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D8beta

1871.

2.

Mittwoch 19. April 1871

(Fortsetzung. Siehe Buch I.) Um 4 12 waren wir von Sannois zurück. Abschied von George, dessen Urlaub abge- Rasch Toi laufen.lette. Dann zum Diner bei General v. Medem. Zugegen: General, Garnisonprediger, Herr v. Sydow, Herr v. Mirbach, Herr v. Bonin, ich glaube noch ein andrer Bonin (von den 2. Garde-Dragonern) und ich. Sehr heiter geplaudert. Dann in das „Theater de Saint-Denis“. Ein großer Saal. Es waren doch wohl 500 Menschen zugegen; die Hälfte auf einer Gallerie, dann im Parterr und in einer Art Parquet, das hier den ersten Rang vertritt. Alles Weitre giebt der eingeklebte Zettel Der Zettel liegt in Buch I. in einem der angeklebten Täschchen.. Demoiselle Marietta, eine Art Demoiselle „Therese“ aus den Pariser Cafés chantants war die Hauptheldin. Sie sang Le Trou, eine Art Bravourstück, mit Gegensätzen von Wehmuth und Wuth. Talentvoll; aber alles drückt doch einen allgemeinen Verfall aus, und es ist schmachvoll solche Sachen nach Berlin hin zu verpflanzen. Wir passen nicht dazu; an Sünde und Gemeinheit leisten wir vielleicht so ziemlich dasselbe, aber es fehlt doch bei uns noch die öffentliche Anerkennung der Schweinerei und ein gewisses künstlerisches Raffinement in Vortrag derselben. Brillant nur „La Boite mysterieuse“, eine Clown-Scene. Solche Dinge amüsiren am meisten. Es waren wohl 120 Offiziere da, oft sollen es viel mehr sein. Franzosen kaum ein halbes Dutzend, außer etwa einem Dutzend Pariserinnen aus der Halbwelts-Sphäre. – Nach dem Theater ins Café, nahe dem „Cerf“; mit Herrn v. Sydow und dem jungen Herrn v. Livonius geplaudert.

Donnerstag d.
dender
20. April
.

Briefe geschrieben etc. Mit dem Prediger, Herrn v.Mirbach und Herrn v. Troschke in der Commandantur gefrühstückt. Gespräche über 1866. Mit dem Prediger in die sogenannte „Legion d’honneur“, Das Intressanteste bleiben doch immer die Gegensätze: französische Stadt, deutsche Offiziere, Bombardement und allgemeine Heiterkeit. in der der Pastor auch wohnt. Sein Vetter, der Baumeister Maistlé, führte uns umher. Das Ganze war früher eine Abtei und geht bis auf Charlemagne zurück. Dann vergrößerte es sich, ich glaube namentlich unter Ludwig dem Heiligen; es wurde immer bedeutender, wurde dann wohl durch die Revolution zerstört und etwa 1803 oder so about durch Napoleon I. wiederhergestellt. Dies geschah etwa wie folgt. Die Legion d’honneur wurde gestiftet und erhielt entweder 12 Millionen zugewiesen, oder die Jahreseinnahme ist seitdem bis zu dieser Höhe gestiegen. Von diesen 12 Millionen ( ich weiß doch nicht recht ob Fonds oder ob Jahreseinnahme) werden alle „Ritter der Ehrenlegion“ bezahlt, jeder nach dem Satz der Klasse zu der er gehört, Ritter
et cetera
etc
, etc. Nun bleibt aber bei diesen Zahlungen doch noch ein Erhebliches übrig und von diesem Ueberschuß werden drei große Institute unterhalten, die alle den Titel „Legion d’honneur“ oder vielleicht richtiger „Maison de la Legion d’honneur“ führen. Das eine ist in St Germain, das andre in Ecouen, das dritte in St Denis, also alle drei in der Nähe von Paris. Das erste (glaub ich) ist für Töchter der Gemeinen und Unteroffizire, das zweite für die Offizire bis zum Capitain, das dritte (St Denis) für die Töchter aller Offizire vom Capitain aufwärts. St Denis ist also das feinste und vornehmste. Es hat in der Regel 500 Töchter; dazu kommen 25 bis 30 Damen, wohl alle Religieuses, als Lehrerinnen und Erzieherinnen; woran sich nun ein reiches Dienerinnen-Material schließt. Also eine Art Bethanien, aber für die Erziehung. (Hier einen beßren Vergleich nehmen: Wangenheims werden 100 Beispiele haben). In der Art des Ganzen ist eigentlich nichts, wodurch es sich von ähnlichen Instituten specifisch unterschiede; die Einrichtungen sind wohl wie sie immer sind. Nur zwei Punkte verdienen Beachtung: 1. die Entstehung des Ganzen aus der Legion d’honneur heraus; 2. die besondre Opulenz und Großartigkeit des Ganzen. Küche, Eßsaal, Schlafsääle, Zeichenschule, Kapelle etc. alles ist von besondrer Ausdehnung. In der Kapelle befinden sich viele große Bilder: Copieen, von Schülerinnen selbst gemacht, nach berühmten Bildern. Besonders intressant ist das Altar-Arrangement. Altartisch mit Crucifix und Leuchtern; als unmittelbarer Hintergrund eine riesige Sonne mit dem Gottesauge. Diese Sonne ist nun aber doch so angebracht, daß zwischen ihr und dem Altartisch und auch um die Sonne her, lichter Raum bleibt durch welchen man nun in den hinter dem Altar gelegenen Raum sehen kann. Dieser Raum, nur von geringer Tiefe, schließt hinten mit einem großen Wandbilde ab und dies Wandbild ist es, was immer durch die Sonne durchschimmert. Zur Zeit war die Schule geschlossen, so zu sagen sehr große, verlängerte Ferien. Die Töchter gingen in den Juliferien 1870 nach Haus; im August fielen die ersten Schläge, der Krieg näherte sich rapide und so blieben die Töchter zu Haus und sind noch nicht wieder da. Die Kaiserin soll sehr viel für dies Institut gethan haben; aber alles umsonst. Dank is nich.
Die Kapelle in der das Concert war der.
Groß; ein bischen wie Henry’s VII Chapel. Großes Altarbild; eine Enthauptung, vielleicht St Dionysius. Gegenüber ein kostbarer alter Grabstein, aber doch wohl nicht der eigentlich alte, sondern ein später imitirter; Ein Bischof in Stein geschnitten etc. eine relativ vorzügliche Arbeit. Die Apostel stehen auf Consolen in Mittelhöhe der Wände, alle bunt und reich, polychrom. Die S. St Denis Seite 84. Pfeiler sind braun und grau; die Decke blau mit Goldsternen; die Gurte roth, weiß, blau, gold, was zusammen einen schönen Farbenton giebt. Hier am Altar soll N. I mit Josephine getraut sein. (??).

Besonders schön ist das Grabdenkmal Franz I. und der Königin Claudia; das Ganze nobelste Renaissance. Oben auf dem Ganzen knieen sie betend, vielleicht bei ihrer Vermählung, in der kleinen Rundbogen-Halle von Marmor, die etwa die Mitte des ganzen Baues einnimmt, liegen sie todt auf ihren Sarkophagen; der mächtige Sockel, der einer Art Fundament oder Rustica entspricht zeigt die schönsten Basreliefs, die Kämpfe Franz I. darstellend. Von demselben Meister soll la Fontaine des Innocens in Paris sein, eine Arbeit die auch für wunderschön gilt.

Eine eigenthümliche Rothmarmor-Säule, mit Epheu umflochten, trägt auf korinthischem Kapitell eine Urne, in dieser vielleicht das Herz. Dahinter eine Tafel Henricus II. Francorum Rex

Eine andre Colonne elevée à la memoire du Cardinal Bourbon.

Ein Seitenstück zu dem Grabdenkmal Franz I. ist das des Königs Louis XII und seiner Gemahlin Anna von Bretagne 1514 (er 1515). Die Anordnung: hoher Sockel mit Reliefs, Marmorhaus mit den beiden Sarkophagen
und
u
Todten drin, oben beide betend, ist ganz wie bei Franz I.; nur die Architektur weicht ab, das Marmorhaus, wiewohl auch Renaissance, ist abweichend gebaut; dies auch sehr hübsch, doch ist die Architektur des andern wohl schöner. Uebrigens folgte Franz I auf Louis XII., es ist also wahrscheinlich daß das Louis XII Denkmal älter ist.

Mit zu dem intressantesten gehört das Grabmal von König Dagobert, rechts (vom Schiff aus) neben dem Altar. Er liegt auf einem mit Lilien geschmückten Stein (dies ist ganz neu gemacht); dieser Stein aber hat eine Art gothischen Schrein, der das Ansehn eines vertieften gothischen Fensters hat als Dach und die Wand dieses Schreins, oder wenn man will das dem Fenster Entsprechende, zeigt in Hautrelief und zwar in höchster Naivetät die Schicksale Dagoberts.
unten { Er fährt in einem Kahn (schon vorher scheint demSchlafenden der fromme Abt oder Bischof erschienen zu sein) und betet, während die Bösen um ihn sind;
sie glauben ihn (Mittelstück) schon zu haben, da tritt der Bischof an den Kahn, reicht ihm die Hand und entreißt ihn den diabolischen Mächten. Engel sind im Geleit des Bischofs. Oben (oberstes Stück) halten ihn zwei Bischöfe auf einem Tisch-oder Leichentuch, das sie an beiden Seiten angefaßt haben, in die Höh, Engel umschweben ihn und die Hand Gottes neigt sich aus den Wolken, um ihn aufzunehmen. Es ist sehr intressant. Etwa die Hälfte der Köpfe mußte restaurirt werden, alles andre ist ächt.

Es ist noch ein drittes Denkmal da, wie das von Franz I
und
u
Claudia
; ganz nach demselben Prinzip aufgebaut, oben kniend, unten todt liegend; Sockel-Reliefs; hier (und bei Louis Xll) allegorische Figuren an den 4 Ecken.

In Front dieses Denkmals, wenn man durch das Seitenportal eintritt gleich links steht die Marmorstatue Marie Antoinettens; sie kniet und betet; die Schräglinie, die durch das Vorbiegen des Oberkörpers beim Beten entsteht, ist nicht schön. Der Kopf erinnert an Elisabeth. Louis XVI ist unten geblieben in der Gruft. Sie aber steht nun hier trotz „Egalité, Liberté, fraternité“, trotz des Getriebes draußen und nimmt die Huldigung derer in Anspruch, deren Väter und Großväter schon einmal auszogen, um ihr Recht zu wahren. Nur im Tode glückt es jetzt.
Vorher ein Vergleich mit Westminster-Abbey. Edward the Confessor etc. Dort ist alles relativ stabil, hier immer unruhig durcheinandergeworfen. Der historische Effekt leidet darunter.

