inferiore Giebelwelt jener Städte in hoheelegante Flachdach⸗Bautezu transponiren, die überalan Paris, an Nancy, aBrüſſel erinnern
Hier iſt das reizendſteeleganteſte Leben, in deſich die Zauber von Quaund Boulevard vereinigenDie verſchnittenen Lindenbäume, die breiteTrottoirs, die Cafés, di 7glänzenden Verkaufslädendie newspaper dealerdesdie Boeleganten Fuhrwerkdes Boulevard-Lebens unzugleich doch die Schiffedie piers, die Anlagendie Waſſer Treppen, die Dampferdie Theerjacken, und ſelbſder Theergeruch des Quai
Halb Paris, halb Ant-werpe – dies wärvielleicht das richtigſtund doch kommt noch eiandres hinzu, ein drittesdas doch den vollſteZauber leiht, ein engliſcheElement, das aber vielleichnicht von England entlehn 73      [32wurde, ſondern daßdas hieoriginirt, das hier 3urſprünglich zu Hauſe wardas Normanniſche. In dealten Kirchen iſt dieunzweifelhaft der Fallin Maclou, St Ouen, deCathedrale, in dem Rundthurdrin die Jeanne d’Arſaß. Dieſer iſt ganz wider Eltervater des roundtowe zu Windſor; iUebrigen wie ein moderneGasthurm; dabei kein Fenſternur ein einziges, wie einKanonenluke groß, ſichtbarDie Fortſetzung ſieh5 Blätter weiterhinter Dieppe. 7
Lageplan; Villa DumasVillaDumasPuys (heute: Ortsteil von Dieppe)Villa Dumas in Puys. Weg nach DieppDorfſchluchPuyStran
    a. Stallgebäude. Wagenremiſeb. die 3 Giebel. A. Dumasc. neue Villa eines Engländerd. Privathaus
Das Ganzſehr aHeringsdorerinnernd. Auczu Beginn der Schlucheinzelne LandhäuſerKleid und einemodernen hübſcheMantel von rothkarirteſchottiſcheStoff 75      38 [33Das Haus iſt in rothem Backſtein gebaut, mit gelber Eckeneinfaſſung. Die Dächer von SchieferDas Ganze ſtattlich, ziemlich windgſchützt, Blick in die Landſchaft unBlick aufs Meer. Dennoch machdas Ganze mehr einen wohlhabenden als einen künſtleriſcheoder poetiſchen Eindruck. Es fehlWald, Gartenanlage, Blumen, Rankengewächſe, wilder Wein, HühnerhofPfauen etc. So iſt das Ganzdoch eigentlich ſteif und langweiliund architektoniſch auch nicht viewerth. Im Innern vielleicht reizend

Man muß bei Dieppeinen eigentlichen uneinen faſhionablen Theiunterſcheiden, einen Theifür die Fremden und eineTheil für die Bewohner, eineVielleicht 1000 Schritt mehr nach Dieppe zu, begegnete mir ein Paar, daauf dieſe Villa zuſchritt; ich glaube, es war A.Alexandre Dumas uund Frau. Er, dem Altenetwas ähnlich, ſtark verdünnter Mohrenkopf, ſtattliche Figur, die Allüreeines Officiers in Civil; ſie, nicht ſchön, aber ſehr pikant, in dunkelviolette 7 Theil der Hôtels und eineTheil der Häuſer
Dieſer letztre liegt weitezurück. Er hat den Binnen-hafe, in den die Schiffe mider Fluth einlaufen, dePlatz an der Kathedrale mider Statue des Du Quesnund die Cathedrale ſelbſt. Hieim Innern ſind auch die Cafèsdie Läden, die Librairiesdie Elfenbeinſchnitzerei⸗GeſchäfteDu Quesne iſt friſch, fröhlichfrei, ein bischen Lord ByroAttitude, aber hübſch, frankſeemänniſch⸗poetiſch und inſofern die Lord Byron Attituderlaubt; ein ſchönes nobleProfil, dazu die entzückendTracht Karls II. und Jacobs II 77      [34Frank und frei, aber nichtheatraliſch; inſofern der Corneille-Statue 3 auf der Brücke iRouen vorzuziehen, dieben etwas Thetatraliſches hat. Die Kathedrale iſt entzückendMan kommt aus der Bewunderung nicht heraus und zuletzt hörman eben auf zu bewundernMan ſagt ſich: wie jeder heutigDurchſchnitts-Architekt eineViadukt, eine Bahnhofs⸗Halleeinen Tunnel, eine Sömmering⸗Bah bauen kann, ſo konntedie Durchſchnitts-Leute von damalgothiſche Dome baun. Es lain der Zeit. Es war ModeDas Rezept war da. Mawußte „how to do“. DaRezept iſt uns verloren gegangen 7die Tradition iſt unterbrochen; aber es iſt nichanders, wie etwa daß widen ſatten, vollen Ton deGlasfenſter nichdt mehr herauskriegen oder nicht mehin Holz oder Stein ſchnitzewie Veit (?) in Ulm Augs-bur oder Hans Brüggemann odeGéubichon (??) in Amienoder Rouen. Man muß ſicdarüber nicht überſchlagenwie man anfangs geneigt iſzu thun; erſt die ungeheurFülle der Erſcheinungen macheinen wieder ruhiger. So nun auch hier in DieppeWer erwartet hier etwain der Kirche. Und doch iſſie nicht nur ſchön wie alle 79      [35ſondern geſellt auch einmanches Eigenartiges zum Schönen. DiKapelle, zu beiden Seiten der Seiten- 4ſchiffe, ſind durch gothiſche Steinſchirme abgeſchieden, ſo davöllige stalls entſtehn; allPfeiler tragen auf ihrebreiten Flächen Bilder; diKnotenpunkte der Kappen unGurte alſo win Henry VII Chapel diTromben ſitzen, ſind voganz eigenthümlicher, höchſpittoreſker Conſtruktion unman freut ſich daß diLeute unbefangen warennoch machten waſie wollten, ohne ſich deKopf darüber zu zerbrechenwas ein Oberbaurath oder meinCollege Ludwig Pietſc 8 idieſer Zeitung darüber ſagewird. – Das Schönſte waich hier erlebte war abeein Zufälliges. Ueber deOrgelchor iſt eimn großeRundfenſter (mullion) ibuntem Glaſe. Vor dieſeſtand die Sonne und je nachdeſie nun in ihrem Fortſchreitedie blauen, rothen oder grüneGläſer traf, goß ſie übeeinzelne Pfeiler und beſonderüber die Kanzel ein wunderbares, immer wechſelndeLicht aus. Es war alwürde die Kirche abwechſelnin allen Farben bengaliſcbeleuchtet. Gradezu zauberhaft 81      41 [36