Freitag d.
dendender
21.
April.

Gepackt. Briefe geschrieben an Herrn v. Sydow und Prediger Gerlach. In die Cathedrale. Noch ’mal alles Wichtigste durchgenommen. Dann in die „Division“ zum General v. Pape. Geplaudert, ein kleines Frühstück eingenommen; dann Abreise. Ueber Enghien, Pontoise etc. nach Creil; von Creil über Liancourt, Clermont nach Amiens. Ankunft 6 Uhr. Abgestiegen im Hotel du Boeuf. Unterwegs machte ich eine sehr charakteristische Bekanntschaft; ein kleiner Pariser mit der Ehrenlegion im Knopfloch unterhielt sich mit mir. Nous sommes enervés; d’Absinthe à Billard et de Billard à l’Absinthe; c’est la nation. Quel est la conséquence? Nous n’avons pas de Grandes hommes; Jules Favre interessé, Trochu – imbecile; nous n’avons pas des idées. Nous sommes pueriles. Ich machte einen verunglückten Versuch Favre und Trochu herauszureißen; er blieb aber unerbittlich; ich schwieg nun, weil das Sprechen mich angriff und schloß die Augen. Auf einer Station, wo 5 Minuten gehalten wurde, schlug ich die Augen wieder auf und sah nun, daß mein Gegenüber, der den Trochu unerbittlich zu einem Imbecile gestempelt hatte, einen Pfefferrohr Stock auf das Coupéfenster gelegt hatte und in die eine Seite hineinblies. Ich traute meinen Augen kaum; aber es blieb kein Zweifel, ; Ein alter Schimmel, der 20 Schritt von uns stand, warf dann und wann den Kopf hin und her; richtig es war ein Pustrohr und die Nase des des armen alten Thieres das Ziel meines Schützen. „Nous sommes pueriles,“ citirt’ ich leise.

Der Weg bot nichts Besondres, wir fuhren aus dem Rayon des 4. Corps in den des 8. ein; 68 er hielten die Bahnhöfe besetzt, mein vis à vis, der sein Pfefferrohr endlich bei Seite gethan hatte, jodelte jetzt. Mir wurde ganz angst; er hatte nicht von einem Tyroler, weder die Stimme noch die Waden. Letztre am wenigsten.

Um 6 waren wir in Amiens. Besuch beim General v. Strubberg im Hause eines Comte Chassepot. Herr v. Carlowitz. Zu General v. Ruville. Whistparthie. Schöne Frau vom Hause. General Kameke. Geplaudert. Krank und müde nach Hause. Hotel de la tête de boeuf. Gallerieen. Charakteristisch der stete Papierpfropfen in der Theekanne. Veuve Lesieur, Logeuse öde, arm, langweilig bis zum Extrem; auch nach der Seite des bloßen Stoffs hin gar nicht zu brauchen. Mittagsbesuch von Herrn General v. Strubberg und Herrn v. Carlowitz. Dann 16 Stunden geschlafen; aber immer noch nicht genug.

Sonntag d.
dendender
23. April
.

Mein Zimmer liegt so, daß es sich neben dem armoire du grand corridore befindet, also neben der Waffenkammer des großen Corridor. Die Zimmereinrichtung ist freundlich, selbst ein großer, schöner Stahlstich „Les enfans d’Edouard“ nach Paul de la Roches berühmtem Bilde. Das ist nun von der künstlerischen Seite sehr schön, aber von der einfach-menschlichen aus sehr anfechtbar und es verstößt doch mehr oder weniger gegen den guten Geschmack, einen Reisenden beständig in Zimmern zu beherbergen, die mehr oder weniger durch ihren künstlerischen Schmuck zu „Chambers of horror“ werden. Kaum hat man in Reims oder Soissons „Maria Antoinetten auf ihrem letzten Gange“ begleitet, so wird man in ..... zum Augenzeugen der „Ermordung des Herzogs von Guise“ gemacht, um an einem dritten Orte der „Enthauptung der Jane Grey“ oder den „Söhnen Eduards“ zu begegnen. Dies letztre Bild ist besonders schlimm. Man liegt auch in einem Bette mit 4 Säulen und zugeschlagenen Gardinen, es ist auch Abend, man hat auch einen Lichtschimmer durch die Thürklinse, man ist nicht unschuldiger als die Söhne Eduards und der Gedanke beschleicht einen: welchen Anspruch hast Du, nicht auch mit einem großen Bettkissen erstickt zu werden? Der Bilderschmuck der Zimmer, wie vieles andre, ist auch ein Culturmesser. Die meisten Menschen hängen auf was sie haben, ohne Rücksicht auf die Frage: ob es paßt.

La Basilique de St Denis
  • 1. Sankt Dionys. Erster Märtyrer. Seine Enthauptung auf dem Montmartre. Er trägt sein Haupt 6000 Schritt nach Norden. Dort bestattet. An dieser Stelle entstanden die Anfänge einer Kirche.
  • 2. Fast 400 Jahre später hatte König Dagobert einen Traum. Die 3 Martyrer retteten ihn. Er beschloß einen Prachtbau. So entstand eine größere Kirche zu St Denis. Zugleich wurde es Begräbnißplatz.
Hier siehe
Seite
S.
19
und
u
20. / Hier die Legende. Auf St Dionys und seine beiden Mit-Märtyrer auf König Dagobert, und auf den Umstand, daß dieser St-Denis zur Begräbnißstätte machte, läßt sich alles zurückführen. So vieles an Schmuck und Erinnerungs- und Bildstücken da ist, das was durchklingt ist doch immer Sankt Dionys und König Dagobert. Im Portal, in den großen Glasfenstern des Chors, in dem prächtigen Altarbild der Hauptkapelle, vielleicht auch sonst, noch, sehen wir den heiligen Dionys wie ihn das Schwert trifft, oder wie er das Haupt an die Brust gedrückt ruhig seinen Gang antritt, ebenso finden wir die Geschichte des Roi Dagobert in Stein und Bild verherrlicht. Der Steinaltar, rechts neben dem Hauptaltar, das wahrscheinlich bemerkenswertheste Kunstwerk unter allem was da ist, zeigt ihn gewarnt im Traum, gerettet in Gefahr, endlich emporgehoben gen Himmel, aus dessen Gewölkdem ihm Gott selber die Hand entgegenstreckt. Die ihn warnenWarner, die ihn rettenRetter, die ihn heben, – immer sind es die Drei.

Dies ist der Grundton, der hier durchklingt, die Doppelsage, die Legende von Sankt Dionys und die Legende von König Dagobert. Diese zwei Legenden geben den Grundton.

Das freilich, was der Kirche zu St Denis nach außen hin einen Weltnamen gemacht hat, ist ein andres: sie war tausend Jahre lang die Begräbnißstätte der französischen Könige Hier vielleicht Vergleich mit Westminster Abbey, Roeskilde etc.. Die Dagobert-Zeit klingt nur insoweit hinein, als Dagobert der erste war, der hier einzog. Andre seines Hauses folgten; dann kamen die Carolinger in ihren verschiednen Stufen: das Haus Capet, das Haus Valois, das Haus Bourbon. Von mehr als 50 Königen ruhen nur drei nicht an dieser Stelle: Philipp I, Ludwig VII und Ludwig XI.

Zerstörungen kamen über die Kirche und wo die Könige des ersten Jahrtausends ruhten war wohl vergessen oder ungewiß, aber die Könige der beiden letzten großen Häuser, die Könige seit ...., die Könige aus den großen Häusern Valois und Bourbon– sie standen in langer Reihe in den beiden Crypten unter dem hohen Chor.

Da kam der ... 1794 und die revolutionäre Masse brach herein.
La Chapelle d’hiver
.  Wie bei allen alten Kirchen, so besteht auch bei „St Denis“ ein Hauptintresse derselben in ihren Kapellen. In einer dieser Kapellen befand sich die „Oriflamme“, die seit 15.. ihrem Alter und ihren Strapatzen erlegen ist, in einer zweiten ist ...., in einer dritten befindet sich das große Colossal-Bild Gaspar Crayers den Tod des heiligen Dionysius darstellend, eine großartige an die verwandten Bilder P. P. Rubens erinnernde Arbeit.
Diese letztgenannte Kapelle, die den Namen führt la Chapelle oder richtiger „le choeur d’hiver“ ist die größte; sie hat selber wieder die Ausdehnung einer mäßigen Stadtkirche. etc. Nun noch eine Beschreibung dieser Kapelle. Dann: In dieser Kapelle verbrachte ich eine mir unvergeßliche Stunde. Die Kapelle. Das ist der Tag des Herrn. Integer vitae. Vorher Parthien aus dem Trovatore und andre All das Vorstehende schrieb ich Sonntag
den
d.
22. April auf meinem Zimmer im Hôtel de la tête de Boeuf. Den ganzen Tag allein; nur über Mittag kam General v. Strubberg auf ein halb Stündchen.

Montag d.
dender
24
April.

Etwas wohler. Einige Briefe geschrieben. Erster Ausgang. Zum General. Parthie verabredet. Zum Dejeuner im Hôtel. Dritter Gang das Eier-Gericht, das ich dann mit dem großen Löffel verschlucke. Ich saß wie der Storch vor dem Gericht, das der Fuchs ihm vorgesetzt hatte. Ich konnte nicht heran. Endlich rasch entschlossen, griff ich durch.

Um 1 12 mit General v. Strubberg und Herrn v. Carlowitz reizende Fahrt auf das erste Schlachtfeld von Amiens. Es liegt etwa eine Meile südlich und südostlich und geht im Zirkelschlag von Dury über Boves auf Gentelles und Cachy (oder so ähnlich. Manteuffel griff mit 3 Divisionen an, 15. bei Dury, 16. bei Sains und Boves, 2. (oder eine combinirte) bei Gentelles und Cachy. An den Flügeln glückte es nicht recht. Boves, mit seinem Bahnhof (28 er) und seiner Ruine (68 er, 65 er, 33 er) brachte die günstige Entscheidung. Eigenthümlich war die Verwendung der beiden Batterieen Busse und Uthmann von der 30. Brigade. Strubberg hielt sie in ihrer weitzurückgelegenen (da man ursprünglich nur Fouincamp besetzen wollte) aber doch alles beherrschenden Position fest und unter ihrer Vor- und Mitwirkung vollzog sich das glückliche Vorgehn gegen Boves. Weitres, namentlich auch über die Ruine, siehe hinten. Die Stellung war von dem
französischen
franz.
General
(Vorgänger von Faid’herbe) vorzüglich gewählt. Man stand im Schutz der vielfachen Niederungen und Torfmoore (wie das Rhinluch) die die Selle, Avre und andre Zuflüsse der Somme begleiten und die wie ein complicirter, gewundner Wallgraben sich vor einer dahinter gelegenen natürlichen Erdfestung ausbreiten. Nur einzelne Linien führen als schmale Defiléen hindurch: die Straße von Gentelles, die Eisenbahn von Boves und vielleicht andre noch; zugleich schiebt sich ein diesseitiger Höhenrücken an einer Stelle auch weit vor wodurch er die Niedrung flankirt. An der Spitze dieses sich vorschiebenden Höhenrückens, der dann bis an die Somme-Niederung hinanläuft, liegt die Ruine von Boves und hindert das Vorgehn auf diesem Höhenrücken. Als der Bahnhof (das eine Defilé) und die Ruine (der beherrschende Punkt, der nun für uns AusgangsPunkt für unsren Angriff werden konnte) genommen war, war für den Feind kein Halten mehr und er zog auf Amiens und namentlich nordöstlich ab. In Amiens behielt er noch 1 oder 2 Tage die Citadelle besetzt; dann gab er auch diese auf.