Dies iſt das alte, das eigentliche Dieppe, das Dieppe deDiepper. Das Dieppe poules etrangers, pour les Anglai„for the foreigners“, bildeeine Art Deckblatt deUebrigen; eine angeklebtelegante Front. Zwiſchezwei Kreideklippen, divielleicht 2000 Schritt voeinander entfernt liegezieht ſich eine Hôtel⸗Straßevor dieſer eine Wieſe miKiesgängen, vor dieſer daMeer. Auf dieſem, ider grünen Farbe des KanalsBoote und Steamer alleArt. Das Ganze entzückendAuf der Wieſe ſpieltedie Muſik der 40 er. Di 840 er ein glänzendes RegimentJeder Mann trägt die Signatur: ich bin von den 40ernSie müſſen aber auch ſchovorher gut ausgeſucht geweſeſein. Sie zeigen, Mann füMann, eine militairiſche HaltungEnergie, und Füſilir⸗Keckheitdie man ſelbſt bei der Gardund dem Gardefüſilir-Regimentan das ſie erinnern, iſolcher Durchſchnittshöhe nichfindet. Eine Elite⸗Truppe
Bei Tiſch die Begegnunmit dem ſächſiſchen Offiziermit dem bairiſchen Chevauxleger, und mit dem ArztCorps aus Königsberg und ihreDamen
Briefe zur Poſt. Spatziergang am Strande. In da 83  [37Café de Rouen. Dannoch in eine zweite 4Kirche, vielleicht die ältreweil das große Schiff bizum Transept nocauf ſchweren normanniſcheSäulen (wie Tower unWaltham Abbey) ruhtauf die erſt – auch wiin Waltham – der gothiſchSpitzbogen ſpäter aufgeſetzt worden iſt. Sonſſchien mir dieſe Kirche nichtbeſonders Schönes oder Bemerkenswerthes zu enthalten
Um 7 1/2 zum Bahnhof. KeiZug nach Amiens, nur nacRouen; alſo wieder in meiHôtel royal zurück. Ich ſchreibdies und draußen ſchäumt und brauſt diSee. Entzückend8Siehe 5 Blätteweiter vor;. Fortſetzung von Rouen.
Dieſe Kirchen in deNormandie, beſonders die dreiin Roue, aber auch dizwei in Dieppe, haben eineganz beſondren Zauber und icbin noch nicht recht dahintegekommen woran es liegtIch will es verſuchen. DiPfeilerbündel, der ganze Aufbau, wirkt ſchlanker, maſtenartiger, palmenwaldartigeund dadurch graziöſer und phantaſtiſcher wie die Cathedralenin St Denis, Reims, TAmienFerner ſind die Seitenſchiffenach meiner Meinung, erheblich ſchma 85      [38ler, was den Eindruck deGraziöſen ſehr ſteigert; drittens 4(und vielleicht hauptſächlichſt) ſindie Seitenſchiffe alle derargebaut, daß durch das Querſchiff die Geſammt⸗Pfeiler Avenue nicht unterbrochen wirdIn den 3 großen Kathedraletheilt ſich auch die Avenudes Seitenſchiffs in 3 Theileman ſieht bis zum Querſchiffdann das Querſchiff, danvom Querſchiff in den Chorumgang hinein, der häufinoch dazu nach hintezu eine Fläche ſtateinesr Curve, eines Kreisabſchnittes zeigt. Dadurch geh 8die Geſammtwirkung dieſeſchönen Avenuen verloreneine Wirkung, die durcdie Schneidungen, die iFolge der Curvenſtellunder RäumePfeiler am Chor odeChorumgang entſtehn, nocerheblich geſteigert wird. Graddies aus der Curve alpoint de vue maleriſcherausgeſchnittene Pfeilerund Spitzbogenſtück, wirkjedesmal bezaubernd. Icglaube, daß ich in dieſeDingen richtig geſehhabe, und daß es nichblos daran liegt, ob diSeitenſchiffe und das betreffend 87   [39Stück des Mittelſchiffs mehoder weniger mit Monumenten 4vollgeſtopft ſind; denbeiſpielsweiſe Reims unAmiens haben an dieſeStelle gar keine Monumentdie die Geſammt⸗Vue unterbrechen könnten
Die Jungfrau (La Pucellewurde erſt – Nähres weivielleicht General v. Strubberg in einem alten Schloß beiSt Valer (bei Abbevillegefangen gehalten; dankam ſie nach Rouen iden Rundthurm; auf deWege zum Richtplatz betetſie in St Ouen; auf dePlace de la Pucelle (??) wurd 8ſie verbrannt. Dort ſtehdie ſchlechte Statue, auf einePoſtament, das die Form eineausgeſchweiften Dreiecks hatSie ſelber ſieht aus wie diMagdalenen und mitunter aucdie Marien ausſehen auAltarbildern aus dem Anfandes vorigen Jahrhunderts. Dociſt dieſer Ausdruck relativ mäßig und decent. Bedeutungsvollerweiſe iſt ihr die rechte Hanbis zum Knöchel und der Grifdes Schwertes abgebrochen
Neben den Pucelle⸗Erinnrungeſind es Guillaume-Le-Con-queran⸗Erinnerungen, diRouen auszeichnen 89      45 [50
Bei St Valery (Abbevilleiſt die Stelle, wo er ſich einſchiffte, um drüben bei Peven-se zu landen. In der Cathe-dral (?) ließ er den Haralſchwören, auf die KronEdwards the confessor zu verzichten; beigeſetzt iſt er iCaen. Es ſcheint, daß diNormannenkönige alle nocin Frankreich ruhn. In deCathedrale befindet ſich ferneder Grabſtein, mit ſeinem Stein-bilde darauf, von RichardLöwenher, neuerdings reſtaurirt; als Pendant (modenern)das alte wahrſcheinlich zerſtörtdas Grabdenkmal ſe von RichardsBrude, ich glaube..... Maurice 9Hiermit, ſo ſcheint es aberſchließen, die Normannen⸗Souvenirs ab. Es iſt zu langher. Ueberall (mit Ausnahmvon Charlemagne in Aachen etcet ceteraſind die Souvenirs aus deJahre 1000 gering
Die Kathedrale hat abenoch andre hiſtoriſche Erinnerungennamentlich zwei wunderſchönGrabdenkmäle
  • 1. Les deux CardinauxAmbois (oncle & neveu
  • 2. Le monument du....