Das war das Gefecht vom 27. – Schon am 26. hatte zwischen Boves
und
u
Gentelles ein kleineres Gefecht stattgefunden. Am 26. hatte auch die 3. Cavallerie-Division (Graf v. d. Groeben) ein Gefecht bei Villers-Bretonneux gehabt.
M. hat die Ostpreußen immer bevorzugt; G. und die Seinen sollten nicht aufkommen. G. ist sehr populär, ohne es im Geringsten zu suchen; er liest, studirt, sitzt in den Karten, kümmert sich um den Mann wenig; dennoch verehrt und huldigt ihm alles und wenn er kommt ist Jubel, weil jeder weiß: nun geht es gut.

Die ersten Granaten fielen in den Wald bei Paraclet.

Von der Burgruine aus hat man eine kostbare Aussicht. Amiens’ Kathedrale präsentirt sich prächtig, so auch die Niederung, links Sains
und
u
Funsin, rechts der Wald von Gentelles. – Gabriele von d’Estrées ist dieselbe über die Pückler in seinem Semilasso so Pikantes mittheilt.

Dinstag d.
dender
25. April.

Briefe geschrieben. Amiens-Guide gelesen. In die Cathedrale. Bemerkungen siehe einige Blätter weiter. Dann auf der Promenade aus einer großen Kuchendüte gefrühstückt. Um 1 Uhr Abfahrt mit dem General . 10.35 10.20. und Herrn v. Carlowitz auf das Schlachtfeld „an der Halue“, oder von Pont Noyelles wie die Franzosen sagen.
Lageplan des Schlachtfelds; Schlachtfeld an der HallueSchlachtfeldanderHallueHallue (Fluss), HalueSchlachtfeld an der Hallue. St Gratien Fréchencourt Querrieux Pont Noyelles
Die Somme, in die von Norden her die Halue einmündet.
Es ist leicht zu sehn, daß die Gesammt-Formation mit Wörth sehr viel Aehnlichkeit hat. Nur hatte Wörth eigentlich nur zwei Flügel, kein rechtes Centrum.
Faidherbe hatte die ganze Position besetzt, die Niederung, die Dörfer zu beiden Seiten der Hallue und den Höhenzug im Osten. Hier standen seine Reservemassen, seine Artillerie. Der festeste Punkt war der rechte Flügel, der große Abhang, die Höhe, der Wald im Osten von Frechencourt.

Der Angriff sollte so erfolgen daß die anrückenden Colonnen in Echelons nach links deployirten, die spätre        immer über den linken Flügel der frühren hinaus.

So nahmen die Brigaden der 15. Division und ich glaube eine
ostpreußische
ostpreuß:
Brigade
hintereinander weg D aours, Bussy, Querrieux, Pont Noyelles, Frechencourt; aber sie waren zu schwach die Höhenposition, besonders den Wald bei Frechencourt zu nehmen. Dies war nur durch Ueberflügelung zu zwingen, die die 16. Division ausführen sollte; als sie schon halb damit fertig war, erhielt sie Contreordre, – man zog sie jetzt heran, um den Angriff in der Front zu unterstützen. Dies war ein Fehler. Wären die Tage um drei Stunden länger gewesen, so hätte die Tapferkeit der Truppen dies wieder ausgeglichen und die Position wäre durch die 16. Division doch genommen worden; aber es dunkelte schon als die 16 Division jetzt (und zwar abgemüdet) beiFrechencourt etc. angriffsbereit dastand. Man gab nun, vernünftigerweise, weitre Angriffe auf.

Am andren Tage (24. Dezember) räumte Faidherbe freiwillig seine Stellung und zog auf Albert ab. Er fürchtete schließlich doch umgangen zu werden. Außerdem hatten seine Leute im Freien vom 23. auf den 24. bivouaqiren müssen.
Der 23. bereitete dies Resultat vom 24. vor. Im Uebrigen kann man Faidherbe nicht Unrecht geben, wenn er behauptet, daß er am 23. nicht geschlagen worden sei. Der eigentlichste Theil seiner Stellung blieb in seinen Händen.
In Daours, Querrieux und Fréchencourt sind Schlösser.
In Daours (
Monsieur
Mr.
Dubosc
) sah es im Schlosse so furchtbar aus, daß die 8. Jäger es verließen und lieber draußen in der Kälte bivouakirten. In Fréchencourt (
Monsieur
Mr.
de Pajol
) brannte auf dem Schloßhof ein riesiges Feuer, drum man sich wärmte; in Querrieux (Marquis de Querrieux) dessen Schloß in einem entzückenden Park liegt, war der General am 24. Abends.

Zehn Tage nach dem Treffen „an der Halue war das Treffen bei Bapaume (am 2. u. 3. Januar).

Beide Treffen erfolgten auf der Linie Amiens-Albert-Douai, eine große Straße die von Amiens aus in das Festungsvieleck hineinführt, das das eigentliche Nest Faidherbes war, von wo aus er aufflog und seine Stöße machte. Er operirte dabei ganz geschickt; die vielen Festungen bildeten immer einen gesicherten Punkt, um sich wieder auszuruhn. Als er dann – auf Andrängen Gambettas – diese seine Lieblingslinie aufgab und sich anders dirigirte, ereilte ihn der große Schlag bei St Quentin.

Die Höhen- und Waldposition von Fréchencourt in der Front zu nehmen, war nahezu unmöglich; ein ungeheures Schußfeld und der Bergabhang mit 6 oder 7 Terrassen, so daß jede einzelne Terrasse als besondre Position vertheidigt werden konnte. Freilich beruhte auf diesen Terrassen auch die einzige Möglichkeit des Herankommens.

Die Kathedrale zu Amiens
(siehe den Ausspruch Napoleons) macht einen sehr bedeutenden, sehr einheitlichen Eindruck. Sie ist mit Kapellen, Statuen, Holzschnitzereien, Bildern natürlich reichgeschmückt. Es hat hier eine Holzschnitzerschule geblüht (wie es scheint); 4 Männer, alle glaub ich von Corbie, einer davon der eigentliche Meister, haben die Chorstühle im hohen Chor, die die ganze heilige Geschichte bis auf Job (wahrscheinlich Hiob) darstellen (die Simson Situationen kommen z. B. alle vor) in 15 Jahren fertig geschafft. Vieles entzückend; dazu die schöne Farbe des Eichenholzes; manche Sachen von Zimmerhöhe und mehr als Mannsbreite alles aus einem Stück geschnitzt. Man bewundert. Gothische Dome und Shakespeare – beides ist schwindelerweckend für uns kleine Leute.

Die Erz-Grabplatten der beiden bischöflichen Erbauer sehr schön; wie stylvoll alles, großartig, ernst, geistvoll in den Symbolen. Zwei Engel (in Basrelief) schwingen die Weihrauchfässer um die todt daliegenden Bischöfe. Dies ist mit einer gewissen künstlerischen Vollendung gemacht. In der ganzen Kirche, zumal an den Außenwänden des hohen Chores (so daß man es vom Chorumgang aus sieht) befinden sich Holzschnitzereien. Einen bedeutenden Eindruck machte auf mich die Darstellung, eben in Holz, des Lebens des heiligen Firmin, des Schutzpatrons der Diocese Amiens, nicht dieser Kirche. Auch der Uneingeweihte liest hier seine Geschichte von der Wand ab; so realistisch alles und doch getragen durch eine Idee, deshalb nie prosaisch wirkend. Diese Holzschnitzereien stehen wie unter einer gothischen Arkade die selbst einen Theil des Gesammtkunstwerkes bildet. Diese Arkade, ein gothischer Flachbau wenn man will, zeigt nun ganz die Ornamentik der Kirchen jener Epoche (also des 15. Jahrhunderts) wo dies Werk geschnitzt wurde. Die gothische Decke dieser Arkade, weil geschützt vor Licht und Berührung, ist vollständig, auch in der Farbe, erhalten geblieben und man sieht: die Deckenfelder waren blau mit goldenen Sternchen, die Ribben und Gurte roth und die Canellirungslinien gold. Es wirkt reich und schön. (Ueber Saint Firmin bei Wangenheims nachlesen).

Eine besondre Schönheit der Kirche ist an der Rückseite des Hochaltars das Grabmal in Marmor des Canonicus Lucas. Er kniet und betet zu einer Maria mit dem Kinde; zwischen ihm und der Maria ein kleiner (amorinhafter) trauernder Genius, der den einen Arm auf einen Schädel, den andren auf ein Stundenglas stützt. Alles in Marmor. Die 3 Theile (vielleicht weil restaurirt) scheinen mir ganz verschiednen Epochen anzugehören, oder, wenn dies nicht der Fall ist, einer Epoche der Kunst, wo man Weltliches noch sehr wohl darstellen konnte (oder erst recht) aber für das Kirchliche jeden Sinn verloren hatte, also etwa Anfang des vorigen Jahr hunderts oder Ende des 17.. Der betende Canonicus ist ausgezeichnet, (als eine Art Portraitstatue,etwa wie der alte Sparr in der Marienkirche); der „trauernde Genius“ ist in seiner Art noch ausgezeichneter; die Jungfrau mit dem Kinde ist ganz schwach. Der „trauernde Genius“ gilt für ein chef d’oeuvre, und das ist er; aber ein verständiger Sinn, der auf Ensemble dringt, kann ihn an dieser Stelle nicht gutheißen. Er ist völlig malplacirt. Es ist das plötzliche sich etabliren einer griechischen Schönheitswelt zwischen einem mittelalterlich korrekten Canonicus und einer Roccoco-Madonna. Dieser „trauernde Genius“ ist ein Amorin; es ist Amor der schmollt, weil ihm Bogen und Köcher genommen wurde, oder Amor den eine Biene gestochen hat. Es ist Thorwaldsen, der hier fast 100 Jahre vor seiner Geburt sich zeigt und etwas schafft, das einzeln entzückt, als Theil des Ganzen aber nicht paßt.

Die Kapelle der Hortillons nicht an dieser Stelle besprechen, sondern bei Charakterisirung Amiens selbst. Hier muß ich nämlich auf die Hortillons ein besondres Gewicht legen; sie sind die Specialität von Amiens. Die Somme war hier entweder immer spreewaldartig, oder sie haben sie sich, durch Canal-ziehen en detail, spreewaldartig zurecht gemacht. Jeder hat nun eine reizende, fruchtbare, strauchumschlossene, Gartenhaus geschmückte Garten-Insel, die seine Freude und sein Vermögen ist; hier werden die feinsten Gemüse gezogen etc. Diese Hortillons haben nun auch noch eine besondre Kapelle, drin der byzantinische Christus in Golde hängt. Hier stehen immer Blumen, hier brennen immer Votivkerzen, hier sind immer Beter, die die Hilfe des Herrn für ihren chinesischen Garten anrufen, und er hilft ihnen. Ich sah eine Mutter, (schlichte Frau) mit ihrem9 jährigen Töchterchen vor dem Gitter stehn und andächtig durch das offne Thor hineinschaun und beten; ein reizendes Bild.

Parallele zwischen Reims zwischen
, St Denis, Amiens Von diesen dreien ist St Denis als Stadt die weitaus unbedeutendste; sie ist halb eine Art Armenviertel das sich um eine berühmte Kirche angeklebt hat, halb eine vorgeschobene Pariser Vorstadt, wie Bellville, oder Montmartre, oder La Vilette. Die Straßen eng, schmutzig, von Architektur keine Rede, nicht mal das Pittoreske des Drecks. Die Boulevards (langweilig) kommen nicht inBetracht; alles ist Cathedrale und Maison imperiale.
Reims ist ungleich bedeutender, hübscher, reicher; jenes ist Faubourg, Appendix, oder vorgeschobener Posten einer Riesen-Hauptstadt, dieses ist selber eine Hauptstadt, wenn auch nur einer Provinz. Neunzehntel alles Interesses fällt auch hier der Kathedrale zu, eine bemerkenswerthe Architektur fehlt und was von Stattlichkeit da ist (wie der Place royal mit Louis XV) ist weder bedeutend noch eigenartig; dennoch wirkt das Ganze gut, angenehm, was man von St Denis nicht sagen kann.
Amiens, an Bedeutung hinter Reims etwas zurückstehend, ist ihm doch als Stadtbild überlegen. Es ist viel malerischer gelegen und steigt von seiner Citadelle in einer Schräglinie nieder wie Edinburg, dabei in Architektur freilich mehr an Brüssel erinnernd. Man kann sagen, es ist ein in eine Schräglinie gebrachtes oder an einen sanften Abhang gelehntes Reims, woraus sich von selbst seine malerischen Vorzüge ergeben; auch die Somme und die sie begleitenden Kanäle tragen das ihre dazu bei

Zwischen den drei Kathedralen zu vergleichen, ist sehr schwer. In Bezug auf großes Portal und Front-Façade überhaupt steht Amiens wohl zurück; St Denis (speziell die Portale
et cetera
etc
) ist älter, noch romanisch, Reims ist reicher, wohl auch schöner; an historischen Schätzen ist St Denis unerreicht, dann folgt wohl Amiens, dann erst Reims; in Bezug auf die Thürme rangirt Reims zuerst, trotz meiner kleinen Bedenken, Amiens hat nur towers bis zum Dachfirst, St Denis Thurm ist häßlich; an historischen Erinnerungen kommt erst St Denis, dann Reims, dann Amiens, aber Amiens hat in seiner ganzen Erscheinung etwas Einheitliches (wenn es auch nicht überall der höchsten Schönheit entspricht) das St Denis gewiß nicht hat und Reims doch kaum in dem Grade.

Mittwoch d.
dender
26.
April

Früh auf. Rechnung bezahlt; 83 Francs, wenigstens 20 Francs zu viel, mais cela ne fait rien. Um 9 erschien der General und brachte mir einen Empfehlungsbrief nach Dieppe. Um 10 auf den Bahnhof. Abfahrt 11 Uhr. Ankunft in Rouen gegen 4. In vier Stunden, von 4 bis 8 alles abgemacht; aber Pferdearbeit.

Erst Eglise Maclou (?) dann St Ouen, dann clocktower, dann Palais de Justice, dann das „Hôtel“ mit dem räthselvollen Namen, dann die Statue Napoleons I, dann der Jeanne d’Arc, dann die Cathedrale, dann Boildieu (es ist hart für die weiße Dame so schwarz angestrichen zu werden), dann Bozencourt, Kirche, Kirchhof, Blick, dann zurück, dann die Cafés am Quai, dann Corneille auf der Brücke (Inselpfeiler) dann der Rundthurm, (wie zu Salzwedel der Gasthurm) drin die Jungfrau gefangen saß, dann „à la gare de Dieppe.“
Die Stadt ist entzückend, ganz Residenz, an vieles anklingend und doch selbstständig. Ihre kostbare Lage sieht man am besten von Bosencourt Bonsécours. Die Seine, von Bergen zu beiden Seiten eingefaßt, bildet ein breites, herrliches Wiesenthal. An einer Stelle wird die Hügeleinfassung dieses Thals von einer Quermulde, einem Querthal, durchbrochen und an der Stelle wo dies Querthal in das Hauptthal einmündet, liegt Rouen, mit seinem Fuß an der Seine und von dieser an an verschiednen Hügel-oder Bergwänden ansteigend, die ohnehin malerische Masse, überall von gothischen Thürmen, die alle den specifisch-normannischen Stempel tragen, unter brochen.

Der Fuß der Stadt, die Parthie an der Seine, ist entzückend. Hier haben wir den breiten Flußquai, den alle Hansastädte von Danzig bis Antwerpen aufweisen, man könnte sich hier und dort nach Stettin versetzt glauben oder Rostock, wenn man es zugleich verstünde die doch meist inferiore Giebelwelt jener Städte in hohe, elegante Flachdach-Bauten zu transponiren, die überall an Paris, an Nancy, an Brüssel erinnern.
Hier ist das reizendste, eleganteste Leben, in dem sich die Zauber von Quai und Boulevard vereinigen. Die verschnittenen Lindenbäume, die breiten Trottoirs, die Cafés, die glänzenden Verkaufsläden, die newspaper dealer, die eleganten Fuhrwerke des Boulevard-Lebens und zugleich die Schiffe, die piers, die Anlagen, die Wasser Treppen, die Dampfer, die Theerjacken, und selbst der Theergeruch des Quai.

Halb Paris, halb Antwerpen – dies wäre vielleicht das richtigste und doch kommt noch ein andres hinzu, ein drittes, das doch den vollsten Zauber leiht, ein englisches Element, das aber vielleicht nicht von England entlehnt wurde, sondern das hier originirt, das hier ursprünglich zu Hause war, das Normannische. In den alten Kirchen ist dies unzweifelhaft der Fall, in Maclou, St Ouen, der Cathedrale, in dem Rundthurm drin die Jeanne d’Arc saß. Dieser ist ganz wie der Eltervater des round tower zu Windsor; im Uebrigen wie ein moderner Gasthurm; dabei kein Fenster; nur ein einziges, wie eine Kanonenluke groß, sichtbar. Die Fortsetzung siehe 5 Blätter weiter, hinter Dieppe.
Lageplan; Villa DumasVillaDumasPuys (heute: Ortsteil von Dieppe)Villa Dumas in Puys. a b c d Weg nach Dieppe Dorfschlucht Puys Strand
Das Ganze sehr an Heringsdorf erinnernd. Auch zu Beginn der Schlucht einzelne Landhäuser. Kleid und einem modernen hübschen Mantel von rothkarirtem schottischen Stoff. Das Haus ist in rothem Backstein gebaut, mit gelber Eckeneinfassung. Die Dächer von Schiefer. Das Ganze stattlich, ziemlich windge schützt, Blick in die Landschaft und Blick aufs Meer. Dennoch macht das Ganze mehr einen wohlhabenden als einen künstlerischen oder poetischen Eindruck. Es fehlt Wald, Gartenanlage, Blumen, Rankengewächse, wilder Wein, Hühnerhof, Pfauen etc. So ist das Ganze doch eigentlich steif und langweilig und architektonisch auch nicht viel werth. Im Innern vielleicht reizend.

Man muß bei Dieppe einen eigentlichen und einen fashionablen Theil unterscheiden, einen Theil für die Fremden und einen Theil für die Bewohner, einen Vielleicht 1000 Schritt mehr nach Dieppe zu, begegnete mir ein Paar, das auf diese Villa zuschritt; ich glaube, es war
Alexandre
A.
Dumas
und
u
Frau. Er, dem Alten etwas ähnlich, stark verdünnter Mohrenkopf, stattliche Figur, die Allüren eines Officiers in Civil; sie, nicht schön, aber sehr pikant, in dunkelviolettem
Theil der Hôtels und einen Theil der Häuser.