der der Gemahl der ſchöneDiane von Poitiers, GeliebteFranz I (?) oder Heinrichs II. (?war. Als ſie ſeine Gattiwar, war ſie ſtrammweg di 91      [41Geliebte des Königs. Dahindert nicht daran, daß ſie hier 4in Stein höchſt ehrſam trauertDas Monument iſt vorzüglichAuf dem Sarkophage liegder Marquis de Brèze (ſähnlich) todt; oben auf ſitzer in Ritterrüſtung auf einegerüſteten Pferde und turnirmit eingelegter Lanze, odereitet zur Schlacht. Nebedem Todten ſteht links ditrauernde Diane, rechtder Bruder oder der Vatedes Marquis. Das Ganze ſeheigenthümlich und ſehr ſchön. Diſchöne Diane erſcheint aleine anſehnliche Frau, aber nichſehr hübſch; der Kopf in eine 9Art Trauerkaputze ſteckendSeltſam alle ſchönen Weiberdie uns hiſtoriſch als entzückenund verführeriſch überliefert werdenſind in ihren Bildern meiſnur Durchſchnitts⸗SchönheitenSo beiſpielsweiſe: Anna BulenDiane von Poitiers, NellGwyn, die Lichtenau, ſelbſt Maria StuartBei dieſer letztern muß maübrigens einräumen, daß – auden wenigen ächten Bildern – eiganz eigentümlicher Zauber uſie her iſt, den man nicherſt hineinzutragen braucht. Dieinzige wirklich ſchöne Frau, wſich Ueberliefrung und Bild deckeniſt die Königin Luiſe
Auf dem andern, nochviel größeren Denkma kniee 93      47 [42und beten die Cardinäle iLebensgröße. Ich glaube es iſdies daſſelbe Denkmal, wdie kleinen Frauenköpfe (iKaputzenumrahmung) voll Schönheit und entzückendem Ausdruck angebracht ſind
Oben, hoch an der Deckehängen mit ihren goldneQuaſten die Cardinalshütder Cardinäle..... undCambacère, der beiden zuletzgeſtorbnen. Zwei ſind immeoben; ſtirbt nun ein dritterſo muß jener erſte hinaus under Hut des neu⸗verſtorbenen wird aufgehißt
Das Palais de Justicevon dem ſo viel gemachwird, kann ſich mit de 9Rathhäuſern in Brabant unFlandern gar nicht vergleichenEs iſt doch nur eine gedrücktGothik, die hier und dort Roccocohafte, jedenfalls keine beſonderedlen Formen annimmt; an deFenſtern zeigt ſich die Tudorform. Die verſchiednen Sitzungsſäle ſind ziemlich langweilig und leiſteetwa daſſelbe wie das BerlinerRathhau. Intreſſant und ſchöiſt die Holzdecke eines großeSaales, der roth und mit goldnen Bienegeſchmückt iſt. Es ſind ſechseckige Figuren angebracht, diſo nebeneinanderſtehn, daß die Zwiſchenräume (vertieft) auch ein Sechseck bilden aber ein unregelmäßiges. Intreſſant iſnoch das kleine Zimmer imRundthur 9, was zu ZeiteLouis XII. und ich glaube [43auch Franz I. Berathungszimmer 4für den Staatsrath (??) warBedeutend iſt la salle Ddesprocureur, eine koloſſalHalle, die nicht wenig adie Weſtminſter⸗Halle erinnertein einfaches, aus Eichenſchindeln getäfeltes Dach (Deckedie Wände ſelbſt wenig ornamentirt, an der einen Schmalwand eine große Statue desCorneill
Das Hotel de Ville iſganz unbedeutend; deſto intreſſanteder clock-tower, der zugleicein Straßenportal bildet wiTempel-Bar in LondonAAn dieſem Portal iſt diedi 9Uhr. Die Hauptſache abeiſt die Hautrelief-Arbeitich glaube in Sandſtein, diden Innenbogen ſchmücktEs gehört dazu eine lateiniſchInſchrift, die etwa lautet: Animam suam donavit ovibusuis. Es iſt eine großHirtengeſtalt mit dem Hirtenſtab, dazu Landſchaft und weidende Schafe. Es ſcheint miChriſtus mit ſeiner Herde zu ſeinHier aber heißt es: es ſedie Perſonifikation von Roue(berühmt durch ſeine SchafzuchtWolle etcet cetera) und wolle nichtweiter ſein. Dies glaub icnicht. Jedenfalls iſt es dandoppelſinnig gemeint 97      49 [44
Sehr intreſſant iſt das Hôtelde Bourgtherould miſeinen ſeltſamen, nur nochalberkennbaren SandſteinReliefs, von denen diobre Reihe der bibliſcheGeſchichte, die untre der Geſchichte Heinrichs VIII. und Franz anzugehören ſcheint. DaGanze maleriſch, abenteuerlich
Die Corneille-Statue auder Brücke iſt eine gutArbeit, nur in der Haltung eiwenig zu theatraliſch; degroße, gedankenhafte Dichtetritt einem doch nichgenugſam entgegen
Bliebe noch übrider Hügel und die Kirchevon Bonsecour 9. Mafährt einen Schlängelweg hinau(wohl 60 oder 80 junge Clerikerangehnde Geiſtliche von 20–2Jahren, begegneten mir) durceine Art Vorſtadt