Dieser letztre liegt weiter zurück. Er hat den Binnenhafen, in den die Schiffe mit der Fluth einlaufen, den Platz an der Kathedrale mit der Statue des Du Quesne und die Cathedrale selbst. Hier im Innern sind auch die Cafès, die Läden, die Librairies, die Elfenbeinschnitzerei-Geschäfte. Du Quesne ist frisch, fröhlich, frei, ein bischen Lord Byron Attitude, aber hübsch, frank, seemännisch-poetisch und insofern die Lord Byron Attitude erlaubt; ein schönes nobles Profil, dazu die entzückende Tracht Karls II. und Jacobs II. Frank und frei, aber nicht theatralisch; insofern der CorneilleStatue auf der Brücke in Rouen vorzuziehen, die eben etwas Theatralisches hat. – Die Kathedrale ist entzückend. Man kommt aus der Bewunderung nicht heraus und zuletzt hört man eben auf zu bewundern. Man sagt sich: wie jeder heutige Durchschnitts-Architekt einen Viadukt, eine Bahnhofs-Halle, einen Tunnel, eine Sömmering-Bahn bauen kann, so konnten die Durchschnitts-Leute von damals gothische Dome baun. Es lag in der Zeit. Es war Mode. Das Rezept war da. Man wußte „how to do“. Das Rezept ist uns verloren gegangen, die Tradition ist unterbrochen; aber es ist nicht anders, wie etwa daß wir den satten, vollen Ton der Glasfenster nicht mehr herauskriegen oder nicht mehr in Holz oder Stein schnitzen wie Veit (?) in Ulm Augsburg oder Hans Brüggemann oder Gubichon (??) in Amiens oder Rouen. Man muß sich darüber nicht überschlagen, wie man anfangs geneigt ist zu thun; erst die ungeheure Fülle der Erscheinungen macht einen wieder ruhiger. – So nun auch hier in Dieppe. Wer erwartet hier etwas in der Kirche. Und doch ist sie nicht nur schön wie alle, sondern gesellt auch manches Eigenartige zum Schönen. Die Kapelle, zu beiden Seiten der Seitenschiffe, sind durch gothische Steinschirme abgeschieden, so daß völlige stalls entstehn; alle Pfeiler tragen auf ihren breiten Flächen Bilder; die Knotenpunkte der Kappen und Gurte
also wo in Henry VII Chapel die Tromben sitzen, sind von ganz eigenthümlicher, höchst pittoresker Construktion und man freut sich daß die Leute unbefangen waren, noch machten was sie wollten, ohne sich den Kopf darüber zu zerbrechen, was ein Oberbaurath oder mein College Ludwig Pietsch in dieser Zeitung darüber sagen wird. – Das Schönste was ich hier erlebte war aber ein Zufälliges. Ueber dem Orgelchor ist ein großes Rundfenster (mullion) in buntem Glase. Vor diesem stand die Sonne und je nachdem sie nun in ihrem Fortschreiten die blauen, rothen oder grünen Gläser traf, goß sie über einzelne Pfeiler und besonders über die Kanzel ein wunderbares, immer wechselndes Licht aus. Es war als würde die Kirche abwechselnd in allen Farben bengalisch beleuchtet. Gradezu zauberhaft.

Dies ist das alte, das eigentliche Dieppe, das Dieppe der Diepper. Das Dieppe pour les etrangers, pour les Anglais for the foreigners“, bildet eine Art Deckblatt des Uebrigen; eine angeklebte elegante Front. Zwischen zwei Kreideklippen, die vielleicht 2000 Schritt von einander entfernt liegen zieht sich eine Hôtel-Straße, vor dieser eine Wiese mit Kiesgängen, vor dieser das Meer. Auf diesem, in der grünen Farbe des Kanals, Boote und Steamer aller Art. Das Ganze entzückend. Auf der Wiese spielte die Musik der 40 er. Die 40 er ein glänzendes Regiment. Jeder Mann trägt die Signatur: ich bin von den 40ern. Sie müssen aber auch schon vorher gut ausgesucht gewesen sein. Sie zeigen, Mann für Mann, eine militairische Haltung, Energie, und Füsilir-Keckheit, die man selbst bei der Garde und dem Gardefüsilir-Regiment, an das sie erinnern, in solcher Durchschnittshöhe nicht findet. Eine Elite-Truppe.
Bei Tisch die Begegnung mit dem sächsischen Offizier, mit dem bairischen Chevauxleger, und mit dem Arzt-Corps aus Königsberg und ihren Damen.

Briefe zur Post. Spatziergang am Strande. In das Café de Rouen. Dann noch in eine zweite Kirche, vielleicht die ältre, weil das große Schiff bis zum Transept noch auf schweren normannischen Säulen (wie Tower und Waltham Abbey) ruht, auf die erst – auch wie in Waltham – der gothische Spitzbogen später aufgesetzt worden ist. Sonst schien mir diese Kirche nichts besonders Schönes oder Bemerkenswerthes zu enthalten.

Um 7 12 zum Bahnhof. Kein Zug nach Amiens, nur nach Rouen; also wieder in mein Hôtel royal zurück. Ich schreibe dies und draußen schäumt und braust die See. Entzückend. Siehe 5 Blätter weiter vor. Fortsetzung von Rouen. Fort.

Diese Kirchen in der Normandie, besonders die drei in Rouen, aber auch die zwei in Dieppe, haben einen ganz besondren Zauber und ich bin noch nicht recht dahinter gekommen woran es liegt. Ich will es versuchen. Die Pfeilerbündel, der ganze Aufbau, wirkt schlanker, mastenartiger, palmenwaldartiger und dadurch graziöser und phantastischer und phan wie die Cathedralen in St Denis, Reims, Amiens. Ferner sind die Seitenschiffe, nach meiner Meinung, erheblich schmaler, was den Eindruck des Graziösen sehr steigert; drittens (und vielleicht hauptsächlichst) sinddie Seitenschiffe alle derart gebaut, daß durch das Querschiff die Gesammt-Pfeiler Avenue nicht unterbrochen wird. In den 3 großen Kathedralen theilt sich auch die Avenue des Seitenschiffs in 3 Theile; man sieht bis zum Querschiff, dann das Querschiff, dann vom Querschiff in den Chorumgang hinein, der häufig noch dazu nach hinten zu eine Fläche statt einer Curve, eines Kreisabschnittes zeigt. Dadurch geht die Gesammtwirkung dieser schönen Avenuen verloren, eine Wirkung, die durch die Schneidungen, die in Folge der Curven der Pfeiler am Chor oder Chorumgang entstehn, noch erheblich gesteigert wird. Grade dies aus der Curve als point de vue malerisch herausgeschnittene Pfeiler-und Spitzbogenstück, wirkt jedesmal bezaubernd. Ich glaube, daß ich in diesen Dingen richtig gesehn habe, und daß es nicht blos daran liegt, ob die Seitenschiffe und das betreffende Stück des Mittelschiffs mehr oder weniger vollgestopft sind; denn beispielsweise Reims und Amiens haben an dieser Stelle gar keine Monumente die die Gesammt-Vue unterbrechen könnten.
Die Jungfrau (La Pucelle) wurde erst – Nähres weiß vielleicht General v. Strubberg in einem alten Schloß bei St Valery (bei Abbeville) gefangen gehalten; dann kam sie nach Rouen in den Rundthurm; auf dem Wege zum Richtplatz betete sie in St Ouen; auf dem Place de la Pucelle (??) wurde sie verbrannt. Dort steht die schlechte Statue, auf einem Postament, das die Form eines ausgeschweiften Dreiecks hat. Sie selber sieht aus wie die Magdalenen und mitunter auch die Marien aussehen auf Altarbildern aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts. Doch ist dieser Ausdruck relativ mäßig und decent. Bedeutungsvollerweise ist ihr die rechte Hand bis zum Knöchel und der Griff des Schwertes abgebrochen.

Neben den Pucelle-Erinnrungen sind es Guillaume-Le-Conquerant -Erinnerungen, die Rouen auszeichnen.

Bei St Valery (Abbeville) ist die Stelle, wo er sich einschiffte, um drüben bei Pevensey zu landen. In der Cathedrale (?) ließ er den Harald schwören, auf die Krone Edwards the confessor zu verzichten; beigesetzt ist er in Caen. Es scheint, daß die Normannenkönige alle noch in Frankreich ruhn. In der Cathedrale befindet sich ferner der Grabstein, mit seinem Steinbilde darauf, von Richard Löwenherz, neuerdings restaurirt; als Pendant (modern, das alte wahrscheinlich zerstört) das Grabdenkmal von Richards Bruder, ich glaube ..... Maurice. Hiermit, so scheint es aber, schließen, die Normannen-Souvenirs ab. Es ist zu lange her. Ueberall (mit Ausnahme von Charlemagne in Aachen
et cetera
etc
) sind die Souvenirs aus dem Jahre 1000 gering.

Die Kathedrale hat aber noch andre historische Erinnerungen, namentlich zwei wunderschöne Grabdenkmäler der der Gemahl der schönen Diane von Poitiers, Geliebten Franz I (?) oder Heinrichs II. (?) war. Als sie seine Gattin war, war sie strammweg die Geliebte des Königs. Das hindert nicht daran, daß sie hier in Stein höchst ehrsam trauert. Das Monument ist vorzüglich. Auf dem Sarkophage liegt der Marquis de Brèze (so ähnlich) todt; oben auf sitzt er in Ritterrüstung auf einem gerüsteten Pferde und turnirt mit eingelegter Lanze, oder reitet zur Schlacht. Neben dem Todten steht links die trauernde Diane, rechts der Bruder oder der Vater des Marquis. Das Ganze sehr eigenthümlich und sehr schön. Die schöne Diane erscheint als eine ansehnliche Frau, aber nicht sehr hübsch; der Kopf in einer Art Trauerkaputze steckend. Seltsam alle schönen Weiber, die uns historisch als entzückend und verführerisch überliefert werden, sind in ihren Bildern meist nur Durchschnitts-Schönheiten. So beispielsweise: Anna Bulen, Diane von Poitiers, Nell Gwynn, die Lichtenau, selbst Maria Stuart. Bei dieser letztern muß man übrigens einräumen, daß – auf den wenigen ächten Bildern – ein ganz eigentümlicher Zauber um sie her ist, den man nicht erst hineinzutragen braucht. Die einzige wirklich schöne Frau, wo sich Ueberliefrung und Bild decken, ist die Königin Luise.

Auf dem andern, noch viel größeren Denkmal knieen und beten die Cardinäle in Lebensgröße. Ich glaube es ist dies dasselbe Denkmal, wo die kleinen Frauenköpfe (in Kaputzenumrahmung) voll Schönheit und entzückendem Ausdruck angebracht sind.

Oben, hoch an der Decke, hängen mit ihren goldnen Quasten die Cardinalshüte der Cardinäle ..... und Cambacères, der beiden zuletzt gestorbnen. Zwei sind immer oben; stirbt nun ein dritter, so muß jener erste hinaus und der Hut des neu-verstorbenen wird aufgehißt.

Das Palais de Justice, von dem so viel gemacht wird, kann sich mit den Rathhäusern in Brabant und Flandern gar nicht vergleichen. Es ist doch nur eine gedrückte Gothik, die hier und dort Roccocohafte, jedenfalls keine besonders edlen Formen annimmt; an den Fenstern zeigt sich die Tudorform. Die verschiednen Sitzungssäle sind ziemlich langweilig und leisten etwa dasselbe wie das Berliner Rathhaus. Intressant und schön ist die Holzdecke eines großen Saales, der roth und mit goldnen Bienen geschmückt ist. Es sind sechseckige Figuren angebracht, die so nebeneinanderstehn, daß die Zwischenräume (vertieft) auch ein Sechseck bilden aber ein unregelmäßiges. Intressant ist noch das kleine Zimmer im Rundthurm, was zu Zeiten Louis XII. und ich glaube auch Franz I. Berathungszimmer für den Staatsrath (??) war. Bedeutend ist la salle des procureurs, eine kolossale Halle, die nicht wenig an die Westminster-Halle erinnert, ein einfaches, aus Eichenschindeln getäfeltes Dach (Decke) die Wände selbst wenig ornamentirt, an der einen Schmalwand eine große Statue des Corneille.

Das Hotel de Ville ist ganz unbedeutend; desto intressanter der clock-tower, der zugleich ein Straßenportal bildet wie Tempel-Bar in London. An diesem Portal ist die Uhr. Die Hauptsache aber ist die Hautrelief-Arbeit, ich glaube in Sandstein, die den Innenbogen schmückt. Es gehört dazu eine lateinische Inschrift, die etwa lautet: Animam suam donavit ovibus suis. Es ist eine große Hirtengestalt mit dem Hirtenstab, dazu Landschaft und weidende Schafe. Es scheint mir Christus mit seiner Herde zu sein. Hier aber heißt es: es sei die Personifikation von Rouen (berühmt durch seine Schafzucht,Wolle
et cetera
etc
) und wolle nichts weiter sein. Dies glaub ich nicht. Jedenfalls ist es dann doppelsinnig gemeint.

Sehr intressant ist das Hôtel de Bourgtheroulde mit seinen seltsamen, nur noch halberkennbaren Sandstein-Reliefs, von denen die obre Reihe der biblischen Geschichte, die untre der Geschichte Heinrichs VIII. und Franz I anzugehören scheint. Das Ganze malerisch, abenteuerlich.

Die Corneille-Statue auf der Brücke ist eine gute Arbeit, nur in der Haltung ein wenig zu theatralisch; der große, gedankenhafte Dichter tritt einem doch nicht genugsam entgegen.

Bliebe noch übrig der Hügel und die Kirche von Bonsecourt. Man fährt einen Schlängelweg hinauf (wohl 60 oder 80 junge Cleriker,angehnde Geistliche von 20–22 Jahren, begegneten mir) durch eine Art Vorstadt.

Oben hat man allerdings eine entzückende Aussicht: das breite, fruchtbar Seine-Thal, der Fluß mit seinen Inseln in und außerhalb der Stadt, die Berge hüben und drüben, die malerisch an den Hängen und an der Mündung der Querschlucht gelegene Stadt, – die Schönheit, die Eigenthümlichkeit, der Reichthum dieses Stücks Erde erschließt sich hier auf einen Blick. Es ist eine Hauptstadt, und die Bedingungen dazu wurden von der Natur reichlich gegeben. Sehenswerth wie der Blick von hier oben ist die Kirche von Bonsecourt; vielleicht ist sie ’s selbst mehr, als der Blick. Denn „schöne Blicke“ giebt es überall; diese Kirche ist aber, meines Wissens, ein Unicum. Zunächst ist sie eine moderne gothische Musterkirche, etwa wie die Aukirche in München, um zu zeigen: wir können das auch noch. Vielleicht aber existirt keine Kirche, nach meiner Kenntniß gewiß nicht, wo man die Polychromie so durchgeführt hat wie hier; man kann sagen es abondirt alles in satter Farbe, es schwimmt, es trieft davon. Ob dies das Höchste ist, mag dahingestellt bleiben. Mir scheint es zu viel. Man hat nicht Maaß gehalten. Eine völlige Dämmrung herrscht in der Kirche bei hellem Tage. Alle Fenster haben tiefe, satte Farben und so das ganze Innre. Die Decke ist blau mit Sternen; die Gurte und Cannelirungen roth mit Gold (nach dem Vorbilde in Amiens wovon ich dort gesprochen); die Pfeiler sind von einer Farbe die ich vergessen habe, ich glaube rothbraun, und die 4 Säulenstäbe an diesen Pfeilern sind roth, blau, grün; alles mit Gold überladen. Es ist völlig maurisch; wer jemals in die maurische Kuppel im Alhambra Hofe zu Sydenlaam eingetreten ist, wird wenn er Bonsecourt sieht, durch die Aehnlichkeit überrascht werden; dort Hufeisen-Bogen, hier Spitzbogen – c’est la difference. Wenn man die in einem wunderschönen grauen Ton gehaltenen Kirchen von Rouen aber gesehen hat, sollte man doch meinen, eine Kirche könnte dieses Farbenschmucks entrathen, sollte es; die bunten Glasfenster, für die ich unbedingt bin, thuen nach der farblichen Seite hin genug; schon die blauen Decken mit Goldsternchen thuen des Guten zuviel, denn hat man erst angefangen, wo will man aufhören.

Von besondrer Schönheit (dies sei noch nachträglich bemerkt) ist die große Façade der Cathedrale zu Rouen; vielleicht war sie ursprünglich bescheidner intendirt, aber dadurch daß die zwei großen flankirenden Thürme, darunter la tour du boeuf an die vielleicht schon fertige Kirche heranrückten, entstand eine Facade von unverhältnißmäßiger Breite und entsprechender Mächtigkeit.

Freitag d.
dender
28.

April. frühstückt. Eine Stunde mit
Hauptmann
Hptm:
Lengerich
geplaudert. Um 10 à la gare. Langweilige, beinah 8 stündige Fahrt über Rouen nach Amiens zurück. Zum General v. Strubberg. Abschied. Zu General v. Ruville. Die Scene mit dem 28 er. Wo wohnt General v.
Ruville
R.
? Ah, dat is en Franzos. Nein. Dat weet ich nich. Aber Sie werden doch Ihre Generale kennen. Wissen Se et sind zu viele. Da is erst General v. Goeben, Excellenz, General v. Kummer, Excellenz, Brigadegeneral v. Strubberg; ne, lieber Herre, et sind zu viele. Damit trennten wir uns.
Ich fand ihn nun aber noch. Nahm eine Karte, schrieb einige Zeilen und bei dieser Gelegenheit ließ ich dies Notizbuch liegen. Zu Hause kleiner Schreck. Die Leser dieser Ztg wären wenigstens um diese Briefe gekommen. Ich dachte an Dieppe. Endlich fiel mirs ein. Also hin. Ich fand einen Gefreiten, der bei der Lampe las und erkannte mein kleines Buch. Er entschuldigte sich in einer sehr angenehmen Weise, verbindlich aber nicht überschwenglich, etwa so, daß er es vor seinem Gewissen wohl verantworten könne, wenn auch nicht vor seinem Anstandsgefühl. Ich versicherte ihm, daß ich das Ganze als ein gutes Omen ansähe, daß sich schon jetzt ein Leser gefunden habe. Vielleicht hab ich seine Haltung auch überschätzt. Er trug eine Brille. War also vielleicht das gebildetste was man in Preußen sein kann, ein Referendarius. – Früh zu Bett. Endlich mal fest und gut geschlafen.

Sonnabend d.
dender
29. April

. Früh auf. Fahrschein vom General v. Ruville erhalten. Etappen-Flegeleien. Ich lobe mir die Franzosen. Der Deutsche ist mitunter fein; von Natur ist er ein Ochse. Beim Banquier Geld gewechselt. Nach dem Platz hinterm Dom um „Pierre, l’Eremite“ zu sehn. Diese Statue zählt zu den beßren. Er ist aufgefaßt als ein predigend und rufend durch die Lande Schreitender. Die Linke liegt auf der Brust; in der Rechten hält er das Cruzifix empor; man sieht, er predigt, er ruft, und schreitet weiter. Dies siehe 3 Blätter weiter.
Lageplan; CitadelleCitadelleHam (Somme)Zitadelle von Ham. Lageplan; CitadelleCitadelleHam (Somme)Zitadelle von Ham. Großer Rundthurm Wall. Wasser. Dossirung. Garten am Fuße der Dossirung. X----X

Diese 3 Fenster an der Ecke waren sein eigentliches Zimmer. 1 Treppe hoch. Unten Eibenbaum die er gepflanzt; Fliedergebüsch und Beete daneben und davor. 6 Mann Wache; vorn 30 Mann; 2 Mann vor seiner Thür. Dr Conneau. Badinguet. Die beständigen Gefahren
Logement de l’Empereur.
Nach dem Hofe zu das Zimmer mit zerrissner Tapete, Kamin, Paneel, Place de la Bibliotheque. Nach Garten und Rundthurm zu: Schlafzimmer; 1 fenstrig; eiserner Ofen Table de Toilette, Place de lit.

Andre Seite: 3.) Wohnzimmer gerade die Ecke. 4.) Zimmer nach dem Hofe. Auch Wohnzimmer. Alles mit Gitterstäben.
Gebäudegrundriss; Napoleon-HausNapoleon-HausHam (Somme)Napoleon-Haus in der Zitadelle von Ham. Wohn- Arbeits und Bibliothek Wohn zimmer Corridor Schlaf- Corridor. Speise zimmer. mit Ofen und zwei Wandschränken. Untapeziert. Küche.

Nachruf von unsrem x---x Kameraden Thomas Roggendorff, Füsilir des 9. Corps 65.
Regiment
Rgmt
welcher am 23.
Dezember
Dzeb.
1870 in der Schlacht bei St (?) Querieux getroffen vondurch durch 2 Schüsse durch die Brust auf dem Felde der Ehre fiel.

Gemeldet von seinem ihn nie vergessenden Cameraden des 9. Corps. 5. RheinInf Regits No 65. Oben drüber ein Grab, am Grabe ein Füsilier, vor dem Grabe eine Cypresse, hinter dem Füsilir im Busch.
Wie wenn der Sturm aus
Aeols Höhle fährt.
Und heulend Staub in finstre
Wirbel dreht
Dem Himmel schwärzt, dem Sonnen
strahl es wehrt
Die grüne Flur mit Stein
und Kies besät
So tobt der Feind. So wüthend
füllt sein Heer
Die Luft mit Dampf, die
Felder mit Gewehr!
Und das Land aus tausend
ehernen Röhren
Läßt sich weh- und
trauerbringend hören.
Der schele Neid trieb
übermüthge Schaaren
Aus Nord und Süd heraus;
Und schickt des fernen
Afrikas Barbaren
Um uns zu x---x aus.
Doch des kecken feind
wilde Fluthen
Hemmt Wilhelm durch seines
Heeres starken Arm
Zerstoben ist wie Spreu
der wilden Horden Schwarm
Und muß jetzt aus Bauches
Wunden bluten. –
Auch Du bist nicht mehr etc.
Der 65 er Leutnant in der Ruine zu Boves heißt Walker. (Siehe 3 Blätter weiter vor) ist gut gedacht und gut ausgeführt; aber der Kopf ist verfehlt. Er ist flach, ohne tiefre, selbst ohne jede leidlich charakteristische Auffassung. Dies ist der herkömmliche, anständige Apostelkopf, aber es ist nicht Peter der Eremit; von Ascese, Fanatismus, keine Spur, und insoweit ist die Arbeit verfehlt.