Oben hat man allerdingeine entzückende Ausſicht: dabreite, fruchtbar Seine⸗Thalder Fluß mit ſeinen Inſelin und außerhalb der Stadtdie Berge hüben und drübendie maleriſch an den Hängeund an der Mündung der Querſchlucht gelegenStadt, – die Schönheit, diEigenthümlichkeit, der Reichthudieſes Stücks Erde erſchließſich hier auf einen Blick. Eiſt eine Hauptſtadt, und die Bedingungen dazu wurden von de 99      [45Natur reichlich gegebenSehenswerth wie der Blick 5von hier oben iſt die Kirchevon Bonsecour; vielleicht iſſie’s ſelbſt mehr, als der BlickDenn „ſchöne Blicke“ giebt eüberall; dieſe Kirche iſt abermeines Wiſſens, ein UnicumZunächſt iſt ſie eine moderngothiſche Muſterkirche, etwwie die Aukirche in Münchenum zu zeigen: wir könnedas auch noch. Vielleichaber exiſtirt keine Kirchenach meiner Kenntniß gewinicht, wo man die Polychromie ſo durchgeführt hawie hier; man kann ſagees abondirt alles in ſatteFarbe, es ſchwimmt, es trief10davon. Ob dies das Höchſtiſt, mag dahingeſtellt bleibenMir ſcheint es zu viel. Mahat nicht Maaß gehalten. Einvöllige Dämmrung herrſcht ider Kirche bei hellem TageAlle Fenſter haben tiefe, ſattFarben und ſo das ganzInnre. Die Decke iſt blamit Sternen; die Gurte unCannelirungen roth mit Gol(nach dem Vorbilde in Amienwovon ich dort geſprochen)die Pfeiler ſind von eineFarbe die ich vergeſſen habeich glaube rothbraun, und andi4 Säulenſtäbe an dieſePfeilern ſind roth, blaugrün; alles mit Gold über 101    51 [46laden. Es iſt völlig mauriſch; wer jemals in dimauriſche Kuppel im AlhambraHofe zu Sydenlaa eingetreteiſt, wird wenn er Bonse-cour ſieht, durch die Aehnlichkeit überraſcht werdendort Hufeiſen⸗Bogen, hieSpitzbogen – c’est ldifference. Wenn madie in einem wunderſchönegrauen Ton gehaltenen Kirchenvon Roue aber geſehen hatſollte man doch meineneine Kirche könnte dieſes Farbenſchmucks entrathen, ſollte esdie bunten Glasfenſter, für diich unbedingt bin, undthuen nach defarblichen Seite hin genug; ſcho 10die blauen Decken miGoldſternchen thuen des Gutezuviel, denn hat maerſt angefangen, wo wilman aufhören
Von beſondrer Schönheit (dieſei noch nachträglich bemerktiſt die große Façade der Cathe-drale zu Roue; vielleichwar ſie urſprünglich beſcheidneintendirt, aber dadurch daß dizwei großen flankirendenThürm, darunter la tour du boeuf an die vielleichſchon fertige Kirche heranrückten, entſtand einFacade von unverhältnißmäßiger Breite und entſprechender Mächtigkeit 10Freitag d.dender 28. April. [47In Dieppe früh auf. Ge- 5frühſtückt. Eine Stunde miHptm: Hauptmann Lengerich geplaudertUm 10 à la gare. Langweilige, beinah 8 ſtündigFahrt über Rouen nach A⸗mien zurück. Zum Generalv. Strubber. Abſchied. Zu Generalv. Ruvill. Die Scene mit de28 er. Wo wohnt General v. R.RuvilleAh, dat iſ en Franzos. Nein. Daweet ich nich. Aber Sie werdedoch Ihre Generale kennen. WiſſeSe et ſind ſozu viele. Da iſ erſGeneral v. Goeben, Excellenz, General v. KummerExcellenz, Brigadegeneral v. Strubberg ne, lieber Herre, et ſind zu vieleDamit trennten wir uns
Ich fand ihn nun aber noch. Naheine Karte, ſchrieb einige Zeilen un 10bei dieſer Gelegenheit lieich dies Notizbuch liegen. ZHauſe kleiner Schreck. Die Leſedieſer Ztg wären wenigſtens udieſe Briefe gekommen. Ich dachtan Dieppe. Endlich fiel mirein. Alſo hin. Ich fand eineGefreiten, der bei der Lampe las und erkanntmein kleines Buch. Er entſchuldigtſich in einer ſehr angenehmeWeiſe, verbindlich aber nichüberſchwenglich, und ſo etwa ſodaß er es vor ſeinem Gewiſſewohl verantworten könne, wenauch nicht vor ſeinem Anſtandsgefühl. Das Ganze machte eerſt netten Eineäußr Ich verſichertihm, daß ich das Ganze als eigutes Omen anſähe, daß ſich ſchojetzt ein Leſer gefunden habeVielleicht hab ich ſeine Haltung auch überſchätzt.Er trug eine Brille. War alſvielleicht das gebildetſteſte waman in Preußen ſein kann, eiReferendarius. – Früh zu Bett. Endlic 105      [48mal feſt und gut geſchlafenSonnabend d.dender 29. April. 5Früh auf. Fahrſchein voGeneral v. Ruville erhaltenEtappen⸗Flegeleien. Ich lobmir die Franzoſen. Der Deutſche iſt mitunter fein; voNatur iſt er ein Ochſe. BeiBanquier Geld gewechſeltNach dem Platz hinterm Doum „Pierre, l’Eremite“ zſehn. Dieſe Statue ſtzählt zden beßren. Er iſt aufgefaßt als ein predigenund rufend durch die LandSchreitender. Die Linke liegauf der Bruſt; in der Rechtehält er das Cruzifix emporman zſieht, er predigt, eruft, und ſchreitet weiter. Dies ╒ ſiehe 3 Blätter weiter. 10
Lageplan; CitadelleCitadelleHam (Somme)Zitadelle von Ham. Lageplan; CitadelleCitadelleHam (Somme)Zitadelle von Ham. GroßeRundthurWallWaſſerDoſſirungGarten aFuße der DoſſirungX----

Dieſe 3 Fenſtean der Eckwaren ſeineigentlichesZimme. 1 Trepphoch. UnteEibenbaumTanne die egepflanzt; Fliedergebüſch und Beetdaneben undavor 106 Mann Wache; vorn 30 Mann; 2 Mann voſeiner Thür. Dr Conneau. Badinguet. Dibeſtändigen Gefahre
10Logement del’Empereu
Nach dem Hofe zu daZimmer mit zerriſſneTapete, Kamin, PaneelPlace de la BibliothequeNach Garten und Rundthurzu: Schlafzimmer1 fenſtrig; eiſerner OfeTable de ToilettePlace de lit