Etwa um 11 Abfahrt nach Ham. Ankunft etwa 1 Uhr. In die Stadt. Das herkömmliche Dreckloch aller Länder. Ins Hôtel de France. Hier traf ich, als Vorsitzenden seiner Tafelrunde, Major v. Bastineller vom 65., Commandanten von Ham. Ich überreichte mein Empfehlungsschreiben und nahm Platz. Angenehm geplaudert; Küche mäßig. Geschichte vom Obersten v. Krohn. Die Quastsche Geschichte ist so: In Dorf oder Stadt kommt es vor, daß ein Preuße erschossen wird. Er läßt die Notablen zusammentrommeln, da der Thäter nicht zu ermitteln ist. „Wählt 3 aus, die ich erschießen lasse; wo nicht, ihr alle“. Die 3 werden ausgewählt und müssen sich ihr Grab graben. Nun werden die andern gezwungen, auf dem Bauch liegend, und mit erhobenem Kopfe, Zuschauer der Fusillade zu sein. Furchtbar! Ein andermal sieht er einen Blaukittel in einem Walde. Natürlich Franctireur. Ohne Weitres Jagd gemacht. Der biedre 24er pirscht den Blaukittel, man schießt ihn nieder. Als die andern des Weges kommen, sitzt der 10jährige Knabe des Blaukittels weinend an der Leiche des Vaters. Sie waren in den Wald gegangen, um Reisig zu suchen. Solche Dinge hat er zahllos geleistet. Einfach verrückt.

Um 2 12 mit dem Major in die Citadelle. Alter Bau; die Rundthürme aus Quadern sehr alt, dann mittelalterlich mit Backsteinmauern befestigt, dann durch Vauban corrigirt. Für jetzige Verhältnisse eine Null, die der anliegenden Stadt immer nur Verlegenheiten schafft.

Es ist im Wesentlichen ein Häuser-Viereck, mit Wall, Graben, Zugbrücke, Portal. An drei Ecken befinden sich alte Rundthürme; andre, neure Thürme, die nur Ornament sind, überragen hier und da den Bau. In der Mitte des Hofes steht eine Freiheitslinde, nicht wie die unsrigen 1813, sondern 1793 gepflanzt und zwar durch einen Deputirten (wahrscheinlich des
betreffenden
betr.
Departements). Der Hinterflügel besteht aus zwei Häusern. Das eine davon ist das Napoleon-Haus, wo er 1838 (?) gefangen saß. Unten Wache von 6 Mann. 2 Mann auf dem obren Flur. 30 Mann vorn im großen Wachlokal des Portals. Im Ganzen in den Kasernenräumen 500 Mann; dennoch kam er frei. Er hatte hier eine Liebschaft mit einer Hammenserin, die der jetzige Erzbischof von Paris, damals Geistlicher zu Ham, eingeleitet und protegirt haben soll. Es giebt 2 Söhne aus dieser Liaison. Einer ist Generalkonsul. Sie führen den Namen der Mutter. Er arbeitete hier bekanntlich viel. Mit ihm war
Doktor
Dr
Conneau
. Er hatte eine ganze Wirthschaft. Sechs Räume; die Zeichnung ist richtig. Das Haus hat eben diese Form
Gebäudegrundriss; Napoleon-HausNapoleon-HausHam (Somme)Napoleon-Haus in der Zitadelle von Ham.
, so daß die Vorderhälfte vier, die Hinterhälfte nur 2 Zimmer hat. Alles in Backstein; ganz ordinaires Haus, ohne Styl oder Ornament. Die Festung selbst hat überall Ornamente namentlich am Portal und zwar
Vorderansicht (Ornamente); CitadelleCitadelleHam (Somme)Ornament in der Zitadelle von Ham.
eine Mönchskorde an der eine Quaste hängt.

In diesem einfachen Backsteinkasten bewohnte der Prinz die obre Etage. Er arbeitete viel. „Idées Napoleoniennes“ etc. Hinter dem Hause, schon in halber Höhe des Walles, hatte er einen kleinen Garten, den er bebaute. Noch sind die Hecken sichtbar und in ihrer Mitte ein schöner Eibenbaum (Taxus) den er gepflanzt haben soll. Es ist zweifelhaft. Der Baum ist für 30 Jahr zu schön und zu stark.
Er hatte auch eine Küche, also eigne Menage. Dies war, nachdem wie ich die Küche von Ham kennen lernte, ein Glück für ihn; es ist fraglich ob er das Hotel de France überstanden hätte.

Die Befreiung geschah durch Badinguet. Maurer oder Stuckarbeiter. Er nahm die Mulde auf den Kopf und passirte Thür, Treppe, Hof, Portal. Vier-, fünfmal wurd er scharf angesehn; einmal, als die Mustrung zu scharf wurde, ließ er die Pfeife fallen und bückte sich, um sie wieder aufzuheben. So kam er durch. Draußen stand der Wagen der ihn nach St Quentin und bis an die Grenze brachte. Dr Conneau plauderte inzwischen immer in das leere Zimmer hinein, um glauben zu machen, der Prinz sei noch gegenwärtig.

Später hat dann Louis Napoleon mehrere der am 2. Dezember verhafteten Generale hierher geschickt: Canobert, Lamoricière, Changvièr; diese Namen müssen verificirt werden.

Im Januar
des Jahres
d. J.
wurde dann Ham noch mal berühmt durch die Telegraphen-Abtheilung, die sich hier in die Festung zurückzog, aber nach 24 Stunden etwa kapituliren mußte.

In der Küche hat sich der Poet der 65 er nun verewigt.

Bald nach 4 Abfahrt von Ham in einer zierlichen voiture nach St Quentin. Es sind nur 5 Lieues, also 2 12 Meile. Der Weg führt durch höchst fruchtbare Gegenden. Alles betterave-Felder; Zuckerfabriken; ganz wie am Oderbruch hin, woran es vielfach erinnert. Auf der letzten Meile führt der Weg gerade über das Schlachtfeld vom 19. Januar. Es ist etwa so:
Lageplan des Schlachtfelds; SchlachtfeldSchlachtfeldSaint-QuentinSchlachtfeld bei St. Quentin. Grande route von Vermand Route imperiale von Ham
et cetera
etc
nach St Quentin

Faidherbe stand etwa eine kleine Meile in westlicher Front von St Quentin. Seine Aufstellung war ein Kreissegment zwischen den beiden grandes routes. Die Dörfer und namentlich die Wäldchen, die hier lagen, hatte er besetzt. Goeben griff in 5 Hauptstrahlen auf allen möglichen Wegen an Die Franzosen wurden bei diesem lebhaften, geschickt eingeleiteten, concentrischen Vorgehn rasch von Position zu Position geworfen; nur an einzelnen Stellen hielten sie sich länger wie in Eteillers und namentlich wohl am Kirchhofe von Savy. Faidherbe leitete das Ganze vom Windmühlenberge hart am Wege aus, wo er einen guten Überblick hatte.

Alle unsre Truppen waren an diesem Tage brillant; auch die 3. Cavallerie Division zeichnete sich am linken Flügel aus und machte vieles frühre wieder gut. Die bei Savy Gefallenen siehe einige Blätter weiter.
Faidherbe wollte hier nicht vorgehn; er wußte, daß er es seinen Truppen nicht zumuthen könne. Bei Amiens (an der Halue) hatte er am 23.
Dezember
Dzeb.
sehr geschickt operirt; die Position war brillant, der Rückzug gesichert in sein Festungs-Mauseloch hinein. Hier, bei St Quentin, hatte er weder eine gute Position, noch einen guten Rückzug. Das ganze weite Feld ist eigentlich eine einzige große Pläne, die kleinen Mulden kommen nicht in Betracht, überall sind die Siehe Daily News Frontangriffe entweder verhältnismäßig leicht oder Umgehungen ohne Schwierigkeit zu machen. Er hatte nichts als die Dörfer und die kleinen Wälder. Beides nutzte er aus, aber da man alles tourniren konnte, hatte er nicht viel davon. – Halbaufgelöst kam sein Heer in Lille an; gleichzeitig Gambetta. Die Mißstimmung die dieser hier vorfand, hatte Einfluß auf ihn und brach zum Theil seine Kraft. Faidherbes Armee bestand zum Theil aus brillanten alten Soldaten, zum Theil aus Schund. Mit erstren operirte er, die letztren dienten als bloße Coulisse. Daher kam es auch, daß er seine relativen Erfolge, wie beispielsweise am 23. Dezember und später bei Bapaume nicht ausbeuten konnte. Wenn die guten Soldaten erschöpft waren, hatte er nichts mehr in Händen, um zur Offensive überzugehn.

In Vaux (so erzählte der Kutscher) wurden 3 Häuser zerstört; im Großen und Ganzen scheint der Kampf in diesen Dörfern nicht bedeutend gewesen zu sein; man sieht wenig oder keine Kugelspuren. Etreillers und Savy sind große Dörfer, aber sehr verschieden, ersteres malerisch, complicirt, ärmlich, letztres eine stattliche Häuserlinie, wohlhabend, hübsche Kirche, hübscher, etwas hochliegender Kirchhof. Auf dem Kirchhof, Cypressen, Pappeln, Strauchwerk, viele Grabsteine, dazu die neuen Gäber und das umgestürzte Kreuz in der Mitte.

Der Kutscher, der mich fuhr, war halb Original halb Imbecile, aber doch mehr vom letztren. Er hatte Einquartirung und hatte sich deshalb eine besondre Art von Preußen-Unterhaltung zurecht gemacht, in der seine Finger die Hauptrolle spielten; dann kamen die Hauptwörter und die Worte bon, caput, nix. Er machte mich mit seiner Präcision, mit diesem lapidarsten Lapidarstyl zuletzt ganz nervös und ich wünschte mir die richtigen Franzosen zurück, die ihre Unterhaltung nach dem Wassersturz-Prinzip machen. Neunzehntel geht verloren, aber es bleibt doch immer noch was übrig. Dieser aber sagte nur: bon cheval, bon conducteur, bon Saxon, bon Francais. Le patron là riche, très riche, mais caput. Man denke sich diese Conversation drei Stunden lang. Auch der Lapidarstyl hat seine Grenzen.
Savy.
Hier ruht Lieutnant Wih: Hildebrandt Füs. Reg: 33. Er starb Heldentod für Kaiser und Vaterland in der Schlacht bei St Quentin.

Hier ruht Premier Lieutnant Fritz Fiedler 5.
Rheinisches Infanterie Regiment
Rh. Inf. Reg.
65.
wie oben

Hier ruht Vice Feldwebel
Wilhelm
Wilh:
Muth
65. Regiment.