Andre Seite: 3.) Wohn-zimme gerade die Ecke. 4. 109      55 [50Zimmer nach dem Hofe. AucWohnzimmer. Alles miGitterſtäben
Gebäudegrundriss; Napoleon-HausNapoleon-HausHam (Somme)Napoleon-Haus in der Zitadelle von Ham. WohnSchlaf-ArbeitunBibliotheWohnzimmeCorridoSchlafCorridorSpeiſezimme ╒ mit Ofen und zwei Wandſchränken. Un- tapeziert. Küche
11
Nachruf von unſrem x---Füſilier Kameraden ThomasRoggendorff, Füſilides 9. Corps 65. RgmtRegimenwelcher am 23. Dzeb.Dezembe1870 in der Schlacht beiSt (?) Querieu durchgetroffen von durch 2Schüſſe durch die Bruſt audem Felde der Ehre fiel
Gemeldet von ſeineihn nie vergeſſenden Cameradedes 9. Corps. 5. Rhein-Inf Regits No 65Oben drüber ein Grab, aGrabe ein Füſilier, vodem Grabe eine Cypreſſe, hintedem Füſilir im Buſch111      [51
Wie wenn der Sturm aus 5Aeols Höhle fährt
Und heulend Staub in finſtrWirbel dreh
Dem Himmel ſchwärzt, dem Sonnenſtrahl es wehr
Die grüne Flur mit Steiund Kies beſä
So tobt der Feind. So wüthenfäüllt ſein Hee
Die Luft mit Dampf, difFelder mit Gewehr
Und das Land aus tauſenehernen Röhre
Läßt ſich weh⸗ untrauerbringend hören
11
Der ſchele Neid trieübermüthge Schaare
Aus Nord und Süd heraus
Und ſchickt des ferneAfrikas Barbare
Um uns zu x---x aus
Doch des kecken feindwilde Fluthe
Hemmt Wilhelm durch ſeineHeeres ſtarken Ar
Zerſtoben iſt wie Spreder wilden Horden Schwar
Und muß jetzt aus BaucheWunden bluten.
Auch Du biſt nicht mehr etc
Der 65 er Leutnant in der Ruine zuBove heißt Walker 11(Siehe 3 Blätter weiter vor) [52iſt gut gedacht und gut 5ausgeführt; aber der Kopiſt verfehlt. Er iſt flachohne tiefre, ſelbſt ohne jedleidlich charakteriſtiſche AuffaſſungDies iſt der herkömmliche, anſtändige Apoſtelkopf, aber eiſt nicht Peter der Eremitvon Asceſe, Fanatismus, keinSpur, und inſoweit iſt diArbeit verfehlt
Etwa um 11 Abfahrnach Ham. Ankunfetwa 1 Uhr. In die StadtDas herkömmliche Drecklocaller Länder. Ins Hôtel deFranc. Hier traf ich, als Vorſitzenden ſeiner TafelrundeMajor v. Bastineller vom 65., Commandanten von Ham. Ich überreicht 11mein Empfehlungsſchreiben unnahm Platz. Angenehm geplaudert; Küche mäßig. Geſchichtvom Oberſten v. Krohn. DiQuaſtſche Geſchichte iſt ſo: IDorf oder Stadt kommt es vor, daein Preuße erſchoſſen wird. Eläßt die Notablen zuſammentrommelnda der Thäter nicht zu ermitteliſt. „Wählt 3 aus, die ich erſchießen laſſe; wo nicht, ihr alle“Die 3 werden ausgewählt und müſſeſich ihr Grab graben. Nun lawerden die andern gezwungen, audem Bauch liegend, und mit erhobenem Kopfe, Zuſchauer deFuſillade zu ſein. Furchtbar! Eiandermal ſieht er einen Blaukittein einem FWalde. Natürlich Franctireur. Ohne Weitres Jaggemacht. Der biedre 24er pirſchden Blaukittel, man ſchießt ihn nieder 11Als die andern des Weges [53kommen, ſitzt der 10jährige Knabe 5des Blaukittels wieinend an deLeiche des Vaters. Sie waren iden Wald gegangen, um Reiſizu ſuchen. Solche Dinge haer zahllos geleiſtet. Einfacverrückt
Um 2 1/2 mit dem Major idie Citadelle. Alter Bau; diRundthürme aus Quadern ſehalt, dann mittelalterlich miBackſteinmauern befeſtigt, dandurch Vauban corrigirt. Füjetzige Verhältniſſe eine Nulldie denr angrenliegenden Stadt immenur Verlegenheiten ſchafft
Es iſt im Weſentlichen eiHäuſer⸗Viereck, mit Wall, GrabenZugbrücke, Portal. An dreEcken befinden ſich alte Rundthürme; andre, neure Thuürme, di 11nur Ornament ſind, überragehier und da den Bau. Ider Mitte des Hofes ſteht einFreiheitslinde, nicht wie diunſrigen 1813, ſondern 179gepflanzt und zwar durch eineDeputirten (wahrscheinlich des
betreffenden
betr.
Departements). Der Hinterflügebeſteht aus zwei Häuſern. Daeine davon iſt das Napoleon-Hauswo er 1838 (?) gefangeſaß. Unten Wache von 6 Mann2 Mann auf dem obren Flur. 3Mann vorn im großen Wachlokal des Portals. Im Ganzen iden Kaſernenräumen 500 Manndennoch kam er frei. Ehatte hier eine Liebſchaft mit eineHammenſerin, die der jetzigeErzbiſchof von Pari, damalGeiſtlicher zu Ham, eingeleiteund protegirt haben ſoll. Es gieb 117      59 [542 Söhne aus dieſer Liaiſon. Eineiſt Generalkonſul. Sie führen deNamen der Mutter. Er arbeitethier bekanntlich viel. Mit ihwar DrDoktor Conneau. Er hatteine ganze Wirthſchaft. Sechs Räume; die Zeichnung iſt richtigDas Haus hat eben dieſForm Gebäudegrundriss; Napoleon-Haus in der Zitadelle von Ham., ſo daß diVorderhälfte vier, die Hinterhälfte nur 2 Zimmer hat. Allein Backſtein; ganz ordinaireHaus, ohne Styl oder OrnamentDie Feſtung ſelbſt habt überalOrnamente namentlich am Portal und zwa
Vorderansicht (Ornamente); CitadelleCitadelleHam (Somme)Ornament in der Zitadelle von Ham.
eine Mönchskorde an deeine Quaſte hängt
In dieſem einfachen Backſteinkaſten bewohnte der Prinz diobre Etage. Er arbeitete viel„Idées Napoleoniennes“ etc. Hinte 11dem Hauſe, ſchon in halber Höhdes Walles, hatte er einen kleineGarten, den esr bebaute. Nocſind die Hecken ſichtbar und iihrer Mitte ein ſchöner Eibenbau(Taxus) den er gepflanzt habeſoll. Es iſt zweifelhaft. DeBaum iſt für 230 Jahr zu ſchöund zu ſtark
Er hatte auch eine Küche, alſeigne Menage. Dies war, nachdewie ich die Küche von Ham kennelernte, einen Glück für ihn; eiſt fraglich ob er das Hotel deFranc überſtanden hätte
Die Befreiung geſchah durcBadinguet. Maurer oder Stuckarbeiter. Er nahm die Mulde auden Kopf und paſſirte Thür, TreppeHof, Portal. Vier⸗, fünfmal wurer ſcharf angeſehn; einmal, aldie Muſtrung ſozu ſcharf wurde, lieer die Pfeife fallen und bückte ſichum ſie wieder aufzuheben. So ka 11er durch. Draußen ſtand der Wageder ihn nach St Quentin und bis an [55die Grenze brachte. Dr Conneau 6plauderte inzwiſchen immer in daleere Zimmer hinein, um glaubezu machen, der Prinz ſei nocgegenwärtig
Später hat dann Louis Napo-leo mehrere der am 2. Dezembeverhafteten Generale hierher geſchicktCanobert, Lamoricière, Changvièrdieſe Namen müſſen verificirwerden
Im Januar d. J.des Jahres wurde danHam noch mal berühmt durcdie Telegraphen-Abtheilung, die ſichier in die Feſtung zurückzog, abenach 24 Stunden eetwa kapituliremußte
In der Küche hat ſich der Poetder 65 e nun verewigt
Bald nach 4 Abfahrt voHam in einer zierlichen voiturnach St Quentin. Es ſind nu 125 Lieues, alſo 2 1/2 MeileDer Weg führt durch höchſfruchtbare Gegenden. Alles betterave-Felder; Zuckerfabriken; ganwie am Oderbruch hin, woran evielfach erinnert. Auf deletzten Meile führt der Weg geradüber das Schlachtfeld vom 19Januar. Es iſt etwa ſo
Lageplan des Schlachtfelds; SchlachtfeldSchlachtfeldSaint-QuentinSchlachtfeld bei St. Quentin. Grande route von Vermanoute imperiale von Ham etcet ceteranach St Quenti

Faidherbe ſtand etwa einkleine Meile in weſtlicher Fronvon St Quentin. Seine Aufſtellung wa 121      6ein Kreisſegment zwiſchen debeiden grandes routes. Die [56Dörfer und namentlich die Wäldchendie hier lagen, hatte er beſetztGoeben griff in 5 Hauptſtrahleauf allen möglichen Wegea
    mit zwei Diviſionen des 8. Corpmit einer ſächſiſchen Diviſionmit zwei Cavallerie-Diviſione
Die Franzoſen wurden bei dieſex---xlebhaften, geſchickt eingeleiteten, concentriſchen Vorgehn raſch voPoſition zu Poſition geworfennur an einzelnen Stellen hielteſie ſich länger wie iEteillers und namentlich wohl aKirchhofe von Savy. Faidherbleitete das Ganze vom Windmühlen-berg hart am Wege aus, wer einen guten Überblick hatte 12
Alle unſre Truppen waren an dieſeTage brillant; auch die 3. CavallerieDiviſio zeichnete ſich am linkeFlügel aus und machte vielefrühre wieder gut. Die beSavy Gefallenen ſiehe einige Blätteweiter
Faidherbe wollte hier nichvorgehn; er wußte, daß er eſeinen Truppen nicht zumuthekönne. IBei Amiens (an der Haluehatte er am 23. Dzeb.Dezember ſehgeſchickt operirt; die Poſitiowar brillant, der Rückzugeſichert in ſein FeſtungsMauſeloch hinein. Hier, bei St Quentinhatte er weder eine gute Poſitionnoch einen guten Rückzug. Daganze weite Feld iſt eigentliceine einzige große Plänedie kleinen Mulden kommenicht in Betracht, überall ſind diSiehe Daily New 123      62 [57Frontangriffe entweder verhältnismäßig leicht oder Umgehungen ohne Schwierigkeit zmachen. Er hatte nichts aldie Dörfer und die kleineWälder. Beides nutzte er auchsaber da man alles tournirekonnte, hatte er nicht viedavon. – Halbaufgelöſt kaſein Heer in Lille an; gleichzeitig Gambetta. Die Mißſtimmundie dieſer hier vorfand, hattEinfluß auf ihn und brach zuTheil ſeine Kraft. FaidherbeArmee beſtand zum Theil aubrillanten alten Soldatenzum Theil aus Schund. Mierſtren operirte er, die letztredienten als bloße Couliſſe. Dahekam es auch, daß er ſeine relativen Erfolge, wie beiſpielsweiſ 12am 23. Dezember und ſpätebei Bapaume nicht ausbeuten konnte. Wenn die guteSoldaten erſchöpft waren, hatter nichts mehr in Händen, uzur Offenſive überzugehn
In Vaux (ſo erzählte der Kutſcherwurden 3 Häuſer zerſtört; iGroßen und Ganzen ſcheint der Kampin dieſen Dörfern nicht bedeutengeweſen zu ſein; man ſieht wenioder keine Kugelſpuren. Etreillerund Savy ſind große Dörfer, abeſehr verſchieden, erſteres maleriſchcomplicirt, ärmlich, letztreeine ſtattliche Häuſerlinie, wohlhabend, hübſche Kirche, hübſcheretwas hochliegender Kirchhof. Audem Kirchhof, Cypreſſen, PappelnStrauchwerk, viele Grabſteinedazu die neuen Gäber und daumgeſtürzte Kreuz in der Mitte 125      [58
Der Kutſcher, der fmich fuhrwar halb Original hablb Im- 6becile, aber doch mehr voletztren. Er hatte Einquartirunund hatte ſich deſhalb einbeſondre Art von Preußen⸗Unterhaltung zurecht gemacht, in deſeine Finger die Hauptrolle ſpieltendann kamen die Hauptwörter undie Worte bon, caput, nixEr machte mich mit ſeinePräciſion, mit dieſem lapidarſteLapidarſtyl zuletzt ganz nervöund ich wünſchte mir die richtigen Franzoſen zurück, die ihrUnterhaltung nach dem Waſſerſturz⸗Prinzip machen. Neunzehntegeht verloren, aber es bleibt docimmer noch was übrig. Dieſer abeſagte nur: bon cheval, bon conducteur, bon Saxon, bon FrancaisLe patron là riche, très riche, mais caputMan denke ſich dieſe Converſation drei Stundelang. Auch der Lapidarſtyl haſeine Grenzen 12
Savy.