Ruhestätte für 7 Deutsche und Französische Krieger aus der Schlacht bei St Quentin 19. Januar 1871. (71)

In der Mitte der Kirchhofs ein Fundament und drauf ein großes Holzkreuz mit einem Crucifix und Inri. Das Holzkreuz ist umgeworfen und liegt in einem Nesselbeet. Der Christus fort. Nur das Inri steht noch dran. erzählte)
Mister
Mr.
Dumas fils
von Pay herübergebracht hatte, um das Grab seines Vaters zu schmücken. Dies ist rührend und schön. In Front des Giebels sind verschiedene kleine Katen angebracht, mit Huldigungsgedichten; die meisten sind durch den Theer unlesbar oder fast unlesbar geworden, nur eines war noch lesbar. (Siehe die andre Seite). Der Kirchhof, mit vielen Steinen und Grabkreuzen geschmückt, die gothische Kirche an seiner rechten Flanke, ist sehr hübsch, nach vorn hin von einer Mauer, fast von lebendigen Hecken eingefaßt. Diese hindern etwas den Blick; aber wenn man auf einen der höhren Grabsteine steigt, blickt man auf das Meer.

Ein Grabdenkmal konnte noch nicht errichtet werden und so gewährt das Grab einen seltsamen Anblick, dadurch freilich um so interessanter. Man sieht nämlich auch kein Grab, sondern über dem Grabe, da wo man sonst einen grünen Hügel sieht, steht hier ein großer aus Brettern zusammengenagelter, mit Schiffstheer angestrichener Kasten oder Verschlag, halb wie ein Sarg halb wie ein Schuppen. Auf dem giebelartigen Dach dieses seltsamen Baues lagen Massen von Fliederblüthen, die drei Tage vorher (wie mir der Küster
  • 1/ Tri dont nous connaissons les oeuvres admirables, Remplis de tout esprit .......

  • 2/ O toi qui sut créer tant d’oeuvres adorables. Je rens sur ton tombeau prier avec ferveur
  • ....
  • 3. Ganz unlesbar
  • 4. Toi, que nous avons tant admirès sur la terre Ton beau nom grandira encore dans l’avenir Toi qui joignait l’esprit aux vertus d’un bon père Nous garderons toujours ton tendre souvenir.
Kathedrale zu Amiens Audite Qui Ingredimini per Portas Has, ut adoretis Dominum. Emundate Manus Purificate corda. Rom. Darunter der alte steinerne Sarg. (Ist der alte eigenthümliche Taufstein) le Chateau de Henri quatre. Es ist ein ziemlich steil abfallender Hügel, oben jetzt ein Grasplatz mit Bäumen in zwei Cirkeln umpflanzt; drei Seiten fehlen ganz, nur die Ostseite zeigt noch einiges Mauerwerk, am besten erhalten ist das Portal, an der Südstrecke, das aus besserem Gestein, aus kleinen saubren Quadern gebaut ist. Richtiger war es ein hoher Südostthurm, wohl mit den Hauptzimmern, und unter dem Eingangs Portal. Das Ganze war die Wohnung der Gabriele von Estrièn, oder ihr wenigstens zugehörig. Das Dorf Estrièn liegt in der Nähe. Das Charakteristische ist der Niederungsgrund zwischen Fouoncamp und Boves, ein Torfmoorgrund der die Somme, Hallue, Selle, Aber etc. begleitet; es ist das Torfmoor das Charakteristische dieser Gegenden überhaupt; es findet die Operation, selbst am 23. Dezember als alles gefroren war, war es nicht zu; so daß man nur die Uebergänge benutzen konnte.

Der Punkt, der den schönsten Ueberblick gestattet, ist die Ruine von Boves, genannt Die 3. Cavallerie Division hat am 26. einen besonderen Kampf bei ... Am 27. dringen drei Divisionen vor Die Westpreußen, nach hartem Kampfe, scheitern beinah am rechten Flügel; in Centrum (Boves
und
u
Sains) und am linken Flügel reüssirt man und entscheidet dadurch den Tag. Die 30. Brigade nimmt den Bahnhof Boves von , und wirkt bei Wegnahme der Ruinen mit, die vorzugsweise durch die 29. (Reg: 65.
und
u
33)
besorgt wird.
Lageplan des Schlachtfelds; SchlachtfeldSchlachtfeldAmiensSchlachtfeld von Amiens. 2. Division auf Genelles. Sumpf, Niederung, Teiche 30. Brigade 29 Brigade 15. Division 16. Division auf Dury Sain X---x Bahnhof Boves Burg-Ruine. Eisenbahn von Boves auf Amiens. Amiens. mit seiner Häuser masse in Grunde, aber von der Mehrzahl seiner Thürme und von der ganzen Kathedrale überragt.

Theater zu St Denis. 19. La maison imperiale 20. Hôtel du Cerf und Café de l’Industrie. Namentlich das letztre. Nicht weit von der Eisenbahn. Drei Eingänge. Sechs Billards. Nachmittags-Publikum bis 9 12. Dann verwandelt sich die Scene, ein neues Leben beginnt. 21. Der letzte Morgen. Die Schilderung des Hauses und der Familie. In allem Cultur und Zerfahrenheit. Das Einzelne der Einrichtung bekundete die hohe Cultur des Ganzen; die Uhren, Pendulen, Betten, das Geschirr, aber kein Ensemble, wie kam das hierher? Und so auch Cultur und Zerfahrenheit auf Gebiet. Die Zeitungen wurden unten ausgerufen: Le petit Journal, Le Bien public, Le Mot d’Ordre, – man kaufte das erste beste. Nun wurde gelesen; alles lauschte. Sie befriedigten ihre Neugier; aber zu nichts nahm man eine Position, Thiers, Connuon, alles gleich. 1. Ostersonntag. 2. Eine Bekanntschaft (Vischer) 3. Eperney 4. Rheims. (Ankunft. Begräbniß. Kathedrale. Sie sind wohl aus Luxemburg). 5. Rheims (das Hôtel, das Café, die
Württemberger
Würtembgr
, das Standbild Godinots, die Statue Louis XV. „Ah, bah!“). 6. Ein Schreck. (Crespy. Crescy) 7. Ein Wiedersehn. 8. Liancourt. 9. St Denis. Ankunft. Regenbogen. Kanonendonner. 10. Die Wohnung. Rue de Boulangerie. Zwei Heiligenbilder, ein Bett, ein Kehricht und ein Flickenhaufen. Die Stadt. Ein Abend in Cerf. Im Café. 11. Die Cathedrale. 12. Das Concert in der Kapelle choeur d’hiver 13. La Briche und Double Couronne. 14. Le Bourget (Fahrt über Stains) 15. Der Mont-Avron. 16. Montmorency-Enghien. 17. Die Mühle von Sannois. 18. Das Am 28. oder 29. November 1870 ein
Artikel
Art:
von
Prediger
Pred.
Gerlach
über Krankopfer in der
Kreuz Zeitung
† Ztg.

Kaufen Siècle vom 18., 19., 20., und 21. April. Diese Nummern enthalten zum Theil eine Schilderung der Vorgänge, die ich von der Mühle von Sannois aus am 19. Mittags selbst beobachten konnte.
Das Urtheil der Preußen. Es erinnert an das Urtheil des Fremden,
speziell
spz:
der Flüchtlinge von 1848, in England über England.

Ueber französisch-sprechen. Wie bequem man sichs macht. Wie wenig man an sich arbeitet. Die politische Anschauung kommt hinzu und hindert alles Lernen. Mit den schwatzhaften gewöhnlichen Leuten, in deren Quartieren man liegt, kann man nicht sprechen, weil es zu öde, dumm und langweilig ist. Nun bleiben noch die Gebildeten. Aber hier treten Schwierigkeiten ein. In den meisten Fällen wollen die Gebildeten nicht. Wollen sie aber ausnahmsweise, so ist es doch auch wieder mißlich für einen Offizier sich zu weit mit ihnen einzulassen. Er vergiebt sich dadurch etwas; nicht immer, nicht nothwendig, aber die Gefahr ist immer da. Paris à Amiens 8 heure matin 1. 15. soir 7. 15. soir matin soir soir | Ankunft
| –
| – 11 Uhr 5.16 10. Nur diese 3 sind zu benutzen. Der letzte ist der rascheste, dann der erste, der mittlere fährt 4 Stunden. An Prediger Gerlach.
Herrn von Sydow Packen.
Exzellenz
Exc.
v. Pape
. Cathedrale. Die Kapelle. Description. Photographie.
? Der Mantel. Die Karte. Monterollier Buctry Mercy le Hauf bei Metz. Aus sichtspunkt.


FeldAuditor Schultz. beim Etappen Hauptfort VII. Armeecorps.
Lovv Lovv

Théatre de Saint-Denis


Mercredi 19 Avril 1871 Salle du grand salon, cours benoist, 17 Tous les soirs spectacle donné par la troupe française. Jeden Abend neue Vorstellung von der franzosischen Theater-Gesellschaft. Anfang 7 Uhr, Cassen offnung 6 Uhr.
Avis. Le Spectacle commencera à 7
heures
h
précises pour finir à 9
heures
h.
20
minutes
m.
Le public est donc informé qu’il peut assister aux représentations qui seront terminées avant l’heure de la retraite (fixée à 10 heures du soir pendant ladurée des Représentations).
Le violoneux Saynète comique Reinette,
Mademoiselle
Mlle
Marietta. Pierre,
Monsieur
M.
Deparviller.
Le papillon et les roses Pas de trois, dansé par
Mademoiselles
Mlles
Lisbeth, Henriette et Maria.
La boite mystérieuse Scène comique par Tonino & Pepino, Clowns italiens. Le ménage auvernat Vaudeville joué par
Monsieur
M.
et
Madame
Mme
Deparviller.
La tarentelle de la Muette Dansée par
Mademoiselles
Mlles
Maria et Cécile.
Le Trou Chanté par
Mademoiselle
Mlle
Marietta.
La petite curieuse Chantée par
Mademoiselle
Mlle
Pissarello.
Pierrot Statue Ballet-Pantomime Pierrot,
Monsieur
M.
Bunel. Cassandre,
Monsieur
M.
Négrier. Léandre, Herbert. Un statuaire.
Stella. Colombine,
Mademoiselle
Mlle
Pissarello. 2 pâtissiers.
Mademoiselles
Mlles
Antoinette et Léontine.

La Musique militaire exécutera différentes Ouvertures pendant les Entr’actes. Ordre: 1. Le Ménage auvergnat. — 2. Le Papillon. — 3. Le Trou. — 4. La Boîte mystérieuse. — 5. Le Violoneux. — 6. La tarentelle. — 7. La petite curieuse. — 8. Pantomime.
Prix des places: Premières places 3
francs
fr.
— Pourtour 1
franc
fr.
— Galeries debout 50
centimes
c.
Le public est prié de payer sa place, autant que possible, en monnaie française.
Nota. — Une mise décente est de rigueur.
Saint-Denis. — Typographie de A. Moulin.