Hier ruhLieutnant Wih: FiedlerHildebrandFüſ. Reg: 33Er ſtarb Heldentofür Kaiſer und Vaterlanin der Schlacht bei St Quentin

Hier ruhPremier Lieutnant Fritz Fiedle5. Rh. Inf. Reg.Rheinisches Infanterie Regiment 65wie obe

Hier ruhVice Feldwebel Wilh: Wilhelm Mut65. Regiment

12Ruheſtätte für 7 64 [59Deutſche und Franzöſiſche Kriegeaus der Schlacht bei St Quenti1619. Januar 186471. (71

In der Mitte der Kirchhofein Fundament und drauein großes Holzkreuz mieinem Crucifix und Inri. DaHolzkreuz iſt umgeworfeund liegt in eineNeſſelbeet. Der Chriſtufort. Nur das Inrſteht noch dran 12erzählte) Mr.Mister Dumas fils von Pay herübergebracht hatte, um das Grab ſeines Vaterzu ſchmücken. Dies iſt rührend und ſchön. IFront des Giebels ſind verſchiedene kleine Kateangebracht, mit Huldigungsgedichten; die meiſteſind durch den Theer unlesbar oder faſt unlesbar geworden, nur eines war noch lesbar(Siehe die andre Seite). Der Kirchhof, mit vieleSteinen und Grabkreuzen geſchmückt, die gothiſche Kirchan ſeiner rechten Flanke, iſt ſehr hübſchnach vorn hin von einer Mauer, faſt volebendigen Hecken eingefaßt. Dieſe hinderetwas den Blick; aber wenn man auf einen der höhreGrabſteine ſteigt, blickman auf das Meer 129      [606
Ein Grabdenkmal konnte noch nicherrichtet werden und ſo gewährt das Grab eineſetltſamen Anblick, dadurch freilich um ſo intereſſanterMan ſieht nämlich auch kein Grab, ſonderüber dem Grabe, da wo man ſonſt einegrünen Hügel ſieht, ſteht hier ein großeaus Brettern zuſammengenagelter, mit Schiffstheer angeſtrichener Kaſten oder Verſchlag, halb wie ein Sarg halb wiein Schuppen. Auf dem giebelartigen Dacdieſes ſeltſamen Baues lagen Maſſen von Fliederblüthen, die drei Tage vorher (wie mir der Küſter
    13
  • 1/ Toi dont nous connaissonles oeuvres admirablesRemplis de tout esprit.....

  • 2/ O toi qui sut créetant d’oeuvres adorablesJe rens sur ton tombeaprier avec ferveu
  • ...3. Ganz unleſba
  • 4. Toi, que nous avons tanadmirès sur la terrTon beau nom grandira encordans l’aveniToi qui joignait l’espriaux vertus d’un bopèrNous garderons toujours totendre souvenir
131 [616Kathedrale zu AmienAuditQui Ingredimini pePortas Has, ut adoretiDominum. Emundate ManuPurificate corda Rom. Darunter der altſteinerne Sarg. (Iſt dealte eigenthümliche Taufſtein 13le Chateau de Henri quatre. Es iſein ziemlich ſteil abfallender Hügel, obejetzt ein Grasplatz mit Bäumen in zweCirkeln umpflanzt; dierei Seiten fehleganz, nur die Oſtſeite zeigt noch einigeMauerwerk, am beſten erhalten iſdas Portal, an der Südſtrecke, daaus beſſerem Geſtein, aus kleinen ſaubreQuadern gebaut iſt. Richtigewar es ein hoher Südoſtthurm, wohmit den Hauptzimmern, und unter deEingangs Portal. Das Ganze wadie Wohnung der Gabrielevon Eſtriè, oder ihwenigſtens zugehörig. DaDorf Estrièn liegin der Nähe 133      [626Das Charakteriſtiſche iſt der Niederungsgrunzwiſchen Fouaoncamp und Boves, ein Torfmoorgrund der die Somme, Hallue, C Selle Aber etc. begleitet; es iſt das Torfmoor das Charakteriſtiſchdieſer Gegenden überhaupt; es findedie Operation, ſelbſt am 23. Dezembeals alles gefroren war, war enicht zu; ſo daß man nur die Uebergängbenutzen konnte
Der Punkt, der den ſchönſten Ueberblicgeſtattet, iſt die Ruine von Boves, genannt 13Die 3. Cavallerie Diviſion hat am 26. einebeſonderen Kampf bei..Am 27. dringen drei Diviſionen vo
    die 15. auf Boves und Saindie 16. auf Durdie 2. auf Gerelle
Die OſtWeſtpreußen, nach hartem Kampfe, ſcheitern beinaam rechten Flügel; in Centrum (Boves uund Sainsund am linken Flügel reüſſirt man und entſcheidedadurch den Tag. Die 30. Brigade nimmt den BahnhofBovevon, dieund wirkt bei Wegnahme desr Ruinemit, die vorzugsweiſe durch die 29. (Reg: 65. uund 33) beſorgt wird 13
Lageplan des Schlachtfelds; SchlachtfeldSchlachtfeldAmiensSchlachtfeld von Amiens. 2. DiviſioauGenellesSumpf, Niederung, Teich30. Brigad29 Brigad15. Diviſio16. Diviſioauf DurSaiX---BahnhoBoveBurg⸗RuinEiſenbahvon BoveauAmiensAmiensmit ſeiner Häuſemaſſe in Grundeaber von der Mehrzahl ſeiner Thürmund von der ganzen Kathe-dral überragt

136Theater zu St Denis. 19. Lmaison imperiale 20. Hôteldu Cer und Café de l’IndustrieNamentlich das letztre. Nicht weit voder Eiſenbahn. Drei Eingänge. SechBillards. Nachmittags⸗Publikum bis 9 1/2Dann verwandelt ſich die Scene, eineues Leben beginnt. 21. Deletzte Morgen. Die Schilderung des Hauſeund der Familie. In allem Cultuund Zerfahrenheit. Das Einzelne deEinrichtung bekundete die hohe Cultudes Ganzen; die Uhren, PendulenBetten, das Geſchirr, aber keiEnſemble, wie kam das hierherUnd ſo auch Cultur und Zerfahrenheiauf Gebiet. Die Zeitungewurden unten ausgerufen: Lepetit Journa, Le Bien publicLe Mot d’Ordre, – man kaufte daerſte beſte. Nun wurde geleſen; allelauſchte. Sie befriedigten ihre Neugieraber zu nichts nahm man eine Poſition, Thiers, Connuon, alles gleich 137      [641. Oſterſonntag. 2. Eine Bekanntſchaf(Vischer) 3. Eperney 4. Rheims. 6(Ankunft. Begräbniß. Kathedrale. Sie ſinwohl aus Luxemburg). 5. Rheims (daHôtel, das Café, die WürtembgrWürttemberger, daStandbild Godinots, die Statue Louis XV„Ah, bah!“). 6. Ein Schreck. (CrespyCrescy) 7. Ein Wiederſehn. 8. Lian⸗cour. 9. St Denis. Ankunft. Regenbogen. Kanonendonner. 10. DiWohnung. Rue de Boulangerie. ZweHeiligenbilder, ein Bett, ein Kehrichund ein Flickenhaufen. Die Stadt. EiAbend in Cerf. Im Café. 11. DiCathedrale. 12. Das Concert ider Kapelle choeur d’hiver 13La Briche und Double Couronne14. Le Bourget (Fahrt über Stains15. Der Mont⸗Avron. 16Montmorency⸗Enghien. 17. DiMühle von Sannois. 18. Das13Am 28. oder 29. Novembe1870 ein Art: Artikel von Pred.Prediger Gerlacüber Krankopfer in der † Ztg.Kreuz Zeitun
KaufeSiècle vom 18., 19.20., und 21. April. DieſNummern enthalten zuTheil eine Schilderung deVorgänge, die ich von deMühle von Sannois auam 19. Mittags ſelbſbeobachten konnte
Das Urtheil der PreußenEs erinnert an das Urtheides Fremden,
speziell
spz:
der Flüchtlingevon 1848, in England übeEngland
Ueber franzöſiſch⸗ſprechenWie bequem man ſichmacht. Wie wenig man aſich arbeitet. Die politiſche An 139ſchauung kommt hinzu und [65hindert alles Lernen. Mit 7den ſchwatzhaften gewöhnlichen Leuten, in deren Quartieren man liegt, kanman nicht ſprechen, weies zu öde, dumm und langweiliiſt. Nun bleiben noch diGebildeten. Aber hier treteSchwierigkeiten ein. In demeiſten Fällen wollen diGebildeten nicht. WolleSsie aber ausnahmsweiſe, ſiſt es doch auch wiedemißlich für einen Offizieſiech zu weit mit ihnen einzulaſſen. Er vergiebt ſicdadurch etwas; nicht immer, nichnothwendig, aber die Gefahr iſimmer da 140Paris à Amien8 heure matin1. 15. soir7. 15. soirmatinsoirsoir| Ankunf
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| 11 Uh5.110Nur dieſe 3 ſinzu benutzen. Deletzte iſt deraſcheſte, dander erſte, demittlere fähr4 StundenAn Prediger Gerlach
– Herrn von SydoPackenExc.Exzellenz v. PapeCathedrale. Die KapelleDescription. Photographie
Der Mantel. DiKarteMonterollierBuctrMercy le Haubei Metz. Auſichtspunkt


FeldAuditoSchultzbeim EtappeHauptfort VII. Armeecorps
LovLov

Théatre de Saint-Denis


Mercredi 19 Avril 187Salle du grand salon, cours benoist, 1Tous les soirs spectacle donné par ltroupe françaiseJeden Abend neue Vorstellung voder franzosischen Theater-GesellschaftAnfang 7 Uhr, Cassen offnung 6 Uhr
AvisLe Spectacle commencera à 7 hheures précises pour finir à 9 h.heures 20 m.minuteLe public est donc informé qu’il peut assister aux représentations quseront terminées avant l’heure de la retraite (fixée à 10 heures du soir pendant ldurée des Représentations)
Le violoneuSaynète comiquReinette, MlleMademoiselle Marietta. Pierre, M.Monsieur DeparvillerLe papillon et les rosePas de trois, dansé par MllesMademoiselles Lisbeth, Henriette et MariaLa boite mystérieusScène comique par Tonino & Pepino, Clowns italiensLe ménage auvernaVaudeville joué par M.Monsieur et MmeMadame DeparvillerLa tarentelle de la MuettDansée par MllesMademoiselles Maria et CécileLe TroChanté par MlleMademoiselle MariettaLa petite curieusChantée par MlleMademoiselle PissarelloPierrot StatuBallet-PantomimPierrot, M.Monsieur Bunel. Cassandre, M.Monsieur Négrier. Léandre, Herbert. Un statuaireStella. Colombine, MlleMademoiselle Pissarello. 2 pâtissiers. MllesMademoiselles Antoinette et Léontine
La Musique militaire exécutera différentes Ouvertures pendant les Entr’actesOrdre: 1. Le Ménage auvergnat. — 2. Le Papillon. — 3. Le Trou. — 4. LBoîte mystérieuse. — 5. Le Violoneux. — 6. La tarentelle. — 7. La petitcurieuse. — 8. Pantomime
Prix des placesPremières places 3 fr.francs — Pourtour 1 fr.franc — Galeries debout 50 c.centimeLe public est prié de payer sa place, autant que possible, en monnaie française
Nota. — Une mise décente est de rigueur
Saint-Denis. — Typographie de A. Moulin